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Full text of "Der Russisch-türkische Krieg, 1877-1878 auf der Balkan-Halbinsel"

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http://archive.org/details/derrussischturki02grze_0 



Der 



Russisch-türkische Krieg 

1877-1878 

auf der Balkan-Halbinsel. 



VERFASST VON DER KRIEGSGESCHICHTLICHEN COMMISSION DES 
KAISERLICH RUSSISCHEN HAUPTSTABES. 



AUTORISIERTE VOLLINHALTLICHE UEBERSETZUNG 
von 

Victor Grzesicki Franz Wiedstruck 

k. und k. Hauptmann, ü. c. im Inf.-Rgmt. k. und k. Hauptmann im Generalstabs- 

Nr. 20, commandiert beim Generalstabe. Corps. 



Im Auftrage des 
k. und k. Ciiefs des Generalstabes 

herausgegeben von der 

Direetion des k. und k. KLriegs-Arehivs. 



II. BAND. 

MIT 2 TEXT- UND 21 KARTEN-BEILAGEN. 



WIEN 1902. 

IN COMMISSION BEI L. W. SEIDEL 8^ SOHN 
K, UND K, HOFBUCHHÄNDLER. 



ALLE RECHTE VORBEHALTEN. 



Nachtrag 

zum Inhaltsverzeichnis des II. Bandes. 



Textbeilagen seite 

I. Ordre de bataille der russischen Operationsarmee 285 

II. Verzeichnis der gefallenen, verwundeten und verletzten Generale, Stabs- und 

Oberoffiziere 297 



Verzeiclinis der Kartenbeilagen bei diesen. 



II. BAND. 

OPERATIONEN VOM 12. [24] APRIL 
BIS 9. [21.] JULI 1877. 

(VOM BEGINNE DES KRIEGES BIS EINSCHLIESSLICH ZUM 
1. TREFFEN VON PLEVNA.) 



MIT 2 TEXT- UND 21 KARTEN-BEILAGEN. 



INHALT. 



Seite 

I. CAPITEL. 

Politische Lage zu Beginn des Krieges und die beiderseitigen Kriegs-Pläne i 

Politisches Ziel Russlands gegen die Türlcei. — Zwei Kriegsscliauplätze: in Europa 
und Asien. — Beziehungen Russlands zu Oesterreich-Ungarn und Rumänien. Verein- 
barungen mit diesen Staaten. — Militärisciies Endziel des Krieges auf der Balkan- 
Halbinsel. — Pläne zur Erreichung dieses Zieles. — Stärke der russischen Operations- 
Armee. — Pläne der Türken und ihre Kräfte zur Bekämpfung der Russen auf der 
Balkan-Halbinsel. 

II. CAPITEL. 

Die Besetzung Rumäniens durch die russische Operations-Armee 24 

Situation der russischen Operations-Armee Mitte März. — Concentrierung der Truppen 
gegen die Grenze, — Verfügungen des Hauptquartiers für den Einmarsch nach Rumänien. 

— Bildung des „Untere Donau-Corps". — Vorrückung der Hauptkraft in drei Colonnen. 

— Heranziehung der folgenden Truppen mittels der Eisenbahn. — Eintreffen Kaiser 
Alexanders IL — Thätigkeit der vorgeschobenen Gruppen an der Donau. — Ein- 
treffen des XIV., XIII. und IV. Armee-Corps. — Ablösung des XI. durch das XIV. 
Armee-Corps an der Unteren Donau. — Thätigkeit der rumänischen Truppen. — 
Gruppierung beider kriegführenden Parteien auf dem Balkan-Kriegsschauplatze anfangs 
[Mitte] Juni. 

III. CAPITEL. 

Bereitstellung der Mittel für den Donau-Uebergang 60 

Zusammensetzung und Vertheilung der türkischen Kampf-FIotille. — Die zur Bekämpfung 
derselben bestimmten russischen Schiffe und Minen. — Bereitstellung der Ueberschiffungs- 
mittel. — Vorbereitung des Brücken-Materials. 

IV. CAPITEL. 

Kampf um die Beherrschung der Donau 67 

Errichtung von Ufer-Batterien und Minensptrren an der Unteren Donau. — Sprengung 
der Panzercorvette „Lütfi-Dzelil" durch eine russische Ufer-Batterie. — Sprengung des 
Monitors ,,Selfi" durch russische Torpedokutter. — Unterbindung der freien Fahrt für 
türkische Schiffe zwischen Reni und Hirsova [Här§ova]. — Errichtung von Ufer- 
ßatterien und Minensperren an der Mittleren Donau. — Angriff des Kutters ,,Sutka" 
auf einen türkischen Kriegsdampfer bei Paraipani (Parapan). — Angriff der Kutter 
j.Sutka" und ,,Mina" auf einen türkischen Monitor bei Flämünda. — Unterbindung der 
freien Fahrt für türkische Schiffe zwischen Giurgevo und Corabia. 



II 

Y. CAPITEL. Seite 

Uebergang des „Untere Donau-Corps" bei Galaz-Bräila und desssn weitere 
Operationen bis 27. Juni [9. Juli] 94 

Kecognoscierungen der Donau im Mai. — Recoi;noscierungen des Generals Zimmer- 
mann. — Befehl des Hauptquartiers vom 31. Mai [12. Juni]. — Gruppierung des „Untere 
Donau-Corps" am 31. Mai [12. Juni], — Stärke und Vertheilung der türkischen Krälte 
in der Dobrudza, — Plan des Generals Zimmermann für den Uebergang. — Con- 
centrierung der Truppen bei Bräila. — Brückenschlag zwischen ßräila und Gecet. — 
Uebarschift'ung und Landung der Gruppe GM. Zukow an der Halbinsel Bugecu (Budzak). 
Gefecht auf den Höhen von Biigecu und Garvan. — Ankunft Kaiser Alexanders II. in 
Galaz. — Besetzung von Mäzin. — Vorschieben des XIV. Corps in die Linie Cadi 
Ca§la (Ivadi Kisla)— Cartal. — Ablösung der Gruppe des Generals Werewkin an der 
Unteren Donau durch jene des Generals Alexandrow. 

VI. CAPITEL. 

Uebergang der russischen Hauptkraft über die Donau bei Zimnicea-Svistov . 114 

Recognoscierung der Donau. — Vorbereitende Concentrierung der russischen Haupt- 
kraft. — Definitive Wahl des Uebergangspunktes. — Gruppierung der russischen Truppen 
am Abende des 14. [26.] Juni. — Stärke und Vertheilung der türkischen Truppen. — 
Das Ufergelände bei Zimnicea-Svistov in taktischer Beziehung. — Ueberschiffung des 
1. Staffeis. — Kampf in der Tekir dere-Schlucht und an deren rechtsseitigem Rande. 

— Ueberschiffung des 2. Stafiels. — Einnahme der Svistover Höhen. — Fortgang der 
Ueberschiffung nach dem Gefechte. — Situation der überschifften Truppen am 18. [30.] 
Juni. — Brückenschlag über die Donau. — Uebergang der Hauptkraft auf das rechte Ufer. 

VII. CAPITEL. 

Operationen der russischen Hauptkraft auf dem rechten Donau-Ufer nach 
dem Uebergange bei Zimnicea-Svistov bis 27. Juni [g. Juli] 1877 . . . 145 

Situation nach dem Donau-Uebergange der russischen Hauptkrafi bei Zimnicea-Svistov. 

— Bildung des „Avantgarde-Corps", der „Ruscuker Armee-Gruppe" und des ., West- 
Corps". — Aufgaben derselben. — Recognoscierungen des Avantgarde-Corps gegen 
Süden und Einnahme von Trnovo. — Vorrückung der Ruscuker Armee-Gruppe gegen 
Ruscuk. — Concentrierung des IX. Armee-Corps bei Ores. — Die seitens des Armee- 
übercommandanten geplante sofortige Offensive gegen Süden. — Schreiben Kaiser 
Alexanders II. vom 28. Juni [10. Juli]. 

VIII. CAPITEL. 

Operationen des Avantgarde- Corps vom 27. Juni bis 6. Juli [g. bis 18. Juli] 164 

Gruppierung des Avantgarde-Corps am 27. Juni [9. Juli]. — Stärke und Vertheilung der 
Türken am Mittleren Balkan von Slivno bis Sipka. — Wege von Trnovo nach dem 
Transbalkan-Gebiete. — Plan des Generals Gurko. — Vorbereitungen zum Vormarsche.' 

— Marsch über den Hainkiöj-Pass. — Gefecht bei Hainkiöj am 2. [14.] Juli. — Er- 
wägungen des Generals Gurko betreffs der weiteren Operationen. — Gefecht bei Orizari 
am 3. [15.] Juli. — Gefecht bei Uflani am 4. [16.] Juli. ~ Gefecht bei Kazanlik am o. 
[17.] Juli. — Besetzung des Dorfes Sipka und Concentrierung des Avantgarde-Corps am 
Südfusse des Sipka-Passes. 

IX. CAPITEL. 

Angriff und Besetzung des Sipka-Passes durch das Avantgarde-Corps und das 

Gabrovoer Detachement 185 

Beschreibung des Sipka-Passes. — Kräfte und Gruppierung der Türken. — Annäherungs- 
linien an die türkische Stellung. — Allgemeine Erwägungen über einen Angriff auf den 
Sipka-Pass. — Correspondenz zwischen General Gurko und dem Hauptquartier. — 
Formierung des Gabrovoer Detachements. — Correspondenz zwischen dem Haupt- 
quartier und General Derozinski. — Das Kasaken-Scharmützel bei Sevlijevo (Seljvi). — 
Die Wegnahme der türkischen Stellung auf dem Berge Vk. Bedek. — Angriff auf den 
Sipka-Pass von Norden am 5. [17.] Juli und Rückzug des Detachements Fürst Swato- 
polk-Mirski nach Gabrovo. — Angriff auf den Sipka-Pass von Süden am 6. [18.] Juli. 

— Besetzung des Passes am 7. [19.] Juli. 



ITI 

X. CAPITEL. Seite 

Operationen gegen das Festungs-Viereck vom 27. Juni bis 8. Juli [g. bis 20. Juli] 210 

Aufgabe der Ruscuker Armee-Gruppe. — Beiderseitige Kräftevertheilung am 29. Juni 
[11. Juli]. — Scharmützel bei Cajirkiöj (Cajir). — Gelecht bei Hajdarkiöj (Hajdar). — 
Vorschieben der Ruscuker Armee-Gruppe an den Kara (Cerni) Loni. — Ereignisse an der 
Chaus'iee nach Osman Pazar. — Situation der Giurgevo-Olteni^aer Gruppe. — Operationen 
des , »Untere Donau-Corps". 

XI. CAPITEL. 

Offensive des West-Corps gegen Nikopol und Einnahme dieser Festung . . 224 

Strategische Bedeutunu von Nikopol. — Kräfte der Türken. — Gruppierung des ,, West- 
Corps" am 27. Juni [9. Juli] abends. — Plan für die Vorrückung gegen Nikopol. — 
Anmarsch der russischen Truppen. — Disposition für den Angriff auf Nikopol. — Kampf 
am 3. [15.] Juli. — Situation der russischen Truppen am Abende dieses Tages. — 
Nachtgefecht bei Somovit. — Capitulation von Nikopol. 

XII. CAPITEL. 

Erstes Treffen (erste Schlacht) bei Plevna 242 

Situation der Truppen General Baron Krüdeners nach der Einnahme von Nikopol. — 
Seine Verfügungen und die Correspondenz mit dem Hauptquartier. — Befehle zur Be- 
setzung von Plevna. — Bedeutung dieses Punktes. — General Baron Krüdeners Dispo- 
sitionen für die Vorrückung nach Plevna. — Verfügungen des Generals Schilder- 
Scliuldner. — Situation seiner Truppen in der Nacht vom 6. zum 7. [18. zum 19.] Juli. 
— Vormarsch des türkischen Corps Osman Paschas von Vidin nach Plevna, — Tele- 
gramm des Fürsten Carol an den Obercommandanten der russischen Armee. — Reco- 
gnoscierungen der russischen Cavallerie und Nachrichten über Plevna. — Stellung der 
Türken bei Plevna. — Vorrückung der russischen Truppen und Gefecht bei Plevna 
am 7. [19.] Juli. - Treffen (Schlacht) am 8. [20.] Juli. — Rückzug der Russen. — 
A'erluste. 



L CAPITEL. 

Politische Lage zu Beginn des Krieges und die 
beiderseitigen Kriegs-Pläne. 

Politisches Ziel des Krieges Russlands gegen die Türkei. — Zwei Kriegsschauplätze: 
in Europa und Asien. — Beziehungen Russlands zu Oesterreich-Uugarn und Rumänien. 
Vereinbarungen mit diesen Staaten. — Militärisches Endziel des Krieges auf der 
Balkan-Halbinsel. — Pläne zur Erreichung dieses Zieles. — Stärke der russischen 
Operations-Armee. — Pläne der Türken und ihre Kräfte zur Bekämpfung der 
Russen auf der Balkan-Halbinsel. 

(Hiezu Karten-Beilage i.)^) 

Beim Entwürfe des Operations-Planes gegen die Türkei 
mussten vor allem der Kriegszweck, ferner die politischen Be- 
ziehungen Russlands zu den übrigen, an den Angelegenheiten 
der Türkei interessierten Mächten in Betracht gezogen werden. 

Was nun den Kriegs zweck anbelangt, so gieng derselbe 
klar genug aus den vorangegangenen diplomatischen Verhand- 
lungen hervor. Der Krieg war seitens Russlands erklärt worden, 
weil die Türkei das Londoner Protokoll vom 19. [31]. März 1877, 
welches von den Vertretern der sechs Grossmächte Russland, 
Deutschland, Oesterreich, England, Frankreich und Italien unter- 
zeichnet war, abgelehnt hatte. 

In diesem Protokolle hatten die Mächte das Minimalmass 
ihrer Forderungen an die Türkei zu Gunsten der christlichen 
Bevölkerung Bosniens, der Hercegovina und Bulgariens nieder- 
gelegt. Unter anderem war der Hoffnung Ausdruck gegeben, 
die Pforte werde energische Massnahmen ergreifen, um die Lage 
der in Rede stehenden Bevölkerung thatsächlich zu verbessern. 



^) Dem I. Bande beigeschlossen. 
Der russisch-türkische Kries- II. Bd. 



Diese Verbesserungen sollten, dem Protokolle zufolge, der Rück- 
kehr jener Complicationen vorbeugen, welche periodisch die Ruhe 
im Orient stören und überhaupt mit den Interessen Europas un- 
vereinbar sind. Schliesslich hatten die Mächte den Wunsch aus- 
gedrückt, die Durchführung der von der türkischen Regierung 
zu gebenden Zusagen wirksam überwachen zu können. 

Als Kriegszweck ergab sich sonach die dauernde Be- 
ruhigung der slavischen Bevölkerung in den obenerwähnten 
türkischen Provinzen durch entsprechende Reformen und wirksame 
Garantien für deren Vollzug. Russland musste nun dieses Ziel 
selbständig zu erreichen trachten, und es brachte seine Absicht zum 
Ausdrucke, sowohl in der Moskauer Rede Kaiser Alexanders 11. 
vom 29. October [10. November] 1876, als auch in dem Aller- 
höchsten Manifeste vom 12. [24.] April 1877, welches den Krieg 
ankündigte. 

In der zu Moskau gehaltenen Rede sagte der Kaiser, nach 
Erwähnung der bevorstehenden Constantinopler Conferenz der 
Vertreter aller Grossmächte: 

„Ich wünsche sehr, dass wir zu einem allseitigen Einvernehmen 
gelangen. Falls es aber nicht dazu kommt und ich sehe, dass 
wir solche Garantien nicht erreichen, welche die Durchführung 
alles dessen gewährleisten, was wir von der Türkei zu fordern 
berechtigt sind, habe ich die feste Absicht, selbständig zu handeln." 

In dem Manifeste vom 12. [24.] April weist Kaiser Alexander 
auf die Ablehnung des Londoner ProtokoUes seitens der Türkei 
und auf seinen Moskauer Beschluss hin, „selbständig zu handeln, 
wenn es Russlands Ehre erfordert." 

Kaiser Alexander hatte mithin, als er die Last des Krieges 
auf sich nahm, vollen Grund^ überzeugt zu sein, dass er im 
Einklänge mit den Gefühlen und Interessen Europas handle^). 
Er war also vollkommen berechtigt, zumindest auf die wohl- 
wollende Neutralität jener Mächte zu zählen, welche bis zu diesem 
Zeitpunkte mit Russland gemeinsam an der diplomatischen Action 



^) Dieser Gedanke findet klaren Ausdruck in dem an die Vertreter Russlands 
in Berlin, Wien, Paris, London und Rom versendeten Circular des russischen Reichs- 
kanzlers vom II. [23.] April 1877, in welchem die Kriegserklärung angekündigt wurde. 
Das Schlusswort des Circulars lautet: „Indem Unser Erhabener Monarch Sich diese 
Last aufbürdet, erfüllt Er zugleich eine durch die Interessen Russlands gebotene 
Pflicht, da die friedliche Entwickelung unseres Reiches durch die beständigen Wirren 
im Orient aufgehalten wird. vSeine Majestät ist hiebei von der Ueberzeugung durch- 
drungen, dass Er im Einklänge mit den Gefühlen und Interessen Europas handle."' 



theilgenommen hatten. Nichtsdestoweniger mussten bei der Er- 
wägung des Kriegs-Planes die besonderen Interessen dieser Mächte 
in Betracht gezogen werden. 

Was England betrifft^ so erachtete sich dasselbe mit Beginn 
des Krieges als durch das Londoner Protokoll nicht gebunden. 
Eine dem Protokolle beigefügte besondere Declaration besagte 
ausdrücklich^ die englische Regierung habe sich nur im Interesse 
des europäischen Friedens zur Unterzeichnung des Protokolls 
bereit erklärt; würde der Friede aber gestört werden, so habe 
das Protokoll keine Geltung. Wenn auch England sich nun volle 
Actionsfreiheit gewahrt hatte, durfte man dennoch seine offene 
Theilnahme am Kampfe zu Gunsten der Türkei nicht erwarten. 

Von den übrigen an dem Londoner Protokolle betheiligten 
Mächten hatten Deutschland, Italien und Frankreich, welche von 
dem möglichen Kriegsschauplatze entfernt waren, keine wesent- 
lichen und jenen Russlands entgegengesetzten Interessen. Sie 
hatten mithin keinen Grund, Russland entgegenzuarbeiten; überdies 
standen die beiden Kaiser Alexander und Wilhelm persönlich 
in sehr nahen und verwandtschaftlichen Beziehungen zueinander. 

Es blieb nun noch O esterreich übrig. Die russischen 
Kriegs-Operationen gegen die Türkei konnten sich auf zwei 
Kriegstheatern, nämlich auf der Balkan-Halbinsel und in Klein- 
asien abspielen, welche durch das zu jener Zeit von der türkischen 
Plotte beherrschte Schwarze Meer getrennt waren. Jedes der beiden 
Kriegstheater wies sowohl militärisch als politisch durchaus ver- 
schiedene Verhältnisse auf. 

Auf der Balkan-Halbinsel waren eben jene türkischen Pro- 
vinzen (Bosnien mit der Hercegovina und Bulgarien) gelegen, um 
derenwillen der Krieg zwischen Russland und der Türkei aus- 
gebrochen war. Hier lebten den Russen glaubens- und bluts- 
verwandte Völker, die bereit waren, an dem Kampfe gegen die 
Türken thätigen Antheil zu nehmen. Hier lagen Montenegro und 
Serbien: ersteres noch im Kampfe mit der Türkei, letzteres zwar 
zum Frieden genöthigt, aber — wie man damals annahm — noch 
immer bereit, wieder zu den Waffen zu greifen. Die volle Freiheit 
der Operationen auf diesem Kriegstheater wurde jedoch durch 
den Umstand sehr beengt, dass alle aus Russland dahinführenden 
Communicationen durch rumänisches Gebiet giengen; an dieses 
aber grenzte im Westen Oesterreich-Ungarn, das an den An- 
gelegenheiten der Balkan-Halbinsel unmittelbar interessiert war. 



Ohne Einverständnis mit Oesterreich-Ung-arn entbehrten die 
russischen Krieg's - Operationen auf der Balkan - Halbinsel jeder 
erfolgversprechenden Grundlage, denn bei einem Vordring-en der 
Russen in das Innere der Halbinsel konnte Oesterreich-Ungarn 
mit seiner ganzen Streitmacht plötzlich in der Flanke^ später 
sogar im Rücken der russischen Armee erscheinen und die 
Verbindung"en der letzteren mit dem Reiche, welche in dem 
schmalen Gebiete zwischen dem Transsylvanischen Gebirge und 
dem Schwarzen Meere lag'en, jederzeit nach Belieben unter- 
brechen. 

Das asiatische Kriegstheater bot keine derartigen Nach- 
theile. Wurde der Krieg dort localisiert und spielte er sich also 
entfernt von Europa ab, so wurde letzteres durch denselben 
weniger beunruhigt; die eventuelle Occupation grosser Territorien 
in Kleinasien als Pfand-Objecte durch russische Truppen konnte 
die türkische Regierung auch zu den geforderten Concessionen 
zu Gunsten der Slaven auf der Balkan-Halbinsel veranlassen; 
hiedurch wäre der allgemeine Kriegszweck erreicht worden. Als 
Operations-Basis für das Eindringen in die Asiatische Türkei 
musste aber der Kaukasus dienen, der erst vor nicht langer Zeit 
erobert worden und noch nicht endgiltig pacificiert war. Von dem 
Centrum Russlands weit entfernt, besass er auch keine günstigen 
Verbindungen mit demselben. Auf dem asiatischen Kriegstheater 
war übrigens auch nicht auf die Theilnahme und Mitwirkung 
der Bevölkerung — wie auf der Balkan-Halbinsel — zu zählen. 
Sehr wichtig war schliesslich der Umstand, dass selbst bei einem 
vollen Erfolge in Asien der Hauptzweck des Krieges — die 
Verbesserung der Lage der christlichen Bevölkerung Bosniens, 
der Hercegovina und Bulgariens — nicht direct, sondern auf 
Umwegen erreicht wurde. Die Bevölkerung dieser Provinzen, 
w^elche schon durch das zur Ursache des Krieges gewordene 
Ungemach schwer geprüft war, verblieb auch während des Kampfes 
völlig schutzlos in der Gewalt der Türken; Montenegro aber 
stand plötzlich, wenn auch gerüstet, doch ganz allein der ge- 
sammten Landmacht der europäischen Türkei gegenüber. 

Aus allen diesen Gründen musste in dem bevorstehenden 
Kriege Russlands gegen die Türkei die Balkan-Halbinsel zum 
Haupt-Kriegstheater, Kleinasien aber zum Neben-Kriegstheater 
werden. Deshalb war es vor allem nöthig, sich durch ein 
entsprechendes Abkommen mit Oesterreich-Ungarn, welches an 
den Balkan- Angelegenheiten reges Interesse nahm, sicherzustellen. 



Das Gebiet Bosniens und der Hercegovina bildet in seiner 
Gesammtheit ein gleichschenkliges Dreieck ; zwei Seiten desselben 
grenzen an österreichisch-ungarische Gebiete^ deren Bewohner 
mit der christlichen Bevölkerung der angeführten türkischen 
Provinzen blutsverwandt sind — einer Bevölkerung, welche sich im 
Jahre 1875 gegen die türkische Bedrückung erhoben hatte. 

Die österreichischen Slaven mussten von A^nbeginn den 
entbrannten Kampt mit lebhaftem Mitgefühl verfolgen. Einige 
nahmen sogar thätigen Antheil an demselben ; so war der öster- 
reichische Serbe Ljubobratic einige Zeit hindurch Anführer 
hercegovinischer Insurgenten. Unter solchen Umständen ist es 
begreiflich, dass die österreichische Regierung mit gespannter 
Aufmerksamkeit den Gang der Ereignisse auf der Balkan-Halb- 
insel verfolgte. Ebenso ist es erklärlich, dass sowohl die Richtung* 
der russischen Kriegsoperationen auf diesem Kriegstheater als 
auch deren Ergebnisse die Interessen Oesterreich - Ungarns 
unvermeidlich berühren mussten. 

Die russische Diplomatie, welche für den äussersten Fall, d. i. 
für den Krieg mit der Türkei, eine möglichst günstige Situation 
zu schaffen bestrebt war, musste die eben angeführten Verhältnisse 
in das Calcul ziehen. Sie war verpflichtet, beizeiten die Verbin- 
dungen und den Rücken der für die Operationen in der euro- 
päischen Türkei bestimmten Armee zu sichern. Das Beispiel des 
Jahres 1854, wo die russische Armee genöthigt war, die Belagerung 
von Silistria aufzugeben und sich in das eigene Territorium 
zurückzuziehen, hatte mit offenkundiger Deutlichkeit bewiesen, 
dass Russland einen selbständigen Krieg auf der Balkan-Halbinsel 
ohne vorheriges formelles Einvernehmen mit Oesterreich-Ungarn 
nicht führen könne, insbesondere wenn die türkische Flotte das 
Schwarze Meer beherrschte, wie dies im Jahre 1877 der Fall 
war. Es musste somit die Zustimmung Oesterreichs um jeden 
Preis erzielt werden. Diese Aufgabe wurde durch die freund- 
schaftlichen Beziehungen der beiden Monarchen und der beider- 
seitigen Cabinette erleichtert. 

Es kam denn auch zum Abschlüsse der „Russisch- 
österreichischen Convention", welche am 15. [27.] Jänner 1877 
in Wien unterzeichnet wurde und für den Fall Geltung hatte, als 
die Friedensabsichten der Mächte ihr Ziel nicht erreichen und 
der Krieg Russlands mit der Türkei unvermeidlich werden würde. 

Die Convention sicherte Russland die freundschaftliche 
Neutralität Oesterreich-Ungarns zu. Die russische Armee erlangte 



volle Actionsfreiheit auf der Balkan-Halbinsel ausserhalb der 
Gebiete Serbiens, Montenegros, Bosniens und der Hercegovina ^). 
Weiters wurde die Errichtung russischer ambulanter Feld-Spitäler 
(x\mbulanzen) auf der Eisenbahnlinie Krakau-Lemberg-Czernowitz 
sammt den Zweigstrecken nach Woloczysk und Brody gestattet. 
Die österreichische Regierung verpflichtete sich, ,,russische 
Agenten und Vermittler in der Besorgung von Einkäufen und 
Bestellungen für den Bedarf der russischen Armee innerhalb des 
österreichisch-ungarischen Territoriums nicht zu behindern" -). 

Als Entg-elt für diese Verpflichtungen wurde es dem 
österreichischen Kaiser anheimgestellt, den Zeitpunkt, sowie die Art 
und Weise für die Occupation Bosniens und der Hercegovina 
zu bestimmen ^). 

Die Situation Rumäniens war von jener Oesterreichs 
wesentlich verschieden. Rumänien konte in dem bevorstehenden 
Klriege auf keinen Fall neutral bleiben. Laut des Pariser Vertrages 
vom Jahre 1856 war ein kleiner Streifen Russisch-Bessarabiens 
längs dem linken Donau-Ufer bis zur Mündung des Stromes in 
das Schwarze Meer Rumänien zug^efallen, und Russland war somit 
durch rumänisches Gebiet von den eigentlichen türkischen 
Territorien auf der Balkan-Halbinsel vollständig abgetrennt. 

Rumänien stand aber noch immer im Vasallenverhältnisse 
zur Türkei, weshalb Russland es mit Recht als einen Theil des 
türkischen Gebietes ansehen durfte. 

Ein Kampf gegen Russland überstieg jedoch die Kräfte 
Rumäniens ; ein solcher war überdies vor allem nicht in seinem 
staatlichen Interesse und noch weniger im Interesse seiner jungen 
Herrscher-Dynastie gelegen. Flingegen musste die Mitwirkung 



^) Die montenegrinischea und serbischen Truppen konnten aber ausserhalb 
ihrer Gebiete gemeinsam mit Russland operieren. 

2) Ausgenommen war die durch die internationalen Gesetze verbotene Contr^- 
bande. Uebrigens verpflichtete sich Oesterreich-Ungarn, ,,in der Auslegung dieser Gesetze 
das weiteste Wohlwollen Russland gegenüber walten zu lassen". Ausserdem übernahm 
aber die österreichische Regierung auch noch die Verpflichtung, im Falle eines 
isolierten Krieges zwischen Russland und der Türkei, der ersteren Macht eine freund- 
schaftliche Neutralität zu bewahren und durch ihre Diplomatie eventuelle Einmischungs- 
oder Vermittlungs-Versuche anderer Mächte abzulenken. 

3) Russland hatte — wie bereits an entsprechender Stelle hervorgehoben wurde 
(I. Band, „Ueberblick etc.") — schon im Jahre 1876 zum Schutze der christlichen 
Bevölkerung die Occupation Bulgariens durch russische und Bosniens mit der 
Hercegovina durch österreichische Truppen beantragt. 



7 

Rumäniens an der Seite Riisslands in einem Kriege^ der alle 
Chancen des Erfolges für sich hatte, dem ersteren die volle 
politische Unabhängigkeit als unmittelbare Folge der voraus- 
sichtlichen Schwächung der Türkei bring-en. Nebstbei wurde 
durch den Krieg das Gefüge der jungen rumänischen Armee 
gefestigt und das Prestige der Dynastie gehoben. Zu alledem 
g'esellte sich noch die Angst der rumänischen Bevölkerung vor 
den räuberischen Banden, welche jenseits der Donau wütheten. 
Die rumänische Regierung beschloss demnach, von ihrem 
Territorium die Türken unbedingt fernzuhalten ^). 

Die Grundlage für ein Zusammenwirken Rumäniens mit 
Russland gegen die Türkei war somit vorhanden ; es blieb nur 
die Frage über die Art der Mitwirkung und die gegenseitigen 
Bedingungen zu lösen. Diesbezüglich wünschte Fürst Carol 
vor allem, die Commandoführung über die rumänische Armee zu 



^) In dieser Absicht begann Rumänien rechtzeitig, seine Streitkräfte bereit- 
zustellen ; in einzelnen Fällen gieng es sogar direct feindselig gegen die Türken vor. 

Fürst Carol entschloss sich am 17. [29.] September 1876, durch Einberufung 
der Reserven die Armee auf 25.000 Mann zu bringen. 

Die rumänische Deputierten-Kammer votierte in der Sitzung vom 18. [30.] November 
einen Credit von 4 Millionen Francs für Waffen. Am selben Tage wurde beschlossen, 
Calafatu zu befestigen, um die Türken von jenseits der Donau, namentlich von Vidin 
her, nicht herüberzulassen. 

Am 16. [28.] Jänner 1877 nahm die rumänische Regierung das Anerbieten 
Russlands, die Rumänen mit einigen Festungs-Geschützen zu versehen, gerne an. 

Rumänische Dorobanzen, welche am 23. Februar [7. März] am Dönau-Ufer bei 
Giurgevo [Giurgiu] auf Posten standen, schössen auf die Türken, die auf der Donau- 
Insel Dino Holz sammelten. 

Fürst Carol erliess, in der Befürchtung türkischer Unternehmungen gegen die 
Eisenbahn-Brücke über den Prut bei Bärbosi, am 18. [30.J März den Befehl, dortselbst 
entsprechende Befestigungen zum Schutze gegen etwaige Actionen der türkischen 
Donau-Flotille aufzuführen. Diese Brücke war namentlich für die russische Armee 
sehr wichtig. Zu demselben Zwecke ersuchte der Fürst, bei einer persönlichen Rück- 
sprache mit dem seitens des Armee-Obercommandanten delegierten Obersten des 
Generalstabes Bobrikow, um die Ueberlassung von Torpedos. 

Der rumänische Ministerrath beschloss am 31. März [l2. April], die ganze 
Armee zu mobilisieren. 

In einem am i. [13.] April stattgehabten Gespräche mit Oberst Bobrikow 
und Oberst Popow (Adjutant des Armee-Obercommandanten Grossfürsten Nikolaus 
Nikolajewic des Aelteren) legte Fürst Carol seine militärischen Massnahmen gegen 
einen Uebergang der Türken auf das linke Donau-Ufer dar; diese Massnahmen sollten 
seiner Meinung nach den Aufmarsch der russischen Streitkräfte in Rumänien völlig 
sichern; nach Durchführung des letzteren beabsichtigte der Fürst, seine Armee hinter 
dem 01tu-[Alt-] Flusse zu concentrieren, wo sie seinen "Worten zufolge gewissermassen 
den rechten Flügel der russischen Armee bilden sollte. 



8 

behalten^ ^^ohne russischen Generalen unterstellt zu werden" ^). 
Die relative Schwäche Rumäniens und die begreiflichen Sorg'en 
vor den weiteren Folgen eines entscheidenden Schrittes nÖthigten 
ferner der Regierung die g-rÖsste Vorsicht auf. Rumänien wollte aus 
seiner Lage den grösstmögiichen Nutzen mit dem gering'sten Risico 
ziehen und forderte daher von Russland besondere Garantien '^). 

In dem Verhalten Russlands zu dieser Angelegenheit machten 
sich zwei Strömung-en bemerkbar. Auf der einen Seite wollte 
der Armee-Obercommandant den Krieg mit der grössten Truppen- 
zahl beginnen; er wünschte also natürlich den baldigsten Anschluss 
der Rumänen und ihre thätigste Antheilnahme. Er bestand auch 
wiederholt in seinem Verkehre mit dem Fürsten Carol auf dieser 
Forderung'. 

Auf der anderen Seite war es die russische Diplomatie^ 
w^elche — in dem Streben nach Erreichung des Hauptzieles dieses 
im Interesse der christlichen Bevölkerung der Türkei unter- 
nommenen Krieges — zögerte^ Russland im vorhinein durch weit- 
gehende Verpflichtungen Rumänien gegenüber zu binden. Man 
war hieb ei der Meinung^ dass die Mitwirkung der Rumänen an 
den Operationen jenseits der Donau nicht nöthig sein würde. Diese 
Ansicht th eilte auch Kaiser Alexander II. 

Schliesslich machte aber — abgesehen von jeder formellen 
diplomatischen Vereinbarung — schon die geographische und 
politische Lage Rumänien zum natürlichen Verbündeten Russlands. 
Indem die Rumänen ihr Territorium vor einem Einbrüche der 
Türken schützten^ deckten sie damit zugleich den Aufmarsch der 
russischen Armee; nach dem Donau-Uebergange der letzteren 
aber betheiligten sie sich auch an der Sicherung der Ver- 
bindungen derselben. 

Infolge der oberwähnten Umstände kam erst acht Tage vor 
Beginn des Krieges^ und zwar am 4. [16.] April^ eine rein mili- 



^) „Aus dem Leben des Königs Karl von Rumänien", III. Band. 

2) Diese schwierige Lage Rumäniens wurde seitens der massgebenden Kreise 
in Russland vollauf gewürdigt, was unter anderem aus folgender Stelle eines Schreibens 
des Kriegs-Ministers, General Miljutin, an den Grossfürsten-Obercommandanten 
vom I. [13.] Jänner 1877 hervorgeht: ,, . . . Was Rumänien betrifft, so wäre es für 
uns thatsächlich günstiger, wenn die projeclierte Militär - Convention rechtzeitig, 
also vor Eröffnung der Operationen abgeschlossen werden könnte. Anderseits muss 
zugegeben werden, dass die politische Situation Rumäniens eine sehr schwierige ist, 
und es erscheint sehr begreiflich, dass sich die rumänische Regierung nicht durch 
irgendwelche bestimmte Abmachungen binden will, bevor sich die Verhältnisse 
geklärt haben ..." 



tärische Convention zustande, in welcher die rumänische 
Regierung" der russischen Armee den freien Durchzug durch ihr 
Gebiet und die Behandlung ^^einer befreundeten Armee" zu- 
sicherte. In einem besonderen Zusätze zur Convention wurden 
zahlreiche Bestimmungen aufgenommen über : die Art der Be- 
nützung der Eisenbahnen^ die Lieferungen und deren Bezahlung^ 
die Unterkunft der Truppen^ die Beziehungen zu den rumänischen 
Behörden und zur Bevölkerung. Die Convention musste im 
Sinne der rumänischen Verfassung durch die Deputiertenkammer 
und den Senat in einer besonderen Session bestätigt werden^ 
dies erfolgte aber erst nach der Kriegserklärung"^ nämlich am 
14. [26.] April. 

Nachdem sich Russland auf diese Art gegen Oesterreich 
und Rumänien gesichert hatte^ war jetzt noch das Ziel des 
Krieges festzustellen. 

Als Operations-Object der russischen Armee ergab sich von 
selbst Bulgarien. Es war jedoch^ wie in jedem andern Kriege^ 
voraussichtlich nicht g'enügend^ das Gebiet zu occupieren ; 
vielmehr mussten auch die Streitkräfte des Gegners überwunden 
und hauptsächlich sein Wille gebrochen werden. 

Es handelte sich, durchaus nicht um die Eroberung Bul- 
gariens^ sondern um eine dauernde Pacification, welche es dem 
Lande ermöglichen sollte^ neben der Türkei friedlich zu bestehen. 
Wenn Russland die Türkei zur Erfüllung aller Forderungen 
der europäischen Mächte gezwungen haben würde^ so hatte es dann 
begreiflicherweise das volle Recht^ die Bedingungen der 
Wiederherstellung des Friedens zu dictieren^ nachdem es doch 
selbständig aufg"etreten war und den Krieg* allein ohne Zuthun 
der übrigen Mächte geführt hatte. Ebenso erklärlich erscheint 
es, dass die Türkei veranlasst werden musste, diese Bedingungen 
in der Art eines formellen Friedensschlusses anzunehmen. 

Die verfügbaren Streitkräfte der Türkei konnte man bei 
Berücksichtigung der einschlägigen Factoren mit hinreichender 
Genauigkeit feststellen, hingegen entzog sich das Element des 
Willens jeder Berechnung, und damit wurde auch das Mass des 
zur Ueberwindung des Gegners nothwendigen Aufgebotes sehr 
fraglich. Die Ursachen lagen einerseits in den Eigenthümlichkeiten 
der damaligen türkischen Regierung, deren Personal überraschend 
wechselte, anderseits in der eventuellen Unterstützung von aussen 
(sei es offen oder im geheimen, sei es nur moralisch oder auch 



10 

materiell), welche nicht nur den Geist der Regierung*, sondern auch 
die materiellen Ivräfte der Türkei beeinflussen konnte. 

Aus all' diesen Gründen mussten die militärischen Er- 
wägungen Russlands das äusserste Operationsziel ins Aug'e 
fassen — und das war Constantinopel selbst. Wiewohl das 
politische Ziel des Krieges die Wiederherstellung der Ruhe in 
Bulgarien, aber durchaus nicht die Einnahme Constantinopels 
war, so stellte sich doch letzteres als das militärische Ziel 
der russischen Armee dar, um von der Türkei die noth- 
wendig'en Concessionen zu erlangten. Nach „Zarigrad" hin zog 
die elementare Gewalt des Krieges die russischen Truppen, und 
keinerlei anderweitig'e Einflüsse vermochten sie von diesem 
natürlichen Streben abzubringen — ausgenommen natürlich ein 
ehrenvoller, den Wünschen Russlands entsprechender Friede, 
welcher dem nicht von ihm verursachten Blutvergiessen ein Ende 
bereitete. 

So standen die Dinge, und so wurden sie auch von den 
russischen Autoritäten aufgefasst, welche hiebe! die Meinung 
vertraten, der Krieg* sei mit grösster Energie und ohne Zeit- 
verlust zu führen. Bei der Entscheidung in der Praxis mussten 
jedoch auch die politischen Beziehungen zu den übrigen euro- 
päischen Mächten in Erwägung gezog'en werden. 

Kaiser Alexander II., welcher das volle Einvernehmen mit 
allen übrig'en Mächten zu erhalten wünschte, war diesbezüglich 
sogar g-eneigt, das Gebiet des unvermeidlichen Krieges zu 
beschränken ; eine Zeit lang, selbst nach der Kriegserklärung, 
hielt er es — um England zu beruhig-en — für möglich, sich mit 
der Besetzung Bulgariens bis zum Balkan zu begnügen; in 
diesem Sinne wurde auch am i8. [30.] Mai an den Grafen Suwalow 
in London eine Instruction gesendet, welche dem englischen 
Minister Lord Derby mitzutheilen war ^). 

Die Einstellung der Operationen und die Unterbrechung* 
des Vormarsches der russischen Truppen am Balkan konnten wohl 
nur durch die volle Ueberzeugung veranlasst werden, dass die 
Türkei, wenn auch unter dem Drucke der übrigen europäischen 
Mächte, alle gerechten Forderungen Kaiser Alexanders nicht 
nur annehmen, sondern auch thatsächlich durchführen werde. 



*) Von diesem Umstände erhielt der Armee-Obercommandant — wie aus dem 
'om Adjutanten des Grossfürsten, Oberst Skalon, geführten Tagebuche zu entnehmen 



erst am 29. Mai [10. Juni] Kerntnis. 



1 1 



Die nachg-efolgten Kriegsereignisse führten bekanntlich die 
russische Armee den einzigen natürlichen und durch die that- 
sächliche Situation vorgezeichneten Weg. Es würden jedoch 
manche Details der militärischen Ereignisse unverständlich bleiben^ 
wenn man die obangeführten Folgen der politischen Lage;, mit 
welchen gerechnet werden musste^ ausseracht liesse. 

Von dem allgemeinen Kriegszwecke zu den Einzelnheiten 
der Ausführung übergehend^ musste man vor allem das Augen- 
merk auf den Umstand richten^ dass die Operations-Basis der 
russischen Balkan-Armee — wenn man als solche den Grenz- 
streifen am Prut betrachten kann — von dem voraussichtlichen 
Kriegsschauplatze zu weit entfernt war und im Verhältnisse zu 
demselben eine ganz schräge Richtung hatte. Es war daher 
unerlässlich^ sich weiter vorne^ und zwar in Rumänien längs der 
Donau^ eine zweite Basis zu schaffen. Rumänien war^ wie oben 
ausgeführt wurde^ factisch zum Verbündeten Russlands geworden^ 
und der russische Armee-Obercommandant war demnach berechtigt^ 
das rumänische Territorium als einen neuen Basisraum für seine 
Armee zu betrachten. Auf diese Art wurde die Donau zur Aus- 
gang-slinie für die gegen das Innere der Balkan-Halbinsel gerichteten 
Oifensiv-Operationen der russischen Armee. 

Aus der Beschreibung des Kriegsschauplatzes ist zu ersehen, 
dass die kürzeste Richtung von dem russischen Gebiete nach 
Constantinopel längs dem Schwarzen Meere führte^ also von der 
Unteren Donau durch das Babadag-Gebiet und die Dobrudza. Das 
Meer wurde jedoch von der türkischen Flotte beherrsch t, welche 
im Laufe des Krieges durch einen eventuellen Verbündeten der 
Türkei verstärkt werden konnte. Abgesehen übrigens von den 
localen Nachtheilen dieser Richtung, stiess man hier auf zwei 
Festungen des türkischen Festungs-Vierecks, nämlich Silistria und 
Varna, von welchen die letztere als am Meere gelegen nicht 
einmal völlig eingeschlossen werden konnte. Diese Richtung war 
demnach für die russische Armee unannehmbar. 

Aber auch eine mehr westliche Richtung, von der Donau 
zwischen den am rechten Ufer gelegenen Festungen Silistria und 
Ruscuk [Russe] durchführend, entsprach nicht den Anforderungen 
an eine g*ute Operationslinie. Hier musste nämlich ausser den 
localen Nachtheilen schon mit drei Festungen des erwähnten 
Vierecks gerechnet werden, das ist nebst wSilistria und Ruscuk 
noch mit Sumla. Es ist klar, dass man zur regelrechten Belagerung 



12 



oder auch nur zur Einschliessung- dieser Festungen eine Menge 
Zeit und Kräfte opfern musste, die man lieber für die Operationen 
im freien Felde aufsparen wollte. 

Aus den ang"eführten Gründen ergab sich die Nothwendig- 
keit; die Operationslinie (welche dann zur Haupt- Verbindungs- 
linie wurde) noch weiter, und zwar westlich von Ruscuk zu ver- 
legen ; hieb ei musste aber der zu wählende Uebergangspunkt 
mit dem Ausg'angsp unkte der Operationslinie (von der Donau) 
nicht übereinfallen, da deren Bestimmung von verschiedenartigen 
Factoren abhieng. 

Es war somit gleichg-iltig, welche Stelle westlich Ruscuk 
für den eig'entlichen U ebergang gewählt wurde ; nur war es er- 
wünscht, dieselbe nicht zu weit nach Westen zu verlegen. 

Es wurde daher die Absicht gefasst, das Gros der Armee 
in dem Abschnitte Nikopol-Svistov (Sistov) die Donau übersetzen 
zu lassen. 

Die weitere Richtung jenseits der Donau ergab sich von 
selbst. Sie führte über Trnovo (Trnova) zu den nächsten Balkan- 
Pässen, sodann weiter in das Marica-Thal und über Adrianopel. 
Zur Erweiterung der Basis an der Donau beabsichtigte man ur- 
sprünglich, Ruscuk einzunehmen, ohne es zum Haupt-Operations- 
Objecte zu machen, das heisst ohne die Vorrückung gegen den 
Balkan und Adrianopel aufzuhalten. 

Dies waren im allgemeinen die Erwägungen des russischen 
Armee-Obercommandanten, Grossfürsten Nikolaus Nikolajewic 
des Aelteren, welche von ihm in einem vom 4. [16.] März 1877 
datierten Schreiben an Kaiser Alexander IL dargelegt wurden. 
Der Grundgedanke war, alles womöglich mit einem Schlage zu 
beenden und daher — ohne sich in eine Belagerung aller 
türkischen Festungen einzulassen — gegen Adrianopel, sollte 
aber nach Erreichung dieses Punktes der Friede nicht erzielt 
werden, weiter — gegen Constantinopel zu rücken. Diese Grundidee 
entwickelnd, wies der Grossfürst darauf hin, dass das Verweilen 
der Armee in Rumänien sich in die Länge ziehen werde ; denn, 
falls die Grenze nicht vor dem i. [13.] April überschritten 
werden könne, so würde der Zeitpunkt des Donau-Ueberganges 
mit dem Beginne der Ueberschwemmung übereinfallen, welche 
Mitte Mai erwartet werde und bis in den Juni hinein dauere. Aus 
diesem Grunde hob der Armee-Obercommandant die Nothwendig- 
keit hervor, die Operationen möglichst frühzeitig zu eröffnen. 
Indem der Grossfürst schliesslich der Absicht Ausdruck gab. 



jenseits der Donau thunlichst ununterbrochen vorzurücken^ stützte 
er sich hieb ei auf die Annahme^ dass ,,die zur Armee eingetroffenen 
Verstärkungen zum Schutze der Flanken, zur Einschliessung und 
Belagerung der Festungen etc. verwendet würden". Unter diesen 
Umständen hielt es der Obercommandant für möglich, Adrianopel 
binnen 13 bis 14 Wochen nach der Ueberschreitung der Grenze 
zu erreichen. 

Es ist natürlich, dass die Erwägungen des Armee-Ober- 
commandanten, der den Krieg mit einem Schlage beenden wollte, 
auf der Voraussetzung fussten, dass die Türken nicht imstande 
sein würden, der russischen Armee genügenden Widerstand zu 
leisten, da sie ihr nachstanden, sowohl an Zahl und Qualität, als 
auch an Operationsfähigkeit und — wie man damals meinte — 
an Kampftechnik, 

Thatsächlich war Russland in der Lage, alle wie immer 
gearteten Rüstungen der Türkei zu überbieten. Nichtsdestoweniger 
muss zugegeben werden, dass die Frist, welche der Türkei seit 
Anfang November 1876 bis zur Kriegserklärung im April des 
folgenden Jahres gelassen worden war, ihr sehr zugute kam. 

Zu Beginn dieser Frist waren die türkischen Streitkräfte 
durch den Kampf mit der aufständischen christlichen Bevölkerung 
Bosniens und der Hercegovina, sowie durch den Krieg mit 
Montenegro und Serbien geschwächt und desorganisiert. Aus 
diesem Grunde wurde damals in den massgebenden russischen 
Kreisen die Widerstandskraft der Türkei nicht hoch geschätzt. 
Man hielt es sogar für möglich, dieselbe mit einer relativ schwachen 
Armee zu brechen und Bulgarien in einem Winter-Feldzuge zu 
occupieren ; hiebei erwartete man übrigens die hauptsächlich zu 
überwindenden Schwierigkeiten nicht in dem Widerstände der 
türkischen bewaffneten Macht, sondern in den Verhältnissen der 
rauhen Jahreszeit und der Verpflegung" zu finden. 

Die Sachlage, auf welcher die früher angeführten Erwägungen 
basierten, änderte sich sehr namhaft schon bis zum Zeitpunkte 
der Kriegserklärung, noch mehr aber bis zum thatsächlichen 
Beginne des Krieges, als welcher der Donau-Uebergang Mitte 
Juni zu gelten hat. Den Türken gelang es, die Zahl ihrer Truppen 
zu vermehren und die Ausrüstung- zu ergänzen und zu vervoll- 
kommnen. Die negativen Spuren des vergangenen Kampfes 
wurden verwischt, hingegen verblieb in den Truppen und ihren 
Commandanten das Bewusstsein der über die Serben errungenen 



14 

Siege. Dieses Bewusstsein theilte sich auch der g-anzen Masse 
der mohammedanischen Bevölkerung des Ottomanischen Reiches 
mit^ deren Selbstgefühl durch den fast zweijährigen Kampf mit 
den .^Ungläubigen*' ohnedies schon g-ehoben war. 

Schliesslich hatten die Türken es nicht nur verstanden^ sich 
eine besondere, den Eig-enthümlichkeiten ihrer Truppen völlig 
entsprechende Methode der taktischen Vertheidigung anzueignen, 
sondern auch reichliche Mittel zur Anwendung derselben zu be- 
schaffen '). 

Es hatte sich sonach die Situation der Türken gegen früher 
bedeutend geändert, und es waren nunmehr viel grössere An- 
strengungen seitens Russlands nothwendig geworden. Obwohl 
dies von den leitenden Kreisen auch anerkannt wurde, muss nichts- 
destoweniger bemerkt werden, dass die frühere optimistische, 
auf die niedrige Bewertung der türkischen Streitkräfte basierte 
Auffassung- doch einige Spuren in den Köpfen zurückgelassen 
hatte und einen g-ewissen Einfluss auf die späteren Combinationen 
und Ereignisse jenseits der Donau ausübte. 

Ueberhaupt wurde es bald offenkundig, dass bis zum Früh- 
jahre 1877 die Verhältnisse eine Wandlung erfahren hatten, und 
dass der Wunsch, den Feldzug rasch zu beenden, eine bedeutende 
Anspannung der Kräfte seitens der in Bessarabien concentrierten 
russischen Armee erfordern werde, denn diese letztere war unter 
dem Einflüsse anderer Verhältnisse und anderer, mehr friedlicher 
Anschauungen aufgestellt worden ; sie war demnach relativ 
schwach. 

Die russische Feld- Armee bestand anfänglich aus 4 Armee- 
Corps nebst einigen zugetheilten Truppenkörpern und zählte, 
nach einer Berechnung des Operierenden Hauptquartiers, ein- 
schliesslich der Hilfs-Truppen und der Nichtcombattanten, effectiv 
insgesammt 160.000 Mann. Diese Armee war — wie früher bereits 
dargelegt — ursprünglich nur zu dem Zwecke einer demonstrativen 



^) An entsprechender Stelle (I. Band, II. Capitel) wurde gezeigt, dass die 
türkische Infanterie eine sehr schwache Einzelausbildung aufwies ; man konnte von 
ihr kein Präcisisions-Schiessen fordern; deshalb griffen die Türken zur äussersten Aus- 
nützung der weiten Pörtee und der Schnelladefähigkeit ihrer Waffe. Sie wendeten das 
Infanterie-Massenfeuer an, ohne je mit Patronen zu sparen, die man in grosser Menge 
beschafft hatte. Beim Schiessen waren Infanterie und Artillerie hinter Erdaufwürfen 
gedeckt, welche kunstvoll aufgeführt und mit grossem Verständnisse dem Terrain an- 
gepasst waren. 



15 

Drohung zur Unterstützung der Forderungen der russischen 
Diplomatie aufgeboten worden ; erst in dem eventuellen Falle 
eines Misserfolges der Verhandlungen konnte ihr ein Winter- 
Feldzug bevorstehen. 

x\.us diesen Gründen war es begreiflicherweise nicht nöthig^ 
in Bessarabien eine grosse Armee aufzustellen ; im Gegen- 
theile musste deren Stärke besonders für einen Winter-Feldzug 
beschränkt werden, wäre es auch nur wegen der ungeheuren 
Schwierigkeiten der Verpflegung und Ausrüstung-. Man darf 
hiebei auch nicht vergessen^ dass die türkischen Streitkräfte 
durch die vorangegangenen Operationen geschwächt und er- 
schüttert waren. 

Schliesslich konnte aber die in Bessarabien concentrierte 
Armee im Bedarfsfalle leicht verstärkt werden^ denn schon die 
erste Mobilisierung (I. Band^ VII. Capitel) hatte — ohne den 
Kaukasus in Betracht zu ziehen — doppelt soviel Kräfte bereit- 
gestellt^ als anfänglich nach dem Kriegsschauplatze bestimmt 
wurden. 

Im Frühjahre 1877, ^^^ sich die Situation schwieriger ge- 
staltete, wurden zufolge eines Allerhöchsten Prikas vom 26. April 
[8. Mai]^ d. i. bereits nach der Kriegserklärung, weitere 3 Armee- 
Corps (IV.^ XIII.^ XIV.) in den Verband der Operations -Armee 
eingetheilt^ welche nunmehr^ nach dem Ausweise des Hauptquartiers^ 
eine Effectivstärke von circa 260.000 Mann (einschliesslich Hilfs- 
Truppen und Nichtcombattanten) erreichte. Fliezu sind noch der 
bulgarische Landsturm und 50.000 Rumänen zu zählen^ welche 
auf eine oder die andere Art der russischen Armee mithalfen. 
Auf Serbien wurde — wie an anderer Stelle bereits gezeigt — 
nicht gerechnet. Montenegro hingegen erfüllte vortrefflich die 
Aufgabe eines Verbündeten, indem es bedeutende türkische Kräfte 
auf sich zog. 

Die Stärke der russischen Operations- Armee überstieg, selbst 
ohne Rumänien, bedeutend die ihr gegenüberstehenden türkischen 
Kräfte, was übrigens durch die ihr gestellte grosse Aufgabe ge- 
boten war. 

Der russische Armee - Obercommandant musste, das all- 
gemeine Kriegsziel verfolgend, bei der Aufstellung der nächsten 
speciellen Operationsziele sowohl die allgemeine Situation als auch 
die Stärke und die Gruppierung der türkischen Truppen im be- 
sonderen berücksichtigen. Ueber die letztere besass man ziemlich 



genaue Daten, sowohl beim Hauptstabe in Petersburg als im 
Hauptquartier zu Kiszyniew. 

Diesen Daten zufolge hatten die Türken auf dem bezeich- 
neten Kriegsschauplatze rund 158.000 Mann; hievon standen: in 
der I.Linie, an der Donau von Vidin bis zum Schwarzen Meere, 
92.000; in der 2. Linie, von Nis bis Varna, 33.000; in der 3. Linie, 
hinter dem Balkan, von Sofia bis Adrianopel, 20.000 und in 
Constantinopel 13.000 Mann ^). 

Ferner war genau bekannt, dass die Türken auf der Donau 
eine starke Kampf- und Transp ort- Flo tili e, besassen ; erstere 
konnte, besonders bei dem zu erwartenden Hochwasser, den 
russischen Uebergangs-Actionen über die Donau ernste Hinder- 
nisse bereiten. 

Schliesslich beherrschten die Türken die Donau selbst 
mittelst der Festungen Vidin, Ruscuk und Silistria, welche in 
A'ertheidigungszustand gesetzt worden waren. Sie verfügten 
auch noch über die veralteten Festungen Nikopol und Tutrakan 
(Turtukai). 

Die Nachrichten über die Absichten des Gegners kamen in 
der Hauptsache darin überein, dass die Türken noch vor der Kriegs- 
erklärung die Donau übersetzen und Rumänien occupieren wollten. 
Mit besonderer Beharrlichkeit wurden diese Nachrichten seitens der 



^) In den Aufzeichnungen des Generals Obrucew vom 29. März [lo. April] 1877, 
welche die detaillierten Erwägungen über die bevorstehenden Operationen enthalten, 
ist die damalige Vertheilung der türkischen Kräfte, welche der russischen Operations- 
Armee gegenüberstanden, folgend angegeben : 



Babadag 8 

"Vidin 74 

Orehovo (Rahovo) 2 

Xikopol-Svistov ii 

Ruscuk [Russe] 14 

Silistria 21 

Berkovica (Berkovac) .... i 

Lovca-Trnovo-Gabrovo ... 7 

Sumla [Sumen] 14 

Varna 16 

Kis 8 

Sofia 9 

Philippopel . 9 

Adrianopel 13 

Constantinopel 16 



irone 


jn Geschütze 


Verpflegsstand 


:2 


6 


6.825 


;o 


90 


53.100 


- 


— 


1.300 


- 


— 


7-150 


6 


18 


10.000 


- 


24 


13.890 


5 


— 


1 . 150 


- 


— 


4 550 


6 


60 


10.900 


- 


90 


10.900 


- 


12 


5.400 


- 


18 


6.150 


- 


— 


5.850 


- 


— 


8.450 


8 


18 


12.500 



Im ganzen. . 223 77 476 [?] 158. 115 



17 

rumänischen Regierung verbreitet. Schon am 17. [29.] Jänner 
theilte Fürst Carol dem russischen General-Consul mit, die Türken 
träfen Anstalten, die Donau bei Cetatea, Calafatu, Lom Palanka und 
Mäcin zu übersetzen. Später wiederholten sich solche Nachrichten 
fast ununterbrochen. Anfangs April behauptete der Premier- 
Minister Rumäniens, Bratiano, ganz entschieden, dass die 
Türken bei Ruscuk über die Donau gehen und auf Bukarest vor- 
rücken würden. Die offensiven Absichten der Türken wurden auch 
aus Constantinopel bestätigt. Noch am 2. [14.] April langte von 
dort ein Telegramm ein, dass die Türken Calafatu besetzen 
wollten und hiezu starke Kräfte bei Vidin concentrierten, ferner 
dass aus Constantinopel Truppen und Geschütze nach Ruscuk, 
Varna und Jamboli abgesendet würden, schliesslich dass 3 Panzer- 
schiffe gegen Sulina abgedampft seien. 

Aus den vorstehenden Darlegungen ist ersichtlich, dass der 
russische Obercommandant zu Beginn des Krieges bei Festsetzung 
der nächsten Absichten vor allem zwei Dinge in Betracht ziehen 
musste : erstens die Nähe des Feindes, welcher sich am rechten 
Donau-Ufer festgesetzt hatte und sowohl über eine Kampf- als 
auch über eine Transport-Flotille verfügte, zweitens das Hoch- 
wasser der Donau und ihrer Zuflüsse. 

Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, wurde der Plan ge- 
fasst, sich der nöthigen Uebergänge über die nächsten Zuflüsse 
der Donau, besonders aber der Eisenbahn- Brücke über den Seret- 
Fluss bei Bärbosi raschestens zu bemächtigen, dieselben zu 
sichern und nach Bedarf herzurichten. 

Sodann sollte die Hauptkraft in Rumänien, speciell in 
der Walachei für den bevorstehenden Donau-Uebergang con- 
centriert werden. Die allgemeine Vorrückung der russischen 
Truppen zur Erreichung einer entsprechenden Gruppierung stellte 
sich ihrer Richtung nach mit Bezug auf die türkische Aufstellung 
als eine Flankenbewegung dar ; dieser Umstand, sowie die Noth- 
wendigkeit, die türkische Kampf-Flotille auf der Donau zu ver- 
nichten oder mindestens zu paralysieren, bedingte neue specielle 
Erwägungen und Massnahmen zu dem Zwecke, um die Türken von 
ihren beabsichtigten Unternehmungen auf das linke Donau-Ufer 
abzuhalten und der russischen Armee den Uebergang zu erleichtern. 
Diese Massnahmen werden in den nächsten Capiteln besprochen ; 
hier sei nur auf eine Massregel von allgemeinerer Bedeutung 
hingewiesen, welche während des ganzen Feldzuges in Geltung 

Der russisch-türkische Krieg. II. Bd. 2 



blieb^ nämlich die Bildung des ^^Untere Donau-Corps" (Untere 
Donau-D etachement) ^). 

Die Donau näherte sich in ihrem Unterlaufe der damaligen 
russischen Reichs-Grenze^ von welcher sie bloss durch einen 
schmalen Streifen rumänischen Gebietes getrennt war; dieser 
konnte aber in strategischem Sinne als zu Russland gehörig 
betrachtet werden. 

Auf diese Art liefen alle Vorrückungslinien der russischen 
Armee^ von der Grenze Bessarabiens an^ nahe an der Donau und 
in einer zum Flusse parallelen^ also von diesem flankierten 
Richtung. Anderseits blieb die Haupt- Verbindungslinie der 
russischen Armee auch nach dem Uebergange der letzteren über 
die Donau — welcher^ wie bereits erwähnt^ westlich von Ruscuk 
projectiert war — stets in der gleichen flankierten Richtung. 
Sie konnte nicht als ungefährdet gelten^ so lange die Türken 
die Donau und zum Ueberflusse auch noch das Schwarze Meer 
beherrschten. Daraus ergab sich naturgemäss die Nothwendigkeit^ 
diese Verbindungen durch eine dauernde Besetzung des linken 
Donau-Ufers bis zur Mündung hin zu sichern. Es war demnach^ 
wenn man von Ruscuk abwärts zählt; eine Linie von circa 400 Werst 
direct zu vertheidigen^ wovon auf die Strecke von Cernavoda 
bis zur Mündung nicht ganz 250 Werst entfielen. Dieser letztere 
einspringende Theil der Verttieidigungslinie konnte auf 50 Werst 
verkürzt werden^ wenn man die Defensive auf das rechte Donau- 
Ufer verlegte und den rechten Flügel an die Donau bei Cernä- 
voda, den linken an das Schwarze Meer bei Küstendze [Constanta] 
anlehnte. Eine Landung türkischer Truppen hinter dieser Linie 
w^urde nicht erwartet und auch nicht befürchtet. 

Unabhängig von ihrer defensiven Aufgabe konnte eine 
russische Kraft-Gruppe^ welche sich in der Linie Cernavoda- 
Küstendze festgesetzt hatte^ zugleich auch Varna und Silistria. 
bedrohen. Ueberdies sollte diese Gruppe, da sie im Rücken 
des türkischen Festungs-Vierecks, auf dem kürzesten Wege von 
der russischen Grenze nach Constantinopel stand, entsprechend 



^) In der russischen Armee wird jeder zur Durchführung einer Aufgabe be- 
sonders zusammengestellte Körper, ohne Rücksicht auf die Stärke, „Detachement" 
(otrjad) genannt. Es gibt mitbin Detachements von einer Compagnie bis zu mehreren 
Corps. Um irrthümlichen Auffassungen vorzubeugen, wird im nachfolgenden Texte 
,, otrjad" — der Truppenstärke entsprechend — mit ,, Detachement", ,, Gruppe", ,, Corps"' 
(unter besonderer Bezeichnung) und ,, Armee-Gruppe" wiedergegeben. — D. Ueb. 



19 

starke türkische Kräfte auf sich ziehen ; auf diesen Umstand 
wurde auch seitens der russischen Armee-Leitung gezählt. Eine 
solche Ausgabe an Kraft seitens der Russen compensierte sich 
demnach doppelt^ indem sie angemessene Kräfte des Gegners band. 
Endlich wurde beschlossen^ den Uebergang der in Rede 
stehenden Kraft-Gruppe auf das rechte Ufer früher als den Ueber- 
gang der Hauptkräfte bewerkstelligen zu lassen; der erstere 
sollte zugleich als Diversion zu Gunsten des letzteren wirken. 

Auf türkischer Seite war zum Obercommandanten aller 
gegen die russische Armee auf der Balkan-Halbinsel aufgebotenen 
Streitkräfte der Besieg-er der Serben^ Serdar-Ekrem (Generalissi- 
mus) Abdul Kerim Pascha ernannt worden. Derselbe war jedoch 
in seinen EntSchliessungen und Operationen nicht selbständig ; 
er musste seine Entwürfe dem Sultan im Wege des Kriegs- 
Ministers zur Genehmigung vorlegen und auch die ^^Rathschläge'' 
des Kriegsrathes berücksichtigen^ in welchem wieder der Kriegs- 
Minister den Vorsitz führte. Unabhängig davon erliess bisweilen 
der Sultan seine Befehle — die zumeist auf den Anschauungen 
des neuerrichteten ^, geheimen Rathes" beruhten — mit Ueb er- 
gehung des Obercommandanten^ directe an die diesem unter- 
stellten Befehlshaber ^). 

Bei solchem Mangel an Einheitlichkeit in der Leitung war 
es unmöglich, einen einmal gefassten Plan consequent und 
unentwegt durchzuführen, umsomehr als die operativen Erwägungen 
der Türken sie in der gegebenen Lage nur zu Entschlüssen von 
rein passiv defensivem Charakter führen und nicht weit voraus 
reichen konnten und man auf türkischer Seite von der Initiative 
der russischen Armee völlig abhängig war. 

Es bestand allerdings im Anfange das Project, Rumänien 
vor dem Einmärsche russischer Truppen zu besetzen und hiemit 
der Vertheidigung der vorderen Linie, das ist der Donau, einen 
activen Charakter zu geben. Dieses Project wurde in mehreren 
Sitzungen berathen, kam aber aus den Wänden der militärischen 
und diplomatischen Kanzleien nicht heraus. Es war in einer 
„Umfrage" des Sultans an die Hohe Pforte vom 13. [25.] März 
1877 enthalten, welche die Vorlage von Daten über den Bestand 
der türkischen Streitkräfte und von Gutachten der Minister über 
die zukünftigen Kriegs-Operationen verfügte. 



^) „Bemerkungen über den russisch-türkischen Krieg 1877 — 1878, Beitrag zur 
Geschichte desselben," aus dem Kachlasse des Divisions-Generals Strecker Pascha. 



20 



In dieser „Umfrag'e" liiess es unter anderem, dass ,,nach 
Ansicht gewiegter Militärs" die beste Art der Vertheidigung in 
der Verlegung- des Kriegsschauplatzes nach Rumänien bestünde; 
hiedurch würde Bulgarien am besten g-esichert und ,,den Corps 
des Sultans nach den Grundsätzen der Kriegskunst die Möglich- 
keit geboten werden, den g'rössten Nutzen aus ihren Operationen 
zu ziehen'\ Ueberdies wurde darin erklärt, dass der Sultan sich 
für berechtigt halte, Rumänien noch vor der Kriegserklärung 
zu besetzen^). 

Begreiflicherweise würde das Verschieben der türkischen 
Hauptkraft auf das linke Ufer, unter den gegebenen Umständen, 
nur zu dem seitens der russischen Armee gewünschten Zusammen- 
stosse geführt und die Entscheidung des Krieges beschleunigt 
haben. ■ Man kann sogar annehmen, dass die türkischen Minister 
in der Einsicht von der Gefährlichkeit dieses Projectes handelten, 
als sie „beschlossen, im Wege ihrer Vertreter die Ansichten der 
europäischen Mächte über einen Einmarsch türkischer Truppen 
in Rumänien vor der Kriegserklärung in Erfahrung zu bringen". 
Dies verursachte natürlich nicht nur eine Verschleppung der 
Angelegenheit, sondern diese wurde mit der Zeit von selbst 
undurchführbar — und man Hess deshalb die Idee gänzlich 
fallen. 

Nach den Angaben Strecker Paschas^) wurde in der zu 
Constantinopel unter Theilnähme Abdul Kerim Paschas vor 
der Kriegserklärung abgehaltenen Berathung beschlossen: ,,die 
eventuelle Vorrückung der Russen westlich des Festungs- Vierecks 
in der Flanke zu fassen; die hiezu erforderlichen Kräfte sollten 
in der Linie Plevna-Lovca concentriert werden; den Kern der- 
selben sollte der verfügbare (in West-Bulgarien befindliche) Theil 
der Truppen Osman Paschas bilden". 

Diesem Beschlüsse entsprach nur in gewissem Masse die 
Note der Kanzlei des Sultans an den Kriegs-Minister vom 
8. [20.] April, welche besagte: 

,,Da es nicht möglich ist, die ganze Vertheidigungslinie der 
Donau von Mäcin bis Vidin zu halten, soll bei Ausbruch des 
Krieges der Feind in das Innere des Landes gelockt und ihm 



^) „Sammlung türkisclier Documente über den letzten Krieg." Uebersetzung (aus 
dem Türkischen) der drei letzten Capitel der Sammlung „Zubdet ul Hakaik", von 
Achmed Midhat Effendi. 

^) In den oben angegebenen ,, Bemerkungen etc.". 



21 



dort eine Schlacht geliefert werden. Wird der Feind besiegt; 
so zwingen wir ihn, über die Donau zurückzugehen und verfolgen 
ihn bis zum Prut; im entgegengesetzten Falle ziehen wir uns 
gegen den Balkan zurück und trachten, unter Festhaltung von 
Varna, Burgas und anderen wichtigen Punkten im Bereiche des 
Balkan, den Feind an seiner Ausbreitung zu verhindern. Zu diesem 
Zwecke müssen wir eine bedeutende Truppenmacht in das Festungs- 
Viereck Ruscuk-Silistria-Sumla- Varna legen, wobei wir am rechten 
Flügel die Linie Küstendze-Cernavoda besetzen und genügende 
Kräfte ausscheiden, um am linken Flügel die Linie Svistov-Orehovo 
zu besetzen. Zur Beobachtung der Rumänen und zur Verhinderung 
einer Vereinigung der Russen mit den Serben ist eine eigene 
Gruppe bei Vidin nöthig. . ." 

Die angegebenen zwei Versionen giengen zwar in den 
weiteren Folgerungen auseinander, stimmten aber in den ursprüng- 
lichen Absichten überein. Diese Uebereinstimmung kam auch in der 
früher dargestellten anfänglichen Vertheilung der türkischen Kräfte 
an der Donau zum Ausdrucke. Das Weitere Meng natürlicherweise 
von den Verhältnissen ab. Das eine jedoch muss constatiert 
werden, dass dem im Beisein Abdul Kerim Paschas gefassten 
Plane das Vorgehen gegen die Flanke der russischen Armee 
und gegen deren Verbindungen am rechten Donau-Ufer zugrunde 
lag, wogegen der Befehl des Sultans vom 8. [20.] April, ohne 
diesen Gedanken auszudrücken, das Hereinlocken des Feindes in 
das Innere des Landes bezweckte, um ihm dort eine Schlacht 
zu liefern. 

Wie dem auch sei, die Hauptsache ist, dass das Resultat 
aller Erwägungen der Türken vorläufig ein völlig passives 
Abwarten war. 

Vor der Anführung der seitens der Türkei der russischen 
Armee thatsächlich entgegengestellten Kräfte muss zunächst 
bemerkt werden, dass die Türkei, ähnlich wie Russland, nur 
einen Theil ihrer gesammten Streitkräfte auf dem Kriegs- 
schauplatze an der Donau aufbieten konnte, und zwar aus 
mehreren Gründen: die Türken mussten einen Einbruch russischer 
Truppen auch in ihre asiatischen Gebiete vom Kaukasus her 
erwarten; sie hatten nicht wenig Truppen in Bosnien und der 
Hercegovina, ferner auf Greta zu erhalten und konnten auch 
die gegen Montenegro — mit welchem man sich im Kriegs- 
zustande befand — aufgebotenen Kräfte nicht anderweitig ver- 
wenden; schliesslich durfte die Türkei aus einigen entlegenen 



Gebieten, wo ihre Herrschaft eine zweifelhafte war, nicht alle 
Truppen herausziehen^). 

In der von Achmed Mi dhat zusammengestellten Sammlung 
türkischer Documente über den letzten Krieg ist über die 
Gruppierung der Türken Folg'endes enthalten: 

„Zur Zeit der Kriegserklärung bestanden die türkischen 
Streitkräfte aus 494.397 Mann; hievon standen 186.000 im Tuna- 
(Donau-) Rayon, d. i. in Vidin, Ruscuk, Dobrudza, Silistria, Sumla, 
Tmovo, Gabrovo, Adrianopol, Varna, Nis und Sofia; 107.000 
befanden sich in Bosnien, der Hercegovina und Scutari (alban.); 
gegen 15.000 in Janina und Larissa; circa 10.000 in Candia; 
gegen 70.000 in Kars, Ardahan, Bajazet und Erzerum; 20.000 in 
Constantinopel; geg'en 50.000 in Tarabulus (Tripolis), Smyrna, 
Hedzas und anderen Orten." 

Der französische Oberst Torcy, welcher den Krieg auf der 
Balkan-Halbinsel als Militär-Attache im Hauptquartier der türki- 
schen Armee mitmachte, gibt die Stärke und Vertheilung der 
Türken am 10. [22.'] Mai 1877 folgend an: im ganzen hatten sie 
161.700 Mann gegen die Russen zur Verfügung, und zwar: in 
Ruscuk 24.600, Sumla 31.580, Silistria 15.900, Tutrakan 4350, 
Dobrudza 6250, Varna 8750, Trnovo 2100, zwischen Ajtos und 
Kazanlik 9200, in Philippopel und Adrianopel 3160, zwischen 
Vidin und Nikopol 36.650, in Lovca 3500, Nis 3960, Sofia und 
Umgebung 11.640^). 

Diese Zahlen hält Torcy selbst, speciell bezüglich der In- 
fanterie und Artillerie, zweifellos für etwas übertrieben, was 
besonders für die Truppen bei Vidin und an der serbischen 
Grenze gilt. Nachdem aber in den angeführten Zahlen die techni- 
schen Truppen, Zaptie (Gendarmerie), das Personal der höheren 
Ccmmanden und zumeist auch die irregulären Truppen nicht 
enthalten sind, meint Torcy, dass durch diese willkürliche Er- 
höhung die thatsächlich vorhanden gewesene Stärke ziemlich 
richtig getroffen wurde. 

Bei der Würdigung der Vertheilung der türkischen Kräfte 
darf man nicht ausseracht lassen, dass die Türken es für noth- 
w^endig erachteten, in der ersten Zeit über 100.000 Mann in 
Bosnien und der Hercegovina zu halten, von welchen später über 



^) Die Beobachtung gegen Serbien fiel den bei Vidin stehenden Truppen zu, 
welche gleichzeitig auch Rumänien zum Theile bedrohten und eventuell zu den 
Operationen gegen die russische Armee herangezogen werden konnten. 

-; Die Summe stimmt nicht. — D. Ueb. 



23 

50.000 zum Einbrüche in Montenegro verwendet wurden. Zieht 
man überdies in Betracht, dass das Resultat aller türkischen Er- 
wägungen vorerst ein passives Abwarten hinter der Donau war, 
so ersieht man, dass die russische Armee während ihres strategi- 
schen Aufmarsches in Rumänien keine anderen Hindernisse und 
Verzögerungen zu überwinden hatte^, als jene^ welche sich aus 
der ungenüg'enden Zahl und der mangelhaften Verfassung der 
Eisenbahnen in Rumänien^ sowie aus dem schlechten Zustande 
der Wege und Uebergäng-e zur Zeit des Thauwetters und der 
Ueberschwemmungen ergaben. 



IL CAPITEL. 

Die Besetzung Rumäniens durch die russische 
Operations-Armee. 

Situation der russischen Operations- Armee Mitte März. — Concentrierung der Truppen 
gegen die Grenze. — Verfügungen des Hauptquartiers für den Einmarsch nach 
Rumänien. — Bildung des „Untere Donau-Corps". — Vorrückung der Hauptkraft in 
drei Colonnen. — Heranziehung der folgenden Truppen mittels der Eisenbahn. — 
Eintreffen Kaiser Alexanders H. — Thätigkeit der vorgeschobenen Gruppen an der 
Donau. — Eintreffen des XIV., XHI. und IV. Armee-Corps. — Ablösung des XT 
durch das XIV. Armee-Corps an der Unteren Donau. — Thätigkeit der rumänischen 
Truppen. — Gruppierung beider kriegführenden Parteien auf dem Balkan-Kriegs- 
schauplatze anfangs [Mitte] Juni. 

(Hiezu Karten-Beilagen l und 3.)^) 

Die russische Operations-Armee cantonierte Mitte [gegen 
Ende] März 1877 in den Gouvernements Bessarabien^ Podolien 
und Cherson, und zwar im Räume Balta^ Soroki, Bielcy, Skulany, 
Kebiei (Kubej), Razdielnaja, Ananiew. 

Die Operations - Armee bestand aus dem VIII. Corps (GL. 
Radetzki), IX. Corps (GL. Baron Krüdener); XL Corps (GL. Fürst 
Sachowskoj), XII. Corps (GL. Wannowski)^ der 4. Schützen- 
Brigade sammt 2 zugeth eilten Sotnien des 7. Piastun-Bataillons 
vom Kuban-Heere (GM. Tzwjecinski); der 3. Sappeur-Brig-ade 
(GM. Richter); der kaukasischen Kasaken - Division (GL. Sko- 
belew I), 9 Don-Kasaken-Regimentern^ 2 Escadronen des kaiser- 
lichen Convoi; der Ural-Sotnie, ferner aus Belagerungs- Artillerie 
und einigen anderen Truppen. Zusammen: 111^2 Bataillone^ 
151^/2 Escadronen und Sotnien mit 472 Feld- und 220 Belagerung's- 
Geschützen. 



1) Beilage i beigeschlossen dern I. Bande ; siehe auch die Karten-Beilagen 9, 15, 
17, 18. — D. Ueb. 



25 

Diese Truppen mit den Hilfs-Formationen hatten nach 
dem Standes - Ausweise des Operierenden Hauptquartiers am 
15. [27.] März einen Präsenzstand von 41 Generalen, 439 Stabs- 
officieren, 2689 Oberofficieren^ 146.420 Mann des G-efechtsstandes 
und zählten ausserdem 9245 Mann an Nichtcombattanten. 

Da die Möglichkeit nicht ausgeschlossen war^ die Operationen 
in kurzer Zeit beginnen zu müssen^ beschloss der Armee-Ober- 
commandant, die Truppen an die Grenze heranzuschieben und 
erliess Ende März hiezu folgende Verfügungen: 

a) die Truppen im südlichen Bessarabien hatten sich am 
I. [13.] April in engen Cantonierung*en in der Umgebung von 
Kebiei, Hasan Batyr und Tatar Bunar zu concentrieren. 

b) die 8. und 12. Cavallerie-Division sollten sich gleichfalls 
concentrieren, und zwar die erstere bei Ungheni und Bielcy, die 
letztere bei Soroki. 

c) die Kasaken-Regimenter Nr. 21, 26 und 37, sowie die 
Don-Batterie Nr. 15 hatten auf das rechte Dniester-Ufer über- 
zugehen und bei Soroki und Bielcy Cantonierungen zu beziehen. 

d) das 5. Sappeur- Bataillon hatte unmittelbar an der 
rumänischen Grenze, auf dem Wege zum Orte Leovo, ein Lager 
zu beziehen und, sobald bei Leovo die Grenze überschritten 
würde, dortselbst eine Brücke über den Prut zu schlagen. 

e) die 4. Schützen-Brigade hatte sich näher an die Grenze zu 
schieben und bei Guragalbina, am Wege nach Jassi, zu cantonieren. 

f) die II. Cavallerie-Division sollte in die Umgebung von 
Kiszyniew rücken. 

Die übrigen Theile der Operations-Armee erhielten erst 
nach dem i. [13.] April die Befehle zur Concentrierung an den 
einzelnen Ausgangspunkten der — vom Operierenden Haupt- 
quartier entworfenen — Vorrückungslinien nach Rumänien. 

Bei Ertheilung dieser Dispositionen war der Obercommandant 
der russischen Armee weder über den Tag der Kriegserklärung, 
noch der Grenzüberschreitung orientiert. 

In einem Telegramme des Kriegs-Ministers vom 28. März 
[9. April] hiess es nur: „Die letzten Nachrichten aus Constantinopel 
lassen vermuthen, dass der Krieg unvermeidlich ist. Seine Majestät 
gestattet Eurer Hoheit, die Einleitungs-Verfügungen für den Beginn 
des Vormarsches zu treffen. Die Grenzüberschreitung selbst soll 
gleichzeitig mit der Kriegserklärung erfolgen, und Seine Majestät 
wünscht daher zu wissen, wieviel Zeit die Vorbereitungen zur 
Grenzüberschreitung beanspruchen werden". 



26 

Gleich darauf, am 29. März [10. April]^ telegraphierte der 
Kriegs-Minister an den Armee-Obercommandanten: ,^Seine Majestät 
hält es nicht für möglich, schon jetzt den Tag* der Kriegserklärmig 
mid der Grenzüberschreitung zu bestimmen. Euere Hoheit werden 
wenigstens zehn Tage vor dem betreffenden Zeitpunkte verständigt 
werden. INIit der Kriegserklärung soll dann die Vorrückung der 
Truppen so schnell als möglich erfolgen. . . ." 

Endlich sandte am 30. März [11. April] der Kriegs-Minister 
folgendes Telegramm ab : ,, Seine Majestät geruhten, den 1 2. [24.] April 
als Tag der Kriegserklärung und Grenzüberschreitung zu bestimmen, 
falls sich bis dahin die Situation nicht ändert. Dieser Entschluss 
ist vorläufig noch geheim zu halten. Der Befehl zur nachträg- 
lichen Mobilisierung wird am 3. [15.] April verlautbart werden." 

AVie bereits im vorhergehenden Capitel besprochen, war das 
nächste Ziel, welches der Obercommandant der russischen Armee zu 
erreichen beabsichtigte, die Annahme einer entsprechenden Grup- 
pierung in Rumänien; sodann sollten dortselbst die Vorbereitungen 
für den Donau-Ueb ergang getroffen werden, wobei der Haupt- 
U ebergang auf der Strecke Nikopol-Svistov [Sistov] geplant war. 

Die Pläne für den Vormarsch der Armee wurden den Truppen 
am 3. [15.] April zugesendet. Nach denselben sollte die Hauptkraft 
in drei Colonnen vorrücken, und zwar : 

Rechte Colonne: die 8. und 12. Cavallerie-Division, selb- 
ständige Don-Kasaken-Brigade und das Don-Kasaken-Regiment 
Nr. 37 — unter Commando des GL. Baron Driesen. Diese 
Colonne zerfiel in 6 Staffeln ; sie sollte von Skulany und Ungheni 
über Jassi nach Ploesci vorrücken. Von hier aus hatten zu 
marschieren und einzutreffen: der i.und 2. Staffel (8. Cavallerie- 
Division) — in Alexandria am 30. April [12. Mai] und 2. [14.] Mai; 
der 5. Staffel (selbständige Don-Brigade) ebenfalls in Alexandria 
am 6. [18.] Mai; der 3. und 4. Staffel (12. Cavallerie-Division) in 
Copäceni am Argesu am 2. und 3. [14. und 15.] Mai; der 6. Staffel 
(Don-Kasaken-Regiment Nr, 37) in Bänesa (Beneasu) am 4. [16.] Mai, 
wo sich das Regiment dem XII. Armee-Corps anschliessen sollte. 

Die Mittel- C olonne, bestehend aus der gesammten Infanterie 
und Artillerie des XII. Corps, dem Feld-Telegraphen-Park Nr. 6 
und der Ural-Kasaken-Sotnie — unter dem Commando des GL. 
Wannowski. Diese Colonne zerfiel in 5 Staffeln; sie hatte von 
Skulany und Ungheni über Jassi nach Bänesa vorzurücken und 
hier bis 11. [23.] Mai aufzuschliessen. 



27 

Die linke Colonne^ gebildet aus einer erst am Tage der 
Krieg'serklärung gebildeten Gruppe (Detachement) unter GL. 
Skobelew I (4. Schützen-Brigade, 2 Plastun-Sotnien^ 5. Sappeur- 
Bataillon^ kaukasische Kasaken-Division und Don-Kasaken-Regi- 
ment Nr. 23)^ ferner aus der 11. Cavallerie-Division, sowie der 
gesammten Infanterie und Artillerie des VIII. Armee- Corps — unter 
dem Commando des GL. Radetzki. Diese in 10 Staffeln gegliederte 
Colonne hatte die Grenze bei Biesztamak^ sodann den Prut bei 
Leovo ^) zu überschreiten und weiter über Falciu und Galaz 
[Galati] nach Bräila zu marschieren. Von hier hatte die Gruppe 
Skobelew I (die ersten 3 Staffeln) unter Zurücklassung des 
5. Sappeur-Bataillons in Bräila^ über Urziceni und Plumbuita(in der 
Umgebung von Bukarest) nach dem Dorfe Daita vorzurücken^ 
jedoch Giurgevo [Giurgiu] vorläufig nicht zu berühren ; in Daita 
hatte die Gruppe am 2._, 3. und 4. [14. bis 16.] Mai einzutreffen. 
Die derselben folgenden Staffeln 4 und 5 (11. Cavallerie-Division) 
sollten bei Bräila aus der Colonne ausscheiden und stromaufwärts 
längs der Donau über Viziru^ Bertesci und Tändärei (Cindarai) nach 
Slobozia (an der Jalomita) vorrücken, wo sie am 30. April [12. Mai] 
einzutreffen hatten. Hier sollte der 4. Staffel (i. Brigade mit der 
18. reitenden Batterie) stehen bleiben^ dagegen hatte der 5. weiter 
zu marschieren und am 2. [14.] Mai Obilesci (Obilesci nou) zu 
erreichen. Die letzten 5 Staffeln der linken Colonne (Infanterie 
und Artillerie des VIII. Corps) sollten von Bräila nach Plumbuita 
marschieren und hier bis 11. [23.] Mai aufschliessen. 

Da sich die beschriebene Vorrückung der Hauptkraft der 
russischen Armee als ein Flankenmarsch im Verhältnisse zur 
Donau darstellte und letztere seitens der Türken durch einige 
Festungen und durch bedeutende Ueberschiffungsmittel beherrscht 
wurde^ so mussten besondere Massregeln zur Sicherung nach 
dieser Seite hin getroffen werden, und zwar wurden hiezu mehrere 
Seitenhuten ausgeschieden. Die erste derselben wurde durch das 
,,Untere Donau-Corps" (Untere Donau-Detachement) gebildet; 
es unterstand dem Commandanten des XL Armee-Corps, GL. Fürst 
Sachowskoj, und hatte sich am linken Donau-Ufer zwischen Reni 
und Bräila festzusetzen und den Unterlauf des Stromes von der 



^) Hier sollte das beim l. Staffel eingetlieilte 5. Sappeur-Bataillon drei Tage ver- 
bleiben, um die Brücke über den Prut vollständig herzustellen; den weiteren Vormarsch 
sollte das Bataillon mit dem 5. Staff'el fortsetzen. 



28 

Mündung der Jalomita (geg'enüber Hirsova [Härsova]) bis zum 
Schwarzen Meere zu sichern. 

Das ^^Untere Donau-Corps" bestand aus: der ii. Infanterie- 
Division sammt Artillerie und Parks, der 2. Brigade der 32. In- 
fanterie-Division mit den Batterien Nr. 3, 4, 5 und 6 der 32. Artillerie- 
Brig'ade sammt dem 10. mobilen und dem halben 10. fliegenden 
Park, den Don-Kasaken-Regimentern Nr. 29, 31 und 40 sammt 
der 8. und 10. Don-Batterie und einer Abtheilung des 8. reitenden 
Artillerie-Parks, ferner aus der Gruppe des GL. Werewkin vom 
VII. Armee-Corps^) mit folgenden Truppen: der 2. Brigade der 36. In- 
fanterie-Division, den Batterien Nr. i, 4 und 5 der 36. Artillerie- 
Brigade, dem Uhlanen-Regimente Olwiopol Nr. 7, i Sotnie des 
Don-Kasaken-Regiments Nr. 7 und der 13. reitenden Batterie. 
Diese Gruppe concentrierte sich bei Kebiei und Tatar Bunar ; sie 
hatte nach Bräila, Galaz, Reni, IzmaiJ und Kilija vorzurücken. 

Die Marschlinien für alle diese Truppen waren seitens des 
Fürsten Sachowskoj zu bestimmen; nur für die 2. Brigade der 
^2. Infanterie-Division mit den 4 Batterien der 32. Artillerie- 
Brigade und allen Artillerie-Parks des XI. Armee-Corps wurden 
sie vom Operierenden Hauptquartier vorgezeichnet; letztere 
Truppen hatten in 2 Staffeln über Kebiei und Reni nach Bräila 
und Galaz zu marschieren, und zwar in ersteren Ort die gesammte 
Infanterie und Artillerie, ohne i Bataillon, und in letztere Stadt 
alle Parks unter Bedeckung des restierenden Infanterie-Bataillons. 

Bezüglich der i. Brigade der 32. Infanterie-Division sammt 
der I. Park-Gruppe der Belagerungs- Artillerie, welche gleichfalls 
zum „Untere Donau-Corps" zählte, wurde dem Fürsten Sachowskoj 
mitgetheilt, dass dieselben von Bender per Bahn nach Bärbosi 
gelangen würden. Nach der Besetzung von Bräila war beabsichtigt, 
die oben bezeichnete Brigade per Bahn nach Bukarest und 
Giurgevo zu befördern, um diese wichtigen Punkte für den Fall 
zu decken, dass die Türken versuchen sollten, die Donau zu 
überschreiten. 

Bei der weiteren Vorrückung der Hauptkraft der Armee 
wurden zur Deckung gegen die Donau von den erwähnten 
Colonnen drei besondere Gruppen (Detachements) ausgeschieden, 
und zwar die an der Tete der rechten Colonne marschierende 
Gruppe des GL. Fürst Manwelow (8. Cavallerie-Division), 



') Diese Gruppe wurde am 4. [16.] April dem Commandanten des XI. Corps 
unterstellt. 



ferner die an der Spitze der linken Colonne vorrückende Gruppe 
des GL. SkobelewI (kaukasische Kasaken-Division^ 4. Schützen- 
Brigade, 2 Plastun-Sotnien und 2 Fuss-Gebirgs-Batterien), endlich 
die aus Bestandth eilen der linken Colonne und des /^Untere Donau- 
Corps" gebildete Gruppe des GL. Tatiscew (11. Cavallerie- 
Division und 2. Brigade der 32. Infanterie-Division mit 4 Batterien). 
Diese drei Gruppen hatten nach dem Passieren der Linie Ploesci- 
Filipesci-Bräila mit der nöthigen feldmässigen Sicherung weiter 
vorzurücken, da der Feind die Mittlere Donau überschritten haben 
konnte, um die Offensive zu ergreifen. An den Endpunkten der 
ihnen zugewiesenen Vorrückungslinien angelangt, sollten alle drei 
Gruppen längs des linken Donau-Ufers von der Mündung des Jiu 
[Schyl] bis zur Mündung der Jalomita, gegenüber Hirsova, einen 
Beobachtungs-Cordon [Postierung] beziehen. 

Der Plan für die Truppen-Verschiebungen mittels der 
Eisenbahnen wurde anfangs April versendet. 

Nach diesem Plane sollten die Bahn-Transporte bereits am 
Tage der Kriegserklärung beginnen, und zwar sollten befördert 
werden : 

a) das Schwarzmeer-Marine-Detachement mit den Torpedo- 
kuttern und Minen, ferner die i. Gruppe der Belagerungs- Artillerie 
unter Bedeckung der i. Brigade der 32. Infanterie-Division sammt 
2 Batterien der 32. Artillerie-Brigade und das 7. Sappeur-Bataillon 
— nach Bärbosi und Bräila, wo sie unter die Befehle des Comman- 
danten des „Untere Donau-Corps" zu treten hatten, und 

b) das ganze IX. Corps — nach Slatina. 

Beide Projecte mussten jedoch geändert werden, als die 
Nachricht eintraf, dass sich einerseits die Bahnen infolge des 
Hochwassers in einem überaus schlechten Zustande befänden, und 
dass anderseits das rollende Material der rumänischen Bahnen 
bei weitem nicht hinreiche. 

Auf diese Nachricht hin wurde beschlossen, zunächst die oben 
unter a) bezeichneten Truppen aus dem Cantonierungsbereiche 
nach Bärbosi und Bräila zu transportieren ; sodann sollte, sobald 
die II. Infanterie-Division diese beiden Punkte und Galaz mit 
Fussmarsch erreicht hätte, die i. Brigade der 32. Infanterie-Division 
sofort von Bärbosi und Bräila in die Umgebung von Bukarest 
weiter befördert werden, wogegen die dem Commandanten des 
„Untere Donau-Corps" zur Verfügung gestellten Marinesoldaten, 
Sappeure und die Belagerungs- Artillerie zurückzubleiben hatten. 



Erst nach Abschluss dieser Transporte^ nämlich am neunten 
Tage nach der Kriegserklärung-, sollte auch die Beförderung von 
Truppen des IX. Armee-Corps, und zwar nicht aller Theile des- 
selben, sondern nur der 31. Infanterie- und der 9. Cavallerie- 
Division aus ihrem Cantonierung-sraume nach Slatina beginnen. 
Die 5. Infanterie-Division sollte per Bahn nur nach Bender trans- 
portiert werden und von hier sammt dem zum IX. Armee-Corps 
eingetheilten Don-Kasaken-Regimente Nr. 34 mittels Fussmarsch 
in 4 Staffeln zunächst hinter der linken Colonne über Biesztamak, 
Leovo und Falciu vorrücken und — sodann hinter der mittleren 
Colonne marschierend — über Birlat, Focsani und Ploesci nach 
Bänesa gelangen ^). 

Nach Beendigung des Transportes des IX. Armee-Corps 
sollten mit der Eisenbahn befördert werden : die Ponton-Parks, 
der gesammte Rest der Belagerungs- Artillerie, die Spitäler und 
die sonstigen Anstalten der Armee. 

Diesen Absichten entsprechend, wurde ein neuer Eisenbahn- 
Transport-Plan verfasst und an die Truppen versendet ; doch auch 
dieser Plan musste, bevor noch an die Durchführung desselben 
geschritten wurde, zweimal abgeändert werden ^). 

Noch vor der Verlautbarung des Kriegs-Manifestes und 
gleichzeitig mit der Versendung der Dispositionen für die all- 
gemeine Vorrückung Hess der Armee-Obercommandant die Corps- 
und Colonnen-Commandanten avisieren, dass die Truppen gleich 
nach der in der Nacht vom 11. [23.] auf den 12. [24.] April zu 
gewärtigenden Kriegserklärung marschbereit zu sein hätten. 

Diesem Befehle entsprechend, concentrierten sich die Vor- 
truppen der russischen Armee am Abende des 11. [23.] April un- 
mittelbar an der Grenze und rückten sofort nach Empfang der 
Nachricht von der erfolgten Kriegserklärung (die durch speciell 
hiezu bestimmte Personen überbracht wurde) an folgenden 
Punkten in Rumänien ein : 



^) Die 5. Infanterie-Division und das Don-Regiment Nr. 34 sollten in der Um- 
gebung von Bukarest zwischen dem 14. [26.] und 18, [30.] Mai eintreffen. 

-) Zuerst wurde der Beginn des Transportes des IX. Armee-Corps um drei 
Tage verschoben, da auch die rumänische Regierung ihre Armee mobilisierte, und 
hiezu die Bahnen benöthigte. Das zweitemal verzögerte sich der Beginn des 
Transportes des IX. Corps abermals um zwei Tage, weil die Bahnstrecke zwischen 
Ungheni und Jassi durch das Hochwasser des Prut und seiner Zuflüsse unterwaschen 
worden war. 



31 

bei den Dörfern Nowaja Bolgaria und Tatar Bunar: Truppen 
des ,;Untere Donau-Corps" ; 

beim Dorfe Biesztamak : der i. Staffel der linken Colonne 
(5. Sappeur-Bataillon und i. Brigade der kaukasischen Kasaken- 
Division mit der reitenden Gebirgs-Batterie Nr. i); 

beim Dorfe Ungheni : der i. Staffel der rechten Colonne 
(2. Brigade der 8. Cavallerie-Division mit der Don-Kasaken- 
Batterie Nr. 9). 

Der Tete-Staifel der Mittel- Colonne concentrierte sich gleich- 
falls unmittelbar an der Grenze, rückte aber am Tage der Kriegs- 
erklärung noch nicht vor, da er nach dem Marsch-Plane die Grenze 
bei Skulany und Ungheni erst am 14. [26.] April zu über- 
schreiten hatte. 

Die Grundidee für die nächsten Kriegs-Operationen bestand 
in der schnellen Besitzergreifung des linken Donau-Ufers von 
der Mündung bis Bräila durch das ^^Untere Donau-Corps". 

Besonders wichtig war hiebei die möglichst rasche Besetzung 
der unmittelbar an der Seret-Mündung bei Bärbosi gelegenen 
Eisenbahn- Brücke ; die Tiefe des Seret gestattete hier die Einfahrt 
türkischer Kriegsschiffe, und die Brücke konnte daher leicht 
von ihnen zerstört werden, was die russische Armee für lange 
Zeit der Möglichkeit beraubt hätte, die einzige vorhandene Bahn 
sowohl für Truppen-Transporte als auch für den Nachschub von 
vielem Material und zahlreichen Vorräthen zu benützen. 

Die Situation des „Untere Donau-Corps" stellte sich am 
Vorabende der Kriegserklärung wie folgt dar ; es standen : 

1. beiKebiei: die 1 1 . Infanterie-Division mit ihrer Artillerie ; 
die Don-Kasaken-Regimenter Nr. 29, 31, 40 und die Don-Kasaken- 
Batterien Nr. 8 und 10. Diese Truppen sollten Reni, Galaz, Bärbosi 
und Bräila besetzen. 

2. bei Tatar Bunar und Kodkitai (s. w. Tatar Bunar): die 
2. Brigade der 36. Infanterie-Division mit der i., 4. und 5. Batterie 
der 36. Artillerie - Brigade und i Sotnie des Don-Kasaken- 
Regiments Nr. 7 ; das Uhlanen-Regiment Olwiopol Nr. 7 und 
die 13. reitende Batterie. Diese Truppen unterstanden dem 
GL. Werewkin; sie hatten Satunow, Izmail und Kilija zu 
besetzen. 

3. bei Nw.-Kauszany war die Reserve, die 2. Brigade 
der 32. Infanterie-Division mit der 3., 4., 5. und 6. Batterie der 
32. Artillerie-Brigade. 



4- in Tiraspol stand die i. Brigade der 32. Infanterie-Division 
mit der i. und 2. Batterie der 32. Artillerie-Brig-ade ; dieselbe 
sollte — wie oben geschildert — die Belagerungs- Artillerie und 
das Marine -Detachement auf der Bahnfahrt von Bender nach 
Galaz, Bärbosi und Bräila geleiten. 

Die bei Kebiei stehenden Truppen^ welche in der Nähe von 
Reni den Prut zu übersetzen hatten^, schieden als Vorhut — unter 
dem Commando des Stabschefs des XI. Armee-Corps^ Generalstabs- 
Obersten Biskupski — aus: das i. und 3. Bataillon des Infanterie- 
Regiments Selenga Nr. 41 mit der 2. Batterie der 1 1 . Artillerie- 
Brig-ade^ die Don-Kasaken-Regimenter Nr. 29^ 31 und 40 sammt 
den Don-Kasaken-Batterien Nr. 8 und 10. Hievon wurde nach 
Wodolui-Isaccea das Don-Kasaken-Regiment Nr. 3 1 gesandt (hier 
hätte ursprünglich auch ein Theil der Infanterie und Cavallerie 
den Prut übersetzen sollen, was sich aber infolg-e des Hoch- 
wassers als unausführbar erwies). 

Unmittelbar hinter der Avantgarde des Obersten Biskupski 
marschierten die übrigen Theile der 1 1 . Infanterie-Division unter 
den persönlichen Befehlen des Commandanten des ^^Untere Donau- 
Corps", GL. Fürst Sachowskoj. 

Von diesen Truppen wurde zur sofortigen Besetzung der 
Stadt Izmail unter Commando des Obersten Rymasewski das 
3. Bataillon des Infanterie-Regimentes Kamcatka Nr, 44 mit 
4 Geschützen der 6. Batterie der 11. Artillerie-Brigade aus- 
geschieden. Bis zur Ablösung durch GL. Werewkin [vom 
VII. Armee-Corps] hatten diese Truppen in Izmail zu verbleiben. 

Die Vorhut des Obersten Biskupski sammelte sich in der 
Nacht vom 1 1. zum 12. [23. zum 24.] April beim Grenz-Zollgebäude 
im Dorfe Nowaja Bolgaria. Um 4 Uhr früh des 12. [24.] über- 
schritt unter dem Commando des Obersten Strukow (Adjutanten 
des Armee-Obercommandanten) das 29. Don-Kasaken-Regiment 
die Grenze, und traf — über Hadzi Abduly und Reni vorrückend — 
um 6 Uhr nachmittags in Galaz und um 7 Uhr abends bei der 
Brücke von Bärbosi ein, die es sofort besetzte, worauf die bis 
dahin in Galaz gestandenen rumänischen Truppen mit der Bahn 
nach Buzeu befördert wurden. 

Die übrigen Theile des Detachements Biskupski marschierten 
gleichfalls um 4 Uhr früh von Nowaja Bolgaria ab und trafen um 
6 Uhr abends in Reni ein. Zur Erleichterung und Beschleunigung 
der Bewegung waren die Tornister der Infanterie auf Fuhrwerke 
verladen worden. 



33 

Bei der Ueberfuhr westlich Reni stiess man auf ein un- 
erwartetes Hindernis. Die Patrouillen meldeten^ dass sich auf der 
Donau^ gegenüber der Prut-Mündung zwei türkische Monitore 
befänden und dass die Fähre beschädigt sei. Die Monitore fuhren 
jedoch in kurzer Zeit stromabwärts weiter, und die Fähre wurde 
ausgebessert, so dass der Uebergang um circa lo Uhr abends 
beginnen konnte. Zu gleicher Zeit traf die Nachricht ein, dass 
das Don-Kasaken-Regiment Nr. 31 bei Wodolui-Isaccea den Prut 
infolg"e starken Hochwassers nicht habe übersetzen können und 
nach Reni abg*erückt sei. 

Um 9 Uhr früh des 13. [25.] April befanden sich bereits das 
I. Bataillon des Regiments Selenga Nr. 41, das Don-Kasaken- 
Regiment Nr. 40 und beide Don-Kasaken-Batterien am rechten 
Prut-Ufer. Mit diesen Truppen marschierte Oberst Biskupski 
nach Galaz weiter, nachdem er dem Commandanten des Regi- 
ments Selenga, Oberst Rick, befohlen hatte, den Uebergang 
der übrigen Theile der Vorhut und sämmtlicher Trains zu be- 
schleunigen. Dieser Uebergang wurde jedoch durch einen gegen 
Abend ausgebrochenen Sturm so verzögert, dass Oberst Rick 
erst am 14. [26.] April, 7 Uhr abends, in Galaz eintraf. 

Oberst Biskupski war ungefähr zu Mittag dieses Tages 
bereits in Galaz und traf dort sofort die nöthigen Vorkehrungen 
zu einer besseren Sicherung der Brücke und Bahnstation von 
Bärbosi. Oberst Strukow aber erhielt den Befehl, mit 2 Sotnien 
des Don-Regimentes Nr. 29 und mit 2 Compagnien des Regiments 
Selenga Nr. 41 am nächsten Morgen nach Bräila zu marschieren. 
Gleichzeitig wurde der in Galaz eingetroffene Ingenieur-Oberst- 
lieutenant Klimenko beauftragt, unverzüglich zum Bau einer 
Brücke bei Reni zu schreiten. Dieser Befehl wurde innerhalb 
24 Stunden durchgeführt (bis 3 Uhr nachmittags des 15. [27.] April), 
so dass die Hauptkraft der 1 1 . Infanterie-Division, welche am 
14. [26.] den Prut erreichte, am nächsten Tage den Fluss bereits 
auf der neuerbauten Brücke passieren konnte. 

Die 26 Sazen [55*5 iii\ lange Brücke wurde durch gedungene 
Arbeiter auf drei Schiften und einer Fähre erbaut. Die Schiffe, 
welche in Galaz gekauft worden waren, schleppte man mit einem 
Bugsierdampfer in zwei Fahrten auf der Donau zur Prut-Mündung; 
dagegen wurde das gesammte Material für den Brückenbelag, die 
Anker, Seile etc. mittelst Vorspann von Galaz zugeführt. Zwei 
türkische Llonitore kreuzten während des Brückenbaues unweit 
der Prut-Mündung unausgesetzt auf der Donau und näherten 

Der russisch-türkische Kriesr. II. ßd. 3 



34 

sich auch bis auf 2 Werst der Brückenstelle. Die türkischen 
Seeleute konnten natürlich diese Arbeiten, sowie auch den An- 
marsch der russischen Truppen und Trains beobachten, da selbe 
von Reni auf dem schmalen Damme am linken Donau-Ufer vor- 
rückten ; sie g-aben jedoch aus unbekannten Gründen nicht einen 
einzigen Schuss ab. Die Kanzlei des Sultans Hess hierüber später 
eine specielle Untersuchung" anstellen ; dieselbe ergab jedoch, wie 
aus der Sammlung „Zubdet ul Hakaik" zu ersehen ist, keine 
bestimmten Daten. 

Dank dem schnellen Vormarsche der Truppen des Obersten 
Biskupski waren bereits am Abende des 13. [25.] April zwei 
wichtige Punkte an der unteren Donau, Gralaz und Bärbosi, 
ziemlich stark mit Infanterie und Artillerie besetzt ; hiebei hatte 
— laut Meldung des Fürsten Sachowskoj an das Haupt- 
quartier — „die Vorhut des ,fliegenden Detachements' (Oberst 
Strukow) den 80 Werst betragenden Marsch von Nowaja 
Bolgaria nach Galaz und Bärbosi in 18 Stunden zurückgelegt, 
und speciell zur Uebersetzung- des Prut 5 Stunden benöthigt; 
die Hauptkraft des ,fliegenden Detachements' brauchte zur Hinter- 
legung der gleichen Strecke 31 Stunden und zum Fluss-Ueber- 
gange 11V2 Stunden." 

An demselben Tage (13. [25.] April) besetzten die Truppen 
des GL. Werewkin Kilija und Satunow und am 14. [26.] abends 
Zebrieni, Wilkow und IzmaiL In letzterem Punkte lösten sie das 
Detachement des Obersten Rymasewski ab, welches — wie 
bereits besprochen — ■ zeitweilig aus dem Verbände der 11. Infan- 
terie-Division ausgeschieden worden war. 

Inzwischen war Oberst Strukow in Befolgung des oben 
erwähnten Befehles am Morgen des 14. [26.] April von Bärbosi 
nach Bräila aufgebrochen. Ein heftiger Sturm aber, welcher den 
Uebergang über den Seret mittels Fähren verzögerte, und der 
schlechte Zustand der Wege hatten zur Folge, dass sein De- 
tachement erst am nächsten Tage (15. [27.] April) circa 12 Uhr 
mittags in Bräila eintraf Oberst Strukow besetzte sofort den 
Bahnhof mit Infanterie und entsandte die Kasaken zur Beob- 
achtung des türkischen Ufers, sowie zur Aufklärung- längs der 
Bahn. Rumänische Truppen waren nicht mehr anwesend, und 
die Einwohnerschaft befand sich in grosser Aufregung, da eine 
Landung oder ein Bombardement seitens der Türken befürchtet 
wurde. Das Eintreffen des Detachements beruhigte die Bewohner 
einigermassen. 



35 

Während so die Vortruppen des ^^Untere Donau-Corps" 
schnell und erfolgreich die ihnen übertragene Aufgabe lösten^ 
rückte die Hauptkraft desselben — der grössere Theil der 
II. Infanterie-Division und nach ihr die 2. Brigade der 32. In- 
fanterie-Division — ohne Aufenthalt vor und traf — genau den 
erhaltenen Marsch-Plänen entsprechend — successive in Galaz ein. 
Dagegen verzögerte sich der Bahn-Transport der i. Brigade der 
32. Infanterie-Division mit dem 7. Sappeur-Bataillon^ dem Schwarz- 
meer- Marine-D etachement und der Belagerungs- Artillerie, weil 
die Bahnstrecke zwischen Ungheni und Galaz an mehreren Stellen 
durch Hochwasser beschädigt war. Die Tete - Staffeln dieser 
Truppen trafen erst am 16. [28.] iVpril in Bärbosi ein. 

Am Abende des 19. April [i. Mai] waren die Truppen des 
^^Untere Donau-Corps" wie folgt gruppiert: 

a) in der vorderen Linie : 

in Bräila, unter Commando des GM. Salow, die i. Brigade 
der 1 1 . Infanterie-Division, das 2. und 3. Bataillon des Infanterie- 
Regiments Kursk Nr. 125, das Don-Kasaken-Regiment Nr. 31, 
2 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments Nr. 29, die 5. Batterie 
der II. Artillerie-Brig-ade und die Don-Kasaken-Batterie Nr. 10 
(8 Bataillone, 8 Sotnien, 14 Geschütze); 

in Bärbosi, unter Commando des Obersten Ponomarew, die 
I. Bataillone der Infanterie-Regimenter Ochotsk Nr. 43 und Kursk 
Nr. 125, das 7. Sappeur-Bataillon, 4 Sotnien des Don-Kasaken- 
Regiments Nr. 29, die 2. Batterie der 11. Artillerie-Brigade und 
die Don-Kasaken-Batterie Nr. 8 (3 Bataillone, 4 Sotnien, 14 Ge- 
schütze) ; ausserdem das Schwarzemeer-Marine-Detachement, über 
dessen Zusammensetzung weiter unten die Rede sein wird; 

in Galaz, unter Commando des GM. Ustrugow, das 2. und 
3. Bataillon des Infanterie-Regiments Ochotsk Nr. 43 und das 
I. Bataillon des Infanterie-Regiments Kamcatka Nr. 44, das Don- 
Kasaken-Regiment Nr. 40, die 4. Batterie und 2 Züge der 
6. Batterie der 11. Artillerie-Brigade {3 Bataillone, 6 Sotnien, 
12 Geschütze); 

in Reni und an der Prut-Brücke: das 2. Bataillon des 
Infanterie-Regiments Kamcatka Nr. 44 und das i. Bataillon des 
Infanterie-Regiments Kasira Nr. 144, 2 Züge der 2. Escadron des 
Uhlanen-Regiments Olwiopol Nr. 7, ferner die i. und 3. Batterie 
der II. Artillerie-Brigade; 

in Hadzi-Abduly: das 3. Bataillon des Infanterie-Regiments 
Kamcatka Nr. 44 und 2 Züge der 6. Batterie der 11. Artillerie- 



36 

Brig-ade. Dieses Detachement des Obersten Rymasewski befand 
sich gerade am IMarsche von Izmail nach Galaz ; 

in Satunow: das 2. Bataillon des Infanterie-Regiments 
Kasira Nr. 144, die 4. Escadron des Uhlanen-Regiments Olwiopol 
Nr. 7 und die 13. reitende Batterie; 

in Izmail: das 3. Bataillon des Infanterie-Regiments Kasira 
Nr. 144, die i. und 4. Batterie der 36. Artillerie-Brig'ade und die 
3. Escadron des Uhlanen-Regiments Olwiopol Nr. 7 ; 

in Kilija: das i. Bataillon des Infanterie-Regiments Doro- 
gobuzsk Nr. 143^ die 5. Batterie der 36. Artillerie-Brigade und 
V2 Sotnie des Don-Kasaken-Regiments Nr. 7 ; 

in Zebrieni: V2 Sotnie des Don-Kasaken-Regiments Nr. 7; 

b) weiter rückw^ärts: 

in Bolgrad: die i. und halbe 2. Escadron des Uhlanen- 
Regiments Olwiopol Nr. 7 ; 

in Nikolajewka: das 2. Bataillon des Infanterie-Regiments 
Dorogobuzsk Nr. 143; 

in TropokJo: das 3. Bataillon dieses Regiments; 

c) am Bahn-Transporte von Jassi; 

die I. und 2. Batterie der 32. Artillerie-Brigade^ das Regi- 
ment Rylsk Nr. 126^ die i. Gruppe der Belagerungs-Artillerie, 
der halbe 10. fliegende Artillerie-Park; 

d) am Marsche : 

die 2. Brigade der 32. Infanterie-Division mit 4 Batterien 
der 32. Artillerie - Brigade und die Parks des XI. Armee- 
Corps. 

Am 20. April [2. Mai] bestand das ^^Untere Donau-Corps" 
im ganzen aus: 30 Bataillonen, 23 Escadronen und Sotnien, 
138 Feld-, sowie 22 Belagerungs-Geschützen und 4 Parks. 

Am 21. und 22. April [3. und 4. Mai] schlössen die Truppen 
des XL Corps mehr auf; die letzten Staffeln der i. Brigade der 
32. Infanterie-Division trafen mit der Eisenbahn ein und die 
ganze Brigade sammelte sich alsdann in Bräila. 

Im Sinne der oben erwähnten Disposition des Hauptquartiers 
sandte GL. Fürst Sachowskoj die i., Brig-ade der 3 2 . Infanterie- 
Division mit den bei derselben eingetheilten 2 Batterien unter 
Commando des GL. Aller (Commandanten der :^2. Infanterie- 
Division) per Bahn in die Umgebung von Bukarest. Dorthin 
hatte sich über Befehl des GL. Aller auch das Don-Kasaken- 
Regiment Nr. 3 1 (5 Sotnien stark) sammt der Don-Kasaken-Batterie 
Nr. 10 mittels Fussmarsch von Bräila aus zu begeben. 



37 

Ausserdem wurde i Bataillon des Infanterie-Regiments 
Putiwl Nr. 127 mit i Sotnie des Don-Kasaken-Regiments Nr. 31 
zum Schutze der Bahn von Bräila nach Bukarest befördert ^). 

Inzwischen war die 2. Brigade der 32. Infanterie-Division 
sammt den eing'etheilten 4 Batterien in Galaz eingetroffen, und 
wurde nunmehr — im Sinne der mehrfach erwähnten Disposition 
— von Fürst Sachowskoj nach Slobozia gesandt, um in den 
Verband der Gruppe GL. Tatiscew zu treten. 

Der Vormarsch der russischen Hauptkraft hatte unterdessen 
entsprechend den am 3. [15.] April versendeten Marsch- Plänen 
begonnen ; er erfolgte bekanntlich in drei Colonnen, welche wie 
folgt vorzurücken hatten : 

die rechte Colonne — über Jassi, Roman, Bacäu, 
Focsani, Buzeü, Ploesci nach Alexandria, Copäceni und Bänesa ; 

die Mittel-Colonne — über Jassi, Vasluiu, Birlat, Focsani 
und weiter über Buzeü, Ploesci nach Bänesa ; 

die linke Colonne — über Leovo, Falciu und Galaz nach 
Bräila und von hier zum Theile nach Slobozia und Obilesci, zum 
Theile nach Daita und Plumbuita. 

Am Abende des 12. [24.] April besetzten die vordersten 
Staffeln der rechten und linken Colonne Jassi und Leovo, wogegen , 
jener der Mittel-Colonne, wie bereits besprochen, die Grenze erst 
am 14. April überschritt. Die weitere Vorrückung aller 3 Colonnen 
war infolge der unaufhörlichen starken Regengüsse, welche alle 
Wege grundlos machten, mit grossen Schwierigkeiten und vielen 
Verzögerungen verbunden. Besonders schwierig gestaltete sich 
der Marsch zwischen Kiszyniew und Leovo. Die Truppen- 
Trains blieben zurück und trafen theil weise überhaupt nicht in 
den Nächtigungsorten der Truppen ein. Um die schweren Fahr- 
zeuge (Patronenwagen, Proviantfuhrwerke und Blessiertenwagen) 
aus dem Kothe herauszuziehen, mussten zuweilen 1 2 Paar Ochsen 
vor jeden Wagen gespannt und ausserdem noch Leute zur Mit- 
hilfe commandiert werden. Die Geschütze und Munitionswagen 
konnten nur unter Vorspann von 2 bis 3 weiteren Paaren 
Vorauspferde fortgeschafft werden. Mit den gleichen, wenn nicht 
noch grösseren Schwierigkeiten hatten die Intendanz-Transporte 
zu kämpfen. 



') Mit dieser Abtheilung fuhr (am 23. April [5. Mai]) auch der Chef des 
Communicationswesens der Armee, GL. Katalej. 



38 

AuSwSer den schlechten AVeg'en hielt auch der Ueb ergang 
über den Priit, sowohl bei Skiilany^ als auch besonders bei Leovo, 
die Vorrückung- läng-ere Zeit auf. 

Es war angeordnet worden, die Brücke bei Skulany bis 
zum Tag-e der Kriegserklärung herzustellen ; aber erst am 
14. [26.] April war sie fertig. Infolgedessen blieb der 2. Staffel 
der rechten Colonne gegenüber dem Marsch-Plane um einen 
g'anzen Tag* zurück ^). Der Uebergang- bei Skulany verzögerte 
auch später den gesammten Vormarsch sehr stark. Die Truppen 
der rückwärtigen Staffeln, welche hier den Prut übersetzten, 
trafen in Jassi zumeist nachts, manche sogar erst am nächsten 
Tage ein, und alle Trains und Parks blieben um einen ganzen Tag- 
marsch zurück. GL. Wannowski ordnete daher an, dass die 
zurückgebliebenen Truppen und Trains während des Rasttages 
in das richtige Verhältnis des Marschechiquier zu gelangen hätten; 
der 5. Staffel der Mittel-Colonne musste jedoch mittels eines 
besonderen — am einen Tag verschobenen — Marsch-Planes neu 
instradiert werden -). 

Bei Leovo war, als die Truppen dortselbst eintrafen, die 
Brücke zwar fertig, aber infolge Hochwassers war es unmöglich, 
sie zu erreichen ; der Tete-Staffel der linken Colonne^) musste 
.deshalb längs des linken Prut-Ufers nach Falciu marschieren und 
hier mittels der Fähre de,n Fluss übersetzen. Die folgenden 
2 Staffeln blieben bei Leovo stehen und wollten warten, bis der 
Zugang zur Brücke ausgebessert sei. Da sich aber die Fertig- 
stellung dieser Arbeiten verzögerte, so marschierte der 2. Staffel*) 
am nächsten Tage, das ist am 15. [27.] April, gleichfalls nach 
Falciu, übersetzte den Fluss und schloss dort an den i. Staffelan. 

Die Herstellung der Brücke bei Leovo war mit überaus 
grossen Schwierigkeiten verbunden, da beinahe das ganze — hier 
fast 5 Werst breite — Thal das Prut gerade überschwemmt war. 
Ausser der Brücke mussten daher auf beiden Seiten lange 
Faschinenwege hergestellt werden, so dass die Arbeiten erst am 
Morgen des 19. April [i. Mai] fertiggestellt werden konnten. 



1) Die I. Brigade der 8. Cavallerie-Division mit der 15. reitenden Batterie und 
dem 5. reitenden Artillerie-Park. 

2) Artillerie und Parks des XII. Corps. 

3) Die I. Brigade der kaukasischen Kasaken-Division mit der reitenden Gebirgs- 
Batterie Nr. i. 

^) Die 2. Brigade der kaukasischen Kasaken-Division mit dem 8. reitenden 
Artillerie-Park. 



39 

Der 3. Staffel der linken Colonne ^) gieng nunmehr sofort 
auf das rechte Ufer und marschierte über Falciu nach Galaz. 

In der Nacht vom ig. zum 20. April [i. zum 2. Mai] jedoch 
hob sich infolge starker Regengüsse der Wasserstand des Prut 
noch mehr und der Dammweg wurde fortgerissen ; zur Herstellung 
desselben war jedoch weder Material noch Werkzeug genug vor- 
handen. Inzwischen aber kamen fortwährend neue Truppen bei 
Leovo an, und am 20. April [2. Mai] hatten sich dortselbst bereits 
der 4,, 5.; 6. und 7. Staffel der linken Colonne, das zeitliche Kriegs- 
Spital Nr. 65 und mehrere Intendanz-Transporte angesammelt. 
Die Folge dieser unvorhergesehenen Truppenanhäufung war, dass 
sich hier die Verpflegung höchst schwierig gestaltete ; so mussten 
mangels frischen Brotes einige Truppenkörper sogar jetzt schon 
den Zwieback der Reserve-Portionen angreifen. 

Die Schwierigkeiten aber, mit denen der Brückenbau bei 
Leovo zu kämpfen hatte, führten dazu, dass man sich nach 
einem günstigeren Punkte umsah ; hiezu wurde am 20. April 
[2. Mai] der Generalstabs-Oberstlieutenant Rybkin nach Falciu 
mit dem Auftrage entsendet, zu recognoscieren, ob in der Nähe 
dieses Punktes der Uebergang möglich sei und ob am linken 
Prut-Ufer zur betreffenden Stelle ein geeigneter Weg führe. Die 
von Oberstlieutenant Rybkin überbrachten Meldungen lauteten 
günstig. Bei Falciu konnten alle Waffengattungen den Ueber- 
gang mittels der dortig-en Fähre bewirken und der Weg von 
Leovo nach Falciu war in gutem Zustande. 

Gleichzeitig mit der Entsendung dieses Officiers wurde GL. 
Skobelew I (kaukasische Kasaken - Division und 4. Schützen- 
Brigade) angewiesen, nach dem Eintreffen in Galaz mit seinen 
Truppen dortselbst bis zum Erhalte besonderer Weisungen stehen 
zu bleiben. 

Da die Möglichkeit vollkommen ausgeschlossen war, bei 
Leovo eine auch nur einigermassen verlässliche Brücke herzustellen, 
beschloss der — vom Hauptquartier entsandte — Commandant 
der 3. Sappeur-Brigade, GM. Richter, die dortselbst hergestellte 
Brücke nach Falciu herabzuflössen, da hier die Verhältnisse zur 
Herstellung eines Ueb erganges unvergleichlich günstiger standen. 
GL. Radetzki, welcher diese Ansicht des Generals 
Richter theilte und seinen Plan billigte, Hess (am 21. April 



*) Die 4. Schützen-Brigade, 2 Plastun-Sotnien, 2 Gebirgs-Batterien und das Don- 
Kasaken-Regiment Xr. 23. 



40 

[3. Mai]) die übrig-en Staffeln seiner Colonne nach Falciu marschieren 
und dort — bis zur P^ertig'stellung der Brücke — den Uebergang- 
einstweilen mittels der Fähre beginnen. Diese Verfügung wurde 
seitens des Armee - Obercommandanten gutgeheissen^ jedoch 
befahl derselbe dem GL. Skobelew I, in Galaz nicht stehen zu 
bleiben, sondern dem erhaltenen Marsch-Plane entsprechend 
weiter vorzurücken. 

Zur Beschleunigung- des Ueberganges bei Falciu wurden 
zwei grosse Barken gemietet und für Infanterie und Cavallerie als 
Fähren verwendet ; die bestandene Fähre dag-egen benützte man 
ausschliesslich für die Artillerie und die Trains. Auf diese Weise 
übersetzten am 22. und 23. April [4. und 5. Mai] der 4. und 
5. Staffel^) den Fluss, worauf dieselben sofort nach Galaz weiter 
marschierten. 

Als am 24. April [6. Mai] der 6. Staffel ^) den Uebergang 
begann, stieg plötzlich das Wasser des Prut neuerdings in rapider 
Weise, und gegen Abend stand das ganze Thal unter Wasser. 

Der 7. Staffel erhielt daher den Befehl, das Prut-Thal nicht 
zu betreten, sondern oberhalb desselben ein Lager zu beziehen; 
der 8., 9., und 10. Staffel hatten vorläufig bei Leovo zu verbleiben. 

Als der Armee-Obercommandant hievon (mit Telegramm, 
vom 25. April [7. Mai]) die Meldung erhielt, befahl er, dass der 
7., 8., 9. und 10. Staffel — falls sich die Herstellung der Brücke 
bei Falciu verzögern sollte — am linken Prut-Ufer über Reni 
nach Galaz zu dirigieren seien, und dass die hinter dem 
VIII. Corps marschierende 5. Infanterie-Division auf jeden Fall 
über Falciu nach Birlat vorzurücken und dortselbst für die 
übrigen, der 5. Division folgenden Truppen einen Uebergang* 
herzustellen habe. 

Diese Aenderungen der Marschlinien erwiesen sich jedoch 
als unnöthig, denn am 25. April [7. Mai] übersetzten, wenn auch 
mit grossen Schwierigkeiten, der 7. und 8. Staffel den Fluss 
mittels der P'ähre ; und am folgenden Tage begann auch das 
Wasser zu fallen. Am Abende des 28. April [10. Mai] war endlich 
die Brücke fertiggestellt, worauf zunächst am 29. und 30. April 
[11. und 12. Mai] der 9. und 10. Staffel und sodann am i. [13.] Mai 
auch die 5. Infanterie-Division den Uebergang bewerkstelligten. 



^) Die II. Cavallerie-Division mit der i8. reitenden, sowie der 4. Don-Kasaken- 
Batterie, und dem 4. reitenden Artillerie-Park. 

^j Der Stab des VIII. Armee-Corps, die i. Brigade der 14. Infanterie-Division, 
die I. u. 4. Batterie der 14. Artillerie-Brigade. 



4r 

Am 14. [26.] April hatten die Staffeln der linken Colonne am 
rechten Prut-Ufer den Marsch nach Galaz begonnen, und am' 
26.; 27., 29. April, sowie am 2., 4., 5. und 6. Mai [8., 9., 11., 14., 
16., 17. Mai] trafen sie nacheinander dortselbst ein. 

Während die Truppen der linken Colonne durch die soeben 
beschriebenen Hindernisse an der Uebergangsstelle bei Falciu 
aufgehalten wurden^ rückten die rechte und die Mittel-Colonne 

— an Jassi vorüber — weiter vor^ und am 24. April [6. Mai] 
traf die Tete der rechten Colonne bei Buceü, jene der Mittel-Colonne 
bei Tecuciü ein. An diesem Tage jedoch wurden infolge starker 
Regengüsse die Brücken über den Seret und die Putna fort- 
g-eschwemmt, so dass GL. Wannowski die Marschlinien der 
Mittel-Colonne ändern und mit derselben auf der Chaussee über 
Marasesci nach Focsani marschieren musste. Da dies aber 
einen Umweg von 16 Werst bedeutete, so wurde zur Schonung 
der Truppen die Strecke nach Focsani in zwei Tagmärsche 
getheilt, was jedoch zur Folge hatte, dass das XII. Armee- 
Corps an seinen Bestimmungsorten um einen Tag zu spät 
eintraf. Diese Aenderung des Marsch-Planes des XII. Corps 
hatte indessen keinen Einlluss auf die Vorrückung der 5. In- 
fanterie - Division, da letztere demselben erst auf mehrere Tag- 
märsche folgte. 

Am 28. und 29. April [10. und 11. Mai] wurden durch 
Ueberschwemmungen die Brücken zwischen Bukarest und Ale- 
xandria, ferner mehrere Chaussee-Brücken bei Ploesci fortgerissen. 
Die 8. Cavallerie-Division marschierte daher vom Dorfe Saftica 

— anstatt direct — auf dem Umwege über Giurgevo nach 
Alexandria, und der Train der 2. Brigade derselben wurde von 
Albesci (A. Paleologu) nach Bukarest mit der Eisenbahn be- 
fördert; auch die 12. Cavallerie-Division kam an ihrem Marsch- 
ziele um einen Tag verspätet an. 

Bei der linken Colonne gieng die Vorrückung nur für die 
ersten 3 Staffeln ^) unbehindert von statten. Die denselben fol- 
genden Truppen der 11. Cavallerie-Division und des VIII. Armee- 
Corps wurden zwischen Galaz und Bräila aufgehalten, da sowohl 
die Brücke über den Seret, wie auch die dort befindliche Fähre 
unbrauchbar geworden waren. 



^) Die kaukasische Kasaken-Division und 4. vSchützen-Brigade mit Artillerie 
und Train. 



42 

Der Uebergang* über den Seret erfolgte anfang-s mittels 
einer kleinen, ziemlich schlechten Fähre, später mittes einer am 
26. April [8. Mai] fertiggestellten Brücke bei Serbesti. 

Am 26.^ 27. und 28. April [8. bis 10. Mai] marschierten die 
kaukasische Kasaken-Division und die 4. Schützen-Brigade über 
diese Brücke^ welche aber in der Nacht zum 29. April [11. Mai] 
infolg'e einer plötzlichen und starken Anschwellung des Seret 
sammt der zum Schutze der Brücke hergestellten Balkensperre, 
zerstört und fortgerissen wurde. Am 2. [14.] Mai^ 9 Uhr vormit- 
tag-s, war die Brücke wieder hergestellt^ worauf sofort die 
II. Cavallerie-Division und nach ihr die 2. Brig-ade der 32. Infan- 
terie-Division den Fluss passierten. 

In Bräila wurde zur 11. Cavallerie-Division die 8. Don- 
Kasaken - Batterie an Stelle der dortselbst zurückbleibenden 
reitenden Batterie Nr. . 4 eingetheilt^ da letztere bereits ihre 
Pferde zu erg'änzen und ihr Geschütz-Material auszubessern hatte. 

Nach diesen Staffeln sollte das VIII. Armee-Corps die Vor- 
rückung von Galaz beginnen. Nach Passierung des Seret bei 
Serbesti hätte aber die Infanterie^ wenn sie über Bräila nach 
Muftiu marschiert wäre, einen Umweg von 15 Werst machen 
müssen; es wurde daher noch am 2. [14.] Mai ein Generalstabs- 
officier vorausgesendet; welcher einen directen Weg von Serbesti 
nach Muftiu unter Vermeidung von Bräila ausfindig zu machen 
hatte. Der von demselben recognoscierte Weg wurde dann von 
allen Theilen des VIII. Corps benützt. 

Am 8. [20.] Mai; als gerade die Corps-Artillerie und die 
Parks den Seret übersetzten^ wurde die Brücke durch ein neuer- 
liches Flochwasser fortgerissen und diesmal ganz zerstört. 

Die am linken Ufer zurückgebliebenen Theile des VIII. Corps^ 
der 15. fliegende Artillerie-Park^ der Train und 2 Compagnien 
des Infanterie-Regiments Sjewsk Nr. 34 konnten den Fluss erst 
am Abende des 11. [23.] Mai auf der inzwischen neu hergestellten 
Brücke überschreiten. 

Gleich darauf musste noch eine Brücke, nämlich über den 
gewaltig angeschwollenen Sagnu-Bach, erbaut werden, was zu neuen 
Verzögerungen führte, so dass sich die Parks erst am 15. [27.] Mai 
bei Filipesci wieder mit dem VIII. Corps vereinigen konnten. 

Infolge all dieser Hindernisse trafen die Truppen der drei 
Colonnen an ihren Bestimmungsorten wie folgt ein : 

Rechte Colonne: die 8. Cavallerie-Division in Alexandria 
— am 2. und 3. [14. und 15.] Mai; die 12. Cavallerie-Division in 



43 

Copäceni am 5. und 6. [17. und 18.] Mai; die selbständige Don- 
Kasaken-Brigade ^) in Alexandria (wo sie die unmittelbare Reserve 
der 8. Cavallerie-Division zu bilden hatte) — am 8. [20.] Mai; 
das Don-Kasaken-Regiment Nr. 37 in Bänesa — am 6. [18.] Mai. 

Mittel-Colonne : fast das ganze XII. Armee-Corps sam- 
melte sich gegen Bänesa ; im Sinne der erhaltenen detaillierten 
Dislocations-Ueb ersieht hatte es südwestlich von Bukarest Canton- 
nements zu beziehen und rückte in dieselben zwischen dem. 
14. und 22. Mai [26. Mai und 3. Juni] ein; nach dem XII. Corps 
traf endlich die 5. Infanterie-Division mit ihrer Artillerie in dem 
ihr hinter dem Corps zugewiesenen Unterkunfts-Rayon ein. 

Linke Colonne: die kaukasische Kasaken - Division, 
4. Schützen-Brigade, 2 Sotnien des 7. Piastun-Bataillons und 
2 Gebirgs-Batterien kamen am 8., 9. und 10. [20. bis 22?^ Mai in 
Daita an, das Don-Kasaken-Reg'iment Nr. 23 in Plumbuita am 
8. [20.] Mai und die 1 1. Cavallerie-Division ebenfalls am 8. [20.] Mai 
in Obilesci. Das VIII. Armee-Corps erhielt unterwegs die Dis- 
locations-Zuweisung und rückte zwischen dem 17. und 23. Mai 
[29. Mai und 4. Juni] in den Cantonnements südlich Bukarest ein. 

Derart traf die gesammte mit Fussmarsch vorrückende 
Hauptkraft der Armee an ihren Bestimmungsorten später ein, 
als in den ursprünglichen Marsch-Plänen vorgesehen war, und 
zwar die rechte und Mittel-Colonne um 2, die linke 
Colonne sogar um 12 Tage. 

Der Transport des IX. Armee-Corps und der folgenden 
Truppen ^) mittels der Eisenbahn war gleichfalls mehrfachen 
Verzögerungen unterworfen. 

Die Beförderung der 9. Cavallerie- und der 31. Infanterie- 
Division sollte am 14. Tage nach der Kriegserklärung, das ist 
am 26. April [8. Mai], beginnen und gemäss dem vom Feldstabe 
entworfenen Calcul am 17. [29.] Mai beendet sein. Thatsächlich 
passierten auch am 26. April [8. Mai] die ersten 5 Staffeln des 
IX. Corps die Grenze. Aber schon von allem Anfange an be- 
gannen die verschiedenartigsten Aufenthalte, welche theils durch 
zahlreiche, mangelhaft ausg'eführte Reparaturen an den rumäni- 
schen Bahnstrecken, theils durch ihren schlechten Bau überhaupt. 



^) Die Don - Kasaken - Regimenter Xr. 21 und 26 mit der Don - Kasaken- 
Batterie Nr. 15. 

2) Belagerungs-Artillerie, Pontonier-Bataillone und jSIarine-Detachement sammt 
Minen und Ivuttern. 



44 

sowie endlich durch den ungenügenden Bestand an rollendem 
^Material etc. verursacht wurden. 

Besonders grosse Schwierig-keiten ergaben sich auf dem 
Bahnhofe von Jassi^ dessen Geleise und Umlade -Vorrichtungen 
völlig unzureichend waren. Gerade hier aber begann die Bahn 
mit der schmäleren Spurweite, und es war demnach jeder Zug 
von neuem zu verladen. Der Bahnhof von Jassi war bald mit 
rollendem Material so überfüllt, dass die ursprünglich für die 
Umladung' der Belagerungs- Artillerie angesetzte Frist verlängert^ 
und für die Beförderung aller Truppen und Trains ein neuer, 
mit 13. [25.] Mai beginnender Transport-Plan entworfen werden 
musste. 

Regen und Hochwasser verursachten gleichfalls schon in 
den ersten Tagen des Transportes bedeutende Verzögerungen. 
Am 3. [15.] Mai wurde die Verbindung bei Bärbosi gestört, und 
am 6. [18.] die Brücke bei Bacäu unterwaschen. Kaum war es 
gelungen, um dieselbe herum zwischen Bacäu und Agiudu ein Aus- 
weichgeleise auf der Chaussee zu legen^ als kurz nacheinander 
weitere Beschädigungen vorkamen. Am 11. [23.] Mai stürzte bei 
Slatina die Brücke ein, als gerade ein zurückfahrender Leerzug 
sie passierte; am 14. [26.] Mai kam es bei Bacäu zu einem 
Zusammenstosse^ wobei 4 Mann des 2. Staffeis der i. Batterie der 
31. Artillerie-Brigade getödtet und 5 Mann verwundet wurden. 
Die Artilleriefuhrwerke wurden hiebei zum Theile beschädigt, 
zum Theile vollständig zertrümmert ^). Kurze Zeit darauf wurde 
die Bahn bei Jassi unterwaschen, am 15. [27.] Mai die Verbin- 
dung zwischen Bärbosi und Bräila und am 16. [28.] zwischen 
Bärbosi und Tecuciü unterbrochen. 

Alle diese Umstände führten dazu, dass allmählich auf den 
rumänischen Bahnen jede Regelmässigkeit im Betriebe aufhörte. 

Um diese Zeit jedoch hatten bereits fast alle Truppen der 
9. Cavallerie- und 31. Infanterie-Division Bräila passiert; Ver- 
zögerungen ergaben sich nur bei der 3. und 6. Batterie der 
31. Artillerie-Brigade, dem mobilen Divisions-Lazareth und dem 
16. fliegenden und 16. mobilen Park. Die bezeichneten Batterien, 
sowie den mobilen Park Hess der Armee-Obercommandant von 
Jassi nach Bukarest mit Fussmarsch instradieren, damit die Be- 



^) Die aus diesem Anlasse über Anordnung des Armee-Obercommandanten 
eingeleitete Untersuchung ergab, dass keinerlei verbrecherisclae Absicht — wie man 
vermuthete — den Unfall verschuldet hatte. 



45 

wegung der Belagerung's- Artillerie^ der Ponton-Parks und des 
Detachements der Garde-Equipage möglichst wenig aufgehalten 
werde ; denn von dem rechtzeitigen Eintreffen derselben liieng 
wesentlich der Beginn der Vorbereitungen für den Donau-Ueb er- 
gang ab. 

Gleichzeitig wurde zur Freimachung der Bahnen von Zügen^ 
die stecken geblieben waren, der General-Major des Generalstabes 
Rauch mit der Aufgabe betraut^ jeweilig an Ort und Stelle zu 
verfügen, welche der unterwegs irgendwo aufgehaltenen Trans- 
port-Staffeln ihre Bestimmungsorte mit Fussmarsch zu erreichen 
hätten ; auch sollte er alle hiemit im Zusammenhange stehenden 
Instradierungs- Anordnungen treffen. 

Am 17. [29.] Mai sandte GM. Rauch folgende Meldung 
ein: ;;Die Bahn steht auf einer Strecke von über 50 Werst völlig- 
unter Wasser^ so dass man dort nur mit Booten verkehren kann ; 
bis zum Fallen desselben ist an eine Ausbesserung der Strecke 
nicht zu denken — dies wäre nur eine nutzlose Verschwendung 
von Zeit und Geld ; sobald das Wasser fällt^ kann die Bahn in 
2 bis 3 Tagen wiederhergestellt sein." 

Gleich darauf trafen aber günstigere Nachrichten ein: am 
18. [30.] Mai war die Strecke zwischen Bärbosi und Bräila 
repariert und am 21. Mai [2. Juni] der Verkehr zwischen Bärbosi 
und Tecuciü wieder aufg*enommen. 

Trotzdem wurde aber auch später die Reg'elmässigkeit des 
Bahnbetriebes theils durch Hochwasser, theils infolge des schlechten 
Zustandes der rumänischen Bahnen beständig' gestört. 

Die Truppen der 9. Cavallerie- und der 31. Infanterie- 
Division (ausser den oben erwähnten Batterien und Parks) waren 
bis 22. Mai [3. Juni] vollständig bei Slatina versammelt; nur das 
Divisions-Lazareth der 31. Infanterie-Division und der 16. fliegende 
Park trafen dortselbst erst am 12. [24.] Juni ein. 

Die ersten Staffeln der Belagerungs-Artillerie wurden 
wie folgt auswaggoniert : jene der 2. Gruppe am 22. Mai 
[3. Juni] in Bän^sa und jene der 3. und 4. Gruppe am 24. 
und 28. Mai [5. und 9. Juni] in Slatina. Die folgenden Staffeln 
aber hatten mannigfache Aufenthalte, so dass die ganze 2. Gruppe 
der Belagerungs-Artillerie bei Bänesa erst am 3. [15.] Juni, und 
das gesammte Material und der Train der 3. und 4. Gruppe 
erst am 21. Juni [3. Juli] in Slatina vollständig eingetroffen waren. 

Derartig beträchtliche Verzögerungen wurden durch die 
verschiedensten Ursachen, beispielsweise dadurch hervorgerufen, 



46 

dass man auf der Linie Jassi-Slatina irrthümlicherweise mehrere 
Waggons mit Artillerie-Ausrüstungs-Gegenständen abkoppelte, 
zu deren Auffindung dann viel Zeit erforderlich war. 

Das Detachement der Garde-Equipag-e traf am 26. Mai 
[7. Juni] in Bänesa, die Pontonier-Bataillone sammt ihren Parks 
ebenfalls dort zwischen dem i. und 8. [13. und 20.] Juni ein. 

Auf solche AVeise erlitt die Beförderung- einzelner Theile 
der Belag'erung's-Artillerie; der Ponton-Parks, der Dampfboote, 
der Verpflegs-Vorräthe etc. mittels der Bahn und deren Ein- 
treffen an den Bestimmungsorten eine Verzögerung von fast 
einem ganzen Monate gegenüber der in Aussicht genom- 
menen Frist. 

Das Hauptquartier der Armee traf am 2. [14.] Mai in 
Ploesci ein. 

Am folgenden Tage hatte der Armee- Obercommandant eine 
Zusammenkunft mit dem Fürsten Carol, wobei beschlossen wurde, 
das Hauptquartier und alle „Verwaltungen'' der Armee nach 
Bukarest zu verlegen ^). 

Am 6. [18.] Mai jedoch traf von Kaiser Alexander IL 
folgendes Telegramm ein: ;;Ich beabsichtige, am 21. Mai [2. Juni] 
von Petersburg abzureisen und am 25. oder 26. Mai [6. oder 
7. Juni] in Ploesci einzutreffen. Als Convoi für mein Haupt- 
quartier habe ich eine combinierte Compagnie und eine com- 
binierte Halbescadron von sämmtlichen Garde-Regimentern und 
den übrigen Garde-Truppen bestimmt^)." 

Auf dieses Telegramm hin wurde die Verlegung des Haupt- 
quartiers nach Bukarest verschoben, und dasselbe blieb bis zur 
Ankunft des Monarchen in Ploesci. 

Kaiser Alexander IL reiste am 21. Mai [2. Juni] mit dem 
Grossfürst-Thronfolger und der Suite von Zarskoje selo ab und traf 
am Abende des 25. Mai [6. Juni] in Ploesci ein. Dortselbst 
waren bereits einige Tage zuvor die Grossfürsten Wladimir 
Alexandrowic und Sergej Alexandrowic, sowie die Herzoge 



^) Zur Beförderung aller „Verwaltungen" der Armee von Kiszyniew nach Ploesci 
waren i8 Separatzüge erforderlich. 

-) Als Convoi des Armee-Obercommandanten wurde noch das combinierte 
Garde-Kasaken-Regiment (5 Escadronen) bestimmt, welches aus Petersburg in Ploesci 
am 24. Mai [5. Juni] eintraf. An vStelle desselben hatten als kaiserlicher Convoi die 
Garde-Terek-, sowie die Kuban-Kasaken-Escadron, die bis dahin den Convoi des 
Armee-Obercomraandanten gebildet hatten, zu treten. 



47 

Nikolaus Maximilianowic und Eugen Maximilianowic von 
Leuchtenberg eingetroffen. 

Nunmehr wurde beschlossen^ das Armee-Hauptquartier in 
Ploesci zu belassen und hieher auch das kaiserliche Hauptquartier 
zu verlegen. 

Die im obigen beschriebene Vorrückung der russischen 
Hauptkraft durch Rumänien und deren strategischer Aufmarsch 
um Bukarest wurde^ wie eingangs darg'estellt^ durch einige vor- 
geschobene [Postierung-s-] Gruppen (Detachements) gesichert^ 
welche in den ersten Tagen des Mai am linken Donau-Ufer von 
der Mündung des Jiu bis zu jener der Jalomita (g*egenüber 
Hirsova) einen Beobachtung's-Cordon bezogen. 

Der Cordon bestand im allgemeinen aus einer Kette von 
Reiter-Piquets mit dahinter befindlichen Reserven; die letzteren 
waren dort aufgestellt^ wo das Auftreten türkischer Streifcorps 
vom jenseitigen Ufer her am ehesten zu erwarten stand ; längs 
der ganzen Strecke waren Signal-Stationen errichtet; welche die 
Theile der Beobachtungslinie miteinander verbanden. Im Detail 
war die Thätigkeit dieser vorgeschobenen Körper folgende : 

I. Die Gruppe GL. Fürst Manwelow (8. Cavallerie- 
Division) hatte den Raum zwischen den Mündungen des Jiu und 
Vede zu beobachten. Hiezu war diese 150 Werst betragende 
Strecke in Abschnitte getheilt^ und zwar sicherte das Husaren- 
Regiment Lubny Nr. 8 den Raum zwischen der Vede-Mündung 
und dem Dorfe Suhaia (Suhaja); das Don-Kasaken-Regiment Nr. 8 
von der Jiu-Mündung bis zum Dorfe Silistiöra [zwischen Corabia 
und Gärcovu] ; in dem dazwischen liegenden Räume hatten die 
beiden übrigen Regimenter der Division zu stehen^ nämlich links 
das Uhlanen-Regiment Woznjesenk Nr. 8 sammt der Don-Kasaken- 
Batterie Nr. 9, und rechts das Dragoner-Regiment Astrachan 
Nr. 8 mit der reitenden Batterie Nr. 15. 

Das Husaren-Regiment Nr. 8 traf am 5. [17.] Mai inZimnicea 
ein; bezog am folgenden Tage die ihm zugewiesene Beobachtungs- 
linie und entsandte gleichzeitig Patrouillen nach Osten zur 
Verbindung mit der kaukasischen Kasaken-Divison. 

Das Don-Kasaken-Regiment Nr. 8 erreichte am 8. [20.] Mai 
das Dorf Corabia und traf hier ein rumänisches Detachement 
an, welches aus i Bataillon Dorobanzen und i Escadron Calaraschen 
mit 2 Geschützen bestand. Nach Besetzung von Corabia beschlag- 
nahmte der Regiments-Commandant Oberst Zeltonozkin in 



4^^ 

Befolg erhaltener Weisungen einen (griechischen) Schleppdampfer 
und einige mit Kukuruz beladene Flussschiffe und Barken, die 
dortselbst vor Anker lagen. Noch an demselben Abende erhielt 
das Don-Kasaken-Regiment Nr. 8 den Befehl, nach Turnu zurück- 
zumarschieren, da nach den letzten Vereinbarungen mit Rumänien 
die Beobachtung des Raumes westlich des Oltu (Alt) den Truppen 
des Fürstenthums überlassen blieb. Die starke Ueberschwemmung 
des Oltu, welche alle Uebergänge zerstört hatte, zwang jedoch die 
Kasaken, bis zum i8. [30. j Mai in Corabia zu bleiben und die 
Donau mit den Rumänen gemeinsam zu beobachten. 

Das Uhlanen- und das Drag'oner-Regiment besetzten die 
ihnen zugewiesenen Strecken am 7. [18.] Mai; hiebei wurden der 
bei Flämända vor Anker liegende Dampfer „Anneta" (mit 
270 Tonnen Fassungsraum und einer Maschine von 60 Pferde- 
kräften), ferner 2 eiserne Barken und einige Boote beschlagnahmt. 
Zur Sicherung- dieser Flotille gegen feindliche Ueberfälle hatten 
beide Regimenter hierselbst ein kleines Detachement, bestehend 
aus je einer Uhlanen- und Dragoner-Escadron sammt der 9. Don- 
Kasaken-Batterie zu bilden, zu dessen Commandanten der Stabschef 
der 8. Cavallerie-Division Oberst Baron Kaulbars bestimmt 
wurde. Am nächsten Tag*e entsandten die Türken, augenscheinlich 
mit der Absicht, die beschlagnahmten Schiffe fortzuschaffen, einen 
Dampfer nach dem linken Donau-Ufer ; derselbe kehrte aber, als 
Geschützfeuer eröffnet wurde, wieder um. Mit Anbruch der 
Dämmerung begannen die Dragoner und Uhlanen des Detachements 
Kaulbars am Ufer, dicht am Ankerplatze des beschlagnahmten 
Dampfers, Deckungen auszuheben, die bei Tagesanbruch des 
9. [21.] Mai soweit fertig waren, dass die Geschütze dahinter 
•aufgestellt werden konnten. 

Am Abende des 8. [20.] Mai war die 8. Cavallerie-Division 
an der Donau wie folgt gruppiert: das Husaren -Regiment 
Lubny Nr. 8 vom Dorfe Bujorul (Bosari) am Vede bis Suhaia, 
Stab- und Regiments-Reserve (2 Escadronen) in Zimnicea ; das 
Uhlanen-Regiment Woznjesensk Nr. 8 von Suhaia bis Flämända, 
Stab und Regiments-Reserve (3 Escadronen und 9. Don-Kasaken- 
Batteriej im Bivouac bei Flämända ; das Dragoner-Regiment 
Astrachan Nr. 8 von Flämända bis zur Oltu-Mündung, Stab und 
Regiments-Reserve (3 Escadronen und 15 reitende Batterien) 
in Turnu Mägurele ; das 8. Don-Kasaken-Regiment in Corabia. 

Um I Uhr nachmittags des 9. [21.] Mai eröffnete ein von 
Xikopol herangekommener Monitor das Feuer gegen die vor 



49 

kurzer Zeit beendeten Erddeckungen ; aber die hinter denselben 
stehenden Geschütze der 9. Don-Batterie wirkten mit solchem 
Erfolge gegen das türkische Kriegsschiff, dass es in kurzer Zeit die 
Donau stromabwärts weiterfuhr. Gleich darauf wurde aus den 
Befestigungen von Nikopol mit Weitfeuer- Geschützen ein sehr 
scharf gezieltes Feuer eröffnet^ welches die Feld- Geschütze der 
Kasaken wegen zu g'rosser Entfernung (mehr als 5 Werst) nicht 
zu erwidern vermochten. Am Abende begannen die Uhlanen 
des Detachem.ents Oberst Kaulbars mit dem Baue einer zweiten 
Batterie^ welche mit Tagesanbruch des 11. [2^.] Mai fertig und 
(mit 2 Geschützen) armiert wurde. 

Im Verlaufe dieses Tages (11. [23.] Mai) näherten sich 
2 türkische Monitore den russischen Batterien und feuerten auf sie 
einige Granaten ab. 

Weiters traf an diesem Tage ein Telegramm ein, welches 
unter anderem den Auftrag enthielt, „zu versuchen, den beschlag- 
nahmten Dampfer und die Barken in die Oltu-Mündung zu schaffen, 
um sie völlig dem Bereiche des türkischen Geschützfeuers zu 
entziehen". Es gelang jedoch nicht, diesen Befehl auszuführen, 
da am Morgen des 12. [24.] Mai ein türkischer Monitor an 
den Ankerplatz der beschlagnahmten Schiffe heranfuhr und sie 
unter Feuer nahm ; hiedurch wurden zwei derselben zum Sinken 
gebracht und der Schornstein des Dampfers „Anneta" durch- 
schlagen. Obgleich das türkische Kriegsschiff gleich darauf wieder 
nach Nikopol zurückkehrte, so war es doch — selbst in der Nacht 
— überaus schwierig, den beschlagnahmten Dampfer unter den 
Kanonen der Festung vorbei in die Oltu-Mündung zu schaffen. 
In der Befürchtung, dass derselbe am nächsten Tage durch die 
türkischen Panzerschiffe völlig zerstört werden könne, befahl 
GL.FürstManwelow, den Dampfer „Anneta" unter Anwendung 
aller Vorsichtsmassregeln in der Nacht vom 12. zum 13. [24. zum 
25.] Mai derart zu versenken, dass er auf den ersten Befehl sofort 
aus dem Wasser gehoben werden könne. Gleichzeitig wurden 
auch Vorkehrungen getroffen, um einen eventuellen Landungs- 
Versuch der Türken abweisen zu können. 

Am Morgen des 13. [25.] Mai näherte sich wieder der 
türkische Monitor aus Nikopol und feuerte einige Schüsse auf 
die Batterie bei Flämändaund auf zwei Barken ab, welche die Stelle 
bewachten, wo der Dampfer „Anneta" versenkt war. 

Auch die bei Corabia von den Kasaken des Obersten 
Zeltonozkin beschlagnahmten Schiffe hatten nicht wenig unter 

Der russisch-türkische Krieg. II. Bd. 4 



50 

dem Feuer der türkischen Monitore zu leiden ; dieselben beschossen 
am 14. und 15. [26. und 27.] Mai nicht nur diese Schiffe, sondern 
auch eine bei Corabia erbaute rumänische Batterie. 

Als um diese Zeit Oberst Zeltonozkin in Erfahrung brachte, 
dass der Uebergang über den Oltu wiederhergestellt sei, rückte 
er — unter Belassung einer halben Kasaken-Sotnie in Corabia — 
mit den übrigen Theilen seines Regimentes nach Turnu Mägurele 
ab und traf hier am 19. [31.] Mai ein. 

Am 21. Mai [2. Juni] kamen in Turnu und Corabia die 
4. respective 3. Compagnie des 7. Sappeur-Bataillons an und 
beg'annen sofort mit der Herrichtung des Materials für die 
Batterien der Belagerungs- Artillerie, welche bei den genannten 
zwei Punkten errichtet werden sollten. 

Am 22. Mai [3. Juni] wurde das 8. Don-Kasaken-Regiment 
nach Flämända verlegt und die Don-Kasaken-Batterie Nr. 9 durch 
die 15. reitende Batterie abgelöst. 

Während dieser ganzen Zeit (8. bis 22. Mai [20. Mai bis 
3. Juni]) herrschte an den übrigen, von Theilen der 8. Cavallerie- 
Division besetzten Punkten vollkommene Ruhe. Bei den Türken 
bemerkte man in dieser Periode, dass sie sich bemühten, das Ufer- 
Gebiet bei Nikopoi noch besser zu verstärken, indem sie unter 
anderem zur Beschiessung der Oltu-Mündung und der stromabwärts 
an der Donau gelegenen Terrainpartien circa 10 Batterien auf- 
führten, und auch Flämända gegenüber solche erbauten. 

Zwischen dem 22. Mai und i. Juni [3. und 13. Juni] eröffneten 
die Türken wiederholt aus diesen Batterien Geschützfeuer und 
am 22. Mai [6. Juni] machten sie drei kleinere Landungs- Versuche 
am linken Donau-Ufer und auf den Inseln Belni (Beljani) und 
Persin, um dortselbst weidendes rumänisches Vieh wegzunehmen. 
Die Türken wurden zwar hiebei zurückgewiesen, aber es war nicht 
ausgeschlossen, dass sie derartige Versuche erneuern würden ; 
man beschloss daher, die Aufstellung des Uhlanen-Regiments 
Woznjesensk Nr. 8 zu verstärken und verlegte zu diesem Zwecke 
zwei Sotnien des 8. Don-Regiments in das Dorf Seaca (Siaca, Seca). 

2. Die Giurgevoer Gruppe unter Commando des 
GL. Skobelew I (kaukasische Kasaken-Division, 4. Schützen- 
Brigade, 2 Plastun-Sotnien und 2 Fuss-Gebirgs-Batterien) traf in 
dem zugewiesenen Abschnitte der Beobachtungslinie, das ist von 
der Vede-Mündung bis zum See Grecilor [Lacul Greaca], am 
8. [20.] Mai ein und postierte sich dortselbst wie folgt : 



51 

im Centrum, zu Giurgevo, standen das 15. und 16. Schützen- 
Bataillon, die Fuss-Gebirgs-Batterie Nr. i und i Sotnie des 
Kasaken-Regiments Wladikawkaz ; 

rechts hievon, von Giurgevo bis zur Vede-Mündung : das 
14. Schützen-Bataillon, i Plastun-Sotnie, das Kuban-Kasaken- 
Regiment, die Don-Batterie Nr. 10 und 4 Geschütze der reitenden 
Gebirgs-Batterie Nr. i ; 

links vom Centrum, von Giurgevo bis zum See Grecilor: 
das Don-Kasaken-Regiment Nr. 30 mit 2 Geschützen der reitenden 
Gebirgs-Batterie Nr. i und i Plastun-Sotnie ; 

als allgemeine Reserve, bei Fratesci: das 13. Schützen- 
Bataillon, 3 Sotnien des Kasaken-Regiments Wladikawkaz, 
I Ossetiner-Division des Terek-Bergreiter-Regiments ^), die Fuss- 
Gebirgs-Batterie Nr. 2, ferner die Park -Abtheilungen der 
4. Schützen-Brigade und der kaukasischen Kasaken-Division. 

Bis zum 12. [24.] Mai war auf türkischer Seite nichts 
Besonderes zu bemerken; an diesem und den folgenden Tagen 
wurde ein verstärkter Betrieb auf der Ruscuk-Varnaer Bahn 
constatiert. Am 14. [26.] Mai, 10 Uhr vormittags, eröffneten die 
Ruscuker Batterien und ein Monitor aus dieser Festung gegen 
das Dorf Slobozia . (Slobodsea) ein mehr als eine Stunde 
anhaltendes Feuer, das jedoch von russischer Seite nicht erwidert 
wurde. An demselben Tage landeten die Türken gegenüber dem 
linken Flügel der Gruppe Skobelew I bei einigen Dörfern, die 
durch Hochwasser ganz umringt waren, und nahmen dort 200 Stück 
Vieh fort. Ausserdem kam es, gleichfalls am 12. [24.] Mai, bei 
dem Dorfe Gaojani [Gaugeana] zu einem Scharmützel zwischen 
Kasaken und einer Abtheilung Türken, welche die Donau auf 
Booten übersetzt hatten ; die Türken zogen sich zwar sofort 
zurück, doch gelang es ihnen, ein rumänisches Boot mitzu- 
nehmen. 

Nachdem sich die Türken davon überzeugt hatten, dass sich 
ihnen gegenüber keine grosskalibrigen Geschütze befanden, 
wurden sie unternehmungslustiger (seit 12. [24.] Mai) ; auch zeigten 
sich ihre Schiffe häufiger auf dem Strome und nahmen Messungen 
vor. Vom 17. [29,] Mai angefangen schien es, als beabsichtigten 
sie, die Donau-Inseln zu besetzen; überdies begannen sie jetzt, 
häufig nach den russischen Piquets zu schiessen. 



^) Die andere Division dieses Regiments war am 6. [i8.] Mai zur Verstärkung 
der Cavallerie des Odessaer Militär-Bezirkes nach Akkerman zurückgesendet worden. 



4' 



52 

Am 17. Mai trafen inFratesci folgende^ dem GL. Skobelew I 
zur Verfügung gestellten Truppen ein: die i. Brigade der 
14. Infanterie-Division sammt i. und 4. Batterie der 14. Artillerie- 
Brigade, sowie die i. und 2. Compagnie des 7. Sappeur-Bataillons ; 
hievon wurden die Sappeur- Compagnien nach Malurusu 
I Niederlassung östlich Giurgevo] verlegt und begannen sofort 
mit der Herrichtung des Materials für den Bau von Batterien 
für Belag-erungs-Geschütze, welche bei Giurg-evo errichtet werden 
sollten. 

Nach dem Eintreffen der Verstärkungen änderte sich seit 
18. [30.J Mai die Vertheilung der Truppen der Giurgevoer Gruppe 
in folgender Weise : 

im Centrum, zwischen Malul de jos (Malu) und Giurgevo 
standen das 1 4. Schützen-Bataillon und 4 Sotnien der Kuban- 
Kasaken-Reg'iments ; 

rechts hievon : das Kasaken-Regiment Wladikawkaz und die 
Division des Terek-Bergreiter-Regiments, vom Vede-Flusse bis 
Malul de Jos; 

links vom Centrum, von Giurgevo bis zum See Grecilor: 
das Don-Kasaken-Regiment Nr. 30 und 2 Plastun-Sotnien ; 

in Giurgevo: das 15. und 16. Schützen-Bataillon, 2 Sotnien 
des Kuban-Kasaken-Regiments, die Don-Kasaken-Batterie Nr. 10 
und die reitende Gebirgs-Batterie Nr. i ; 

als Reserve in Fratesci : das 13. Schützen-Bataillon, die 
I. Brigade der 14. Infanterie-Division mit der i. und 4. Batterie 
der 14. Artillerie-Brigade, die 2 Fuss-Gebirgs-Batterien und sämmt- 
liche Parks. 

Fast eine ganze Woche hindurch wurde innerhalb des 
Rayons der Giurgevoer Gruppe die Ruhe nirg*ends gestört^). 
Aber in Ruscuk und Umgebung war eine lebhafte Thätigkeit zu 
bemerken : auch kreuzten beständig die türkischen Monitore und 
Dampfer zwischen Svistov (Sistov) und Tutrakan (Turtukai). 



^) Um diese Zeit wurde mit Armee-Prikas Nr. 77 vom 23. Mai [4. Juni] die 
kaukasische Kasaken-Division in folgender Weise neu organisiert : 

in den Verband der l. Brigade unter Commando des Obersten Tutolmin 
hatten zu treten: das Don>Kasaken- Regiment Nr. 30, das Kuban- und Wladikawkaz- 
Regiment und 2 Osetiner-Sotnien des Terek-Bergreiter-Regiments, sowie die 10. Don- 
Kasaken-Batterie und die l. reitende Gebirgs-Batterie; 

die 2. Brigade unter Commando des Obersten Cernozubovv^ wurde gebildet: 
aus der früheren selbständigen Don-Kasaken-Brigade (Don-Kasaken-Regimenter Nr. 21 
und 26) und der 15. Don-Kasaken-Batterie; diese Brigade blieb, wie bis dabin, in 
xllexandria. 



53 

Vom 23. Mai [4. Juni] angefangen beobachteten die russi- 
schen Posten neuerdings verstärkte Truppenbewegungen in der 
Umgebung von Ruscuk ; augenscheinlich trafen fortgesetzt 
Truppen in der Festung ein, rückten aber bald wieder ab. 

Am 24. Mai [5. Juni] eröffneten die Türken aus den 
Ruscuker Batterien ein heftiges Feuer auf Giurgevo ; das 
Bombardement dauerte 2V2 Stunden, richtete jedoch bei den 
russischen Truppen keinen Schaden an ; nur in Giurgevo selbst 
wurden einige Häuser getroffen. 

Am Abende des 28. Mai [9. Juni] beschossen die Türken das 
Piquet bei Malurusu^ und zwar gleichfalls ohne Wirkung. 

So stand die Situation im Rayon der Giurgevoer Gruppe bis 
g-egen Ende Mai^, wo in der Vertheilung der Truppen folgende 
Aenderungen vorgenommen wurden : in der Nacht vom 30. zum 
31. Mai [11. zum 12. Juni] marschierte das 14. Schützen-Bataillon 
mit der 4. Batterie der 14. Artillerie-Brigade über Disposition 
des Hauptquartiers nach Zimnicea, wo es dem Commandanten 
der 2. Brigade der 8. Cavallerie-Division unterstellt wurde. Das 
Bataillon hatte den Auftrag-, in dem Falle, dass die Türken ver- 
suchen würden, die Zimnicea gegenüber liegenden DonauTnseln zu 
besetzen oder am linken Ufer des Stromes zu landen, dieselben 
daran zu hindern. An die Stelle dieses Bataillons im Dorfe 
Slobozia trat das der allgemeinen Reserve entnommene Regiment 
Wolhynien Nr. 53 mit der i. Batterie der 14. Artillerie-Brigade. 

3. Die Oltenitaer Gruppe unter Commando des GL. Aller 
(i. Brigade der 32. Infanterie-Division sammt 2 Batterien und dem 
Don-Kasaken-Regimente Nr. 31) deckte, wie oben beschrieben, 
Bukarest in der Richtung gegen Oltenita. Von den angeführten 
Truppen traf das Infanterie-Regiment Rylsk Nr. 126 mit der 
I. Batterie der 32. Artillerie-Brigade und 5 Sotnien des Don- 
Kasaken-Regiments Nr. 31 ^) am Abende des 8. [20.] Mai in 
Oltenita ein und bezog" zwischen der Stadt und einem Vororte 
derselben ein Lager. Um die gleiche Zeit erreichte das Infanterie- 
Regiment Kursk Nr. 125 mit der 2. Batterie der ^2. Artillerie- 
Brigade das Dorf Mitreni (Mitreni Fundu). 

Bis zum Eintreffen der russischen Truppen war Oltenita von 
dem rumänischen Detachement des Generals Manu (4 Bataillone, 
4 Escadronen und 12 Geschütze) besetzt gewesen; zwischen dem- 

^) Eine Sotnie dieses Regiments war zur Bewachung der .Stationen auf der 
Bahn Brüila-Bukarest vertheilt. 



54 

selben und den in der Umgebung- von Tutrakan befindlichen 
Türken war es zu wiederholten Scharmützeln gekommen. Laut 
der von den Rumänen gesammelten Nachrichten sollten sich bei 
Tutrakan circa 3000 Mann türkischer Truppen und auf der Donau 
2 bis 3 Kriegsdampfer befinden. 

Infolge des überaus starken Hochwassers bildete die Stadt 
Oltenita sammt Umg-ebung^ soweit beide durch einen Damm 
gegen Ueberschwemmung-en geschützt waren^ eine Art Halbinsel^ 
w^elche mit ihrem Süd-Ende^ beim Zollgebäude, den Hauptarm der 
Donau berührte. 

In der Nacht vom 8. zum 9. [20. zum 21.] Mai wurden die 
rumänischen Truppen durch die russischen abgelöst. Den Schutz- 
damm am Donau-Ufer besetzten 2 Compagnien des Regiments 
Rylsk Nr. 126; die i. Batterie der 32. Artillerie-Brigade, für 
deren Geschütze die Rumänen im Damme Schiessscharten aus- 
hoben, fuhr beim Zollgebäude auf. Das Don-Kasaken-Regiment 
Nr. 31 beobachtete die Donau auf der Strecke zwischen Fundu- 
Surlasi (halbwegs zwischen Oltenita und Cälärasi) und dem See 
Grecilor. 

Die abgelösten rumänischen Truppen marschierten auf der 
Strasse nach Bukarest ab. 

Am nächsten Tage (9. [21.] Mai) wurde auch das Regiment 
Kursk Nr. 125 mit der 2. Batterie der 32. Artillerie-Brigade nach 
Oltenita vorgezogen; am ib. [22.] Mai löste eine Escadron des 
Uhlanen -Regiments Czugujew Nr. 1 1 (von den Truppen des 
GL. Tatiscew) die Kasaken-Posten zwischen Fundu-Surlasi und 
Oltenita ab. 

Nach der Besetzung von Oltenita verfügte der Gruppen- 
Commandant GL. Aller, dass möglichst viele Boote der Be- 
völkerung bei Oltenita zu sammeln seien ; er Hess auch ermitteln, 
wie viel Material zu einem Brückenbau dortselbst vorhanden sei. Es 
konnten aber im ganzen nur 30 kleine Boote zusammengebracht 
werden, und in den Depots zu Oltenita befand sich bloss ein 
minimaler Vorrath an Bauholz. 

Seit 9. [21.] Mai wurden wiederholt zwischen der Infanterie 
und Artillerie, welche den Ufer-Damm besetzt hatten, und den 
Türken Schüsse gewechselt; die Türken w^urden hiedurch ver- 
hindert, östlich Tutrakan neue Befestigungen aufzuführen. 

Am 16. [28.] Mai traf aus Slobozia [an der Jalomita] von 
der Gruppe des Generals Tatiscew die 2. Brigade der 32. In- 
fanterie-Division sammt den eingetheilten Batterien ein und bezog 



55 

Cantonnements in Negoiesci, 20 Werst nordwestlich von Oltenita. 
Auf diese Art war also Mitte Mai die ganze 32. Infanterie- 
Division wieder vereinigt. 

Unterdessen war die Donau fortwährend gestiegen und be- 
gann bereits den Schutzdamm zu durchwaschen, so dass die 
Truppen denselben verstärken mussten ; diese Arbeiten wurden 
bei Nacht durchgeführt und waren am 23, Mai [4. Juni] beendet 

In der Nacht zum 23. Mai [4. Juni] und am folgenden Tage 
wurde mittelst Booten eine Recognoscierung des türkischen 
Ufers und der dortselbst befindlichen Flotille eingeleitet ; hiebei 
ergab sich, dass bei Tutrakan — gedeckt hinter Schiffsmühlen — 
I Dampfer, 8 Barken und ungefähr 30 Boote verankert lagen, und 
am Ufer, oberhalb des Dampfers, circa 6 Geschütze postiert waren. 

An dem hierauf folgenden Tage wurden neuerdings mit 
den Türken wiederholt und lebhaft Schüsse gewechselt und die 
ersteren machten einigemale den Versuch, sich mit ihren Booten 
dem linken Ufer zu nähern und die Aufstellung der russischen 
Truppen zu recognoscieren, was ihnen aber nicht gelang. 

4. Die Gruppe des GL. Tatiscew (11. Cavallerie-Division, 
2. Brigade der 32. Infanterie-Division und 4 Batterien) hatte die 
Donau-Strecke zwischen Oltenita und der Jalomita-Mündung zu 
beobachten. Die im Verbände der linken Colonne der Haupt- 
kraft der Armee vorrückende 11. Cavallerie-Division besetzte am 
2. [14.] Mai Slobozia und Obilesci (Obilesci nou). Die 2. Brigade 
der 32. Infanterie-Division traf am 8. [20.] Mai in Slobozia ein 
und wurde einige Tage später behufs Vereinigung mit der 
I. Brigade dieser Division zur Oltenitaer Gruppe abgesendet. 

Die ganze Strecke, welche seitens der 11. Cavallerie-Division 
zu beobachten war, betrug circa 130 Werst. 

Im Centrum derselben liegt die Stadt Cälärasi, welche bis 
zum Eintreffen der Russen von rumänischen Truppen besetzt 
gewesen war. Die unmittelbare Nachbarschaft der Festung 
Silistria, in der sich eine bedeutende türkische Besatzung befand, 
hatte viele Bürger von Cälärasi bewogen, die Stadt zu verlassen, 
da man Ueberfälle seitens der Türken und Tscherkessen be- 
fürchtete, von denen Schwärme auf Booten zum linken Ufer 
herüberkamen und Vieh sowie Pferde wegnahmen. 

Cälärasi wurde durch ein besonderes Detachement (2 Esca- 
dronen des Husaren-Regiments Izjum Nr. 1 1 mit 2 reitenden 
Geschützen) besetzt, welches eine Art Avantgarde der Division 



56 

zu bilden hatte. Bei der Besetzung der Stadt wurden i Rad- 
dampfer (von 8 Pferdekräften), 20 grosse Schiffe und 40 Boote 
beschlagnahmt. 

Den eingelaufenen Nachrichten zufolge befand sich in 
Silistria eine Besatzung- von 7000 Mann ; überdies standen bei 
der Festung- 2 Dampfer und i Monitor auf der Donau. Letztere 
Schiffe waren beständig unter Dampf und seit 14. [26.] Mai er- 
schien täglich eines derselben gegenüber der Einmündung des 
Flussarmes Borcea. 

Den ganzen Mai hindurch wurde die Ruhe bei den vorge- 
schobenen Posten der 1 1. Cavallerie-Division fast nicht gestört. Das 
Wasser der Donau stieg beständig und schloss, abgesehen von 
Recognoscierungen, grössere Unternehmungen sowohl auf russischer 
wie auch türkischer Seite aus. Nur waren die türkischen Posten auf 
dem rechten Ufer wachsamer und begannen, sobald sich irgendwo 
russische Patrouillen-Boote zeigten, ohne Rücksicht auf die Ent- 
fernung, zu schiessen. 

Um diese Zeit wurde beobachtet, dass sich die Türken viel- 
fach mit der Anlage von Befestigungen beschäftigten ; unter 
anderem begannen sie beim Dorf Blgarski Kosuj (Kusuj) (7 Werst 
unterhalb Tutrakan) neue Schützengräben auszuheben ; daraufhin 
wurden zwei Geschütze der 18. reitenden Batterie trotz des über- 
schwemmten Ufers bis zur Donau vorgezogen und eröffneten am 
29. Mai [9. Juni] das Feuer auf die arbeitenden Türken, wodurch 
es gelang, sie zu vertreiben. 

Bei Silistria, wo die Türken in einigen Lagern bivouakierten, 
stellten sie gleichfals Befestigungen her ; ihre Posten am Ufer, 
welche auf Distanzen von 300 Schritt voneinander standen, 
waren durch Erdaufwürfe gedeckt und längs der ganzen Ufer- 
linie waren Schützengräben ausgehoben. 

Der Anschluss des XIV., XIIL und IV. Armee-Corps, 
welche mit Allerhöchstem Prikas vom 26. April [8. Mai] in den 
Verband der Operations- Armee eingetheilt worden waren, an die 
letztere erfolgte in nachstehender Weise. 

Von den Truppen des XIV. Armee-Corps wurde die 18. In- 
fanterie-Division mittels Eisenbahn nach Bender und die 
I. Brigade der i. Don-Kasaken-Division nach Birzula befördert. 
Von den Auswaggonierungs-Stationen marschierten diese Truppen 
über Reni nach Galaz und trafen hier am 16. und 28. Mai [28. Mai 
und 9. Juni] ein. Die 17. Infanterie-Division und die 2. Brigade 



57 

der I. Don-Kasaken-Division legten den ganzen Weg über 
Skulany^ Jassi und Vasluiu nach Galaz in Fussmarschen zurück 
und trafen in letzterem Orte zwischen dem 2^. Mai und i. Juni 
[4. und 13. Juni] ein. 

Die Divisionen des XIII. Armee- Corps fuhren mit der Bahn 
bis Birzula und marschierten von hier aus — die 35. Infanterie- 
Division an der Tete, die i. Infanterie-Division in der Mitte und 
die 13. Cavallerie-Division an der Queue — über KiszynieW; Falciu^ 
Birlat; Tecuciu nach Bänesa, welches sie Mitte [Ende] Juni erreichten. 

Das IV. Armee-Corps marschierte hinter allen vorgenannten 
Truppen ; sein Eintreffen in der Umgebung von Bukarest stand 
erst anfangs [Mitte] Juli zu erwarten. 

Nach seiner Ankunft in Rumänien löste das XIV. Armee- 
Corps das XL an der unteren Donau ab. 

Im Sinne einer Disposition des Operierenden Hauptquartiers 
verfügte der Commandant des „Untere Donau-Corps" GL. Fürst 
Sachowskoj; dass sich die 1 1 . Infanterie-Division — nach Ueber- 
gabe sämmtlicher Positionen an das XIV. Armee-Corps — 
successive bei Bräila zu concentrieren und von dort am 26. und 
27. Mai [7. und 8. Juni] in zwei Staffeln nach Budesci abzu- 
marschieren habe, um sich mit der 32. Infanterie-Division zu ver- 
einigen. 

Mit dieser Verfügung wurden auch folgende^ bis dahin dem 
XL Armee-Corps zugetheilten Truppen aus dem Verbände des- 
selben ausgeschieden: die i. Gruppe der Belagerungs-iVrtillerie^ 
das Schwarzmeer-Marine-Detachement; das 7. Sappeur-Bataillon^ 
die Don-Kasaken-Regimenter Nr. 29 und 40^ die Don-Kasaken- 
Batterie Nr. 4 und die Gruppe des GL. Werewkin. 

Gleichzeitig" wurde mit Armee-Befehl vom 21. Mai [2. Juni] 
der Commandant des XIV. Armee-Corps^ GL. Zimmermann^ zum 
Commandanten des , ^Untere Donau-Corps" ernannt. 

Was die Betheiligung der Rumänen an der beschriebenen 
Einleitungsperiode des Krieges betrifft^ so wurde im I. Capitel 
dargestellt, dass der rumänische Ministerrath schon am 31. März 
|i2. April] die Mobilisierung der gesammten Armee beschlossen 
hatte. Dieselbe wurde jedoch thatsächlich erst dann durchgeführt^ 
als ein grosser Theil der russischen Truppen Rumänien bereits 
betreten hatte. 

Die Stärke der mobilisierten rumänischen Kräfte sollte 
80.000 bis 100.000 Mann und 180 Geschütze betragen. 



58 

Hievon konnten zur Unterstützung der russischen Armee 
50.000 Mann verwendet werden; dieselben waren in zwei Corps 
— das I. Craiovaer und das II. Bukarester — einzutheilen. Zur 
Aufbringung* und Organisierung dieser Truppen aber brauchte 
man Zeit. 

Bis zum Eintreffen der Russen an der Donau hatten jedoch 
die Rumänen das linke Stromufer in einer Ausdehnung von 
mehreren hundert Werst zu vertheidigen. Bei der relativen 
Schwäche ihrer Truppen ^) vertheilten sie, da ein Uebergang der 
Türken besonders zwischen Vidin und Ruscuk zu befürchten 
stand, im April ihre Truppen wie folgt: das I. Corps sammelte 
sich bei Calafatu und beobachtete das Donau-Ufer der Kleinen 
Walachei; das II. Corps wurde hauptsächlich auf den von Guirgevo 
und Oltenita nach Bukarest führenden Wegen concentriert und 
hatte die Hauptstadt des Fürstenthums zu decken. 

Schon am 14. und 15. [26. und 27.] April begannen die 
Feindseligkeiten, indem von Vidin aus zum erstenmale das Feuer 
eröffnet wurde; zwei Tage später wechselten die Türken auch bei 
Tutrakan, woselbst sie Batterien erbaut hatten, mit dem bei 
Oltenita stehenden Detachement einige Kanonenschüsse. Auf 
diese Weise hatte der Krieg hier ohne vorhergehende Kriegs- 
erklärung seinen Anfang genommen. 

Bis anfangs [Mitte] Mai blieben die Rumänen in den ein- 
genommenen Stellungen an der Donau und wechselten nur hie 
und da einige Schüsse mit den Türken; letztere aber machten 
keinen ernstlichen Versuch, den Strom zu überschreiten und auf 
das linke Ufer zu gelangen. 

Inzwischen war auf Grund eines Telegrammes Kaiser 
Alexanders IL vom 10. [22.] Mai zwischen dem Fürsten Carol 
und dem Grossfürsten Armee-Obercommandanten eine Verein- 
barung dahin getroffen worden, dass der russischen Armee der 
Raum zwischen der Donau - Mündung und dem Oltu, den 
rumänischen Truppen jener an der Donau oberhalb des Oltu 
zur Besetzung zufiel. Infolgedessen marschierte das IL rumänische 
Corps in die Kleine Walachei und nahm folgende Aufstellung 
ein: die i. Division besetzte Calafatu, die 2. Division concentrierte 
sich bei dieser Stadt, die 3. Division kam nach Bailesci; die 
Cavallerie aller 3 Divisionen beobachtete die Donau von Calafatu 



^) Anfangs Mai waren bei den Rumänen im ganzen nur circa 30.000 Mann 
affectiv vorhanden. 



59 

bis zum Jiu-Flusse und trat in den Verband der 4. Division^ 
welche mit Theilen Corabia und Izlazul (Izlas) besetzt hielt. 

Auf diese Weise ergab sich bei den kriegführenden Parteien 
auf dem Balkan-Kriegsschauplatze anfangs [Mitte] Juni in grossen 
Zügen folgende Situation: 

Die Hauptkraft der russischen Armee — bestehend aus dem 
VIII., IX. und XII. Armee-Corps — stand um Bukarest; Vor- 
truppen derselben waren bis an die Donau zwischen Turnu 
Mägurele und Oltenita vorgeschoben. Das XI. Corps sicherte die 
Strecke Oltenita-Hirsova. Der weiter östlich gelegene Raum bis 
zum Schwarzen Meere wurde durch das ^^Untere Donau-Corps" 
(XIV. Armee-Corps und Gruppe des Generals Werewkin vom 
VII. Armee - Corps) gedeckt. Ausserdem stand bei Bukarest 
Mitte [Ende] Juni das Eintreffen des XIII. Corps und anfangs 
[Mitte] Juli des IV. Corps zu erwarten. Der gesammte Eifectiv- 
stand der Donau - Operations - Armee, die Nichtcombattanten 
eingerechnet, betrug circa 266.000 Mann. 

Die Türken verfügten zu jener Zeit — nach den Aufzeich- 
nungen des französischen Militär-Attache bei der türkischen Armee, 
Obersten Tor cy — auf diesem Kriegsschauplatze (gegenüber den 
russischen Truppen) über höchstens 160.000 Mann. Hievon bildeten 
circa 2000 Mann die Besatzungen von Adrianopel und Philippopel, 
9000 Mann beobachteten den Balkan zwischen Ajtos und Kazanlik 
und 14.000 Mann hielten Sofia und Umgebung besetzt. In Donau- 
Bulgarien befanden sich ungefähr 135.000 Mann, die in folgender 
Weise vertheilt waren: in der Dobrudzda 8000, im Festungs- 
Vierecke (Ruscuk, Silistria, Sumla [Sumen], Varna) 80,000, in Mittel- 
Bulgarien zwischen Ruscuk und Nikopol 7000, in West-Bulgarien 
(Nikopol, Orehovo [Rahovo], Lom Palanka und Vidin) 40.000 Mann. 



IIL CAPITEL. 

Bereitstellung der Mittel für den Donau- 

Uebergang. 

Zusammensetzung und Vertheilung der türkischen Kampf-Flotille. — Die zur Bekämpfung 

derselben bestimmten russischen Schiffe und Minen. — Bereitstellung der Ueberschiffungs- 

mittel. — Vorbereitung des Brücken-Materials. 

Die nächste Aufs^abe der russischen, in Rumänien befind- 
liehen Truppen bildete der Uebergang über die Donau. Infolge 
der ausgedehnten Ueberscliwemmung war dies keine leichte Auf- 
gabe, besonders mit Rücksicht darauf^ dass die Türken — ausser 
einer Reihe von Festungen^ welche die Vertheidigungslinie der 
Donau verstärkten — noch über eine ziemlich beträchtliche 
Donau-Flotille verfügten. 

Die Zusammensetzung und Vertheilung dieser Fl o tili e zur 
Zeit des Einmarsches der russischen Armee in Rumänien war^ 
den Nachrichten des russischen Feldstabes [Operierendes Haupt- 
quartier] zufolge nachstehend: in Sulina die grossen Monitore 
,;Hetzber" und^^Selfi"; in Tulcea (Tulca) die gepanzerten Corvetten 
„Lütfi Dzelil" und ^^Hivsil Rachman"^ sowie der kleine Monitor 
j^Semendria"; in Mäcin die Kriegs-Raddampfer ^^Killdzi Ali" 
und ,^ Arkadion"; in Hirsova [Härsova] der kleine Monitor 
j^Fetch ul islam", das hölzerne Kanonenboot ^^Akka''^ der 
Kriegs-Raddampfer ^^Hajredin"; in Silistria der Kriegs-Rad- 
dampfer ^^Islahat"; in Ruscuk [Russe] die kleinen Monitore 
,;Vengrdelen" und ^^vSkodra"; die hölzernen Kanonenboote ^^Varna" 
und ,,Sevket-Numa", die eisernen Barkassen „Simsek" und 
;,Ildyrim"; in Vidin der kleine Monitor ^^Podgorica", das eiserne 
Kanonenboot ^^ Sulina" und der Kriegs-Raddampfer ^^Nuzretie". 



6i 

Ausser diesen Kampf schiffen gehörten zu der unter dem 
Oberbefehle Hussein Paschas stehenden türkischen Donau- 
Flotille noch 9 Transportdampfer, sowie 17 Schaluppen und 
Barken, mit welchen die Gesammtzahl der Schiffe 46 betrug; sie 
waren mit 77 Geschützen armiert und hatten eine Bemannung von 
946 Köpfen. 

Bevor die russische Armee an die Ausführung des Donau - 
Ueberganges schritt, musste die türkische Flotille vernichtet oder 
paralysiert, das heisst in eine derartige Lage gebracht werden, 
dass sie weder die Ueberschiffung von Vortruppen, noch den 
Brückenschlag stören konnte. 

Zu diesem Zwecke wurde beschlossen, mittels Minensperren, 
welche durch Ufer-Batterien geschützt werden sollten, das Actions- 
feld der türkischen Schiffe auf der Donau allmählich einzuengen. 

Die Bereitstellung der Mittel (Schiffe und Minen) zur Aus- 
führung- dieses Planes war noch vor der Kriegserklärung in An- 
griff genommen worden. 

Zur Verfügung- der Operations -Armee wurden folgende, 
grösstentheils aus Kronstadt und zum Theile aus Nikolajew nach 
Kiszyniew gebrachten Schiffe gestellt: 14 Dampfkutter (Torpedo- 
kutter) und Dampfschaluppen, 4 Landungsboote und 1 7 Ruderboote 
(8 Kutter, 8 Schaluppen zu 6 Riemen und i Taucherboot). Von 
den Dampf kuttern und Dampf Schaluppen hatten 12 je 2V4 bis 

5 Pferdekräfte und konnten mit der Strömung nur mit Mühe 

6 Knoten, gegen die Strömung aber nur 2 Knoten in der Stunde 
fahren ; 2 Kutter wiesen grössere Fahrgeschwindigkeit auf, und 
zwar „Sutka", Eigenthum des Grossfürst-Thronfolgers, dann be- 
sonders ein von dem Fabrikanten Berd in Petersburg erworbener 
Kutter (von 10 Pferdekräften), welcher auf der See eine Geschwindig- 
keit von 16 Knoten entwickelte. 

Die Recognoscierung des Stromes zeigte, dass an der 
Mittleren Donau auf die Beschaffung irgend welcher Fahrzeuge 
zur Einrichtung von Minensperren nicht zu zählen sei. An der 
Unteren Donau waren die Verhältnisse günstiger; es gab dort 
am Seret, am Prut und an der Donau selbst bei Bräila 
eine Menge von Ruderfahrzeugen, die man ohne besondere 
Schwierigkeiten beschlagnahmen konnte. Es wurden daher 
9 Dampf kutter und 13 Ruderschiffe an die Mittlere Donau, 
5 Dampf- und 4 Ruderfahrzeuge an die Untere Donau dirigiert. 
Später wurden auch diese am Landwege an die Mittlere Donau 



62 

überführt. Bei Bräila wurden über Antrag des Armee-Ingenieur- 
chefs, General Depp, 2 private Dampfer gekauft, welchen man 
die Namen ,,Wzryw" und „Zagrazdenije" gab. An der Unteren 
Donau stellten die Rumänen der russischen Armee Dampfer zur 
Verfügung-, und zwar^Fulgerul", „Stefan del Mare" und,,Romanie" 
(welche umbenannt wurden in „Weliki Knjazj Nikolaj" [Grossfürst 
Nikolaus], „Stefan" und „Romania"). 

Das Personal formierte 2 Detachements, nämlich das Garde- 
und das Schwarzmeer-Marine-D etachement. Das erster e bestand aus 
2 Compagnien der Garde-Equipage, einem Damptkutter-Commando 
der Baltischen Flotte, einem Galvaneur-Commando des Garde- 
Sappeur-Bataillons, einem Commando von der galvanotechnischen 
Lehrcompagnie, schliesslich einem Commando von der Kercer 
Minen-Compagnie. Das Schwarzmeer-Marine-D etachement bestand 
aus 2 Flotten-Equipagen der Schwarzmeer-Flotte. Die Detache- 
ments erhielten die Bestimmung: ersteres für die Mittlere, letzteres 
für die Untere Donau; bei diesem war jedoch bis zum Beginne 
des Monats Juni auch ein Theil der Garde-Equipage zugetheilt. 

Das erste Minendepot wurde in Bender errichtet. Dahin 
wurden Mitte October über Verfügung der Haupt-Ingenieur- 
Verwaltung abgesendet: 300 galvanische Minen mit 3 und 4V2 Pud 
[49 bis 73 kg\ Pulverladung; 150 galvanisehe Contactminen 
System Herz, mit je i Pud [16-4 kg\ Dynamit geladen; 100 Stangen- 
minen verschiedener Muster zur Armierung der Dampf kutter; 
5 Boiton'sche Schwimm-Minen; 5 selbstthätige Whitehead-Tor- 
pedos; 15.000 Sazen [32 /^;;2] Leitungsdraht und die entsprechende 
Menge an Minen-Zugehör. Dieses Material langte je nach Bedarf, 
vom Beginne des Monats April bis zum Uebergange der Armee 
über die Donau, successive am Strome an. 

Gleichzeitig mit der Beschaffung der zum Kampfe gegen 
die türkische Flotille nöthigen Mittel erfolgte auch die Bereit- 
stellung der Fahrzeuge für die Ueberschiffung. Den grös.sten 
Theil lieferten die 4 zur Armee eingetheilten Pontonier-Bataillone 
(Nr. 3, 4, 5 und 6), jedes mit 52 Halbpontons. 

Dieses Material wurde jedoch für nicht ausreichend erachtet, 
und man ergriff daher folgende Massnahmen; 

I. Für die Ueberschiffung an der Mittleren Donau wurde 
der Dampfer „Ada" (20 Pferdekräfte) in Pest gekauft und nach 
Turnu Severinu gebracht; in der Nähe der Mündung des Oltu- (Alt-) 
Flusses wurde der Dampfer „Anneta" mit 2 eisernen Barken 



63 

erbeutet (diese 3 Fahrzeuge konnten ein ganzes Infanterie- 
Bataillon auf einmal überschiffen) ; am Lotru, einem Zuflüsse des 
Oltu, wurden 100 hölzerne Landungspontons — etwas unter 
4 Sazen [8*53 ;^2] lang, circa i Sazen [2*13?^^] breit und 2V2 Fuss 
[o'^6m] hoch — mit Querbänken erzeugt; jeder Ponton fasste 
30 Mann, nebst 6 Ruderern und i Steuermann. 

2. Für die Ueberschiffung an der Unteren Donau konnten 
die oberwähnten 5 Dampfer, sowie die an Ort und Stelle 
requirierten und hergerichteten 4 Barken und 250 private Boote 
verwendet werden; überdies wurden in Galaz 35 hölzerne Pontons 
erzeugt. 

Was nun die Vorbereitung von Material für die über die 
Donau zu schlagenden Brücken betrifft, so stand der Armee das 
Material der erwähnten 4 Pontonier-Bataillone zur Verfügung. 
Mit demselben konnte eine Brücke von 326 Sazen [695 m] Länge 
gebaut werden (jedes Bataillon hatte nämlich schwimmende 
Unterlagen für eine 77 Sazen [164*37^2] lange Brücke, was bei 
4 Bataillons 308 Sazen [6577^2] Länge erg*ab; hiezu kamen noch 
3 Bock-Unterlagen an jedem Ufer, im ganzen also 326 Sazen). 
Da aber die Brücke, wie sie vor Beginn des Feldzuges projectiert 
war, 380 Sazen [8io77'2] lang sein sollte, so reichte dieses Material 
nicht aus, und es wurde zur Verstärkung der Pontoniere die 
I. Reserve-Sappeur-Compagnie (aus der 4. Compagnie des 
3. Ersatz-Sappeur-Bataillons) in Kijew formiert und zur Operations- 
Armee abgesendet; diese Compagnie hatte man mit den im 
Reserve -Vorrathe vorhandenen Segel- [Segelleinwand-] Pontons 
(altes Muster) für eine 100 Sazen [213 7n] lange Brücke ausgerüstet. 

Mit den ob an geführten Mitteln sollte eine Brücke über die 
Donau geschlagen werden. Da man jedoch beabsichtigte, zwei 
Donau-Brücken zu bauen, hatte der Armee-Obercommandant noch 
auf der Fahrt nach Kiszyniew den Ingenieurchef beauftragt, für 
die Beschaffung von Flossunterlagen für die zweite Brücke, 
sowie für die Anlage von „todten Hindernissen" (Balkensperren 
und Netze) zu sorgen. Damals schon wurde der Plan für diese 
Brücke ausgearbeitet und noch Ende 1876 traf man die noth- 
wendigen Massnahmen, um das verschiedene Zugehör einer Floss- 
Brücke, wie Anker, Ketten, Seile, Klammern, Bolzen etc. an die 
entsprechenden Punkte zu schaffen. Dieses Zugehör wurde 
(anfänglich für eine, später noch für zwei weitere Brücken) 
grösstentheils seitens der Marine-Verwaltung aus Petersburg und 
Nikolajew beigestellt; zum Theile kam es aus Privatfabriken und 



64 

aus den Werkstätten der ,, Russischen Dampfschiffahrts- und 
Handelsgesellschaft" in Odessa. 

Im Jänner 1877 entsandte der Ingenieurchef 4 Ingenieur- 
ofliciere (Oberst Mazjukiewic^ Oberstlieutenant Kl im enko und 
Kirpicew und Hauptmann Bitner) nach Rumänien, um die 
Flussläufe des Seret, Arg-esu, Oltu und Jiu zu studieren, wobei 
er sie beauftragte, sich mit den Erzeugungsorten für Holz- 
Material und mit den Arten des Herabflössens desselben zur 
Donau bekannt zu machen. Die hiebei gesammelten Daten er- 
gaben im wesentlichen Folgendes: ganz Rumänien wurde mit 
Holz aus den Karpathen versorgt; als Hauptlinien für das Herab- 
flössen dienten die Flüsse Seret und Oltu; am Seret bei Galaz 
lagerten ständig grosse Holz-Vorräthe, welche den Bedarf an 
Brücken-Material für die untere Donau überreich decken konnten; 
amx Oltu fanden sich mehrere Holzlager vor, die jedoch nur für den 
localen Bedarf bestimmt und daher sehr geringfügig waren; die 
Erzeugung des auf dem Oltu geschwemmten Materials erfolgte 
an dessen Zuflüsse Lotru, im Dorfe Brezoiu, durch einen öster- 
reichischen Ingenieur nam^ens Nowak, welcher dort 7 Sägemühlen 
besass; die Einrichtung der Sägewerke Nowaks liess erwarten, 
dass die Erzeugung des nöthigen Holz-Materials für eine Floss- 
Brücke am Lotru erfolgen könne, jedoch unter der Bedingung, 
dass der Contract sofort geschlossen und eine Lieferungsfrist von 
mindestens 1V2 Monaten gewährt werde. 

Die inzwischen ang'estellten Erwägungen über die Bedeutung 
der Brücken, den voraussichtlichen lebhaften Verkehr und die 
Art der über die Brücken zu schaffenden Lasten führten zu 
folgenden Schlüssen: i. an der Unteren Donau konnte man sich 
mit einer Floss-Brücke begnüg-en; 2. die mit dem Materiale der 
Pontonier- Bataillone über die Mittlere Donau zu schlagende 
Brücke war wegen der Beschaffenheit des Stromes bloss als eine 
provisorische zu betrachten; 3. es war demnach unbedingt nöthig, 
dieselbe durch eine Brücke mit solchen Unterlagen zu ersetzen, die 
besser den localen Verhältnissen entsprachen, wozu sich hölzerne 
Pontons eigneten ; 4. auf der Mittleren Donau durfte man sich 
nicht auf eine einzige Brücke beschränken, und es war daher 
zweckmässig, eine zweite Brücke mit Flossunterlagen zu bauen, 
deren Tragfähigkeit für den Transport von Belagerungs-Artillerie 
zu berechnen war. 

Dementsprechend und mit Rücksicht auf das bestehende 
Project, den Ueb ergang über die Mittlere Donau in dem Ab- 



65 

schnitte Nikopol-Svistov zu bewerkstelligen, ferner in Würdigung 
des UmstandeS; dass das Schleppen des Brücken-Materials strom- 
aufwärts unmöglich sei;, beabsichtigte der Armee-Ingenieurchef: 
I. am Lotru eine Floss-Brücke für die Mittlere Donau erzeugen 
zu lassen und sammt den früher erwähnten loo Landungspontons 
nach Slatina herabzufiössen ; 2. in Galaz 100 Holzpontons (etwas 
grösser als die LandungspontonS; hauptsächlich aber um i Fuss 
= 30*5 cm höher als diese) als Brückenunterlagen für die Mittlere 
Donau, ferner das übrige zu einer Ponton-Brücke erforderliche 
Material anfertigen zu lassen und mittels Eisenbahn nach Slatina 
zu bringen ; 3. das ganze dort angesammelte Material für zwei 
Brücken auf dem Oltu nach Turnu Mägurele und dann in die 
Donau herabzuflössen, ungeachtet des Umstandes, dass diese 
Action unter dem Feuer der Batterien von Nikopol erfolgen 
müsse ; 4. in Galaz selbst das Material für die auf der Unteren 
Donau zu schlagende Ploss-Brücke erzeugen zu lassen. 

Dieser Plan wurde dem Obercommandanten im Februar vor- 
gelegt. Der Grossfürst genehmigte denselben im Principe, er- 
theilte jedoch nicht gleich die Weisung, an die Ausführung zu 
schreiten, da die ung'eklärte politische Lage und die Gefahr 
eventuell unnützer g'rosser Geldopfer gebot, die Durchführung" 
der vorgeschlag-enen Massnahmen zeitweilig aufzuschieben. Diese 
P>age wurde erst in den letzten Märztagen [erste Dekade April] 
endgiltig gelöst. 

Damals wurden aber 4 Ingenieurofficiere nach Rumänien 
commandiert, und zwar: nach Galaz Oberstlieutenant Klimenko 
und Hauptmann Neplujew; an den Lotru Oberstlieutenant 
Kirpicew und Hauptmann Bitner. Es wurden auch die bezüg- 
lichen Contracte geschlossen : in Galaz mit dem Holzindustriellen 
Pravatke, welcher in der Nähe der Stadt, und zwar im Dorfe 
Serbesti, ein grosses Sägewerk besass ; am Lotru mit dem 
früher g-enannten Ingenieur Nowak. 

Eine vom Armee-Ingenieurchef persönlich vorgenommene 
Recognoscierung der Donau an den wahrscheinlichsten Ueber- 
gangsstellen ergab, dass die Länge der Brücken, namentlich an 
der Mittleren Donau, gegenüber dem ursprünglichen Calcul be- 
deutend vermehrt werden müsse. Anfangs Mai erhielt Oberst- 
lieutenant Klimenko den Auftrag, statt 100 nunmehr 150 Pontons 
zu erzeugen; dem Oberstlieutenant Kirpicew wurde befohlen, 
für die Ponton-Brücke eine grössere Menge Materials, als ursprüng- 
lich bestimmt war, zu beschaffen. 

Der russisch-türkische Krieg. II. Bd. 5 



66 

In Galaz schritten die Arbeiten glatt und erfolgreich fort. 
Es wurden hier im ganzen erzeugt: 35 Pontons^ 105 Flösse und 
das Brücken-Material für die Untere Donau. Die Flösse wurden 
hiebei aus Mastbäumen von 13 Sazen [27*7/;/] Länge gebunden. 
Anker und Seile wurden aus Russland nach Galaz geliefert; die 
Eisenth eile (Bundeisen etc.) lieferte Pravatke. Ueberdies wurden 
in Galaz 150 Holzpontons und das übrige Brücken-Material für 
die Mittlere Donau erzeugt. 

Anders war es am Lotru. Das erste Hindernis war der Mangel 
an Arbeitskräften. Die hiedurch entstandene bedeutende Ver- 
zög^erung wurde th eilweise durch die Commandierung einer und 
später einer zweiten Compagnie des 6. Sappeur-Bataillons behoben. 
Uneinbringlich war aber das Versäumen der richtigen Zeit (Winter) 
für das Fällen der Bäume ; die in vollem Safte stehenden Stämme 
vertrugen nicht das einfache Hinablassen (Rutschen) von den 
Bergen; wie es zur Winterszeit prakticiert wurde, und die 
meisten zerfielen fast ganz in Splitter, bevor sie zu Thal kamen ; 
aber selbst jene Stämme, die unten beim Flusse heil anlangten^ 
waren für den gedachten Zweck nicht völlig geeignet, weil sie — 
eben infolge des Fällens zur unrechten Zeit — eine bei weitem 
geringere Tragkraft besassen, als es sonst normal ist. Ueber 
Antrag des Oberstlieutenants Kirpicew wurde beschlossen, das 
Fällen der Bäume einzustellen und von Nowak den in Brezoiu 
lagernden grossen Vorrath an Balken zu erwerben. Diese Balken 
waren zwar sehr dick, aber kurz und mussten infolgedessen 
beim Binden der Flösse gekoppelt werden. In Anbetracht des 
Misserfolges in der Materialerzeugung und infolge des erwähnten 
Fehlers in der Berechnung der Länge der Floss-Brücke ertheilte 
der Ingenieurchef die Weisung, die am Oltu vorhandenen Mühlen- 
boote und Barken für die Verwendung als Brückenunterlagen 
(für eine Länge von 200 Sazen [426 ni\) zu erwerben. 

Ungeachtet der aufgetauchten Hindernisse war der grösste 
Theil der vorbereitenden Arbeiten anfangs [Mitte] Juni beendet. 

In der Zeit, als die eben geschilderte Bereitstellung des 
Materiales für die Herstellung und Sicherung des Fluss-U eber- 
ganges vor sich gieng, spielte sich der Kampf um die Beherrschung 
der Donau ab, dessen Beschreibung im nächsten Capitel folgt. 



IV. CAPITEL. 
Kampf um die Beherrschung der Donau. 

Errichtung von Ufer-Batterien und Minensperren an der Unteren Donau. — Sprengung 
der Panzercorvette „Lütfi-Dzelil" durch eine russische Ufer-Batterie. — Sprengung 
des Monitors ,,Selfi" durch russische Torpedokutter. — Unterbindung der freien Fahrt 
für türkische Schiffe zwischen Reni und Hirsova [Härsova]. — Errichtung von Ufer- 
Batterien und Minensperren an der Mittleren Donau. — Angriff" des Kutters „Sutka" 
auf einen türkischen Kriegsdampfer bei Paraipani (Parapan). — Angriff der Kutter 
„vSutka" und ,,Mina" auf einen türkischen Monitor bei Flämända. — Unterbindung 
der freien Fahrt für türkische Schiffe zwischen Giurgevo und Corabia. 

(Hiezu Karten-Beilage i.) ^) 

Wie im vorigen Capitel dargestellt^ musste die russische Armee^ 
bevor sie mit dem Donau-Ueb ergange begann^ die türkische Kriegs- 
Flotille auf dem Strome entweder vernichten oder paralysieren. 

AlleS; was sich auf diese wichtige Unternehmung bezogt 
wurde strengstens geheim gehalten ; sammtliche Befehle ertheilte 
daher der Armee-Obercommandant persönlich dem Armee-Inge- 
nieurchef GM. Depp, und auch dies immer erst unmittelbar vor 
deren Ausführung. 

An der Unteren Donau sollte gleich nach dem Eintreffen 
des Schwarzmeer-Marine-Detachements, des 7. Sappeur-Bataillons 
und der Belagerungs-Artillerie^ an die Herstellung der nöthigen 
Minensperren auf der Strecke Reni-Bräila, ferner an den Bau von 
Batterien für Belagerungs- Artillerie-Material ^) geschritten werden, 
welche sowohl zum Schutze dieser Sperren, als auch zur Sicherung 
der wichtigsten Punkte am Ufer bestimmt waren. 



^) Beigeschlossen dem I. Bande; siehe auch Karten-Beilagen 9, 15, 17, 18. 
— D. Ueb. 

-) Diese Batterien sind, dem russischen Texte entsprechend, im folgenden auch 
kurz als „Belagerungs-Batterien" bezeichnet. — D. Ueb. 

5* 



68 

Schon am Tage nach der Krieg-serklärung war GM. Depp 
von Kiszyniew nach Galaz gefahren^ und hatte sofort nach seinem 
Emtreffen, am 14. [26.] April, mit den ihm zugetheilten Ingenieur- 
officieren die Pmikte für die nöthigen Ufer-Batterien ermittelt. 
Hiebei war ein besonderer Wert auf die Vertheidigung der Seret- 
Mündung behufs Deckung der dortselbst herzustellenden Minen- 
sperre, sowie auf den Schutz der Prut-Mündung g-elegt worden, 
da sich in der Nähe derselben die Brücke befand und ausserdem 
dortselbst das Schiffs- und Minen -Material des Schwarzmeer- 
Marine-D etachements gesammelt werden sollte. 

Im g-anzen sollten hier 9 Batterien errichtet werden, und 
zwar bei Reni 4 (für zusammen 6 Kanonen und 2 Mörser), bei 
Bärbosi i (für 4 Kanonen) und bei Bräila 4 (für zusammen 
8 Kanonen und 6 Mörser). Die Plätze für die Batterien waren 
derart gewählt, dass jene von Bärbosi die Seret-Mündung sowie 
die Donau, und jene von Bräila den Hauptstrom der Donau, sowie 
den Mäciner Arm bestreichen konnten. Der Bau der Batterien 
war bei Reni dem Ingenieur-Oberstlieutenant Pljucinski, bei 
Bärbosi dem Ingenieur-Hauptmann Sukin und bei Bräila dem 
Commandanten des 7. Sappeur - Bataillons, Oberstlieutenant 
Werescagin, übertragen. 

Bis zum Eintreffen der Belagerungs-Artillerie beschloss man, 
in die für dieselbe erbauten Batterien provisorisch Feld-Geschütze 
einzustellen ; auf diese Wefise wurden armiert : die Batterie bei 
Bärbosi (seit 14. [26.] April) mit der 8. Don-Batterie und (seit 
16. [28.] April) mit der 2. Batterie der 11. Artillerie-Brigade; 
jene bei Bräila (seit 17. [29.] April) mit der 5. Batterie der letzt- 
genannten Brigade, und jene bei Reni (seit 15. [27.] April) mit 
der I. und 3. Batterie der 11. iVrtillerie-Brigade. 

Bevor nun mit der Herstellung der Minensperren beg'onnen 
werden konnte, musste auf der Donau der freie Verkehr sämmt- 
licher Handelsschiffe eingestellt werden. Mit Bezug hierauf hatte 
der Commandant des ,, Untere Donau-Corps" schon früher vom 
Armee-Obercommandanten folgenden Befehl erhalten : 

„Am 15. [27.] April, 6 Uhr abends, haben Sie kundzumachen, 
dass innerhalb 24 Stunden auf der Donau jeder Verkehr einzu- 
stellen ist. Alle fremden Schiffe müssen bis dahin Galaz und 
Bräila verlassen haben ; im Falle des Zuwiderhandelns ist über 
dieselben das ,Embargo' ^) zu verhängen." 



^) Verbot freier Ausfahrt für Handelsschiffe. — D. Ueb. 



69 

Dieser Befehl wurde durchgeführt, und mit i6. [28.] April 
hörte thatsächlich auf dem Unterlaufe der Donau jeder Handels- 
verkehr vollständig auf. Im ganzen wurden dortselbst 335 Schiffe 
angehalten ; hievon waren 1 5 türkischer Provenienz : sie wurden 
mit der gesammten Ladung „arretiert''; die übrigen 320 Schiffe, 
welche verschiedenen Nationen angehörten, wurden angewiesen, 
am linken Ufer zu bleiben und durften hier ihre Waren löschen. 

Während dieser ganzen Zeit verhielt sich die türkische 
Flotille vollkommen unthätig; ihre Monitore zeigten sich (gleich- 
zeitig höchstens zu zweien) nur in der Ferne. Truppen waren 
am rechten Ufer nicht zu sehen, und Fürst Sachowskoj hatte 
auch sonst keine bestimmten Nachrichten über die Stärke der 
Türken am jenseitigen Ufer; nur gerüchtweise verlautete, dass 
an der Unteren Donau überhaupt sehr wenig feindliche Truppen 
vorhanden seien, und dass bloss in Mäcin ein etwas grösseres, 
aber auch nur höchstens 1000 Mann starkes Detachement stehe. 

Mit der Herstellung der Minensperren sollte sofort nach 
erfolgter Kriegserklärung begonnen werden. Aber schon einige 
Tage vor dem Uebergange der russischen Truppen über die 
Grenze wurde nach Bärbosi ein kleines Commando verkleideter 
Mineure gesandt, welches die Seret-Mündung mit Minen verlegen 
und auf solche Weise die Brücke von Bärbosi sichern sollte. 
Dieses Commando traf am 10. [22.] April in Bärbosi ein und 
begann am 13. [25.] mit den Arbeiten. Infolge der reissenden 
Strömung jedoch, und da ausser Fischerbooten keine anderen 
Fahrzeuge zur Verfügung standen, gelang der Versuch, die 
Minen zu legen, nicht. 

Mit dem Eintreffen des Schwarzmeer-Marine-D etachements 
gieng die Arbeit erfolgreicher vonstatten, wenn auch gleichfalls 
nicht in einem Zuge. Das bezeichnete Detachement theilte sich in 
zwei Gruppen, von denen die eine unter Commando des Capitän- 
lieutenants B ekles ow bei Reni, die andere unter Lieutenant 
Dubasow bei Bärbosi die Minen zu legen hatte ^). 



^) Das Schwarzmeer-Mariue-Detachement bestand zu Beginn der Kriegs-Opera- 
tionen aus: I Stabs- und 8 Oberofficieren, sowie 195 Mann der Schwarzmeer-Equipagen, 
6 Oberofficieren und 38 Mann der Garde- und der Baltischen Flotten-Equipagen, 
ferner aus 2 Oberofficieren und 51 Mann der galvano-technischen Compagnie ; im ganzen 
aus: I Stabs-, sowie 16 Oberofficieren und 284 Mann. 

Der Gruppe des Capitänlieutenants Beklesow waren 2 Dampf kutter und 
8 Ruderboote zugewiesen; auch die angekauften Dampfer ,,Wzryw" und ,,Zagrazdenije" 
kamen später hinzu. Zur Gruppe des Lieutenants Dubasow gehörten 2 Dampfkutter. 



70 

Nach den Weisung'en des GM. Depp wurden am 17. und 
18. [29. und 30.] April die Minen bei Reni, nahe der Prut-Mündung, 
ohne besondere Schwierigkeiten gelegt. Die gleiche Arbeit bei 
Bärbosi begann am 18. [30.] April; am folgenden Tage, i Uhr 
nachmittags, war die erste Reihe, und am 21. April [3. Mai] auch 
die zweite Reihe fertig". Die Minen befanden sich in einer solchen 
Entfernung- von der Eisenbahn-Brücke, dass dieselbe gegen ein 
Bombardement seitens türkischer Schiffe vollkommen gesichert war. 

Durch die thatsächliche Herstellung- der Minensperren bei 
Reni und Bärbosi war für die weiter oberhalb auf der Donau 
befindliche türkische Flotille die Verbindung mit dem Schwarzen 
jMeere unterbunden ; sie konnte letzteres nunmehr weder erreichen, 
noch von dort Verstärkungen erhalten. Die Unterlassung* jeder 
Gegenaction von ihrer Seite erklären die Türken damit, dass die 
Hauptkraft ihrer Flotille sich damals unterhalb der Minensperren, 
zwischen Reni und Tulcea (Tulca), befand ^). 

Wie dem auch sei, bei Bräila wurden erst acht Tage nach 
der Kriegserklärung zum erstenmale Schüsse zwischen den 
Russen und Türken gewechselt. 

Die Einzelheiten dieses Gefechtes waren folgende : am 
21. April [3. Mai], ungefähr 6 Uhr früh, fuhren 2 türkische 
Monitore aus dem Mäciner Arme heraus und blieben Bräila g*egen- 
über stehen, wobei das eine mitten im Fahrwasser, das andere 
näher am rechten Ufer, bei dem von türkischer Infanterie besetzten 
Dorfe Gecet, haltmachte. Der Commandant der Truppen in Bräila, 
GM. Salow, Hess unter Bedeckung einer Compagnie 4 Feld- 
Geschütze am Ufer auffahren^), und um 10V4 Uhr vormittags, 
als die türkischen Schiffe augenscheinlich nä.h.er heranfahren 
wollten, gegen sie das Feuer eröffnen. Die Monitore erwiderten 
dasselbe, und sofort gesellte sich zu ihrem Feuer auch jenes der 
Infanterie in Gecet, deren Geschosse bis zur russischen Batterie 
flogen ; um den türkischen Schützen das Gleichgewicht zu halten, 
sah man sich genöthigt, einen Halbzug des Regiments Selenga 
Nr. 41 und Kasaken des in der Nähe stehenden Don-Regi- 
ments Nr. 29 längs des Ufers in Schwarmlinie aufzulösen. 
Das Dorf Gecet wurde daraufhin bald von den Türken geräumt. 



^) .Sammlung ,,Ziibdet ul Hakaik". In derselben wird behauptet, dass sich die 
Türken schon damals über die völlige Unbrauchbarkeit ihrer Fluss-Flotille auf der 
Donau im klaren waren. 

'^) 4 Geschütze der 5. Batterie der ii. Artillerie-Brigade unter Bedeckung der 
3. Schützen-Compagnie des Regiments Selenga Nr. 41. 



71 

wogegen der Kampf zwischen den russischen Feld-Geschützen und 
den Monitoren bis gegen Mittag dauerte ; hiebei wurde dem 
näherstehenden Kriegsschiffe das Steuerruder zerschossen und 
wahrscheinlich auch eine der Bordwände beschädigt. Den 
russischen Truppen aber fügten die Türken keinen Schaden zu ; 
die meisten ihrer Granaten fand man unexplodiert auf. Nur 
zwei Schüsse fielen zufällig in die Stadt und richteten hier unter 
den Einwohnern vorübergehend eine Panik an. Am Abende des- 
selben Tages gaben die türkischen Monitore noch einige wirkungs- 
lose Schüsse ab^ welche übrigens seitens der russischen Artillerie 
g-ar nicht erwidert wurden. 

Am folgenden Tage näherte sich ein aus dem Mündungs- 
gebiete kommender Monitor der Stadt Reni, blieb 800 Sazen 
[1700 w] von der russischen, an der Ortslisiere etablierten Batterie 
stehen und eröffnete gegen sie das Feuer. Die in der Batterie 
aufgefahrenen 4 Feld-Geschütze erwiderten dasselbe mit ziemlich 
gutem Erfolge ^)^ wogegen die türkischen Geschosse zumeist über- 
haupt nicht explodierten. An dieser Action nahmen auch die 
Schützen der 8. Compagnie des Infanterie-Regiments Kamcatka 
Nr. 44 theil, indem sie nach den Leuten auf dem Decke des 
türkischen Dampfers schössen. Nachdem der Monitor ohne jeden 
Erfolg die Batterie unter Feuer genommen hatte, begann er, die 
Stadt zu bombardieren ; er bewarf dieselbe mit circa 50 Granaten, 
die aber gleichfalls zum grössten Theile nicht explodierten. Um 
4 Uhr nachmittags stellte er das Feuer ein und fuhr Donau- 
abwärts zurück. Auf russischer Seite waren keine Verluste zu ver- 
zeichnen ; in der Stadt wurden i Bürger verwundet und 4 Häuser 
beschädigt. 

In der Nacht zum 23. April [5. Mai] versuchten es 2 türkische 
Boote, zu den Minensperren bei Reni zu gelangen, wurden aber 
durch Artilleriefeuer vertrieben. 

Inzwischen hatte Fürst Sachowskoj dem Hauptquartier 
über die Einstellung des Schiffs verkehr es auf der Donau berichtet 
und sich hiebei die Erlaubnis erbeten, auf dem türkischen Ufer 
Recognoscierungen vornehmen zu dürfen. Er erhielt darauf die 
telegraphische Antwort, dass in der Nacht vom 23. zum 24. April 
[5. zum 6. Mai] der Armee-Obercommandant selbst in Bräila ein- 
treffen w^erde, und dass bis dahin keinerlei Unternehmungen aui 



^) Die 3. Batterie der ii. Artillerie-Brigade. Von den auf den Monitor ab- 
gegebenen Schüssen trafen denselben unbedingt 4. 



^2 

dem jenseitigen Ufer durchzuführen seien. Gleichzeitig erhielt 
GM. Depp den Befehl^ sobald als mög-lich eine Brücke über den 
Seret auf dem Wege von Galaz nach Bräila herzustellen. 

Der Armee-Obercommandant reiste am 23. April [5. Mai] 
von Kiszyniew ab; besichtigte unterwegs die Arbeiten an den 
Batterien bei Reni und Galaz und traf am 24. April [6. Mai]; 
2V2 Uhr nachmittags, in Bräila ein. Gerade um diese Zeit er- 
öffneten türkische Monitore, die aus dem Mäciner Arme gekommen 
waren, das Feuer auf die russischen Batterien. Um das letztere 
zu erwidern, wurden 2 neunpfündige Geschütze unter Bedeckung 
von 2 Compagnien in Position gebracht ^). Die türkischen 
Panzerschiffe feuerten durch 2 Stunden (von 2V2 bis 4V2 Uhr) 
und entfernten sich dann, ohne irgend welchen Schaden an- 
gerichtet zu haben. Während dieser ganzen Zeit inspicierte der 
Armee-Obercommandant eine Abtheiliing nach der anderen und 
besichtigte auch die Batterien, an denen ruhig weitergearbeitet 
wurde. Sodann kehrte er nach Kiszyniew zurück. 

Am 25. April [7. Mai] beschossen im Mündungsgebiete der 
Donau ein türkischer Monitor und eine feindliche Ufer-Batterie 
das von russischen Truppen besetzte Ferrapontow-Kloster [bei 
Satunow] ^). Das Bombardement dauerte von 4 Uhr nachmittags 
bis 7V2 Uhr abends; die Verluste der Vertheidiger betrugen nur 
I Todten und 2 Verwundete ; dagegen litt das Kloster sehr. 

In diesem Gefechte standen sich zum letztenmale russische 
Feld-Kanonen und grosscalibrige Geschütze der türkischen 
Flotille gegenüber; denn vom 26. April [8. Mai] an begann 
bereits die in den Verband des „Untere Donau-Corps" eingetheilte 
Belagerungs-Artillerie zu wirken. 

Sie bestand aus 22 Geschützen, von denen 4 Kanonen bei 
Bärbosi, 2 Kanonen und 2 Mörser bei Reni und 10 Kanonen, 
sowie 4 Mörser bei Bräila aufgestellt wurden. 

Die Armierung der Batterien von Bärbosi war am 26. April 
[8. Mai] und jener von Reni bereits am Abende des 25. April 
[7. Mai] beendet. 



^) 2 Geschütze der I. Batterie der 32, Artillerie-Brigade unter Bedeckung der 
3. Schützen-Compagnie des Regiments Selenga Nr. 41 und der i. Schützen-Compagnie 
des Regiments Jakutsk Kr. 42. 

2j In Satunow und im Ferrapontow-Kloster befanden sich das 2. Bataillon des 
Regiments Kasira Nr. 144, die 4. Escadron .des Uhlanen-Regiments Olwiopol Nr. 7 
und die 13. reitende Batterie — alle unter den Befehlen des Batterie-Commandanten 
Oberstlieutenant Bjelewtzow. 



73 

Was die 4 Batterien von Bräila betrifft; so begannen die 
Armierungs- Arbeiten bei den nördlich der Stadt gelegenen Bat- 
terien Nr. 3 und 4, von denen die eine den Mäciner Arm^ die 
andere das Dorf Gecet zu beschiessen hatte ; die Arrriierung dieser 
Batterien war am 26. April [8. Mai] fertig ^); und noch am Abende 
desselben Tages feuerten die schweren Geschütze^ um sich ein- 
zuschiessen^ auf 3 türkische Monitore^, welche in einer Ent- 
fernung von circa 1700 Sazen [3600 ?;2] an der Mündung des 
Mäciner Armes standen. Nach Abgabe einiger Schüsse gegen 
die Panzerschiffe warfen die russischen Geschütze 4 Granaten 
in das Dorf Gecet^ um die dortselbst wieder erschienene türkische 
Infanterie zu verjagen. Gleichzeitig sollten Freiwillige vom In- 
fanterie-Regimente Selenga Nr. 41 auf einigen Booten nach Gecet 
überschifft werden^ um dieses Dorf zu besetzen ; kaum waren 
aber die Boote abgestossen, als von Gecet her ein starkes 
Gewehrfeuer eröffnet wurde ; die Ruder-Mannschaft — Bulgaren — 
sprang darauf sofort ins Wasser und lief davon ; man musste 
daher einstweilen die Wegnahme des Dorfes aufschieben. 

Nachdem seit 26. April [8. Mai] alle Belagerungs-Batterien 
an der Unteren Donau (mit Ausnahme der Batterien Nr. i und 2 
von Bräila) vollkommen fertig und schussbereit waren^ benützte 
man diesen Umstand zur unverzüglichen Herstellung der Minen- 
sperre im Hauptstrome der Donau unterhalb Bräila. Diese 
Arbeiten begannen am 27. April [9. Mai]; 8 Uhr früh; und schon 
um 12 Uhr mittags war die erste Minenreihe ohne irgend 
welche Behinderung seitens der Türken gelegt ^). Vor Beginn der 
x'Vrbeit hatte sich allerdings ein türkischer Monitor gezeigt; war 



^) Die Armierung der im südöstlichen Theile der Stadt Bräila gelegenen 
Batterien Nr. i und 2 wurde erst am 4. [16.] Mai beendet. 

Alle Batteriebauten an der Unteren Donau wurden unter Leitung der oben 
bezeichneten Ingenieur- Officiere durch Sappeure des 7. Sappeur-Bataillons und durch 
Mannschaft der II. Infanterie-Division hergestellt. Die Geschützstände wurden gleich- 
falls von diesen Officieren construiert, und zwar nach Skizzen, welche beim Commando 
der Belagerungs-Artillerie entworfen worden waren, und welche den Geschützen einen 
Bestreichungswinkel von lOO Grad sicherten. Auch die Armierung der Batterien erfolgte 
unter Inanspruchnahme von Abthejlungen der ii. Infanterie-Division. 

Die ganze Belagerungs-Artillerie-Gruppe war mit Munition für 250 Schuss per 
Geschütz versehen ; hievon befand sich die Ausgabemunition (5 Schuss per Geschütz) 
in den Batterie-Nischen; der Rest wurde bis zum 6. [18.] Mai unter Piachen, sodann 
in einigen unterdessen erbauten Munitionsdepots aufbewahrt. 

^) Diese Arbeit leitete der Lieutenant Dubasow, welcher nach Fertigstellung 
der Minensperre bei Barbosi in Bräila eingetroffen war. 



74 

aber nach einigen Scliüssen der russischen Batterien wieder ver- 
schwunden. Von Gecet her schössen die Türken nicht^ obgleich 
die russischen Schaluppen g*anz dicht am rechten Ufer vorbei- 
fuhren. 

Zur Legung' der zweiten Minenreihe bei Bräila sollte am 
29. April [i I. Mai] geschritten werden. Die hiezu nöthigen Minen 
liess GL. Fürst Sachowskoj von der Prut-Mündung auf einer 
vom Dampfer ^^Wzryw" geschleppten Barke nach Bräila schaffen. 

Am Morgen des 2g. April [11. Mai] jedoch erschien vom 
jNIäciner Arme her vor Bräila ein kleiner türkischer Monitor, zu 
dem sich um 2V2 Uhr nachmittags 3 weitere Schiffe gesellten. 
Unter denselben ragte besonders eine Panzer-Corvette hervor, die 
sich alsbald im Hauptstrome vor Anker legte. 

GM. Salow, welcher vermuthete, dass die Corvette Vor- 
bereitung'en zu einem Kampfe mit den russischen Batterien treffe, 
liess g-egen sie das Feuer eröffnen. Den ersten Schuss (um 2 Uhr 
50 Minuten nachmittags) gab die Batterie Nr. 4 ab, wobei sie die 
Distanz mit 2000 Sazen [4270?//?] annahm, den zweiten die Batterie 
Nr. 3 mit einer Aufsatzstellung von 1700 Sazen [36507/2]. Die 
Granaten fielen in der Nähe der Corvette ins Wasser, aber diese 
erwiderte das Feuer nicht. 

Genau um 3 Uhr 15 Minuten wurden gleichzeitig zwei 
Schüsse, und zwar beide von der Batterie Nr. 4 abgefeuert : der 
eine mit einer vierundzwanzigpfündigen Kanone, der andere mit 
einem sechszöUigen Mörser. Beide Schüsse trafen die Corvette, 
welche augenblicklich in die Luft flog; wahrscheinlich war eine 
der Granaten in die Munitionskammer gefallen. Als der Rauch 
sich verzog-, war die Corvette bereits unter dem Wasser ver- 
schwunden ; nur die Mastspitzen sammt der Flagge waren noch 
zu sehen ^). 

Zu dem zerstörten Schiffe fuhren sofort 3 Torpedo kutter 
unter Commando der Lieutenante Dubasow und Sestakow, 
sowie des Schiffsfähnrichs [Midshipman] Per sin. Von der ganzen 
Schiffs-Bemannung der Corvette rettete sich ein einziger ver- 
wundeter Matrose, welcher ans Ufer geworfen und von den 
russischen Kuttern gefangen genommen wurde ; letztere nahmen 



1) Aus der Meldung des Commandanten des ., Untere Donau-Corps" an den 
Armee-Obercommandanten vom l. [13.] Mai geht hervor, dass die Batterie von 
Lieutenant Samojlo commandiert wurde; Geschützvormeister Avaren. : beim Mörser 
der Soldat Roman Dawidjuk, bei der Kanone der Soldat Iwan Pompor. 



75 

die Flagge von der Mastspitze herunter und kehrten^ ohne von 
den übrig-en feindlichen Schiffen durch einen einzigen Schuss 
belästigt worden zu sein^ nach Bräila zurück. Augenscheinlich 
hatten die Türken die Fassung verloren und vermochten sich 
nicht zu erholen. Die gesprengte Corvette hiess ^,Lütfi-Dzelil"; 
war 222 Fuss [67*71?/?] lang und 44 Fuss [13-42 ;/2] breit; sie 
besass eine Maschine mit 200 Pferdekräften und fuhr 12 Knoten; 
die Armierung bestand aus 5 Geschützen^ und zwar 2 neun- 
zölligen^ 2 Neunzigpfündern und i Vierzigpfünder ; die Bemannung 
betrug 219 Köpfe. 

Die Nachricht von diesem Erfolge traf noch an demselben 
Tage abends in Kiszyniew ein, und der Armee-Obercommandant 
sandte hierauf dem Fürsten S ach owskoj sofort folgendes Antwort- 
Telegramm : ;;Von ganzer Seele beglückwünsche ich Dich und 
die Truppen zu diesem herrlichen Schiesserfolge unserer Artillerie. 
Lass dem Geschützvormeister^ welcher durch seinen Treffer den 
Llonitor spreng-te^ mittheilen^ dass ich ihm_ das Kreuz des 
Kriegs - Ordens verleihe. Sende mir seinen Vor- und Zunamen 
und den Namen des OfficierS; welcher die Geschütze befehligte. Der 
Artillerie sprich meinen aufrichtigen Dank aus." 

Am 30. April [12. Mai] traf der Dampfer ^^Wzryw" mit den 
Minen in Bräila ein^ worauf am folgenden Tage der Versuch 
gemacht wurde^ die zweite Minenreihe beim Dorfe Gecet zu 
legen ; aber infolge verschiedener ungünstiger Umstände (Strom- 
geschwindigkeit circa 6 Fuss [1-867/2] in der Secunde ; Tiefe des 
Wassers 20 Sazen [42-77/2]; zu grosse Leichtigkeit der- Ankerj 
gelang er nicht. 

Um Bräila gegen ein Bombardement durch türkische Schiffe 
zu schützen^ welche im Mäciner Arme Zuflucht fanden^ sah man 
sich veranlasst, nunmehr auch die Mündung desselben zu sperren. 

Die Durchführung der hiezu erforderlichen Arbeiten über- 
trug der Armee-Obercommandant dem GM. Boreskow, welcher 
am 2. [14.] Mai in Bräila eintraf und nach sofort vorgenommener 
Recognoscierung- beschloss, mit der Absperrung der Mündung 
des Mäciner Armes schon am folgenden Tage zu beginnen. 

Am 3. [15.] Mai, 6V2 Uhr früh, wurde zur Deckung der 
Arbeiten, unter Commando des Adjutanten des Armee -Ober- 
commandanten, Oberst Strukow, die 3. Schützen-Compagnie des 
Infanterie-Reg-iments Selenga Nr. 41 auf Ruderschiffen nach Gecet 
überschifft, und gleich darauf fuliren auch 3 Dampf kutter und 



76 

Ruderboote mit den Minen hinüber. Gegen 9V2 Uhr war die 
erste Reihe der Minen geleg% und die Flotille kehrte mit der 
Absicht nach Bräila zurück, die Arbeit im Mäciner Arme um 
3 Uhr nachmittags wieder aufzunehmen. 

Inzwischen hatten die türkischen Schiffe (2 Monitore und 
I Krieg'sdampfer), welche seit frühem Morgen die Arbeiten 
aus der Ferne beobachteten, ihre Aufstellung gewechselt und 
befanden sich nunmehr — durch das Ufer gegen die Batterien 
von Bräila gedeckt — auf circa 1200 bis 1400 Sazen [2550 bis 
3000 w] von der Stelle, wo die Minen gelegt wurden. Sobald 
nun die russische Flotille wieder in den Mäciner Arm einfuhr, 
eröffneten die Panzerschiffe das Feuer, und ihre Geschosse fielen 
so nahe den Kuttern nieder, dass Lieutenant Dubasow den 
Befehl erhielt, die eben erst begonnenen Arbeiten (Legung 
der zweiten Minenreihe) einzustellen und zum linken Ufer 
zurückzukehren. Mit Eintritt der Dunkelheit (etwa 8 Uhr abends) 
versuchte Lieutenant Dubasow neuerdings, die Mine zu legen; 
aber die Türken eröffneten gegen seine Schaluppen ein heftiges 
Gewehrfeuer und zwangen ihn auch diesmal zur Rückkehr. 

Noch in derselben Nacht erhielt der Commandant der 
Truppen in Bräila den Befehl, die Sperre im Mäciner Arme 
möglichst bald vervollständigen zu lassen. Lieutenant Dubasow 
fuhr daher um 3 Uhr früh mit den Dampfkuttern und mit einigen 
minenbeladenen Ruderbooten in den Arm hinüber. Die türkischen 
Schiffe standen wohl noch an der früheren Stelle, aber ein um 
6 Uhr früh aufsteigender dichter Nebel verhinderte sie am 
Schiessen. Dies ausnützend, begann Lieutenant Dubasow sofort 
mit der Legung der zweiten Minenreihe. Als sich der Nebel verzog, 
eröffneten zwar die türkischen Schiffe das Feuer auf die Flotille, 
aber es gelang trotzdem den Russen, bis 7 Uhr früh mit der 
zweiten Minenreihe im Mäciner Arme fertig zu werden. In dem 
letzteren wurde am 5. [17.] Mai unter heftigem Feuer der Türken 
noch eine (dritte) Minenreihe gelegt. 

Im Verlaufe der beiden folgenden Tage, am 6. und 7. 
[18. und 19.] Mai wurde auch im Hauptarme der Donau, ober- 
halb Bräila, eine aus drei Reihen bestehende Minensperre her- 
gestellt. 

Vom 7. [19.] Mai angefangen war auf diese Weise die 
Donau-Strecke zwischen Bräila und Reni gegen Unternehmungen 
der türkischen Flotille gesichert; es konnte daher auf derselben 
eine regelmässige Dampfer- Verbindung eingerichtet werden. 



77 

Nunmehr schritt man auch zur Absperrung- des Mäciner 
Armes von Süden; um die auf demselben befindlichen feind- 
lichen Schiffe vollkommen einzuschliessen und abzuschneiden. 

Schon am 4. [16.] Mai hatte der Commandant des .^Untere 
Donau-Corps" vom iVrmee-Obercommandanten den Befehl erhalten^ 
dem Dorfe Gura Jalomitei gegenüber den Mäciner Arm durch Minen 
zu sperren und zu diesem Zwecke dorthin dienöthigenDampfkutter 
und Minenschiffe, sowie zur Deckung der Arbeiten ein Infanterie- 
Regiment sammt einer neunpfündigen Batterie und Kasaken- 
Abtheilungen zu entsenden. Diese Truppen hatten am 8. [20.] Mai 
in Gura Jalomitei einzutreffen. Zur Verstärkung der Flotille hatte 
man beschlossen, zwei kleine, unter Commando des Majors 
Murgesco [Murgescu] stehende rumänische Dampfschiffe^), welche 
sich an der Prut-Mündung- befanden, mitzunehmen. 

Am nächsten Tage, dem 5. [17.] Mai, hatte GL. Fürst 
Sachowskoj den Capitän I. Ranges Rogulja ang-ewiesen, die 
nöthigen Vorbereitungen bezüglich der Flotille zu treffen, und 
zur Sicherung der Minenlege- Arbeiten waren unter dem Ober- 
befehle des Obersten Rick das Infanterie-Regiment Selenga 
Nr. 41, 5 Sotnien des 40. Don-Kasaken-Regimentes und die 
2. Batterie der 11. Artillerie - Brigade bestimmt worden. Das 
Detachement sollte am 6. [18.] Mai von Bräila abrücken und bis 
spätestens 7 Uhr abends des 8. [20.] gleichzeitig mit der Flotille 
in Gura Jalomitei eintreffen. Um letztere nicht aus den Augen 
zu verlieren, war unter Commando eines Officiers eine besondere 
Abtheilung auszuscheiden, welche unmittelbar entlang des Donau- 
Ufers zu marschieren hatte. 

Da aber Capitän Rogulj a voraussichtlich vor dem 9. [21.] Mai 
abends nicht fertig* werden konnte, verzögerte sich der 
allgemeine Aufbruch um einige Tage, und das Detachement 
Oberst Rick marschierte erst am Morgen des 7. [19.] Mai von 
Bräila ab. Es nächtigte an diesem Tage in Viziru und traf am 
8. [20.] in Bertesci ein, wo es mit der 11. Cavallerie-Division die 
Verbindung herstellte. Am 9. [21.] Mai, nach dem Eintreffen des 
Detachements in Pirlita, wurde der bei demselben eingetheilte 
Generalstabs-Oberstlieutenant Graf Keller zur Recognoscierung 
der Wege nach Gura Jalomitei vorausgesandt ; diese Recogno- 
scierung ergab, dass der von Pirlita nach dem bezeichneten 
Dorfe führende directe Weg für Artillerie und Trains unbefahrbar 



^) Nach zuvor eingeholter Zustimmung der rumänischen Regierung. 



78 

sei. Ein anderer Weg über Piua Petrei lag so nahe dem Ufer 
dass er von den auf der Donau beobachtenden türkischen Schiffen 
unter Feuer genommen werden konnte ; von den letzteren standen 
unmittelbar bei Gura Jalomitei i Monitor mit zwei Geschütz- 
Thürmen und i Dampfer, ferner lagen oberhalb Piua Petrei im 
Jalomita-Flusse 5 Kanonenboote, welche gleichfalls, wenn auch 
nur auf weite Distanz, den Weg beschiessen konnten ; endlich 
befanden sich bei Gura Jalomitei mica ^) — gedeckt durch eine 
Landzung'e — noch 2 Dampfer. 

Die Recognoscierung ergab weiters, dass unmittelbar bei 
Gura Jalomitei keine günstigen Artillerie-Positionen vorhanden 
waren, dass aber etwas südlich des Dorfes — allerdings fast 
zu nahe den Standpunkten der türkischen Schiffe — 4 Geschütze 
in Stellung gebracht werden konnten. 

Um seine Truppen keinen nutzlosen Verlusten auszusetzen, 
beschloss Oberst Rick, inPirlita bis zum Einbrüche der Dunkel- 
heit zu verbleiben, und sodann unter Benützung derselben einen 
Theil seines Detachements nach Gura Jalomitei zu entsenden, wo 
am Morgen des 10. [22.] Mai die russische Flotille eintreffen sollte. 

Diese Flotille bestand aus folgenden Fahrzeugen : 

a) dem Dampfer „Weliki Knjazj Nikolaj" (Capitän Rogulja) 
mit einigen Ruderschiffen im Schlepptau ; 

b) den Dampfkuttern „Xenia" (Lieutenant Sestakow), 
„Zarewna" (Schiffsfähnrich Bai), „Dzigit" (Schiifsfähnrich Per sin) 
und „Zarewic^^ (Lieutenant Dubasow). 

Bei Tagesanbruch des lO: [22,'] Mai trafen die nach Gura 
Jalomitei gesandten Truppen (i Bataillon des Infanterie- Regi- 
ments Selenga Nr. 41 und 2V2 Sotnien des 40. Don-Kasaken- 
Regiments mit 4 Geschützen der 2. Batterie der 11. Artillerie- 
Brigade) am Bestimmung-sorte ein, aber die russische Flotille war 
noch nicht zu sehen. Die Selengaer begannen sofort mit dem 
Bau einer Batterie am Südausgange des Dorfes, und schon in 
einer Stunde war die Arbeit soweit gediehen, dass alle 4 Ge- 
schütze hinter der Deckung auffahren konnten. Da aber die 
türkischen Schiffe an diesem Tage zu weit entfernt standen, wurde 
das Feuer gegen sie nicht eröffnet. 

Die russische Flotille kam bei der Jalomita-Mündung erst 
gegen 5 Uhr nachmittags an. Als nun Capitän Rog'ulja sah. 



') Häusergruppe zwischen Gura Jalomitei und Piua Petrei, auf der Generalkarte 
nicht bezeichnet. — D. Ueb. 



79 

dass die türkischen Schiffe gerade an der Stelle lagen^ wo die 
Minensperre hergestellt werden sollte^ das ist bei der Insel Gäsca 
(Gisca mare) und gegenüber der Abzweigung des Mäciner Armes^ 
konnte er sich nicht zur Durchführung der Arbeiten entschliessen 
und kehrte — unter Zurücklassung zweier Dampf kutter mit den 
Lieutenanten Dubasow und Sestakow — selbst mit den übrigen 
Schiffen bei Anbruch der Dunkelheit nach Bräila zurück. 

Mit Bewilligung ihres Commandanten fuhren die beiden 
genannten Officiere in der Nacht vom lo. zum ii. [22. zum 
23.] Mai zur Insel Gäsca vor, um die bei derselben stehenden 
türkischen Schiffe anzugreifen; letztere aber hatten wie gewöhnlich 
den bei Tage eingenommenen Standpunkt bereits verlassen, um 
sich für die Nacht unter den Schutz der Batterien von Hirsova 
zu begeben ^). 

Beim Detachement Oberst Rick wurde am 11. [23.] Mai 
früh der Bau der Batterie Nr. i zu 4 Geschützen (am Süd- 
Ausgange von Gura Jalomitei) fortgesetzt und jener einer andern 
Batterie, Nr. 2, gleichfalls zu 4 Geschützen (am Nord-Ausgange),, 
begonnen. Die türkischen Schiffe näherten sich zeitweilig den 
Stellungen der russischen Truppen und eröffneten dabei ein für 
die letzteren völlig unschädliches Feuer, worauf vsie sich immer 
wieder entfernten. Um i Uhr nachmittags war die Batterie Nr. 2 
fertig und mit Feld-Geschützen armiert ; Oberst Rick zog hierauf 
noch an demselben Tage ein zweites Bataillon des Infanterie- 
Regiments Selenga Nr. 41 aus Pirlita nach Gura Jalomitei heran.. 

Am 12. [24.] Mai bei Tagesanbruch waren Bau und Armierung* 
einer weiteren Batterie, Nr. 3 (zu 2 Geschützen), an der Lisiere 
von Gura Jalomitei mica fertig. Dreimal im Laufe dieses Tages 
fuhr ein türkischer Monitor von Hirsova heran und versuchte,, 
die Batterie zu beschiessen, was aber ganz ohne Erfolg blieb. 
Als indessen durch den Schuss eines russischen Geschützes der 
Rauchfang des Panzerbootes fortgeschossen wurde, zog sich 
dasselbe, mit vollem Dampf Donau-aufwärts fahrend, zurück. 



^) Ausserdem führten Dubasow und vSestakow, welche keine Minen bei sich 
hatten, am Morgen des 12. [24.] Mai, als sie bemerkten, dass 3 türkische Schiffe sich 
von Hirsova näherten, sowohl auf der Donau wie auch im Mäciner Arme eine „Demon- 
stration im Minenlegen" aus. Sie Hessen hiezu an der einen Bordwand ihrer Kutter 
mit Sand gefüllte Eimer und Fässchen ins "Wasser gleiten und zogen sie an der anderen 
wieder hinauf. Die türkischen Schiffe, welche kaum 600 Sazen [1280 7/1] von ihnen 
entfernt waren, wagten weder diese Arbeiten zu stören, noch der fingierten Minen- 
sperre näher zu kommen. 



8o 

Inzwischen waren die Dampf kutter der Lieutenante D üb asow 
und Sestakow nach Vornahme der nöthigen Recognoscierungen 
nach Brtiila zurückgekehrt, worauf Oberst Rick läng"s des Ufers 
eine Infanterie-AVachpostenhnie auf 25 Booten beziehen liess. 

Am 13. [25.] Mai wurden die in Pirlita noch verbliebenen 
Theile des Detachements Oberst Rick herangezogen, so dass 
dasselbe nunmehr vollständig in Gura Jalomitei concentriert war. 
Dieser Tag- vergieng ruhig ; man beobachtete, dass die Türken 
auf dem jenseitigen Donau-Ufer am Bau zweier Batterien arbeiteten. 

Die darauffolgende Nacht sollte durch eine der verweg-ensten 
Waffenthaten unserer Marine denkwürdig werden. 

Um Mitternacht vom 13. auf den 14. [25. auf den 26.] Mai 
fuhren die Lieutenante Dubasow und Sestakow mit 4 Torpedo- 
kuttern von Bräila in den Mäciner Arm, um den Standort der 
türkischen Schiffe aufzusuchen und dieselben mit Torpedos 
anzugreifen. Das Commando über sämmtliche Schiffe führte 
Lieutenant Dubasow; sein Detachement bestand aus: dem 
Kutter „Zarewic", auf welchem sich ausser Lieutenant Dubasow 
und 14 Matrosen der rumänische Major Murgesco als Volontär 
befand; dem Kutter ,,Xenia", mit dem Lieutenant Sestakow, 
9 Matrosen und Lieutenant Petrow als Volontär; dem Kutter 
„Dzigit", mit Schiffsfähnrich Persin und 8 Matrosen; sowie 
dem Kutter „Zarewna", mit Schiffsfähnrich Bai und 9 Matrosen. 
Um 2 V2 Uhr nachts bemerkte man von den in den Mäciner 
Arm eingefahrenen Kuttern 3 türkische Schiffe : in der Mitte 
des Armes lag der grosse Monitor „Selfi", links von ihm der 
Kriegs-Raddampfer „Kilidzi Ali" und etwas weiter vorne, dicht 
am Ufer, der kleine Monitor „Fetch ul Islam". 

Lieutenant Dubasow beschloss : selbst mit dem Kutter 
„Zarewic" den grossen Monitor „Selfi." zu überfallen ; Lieutenant 
Sestakow sollte das Resultat dieses Angriffes abwarten und 
dann gleichfalls mit dem Kutter „Xenia" zum Angriffe übergehen ; 
die Schiffsfähnriche Persin und Bai mxit den Kuttern ,,Dzigit" 
und „Zarewna", hatten beide zu unterstützen. 

Lieutenant Dubasow nahm Direction gegen das Heck des 
Monitors auf dessen Steuerbordseite und liess Volldampf geben; 
die uncorrecte Beantwortung eines türkischen Losungswortes 
jedoch, welches ihm ein Wachposten des Monitors zurief, 
alarmierte die Bemannung des feindlichen Schiffes, und die 
türkischen Artilleristen stürzten sofort zum Geschütze ; aber 



dieses versagte dreimal ; das unordentliche^ in grösster Aufregung 
vom Deck aus abgegebene Gewehrfeuer vermochte die russischen 
Seeleute nicht mehr aufzuhalten^ und Lieutenant Dubasow, 
welcher inzwischen ganz nahe an den Monitor herangekommen 
war^ trieb ihm den rechten Bug-Torpedo nahe der Schiffsmitte in 
die vSteuerbordseite. Das nach der Explosion emporgeschleuderte 
Wasser füllte den Kutter des Lieutenants Dubasow momentan 
völlig an^ brachte ihn jedoch nicht zum Sinken; Dubasow Hess 
sofort durch den Maschinisten Contredampf geben und befahl der 
gesammten Bemannung^ das Wasser auszuschöpfen. Als er 
indessen bemerkte, dass der türkische Monitor sich zwar stark 
achter senkte, sich aber sonst noch über Wasser hielt, befahl er 
dem Lieutenant Sestakow, mit seinem Kutter den Angriff zu 
wiederholen. 

Dieser neue, unter dem Feuer aller 3 türkischen Schiffe 
vom Kutter „Xenia" durchgeführte Torpedo-Angriff war so 
erfolgreich, dass der feindliche Monitor diesmal endgiltig im 
Wasser versank. 

Die ganze Action spielte sich in kaum einer halben Stunde 
und unter Verhältnissen ab, welche für die Russen äusserst 
gefährlich waren. So verfleug sich unter anderem nach der 
Explosion die Schraube des Kutters „Xenia" im Wracke des 
Monitors und musste unter dem Feuer der anderen Schiffe frei- 
gemacht werden ; ferner war der Kutter „Zarewic" so lange nicht 
manövrierfähig, bis man das Wasser aus demselben heraus- 
gepumpt hatte. 

Das beginnende Morgengrauen und das verstärkte Feuer 
der türkischen Schiffe veranlassten Lieutenant Dubasow, den 
Befehl zur Rückfahrt nach Bräila zu geben, worauf alle 
4 Kutter dorthin abdampften. Die Russen hatten bei der ganzen 
Affair e keine Verluste. 

Am Morgen des 14. [26.] Mai fuhren die russischen Kutter 
neuerdings zum Kampfplatze, um die Flagge des in den Grund 
gebohrten Monitors zu holen ; die türkischen Schiffe waren 
bereits nach Ruscuk abgedampft ^). 



') Ueber die Sprengung des türkischen Monitors wurde eine telegraphische 
Meldung nach Petersburg gesandt. 

Entsprechend dem Antrage desArmee-Obercommandanten erhielten die Lieutenante 
Dubasow und .Sestakow den Georgs-Orden IV. Classe, und alle anderen Officiere 
welche sich an der Expedition betheiligten, entsprechende Auszeichnungen. Der 
gesammten Mannschaft der Kutter ,, Zarewic" und ,,Xenia" wurde das Kreuz des 

Der russisch-türkische Krieg. II, Bd. 6 



82 

Die Sprengung' des türkischen Monitors war von wichtig'en 
Folgen begleitet. Die türkische Flotille, welche sich ohnehin 
durch Unternehmungslust nicht auszeichnete^ wurde durch die 
Kühnheit der russischen Torpedobarkassen derart eing*eschüchtert^ 
dass sie es fast völlig* aufgab^ deren Fahrt nicht nur auf der 
Unteren^ sondern auch auf der Mittleren Donau zu behindern ; 
dieser Umstand aber erleichterte in sehr wesentlicher Weise die 
Durchführung aller auf die Vorbereitung des Donau-Ueberganges 
bezüglichen Anordnungen. 

Der Armee-Obercommandant, welcher einen besonderen 
Wert auf die Herstellung der Minensperre bei Gura Jalomitei 
legte; befahl am 22, Mai [3. Juni] persönlich dem Capitän 
Rogulja, um jeden Preis den oberen Eingang in den Mäciner 
Arm; sowie den Hauptarm der Donau unterhalb Hirsova mit Minen 
zu verlegen. 

Diesem Befehle entsprechend wurde am 25. Mai [6. Juni] 
in Bräila eine aus folgenden 5 Schiffen bestehende Flotille 
ausgerüstet; und zwar dem Dampfer ,;Weliki Knjazj Nikolaj" 
(Lieutenant Dubasow); dem Dampfkutter ,;Zarewic" (Lieutenant 
Sestakow); dem Dampfkutter ^^Xenia" ( Schiff sfähnrich Persin), 
dem Dampf kutter ^^Dzigit" (Schiffsfähnrich Bai) und dem Dampfer 
;,Zagrazdenije" (Lieutenant Turkul)^). 

Diese Flotille fuhr bei Tagesanbruch des 26. Mai [7. Juni] 
Donau-aufwärts von Bräila ab. Als sich die russischen Seeleute um 
9 Uhr früh dem Dorfe Gropeni näherten^ bemerkten sie auf dem 
Donauarme Valciu den Rauch von 2 türkischen Schiffen. Da die- 
selben eventuell der P'lotille den Rückweg nach Bräila abschneiden 
konnten, Hess Capitän Rogulj a bei der Einmündung des genannten 
Armes in die grosse Donau eine Minensperre herstellen ; letztere 
war zu Mittag fertig; worauf die Flotille ihre Fahrt fortsetzte ; 
um 8V4 Uhr abends traf sie bei Gura Jalomitei ein und gieng 
dortselbst unter dem Schutze der Ufer-Batterien vor Anker. 

Mit Tagesanbruch des 27. Mai [8. Juni] fuhren der Dampfer 
„Weliki Knjazj Nikolaj"; sowie die Kutter ;;Zarewic" und ,;Xenia" 



Kriegs-Ordens, lemer wurden je 2 Kreuze auch der Bemannung der Kutter ,,Zarewna" 
und ,,Dzigit" verliehen. 

Die vom Monitor herabgeholte Flagge wurde noch an demselben Abende 
mittels Courier nach Petersburg gesendet. 

^) Der Dampfer „Zagrazdenije" diente als Minendepot und schleppte 4 unter 
dem Commando des Lieutenants Petrow stehende Minenbarkassen. 



83 

zu einer Recognoscierung in der Richtung aufHirsova vor. Die 
bei letzterem Orte stehenden 3 türkischen Monitore und 2 Dampfer 
Hessen sofort dampfklar machen, und als die russischen Schiffe 
sich dem Südende der Insel Gäsca näherten^ kam ihnen einer der 
Monitore entgegen. Die russischen Schiffe fuhren mit ganzer 
Kraft auf denselben zu und der Dampfer ^^Weliki Knjazj Nikolaj" 
beschoss ihn aus einem neunpfündigen Geschütze^ das er an Bord 
hatte. Angesichts dieses kühnen Angriffes wendete der Monitor 
sofort um und fuhr zurück. Die russischen Schiffe verfolgten ihn, 
geriethen aber bald in den Feuerbereich einer auf den Höhen 
unterhalb Hirsova errichteten Batterie. Ohne von einem der 
türkischen Schüsse getroffen worden zu sein, kehrten sie um 
9 Uhr früh, nachdem sie den Wirkungsbereich der Hirsovaer 
Batterien bestimmt und sich davon überzeugt hatten, dass die 
türkischen Schiffe alle oberhalb Hirsova standen, nach Gura 
Jalomitei zurück. 

Hierauf nahm bis gegen 2 Uhr nachmittags Capitän Rogulja 
mit dem rumänischen Major Murgesco auf einer Ruderschaluppe 
die Recognoscierung der Mündungen der Jalomita und des Borcea- 
Armes vor. 

Noch an demselben Tage fuhr die ganze russische Flotille 
aus, um die Minensperren im Hauptstrome der Donau gegenüber 
der Mitte der Insel Gäsca herzustellen. Die Türken verhielten 
sich hiebei ganz passiv; ihre Schiffe zeigten sich nicht, und die 
Ufer-Batterien blieben stumm. Die Legungsarbeiten konnten daher 
mit vollem Erfolge bis zu Ende durchgeführt werden, worauf die 
Flotille gegen Abend nach Gura Jalomitei zurückkehrte. 

Bei Morgengrauen des 28. Mai [9. Juni] fuhren der Dampfer 
„Weliki Knjazj Nikolaj" und der Kutter „Zarewic" behufs 
Recognoscierung in den Mäciner Arm, woselbst sie auf 2 mit 
Schützen bemannte türkische Schaluppen stiessen. Sie verjagten 
dieselben und gleich darauf begannen sämmtliche Schiffe der 
Flotille mit der Minenlegung in der Abzweigung des bezeichneten 
Armes vom Hauptstrome ; diese Arbeit war gegen 9 Uhr vor- 
mittags beendet. 

Nachdem Capitän Rogulja auf diese Weise den ihm 
ertheilten Auftrag ausgeführt hatte, kehrte er noch an demselben 
Tage nach Bräila zurück, beliess aber zum Schutze der versenkten 
Minen 2 Schaluppen in Gura Jalomitei, welche er dem Comman- 
danten des dortigen Detachements, Oberst Rick, zur Verfügung 
stellte. 

6* 



S4 

Ende Mai [Ende der i. Dekade Juni] war also jeder Verkehr 
der türkischen Kriegsflotille zwischen Reni und Hirsova völlig- 
unterbunden und auf dieser Strecke der Unteren Donau konnte 
nunmehr zum Bau eines Ueberganges auf das türkische Ufer 
geschritten werden. 

An der Mittleren Donau hatte der Kampf mit der 
türkischen Kriegsflotille, wie bereits erwähnt, schon mit dem 
Momente des Eintreffens der russischen Vortruppen am Strome 
begonnen. 

Bald nach der Ankunft des Hauptquartiers in Ploesci war 
die Recognoscierung der Donaustrecke Giurgevo-Corabia behufs 
x\usmittlung von Punkten, welche sich für die Anlage von Minen- 
sperren eigneten, angeordnet worden. Als die günstigsten Punkte 
hiefür wurden befunden: i. beim Dorfe Paraipani (Parapan, 
Malul d. s.), und zwar gegenüber der Insel Mecka ; 2. beim Dorfe 
Flämända gegenüber der Insel Volci, und 3. beim Dorfe Corabia, 
oberhalb der Mündung des Oltu in die Donau. 

Man entschied sich dafür, zunächst die Minensperren bei 
Paraipani und Corabia herzustellen, um sobald als möglich die 
dazwischen liegende Strecke für die türkische Flotille sowohl von 
der Ruscuker als auch von der Vidiner Seite her unzugänglich 
zu machen. Sodann wollte man die Actionsfreiheit jener feindlichen 
Schiffe, die innerhalb dieser Strecke eingeschlossen sein sollten, 
durch weitere Sperren immer mehr einengen und dieselben 
schliesslich ganz lahmlegen. 

Um die Minenlegung gleichzeitig bei Paraipani und Corabia 
beginnen zu können, beschloss man, die Schiffe der an der 
Mittleren Donau zur Verwendung kommenden Garde - Equipage 
in zwei Partien zu theilen ; die eine hievon, bestehend aus allen 
Dampf- und einem Theile der Ruderschiffe ^), war mittels Eisenbahn 
nach Fratesci und von dort auf Fuhrwerken nach dem Dorfe Malul 
de Jos (Malu) zu befördern, von wo die Fahrzeuge auf dem Fluss- 
arme Cama (Kama) in die Donau gelassen werden sollten ; der 
andere Theil ^) war mittels der Eisenbahn nach Slatina zu transpor- 
tieren und sollte von hier auf dem Oltu und dann auf der 
Donau nach Corabia geschafft werden. Die Leitung der gesammten 



') 10 Dampfkutter, 8 Ruderkutter, l Taucherboot — mit 25 Minen Modell Herz 
and 60 galvanischen Minen. 

-) 8 Ruderkutter und 4 Raddampfboote (zu Landungszwecken) — mit 50 Minen 
Modell Herz und 60 galvanischen Minen. 



85 

Arbeiten, welche die Herstellung der Minensperren an der 
Mittleren Donau betrafen^ wurde dem Capitän I. Ranges Nowikow 
übertragen. 

Zur selben Zeit sollte auf dieser Strecke auch mit dem 
Bau von Ufer-Batterien bei Giurgevo [Giurgiu]^ Paraipani^ Turnu 
Mägurele und Corabia begonnen werden. Von diesen mit 
Belagerungs- Artillerie zu armierenden Batterien sollten jene bei 
Giurgevo und Turnu Mägurele am stärksten gehalten werden ; die 
von Giurgevo waren zur Bombardierung von Ruscuk bestimmt, 
während jene von Turnu Mägurele nicht nur Nikopol zu be- 
schiessen, sondern hauptsächlich die Herabflössung des Materials 
zu decken hatten, welches zur Herstellung der permanenten 
Donau-Brücke unterhalb dieser Festung, bei Svistov (Sistov), 
dienen sollte. 

Bereits am 26. Mai [7. Juni] ergieng — behufs Deckung 
der bei der Insel Mecka herzustellenden Minensperre — der 
Befehl zur Erbauung einer für 4 sechszöllig'e Kanonen und für 
2 sechszöllige Mörser bestimmten Batterie; am i. [13.] Juni war 
dieselbe fertig und am 3. [15.] Juni mit Geschützen der 2. Belagerungs- 
Artillerie- Gruppe armiert. 

Kurze Zeit darauf begann man westlich Giurgevo, beim Dorfe 
Slobozia (Slobodsea), mit der Erbauung von 7 Batterien, welche 
zur Beschiessung von Ruscuk bestimmt waren, und zwar Nr. i für 
4 sechszöllige Mörser, Nr. 2 für 2 vierundzwanzigpfündige 
Kanonen ; Nr. 3 und 4 für je 4 sechszöllige Mörser ; Nr. 5 für 
4 sechszöllige Kanonen ; Nr. 6 für 6 vierundzwanzigpfündige. 
Kanonen und Nr. 7 für 4 achtzöllige Mörser. Diese Arbeiten 
leitete Ingenieur-Oberstlieutenant Pljucinski; sie wurden nur 
nachts durchgeführt und waren bis 6. [18.] Juni fertig gestellt^). 

Gleichzeitig wurden die Vorbereitungen zur Herstellung der 
Minensperre gegenüber dem Dorfe Paraipani, wo die Donau durch 
die Insel Mecka in zwei Arme getheilt wird, beendet. 

AVie bereits erwähnt, hatte ein Theil des Detachements von 
der Garde-Equipage in Malul de jos einzutreffen ; dortselbst wurde 
dann in den ersten Tagen des Juni die aus 10 Dampf- und 
8 Ruderkuttern bestehende Torpedo-Flotille in den Cama-Arm 
gelassen. 



^) Zu den Arbeiten wurden Leute der Infanterie-Regimenter Wolhynien Nr. 53 
uod Minsk Xr. 54 herangezogen, und zwar je 2 Compagnien per Batterie. Die 
Compagnien des 7. Sappeur-Bataillons wurden wie folgt vertheilt : die l. Compagnie 
auf die Batterien Nr, i bis 4, die 2. auf die Batterien Nr. 5 bis 7. 



86 

Am 7. [19.J Juni erhielt der Commandant derselben^ Capitän 
NowikoW; den Befehl^ in der Nacht zum 8. [20.] mit der Flotille in 
die Donau hinauszufahren, um mit der Minenlegung zu beginnen, 
und zwar sollte zunächst der linke Donau-Arm, zwischen dem 
rumänischen Ufer und der Insel Mecka, gesperrt werden. Bei 
Tagesanbruch des 8. [20.] Juni verliess die Flotille Malul de jos 
und fuhr die Cama hinauf; da sich jedoch der gewundene Lauf 
derselben in dem Ueberschwemmung*s-Gebiete verlor und überdies 
der als Lotse dienende Rumäne entwich, so war die Fahrt sehr 
schwierig. Bei zwei Kuttern, ,,Greigh" und „Kreml", wurden 
hiebei die Maschinen verdorben, und sie mussten nach Malul de 
Jos zurückkehren. Erst um 6 Uhr früh traf die Flotille, nachdem 
sie die Cama verlassen und Donau-aufwärts gefahren war, bei 
der Insel Mecka ein. 

Die letztere war schon am Abende vorher von einem Com- 
mando des 15. Schützen-Bataillons und einem Zuge Ural-Kasaken, 
welche beide dem See-Lieutenant Podjapolski unterstanden, 
besetzt worden ; diese Abtheilungen sollten die Minenlegangs- 
Arbeiten durch Gewehrfeuer decken. Zu demselben Zwecke 
hatten sich auch die Dampf kutter „Sutka" und „Mina" am Südende 
der Insel zu postieren ; sie waren speciell angewiesen, falls sich 
vonRuscuk türkische Schiffe nähern sollten, dieselben mit Torpedos 
anzugreifen. 

Sobald die russische Minenflotille sammt den Ruderschiffen 
auf der Donau erschien und stromaufwärts fuhr, wurde sie von 
den Türken bemerkt und letztere eröffneten vom Süd-Ufer ein 
heftiges Feuer gegen sie, das sie übrigens während der ganzen 
Dauer der Minenarbeiten fortsetzten, ohne jedoch den Russen 
Schaden zuzufügen. 

Während die Sperrung des linken Donau-Armes zwischen 
dem rumänischen Ufer und der Insel Mecka erfolgreich durch- 
geführt wurde, erschien von Ruscuk her ein feindlicher Kriegs- 
dampfer, durchfuhr den rechten Arm zwischen der Insel und dem 
türkischen Ufer und kehrte um V28 Uhr früh nach Ruscuk zurück. 
Bald darauf zeigte er sich von neuem, blieb aber — durch die 
Insel Mecka gegen die Belagerungsgeschütze der Batterie von 
Paraipani gedeckt — dortselbst stehen. Daraufhin beschloss der 
Commandant des Kutters „Sutka", Lieutenant Skrydlow^), das 



^) Auf der „Sutka" befanden sich ausserdem: der Maschinen-Ingenieur Bole- 
slawski, 10 Mann Besatzung und als Volontär der Maler Werescagin. 



87 

feindliche Schiff im Sinne des vom Commandanten der Flotille 
erhaltenen Befehles anzugreifen. 

Genau um 8 Uhr früh fuhr die ^^Sutka" gegen den türkischen 
Dampfer vor und trieb ihm einige Minuten darauf nahe dem 
Radkasten einen Torpedo in die rechte Bordseite. Der Torpedo 
kam jedoch nicht zur Explosion^ da — wie sich später herausstellte 
— die Leitungsdrähte durch Schüsse der Türken, die den Kutter 
unter Kreuzfeuer nahmen, durchschnitten worden waren. Dieser 
Ausgang- brachte die ,,Sutka" in eine höchst gefährliche Situation : 
Lieutenant Skrydlow und der Maschinen-Ingenieur Boleslawski 
waren schwer verwundet, und am Bug hatte der Kutter ein starkes 
Leck; auch begann der Dampfdruck zu fallen. Mit ganzer Kraft 
zurückfahrend, gelang es jedoch der „Sutka", sich vom türkischen 
Schiffe loszumachen, worauf sie schleunigst Donau-abwärts zurück- 
fuhr. Der Dampfer verfolgte sie und sandte ihr ein heftiges Feuer 
nach. Kaum hatte der Kutter eine gewisse Entfernung zurückgelegt, 
als Lieutenant Skrydlow einen vonRuscuk schnell her anfahr enden 
türkischen Monitor bemerkte ; er Hess hierauf einen Torpedo vor- 
bereiten und fuhr dem Kriegsschiffe entgegen. Dieser verwegene 
Angriff machte die Türken stutzig, der Monitor verlangsamte 
seine Fahrt, und Skrydlow führte — dies benützend — seinen 
Kutter dicht am Buge des Monitors vorbei zum rumänischen Ufer, 
wo er um ii Uhr eintraft). 

Gleichzeitig eröffnete die Batterie bei Paraipani das Feuer 
gegen die türkischen Schiffe und zwang sie zum Rückzuge nach 
Ruscuk, so dass das Minen-D etachement nunmehr unbehindert 
die Absperrung des linken Donau- Armes zwischen dem rumänischen 
Ufer und der Insel Mecka beendigen konnte ^). 

Weniger erfolgreich war der Versuch, den rechten Donau- 
Arm, zwischen der Insel und dem türkischen Ufer, zu sperren ; 
zu diesem Zwecke w^urden noch an demselben Tage 5 Kutter 
entsendet; aber das Feuer der türkischen Schützen auf dem 
südlichen Ufer und die vom Stabe der Giurgevoer Gruppe ein- 
getroffene Nachricht, dass von Ruscuk 2 türkische Infanterie- 
Bataillone mit 2 Batterien nach dem Orte der Minenarbeiten 



^) Kaiser Alexander II. verlieh Lieutenant Skrydlow den Georgs-Orden 
IV. Classe. 

2) Laut vSchema der Georgs-Ritter erhielt der Adjutant des Armee-Obercom- 
mandanten Oberst Strukow „wegen ausgezeichneten Verhaltens gegen die Türken 
gelegentlich der Absperrung der Donau durch Minen bei Paraipani" den Geoigs-Orden 
IV. Classe. 



88 

abgerückt seien^ zwangen die russischen Seeleute^ vor Beendigung 
der ang-efangenen Arbeiten zurückzukehren. 

An demselben Tage^ nämhch dem 8. [20.] Juni, fuhr Capitän 
NowikoW; nachdem er seine Flotille in zwei Gruppen getheilt 
hattC; mit den 5 Dampfkuttern ^^Mina''^ ^^Sutka"^ ^^Perwenjetz"^ 
,; Gener al-Admiral" und ^^ Warjag" die Donau aufwärts nach 
Flämända ab^ um dort gleichfalls eine Sperre anzulegen; die 
übrigen 5 Kutter ^^Kreml"^ „Opyt''^ ^^Piotr Weliki"^ ^^Greigh" 
und ;;Nje tronj menja" unter Commando des Capitänlieutenants 
Tuder hatten bis zur Cama-Mündung stromabwärts und dann auf 
diesem Arme nach Malul de jos zu fahren^). Kaum hatte sich 
die russische Flotille getheilt^ als auf den Höhen des türkischen 
Ufers ein Infanterie-Bataillon sammt einer Batterie erschien und 
das Feuer auf die russischen Kutter eröffnete ; diese Hessen sich 
indessen in ihrer Weiterfahrt nicht stören. 

Die Türken beschossen hierauf drei Tage hindurch (am 
8.^ 9, und 10. [20. bis 22.] Juni) Guirgevo, Slobozia und Paraipani mit 
ihren Ruscuker Batterien^ fügten aber den russischen Truppen nicht 
den geringsten Schaden zu. Die Ursache hie von lag einerseits darin^ 
dass sich in Ruscuk nur sehr wenige weittragende Geschütze 
befanden ; anderseits betrug während des Hochwassers die Breite 
der Donau an jener Stelle 2 bis 3 Werst. 

Am 10. [22.] Juni kamen in Slobozia 24 Geschütze der 
2. Belagerungs - Artillerie - Gruppe an; sie wurden innerhalb 
24 Stunden in den Batterien Nr. i^ 2, 3^ 4^ 6 und 7 aufgestellt; 
die Batterie Nr. 5 hatte man bereits am 4. [16.] Juni mit Ge- 
schützen armiert; die von der Batterie bei Bärbosi eingetroffen 
waren. 

Um diese Zeit wurden auch die Versuche fortgesetzt, die 
begonnenen Minensperren gegenüber Paraipani zu beendigen^). 
Durch das Hochwasser der Donau jedoch und das Feuer der 
türkischen Schützen am rechten Strom-Ufer wurden diese Arbeiten 
derart behindert^ dass es bis zum Tage des Ueberganges der 
russischen Hauptkraft über die Donau nicht gelang^ den rechten 
iVrm der letzteren bei der Insel Mecka in befriedigender Weise 
abzusperren. 



^) Die Ruderkutter liess man am Ufer zurück, um sie später durch das Sumpf- 
und Inundationsgebiet direct nach Paraipani zu ziehen. 

2) Diese Arbeiten wurden von den Garde-Sappeuren unter Leitung des Lieutenants 
Hörschelmann, des Unterlieutenants Zlobin und der See-Lieutenante Podjapolsk 
und Bartasevic ausgeführt. 



Anfangs Juni begann ferner — unter Leitung des Ingenieur- 
Hauptmanns Rydzewski — der Bau der Belagerungs-Batterien 
gegenüber Nikopol nahe den Orten Flämända und Turnu Mägurele, 
sowie bei der Oltu-Mündung ^). Im ganzen wurden 8 Batterien 
errichtet^ und zwar bei Flämända: Nr. i für 4 sechszöllige 
Kanonen und Nr. 2 für 3 sechszöllige Kanonen; bei Turnu 
Mägurele: Nr. 3 für 4 vierundzwanzigpfündige Kanonen^ Nr. 4 
iür 4 sechszöllige Mörser^ Nr. 7 für 6 sechszöllige Kanonen, 
Nr. 8 für 4 sechszöllige Mörser; an der Oltu-Mündung: Nr. 5 
für 4 vierundzwanzigpfündig-e Kanonen und Nr. 6 ebenfalls für 
4 vierundzwanzigpfündige Kanonen. 

Die zur Armierung dieser Batterien bestimmten Geschütze, 
welche dem Bestände der 3. und 4. Belagerungs- Artillerie- Gruppe 
entnommen wurden, trafen bereits am i. [13.] Juni in Turnu 
Mägurele ein. 

Die Batterien bei Flämända waren hauptsächlich zur Sicherung 
der dort zu legenden Minensperren bestimmt; jene bei Turnu 
Mägurele und an der Oltu-Mündung hatten den Kampf mit den 
Nikopoler Befestigungen aufzunehmen. Am 6. Juni versuchten 
die Türken, die Arbeiten zu stören und landeten zu diesem 
Zwecke circa 200 Mann Infanterie auf dem linken Donau-Ufer in 
der Nähe des Dorfes Flämända; die Russen vertrieben jedoch 
diese Abtheilung und verloren hiebei im g'anzen nur 2 Mann an 
Verwundeten. Am 8. [20.] Juni waren die Batterien Nr. i bis 4 
fertig und in der Nacht zum 9. [21.] gelang es, sie vollständig 
zu armieren. In der folgenden Nacht (zum 10. [22.] Juni) begann 
der Bau der restlichen Batterien, welche bis 13. [25.] Juni beendet 
waren; hierauf wurde sofort die Armierung der Batterien Nr. 7 
und 8 und am 14. [26.] Juni — unter dem Feuer des Gegners — 
jene der Batterien Nr. 5 und 6 durchgeführt^). 

Ausser den Batterien für Belagerungs-Geschütze wurden 
bei Turnu Mägurele am 13. [25.] Juni auch solche für neun- 
pfündige Feld-Geschütze errichtet; sie waren bestimmt: zur Be- 
schiessung der türkischen Truppen, welche einig-e westlich Nikopol 
aufgeführte Schützengräben besetzt hielten, und zur Deckung 
der vom Oltu in die Donau herabzuflössenden Pontons und 
Brückenbestandtheile. 



^) Die Batterien wurden von der 4. Compagnie des 7. Sappeur-Bataillons und 
von Infanterie-Arbeitsmannschaft erbaut. 

^) Für die hiebei bewiesene Umsicht und Kaltblütigkeit erhielt der Commandant 
der Batterien Oberst Ljesowoj den Georgs-Orden IV. Classe. 



90 

Gleichzeitig mit dem Baue und der Armierung dieser Uter- 
Batterien erfolgten auch die Absperrungs- Arbeiten an der Donau 
bei Corabia und Flämända. Nach einem kürzeren Aufenthalte in 
Zimnicea zur Vornahme von Reparaturen und zur Fassung von 
Kohlen setzte die Flotille des Capitäns Nowikow am lo. [zz.'] Juni 
die Fahrt Donau-aufwärts fort. Als die Türken das bemerkten^ 
eröffneten sie gegen die Kutter ein Gewehrfeuer, gegen welches 
sich diese hinter einer der Inseln deckten. Um circa 4 Uhr nach- 
mittags zeig'te sich von Nikopol her ein türkischer Monitor^ und 
schon bereiteten sich die russischen Kutter zum Angriffe vor^ als 
das feindliche Schiff — von den Ufer-Batterien bedroht — sich 
schleunigst zurückzog'. Mit Einbruch der Abenddämmerung setzte 
die russische Flotille die Fahrt stromaufwärts fort und warf, ge- 
deckt hinter der Insel Cerei, in der Bucht von Flämända Anker. 

Wie bereits erwähnt^ bestand der dem Capitän Nowikow 
ertheilte Auftrag darin^ bei Flämända und Corabia Minensperren 
zu legen. Der Capitän Hess zu diesem Zwecke vorläufig seine 
Torpedo-Flotille bei Flämända zurück und begab vsich^ nachdem er 
die schnellfahrenden Kutter ^^Sutka" und ^^Mina" angewiesen 
hatte^ jedes feindliche Schiff anzugreifen^ das die Arbeiten stören 
sollte, nach Corabia^ wo mit der Herstellung der Minensperren 
sofort beg-onnen wurde; Details über die Ausführung derselben 
folgen weiter unten. 

Angesichts des in kurzer Zeit bevorstehenden Ueberganges 
der Truppen über die Donau hatte inzwischen der Commandant 
der 8. Cavallerie-Division^ GL. Fürst Manwelow^ den bei Flämända 
versenkten Dampfer ^^ Anneta" heben lassen. Diese Arbeit begann 
am Abende des 9. [21.] Juni und war gegen 3 Uhr früh des 
II. [23.] beendet. Den gehobenen Dampfer deckte man gegen 
Sicht und theilweise auch gegen das Feuer der Türken durch 
eine grosse Barke^ auf der man aus alten Booten^ Fässern, Erde 
und Rasen eine Art Wall errichtete. 

An demselben Tage, dem 11. [23.] Juni, kam es übrigens bei 
Flämända zu einem ziemlich ernsten Zusammenstosse. Um 2 Uhr 
nachmittags erfuhr nämlich der Commandant der i. Brigade der 
8. Cavallerie-Division, GM. Leonow, dass von Ruscuk her sich 
ein türkischer Monitor näherte und gab dies sofort der Torpedo- 
Flotille und den Batterien bekannt. Nach Erhalt der Mittheilung 
des GM. Leonow traf der Schiffsfähnrich Nilow — im Sinne 
der von Capitän Nowikow vor dessen Abfahrt nach Corabia 



91 

erhaltenen Instruction — sogleich alle Vorbereitungen zu einem 
eventuellen Angriffe^ und die Kutter ,,Mina"_, ^^Sutka" und 
„Perwenjetz" stellten sich^ hinter einer kleinen Landzunge gegen- 
über dem Südende der Insel Cerei gedeckt, auf. Zu gleicher Zeit 
befahl GM. Leonow, dass sich 4 Geschütze der 15. reitenden 
Batterie am Donau-Ufer in der Nähe bereithalten sollten, um 
durch ihr Feuer das Signal für den Beginn des Angriffes [der 
Kutter] zu geben. 

Als um 5 Uhr nachmittag's der Monitor auf gleicher Höhe 
mit den oben erwähnten Geschützen ankam und diese feuerten, 
fuhren auf den ersten Schuss die Kutter ,,Mina" und „vSutka" 
gegen das feindliche Schiff vor. Das vom Bord des letzteren 
abgegebene Kartätsch- und Gewehrfeuer hielt die russischen 
Seeleute nicht auf; bei der Annäherung an den Monitor aber 
bemerkte man, dass derselbe an der Backbordseite eine Stange 
sammt Torpedo ausg-esteckt hatte. Der den Kutter „Mina" be- 
fehligende Gardemarin Arens lenkte daher sein Schiff gegen 
das Heck des Monitors und war schon bereit, letzteren in die 
Luft zu sprengen, als die Torpedostange brach und der Torpedo 
ins Wasser fiel. In diesem Momente wurde auch der Heizer 
schwer verwundet und da gleich darauf der Dampfdruck schnell zu 
fallen begann, so konnte der Kutter, der nochmals den Angriff 
unternehmen wollte, dies nicht mehr durchführen und musste 
zurück. 

Nunmehr sollte der Kutter „Sutka" die Steuerbordseite des 
Monitors angreifen; dem Buge des letzteren nahegekommen, be- 
merkte der Commandant des Kutters, Schiffsfähnrich Nilow, 
gleichfalls den Stangentorpedo; er liess darauf schnell den rechten 
Schlepptorpedo auswerfen, steuerte nach der Backbordseite des 
Panzerschiffes herum und wollte schon das Heck desselben rammen, 
als es dem Monitor durch plötzliches Vorfahren mit ganzer Kraft 
gelang, diesem Stosse gegen seinen Schiffshintertheil auszuweichen. 
Der Kutter „Sutka" aber, welcher in dem engen Räume zwischen 
dem türkischen Schiffe und dem Ufer nicht schnell genug wenden 
konnte, gerieth auf eine Sandbank und sass fest. Die Türken 
stürzten darauf zu ihrem Heck-Geschütze, um es auf den Kutter 
zu richten; aber das seitens des Kutters „Mina" eröffnete Feuer 
zwang sie, unter der Commando-Brücke Deckung zu suchen. Dies 
benützend, machte sich der Kutter „wSutka" von der Sandbank los. 

Nunmehr fuhr der türkische Monitor, von den Ufer-Batterien 
unter Feuer genommen, nach Nikopol weiter. Hiebei beschossen ihn 



92 

die 4 Geschütze der 15. reitenden Batterie^ unter Commando des 
Stabscapitäns Kolomejcew^ so erfolgreich, dass alle ihre 
Granaten auf dem Decke des Kriegsschiffes explodierten. Die 
russischen Kutter konnten dasselbe aber nicht verfolg'en und 
kehrten zur Insel Cerei zurück. Die Verluste der ^^.Sutka" und 
.,Mina" betrug-en an diesem Tage 3 verwundete Matrosen^, doch 
wiesen die Schiffe selbst viele Löcher^ sowie Beschädigungen der 
Torpedo-Armierung auf. Der Kutter ^^Perwenjetz"^ der in Reserve 
stand, hatte wegen seiner g'eringen Geschwindigkeit den Angriff 
nicht unterstützen können^). 

Am 12 [24.] Juni abends verliess der Monitor wieder Nikopol^ 
um stromaufwärts zurück zu fahren; das Feuer der russischen 
Belagerungs-Batterien zwang ihn aber zur Rückkehr. 

Die Herstellung der Minensperren bei Corabia und Flämända 
erfolg-te in nachstehender Weise. 

Oberhalb Corabia wird die Donau durch eine Insel in zwei 
Arme getheilt, von denen der wichtigere das türkische Ufer 
berührt. Schon am 23. Mai [4. Juni] war befohlen worden, bei 
Corabia eine Batterie für 4 sechspfündige Kanonen zur Sicherung 
der Minensperren zu erbauen. 

Die Batterie war am 9. [21.] Juni fertig, und am folgenden 
Tage wurde zwischen der Insel und dem türkischen Ufer die 
erste Minenreihe hergestellt. Hiebei landete zur Deckung der 
Arbeiten der Adjutant des Armee-Obercommandanten, Oberst 
Strukow, mit Piastun- Abtheilungen auf dem türkischen Ufer. Die 
Absperrung- des Armes zwischen der Insel und dem rumänischen 
Ufer erfolgte am 12. [24.] Juni, nachdem die von Slatina auf dem 
Oltu herabgeflössten Ruderkutter von Turnu Mägurele mittels 
Wagen in Corabia eingetroffen waren. 

Nach Abschluss dieser Arbeiten begab sich das Minen- 
Detachement am 13. [25.] Juni von Corabia nach Plämända und 
vereinigte sich hier mit den zurückgelassenen 5 Kuttern ,;Sutka", 
„Mina", „Perwenjetz", „General Admiral" und „Warjag"; überdies 
waren hier bereits am 12. [24.] Juni die durch Capitänlieutenant 
Tu der von Malul de jos auf Wagen überführten Dampf kutter 
„Kreml", „Opyt" und „Piotr Weliki" eingetroffen^]. 



^) Für diese Action erhielt Schiffsfühnrich Nilow den Georgs-Orden IV. Classe 
und Gardemarin Arens das Kreuz des Kriegs-Ordens. 



') Die Kutter ,,Greigh" und ,,Ne tronj menja" blieben in Malul de jos. 



93 

Die Herstellung der Minensperre gegenüber Flämända wurde 
noch am 13. [25.] Juni begonnen und in der Nacht vom 14. zum 
15. [26. zum 27.] Juni beendet i). Erst gegen Ende der Arbeiten 
eröffneten die Türken Artilleriefeuer, ohne aber den Russen 
irgend welchen Schaden zuzufügen. Die Sperre, welche aus zwei 
Minenreihen bestand, hinderte nicht das Herabflössen der Brücken- 
Bestandtheile vom Oltu nach Zimnicea; denn die Minen waren derart 
construiert, dass man aus dem Minensystem nur die galvanische 
Batterie auszuschalten brauchte, um die Möglichkeit einer Explosion 
auszuschliessen. In der Nacht vom 14. zum 15. [26. zum 27.] Juni 
wurden unterhalb der bezeichneten Sperre im Donau -Arme 
zwischen der Insel Belni (Bieiani) und dem türkischen Ufer noch 
einige automatische (galvanische Contact-) Minen gelegt. 

Auf diese Weise waren Mitte Juni alle beabsichtigten 
Arbeiten, insoweit sie die Herstellung von Flussminen-Anlagen 
betrafen, an den in Aussicht genommenen Punkten der Unteren 
Donau, sowie der Mittleren Donau zwischen Giurgevo und Corabia 
fertiggestellt ; nur bei Paraipani war es noch nicht gelungen, die 
Absperrung des rechten Donau- Armes zwischen der Insel Mecka 
und dem türkischen Ufer vollständig durchzuführen. 



^) Die dem türkischen Ufer zunächst befindlichen Minen wurden erst am 21. Juli 
[3. Juli] versenkt. 



V. CAPITEL. 

Uebergang des „Untere Donau-Corps" bei 

Galaz-Bräila und dessen weitere Operationen 

bis 27. Juni [9. Juli]. 

Recognoscierungen der Donau im Mai. — Recognoscierungen des Generals Zimmer- 
mann. — Befehl des Hauptquartiers vom 31. Mai [12. Juni]. — Gruppierung des 
„Untere Donau- Corps" am 31. Mai [12. Juni]. — Stärke und Vertheilung der türki- 
schen ELräfte in der Dobrudza. — Plan des Generals Zimmermann für den Ueber- 
gang. — Concentrierung der Truppen bei Bräila. — Brückenschlag zwischen Bräila 
und Gecet. — Ueberschiffung und Landung der Gruppe GM. Zukow an der Halb- 
insel Bugecu (Budzak). — Gefecht auf den Höhen von Bugecu und Garvan. — An- 
kunft Kaiser Alexanders H. in Galaz. — Besetzung von Mäcin, — Vorschieben 
des XIV. Corps in die Linie Gadi Cäsla (Kadi Kisla) — Cartal. — Ablösung der 
Gruppe des Generals Werewkin an der Unteren Donau durch jene des Generals 

Alexandrow. 

(Hiezu Karten-Beilagen 4, 5 und 17.) 

Im vorhergehenden Capitel wurde dargelegt^ wie sich die 
russischen Truppen am linken Donau-Ufer festgesetzt und durch 
Minensperren die türkische Kampf-Flotille paralysiert hatten. Nach 
Durchführung dieser Aufgaben war es schon möglich, an die 
Vorbereitungen zum Donau-Uebergang-e zu schreiten. Im Sinne 
des allgemeinen Planes sollte zuerst das ^^Untere Donau-Corps" 
den Uebergang bewirken ; diese Anordnung stand auch im Ein- 
klänge mit dem Umstände, dass der Kampf mit der türkischen 
Flotille auf der Unteren Donau früher als auf der Mittleren be- 
endet war. 

Schon gegen Ende April [erste Dekade Mai] hatte der 
damalige Befehlshaber des ,, Untere Donau-Corps", GL. Fürst 
Sachowskoj (Commandant des XI. Armee-Corps), in Erwartung 



95 

des Befehles zum Uebergange, die Donau bei Galaz (Galati) 
recognosciert. Später wurden zu diesem Zwecke — über Ver- 
fügung des Operierenden Hauptquartiers vom 8. [20.] Mai — 
mehrere Partien von Generalstabsofficieren und Kriegs-Ingenieuren 
bestimmt^). 

Das Steigen des Wassers in der Donau änderte jedoch die 
Verhältnisse^ unter welchen diese Recognoscierungen statt- 
gefunden hatten;, weshalb der neue Commandant des „Untere Donau- 
Corps", General Zimmermann (Commandant des XIV. Armee- 
Corps) persönlich neue Recognoscierungen vornahm ^) : am 20. Mai 
[i. Juni] fuhr er mit 6 Booten (50 Sappeure als Ruderer) über 
die Donau und das Inundations-Gebiet gegen die Nordost-Seite 
der Bugecu-Halbinsel g'egenüber Galaz und kam bis auf ungefähr 
400 Sazen [circa 850 7;^] dem türkischen Ufer nahe; am 22. Mai 
[3. Juni] kam er mit einem Torpedoboote im Mäciner Arme^ 
6 Werst von Bräila^ stromaufwärts; am 23. Mai [4. Juni] fuhr er 
mit 4 Booten (30 Mann) in den Garvan-See gegen die Südwest- 
Seite der Bugecu-Halbinsel und näherte vsich bis auf 600 Sazen 
[rund 1300/;^] dem türkischen Ufer, wobei er von dem türkischen 
Wachposten mit Gewehrfeuer empfangen wurde, das jedoch 
keinen Schaden anrichtete. 

General Zimmermann legte die Ergebnisse seiner Re- 
cognoscierungen in einem vom 25. Mai [6. Juni] datierten Berichte 
an den Armee-Stabschef wie folg"t nieder : 

,,Alle versumpften Niederungen des Inundations- Gebietes 
cim rechten Donau-Ufer, von Galaz bis zur Landzunge Bugecu 
(5 bis 6 Werst) und von Bräila bis Mäcin (10 bis 11 Werst), 
stehen unter Wasser; die Tiefe ist verschieden, sie erreicht mit- 
unter 2 Sazen [4V4 m\ stellenweise beträgt sie aber bloss i Fuss 



^) Laut einer Meldung des Fürsten .Sachowskoj vom II. [23.] Mai waren zur 
Vornahme von Recognoscierungen im Rayon des „Untere Donau-Corps" bestimmt 
worden: in der Umgebung von Satunow — Generalstabs-Oberst Tugenhold und 
Ingenieur-Hauptmann Tuskiewic; bei Reni und Galaz — Generalstabs-Hauptmann 
Poppen; bei Bräila — Generalstabs-Oberstlieutenant Werigin, Ingenieur-Oberst- 
lieutenant Klimenko und Flügel -Adjutant Hauptmann Miljutin; bei Hirsova 
[Härsova] — Generalstabs-Oberstlieutenant Grat Keller und Hauptmann Paviij utin 
des 7. Sappeur-Bataillons. 

^) General Zimmermann wurde — wie im IL Capitel angegeben — erst mit 
21. Mai [2. Juni] zum Commandanten des „Untere Donau-Corps" bestimmt; er 
bereitete sich jedoch, in Erwartung des bezüglichen Befehles, schon früher auf die ihm 
bevorstehende Aufgabe vor. 



[30-5 i'///]j SO dass die Boote auffuhren. Die P^ahrt wird durch 
Schilf sehr behindert. Brücken zwischen Galaz und Zatok ^) — 
über 400 Sazen [rund 850 7/i] — sowie zwischen Bräila und Gecet 
(gegen 400 Sazen) können wohl jetzt schon geschlag-en werden^ 
aber weiterhin eine fahrbare Communication herzustellen^ ist der- 
zeit unmöglich. Die Absendung einer Landungspartie mittels 
Booten g-egen die Halbinsel Bugecu wäre sehr gewagt^ denn die 
üb er schiffende Gruppe würde auf eine Entfernung von 600 bis 
700 Sazen [rund 1300 bis 15007^] von Gewehrfeuer empfangen 
werden. 200 bis 300 Türken, die sich in den Felsen und in rasch 
ausgehobenen Erddeckungen festsetzen, können den übersetzenden 
Abtheilung-en schwere Verluste beibringen, indem sie die Ruderer 
und Steuerleute zusammenschiessen ; hingegen würde das Feuer 
unserer Schützen von den Booten aut eine Distanz von 400 Sazen 
[rund 850 ;;^] dem gedeckten Feinde nur gering'en Schaden zu- 
fügen. Ein Landungs- Staffel könnte auch nicht mehr als 2000 Mann 
fassen." 

,,Die Ueberführung* von Geschützen aus Galaz nach der er- 
wähnten Halbinsel Bugecu über die überschwemmten Ufer- 
niederungen ist sehr schwierig. Ueberdies ist die fahrbare Ver- 
bindung zwischen der Landzunge und Mäcin gegenwärtig unter- 
brochen, da die Jijila-Schlucht überschwemmt ist und das Wasser 
dort über 2 Sazen [4V4 7/1] Tiefe hat. Auf der Höhe zwischen 
dieser Schlucht und Mäcin steht eine Befestigung mit einer über 
15 Fuss [4747;^] hohen und etwa 400 Schritt langen Brustwehr, 
vermuthlich auch mit einem Graben an der dem Jijila-Bache zu- 
gekehrten Face ; Gerüchten zufolge sollen sich dort 4 Geschütze, 
darunter 2 Krupp'sche, befinden. Diese Befestigung mit Sturm zu 
nehmen, würde nicht leicht sein ; die Hänge sind steil und werden 
auf allen Seiten von der Befestigung aus bestrichen. Es würde auch 
wegen der überschwemmten Niederungen sehr schwer fallen, das 
Detachement auf der Halbinsel mit allem Nöthigen auszurüsten. 
Dampfkutter können durch das Inundations- Gebiet nicht fahren." 

„Von Bräila könnte man wohl eine Landungspartie im Mäciner 
Arme gegen Mäcin entsenden, und zwar in folgender Ordnung: 
vorne Torpedoboote, dahinter Dampfer (mit kleineren Geschützen 
armiert und an den Bordseiten mit Schützen hinter Sandsäcken 



^) Ein Ort dieses Namens kommt in der neuen Generalkarte des k. und k. 
militär-geographischen Instituts nicht vor, ist aber in Karten-Beilage 5 enthalten. — 
D. Ueb. 



97 

besetzt) und zum Schlüsse Ruderboote mit Infanterie. Aber 
auch dieses Unternehmen wäre sehr gewagt. Ueberdies be- 
steht^ bei der gegenwärtigen Höhe des Wasserstandes^ keine 
Möglichkeit; eine für Fuhrwerke praktikable Communication 
zwischen Mäcin — nach dessen Einnahme — und Bräila her- 
zustellen." 

In Anbetracht der angeführten Schwierigkeiten eines Donau- 
Ueberganges in der Umgebung* von Galaz und Bräila stellte 
General Zimmermann den Antrag, den Uferwechsel zwischen 
Satunow und Isaccea zu vollziehen^ wobei er allerdings be- 
tonte, dass ;;für ein solches Unternehmen bisher keinerlei Vor- 
bereitungen getroffen seien". Zum Schlüsse bemerkte General 
Zimmermann: „Unser erster Schritt über die Donau muss 
durch verlässliche Garantien des Erfolges gesichert sein ; ein 
Misserfolg des ersten Unternehmens könnte böse Folgen nach 
sich ziehen." 

Diesen Bericht beantwortete das Hauptquartier durch einen 
vom 31. Mai [12. Juni] datierten Befehl^ worin die Aufgabe des 
;;Untere Donau-Corps" g-enau präcisiert erscheint: 

;;Seine kaiserliche Hoheit der Armee-Obercommandant ge- 
ruhte zu verfügen, dass Eurer Excellenz mitgetheilt werde, das 
Ihnen anvertraute , Untere Donau-Corps' sei zur Sicherung der 
Verbindung- der OperationsArmee mit dem Reiche bestimmt. 
Zur Erreichung dieses Zweckes befiehlt der Grossfürst dem Eurer 
Excellenz unterstehenden Corps, die Donau in der Umgebung 
von Galaz und Bräila zu übersetzen, sich der wichtigsten Punkte 
der Dobrudza, insbesondere der Orte Isaccea und Tulcea [Tulca] 
zu bemächtigen und sich dortselbst bis zur Linie Cernavoda- 
Küstendze [Constanta] dauernd festzusetzen. Der Grossfürst ist 
der Ansicht, dass Euer Excellenz durch diese Operationen am 
besten den früher angegebenen Zweck erreichen werden, wobei 
Sie zugleich die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich lenken 
und dadurch einen Theil seiner Kräfte von den Operationen 
gegen die Haupt-Armee abziehen können. Eine weitere Vor- 
rückung des Corps über die Linie Cernavoda-Küstendze 
soll, wenn nicht besonders günstige Umstände dafür sprechen 
erst nach entscheidenden Erfolgen der Haupt-Armee stattfinden, 
und wenn es einem Theile der Kräfte derselben möglich geworden 
ist, in der Richtung gegen wSumla [Sumen] vorzurücken ; bis 
dahin hat sich das Corps auf die Entsendung , vorgeschobener 

Der russisch-türkische Krieg. II. Bd. 7 



98 

Detacliements' zur Beobachtung aller Bewegung-en des Feindes 
und zur Aufklärung gegen die Verbindung-en zwischen den 
Festungen Silistria, Varna und Sumla zu beschränken." 



Am Tage der Erlassung dieses Befehles war das ,, Untere 
Donau- Corps" 30^/2 Bataillone, 37 Escadronen und Sotnien, 
15 Fuss- und 4 reitende Batterien, im ganzen gegen 29.000 Bajon- 
nette, 4600 Säbel, 120 Fuss- und 30 reitende Geschütze stark; 
es nahm am linken Donau- Ufer die Strecke vom Jalomita- 
Flusse bis zum Schwarzen Meere, in einer Ausdehnung von 
220 Werst, ein. 

In diesem Abschnitte waren die Truppen folgend vertheilt: 

1. zwischen Jalomita und Prut, unter dem unmittelbaren 
Commando des Generals Zimmermann: 

in der Umg-ebung von Galaz: 17. Infanterie-Division, 
I. Brigade der 18. Infanterie-Division, i Bataillon des Infanterie- 
Regiments Bjelew Nr. 71, 2V2 Compagnien des 5. Sappeur- 
Bataillons, 17. Artillerie-Brigade, 4 Batterien der 18. Artillerie- 
Brigade, I. Don-Kasaken-Division (Regimenter Nr. 15, 16, 17, 
18), 4 Don-Kasaken-Batterien und 2 Sotnien des Don-Kasaken- 
Regiments Nr. 29; 

bei Bräila: je 2 Bataillone der Infanterie-Regimenter Bjelew 
Nr. 71 und Tula Nr. 72, ferner 2 Sotnien des Don-Kasaken- 
Regiments Nr. 29; 

bei Gura Jalomitei: i Bataillon des Infanterie-Regiments 
Nr. 72, I Batterie der 18. Artillerie-Brigade und 4 Sotnien des 
Don-Kasaken-Regiments Nr. 40. 

2. zwischen dem Prut-Flusse und dem Schwarzen Meere, 
unter dem Befehle des GL. Werewkin (Commandant der 36. In- 
fanterie-Division, vom VII. Corps) : 

in Reni und Bolgrad: 2 Bataillone des Infanterie-Regi- 
ments Kasira Nr. 144, i Batterie der 18. Artillerie-Brigade und 
2 Escadronen des Uhlanen-Regiments Olwiopol Nr. 7 ; 

in Satunow und Kartal: i Bataillon des Infanterie-Regi- 
ments Nr. 144, I Escadron des Uhlanen-Regiments Nr. 7 und die 
13. reitende Batterie; 

in Izmail (Ismail) : 7 Compagnien des Infanterie-Regiments 
Dorogobuzsk Nr. 143, 2 Batterien der 36. Artillerie-Brigade und 
1 Escadron des Uhlanen-Regiments Nr. 7 ; 

in Kilija, Zebrieni, Nikolaj ewka undGatileszti : 8 Com- 
pagnien des Infanterie - Regiments Nr. 143, i Batterie der 



99 

36. Artillerie-Brigade und i Sotnie des Don-Kasaken-Regiments 
Nr. 7. 

Die zur Ausführung des Uferwechsels zugewiesene Strecke 
zwischen Galaz und Bräila hatte eine Länge von 20 Werst^ bei 
einer durchschnittlichen Strombreite von 400 Sazen [rund 850 z/^]. 
Zu der in Rede stehenden Zeit ragten infolge des Hochwassers die 
am rechten Donau-Ufer liegenden Dörfer Zatok, Azacläu [Zakli] 
und Gecet wie Inseln aus dem Wasser hervor; hinter ihnen 
dehnte sich auf etwa 10 Werst das mit Schilf bewachsene 
Inundations-Gebiet aus. Inmitten dieser überschwemmten Fläche 
erhob sich als eine Art Halbinsel der Bugecu-Rücken^ dessen 
Nordfuss von den Orten Zatok und Azacläu (gegenüber Galaz) 
ungefähr 4 Werst entfernt war. 

Bei Gecet (schräg gegenüber Bräila) mündet in das Haupt- 
bett der Donau der Mäciner Arm ein, an dessen rechtem Ufer die 
Stadt Mäcin liegt. Der Weg zwischen Gecet und Mäcin, bei- 
läufig 14 Werst lang, stand, unter Wasser. 

Ueber die Türken war dem General Zimmermann aus 
den vom Feldstabe erhaltenen Nachrichten bekannt, dass die 
Stärke der in der Dobrudza befindlichen regulären und irregulären 
Truppen ungefähr 11.500 Mann betrug; hievon sollten zur un- 
mittelbaren Vertheidigung der Donau stehen in: Mäcin 1500, 
Isaccea 950, Hirsova 2250 und Tulcea 750 Mann. Diese Nach- 
richten wurden auch durch die Aussagen von Bulgaren, die vom 
türkischen Ufer geflüchtet waren, bestätigt ; nach ihren Angaben 
sollten in Mäcin und Hirsova nicht mehr als je 2000 Mann stehen. 
In den Tabellen des Obersten Torcy wurden die Kräfte der 
Türken in der Dobrudza um den 27. Mai [8. Juni] mit 8330 Mann, 
ohne Tscherkessen und Baschibosuk, angegeben. 

Was speciell den für den Uferwechsel in Aussicht ge- 
nommenen Abschnitt Galaz-Bräila betrifft, so war die Stärke der 
hier am Cordon stehenden türkischen Truppen in den ersten 
Tagen [Mitte] des Monats April auf 4000 Mann angewachsen. 
Das Gros dieser Gruppe hatte Mäcin besetzt, ein Theil stand auf 
der Halbinsel Bugecu. 

Nach Erhalt der obangeführten Verfügung des Haupt- 
quartiers vom 31. Mai [12. Juni] bezüglich des Ueberganges in 
der Strecke Galaz-Bräila entwarf General Zimmermann folgenden 
Actions-Plan : 

7* 



lOO 

Vor allem war eine Brücke über das Hauptbett der Donau 
zwischen Bräila und Gecet zu schlagen. Da das feindwärts ge- 
kehrte Ende der Brücke (bei Gecet) in das Ueberschwemmungs- 
Gebiet eingebaut werden musste, sollten nach Einführen der 
Brückenglieder die Vortruppen von Galaz aus mittels Booten auf 
das rechte Ufer überschifft und auf der Bug'ecu-Halbinsel g"elandet 
werden; nach Zurückwerfen der dort vorgeschobenen türkischen 
Abtheilung-en war die Verbindung zwischen Mäcin und Isaccea 
zu unterbrechen. Am selben Tage geg-en Abend sollte eine 
Landung-spartie von Bräila im Mäcin-Arme aufwärts fahren und 
vor der Stadt Mäcin ausserhalb des Artillerie-Feuerbereiches 
stehen bleiben. Hierauf sollte die Stadt von zwei Seiten gleich- 
zeitig ang-egriffen werden. Nach der Einnahme Mäcins war noch 
der ausgewaschene Fahrweg Gecet-Mäcin herzurichten ; sobald die 
fahrbare Communication über die Donau fertiggestellt war^ sollte 
die Hauptkraft des ,, Untere Donau-Corps" über die Bräila-Brücke 
auf das rechte Ufer gebracht werden. 

Im Sinne dieses Planes verlegte General Zimmermann, 
folgende Truppen von Galaz nach Bräila : 

am 31. Mai [12. Juni] das Infanterie-Regiment Tarutino Nr. 67 
und die 3. Batterie der 17. Artillerie-Brigade; 

am I, [13.] Juni das Commando der 2. Brigade der 17. In- 
fanterie-Division, das Leib-Regiment Borodino Nr. 68, das mobile 
Lazareth der 17. Infanterie-Division, den Brigadestab und die 
Batterien Nr. i, 5 und 6 der 17. Artillerie-Brigade; 

am 2. [14.] Juni den Corpsstab, das 3. Bataillon des In- 
fanterie-Regiments Bjelew Nr. 71, den fliegenden und den mobilen 
Artillerie- Park Nr. 24 ; 

am 3. [15.] Juni den Stab der i. Don-Division, die Don- 
Regimenter Nr. 15 und 16, die Don-Batterien Nr. 16 und 17, die 
18. fliegende Cavallerie-Park-Abtheilung ; 

am 4. [16.] Juni den Stab der 17. Infanterie-Division und 
das Commando der 2. Brigade dieser Division, das Infanterie- 
Regiment Butyrsk Nr. 66, sowie die 2. und 4. Batterie der 
17. Artillerie-Brigade; 

am 5. [17.] Juni die Don-Kasaken-Regimenter Nr. 17 und 18 
und die Don-Batterie Nr. 11. 

Hingegen hatten von Bräila nach Galaz 2 Sotnien des Don- 
Kasaken-Regiments Nr. 29 zu marschieren. 

Nach Durchführung dieses Wechsels waren am 6. [18.] Juni 
in Bräila concentriert : 14 Bataillone, 24 Sotnien und 66 Feld- 



Geschütze ^) ; in Galaz waren unter den Befehlen des Comman- 
danten der i8. Infanterie-Division^ GL. Narbut^ verblieben: 
9 Bataillone^ 4 Sotnien und 38 Geschütze ^). 

Was die Bereitstellung der Ueberschiffungsmittel und des 
Brücken-Materials betrifft^ so war der grösste Theil dieser vor- 
bereitenden Arbeiten — wie im III. Capitel angegeben — anfangs 
[gegen Mitte] Juni beendet. Die betreffenden Arbeiten wurden 
unter Leitung des Ingenieur-Oberstlieutenants Klimenko und 
unter Mitwirkung- des 5. Sappeur-Bataillons ausgeführt. Es wurden 
in Galaz und Bräila im ganzen 35 hölzerne Pontons und gegen 
250 requirierte Boote zusammengebracht. Ueberdies waren in 
Galaz 15 Flösse für die Ueb er schiff ung von Artillerie vorbereitet; 
in Bräila richtete man zu demselben Zwecke 4 Barken her. Zur 
Erleichterung der Ueberschiffung wurde verfüg% dass tüchtig-e 
Ruderer unter den Kasaken auszuwählen seien. Man formierte 
hiezu zwei Ruderer-Commanden : eines in Bräila mit 200 Mann^ 
das andere in Galaz mit 160 Mann. Ueberdies trafen am 4. [16.] Juni 
in Bräila 72 gedungene Ruderer aus Izmail ein. Zur Ueberführung 
von Brücken-Material und zur Mitwirkung l3ei der Herstellung* 
des Uebergang-es wurde ein Theil des Schwarzmeer-Marine- 
Detachements mit 3 Transportdampfern^ dem Kriegsdampfer 
,,Weliki Knjazj Nikolaj" und 2 Dampfkuttern ^^Zarewna" und 
,,Pticka" bestimmt. 

Die Stelle für den Brückenschlag bei Bräila wurde gegen- 
über dem Dorfe Gecet gewählt^ 1V2 Werst oberhalb jenes 
Punktes, an welchem der Donau-Uebergang der russischen Truppen 
im Feldzuge 1853 — 1856 stattgefunden hatte. Das linke Ufer er- 
hebt sich hier auf 50 bis 70 Fuss [rund 15 bis 20 iii\ über das 
Wasserniveau, fällt steil ab und ist vom Flusse noch durch einen 
100 bis 350 Sazen [213 bis 747 7//] breiten Bodenstreifen getrennt^ 
der um diese Zeit ganz unter Wasser stand. Die gewählte Ueber- 
gangsstelle bot folgende Vortheile : i. bestand dort eine ein- 
geschnittene fahrbare Rampe zum Plusse ; 2. konnte das senk- 
recht zur Donau führende Zweiggeleise der Eisenbahn benützt 
werden und war durch Verbreiterung des Bahndammes [für den 



^) Darunter auch das Schwarzmeer-Mariae-Detachement und 2 Compagnien 
(2. und 4.) des 5. Sappeur-Bataillons. Die übrigen 2 Compagnien (l. und 3.) dieses 
Bataillons waren Ende Mai [erste Dekade Juni] nach Slatina gesendet \vorden. 

2) Die übrigen zum ,, Untere Donau-Corps" gehörigen Truppen blieben in den 
früher angegebenen Orten. 



02 



Verkehr der Truppen und Trains] eine Verringerung der Brücken- 
länge möglich; 3. sollten die halbzerstörten Häuser von Gecet 
am rechten Ufer das Material zur Herstellung der der Brücke 
zunächst befindlichen Strecke des Fahrweg*es nach Mäcin liefern. 

Die Arbeiten am Brückenbau bei Bräila wurden am i . [i 3.] Juni 
in Ang'riff genommen. Das zunehmende Hochwasser hatte zu 
dieser Zeit den zur Verbreiterung in Aussicht g*enommenen Bahn- 
damm stark unterwaschen und theilweise abgeschwemmt. Die 
Arbeiten begannen nun mit der Verbreiterung des erhalten g'e- 
bliebenen Dammtheiles in einer Länge von 100 Sazen [213 ni\. 
Zugleich schritt man zum Bau einer Bock-Brücke von 223 Sazen 
[475 1}{\ Länge an Stelle des abgeschwemmten Dammtheiles. 
Inzwischen brachten Schleppdampfer aus Galaz sämmtliche Bestand- 
theile der dort hergestellten Floss-Brücke herbei. Sodann begann 
am 6. [18.] Juni mit Hilfe der Schleppdampfer das Einführen der 
Flösse und am 9. [21.] Juni^ 5 Uhr nachmittags^ war die Brücke 
fertig. Die Länge des Brückentheiles mit Pontonunterlage betrug 
246 Sazen [525 ij{\. 

Während dieser Arbeiten war Gecet von i Compagnie be- 
setzt ; nach Fertigstellung der Brücke wurde diese Bedeckung 
auf 2 Compagnien verstärkt. Für die Nacht wurden von dem aus 
freiwilliger Mannschaft der 17. und 18. Division bestehenden 
Commando des Lieutenants Nikonow Beobachtungs-Posten auf 
Booten in die überschwemmten Niederungen vorgeschoben. Die 
Sicherung der Brücke stromauf- und abwärts wurde dem Com- 
mandanten des Schwarzmeer - Marine -Detachements^ Capitän- 
lieutenantBeklesow, übertragen und zum Schutze in der Richtung 
gegen Bräila stellte man bei der zur Brücke führenden Rampe 
eine Infanterie-Halb compagnie auf. 

Um die Aufmerksamkeit der Türken von Galaz und Bräila 
abzulenken^ befahl General Zimmermann den gegenüber Tulcea^ 
Isaccea und Hirsova dislocierten Truppen, Demonstrationen aus- 
zuführen. 

Er beabsichtigte^ das zu üb er schiffende Detachement von 
Galaz gegen die Halbinsel Bugecu am 10. \22?\ Juni beim Morgen- 
grauen und jenes von Bräila gegen Mäcin am Abende desselben 
Tages abzusenden, um am 11. [23.] Juni den letztgenannten Ort 
mit vereinten Kräften anzugreifen. Ueber diese Absichten hatte 
er dem Armee-Stabschef berichtet. Aber schon am 8. [20.] Juni 
telegraphierte General Zimmermann — in der Befürchtung, 
dass der Brückenschlag sich verzögern werde — an General 



I03 

Nepokojcitzki; dass die Ueb er schiffung der Vortruppen erst 
am II. oder 12. [23. bzw. 24.] Juni und der Angriff auf Mäcin 
tags darauf stattfinden werde. 

Als Antwort erhielt er am g. [21.] Juni vom Armee-Ober- 
commando folgendes Telegramm : ^^Ueberschiffung und Angriff 
auf Mäcin haben unbedingt auf jenen Grundlagen zu erfolgen, 
wie Sie gestern gemeldet^ das ist am Samstag^ den 11. Juni, bei 
Morgengrauen; auf diese Anordnung ist vieles von mir basiert, was 
nicht mehr geändert werden kann. Seine Majestät fährt auf Grund 
dieser Annahme morgen abends ab und trifft Freitag gegen 3 Uhr 
morgens in Bräila ein ; Aufschub der Ueberschiffung keinesfalls 
möglich." 

Nach Erhalt dieses Befehles eilte General Zimmermann 
persönlich nach Galaz, um die Vorbereitungen für die Ueber- 
schiffung zu beschleunigen ; er gab gleichzeitig dem Lieutenant 
Dubasow den Auftrag, in der Nacht vom 9. auf den ro. [21. auf den 
22.] Juni eine Demonstration von Bräila gegen Mäcin auszuführen. 

Die Halbinsel Bugecu, auf welcher die Landung erfolg'en 
sollte, wurde bespült: im Westen vom Orlig-Arme^) und den Seen 
Balta Jijilei, Podu und Plosca ; im Norden von dem Furdogardori- 
Canale; im Osten von demselben Canale und dem Ciulonita-Flusse. 
Die ganze Halbinsel ist stark gewellt. An ihrem nördlichen Theile 
erhebt sich der felsige Bugecu-Berg. Sein westlicher Hang ist 
steil und mitunter abschüssig ; gegen Norden und Osten senkt 
sich das Gelände terrassenförmig. Am südlichen Hange liegt der 
schmälste Theil dieser Landzunge, im ganzen ungefähr eine halbe 
Werst breit. Von da gegen Süden wird die Halbinsel allmählich 
breiter und erreicht beim Dorfe Garvan über 2 Werst. Hier ist eine 
Reihe von Höhen quer aufgesetzt, die eine günstige Position bieten, 
um einem vom Norden anrückenden Gegner entgegenzutreten. 

Zur Ueberführung von Galaz nach der Bugecu-Halbinsel 
wurden bestimmt: die Infanterie-Regimenter Rjazanj Nr. 69 und 
Rjazsk Nr. 70, sowie die halbe 4. Batterie der 18. Artillerie- 
Brigade, unter den Befehlen des Commandanten der i. Brigade 
der 18. Infanterie-Division, GM. Zukow. 

An Ueberschiffungsmitteln wurden bereitgestellt: 25 Pontons 
(zu 42 Mann), 15 Flösse für die Artillerie und gegen 80 Boote 
verschiedener Grösse. 



^) Zweigt nördlich Macin ab, mündet nordwestlich JijileT. 



IÜ4 

Dementsprechend wurden für den ersten Ueberschiffungs- 
Staffel bestimmt: 4 Geschütze und 10 Compag-nien Infanterie^ 
und zwar die 5.; 6. und 10. Linien-^ sowie die 2. und 3. Schützen- 
Compagnie des 6g. Regiments, ferner die 5. und 11. Linien- und 
die I., 2. und 3. Schützen-Compag-nie des 70. Regiments. 

Es wurde befohlen, Mäntel und Tornister beim Train zurück- 
zulassen, per Mann 96 Patronen und die 4tägig-e Verpflegung- 
mitzunehmen. Zum Rudern und Steuern waren Leute der eigenen 
Regimenter, für die zum Schleppen der Artillerie-Flosse bestimmten 
Boote aber Sappeure und Kasaken einzutheilen. 

Durch die seitens der Regiments-Commandanten ausgeführten 
Recognoscierungen war festgestellt worden, dass die günstigste 
Landung-sstelle am nordöstlichen Ufer der mehrfach erwähnten 
Halbinsel bei den Fischerhütten liege ; dorthin wurde auch der 
grössere Theil der zu überschiffenden Gruppe, nämlich die Com- 
pagnien des Regiments Rjazanj Nr. 69 und die Artillerie dirigiert. 
Damit aber dieser Theil von den Türken, wenn sie eine starke 
Position auf den Höhen einnahmen, nicht aufgeiialten würde, 
hatten die Compagnien des Regiments Rjazsk Nr. 70 im Rücken 
der Türken, am westlichen Ufer der Halbinsel, dort, wo dieselbe 
am schmälsten ist, zu landen. 

Die zu üb er schiffenden Truppen hatten sich [nach Ueber- 
setzung des Hauptarmes der Donau] zu sammeln : die Infanterie 
beim Dorfe Azacläu, die Artillerie beim Dorfe Zatok. Von da 
sollten sie am 9. [21.] Juni abends über das Inundations-Gebiet 
zum Plosca-See fahren, wo sie im Schilfe verdeckt das Aufgehen 
des Mondes abzuwarten hatten. Hienach sollten sie (unter dem 
Schutze der Dunkelheit) zu den angewiesenen Landungsstellen 
hinüberschiffen, dort landen und bei Tagesanbruch die Türken an- 
greifen. Nach erfolgter Einnahme der Bugecu-Höhen hatten die 
Truppen stehen zu bleiben und das Eintreffen des zweiten Ueber- 
schififungs-Staffels abzuwarten. Sobald die 20 Compag-nien ver- 
einigt waren, sollte die Vorrückung wieder aufgenommen werden, 
um sich in den Besitz der Garvan-Höhen zu setzen. Dies waren 
die vor der Ueb er schiffung- getroffenen Verfügungen. 

Gegen 7 Uhr abends fuhren die Boote mit der Infanterie 
von Azacläu ab ^). General Zukow hatte den beiden Regi- 



^) Ueber die Uebersetzung des Hauptarmes der Donau sind im Originaltexte 
keine Angaben enthalten. — D. Qeb. 



io5 

ments - Commandanten^ Oberst Sulgin (Nr. 69) und Oberst 
Seiko wnikow (Nr. 70) befohlen^ zum Plosca-See zu fahren und 
dort seine Ankunft zu erwarten ; er selbst begab sich nach Zatok, 
um beim Verladen der Artillerie auf die Flösse nachzusehen. 

Um 10 Uhr abends waren alle Infanterie-Boote beim Plosca- 
See versammelt. Die Nacht war still und mondhell. Geg-en Mitter- 
nacht begann der Mond sich zu bedecken und es trat Dunkel- 
heit ein. Die Zeit zum Handeln war gekommen — eine nur sehr 
kurze Zeit (da es im Juni schon um 4 Uhr dämmert) — aber 
General Zukow war noch immer nicht da. Die beiden Regi- 
ments-Commandanten traten zu einer Berathung zusammen. Oberst 
Sulgin äusserte seine feste Absicht^ sobald sich der Mond ver- 
deckte^ zur Halbinsel abzufahren und an der bezeichneten Stelle 
zu landen; Oberst Selkownikow hingegen beschloss, das Ein- 
treffen des Generals Zukow abzuwarten. 

Geg-en 2 Uhr^ als es schon völlig dunkel geworden war^ 
ruderten die Compagnien des Regiments Rjazanj^ den Tele- 
graphenstangen entlang^ zu der Landungsstelle bei den Fischer- 
hütten. Anfangs war die Bewegung der Boote durch das Schilf 
gedeckt ; beim Herausfahren auf die freie Wasserfläche aber 
wurden sie von den Türken bemerkt. Gegen 3 Uhr morgens wurde 
der ganze nördliche Theil der Landzunge von Gewehrfeuer erhellt^ 
das gegen die Boote gerichtet war. Aui eine überraschende 
Landung war nun nicht mehr zu zählen. Die Boote lenkten von 
der Landzunge ab und fuhren wieder in das Röhricht^ wo sie 
jedoch nur schwer fortkamen und in Unordnung- geriethen. Die 
beginnende Dämmerung- gestattete aber dem Obersten Sulgin, 
die Ordnuncr bald wiederherzustellen. 

o 

Bei der Morgendämmerung nahm man wahr, dass die 
türkischen Schützen eine Stellung auf den oberen Hängen inne- 
hatten, welche die beabsichtigte Landungsstelle im Bogen um- 
spannten. Unter dem starken Gewehrfeuer der Türken stiessen 
die Rjazanjer rasch ans Ufer und bewirkten die Ausschiffung. 
Die ersten, welche das Ufer betraten, waren: Lieutenant Eis n er, 
Fähnrich Suskow, Unterlieutenant Wasiljew und Fähnrich 
Pogozew-Otraskievvic. A¥asiljew fiel unter dem Feuer der 
Türken, Eisner und Otraskiewic wurden verwundet. Die ge- 
landeten Compagnien rückten sogleich vor und trachteten, die 
linke Flanke der Türken zu umfassen. Die letzteren sahen sich 
nun durch die gelandeten Abtheilungen des Regiments Rjazsk 
(Nr. 70) bedroht, welche sich dem westlichen Ufer der Halb- 



OD 



insel näherten ; sie räumten daher schleunigst die Stellung und 
zogen sich in der Richtung* auf den Ort Gar van zurück. 

Wie vorhin bereits angeführt^ waren die Boote des Regi- 
ments Rjazsk in Erwartung des Generals Zukow beim Plosca- 
See stehen geblieben. Gegen 3 Uhr morgens, als der General 
noch immer nicht zu sehen war, beschloss Oberst Selkownikow, 
nicht läng-er zu warten und fuhr in der ihm vorher angewiesenen 
Richtung- ab. Die Boote waren kaum eine Werst gefahren, als 
sie von General Zukow eingeholt wurden. Es stellte sich heraus, 
dass er sich in dem Röhricht verirrt hatte ; erst das von den 
Türken auf das Regiment Rjazanj abgegebene Feuer gestattete 
ihm, sich zu orientieren. In der Befürchtung, dass die Rjazanjer 
einen partiellen Echec erleiden könnten, gab General Zukow 
sofort nach seinem Eintreffen den Booten des Regiments Rjazsk 
den Befehl, von der ursprünglichen Direction abzuweichen und 
sich in der kürzesten Richtung gegen das Ufer zu wenden. Die 
Rjazsker landeten und schlössen gleich mit ihrem linken Flügel 
an den rechten der Rjazanjer an. Hierauf bewegte sich die 
ganze Gefechtslinie (10 Compagnien), den sich zurückziehenden 
Türken folgend, gegen Süden vor. 

General Zukow beabsichtigte, dem ursprünglichen Plane 
gemäss, die Vorrückung einzustellen, sich auf dem Bugecu-Berge 
einzugraben und sich bis zum Eintreffen der Artillerie (4 Ge- 
schütze) und des zweiten Landungs-Staffels (10 Compagnien) zu 
halten. Dieser Befehl konnte jedoch nicht rechtzeitig übermittelt 
werden, da das gelandete Detachement keine berittenen Ordon- 
nanzen hatte. Die Abtheilung'en setzten rasch ihre Vorrückung 
gegen Süden fort, und da sich die beiden Flügel an die Ufer hielten, 
die Halbinsel aber gegen Süden immer breiter wird, zog sich 
die Gefechtslinie immer mehr auseinander. Zur Ausfüllung der 
entstehenden Lücken mussten successive Theile der Reserve vor- 
gezogen werden. 

Inzwischen machte das zurückgegangene türkische Detache- 
ment, welches durch herbeigeeilte Truppen aus Mäcin verstärkt 
worden war, auf den Garvan-Höhen halt und begann sich dort 
einzugraben. Die Kräfte der Türken beliefen sich, nach Schätzung 
des Generals Zukow, auf 3000 Mann Infanterie und 300 bis 
400 Mann irregulärer Reiterei nebst 2 Geschützen. Gegen 9 Uhr 
vormittags wurde aus der türkischen Position Artilleriefeuer er- 
öffnet, worauf die Türken selbst zum Angriffe übergiengen. 



loy 

Zur Abwehr der Türken gruppierte General Zukow sein 
Detachement wie folgt : die Rjazsker besetzten den rechten Ab- 
schnitt der Stellung vom Balta Jijilei bis zur Linie der Tele- 
graphenstangen^ die Rjazanjer setzten sich links davon bis zum 
Furdogardori-Canal fest. Die ganze Gefechtslinie nahm eine 
Frontausdehnung- von ungefähr 1V2 Werst ein. 

Die Action begann mit einem Angriffe der türkischen In- 
fanterie auf den russischen rechten Flügel. Dieser erste Angriff 
wurde abgewiesen. Hierauf attaquierten Tscherkessen und Baschi- 
bosuk beide Flügel der russischen Gefechtsordnung^ doch auch 
diese Attaque wurde alsbald zurückgeschlagen. Die in der Kette 
befindlichen Unterlieutenante des Rjazsker Regiments Nikolski II 
und Wasiljew^ welche sich mit ihren ^^»Ketten-Gliedern" den 
türkischen Reitern entgegengeworfen hatten^ fanden hieb ei den 
Heldentod. 

Die zeitweilige Verwirrung benutzend^ welche bei den Türken 
nach dem Zurückwerfen ihrer Cavallerie entstanden war^ be- 
mächtigte sich die 3. Schützen-Compagnie des Regiments Rjazanj 

— unter Commando des am Kopfe verwundeten und doch in der 
Eintheilung- gebliebenen Lieutenants Zawabjewski — des Ortes 
Garvan. Kurz darauf hatte die türkische Infanterie sich wieder 
gesammelt und gieng nochmals zum Angriffe vor^ diesmal gegen 
das Centrum^ wo sich die 2. Schützen- und die 11. Compagnie 
des Regiments Rjazsk befanden. Die Kette dieser Compagnien 
war durch die vorangegangenen Verluste bereits namhaft ge- 
schwächt und hatte ihre Reserve nahezu aufg-ebraucht ; auch die 
Patronen giengen zur Neige, Es gelang* jedoch dem Comman- 
danten des 2. BataillonS;, Oberstlieutenant Akinfijew eine Hand- 
voll Leute — etwa 40 Mann — um sich zu sammeln^ welche dann 

— mit dem Lieutenant Jermolow an der Spitze — sich mit 
dem Bajonnette kühn den Türken entgegenwarfen und sie zurück- 
drängten. 

So stand hier die Situation^ als gegen Mittag zur Unter- 
stützung der russischen Infanterie ein Geschütz unter Com- 
mando des Hauptmanns Lipinski eintraf. Die zur Ueber- 
schiffungs- Gruppe bestimmte Artillerie war — wie früher er- 
wähnt — rechtzeitig bei Zatok versammelt worden. Von dort 
wurde sie ami späten Abende des 9. [21.] Juni auf 9 Flössen, 
die von Ruderbooten geschleppt wurden, gegen die Halbinsel 
Bugecu in Bewegung gesetzt. Von den Flössen waren 4 mit 
Geschützen, i mit Munitionswagen und 4 mit Pferden beladen. 



io8 

In dem Schilfröhriclit gieng* die Fahrt nur lang-sam vor sich. 
Einigte mal fuhren die Flösse auf. Geg'en 8 Uhr morgens waren 
die Geschütze bei der Landungsstelle des Regiments Rjazanj 
(Fischerhütten) angelangt. Es war jedoch nicht möglich._, sie in 
Position zu bringen^ da keine Pferde zur Hand waren. Die Flösse 
mit den letzteren waren infolge der grossen Balastung zurück- 
geblieben. Endlich gegen lo Uhr vormittags traf ein Floss mit 
Pferden ein. Sofort wurde ein Geschütz bespannt und nach 
einem sehr schwierigen Aufstiege^ auf den Kampfplatz dirigiert. 
Das Erscheinen dieser einen Kanone bewirkte hier einen völligen 
Umschwutig'. Als die Türken nämlich sahen^ dass die Russen 
Artillerie erhielten, traten sie den Rückzug gegen Mäcin an. 

Hiemit endete das Gefecht in der Garvan-Stellung. 

General Zukow verfolgte die zurückgehenden türkischen 
Truppen nicht, denn erstens war mit der Einnahme der Garvan- 
Höhen die seiner Gruppe übertragene Aufgabe erfüllt^ zv/eitens 
aber waren die Leute nach einer schlaflosen Nacht und einem 
nahezu achtstündigen Gefechte äusserst erschöpft. 

Die Verluste der russischen Truppen betrugen 7 Officiere 
und 132 Mann; hievon entfielen 68 Procent auf das Regiment 
Rjazsk. Nach dem Gefechte ^) bezog die Gruppe des Generals 
Zukow eine Nachtruhe-Stellung nächst dem Orte Garvan. Zu 
dieser Zeit erst begannen die übrigen Geschütze und die Munition 
einzutreffen. 

Wie früher bereits angegeben^ hatte Lieutenant Dubasow 
den Befehl erhalten, von Bräila aus geg-en Mäcin zu demon- 
strieren. In Ausführung dieses Auftrages fahr er mit dem Dampfer 
^^Weliki Knjazj Nikolaj" und den Dampfkuttern ^,Zarewna" und 
,,vSutka" am 10. [22.] Juni^ um 3 Uhr 20 Minuten früh, gegen 
Mäcin ; nachdem er mit einer nahe bei der Stadt errichteten 
türkischen Batterie einige Schüsse gewechselt hatte, kehrte er 
nach Bräila zurück. 

Trotz des Erfolges der Landung auf der Bugecu-Halbinsel 
beschloss General Zimmermann, welcher von einem Dampfer 
bei Zatok aus den Gang des Gefechtes beobachtet hatte, auf 
den zweiten Theil seines Planes, nämlich die Entsendung- eines 
zweiten Staffeis geg'en Mäcin, zu verzichten. 



') Für das Gefecht auf der Halbinsel Bugecu erhielten den Georgs - Orden 
IV.Classe: der Brigadier GM. Zukow und Li jutenant Eisner des Regiments Rjazanj. 



I09 

Die Gründe seines Entschlusses sind in einem am selben Tage 
abgesendeten Berichte an den Armee-Stabschef wie folgt dargelegt: 

^;Es ist kein Zweifel^ dass die Türken in Mäcin bedeutende 
Verstärkungen erhalten haben^ und dass somit die auf die Stärke des 
Feindes aufgebauten früheren Pläne jetzt nicht mehr entsprechen. 
Eine Grundregel des Krieges ist bekanntlich^ sich nach den Um- 
ständen zu richten. Was übrigens die Besetzung der Dobrudza 
anbelangt; so ist es nicht von Wichtigkeit^ ob sie einige Tage 
früher oder später erfolgt. Von Mäcin aber kann man auch erst 
weiter vorrücken^ wenn eine fahrbare Communication zwischen 
dem genannten Orte und Bräila hergestellt ist. Das Wasser 
sinkt jetzt rascher ; wenn man sich noch einige Tage ge- 
duldet; wird es ^halbfussweise' fallen. Wir werden dann auf 
dem Fahrwege g'egen Mäcin vorrücken und bald eine starke 
Artillerie gegen den Ort auffahren lassen können. Jetzt Mäcin 
mit Dampfern^ Barken und Kuttern anzugreif en^ wäre sehr gewagt. 
General Zukow hat auf dem Wege von den Bugecu-Höhen nach 
Mäcin noch einen zwischen dem Dorfe Jijila und der Stadt Mäcin 
gelegenen Rücken zu passieren, welcher von den Türken be- 
festigt wurde. Die Hauptsache ist endlich, dass man am Mäciner 
Ufer noch keinen günstigen Platz gefunden hat, wo die Infanterie 
ausgeschifft werden könnte. Lieutenant Nikon ow hat in den 
Schilfniederungen einige Nächte auf der Suche nach einem Zu- 
gange zugebracht, und er fand nur ein Mittel, nämlich die Boote 
von den seichten in tiefere Stellen übertragen zu lassen, wozu 
auch noch Bäume im Wasser gefällt werden müssten [um sich 
einen Weg zu bahnen?]. Dies ist unter dem Feuer der Artillerie 
nicht möglich. In dem Mäcin- Arme der Donau sind Minen gelegt, 
worüber von allen Seiten Nachrichten vorliegen. Wir treffen 
Massnahmen, um Zukow mit allem Nöthigen zu versehen und 
seine Gruppe selbständig zu machen. Wir senden Mannschaft, 
Munition und Verpflegung hin. Zukow wird seine Brig'ade, das 
ist die Regimenter Rjazanj und Rjazsk, dann i Bataillon des 
Regiments Moskau Nr. 65 und 4 vierpfündige Geschütze unter 
sich haben." 

Inzwischen hatten die Türken, nach der Einnahme der Bugecu- 
Halbinsel durch die Russen, es für unthunlich erachtet, sich in 
Mäcin zu halten, und sie räumten den Ort noch am selben Tage» 
Am folgenden Tage, das ist am 11. [23.] Juni, verliessen sie auch 
Isaccea, und am 12. [24.] Juni Hirsova und Tulcea. Die Be- 
satzungen der genannten Orte zogen sich in die Linie Cernavoda- 



I lO 

Küstendze zurück. Die Kunde von der Räumung Mäcins seitens 
der Türken gelangte noch am Abende des lo. [22.] Juni nach 
Briiila durch Bulgaren^ welche vom rechten Donau-Ufer herüber- 
oekommen waren. In derselben Nacht wurde Mäcin durch Lieute- 
nant Nikon ow^ der mit Freiwilligen dort landete^ besetzt. Hirsova 
und Isaccea wurden durch Freiwilligen-Commanden von den zur 
Beobachtung dieser Orte am linken Ufer stehenden Truppen 
besetzt. 

Am II. [23.] Juni, das ist am Tage nach der Einnahme der 
Halbinsel Bugecu durch die russischen Truppen, traf Kaiser 
Alexander IL in Galaz ein. Nachdem vSeine Majestät die Ver- 
wundeten im Spitale besucht hatte, fuhr er nach Bräila, wo er 
von dem General Zimmermann empfangen wurde. Der Kaiser kam 
in das Lager der dort concentrierten Truppen, beglückwünschte 
dieselben zu dem Uebergange über die Donau, besichtigte sodann 
die Brückö und die Batterien bei Bräila und fuhr hierauf um 

I I Uhr vormittags nach Ploesci. 

Nach der Abreise Seiner Majestät führte General Zimmer- 
mann noch am selben Tage das Leib-Regiment Borodino (Nr. 68) 
und eine halbe 3. Batterie der 17. Artillerie-Brigade mittels Schlepp- 
dampfern nach Mäcin. 

Am 12. [24.] Juni traf in Mäcin auch die Gruppe des Generals 
Zukow aus Garvan ein./ 

Innerhalb dreier Tage, das ist vom 12. bis 14. [24. bis 26.] Juni 
gelangte die i. Don-Kasaken-Division sammt Artillerie auf das 
rechte Donau-Ufer. Die Regimenter der Division giengen über 
die Brücke bei Bräila und benützten dann den Fahrweg Gecet- 
Mäcin ; die Artillerie und die Trains wurden mit Dampfern 
und Barken überführt. Der Weg Gecet- Mäcin stand fast in 
seiner ganzen Länge noch unter Wasser und bot solche Schwierig- 
keiten für den Marsch, dass die Kasaken zur Hinterlegung der 
14 Werst 12 Stunden brauchten und die Division hiebei 16 Pferde 
verlor. 

Nach dem Uferwechsel der Reiterei sandte General Zimmer- 
mann sogleich zwei „Detachements" vor: das eine unter dem 
Befehle des Commandanten der i. Brigade der i. Don-Kasaken- 
Division, GM. Janow, nach Isaccea und Tulcea, das zweite 
unter dem Befehle des Divisionärs, General- Adjutanten Samsew, 
nach Babadag. Diese Detachements hatten, nebst der Besetzung 
der genannten Punkte, den Auftrag, die tscherkessische Be- 



1 1 1 

völkerung in dem vom Feinde gesäuberten Gebiete zu ent- 
waffnen und in die widersprechenden, beim Corpsstabe eingelangten 
Nachrichten über Stärke und Rückzugsrichtung des Gegners 
Klarheit zu bringen. 

Das Detachement GM. Janow, 8 Sotnien und 4 reitende 
Geschütze stark ^), marschierte am 14. [26.] Juni beim Morgen- 
grauen von Mäcin ab, traf um 2 Uhr nachmittags in Isaccea ein 
und setzte bald darauf den Marsch nach Tulcea fort, wo es um 
10 Uhr abends anlangte. Auf ihrem ganzen Wege wurden die 
Kasaken seitens der christlichen Bevölkerung in der freudigsten 
Weise begrüsst. Der schnelle Rückzug der Türken hatte die 
Gegend vor der Verwüstung bewahrt; man sah unterwegs 
grosse Herden von Hornvieh und Schafen, und das Korn auf 
den Feldern versprach eine reiche Ernte. Nur die tscherkessischen 
Ansiedlungen waren von den nach Süden geflüchteten Be- 
wohnern verlassen. Am 16. [28.] Juni trat General Janow 
den Rückmarsch nach Mäcin an, nachdem er in Isaccea und 
Tulcea 2 Sotnien zur Aufrechthaltung der Ordnung zurück- 
gelassen hatte. 

Das Detachement des General- Adjutanten S am sew, 10 Sotnien 
und 6 reitende Geschütze^), rückte am 15. [27.] Juni morgens 
von Mäcin ab, nächtigte im Dorfe Cerna (Gern oje) und marschierte 
am nächsten Tage über Bas chioi nach Babadag, wo es um 5 Uhr 
nachmittags eintraf. Nach den von General Samsew eingezogenen 
Erkundigungen waren die Türken nach Süden abmarschiert. Die 
feindliche Gruppe aus Tulcea war nach Küstendze abgezog'en, wo 
Befestigungen errichtet wurden; den Aussagen von Flüchtlingen 
aus dieser Stadt zufolge war die dortige Besatzung* schwach und 
belief sich auf höchstens 1000 Mann. Kasaken -Abtheilungen, welche 
von General Samsew nach verschiedenen Richtungen ausg'esandt 
wurden, trafen hie und da bloss auf kleine Tscherkessen-Trupps^ 
die sich der Plünderung hingaben. 

Das Wasser in der Donau war mittlerweile gefallen und 
der Fahrweg Gecet-Mäcin wurde instand gesetzt. Hienach vollzog 
sich der Uebergang der Truppen rasch, und am 25. Juni [7. Juli] 
befanden sich alle Theile des XIV. Corps bereits am rechten 
Donau-Ufer. Schon vor der Beendigung des Uferwechsels hatte 

^) I., 2., 4., 5, und 6. Sotnie des 15. Regiments, 4., 5. und 6. Sotnie des 

16. Regiments und 4 Geschütze der il. Batterie. 

-) 18. Regiment, i. und 2. Sotnie des 16. Regiments, 4. und 6. Sotnie des 

17. Regiments und 16. Don-Batterie. 



1 1 



General Zimmermann die Anordnungen für den Vormarsch des 
Corps nach Süden getroffen. Er beabsichtigte^ vor dem Beginne 
der Vorrückung in die Dobrudza die i8. Division mit ihrer 
Artillerie zwischen den Dörfern Muslu und Cadi Cäsla (Kadi 
Kisla) und die 17. Division, sowie die i. Don-Kasaken-Division 
sammt Artillerie in der Umgebung des Dorfes Cartal zu con- 
centrieren. 

Dementsprechend erhielt General-Adjutant Samsew den 
Befehl, am 24. Juni [6. Juli] nach Cartai abzugehen ; die 
in Mäcin befindlichen Truppen wurden dirigiert: i. über Ig-lita 
und Ostrov nach Cadi Cäsla, 2. über Iglita, Ai Orman (Igroman) 
und Haidar nach Cartal. Die Wahl dieser Marschlinien, welche 
nahe der Donau lag-en, bot wesentliche Vortheile, da man den 
Strom als Verbindungslinie benützen konnte, wodurch das 
Nachführen der nothwendigen Vorräthe auf den Wegen entfiel, 
welche nach den localen Verhältnissen für den Marsch von Trains 
sehr schwierig waren. 

Nachdem General Zimmermann Verfügungen betreffs der 
rechtzeitig'en Absendung von Verpflegs-Vorräthen nach Hirsova 
getroffen hatte, wo ein Intendanzdepot etabliert werden sollte, 
richtete er seine Aufmerksamkeit auf die vollständige Sicherung 
des Verkehres auf der Donau gegen etwaige Unternehmungen der 
türkischen Flotille. Zur Erschwerung der Zufahrt von Silistria 
her wurde bei Hirsova' eine Ufer - Batterie errichtet und mit 
2 Vierundzwanzigpfündern armiert, die aus Bräila zu Wasser hin- 
geschafft wurden ; zur Sperrung der Zufahrt von Sulina her ver- 
senkte man an der engsten Stelle des Sulina- Armes, nahe an der 
x\bzweigung des Georgs-Armes, mehrere Schiffe mit Sand und 
Schotter. 

Am 26. Juni [8. Juli] traf der Commandant des XIV. Armee- 
Corps mit seinem Stabe in Hirsova ein, wo auch i Bataillon 
des Regiments Tula Nr. 72 mit der i. Batterie der 18. Artillerie- 
Brigade aus Gura Jalomitei angelangt war. Das in letzterem Orte 
verbliebene Don-Kasaken-Regiment Nr. 40 wurde nach Cälärasi 
dirigiert, um als Verbindungsglied zwischen den Truppen des 
XIV. Armee-Corps und der Oltenitaer Gruppe zu dienen. 

Am Abende des 24. Juni [6. Juli] nahm der grössere Theil 
der Truppen des XIV. Armee-Corps folgende gebrochene Linie 
ein : Cadi Cäsla, Muslu, Dulgheru (Delger), Cartal, mit vor- 
geschobener Cavallerie in der Linie Jussi-Bei [Muslu -Bei], Serin 
Chioi (Siriu), Cuciuc-Chioi. 



Mit dem Abmärsche des XIV. Corps wurde die Gruppe des 
GL. Werewkin aus dem Verbände des ;,Untere Donau-Corps" 
ausgeschieden und marschierte nach Akkerman ab. Die Stelle 
dieser Gruppe an der unteren Donau nahmen Truppen des IV. Corps 
ein, und zwar: das Infanterie-Regiment Wladimir Nr. 6i, die 
I. Batterie der i6. Artillerie-Brigade und das 4. Don-Kasaken- 
Regiment. Der Commandant dieser Gruppe, GM. Alexandrow, 
Vv^urde dem General Zimmermann unterstellt. 



Der russisch-türkische Krieg. II. Bd. 



VI. CAPITEL. 

Uebergang der russischen Hauptkraft über die 
Donau bei Zimnicea-Svistov. 

Recognoscierung der Donau. — Vorbereitende Concentrierung der russischen Haupt- 
kraft. — Definitive Wahl des Uebergangspunktes. — Gruppierung der russischen 
Truppen, am Abende des 14. [26.] Juni. — Stärke und Vertheilung der türkischen 
Truppen. — Das Ufergelände bei Zimnicea-Svistov in taktischer Beziehung. — Ueber- 
schiffung des l. Staffeis. — Klampf in der Tekir dere-Schlucht und an deren rechts- 
seitigem Rande. — Ueberschiffung des 2. Staffeis. — Einnahme der Svistover Höhen. 
— Fortgang der Ueberschiffung nach dem Gefechte. — Situation der überschifften 
Truppen am 18. [20.] Juni. — Brückenschlag über die Donau. — Uebergang der Haupt- 
kraft auf das rechte Ufer. 

(Hiezu Karten-Beilagen 6, 7, 8 und 9.) 

Im I. Capitel wurde gesagt, dass bei der Erwägung des 
allgemeinen Operations-Planes der Beschluss gefasst wurde, den 
Haupt-Uebergang der russischen Truppen über die Donau irgend- 
wo im Abschnitte Nikopol-Svistov zu bewerkstelligen. 

Bei der definitiven Wahl der Uebergangsstelle mussten in 
Betracht gezogen werden : die topographischen Verhältnisse 
beider Donau-Ufer ; die Aenderung des Wasserstandes infolge des 
starken und verspäteten Hochwassers ; die Nachrichten über die 
Gruppierung der gegnerischen Kräfte, und schliesslich die Ver- 
hältnisse für den Kampf mit der türkischen Flotille. 

Aus diesen Gründen begnügte sich der Armee-Obercommandant 
nicht mit den bisher erlangten Daten, sondern ordnete eine noch- 
malige Recognoscierung der Donau, von der Einmündung des 
Oltu- (Alt-) Plusses bis zur Mündung der Donau in das Schwarze 
Meer an. Hiezu wurden neun Partien von Officieren bestimmt. 



115 

mit dem Auftrage^ die Recognoscierung am 12. [14.] Mai morgens 
zu beginnen ^). 

Es ist klar^, dass der ausgedehnte Rayon, welchen diese 
Recognoscierungen umfassten, und das gleichzeitige Erscheinen 
der Recognoscierungs-Partien an der Donau auch darauf berechnet 
waren, die eigentlichen Absichten bezüglich des Uebergangs- 
punktes thunlichst zu verschleiern. 

Alle Berichte liefen um den 20. Mai [i. Juni] ein^). 

Dennoch war es infolge des noch andauernden Hochwassers 
auch nach Erhalt der Relationen schwierig, einen bestimmten 
Schluss auf die günstigste Uebergangsstelle für das Gros der 
Armee zu ziehen. 



1) Mittels directen Befehles des Operierenden Hauptquartiers wurden folgende 
Recoguoscierungs-Partien entsendet : 

a) Oltu-Mündung und Umgebung: Geueralstabs- Oberstlieutenant Bajkow, 
Stabsrittmeister Stepanow, Stabscapitän Karandjejew, die Ingenieur-Hauptleute 
Rydzewski und Krjukow. 

T}) gegenüber Svistov : Generalstabs-Oberst Naglowski, Rittmeister Maksi- 
mowic, Hauptmann Popow und Stabscapitän Kleigels. Ueberdies nahm an dieser 
Recognoscierung auch der Commandant der 3. Sappeur-Brigade GM. Richter theil. 

c) in der Umgebung Giurgevos [Giurgiu] : Generalstabs-Oberst Parensow, 
Generalstabs -Oberstlieutenant Freese, Ingenieur- Oberstlieutenant Pljucinski und 
Stabscapitän Andrijewic. 

d) bei der Mündung des Argesu: Generalstabs -Oberstlieutenant Suchotin, 
Generalstabs-Hauptmann Seine kaiserliche Hoheit Grossfürst Nikolaus Nikolajewic 
der Jüngere, Hauptmann La skowski, die Stabsrittmeister Bezladnow undTsurikow. 

e) Recognoscierung der Wege von Fratesci und Giurgevo (Daita) nach Ale- 
xandria und von Bragadirul (Brigadir) gegen Zimnicea : Major Kwitnitzki und 
Stabscapitän Fürst Obolenski. 

Für die übrigen Recognoscierungen wurden die Officiere seitens der Comman- 
danten der ii. Cavallerie-Division, des XII. Armee-Corps und des „Untere Donau- 
Corps" bestimmt. 

-) Oberstlieutenant Bajkow, welcher mit seiner Partie den Donau- Abschnitt 
bei der Oltu-Mündung recognosciert hatte, fand, dass der Uebergang dort eine sehr 
schwere Aufgabe bilde. Seiner Ansicht nach konnte der Uferwechsel nur unter der 
Voraussetzung erfolgen, dass die gegenüber liegenden Werke der türkischen Festung 
Nikopol durch Bombardement aus den am linken Donau-Ufer errichteten Batterien 
mit Belagerungs-Geschütz zum Schweigen gebracht worden seien. Sodann sollte man 
sich der vorderen Werke durch die überschifiten Truppen bemächtigen, und hierauf 
unter Mitwirkung der oberwähnten Belagerungs-Batterien und der Feld-Artillerie der 
überschifften Gruppe die Festung selbst stürmen. 

Die Recognoscierung des Donau-Abschnittes bei Zimnicea hatte die Partie 
des Generalstabs-Obersten Naglowski durchgeführt, welche berichtete, dass dieser 
Punkt grosse Vortheile für den Uferwechsel der Hauptkraft biete. 

Die Partie des Generalstabs-Oberstlieutenants Suchotin, welche den Abschnitt 
bei der Argesu-Mündung recognosciert hatte, fand eine günstige Uebergangsstelle bei 



I ID 

Aus diesem Grunde wurde beschlossen, das Fallen des 
Wassers abzuwarten und inzwischen die Truppen derart zu 
gruppieren, dass sie nach definitiver Klärung der Sachlage rasch 
und unauffällig nach einem beliebigen Punkte der Strecke Nikopol- 
Svistov dirigiert werden könnten. 

In dieser Absicht verfügte der Armee-Obercommandant 
folg'ende Bewegungen, um die Armee zu concentrieren : 

A. Die Truppen des XL Armee-Corps (i i. und 32. Infanterie-, 
II. Cavallerie-Division) 1) hatten, nach Ablösung der Giurgevoer 
Gruppe des Generals Skobelew I, das Ufergelände der Donau 
vom Vede-Flusse bis Cälärasi zu besetzen. 

Dem Corps-Commandanten wurde folgende Aufgabe gestellt : 

a) Bukarest zu decken, indem er etwaige Versuche der 
Türken, auf das linke Ufer in der Umgebung von Oltenita oder 
Giurgevo zu übersetzen, verhinderte ; 

d) Giurgevo, Slobozia [Slobodsea] und Paraipani (Parapan) zu 
sichern, wo Ufer-Batterien zu errichten waren und wo die Donau 
durch Minen gesperrt werden sollte ; 

c) die Aufmerksamkeit der Türken auf Tutrakan [Turtukai] 
zu lenken, um einen Theil ihrer Kräfte von dem Haupt-Ueber- 
gangspunkte abzuziehen ; 

d) nach dem Uebergange der Hauptkraft auf das rechte 
Ufer und nach Annäherung derselben an Ruscuk [Russe] die 
Truppen des XL Armee-Corps über die Donau zu bringen, sich 
Tutrakans zu bemächtigen und eine Recognoscierung gegen die 
Eisenbahnlinie Ruscuk- Varna vorzutreiben, um diese Communi- 
cation zu zerstören ; 

e) die Verbindung mit dem „Untere Donau-Corps" ununter- 
brochen zu erhalten. 

Zur Durchführung aller dieser Aufgaben wurde dem Com- 
mandanten des XL Corps im besonderen befohlen : 



Oltenita. Oberstlieutenant Suchotiu wies auf die Wichtigkeit dieses Ueberganges im 
Sinne einer Diversion zu Gunsten des Haupt-Ueberganges und auf die wichtige Rolle 
hin, welche eine dort übersetzende Gruppe, mit starker Cavallerie dotiert, spielen 
konnte, wenn sie ihre Operationen mit der Vorrückung der Hauptkraft und des 
,, Untere Donau-Corps" combinierte. 

Der Bericht der Partie des Obersten Parensow wurde in den Acten nicht 
vorgefunden. 

*) Die II. Infanterie-Division traf von Galaz [Galati]-Bräila am 5. [17.] Juni in 
Budesci ein. 



117 

Giurgevo durch die 2. Brigade der 32. Infanterie-Division und 
die I . Brigade der 1 1 . Cavallerie-Division besetzen zu lassen und 
dieser Gruppe die Ueberwachung der Donau vom Vede-Flusse 
bis zum Grecilor- [Greaca-]See zu übertragen ; die Ueberwachung 
der Strecke vom Grecilor-See bis Oltenita der i. Brigade der 
32. Infanterie-Division und jener von Oltenita bis Cälärasi der 

2. Brig-ade der 1 1. Cavallerie-Division aufzutragen; die 1 1. Infanterie- 
Division in die Linie Budesci-Fratesci als Reserve für die Gruppen 
Giurgevo und Oltenita zu verlegen. 

B. Die Commandanten des VIII.^ IX. und XII. Armee-Corps 
erhielten Marsch-Pläne, nach welchen die Truppen dieser Corps 
spätestens am 11. [23. Juni] einzutreffen hatten: 

a) im Dorfe Seaca [Seca^ Siaca] die 14. Infanterie-Division, 
2 Compagnien des 7. Sappeur-Bataillons, die Ural-Kasaken-Sotnie, 
das 3., 4., 5. und 6. Pontonier-Bataillon und der Segelponton-Park. 

d) im Dorfe Piatra (Petra) die 9. Infanterie-Division (ohne 
das nach Zimnicea dirigierte Regiment Brjansk Nr. 35 mit der 

3. Batterie der 9. Artillerie-Brigade), die 4. Schützen-Brigade, 
2 Sotnien des 7. Plastun-Bataillons, der Feld-Telegraphen-Park 
Nr. 5 und sämmtliche Artillerie-Parks des VIII. Armee- Corps ; 

c) in Zimnicea die i . Brigade der kaukasischen Kasaken-Divi- 
sion von Giurgevo und die 2. Brigade dieser Division von Alexandria; 

d) im Dorfe Segarcea die 31. Infanterie-Division und die 
9. Cavallerie-Division aus Slatina; 

e) in Rosi de Vede die 5. Infanterie-Division, das Don- 
Kasaken-Regiment Nr. 34 und die Parks des IX. Armee-Corps. 
Die vorgenannten Truppen hatten in Rosi de Vede weitere Be- 
fehle abzuwarten. Im Falle aber bis 8. [20.] Juni kein Befehl 
käme, sollten sie nach Segarcea marschieren und sich mit den 
übrigen Truppen des IX. Corps vereinigen ; 

/) in Salcia die gesammte Infanterie des XII. Corps, der 
bulgarische Landsturm und der Feld-Telegraphen-Park Nr. 6. Die 
Artillerie-Parks des XII. Corps hatten bei Rosi de Vede stehen 
zu bleiben. 

g) in Vitanesci die 12. Cavallerie-Division. 

Die unter A und B angeführten Verschiebungen hatten bis 
II. [23.] Juni beendet zu sein. Das heranmarschierende XIII. Corps 
beabsichtigte der Armee-Obercommandant in Alexandria als all- 
gemeine Armee-Reserve zu concentrieren, hingegen die mittels 
Eisenbahn (nach den Ponton-Parks) herangeschobenen Truppen 
des IV. Corps nach einem besonders bestimmten Punkte zu 



ii8 

dirigieren, um sie in der Folg'e nach Bedarf dort verwenden zu 
können, wo man sie brauchte. 

Die bereits beg-onnene Truppenverschiebung- wurde uner- 
warteterweise durch die Verspätung- der Ponton-Parks vorüber- 
g"ehend eing"estellt. 

Das Operierende Hauptquartier erhielt am 5. [17.] Juni 
folgendes Telegramm des Chefs der militärischen Verbindungen : 
,, Wegen Mang*els an rollendem Material und vielfacher Schwierig- 
keiten in der rechtzeitigen Beförderung der Leerzüge ist es ganz 
unmöglich g-ewesen, die Ponton-Parks zum bestimmten Termine in 
der Endstation (Bäneasa) eintreffen zu lassen ; der letzte Staifel 
langt um zwei Tage später an, als bestimmt war." 

Auf Grund dieser Nachricht Hess der Armee-Obercommandant 
— um nicht vorzeitig die Aufmerksamkeit der Türken auf den 
für den Uebergang gewählten Abschnitt zu lenken — alle Märsche 
auf 3 Ta.ge einstellen. Den Truppen wurden unverzüglich folgende 
neue Dispositionen ausgegeben, und zwar : 

a) die in Slatina befindlichen Theile des IX. Corps mar- 
schieren von dort am 9. und 10. [21. und 22^\ Juni ab. Die 
5. Infanterie-Division und das XII. Corps mit den zugetheilten 
Truppen und Parks bleiben bei Rosi de Vede stehen ; 

b) die 14. Infanterie-Division, die 4. Schützen-Brigade und 
2 Sotnien des 7. Piastun-Bataillons versammeln sich beim Dorfe 
Beiul (Beiu); 

c) die 9. Infanterie-Division und der Feld-Telegraphen-Park 
Nr. 5 bleiben bei Alexandria ; 

d) alle Ponton-Parks sammeln sich definitiv bei Beiul am 
12. [24.] Juni; 

e) die i. Brigade der kaukasischen Kasaken-Division sammelt 
sich, sobald sie durch Truppen der 11. Cavallerie-Division ab- 
gelöst wurde, bei Gogosari (Gogosari veki) ; die 2, Brigade bleibt 
vorläufig bei Alexandria ; 

f) die 12. Cavallerie-Division rückt von Copäceni nicht am 
7. [19.], sondern am 10. [22.] Juni ab. 

Alle vorgenannten Truppen hatten demnach an die in den 
früheren Marsch-Plänen bezeichneten Orte zu rücken, jedoch drei 
Tage später als ursprünglich bestimmt war, also nicht am 1 1. [23.], 
sondern am 14. [26.] Juni dortselbst einzutreffen. 

Dies waren die anftmgs [Mitte] Juni zur Versammlung der 
Armee gegen den Uebergangspunkt der Hauptkraft getroffenen 
Massnahmen. 



1 19 

Mittlerweile war das Wasser der Donau gefallen^ und der 
Armee-Obercommandant hielt es nun für nothwendig, eine persön- 
liche Recognoscierung zum Zwecke der genauen Bestimmung des 
Uebergang-spunktes vorzunehmen. 

Am 8. [20.] Juni^ um V23 Uhr nachmittags^ fuhr der Gross- 
fürst in Begleitung des Stabschefs^ General-Adjutanten Nepo- 
kojcitzki und dessen Gehilfen GM. Lewitzki^ mittels Bahn von 
Ploesci in der Richtung auf Bukarest ab. Das Ziel der Reise 
war, wie aus dem Tagebuche des Operierenden Hauptquartiers 
zu entnehmen ist, nicht einmal den Organen des Hauptquartiers 
bekannt. In Bukarest angekommen, verweilte der Grossfürst 
kurze Zeit beim Fürsten Carol und verliess dann unauffällig bei 
Nacht die rumänische Hauptstadt. Nach Vornahme persönlicher 
Recognoscierungen läng-s der Donau von Zimnicea bis Turnu 
Mägurele hielt der Grossfürst in letzterem Orte eine Berathung 
ab, an welcher theilnahmen : der Stabschef Nepokojcitzki, sein 
Gehilfe Lewitzki, der Artilleriechef Fürst Masalski, der In- 
genieurchef Depp und der Commandant der 14. Infanterie-Division 
Drag-omirow. 

Dort ertheilte der Grossfürst definitiv den Befehl, dass der 
Donau-Uebergang bei Zimnicea-Svistov in der Nacht vom 
14. zum 15. [26. zum 27.] Juni auszuführen sei. 

Die Ueb er schiffung wurde dem Commandanten der 14. In- 
fanterie-Division, Generalmajor der kaiserlichen Suite Drago- 
mirow, übertragen und ihm gleichzeitig bekanntg*egeben, dass 
die Türken — den Nachrichten des Hauptquartiers zufolge — in 
der Nähe des Uebergangspunktes 1500 Mann bei Svistov und 
2900 Mann mit Artillerie bei Vardim hätten. 

Alles, was den Uebergang betraf, wurde höchst geheim 
behandelt und die Befehle nahezu ausschliesslich mündlich ge- 
geben. Sogar dem Kaiser meldete der Armee-Obercommandant 
über den gewählten Uebergangspunkt erst um 8 Uhr abends des 
14. [26.] Juni im Dorfe Dracea ^). Zu den behufs Maskierung der 
thatsächlichen Uebergangsstelle getroffenen Massnahmen gehört 
auch die „geheime" Mittheilung des Armee- Stabschefs an den 
Commandanten des IX. Armee-Corps, GL. Baron Krüdener, der 
Armee-Obercommandant habe beschlossen, ,,das IX. Armee-Corps 
an der Tete der übrigen Truppen der Armee die Donau vom 



^) L. M. Cicagow, „Tagebuch der Anwesenheit des Zar-B2freiers bei der Donau- 
Armee 1877". 



Dorfe Seaca her in der Richtung* auf Nikopol übersetzen zu 
lassen" ^). Schliesslich wurde^ um die Aufmerksamkeit der Türken 
abzulenken, der Befehl gegeben, dass die mit Belagerungs- 
Geschütz armierten russischen und rumänischen Batterien vom 
14. [26.] Juni an durch drei Tage die gegenüberliegenden Festungen 
Ruscuk, Nikopol und Vidin heftig zu beschiessen hatten. 

Zu der unter die Befehle des Generals Drasfomirow 
tretenden Gruppe wurden eingetheilt: die 14. Infanterie-Division 
mit ihrer Artillerie, die 4. Schützen-Brigade, die combinierte 
Garde-Compagnie vom Ehrenconvoi Seiner Majestät ^), 2 Sotnien 
des 7. Plastun-Baitaillons, i. und 2. Gebirgs-Batterie und das Don- 
Kasaken-Regiment Nr. 23, im ganzen 16 Vi Bataillone, 6 Sotnien 
und 64 Geschütze. 

Die Ueb er schiffung dieser Gruppe auf das rechte Donau- 
Ufer wurde dem Commandanten der 3. Sappeur - Brigade, 
GM. Richter, übertragen, welcher die Recognoscierung bei 
Zimnicea durch die Partie des Obersten Naglowski mitgemacht 
und auch an der persönlichen Recognoscierung des Grossfürsten 
theilgenommen hatte. Dem General Richter wurden zur Dis- 
position gestellt: das 3., 4., 5. und 6. Pontonier-Bataillon, der 
Segelponton-Park, das Schwarzmeer-Marinesoldaten-Commando 
mit 344 Mann und die Ural-Kasaken-Sotnie ^). 



^) Der Zeitpunkt des Ueberganges war in der Zuschrift nicht angegeben; die vor- 
bereitenden Massnahmen geschahen eigentlich für den Uebergang bei Zimnicea. Zur 
Entgegennahme der definitiven Weisungen war Baron Krüdener für den 13. [25.] Juni 
in das Hauptquartier nach Dracea citiert worden. 

2J Kaiser Alexander 11. hatte am 2. [14.] Mai befohlen, ein ,,Garde-Deta- 
chement des Ehren-Convoi Seiner Majestät" zu bilden. Dasselbe hatte zu be- 
stehen aus: a) einer Infanterie-Compagnie, gebildet aus Vertretern aller Garde- 
Infanterie-Regimenter, der Leib-Grenadier-Regimenter Eriwan Nr. 13 und Jekaterinoslaw 
Xr. I, dann des Leib-Tnfanterie-Regiments Borodino Nr. 68; h) einer Halbescadron 
aus Vertretern aller Truppenkörper der Garde-Cavallerie und reitenden Garde- Artillerie, 
ferner von dem Leib-Dragoner-Regimente Moskau Nr. i, dem Leib-Uhlanen-Regimente 
Kurland Nr. 2 und dem Leib-Husaren-Regimente Pawlograd Nr. 2; c) einer Sappeur- 
Halbcompagnie vom Garde-Sappeur-Bataillon, mit einem Commando von der Garde- 
Fuss-Artillerie. Zum Commandanten dieses Detachements wurde der Flügeladjutant, 
Oberst des Leibgarde-Preobrazenski-Regiments Ozerow bestimmt. 

Zur Theilnahme an der Ueberschiffung sollte durch Los die Hälfte der Leute 
von der Infanterie-Compagnie und der Sappeur-Halbcompagnie bestimmt werden. Aus 
diesen Leuten wurde gebildet : die obangeführte combinierte Compagnie, ferner 
I Sappeur-Zug, welcher bestimmt war, den Pontonieren bei der Ueberschiffung zu 
helfen und endlich ein Artillerie-Commando, das der 2. Gebirgs-Batterie zugetheilt wurde. 

^) Die Leute dieser Sotnie beschäftigten sich im Frieden mit Fischerei am Ural- 
Flusse und waren daher vortreffliche Ruderer und Schwimmer. 



12 1 



Zur Concetitrierung- der Armee gegen den Uebergangs- 
punkt ertheilte der Grossfürst folgende Befehle: 

1. die Gruppe GM. Dragomirow sammelt sich am Abende 
des 13. [25.] Juni bei Zimnicea ; 

2. die 9. Infanterie-Division (ohne das Infanterie-Regiment 
Brjansk Nr. 35 und die 3. Batterie der g. Artillerie-Brigade) ^) 
setzen den Marsch nach Piatra fort, wo sie weitere Befehle ab- 
zuwarten haben ; 

3. die I. Brigade der kaukasischen Kasaken-Division bleibt 
bis auf weiteren Befehl bei Beiul^ die 2. Brig*ade marschiert am 

13. [25.] Juni von Alexandria ab und trifft in der Nacht auf den 

14. [26.] Juni in Zimnicea ein; 

4. vom IX. Armee-Corps ist eine Brigade der 3 1 . Infanterie- 
Division mit 3 neunpfündigen Batterien bei Turnu Mägurele 
zurückzulassen^ wohin auch i neunpfündige Batterie der 5. Artillerie- 
Brigade zu dirigieren ist ; die übrigen Truppen dieses Corps 
sammeln sich bei Seaca^). (Dem Corps-Commandanten wurde hiebei 
mitgetheilt^ seine Truppen würden, an der Tete der Armee, auf 
Prähmen bei Flämända überschifft werden und sodann geg*en 
Nikopol vorzurücken haben. — Diese Mittheilung gehörte, wie 
bereits erwähnt, in die Reihe jener Massnahmen, welche zur Ver- 
heimlichung der eigentlichen Absichten des Obercommandanten 
dienten.) 

5. das XII. Armee- Corps und der bulgarische Landsturm 
rücken nach Voivoda und Crosca ; 

6. die 35. Infanterie-Division rückt von Alexandria nach 
Frumösa ; hinter ihr folgen die übrigen Truppen des XIII. Corps 

7. aus dem Verbände der 8. und 9. Cavallerie-Division sind 
die Dragoner-Regimenter auszuscheiden und aus denselben sammt 
der 16. reitenden Batterie eine selbständige Dragoner-Brigade zu 
formieren, welche am 15. [27.] Juni nach Piatra zu rücken hat. 

8. die übrigen 3 Regimenter der 9. Cavallerie-Division 
haben jene der 8. Cavallerie-Division an der Donau abzulösen. 

Auf diese Art wurden am 14. [26.] Juni gegen Abend in 
dem Rayon Zimnicea-Turnu-Alexandria 4 Armee-Corps (VIII., 
IX., XII. und XIII.) derart versammelt, dass die am weitesten 



^) Das Regiment Brjansk sammt der Batterie waren — wie bereits erwähnt — 
vorher nach Zimnicea abgesendet worden. 

^) Von der 31. Infanterie-Division wurde das Regiment Kozlow Nr. 123 (ohne 
Schützen-Corapagnien) temporär bei Slatina zurückgelassen, um bei den Arbeiten an 
der Erzeugung des Materials für die Brücke bei Zimnicea-Svistov mitzuhelfen. 



entfernten Truppen nicht mehr als 40 Werst zum Uebergangs- 
punkte zu marschieren hatten. 

Wie aus den von Oberst Artamanow^ über Befehl des 
Grossfürsten^ nach Beendig-ung" des Krieg'es zusammengestellten 
Tabellen zu ersehen ist^ hatten die Türken am 15. [27.] Juni in 
der Nähe des Uebergangspunktes : bei Svistov i Bataillon 
und I Escadron mit 2 Geschützen^ circa 770 Mann und bei 
Vardim 5 Bataillone mit 4 Geschützen^ circa 3330 Mann. Die 
nächsten eventuellen Unterstützung-en standen: 70 Werst ent- 
fernt in Trnovo 4000 Mann ; 60 Werst entfernt in Ruscuk 
21.200 Mann; 40 Werst entfernt in Nikopol 9800 Mann. Diese 
Zahlen stimmen annähernd mit den Tabellen des Obersten Torcy 
für den Anfang Juni überein. 

An Befestigungen waren am Donau -Ufer bei Svistov 
2 Batterien für je 6 Geschütze errichtet; eine solche Batterie stand 
auch auf dem Terebunar-BerQ-e südwestlich von Vardim. Die 
Batterien waren jedoch nicht armiert und sollten erst im Bedarfs- 
falle von den Besatzung-en der genannten Orte mit Feld-Geschützen 
versehen werden. 

Der türkische Obercommandant Abdul Kerim Pascha er- 
rieth die Absicht des russischen Hauptquartiers^ den Uebergang 
an der Mittleren Donau auszuführen ; er hielt es jedoch bei den 
verfüg'baren Kräften nicht für möglich^ den Ufer Wechsel zu ver- 
hindern. 

Es ist dies aus folgender^ von Abdul Kerim Pascha an- 
fangs Juni nach Constantinopel abgesendeten Meldung zu er- 
sehen : 

;;Die Uebergangs-Versuche des Gegners müssen sich haupt- 
sächlich auf die Strecke Ruscuk- Vidin richten ; nachdem wir 
dort weder über starke Festung-en^ noch über grössere Heeres- 
körper verfügen^ welche in der Lage wären^ den Feind ab- 
zuweisen, so lehne ich jede Verantwortung ab^ wenn der Ueber- 
gang des Feindes in diesem Abschnitte gelingen sollte." 

Die Ansicht, dass es unmöglich sei, den Uebergang an der 
Mittleren Donau zu verhindern^ wurde auch in Constantinopel 
getheilt. Ueberhaupt waren die in Donau-Bulgarien befindlichen 
und hauptsächlich im Festungs-Viereck und in Vidin concentrierten 
Truppen nicht für Operationen im freien P^elde bestimmt^ was 
aus folgendem Befehle des Sultans an die ^^Hohe Pforte" vom 
II. [23.] Juni hervorgeht: 



123 

,^Aus dem eben erhaltenen Berichte des Serdar - Ekrem 
ist zu ersehen^ dass die Russen Anstalten zur Uebersetzung 
der Donau treffen. Die an den Flügeln der Vertheidigungs- 
linie an der Donau postierten Gruppen sind bloss für die 
Defensive bestimmt ; für den Kampf im freien P'elde aber^ um 
das Eindringen des Feindes in das Innere des Landes zu ver- 
hindern, um seiner Hauptkraft entgegenzutreten, wo immer sie 
erscheinen möge^ und um — wenn möglich — die Rückzugs- 
linien des Feindes zu bedrohen, ist es unerlässlich, eine Reserve 
zu bilden." 

General Dragomirow traf am ii. [23.] Juni aus Turnu 
Mägurele in Beiul ein, wo die g'anze Ueberschiifungs-Gruppe 
versamm^elt war. Am nächsten Morgen berief er alle Comman- 
danten der ihm unterstellten Truppenkörper zusammen, ertheilte 
ihnen mündlich den Befehl zur Vorrückung nach Zimnicea und 
wies ihnen genau die Haltplätze an, welche so gewählt waren, 
dass sie von den Türken am anderen Ufer nicht eingesehen 
werden konnten. Der Vormarsch war in 3 Staffeln auszuführen; 
er hatte am 12. [24.] um 5 Uhr nachmittags zu beginnen und 
beim Morgengrauen des 14. [26.] zu enden ^). 

Die I. Brig-ade der 14. Infanterie- Division erhielt nebstbei 
den Auftrag, so viel Schanzzeug als möglich von den Pontonier- 
Bataillonen auszufassen ; dieser Befehl wurde noch am selben 
Tage vollzogen. 

Dem Marsch-Befehle entsprechend, trat die Gruppe des 
Generals Dragomirow die Vorrückung von Beiul in 3 Staffelii 
an, und zwar : 

a) I. Staffel — Schützen-Bataillone Nr. 13, 15 und 16^), 
2 Sotnien des 7. Plastun-Bataillons, Don-Kasaken-Regiment Nr. 22^ 
Gebirgs-Batterie Nr. i und 2 — marschierte aus der Umgebung 
von Beiul am 12. [24.] Juni um 3 Uhr nachmittags ab und traf 
in der Morgendämmerung des 13. [25.] in Zimnicea ein. 

b) 2. Staffel — I. Brigade der 14. Infanterie-Division, com- 
binierte Compagnie des Ehren-Convoi, i., 2. und 3. Batterie der 
14. Artillerie-Brigade — rückte am 13. [25.] um 2 Uhr nachmittags 
ab und traf in derselben Nacht am Marschziele ein. 



^) Bis zum Abmärsche übten sich die Truppen im Einschiffen. In Ermangelung 
anderer Mittel wurden hiezu Gruben in den Dimensionen der Pontons ausgehoben. 

-) Das Schützen-Bataillon Nr. 14 und die 4. Batterie der 14. Artillerie-Brigade 
waren früher schon nach Zimnicea vorgeschoben worden. 



124 

c) 3. Staffel — 2. Brig'ade der 14. Infanterie-Division mit 
der 5. und 6. Batterie der 14. Artillerie-Brigade — marschierte 
am 13. [25.] um 5 Uhr nachmittags ab und erreichte Zimnicea 
beim ]\lorgengrauen des 14. [26.] Juni. 

Die eintreffenden Truppen bezogen sofort Bivouacs, ohne 
die Zelte aufzuschlag'en, und suchten sich hinter den Gebäuden 
der Stadt und in den Gärten der Umgebung zu decken. Besondere 
Aufmerksamkeit wurde auf die verdeckte Aufstellung der Ponton- 
Parks, Trains und der Artillerie verwendet 

Die Türken konnten wohl vorher schon bei Zimnicea täglich 
badende Soldaten und eine grössere Menge von Pferden beim 
Tränken sehen und mussten daher von der Anwesenheit eines 
ziemlich starken Detachements^) Kenntnis haben. Man wollte 
jedoch auf russischer Seite vermeiden, dass die Türken die er- 
folgte Verstärkung" wahrnahmen ; deshalb wurde der Mannschaft 
verboten, sich auf offenen Stellen zu zeigen, und für das Baden 
und Tränken wurde eine bestimmte Reihenfolge vorgeschrieben ; 
überdies wurde die Controle der im Lager ankommenden und 
dasselbe verlassenden Civilpersonen verschärft. 

Die für den Donau-Uebergang der russischen Hauptkraft 
ausg-esuchte Stelle bot sowohl in strategischer als in taktischer 
Beziehung zweifellos manche Vortheile. 

In strategischer Beziehung- wurde durch die Wahl dieses an 
der Haupt- Operationslinie (Svistov-Trnovo-Adrianopel) gelegenen 
Punktes die Entfernung zum Balkan namhaft verringert und die 
Operationslinie in ihrem gefährlichsten Abschnitte, welcher gerade 
in die Nähe der im Festungs-Viereck concentrierten türkischen 
Hauptkraft führte, wesentlich gekürzt. 

Die taktischen Vortheile des Rayons Zimnicea-Svistov be- 
standen darin, dass das Strombett durch zwei grosse Inseln — 
Bugirescu und Adda — getheilt war, welche den Brückenbau 
erleichterten und die Möglichkeit boten, das ganze Brücken- 
Material und die Ueberschiffungsmittel hinter denselben bereit- 
zustellen. Ferner gestattete die topographische Beschaffenheit des 
rechten Donau-Ufers den überschifften Vortruppen, eine starke 
Vertheidigungsstellung- zur Deckung der Brückenbauten zu be- 
ziehen. 



') In Zimnicea standen, wie bereits erwähnt, ausser Cavallerie- Abtheilungen ^ 
die sich jeweilig ablösten, seit einigen Tagen das Infanterie-Regiment Nr. 35 und die 
3. Batterie der 9. Artillerie-Brigade. 



125 

Als nachtheilig für den Uebergang musste hauptsächlich die 
bedeutende Breite der Donau und die Beherrschung des linken 
nahezu vollkommen offenen Ufers (Zimnicea) durch das rechte 
(Svistov) in Betracht gezogen werden ; dieser Umstand nöthigte 
dazu, die Truppen nur bei Nacht an die Einschiffungspunkte heran- 
zuziehen und erschwerte die Unterstützung- der Landung durch 
Artilleriefeuer. 

Soviel man vom linken Ufer aus durch Augenschein be- 
urtheilen konnte, fiel das rechte Ufer zum Flusse in beinahe 
senkrechten Abstürzen ab, an deren Fusse sich nur schmale 
Sandstreifen hinzogen. Nahe Svistov waren eine eingeschnittene 
Rampe zum Strome und östlich davon einige zum Strome führende, 
kaum erkennbare Fusssteige zu sehen. Erst 3 Werst unterhalb 
Svistovs sah man eine dunkle, breite Oeffnung, die schluchtartige 
Mündung des Tekir dere - Baches, welche für das Anlegen 
der Pontons und die Ausschiffung dienen konnte. Weiter südlich, 
in der Entfernung von circa 1V2 Werst von der Uferlinie und 
nahezu parallel zu dieser, zogen sich die sogenannten Svistover 
Höhen hin, welche mit Weingärten, Obstgärten und Buschwerk 
bedeckt waren. 

In dem für das Versammeln und Einschiffen der Truppen 
gewählten Abschnitte bei Zimnicea bricht der erhöhte linke Ufer- 
rand, noch bevor er zum Strombette gelangt, steil ab und bildet 
eine breite Niederung, die durch das Hochwasser im Frühjahre 
gewöhnlich überschwemmt wird. Zur Zeit des beabsichtigten 
Ueberganges war diese Niederung noch nicht trocken und für 
P'uhrwerke sehr schwer passierbar. Ueberdies wurde sie von zwei 
AVasseradern durchzogen, von welchen die eine längs der Süd- 
Lisiere von Zimnicea nahezu parallel zur Donau floss, während die 
andere, von Süden gegen die Stadt ziehend, die erstere mit der 
Donau bei der Insel Bugirescu vereinigte. Beide Wasseradern 
waren tief genug, um auf denselben die Pontons von Zimnicea 
bis zum Einschiffungspunkte herablassen zu können. 

Von Zimnicea führten zur Donau drei steile Zufahrten, und 
zwar zwei von der West- und eine von der Süd-Lisiere der 
vStadt. Die Truppen des Generals Dragomirow hatten die öst- 
liche Zufahrt zu benützen und sodann über die Niederung zum 
Einschiffungspunkte zu marschieren. Dieser Weg war beizeiten 
instand gesetzt worden. GM. Richter hatte nämlich den Auftrag 
erhalten, in der Nacht vom 13. zum 14. [25. zum 26.] Juni eine 
Brücke mit Segelponton-Unterlagen über die nähere Wasserader 



126 

und weiter noch zwei Bock-Brücken über die am Wege liegenden 
tiefen Tümpel zu schlagen. 

Am 14. [26.] Juni^ 5 Uhr morgens^ berief GM. Dragomirow 
den Commandanten des Infanterie-Regiments Wolhynien Nr. 53, 
Oberst Rodionow^ sammt den Bataillons-Commandanten in sein 
Quartier und gab ihnen jetzt erst bekannt^ dass der Ueb ergang in 
der nächsten Nacht stattfinden und dass ihr Regiment zuerst über- 
setzen werde. Um nicht die Aufmerksamkeit der Türken zu er- 
regen, zeigte der General den Stabsofficieren von seinem Quartier 
aus die Einschiifungsstelle und den gewünschten Landungspunkt^ 
nämlich die Mündung des Tekir dere-Baches. Bei der Ertheilung 
der Weisungen betonte General Dragomirow, dass während 
der Ueberschiifung auf keinen Fall aus den Pontons geschossen 
werden dürfe ; nach der Landung sei das Ufer mit dem Bajonnette 
vom Feinde zu säubern. Er theilte auch mit^ dass das Ziel des 
Kampfes die Einnahme der Svistover Höhen sei und empfahl 
den Commandanten^ sich mittels Feldstecher über das jenseitige 
Ufer zu orientieren ^) . 

Es muss hiezu noch bemerkt werden, dass die letzten Be- 
obachtungen die bisherigen Nachrichten und Wahrnehmungen 
bestätigten, wonach die für den Uebergang in Aussicht genommene 
Donau-Strecke von den Türken nur schwach besetzt war. Am 
Ufer stand nur eine dünne Postenkette; erst bei Vardim sah man 
die Zelte eines kleinen Lagers blinken. 

Am 14. [26.] Juni gegen 5 Uhr nachmittags begann bei der 
Gruppe Dragomirow die Einth eilung der Truppen für die Ein- 
schiffung. Anfänglich beabsichtigte man, die ganze Gruppe in 
7 Staffeln übersetzen zu lassen und — den verfügbaren Mitteln 
entsprechend — zu jedem Staffel 12 Compagnien Infanterie, 
60 Kasaken und 8 Geschütze mit Pferden und Bedienungs-Mann- 
schaft einzutheilen. 

Zum I. Staffel wurden bestimmt: das i. und 2. Bataillon 
und alle Schützen - Compagnien des Regiments Wolhynien, 
I Plastun-Sotnie, 60 Kasaken des Don-Kasaken-Regiments Nr. 23 
und die 2. Gebirgs-Batterie, im ganzen circa 2500 Mann, unter 
Commando des Obersten Rodionow. 



^) Die Beobachtung des jenseitigen Ufers konnte von dem Garten beim Quartier 
des Generals Dragomirow stattfinden, ohne dass die Türken es bemerkten. Schon vor 
dem Eintreffen der UeberschifFungs-Gruppe hatte General Richter dort einen Unter- 
officier mit Fernrohr zur ständigen Beobachtung des gegenüberliegenden Ufers postiert. 



127 

Die Truppen des i. Staffeis sollten beim Betreten des 
türkischen Ufers^ zur Sicherung der Landungsstelle^ ungefähr 
folgende Gruppierung annehmen: die i. Schützen - Compagnie 
hatte^ mit dem rechten Flügel an der Donau^ eine Stellung 
westlich des Tekir dere-Baches^ mit der P>ont gegen Svistov 
zu besetzen; die 2. Schützen-Compagnie sollte mit dem linken 
Flügel an der Donau^ ebenfalls westlich vom Tekir dere^ aber 
längs dem linken Ufer desselben^ mit der Front gegen Ruscuk 
und Vardim, Stellung nehmen ; die Plastun-Sotnie^ mit der 
3. Schützen-Compagnie als Unterstützung^ hatte Front nach Süden 
zu machen. Hinter diesen Abtheilungen sollten sich die übrigen 
Truppen sammeln. 

Die Anordnungen für die technische Ausführung der Ueber- 
schiffung wurden mittels Brigade-Befehls der 3. Sappeur-Brigade 
(GM. Richter) schon am 7. [19.] Juni verlautbart^ zu einer Zeit also^ 
wo die Uebergang-sstelle noch nicht definitiv gewählt war. Dieser 
Befehl enthielt unter anderem folgende Bestimmungen : 

^,Die Ueberschiffung der Infanterie erfolgt mittels Pontons^ 
jene der iVrtillerie mit Ueberschiffungsgliedern aus Pontons ; die 
Pontonier-Bataillone Nr. 3, 4 und 5 stellen je 12 anderthalbfache 
und je 8 einfache Pontons bei^ das Pontonier-Bataillon Nr. 6 hat 
6 Ueberschiffungsglieder aus anderthalbfachen Pontons und 8 ein- 
fache Pontons beizustellen." 

^;Zu jedem anderthalbfachen Ponton sind 8 Ruderer, zu jedem 
Ponton 2 Steuerleute und i Pontonier sammt Tasche (mit Pfropfen 
zum Verstopfen von Löchern) zu bestimmen." 

,, Jeder anderthalbfache Ponton nimmt 45, jeder einfache 
30 Infanteristen auf, somit sind für eine Compagnie mit 180 Mann 
4 anderthalbfache oder 6 einfache Pontons zu bestimmen. Hienach 
wird jedes der Pionnier-Bataillone Nr. 3, 4 und 5 auf einmal 
4 Compagnien einschiffen, das Bataillon Nr. 6 nimmt für jede 
Fahrt i Compagnie auf ; bei jedem Bataillon bleiben sodann 
2 Pontons in Reserve, die — mit Rettungskränzen und Leinen aus- 
gerüstet, sowie mit Sanitäts-Personal und mit geübten Schwimimern 
zur Hilfeleistung dotiert — während der Ueberschiffung an be- 
stimmten Punkten zu stehen haben. Auf diesen Pontons sollen 
auch alle höheren Befehlshaber, von den Regiments-Commandanten 
aufwärts, überschifft werden." 

Dieser Befehl wurde durch eine detaillierte Instruction 
ergänzt, welche die Reihenfolge und Art der Einschiffung, der 
Ueberfahrt und Landung am feindlichen Ufer festsetzte. 



128 

Dies waren die einleitenden Verfüg'ungen für die russischen 
Ingenieur-Truppen^ welche an der Ueberschiffungs-Action bei 
Svistov theilzunehmen hatten. 

Die Leitung" der Ueberschiifung- wurde bezüglich der In- 
fanterie dem Commandanten des 4. Pontonier-BataillonS; Oberst 
Kopanski^ bezüglich der Artillerie und der Kasaken dem Com- 
mandanten des 6. Pontonier-BataillonS; Oberst Wartminski, 
übertragen. Die eventuell während der Ueberschiffung noch ein- 
treffenden Fahrzeuge sollten dem Commandanten des 3. Pontonier- 
BataillonS; Oberst Domoratzki, zur Verfügung gestellt werden. 

Gegen 1 1 Uhr nachts marschierten die Truppen des ersten 
Staffeis zur Einschiffungsstelle ab^ wo sie gegen i Uhr morgens 
eintrafen ^). Die Pontons waren bereit. 

Die Pontonier-Bataillone Nr. 3^ 4 und 5 waren nach Weisung 
des Generals Richter schon gegen 9 Uhr abends zu dem der 
Stadt Zimnicea näheren Wasserarme hinabgerückt. Sie stiessen 
ihre Pontons ins Wasser und fuhren damit auf dem zum Haupt- 
strome führenden Arme in das Hauptbett der Donau^ wo sie^ 
durch die Insel Bugirescu gedeckt^ längs dem. Ufer Aufstellung 
nahmen. Gleichzeitig waren aus Pontons des ö.Pontonier-Bataillons 
Ueberschiffungsglieder für die Artillerie und die Kasaken zu- 
sammengestellt worden; das erwähnte Bataillon rückte damit 
direct zum Donau-Ufer ab und stellte die Fahrzeuge in der Nähe 
der Dampfschiff-Station auf. 

Zur Deckung der Arbeiten der Pontonier-Bataillone waren 
2 Compagnien (5. und 6.) des Regiments Brjansk Nr. 35 von 
Zimnicea rechtzeitig zur Besetzung der Insel Bugirescu vor- 
geschoben worden. Um diese Bedeckung zu verstärken und um 
die Ueberschiffung eventuell mittels Artilleriefeuer zu unterstützen, 
wurden das ganze Regiment Brjansk und 40 neunpfündige Ge- 
schütze unter dem Befehle des Obersten Lipinski (Commandanten 
des genannten Regiments) von Zimnicea an das Donau-Ufer 
dirigiert. Sie marschierten gleich hinter den Fuhrwerken des 6. 
Pontonier-Bataillons ; als sie nach einigen Aufenthalten das Donau- 



-) Bei der Berechnung der Fahrten war angenommen worden, dass für die ein- 
malige Hin- und Rückfahrt der Pontons zwei Stunden genügen würden. Es wurden 
demnach die Truppen der nachfolgenden Staffeln angewiesen, in zweistündigen Inter- 
vallen zur EinschifFungsstelle abzurücken, und zwar das Regiment Minsk Nr. 54 um 
I Uhr nachts, das Regiment Podolien Nr. 55 um 3 Uhr und das Regiment Zytomir 
Nr. 56 um 5 Uhr früh. 



129 

Ufer erreichten^ nahmen sie folgende Aufstellung an : die Batterien 
Nr. I; 2 und 3 der 14. Artillerie-Brigade unterhalb der Dampf- 
schiff-Station^ mit dem rechten Flügel an dieser^ unter Bedeckung 
des 2. Bataillon S; von welchem^ wie früher erwähnt^ 2 Compagnien 
die Insel besetzt hielten ; ungefähr 3 Werst weiter unterhalb 
die Batterien Nr. 2 und 3 der 9. Artillerie-Brigade, unter Be- 
deckung des I. Bataillons vom Regimente Nr. 35; das schwer 
zugängliche Intervall zwischen beiden Gruppen sollte durch das 
3. Bataillon bewacht werden. Um eventuelle Verluste durch 
feindliches Feuer zu vermindern^ wurden an offenen Stellen kleine 
Gräben für die Schützen und Erddeckungen für die Munitions- 
wagen ausgehoben und vor den Geschützen am linken Flügel 
grosse Klumpen zähen Lehms aufgeschichtet. Da die Position 
der linken Flügel-Batterie in sumpfigem Boden lag, wurden die 
Geschütze auf dicke Reisigschichten gestellt. 

Das Artilleriefeuer sollte erst eröffnet werden, sobald die 
Türken durch Feuer ihre Stellungen verrathen hätten. Die 
Batterien am linken Flügel hatten, nebst der Unterstützung der 
Ueb er schiffung, die Aufgabe, die türkischen Schiffe, welche 
eventuell die Minensperren durchbrechen sollten, zu beschiessen. 
Das Detachement des Obersten Lipinski hatte um V212 Uhr 
nachts seine Aufstellung bezogen und alle Arbeiten beendet. 

Als die zur Ueberschiffung bestimmten Truppen g'egen die 
Dampschiff-Station heranrückten, hatten sich dort bereits ein- 
gefunden: der General-Major der kaiserlichen Suite Drago- 
mirow, der ihm zugetheilte Generalstabs-Hauptmann Grossfürst 
Nikolaus Nikolajewic der Jüngere und der General-Major der 
kaiserlichen Suite Skobelew 11^). Mit dem 2. Truppen-Staffel 
hatten zu übersetzen: der Commandant der i. Brigade der 
14. Infanterie-Division, GM. Jolsin, und der Generalstabs-Haupt- 
mann Maltzow. 

Still und ohne unnöthige Geschäftigkeit setzten sich die 
Leute in die Pontons, die längs dem Ufer standen. Gegen 3 Uhr 
früh stiess der erste Ponton mit Infanterie, eine halbe Stunde 
später das letzte Fahrzeug mit der Gebirgs-Artillerie vom Ufer ab. 

Die Pontons fuhren in Kielwasserlinie und trachteten, um die 
Insel Adda biegend, die Richtung auf die Mündung des Tekir 



^) General Skobelew II war Ende 1876 aus dem Turkestan, wo er als 
Militär-Gouverneur des Ferghana-Gebietes fungierte, abberufen und der Operations- 
Armee zugetheilt worden ; zur Zeit der Ueberschiffung hatte er noch keine bestimmte 
Einlheilung erhalten. 

Der russisch-türkische Krieg. II. Bd. 9 



130 

dere-Baches zu nehmen. Anfang-s war das Wetter dem Unter- 
nehmen g-ünstig; es hatte sich ein von der Flussmündung kom- 
mender Wind erhoben, der den Mond durch Wolken verdunkelte 
und das Geräusch mehrerer hundert anschlagender Ruder dämpfte. 
Bald wurde jedoch die Ordnung auf der Fahrt gestört. Schon 
beim Umschiffen der Insel Adda war der Tete-Ponton, dann noch 
zwei Ueberschiffung'sglieder mit Artillerie auf Sandbänke ge- 
rathen. Bei der Weiterfahrt im Hauptarme kam die Ponton- 
Flotille noch mehr auseinander. In der nächtlichen Dunkelheit 
war es schwer, mit den Fahrzeugen die g'enaue Direction nach 
dem gewählten Landungsplatze einzuhalten ; Wind und Wellen 
warfen die Pontons nach verschiedenen Seiten hin und her; 
einige wurden von der Strömung abwärts fortgerissen. Es gelang 
daher nur wenigen Fahrzeugen, und dies mehr zufällig, die Mün- 
dung des Tekir dere-Baches zu erreichen ; die übrigen landeten 
theils oberhalb, theils unterhalb dieser Stelle. 

Dieses Durcheinander konnte getährliche Folgen haben, aber 
die türkischen Wachposten bemerkten die Annäherung der Pon- 
tons erst, als diese nur mehr einige hundert Schritte vom Ufer 
entfernt waren. Die Türken eröffneten ein heftiges Gewehrfeuer, 
vergassen aber im Anfange sogar, die Signalstange anzuzünden. 

Als erste landete gegen 3 Uhr früh auf eine halbe Werst 
westlich des Tekir dere die i. Schützen-Compagnie unter Com- 
mando des Stabscapitänö Ostapow. Die Schützen erstiegen mit 
Mühe das steile Ufer, indem sie sich gegenseitig hinaufhalfen, 
sich mit dem Schanzzeuge anklammerten und mit Leinen hinauf- 
zogen. Stabscapitän Ostapow erkannte bald, dass er sich in 
der Nähe der ihm zugewiesenen Stelle befinde ; er rückte einige 
hundert Schritt in der Richtung gegen Svistov vor und bezog 
dann eine Position mit der P'ront gegen Westen. Zu den Schützen 
gesellten sich Theile der i. und 3. Compagnie, welche in der 
Nähe ans Ufer kamen. Einige hundert Schritte weiter östlich war 
inzwischen die Plastun-Sotnie gelandet ; sie rückte eine halbe 
Werst vor und nahm Stellung, Front gegen Süden. 

Nahezu gleichzeitig mit den vorbezeichneten Abtheilungen, 
aber etwas näher an der Tekir dere-Mündung , landete die 
3. Schützen-Compagnie. Der Commandant derselben, Hauptmann 
Fock, erklomm das steile Ufer, sammelte eine Handvoll Schützen 
um sich und warf sich mit ihnen auf das türkische Wachhaus; 
es gelang ihm, die Besatzung zu vertreiben, welcher es jetzt erst 
einfiel, die Signalstange anzuzünden. Auf das Alarm-Signal rückte 



131 

türkische Infanterie von Vardim nnd Svistov heran und ihre Ar- 
tillerie fuhr mit 4 Geschützen auf der Batterie Terebunar und 
mit 2 Geschützen auf der Batterie östlich Svistov auf. Inzwischen 
hatte Hauptmann Fock mit seiner Compagnie eine Stellung am 
linken Rande der Tekir dere-wSchlucht, Front gegen Osten, das 
ist gegen Vardim, besetzt. 

Die übrigen Abtheilungen des i . Staffeis setzten mittlerweile 
die Ausschiffung ungefähr in folgender Ordnung- fort : etwa 
200 Schritt östlich der Tekir dere-Schlucht erstiegen die 7. und 
8. Compagnie das Ufer ; an der Mündung der Schlucht die 4. und 

5. Compagnie; an der Ausschiffungsstelle der i. Schützen-Com- 
pagnie landete auch der grösste Theil der 2. Schützen- und der 

2. Linien-Compagnie, und etwas weiter östlich die 6. Compagnie, 
sowie Theile der i., 2. und 3. Linien-, dann der 2. Schützen- 
Compagnie ; an dieser Stelle stieg auch General Jolsin ans Ufer. 
Derselbe befahl sofort, zur Erleichterung der Ausschiffung der 
folgenden Staffeln eine Ufer-Rampe circa 200 Sazen [rund 430 m] 
westlich der Tekir dere-Schlucht einzuschneiden. 

Gegen 3 Uhr früh waren die am türkischen Ufer gelandeten 
Truppen folgend gruppiert : 

a) West-Front: i. Schützen-, 3. Linien- und je eine halbe 
I. und 2. Linien-Compagnie, zusammen 3 Compagnien ; 

b) Ost-Front: 2. und 3. Schützen-, 5. und 7. Linien- und eine 
halbe 6. Linien-Compagnie, zusammen 4V2 Compagnien; 

c) Süd-Front: Plastun-Sotnie, 8. Linien- und eine halbe 

6. Linien-Compagnie, zusammen 2V2 Compagnien; 

d) Reserve: 4. Compagnie, je eine halbe i. und 2. Com- 
pagnie, zusammen 2 Compagnien. Die mit dem i. Staffel über- 
schifften 60 Kasaken wurden zur Zerstörung der nach Ruscuk 
führenden Telegraphenlinie entsendet. 

Wenn auch die Ueb er schiffung des i. Staffeis günstig ver- 
laufen war, so konnte die Lage der gelandeten Vortruppen, 
solange keine Verstärkungen eintrafen, nicht als gesichert gelten, 
denn von Vardim her waren die alarmierten türkischen Truppen 
im Anmärsche. 

Als es eben zu tagen begann, nahm der Commandant der 

3. Schützen-Compagnie wahr, dass es für seine Compagnie ge- 
ftilirlich sei, länger auf dem linken Rande der Schlucht zu ver- 
weilen, da derselbe vom gegenüberliegenden Rande stark domi- 
niert wurde. Um sich aus dieser ungünstigen Situation zu befreien, 



132 

entschloss sich Hauptmann Fock hinüberzurücken und den anderen 
Schluchtrand zu besetzen. Er Hess daher (g-egen 4 Uhr morgens) 
den zunächst der Mündung des Tekir dere liegenden Theil seiner 
Compag-nie über die Schlucht setzen und die am anderen Rande 
befindlichen Türken vertreiben. Als dies geschehen war, begann 
auch der Rest der Compagnie hinüberzurücken. Sie war eben 
im Ersteigen der Höhe begriffen, als sie in der rechten Flanke 
und im Rücken von den Türken angegriffen wurde. Die Com- 
pagnie machte kehrt und stürzte sich mit dem Bajonnette auf den 
Gegner; sie wurde hiebei durch die 2. Schützen-Compagnie unter 
dem Commando des Fähnrichs Sergjejew unterstützt, der an 
die Stelle des soeben gefallenen Compagnie-Commandanten, 
Stabscapitäns Jascinski, g"etreten war. Es entspann sich in der 
Schlucht ein erbittertes Handgemenge. Die beiden Schützen- 
Compag'nien, vom Feinde umringt, befanden sich plötzlich in 
einer sehr schwierigen Lage. Ein Theil der 6. Compagnie, welcher 
ihnen zu Hilfe eilte, wurde zurückgeworfen, nachdem er seinen 
Commandanten Unterlieutenant Grigorswili verloren hatte ; 
diese Abtheilung schloss sich nun der 5. Compagnie an und 
feuerte mit ihr auf die neuen türkischen Verstärkungen, die eben 
aus dem Vardimer Lager heranrückten. 

In diesem Augenblicke erschien zur Rettung der Schützen 
die Gebirgs- Artillerie. 2 Geschütze der 2. Gebirgs-Batterie wurden 
gelandet, den steilen ilang hinaufgeschleppt und neben dem 
türkischen Wachhause in Position gebracht. Der Commandant 
des Geschütz-Zuges sandte dem Feinde unverzüglich einige 
Kartätsch-Granaten entg-egen, die so günstig explodierten und die 
Türken derart überraschten, dass deren heranrückende Ver- 
stärkungen theils stehen blieben, theils kehrt machten. Bald langten 
noch 4 Gebirgs-Geschütze an. Die übrigen 2 Geschütze der 
2. Gebirgs-Batterie w^aren in der Donau versunken, nachdem das 
Ueberschiffungsglied, auf dem sie sich befanden, durch türkische 
Proje etile unter der Wasserlinie durchschlagen worden war. 
Hiebei verloren das Leben : der Batterie-Commandant Oberst- 
lieutenant Strjelbitzki, Stabscapitän Kobijew und Unter- 
lieutenant Türbert (von der i. Garde- Artillerie -Brigade), sowie 
10 Mann. 

Die Mitwirkung der Artillerie ausnützend, giengen nun die 
russischen Schützen nochmals vor, und es gelang ihnen, sich der 
dem rechten Schluchtrande zunächst gelegenen Höhen zu be- 
mächtigen. 



133 

Die Türken giengen etwas zurück, machten dann halt und 
eröffneten ein heftiges Feuer. Bald erhielten sie jedoch neue Ver- 
stärkungen und rückten nun wieder vor. Die an der östlichen 
Front befindlichen Abtheilungen sahen sich hiedurch genöthigt 
zurückgehen. Kurz darauf wurde auch deren schwache Gefechts- 
linie an mehreren Stellen durchbrochen. 

In diesem kritischen Momente traf Hilfe vom anderen Donau- 
Ufer ein. Als nämlich der Commandant des VIII. Corps, GL. 
Radetzki, an der Eins chiffungs st eile angelangt, die Nachricht er- 
halten hatte, dass die Truppen des i. Staffeis bereits am andern Ufer 
standen, hatte er sofort, zur Beschleunigung des Ueberganges, 
den Befehl ertheilt, die Einschiffungsstelle 2 Werst stromabwärts 
zu verlegen (direct gegenüber der Tekir dere-Mündung) und vor- 
läufig bloss Infanterie zu übersetzen, und zwar nicht in ganzen 
Staff"eln, sondern compagnieweise, nach Massgabe als die Pontons 
rückkehrten. 

Der erste Ponton war vom türkischen Ufer gegen 3 Uhr früh 
zurückgekehrt; andere folgten bald nach; es wurden nun die com- 
binierte Compagnie des Ehren-Convoi und das 3. Bataillon des 
Regiments Wolhynien Nr. 53 eingeschifft und fuhren gleichzeitig ab. 

Es begann bald zu dämmern und die türkischen Batterien 
bei Svistov und Vardim eröffneten das Feuer auf die Pontons. 
Die am linken Donau-Ufer befindliche russische Artillerie er- 
widerte sofort und es gelang ihr, das Feuer der Türken von 
den überschiffenden Truppen abzuziehen. 

Inzwischen erschien unerwartet ein Kriegsdampfer, der 
hinter der Insel Vardim hervorkommend, sich offenbar in der 
Absicht näherte, die Ueberschiflfung zu stören. Vom rumänischen 
Ufer eröffneten jedoch 2 Batterien der 6. Artillerie-Brigade das 
Feuer auf das Schiff; dieses blieb stehen, gab auch einige 
Schüsse ab, suchte aber dann bald Schutz in dem Vardim- Arme 
der Donau. 

Die combinierte Compagnie des Ehren-Convoi und das 
4. Bataillon des Regiments Wolhynien landeten mittlerweile zu- 
nächst der Mündung des Tekir dere. Das lebhafte Gewehrfeuer 
auf den Höhen des rechten Ufers veranlasste sie, sofort zu Hilfe 
zu eilen ; diese neuen Verstärkungen kamen eben noch zurecht, 
als die Schützen-Compagnien der West-Front sich im Zurück- 
gehen kaum noch der Türken erwehren konnten, die sie nahezu 
von allen Seiten umringten. 



134 

Als der Commandant der 3. Schützen-Compagnie^ Haupt- 
mann Fock; das Herannahen frischer Kräfte wahrnahm, liess er 
den Sturmstreich schlag-en und warf sich mit den noch übrig- 
gebliebenen Leuten seiner Compag-nie den Türken entgegen. 
Dieser Ang-riff wurde vor allem durch die Convoi-Compagnie 
unterstützt ; hiebei wurden verwundet : der Commandant des 
Ehren-Convoi; Flügel-Adjutant Oberst Ozerow des Leibgarde- 
Preobrazenski-Regiments und der Lieutenant Poliwanow des 
Leibgarde-Grenadier-Regiments. 

Kurz darauf rückte links von der Convoi-Compagnie das 
3. Bataillon des Regiments Wolhynien, rechts die 5., 7. und ein 
Theil der 6. Compagnie dieses Regiments vor. Es gelang ihnen, 
die Türken zurückzudräng-en und sich nach einem erbitterten 
Handgemenge am rechten Rande der Tekir dere-Schlucht festzu- 
setzen. Besonders zeichnete sich hiebei die 12. Compagnie aus, 
deren Commandant Stabscapitän Brjanow, an mehreren Stellen 
durch Bajonnettstiche verwundet, bewusstlos aus dem Gefechte 
getragen wurde. 

Ein Theil der zurückgegangenen türkischen Schützen ver- 
mochte jedoch, sich an den abstürzenden Hängen des Donau- 
Ufers östlich des Tekir dere- Baches festzusetzen und begann 
von dort die Pontons zu beschiessen, welche eben das 3. Ba- 
taillon und die Schützen-Compagnien des Regiments Minsk Nr. 54 
überführten. Auf den grösseren Distanzen war das Feuer nicht 
sehr wirksam ; als sich aber die Pontons dem Ufer näherten, 
wurden sie von den Türken buchstäblich mit einem Geschoss- 
hagel überschüttet. Nach der charakteristischen Aeusserung eines 
der Theilnehmer war das Feuer der Türken so heftig, dass von 
den einfallenden Geschossen das AVasser um die Pontons herum 
förmlich „brodelte". Einer der Pontons, von Geschossen durch- 
bohrt, gieng unter ; zwei andere verloren alle ihre Ruderer, 
wurden durch die Strömung eine Strecke abwärts fortgerissen 
und dann an das rumänische Ufer getrieben. An der Landungs- 
stelle selbst lagen bald ganze Haufen von Todten und Schwer- 
verwundeten. 

Die grössten Verluste hatten die Schützen-Compagnien er- 
litten. 3 Pontons mit Schützen, welche die Strömung zu einer 
etwas über eine halbe Werst von der Tekir dere-Mündung ge- 
legenen Landzunge trieb, wurden buchstäblich zerschossen. Jene 
Abtheilungen, die etwas weiter oberhalb oder unterhalb der 
verhängnisvollen Stelle landeten, erlitten nicht so grosse Ver- 



135 

luste. Unter dem Schutze der steilen Uferhänge gelang es ihnen, 
bis zur Schlucht durchzukommen und sich dort zu rangieren. 
Zu den Abtheilungen, welche wohlbehalten an das Ufer ge- 
langt waren, zählte auch der grössere Theil der 2. Schützen- 
Compagnie des Regiments Minsk. Der Commandant derselben, 
Lieutenant Matorny, welcher die ganze, den überschiffenden 
Abtheilungen durch die Nähe der türkischen Schützen drohende 
Gefahr erkannte, beschloss, die Türken von dort zu verjagen. 
Er sammelte etwa 80 Mann, erstieg mit ihnen den rechten Schlucht- 
rand und rückte g'egen den linken Flügel der feindlichen Schwarm- 
linie vor; ihm folgten weiter rückwärts noch circa 40 Mann derselben 
Compagnie unter dem Befehle des Unterlieutenants Dontzow, 
Ohne einen Schuss abzugeben, schweigend stürzten sie sich mit 
dem Bajonnette unvermuthet auf die Türken und jagten sie in 
die Flucht. 

Das Eintreffen weiterer Compagnien des Regiments Minsk 
und die erfolgreiche Wirkung der vom Lieutenant Lichacew 
commandierten Gebirgs-Geschütze, welchen es gelang-, auf den 
rechten Schluchtrand überzugehen, zwangen die Türken auf der 
ganzen Ost-Front zum Rückzuge., Dies geschah gegen 6 Uhr 
morgens. 

Es bleibt nunmehr übrig, die Ereignisse zu besprechen, welche 
sich vom Beginne des Kampfes bis dahin an den übrigen Ab- 
schnitten abgespielt hatten. 

Auf der West-Front hatte sich die ganze Action auf das 
Feuergefecht beschränkt. Die aus Svistov hervorgebrochenen 
Abtheilungen hatten in den östlich der Stadt g-elegenen Wein- 
gärten Stellung genommen und feuerten, unter Ausnützung der 
Ueberlegenheit ihrer Waffen, ungestraft auf die russischen Truppen, 
welche den Befehl hatten, in zuwartender Stellung zu verbleiben. 
Erst gegen 6 Uhr morgens, als es allmählich klar wurde, dass 
die Russen an der Ost-Front die Oberhand gewannen, rückte die 
I. Schützen- Compagnie, unterstützt von 2 anderen Compagnien, 
zum Angriffe vor und warf die Türken zurück. 

Ungetähr um dieselbe Zeit hatten die Abtheilungen der 
Süd-Front, welche vor sich keinen Feind hatten, eine Schwenkung 
nach links vollführt, um die an dem rechten Rande der Tekir dere- 
Schlucht im Kampfe stehenden Abtheilungen zu unterstützen. 

So war die Situation beschaffen, als General Dragomirow 
am rechten Donau-Ufer eintraf. Er erkannte, dass die von den 



136 

gelandeten Truppen eingenommene Stellung die Ueberschiffung 
der übrig"en Staffeln vollständig sichere, und befahl daher den 
ersteren stehen zu bleiben. Die Uebermittlung dieses Befehles 
stiess jedoch auf grosse Schwierigkeiten, da keine berittenen 
Ordonnanzen zur Stelle waren. Die mit dem i. Staffel über- 
schifften 60 Kasaken waren, wie früher bereits angeführt, schon 
zu Beginn des Gefechtes abgesendet worden, um die von Svistov 
nach Ruscuk führende Telegraphenlinie zu zerstören. Die Pferde 
der Commandanten und der Adjutanten waren vorläufig am 
anderen Ufer zurückgelassen worden. Nun übernahm es General 
Skobelew II, den Befehl des Generals Dragomirow den Ab- 
thejlungen der West-Front zu überbringen, und er gieng damit die 
langgedehnte, im Feuer befindliche Schwarmlinie zu Fuss ab. 

Die Ueberschiffung wurde inzwischen ununterbrochen fort- 
g'esetzt, ohne Rücksicht auf das Feuer der türkischen Batterien 
von Svistov (2 Geschütze) und Vardim (4 Geschütze). Gegen die 
erwähnten Batterien wurde bei der Dampfschiff-Station, ausser 
den schon früher dort aufgestellten 40 neunpfündigen Geschützen, 
noch die i. Batterie der 9. Artillerie-Brigade in Position gebracht. 
Es muss hiebei bemerkt werden, dass sich das Feuer der Artillerie 
am rumänischen Ufer hauptsächlich gegen die vorerwähnten 
türkischen Batterien bei Svistov und Vardim richtete, denn es 
gelang nur selten, einen Schuss auf die türkische Infanterie ab- 
zugeben, da man befürchtete, die eigenen, im Gefechte stehenden 
Truppen zu treffen. 

Bald war auch die 2. Brigade der 14. Infanterie-Division 
überschifft, und gegen halb 1 1 Uhr vormittags wurde die 4. Schützen- 
Brigade mittels der unter Commando des Capitänlieutenants 
Tuder von Flämända eingetroffenen Fahrzeuge, nämlich des 
Dampfers ,, Anneta" und zweier Barken, auf das rechte Donau-Ufer 
überführt. 

Nachdem General Drag^omirow die ganze, seinen Befehlen 
unterstellte Gruppe am rechten Ufer vereinigt hatte, beschloss 
er, an die Ausführung seiner Hauptaufgabe zu schreiten, das ist 
die Svistover Höhen zur Sicherung des Ueberganges 
der Hauptkraft der Armee in Besitz zu nehmen. 

Gemäss den von ihm erth eilten Befehlen hatte die 2. Brigade 
der 14. Infanterie-Division, unter Commando des GM. Petrusewski 
durch die Gefechtslinie der i. Brigade vorzubrechen und die ge- 
nannten Höhen in der Front anzugreifen; GM. Tzwiecinski 



137 

hatte mit der Schützen-Brigade dem linken Flügel der 2. Brigade 
zu folgen und die türkische Position zu umfassen. Nach der Ein- 
nahme der Höhen hatte die 2. Brigade gegen Svistov vorzurücken. 
Die Truppen der i . Brigade sollten in den bisherigen Stellung-en 
verbleiben. 

Der Widerstand der Türken war nicht von langer Dauer. 
Der Angriff begann um 1 1 Uhr vormittags, und um 2 Uhr nach- 
mittags standen bereits die russischen Truppen auf dem Kamme 
der angegriffenen Höhen. Eine Stunde später wurde auch die 
Stadt Svistov ohne Kampf besetzt. 

Nahezu gleichzeitig traten auch jene türkischen Truppen^ 
welche gegen die Ost-Front der Russen gekämpft hatten, den 
Rückzug nach Vardim an. 

Nach der Besetzung Svistovs gruppierte General Drago- 
mirow seine Kräfte wie folgt: das Infanterie-Regiment Podolien 
Nr. 55 und das i. Bataillon des Regiments Zytomir Nr. 56 be- 
zogen ein Lager nächst dem Nikopoler Ausgange der Stadt; das 
2. und 3. Bataillon des Regiments Nr. 56 blieben in Svistov selbst; 
die 4. Schütz en-Brig"ade lagerte auf den Svistover Höhen ; die 
I. Brigade der 14. Infanterie-Division bezog eine Stellung mit der 
Front geg'en Ruscuk. Vorposten wurden aufgestellt : von der 
Schützen-Brigade südlich, vom Regimente Zytomir westlich, von 
der I.Brigade östlich; die Vorposten hielten untereinander Ver- 
bindung und sicherten den ganzen Bereich der Gruppe. 

Die Türken, welche in den Richtungen aufNikopol, Trnovo 
und Vardim im Rückzuge waren, liess General Dragomirow nicht 
verfolgen, denn erstens war die ihm übertragene Hauptaufgabe 
(die Besitznahme der Svistover Höhen) durchgeführt, zweitens 
stand ihm keine Cavallerie zur Verfügung. 

Die Verluste der russischen Truppen bei der Ueberschiffung- 
und den Kämpfen am 15. [27.] Juni betrugen 30 Officiere und 
782 Mann. 

Kaiser Alexander IL und der Armee-Obercommandant 
verbrachten die Nacht vom 14. zum 15. [26. zum 27.] Juni im 
Dorfe Dracea. Am 15. ritten sie zu einem Hügel bei Flämända. 
Die zahlreiche Suite, welche überzeugt war, dass der Uebergang 
bei Nikopol erfolgen werde, und ihre ganze Aufmerksamkeit 
dorthin richtete, war nicht wenig erstaunt, als man sie auf das 
Gefecht bei wSvistov aufmerksam machte. Gegen 9 Uhr vormittags 
traf GL. Baron Krüdener (Commandant des IX. Armee-Corps) 
ein, um dem x\rmee - Obercommandanten zu melden, dass er 



noch immer keine Pontons erhalten habe. Kaiser Alexander 
.,nahm ihn, ohne ein Wort zu sprechen, bei den Achseln und 
wandte ihn mit dem Gesichte gegen Svistov, wo das Gefecht im 
Gange war; nun beg-riff Baron Krüdener, dass seine Vorrückung 
nur eine Demonstration bezweckt hatte ^)". 

GL. Radetzki, welcher sich inzwischen überzeugt hatte, 
dass der Uebergang als gesichert anzusehen sei, sandte sofort 
den noch am linken Ufer befindlichen Truppen seines Corps, sowie 
der 35. Infanterie- und der kaukasischen Kasaken-Division den 
Befehl, an das Donau-Ufer zu rücken. 

Zuerst trafen bei der Einschiffungsstelle die Regimenter der 
9. Infanterie-Division ein ; gegen 3 Uhr nachmittags wurde das 
ganze Regiment Sjewsk Nr. 34 überführt, welches die Reserve 
der I. Brig-ade der 14. Division bilden sollte. Hierauf wurden 
die Regimenter Jeletz Nr. 33, Orel Nr. 36 und Brjansk Nr. 35, 
sowie die i. Batterie der 14. und die 6. Batterie der 9. Artillerie- 
Brigade überschifft. . 

Am Abende des 15. [27.] Juni standen somit am rechten 
Ufer bereits: 28 Vi Bataillone, 16 Feld- und 14 Gebirgs-Geschütze, 
endlich 6q Kasaken. 

Am Morgen des 16. [28.] Juni Hess der Armee - Ober- 
commandant 2 Detachements vom VIII. Armee -Corps gegen 
Ruscuk absenden, und zwar: das eine unter Commando des GM. 
Derozinski (Infanterie-Regiment Orel Nr. 36 sammt der 6. Batterie 
der 9. Artillerie-Brigade), mit dem Auftrage, am Pende-Bache 
und dessen Zuflüsse Tekvar eine Stellung zu beziehen ; das zweite, 
unter Commando des General-Adjutanten Fürsten Swjatopolk- 
Mirski (Infanterie-Regimenter Sjewsk Nr. 34 und Brjansk Nr. 35 
sammt der i. Batterie der 14. Artillerie-Brigade), mit dem Auftrage, 
gegen Vardim vorzugehen. 

Noch am Morgen desselben Tages bezog das erstere Deta- 
chement den ihm zugewiesenen Abschnitt, und das zweite nahm 
Vardim ohne Kampf in Besitz; die türkische Infanterie mit 
4 Geschützen hatte den Ort rechtzeitig geräumt und war in der 
Richtung auf Bela (Bjala) abmarschiert. 

Bald nach der Annäherung des russischen Detachements 
gegen Vardim bemerkte man auf der Donau 2 türkische 



^) L. M. Cicagow, ,, Tagebuch der Anwesenheit des Zar-Befreiers bei der Donau- 
Armee 1877". 



139 

Schiffe^ die aus der Richtung von Ruscuk kamen. Vorne fuhr 
ein Raddampfer und auf ziemlich grosse Entfernung hinter dem- 
selben ein Monitpr^). Der Dampfer war derselbe^ welcher tags 
zuvor an der Ueberschiffungsstelle erschienen war und sich dann 
hinter der Insel Vardim verborgen hatte ; der Monitor hatte^ von 
Ruscuk kommend, den Umstand benützt, dass die Russen die 
Minensperre bei Paraipani (Parapan) noch nicht beendet hatten, 
und war im rechten Donau-Arme zwischen der Insel Mecka und 
dem türkischen Ufer hindurchgefahren. 

Das unerwartete Erscheinen der türkischen Schilfe zu einer 
Zeit, da der ganze Strom mit Pontons und Booten bedeckt war, 
welche die Truppen überschifften, musste hier in hohem Grade 
alarmierend wirken ; es wurden daher rasch Massnahmen zur 
Beseitigung dieser Gefahr g^etroffen. Der die Ueberschiffung 
leitende GM. Richter ordnete an: ein Theil der früher zum 
Beschiessen der türkischen Flotille bestimmt gewesenen iVrtillerie 
habe sofort wieder die Position am linken Ufer zu beziehen ; ferner 
sollten die Dampfkutter ,,Piotr Weliki" (Fähnrich Feodosjew), 
„Opyt" (Fähnrich Per sin) und „ General- Admiral" (Gardemarin 
Arens) — die dem Dampfer „Anneta" folgend, von Flämända 
gekommen waren — den türkischen Schiffen entgegen fahren und 
sie mit Torpedos angreifen ; schliesslich wurde ein Commando 
von Matrosen, Pontonieren und Ural-Kasaken rasch formiert und 
auf Pontons gesetzt mit dem Befehle, den türkischen Monitor 
zu entern. 

Es kam jedoch nicht zum Kampfe. 

Sobald der vordere Kutter des Fähnrichs Feodosjew in 
den Vardim- Arm einfuhr und vom rechten Ufer her die i. Batterie 
der 14. Artillere-Brigade und die Schützen des 3. Bataillons des 
Regiments Sjewsk das Feuer eröffneten, kehrten die türkischen 
Schiffe nach Abgabe einiger Schüsse, die jedoch wirkungslos 
blieben, um und dampften stromabwärts zurück. 

Am selben Tage besuchten Svistov vorerst der Armee-Ober- 
commandant und kurz darauf Kaiser Alexander IL in Begleitung 
des Grossfürst-Thronfolgers, der Grossfürsten Wladimir, Alexej 
und Sergej Alexandrowic, sowie des Kriegs-Ministers und der 
Suite. Hierauf kehrten Seine Majestät und der Armee-Ober- 
commandant mit ihrer Begleitung nach Zimnicea zurück, wohin 



^) Nach türkischen Quellen befanden sich damals zwischen Ruscuk und Svistov 
noch 3 Dampfer, t Monitor und l hölzernes Kanonenboot. 



I40 

auch die Theile des Ehren-Convoi^ welche an der Ueberschiffung 
theilg'enommen hatten^ wieder überführt wurden. 

In der folgenden Nacht^ das ist vom 1 6. zum 1 7. [28. zum 29.J Juni, 
wurde die Legung der Minensperre bei Paraipani zwischen der 
Mecka-Insel und dem türkischen Ufer definitiv beendet, und man 
schritt nun zur Legung neuer Minensperren bei Zimnicea, und 
zwar ober- und unterhalb jener Stellen, wo der Bau der Brücken 
projectiert war. 

Nach Einnahme Vardims und nach Beziehen der Position 
am Pende- Bache waren die russischen Truppen am rechten 
Donau-Ufer wie folgt gruppiert : 9. Infanterie-Division im Ab- 
schnitte Vardim-Carevec [Carovec] ; 14. Infanterie-Division und 
4. Schützen-Brigade in der Linie Carevec-Svistov, inclusive dieser 
Stadt. Als Reserve sollten die in der Ueberschiffung begriffenen 
Regimenter der 35. Infanterie-Division dienen, die in der Nähe 
der Landungsstelle Bivouacs zu beziehen hatten. 

An den beiden folgenden Tagen, das ist am 17. und 18. [29. und 
30.] Juni, wurden überschifft : der Rest der 35. Infanterie-Division, 
das Don-Kasaken-Regiment Nr. 2^\ ferner wurde mit der Ueber- 
führung der Trains des VIII. Corps und der 3 5 . Infanterie-Division 
begonnen. 

Am Abende des 18. [30.] Juni waren bei Svistov versammelt: 
40 V2 Bataillone, 6 Sotnien Don-Kasaken, 64 Fuss- und 14 Gebirgs- 
Geschütze. Alle diese Truppen, sowie jene, die noch vom linken 
Ufer herüberkommen sollten, wurden temporär, bis zum 25. Juni 
[7. Juli], dem General Radetzki unterstellt. 

Die Stärke der überschifften Truppen war hinreichend, um 
den Brückenschlag zu sichern, aber die Situation derselben wurde 
durch den vollständigen Mangel an Nachrichten über den Gegner 
erschwert, denn es fehlte an Cavallerie für die weitere Auf- 
klärung. Unter diesen Umständen machte General Skobelew II 
den Vorschlag, die Regimenter der kaukasischen Kasaken- 
Division die Donau durchschwimmen zu lassen. Man beschloss 
jedoch, vorher einen Versuch zu machen und bestimmte hiezu 
vom Wladikawkaz-Osetiner Regimente 30 Kasaken mit 2 Officieren 
und den General Skobelew selbst. Die Schwimmer sollten die 
Richtung über die Insel Bugirescu nehmen. Sie legten ihre 
Monturen, Waffen, Rüstung und Sattelzeug auf Boote. Bis zur 
Insel Bugirescu, die circa 70 Sazen [rund 150?;^] vom rumänischen 
Ufer entfernt liegt, kamen sie leicht ; weiterhin jedoch vermochte 
der grösste Theil g'egen die starke Strömung nicht aufzukommen 



141 

und musste umkehren; nur General Skobelew II und i Kasak 
gelangten mit übermenschlicher Anstrengung an das rechte Ufer. 
Nach diesem Versuche wurde von dem Hinüberschwimmen der 
Cavallerie abgesehen. 

Die weitere Ueberschiffung der Truppen gieng indes am 
i6. Juni [2. Juli] relativ langsamer vor sich^ da der Dampfer 
,;,Anneta" und eine grosse Zahl Pontons beim Brückenschlage 
verwendet wurden. 

Es wurde bereits im III. Capitel ausgeführt; dass das Material 
für die beiden an der Mittleren Donau zu schlagenden Brücken 
(Ponton- und Floss-Brücke) beizeiten bereitg'estellt worden war. 
Die nothwendigen Ausrüstungsstücke (Anker^ Seile etc.) wurden 
mittels Bahn nach Slatina gelief ert^ wo auch die Trupp en- 
Abtheilung'en eintrafen^ welche bestimmt waren^ die Flösse und 
Pontons vollständig auszurüsten und sie zur Ueberg'angsstelle 
herabzuflössen. Anfangs [gegen Mitte] Juni waren hier versammelt : 
das 6. Sappeur-Bataillon^ 2 Compagnien des 5. Sappeur-Bataillons 
und ein aus Kronstadt eingetroffenes Matrosen-Commando von 
der Fregatte ^^Sewastopol". Die in Galaz erzeugten Pontons und 
sonstiges Brücken-Material trafen in Slatina vom 4. [16.] Juni an 
successive ein. Am 9. [21.] Juni waren sämmtliche Pontons aus- 
gerüstet; 90 Flösse aus Balken zusammengefügt und das Brücken- 
Zugehör^ sowie der Belag auf den Flössen verladen; überdies waren 
auch 35 am Lotru erzeugte Pontons zur Abfahrt bereit. 

Nach einer vorherigen Untersuchung des Oltu-Flusses^ 
welche zu dem Zwecke vorgenommen wurde, um das Fahrwasser 
kennen zu lernen, begannen die Sappeure des 5. Bataillons und 
die Matrosen am 10. [22.] Juni, das Material auf dem Oltu von 
Slatina nach Turnu Mägurele herabzuflössen ; vorerst giengen die 
Pontons mit dem Zugehör für die Ponton-Brücke, dann die Unter- 
lagen und das übrige Material für die Floss-Brücke ab. Auf diese 
Art sammelte sich an der Oltu-Mündung, ausserhalb des Feuer- 
bereiches der Batterien von Nikopol, bis zum Tage des Donau- 
Ueberganges eine ungeheure Karawane von Pontons, Plössen und 
zu Brücken-Unterlagen hergerichteten Mühlenbooten. 

In der Nacht vom 14. zum 15. [26. zum 27.] Juni, in welcher 
die Ueberschiffung bei Zimnicea vor sich gieng-^ stiessen 
100 hölzerne Pontons, die in der Oltu-Mündung lagen, vom Ufer 
ab und fuhren der Donau zu. Im vordersten Ponton befand sich 
der Armee-Ingenieurchef GM. Depp, im letzten Ponton der 



Commandant der ganzen Plotille, Capitän I. Rang-es Nowosilski. 
Als Ruderer waren Matrosen nnter Commando des See-Lieutenants 
Lomen eingetheilt. Die Türken bemerkten die Fahrt der Ponton- 
Plotille erst; als deren Queue bei Nikopol vorbeifuhr. Sie er- 
öffneten das Feuer aus Geschützen und Gewehren^ richteten 
jedoch keinen Schaden an. Die Pontons kamen unversehrt bei 
Flämända an und wurden in der folg*enden Nacht (vom 15. zum 
16.) [27. zum 28.] unter persönlicher Führung des Grossfürsten 
Alexei Alexandrowic von da nach Zimnicea gebracht. In der 
Nacht vom 15. zum 16. und in der nächstfolgenden Nacht wurden 
die übrigen Pontons, zwar unter dem Feuer der Türken^ aber 
ohne Verluste^ bei Nikopol vorbeigeführt. Das ganze Material 
der Ponton-Brücke war am 18. [30.] Juni bei Zimnicea ver- 
sammelt. 

Das Herabführen der Pontons bei Nikopol vorbei geschah 
unter dem Schutze der — wie früher erwähnt — in den Ufer- 
Batterien bei Turnu Mägurele postierten Belagerungs-Geschütze. 
Am 14. [26.] Juni war das Feuer auf die Befestigungen von 
Nikopol eröffnet worden ; es wurde aber nicht intensiv unter- 
halten. Erst am 15. [27.] Juni begann mit Tagesanbruch ein heftiges 
Bombardement. Das Feuer leitete an diesem Tage persönlich der 
Commandant der Belagerungs-iVrtillerie der Operations- Armee, 
Oberst Moller. Um 9 Uhr abends stand die Stadt bereits in 
Flammen; und der Brand war derart intensiv^ dass er im Verlaufe 
einer ganzen Woche nicht gelöscht werden konnte. In den zwei 
Nächten vom 15. bis 17. [27. bis 29.] Juni, als die Türken aus 
ihren Nikopoler Batterien die vorbeifahrenden russischen Pontons 
beschossen, zog die russische Belagerungs- Artillerie durch ihre 
Wirkung das Feuer der Türken auf sich. 

Zur Sicherung der Fahrt der Pontons trugen auch die 
Rum.änen bei, indem sie am Donau-Ufer, westlich der Oltu- 
Mündung; Schwarmlinien vom 7. Infanterie-Regimente auflösten 
und 2 Batterien (Nr. 3 und 5) des 3. Artillerie-Regiments in 
Stellung brachten ; diese Abtheilungen beschossen die türkischen 
Truppen, welche die Befestigungen nächst der Mündung des 
Osma- [Osöm-] Flusses besetzt hielten ^). 



^) Für den Uebergang über die Donau erhielt der Armee-Obercommandant den 
Georgs-Orden II. Classe und der General-Adjutant Nepokoj citzki denselben Orden 
III. Classe. 

Für die Ueberschiffung bei Svistov wurden mit dem Georgs- Orden decoriert : 
mit der III. Classe der Commandant des VIII. Armee-Corps GL. Radetzki, der 



143 

Mit dem Bau der ^^unteren" (Ponton-) Brücke bei 
Zimnicea wurde schon am i6. [28.] Juni begonnen. Die Länge 
des zwischen dem rumänischen Ufer und der Insel Adda gelegenen 
BrückentheileS; das ist der ^^nördlichen" Brücke^ betrug 312 Sazen 
[665 m\y jene des zwischen der genannten Insel und dem bulga- 
rischen Ufer gelegenen Theiles^ das ist der ^^südlichen" Brücke, 
267 Sazen [569 ni\. Für die beiden Theile der „unteren" 
Brücke wurden als Unterlagen anfänglich zum Theile die eisernen 
Pontons der Pontonier-Bataillone, zum Theile die aus dem Oltu- 
Flusse gebrachten hölzernen Pontons verwendet ; als aber in der 
Nacht zum 18. [30.] Juni infolge eines heftigen Sturmes nahezu 
sämmtliche eisernen Pontons versanken^ wurden bei der Wieder- 
herstellung der Brücke ausschliesslich hölzerne Pontons in Ver- 
wendung genommen. Ueber eine überschwemmte Stelle auf der 
Insel Adda wurde eine 33 Sazen [rund 7077^] lange Brücke mit 
Segelponton-Unterlagen geschlagen, aber bald durch eine Bock- 
Brücke ersetzt. Die ganze ,, untere" Brücke war am 19. Juni 
[i. Juli] abends fertig*. 

Das gesammte Brücken-Material für die ,,obere" (Floss-) 
Brücke bestand aus mehr als 4000 Balken, 2000 Pfosten und 
89 Mühlenbooten und grossen Barken. Dieses Material, sowie die 
zu dieser Zeit bereits fertiggestellten und von dem Unternehmer 
abgelieferten 33 Landungspontons, wurden in Slatina gesammelt 
und am 23. Juni [5. Juli] zum Abflössen bereitgestellt. In den 
Nächten zum 26., 27., 29. Juni, i., 2., 3. und 4. Juli [8. bis 16. Juli] 
wurde successive dieses Material durch Mannschaft des 6. Sappeur- 
Bataillons und Matrosen bei Nikopol vorbei nach Zimnicea ge- 
flösst, wo es bis inclusive 6. [18.] Juli eintraf. Nun wurde zum 
Brückenschlage geschritten. Der Brückentheil zwischen dem 
rumänischen Ufer und der Insel Bugirescu, das ist die „rumänische" 
Brücke, 70 Sazen [149 m^ lang, wurde nahezu ausschliesslich 



Commandant der 14. Infanterie-Division GM. Dragomirow und der Commandant der 
3. Sappeur-Brigade GM. Richter; mit der IV. Classe der Armee-Ingenieurchef 
GM. Depp, der Commandant der l. Brigade der 14. Infanterie-Division GM. Jolsin, 
der Commandant der 2. Brigade GM. Petrusewski, der Commandant des Infanterie- 
Regiments Nr. 53 Oberst Rodionow, der Commandant des Infanterie-Regiments Nr. 55 
Oberst Duchonin (verwundet), der Commandant des 4. Pontonier-Bataillons Oberst 
Kopanski, der Commandant des 3. Pontonier-Bataillons Oberst Domoratzki, ferner 
Generalstabs-Hauptmann Maltzow, Capitänlieutenant Tuder, Lieutenant Lichacew 
der Gebirgs-Batterie Nr. 2, Hauptmann Fock und Fähnrich Sergjej ew des Infanterie - 
Regiments Nr. 53, schliesslich Oberstlieutenant Liprandi (gewesener Generalstabs- 
officier) und Lieutenant Matorny des Infanterie-Regiments Nr. 54. 



144 

auf Prähmen g-ebaut^ die aus Landungsbooten zusammengestellt 
waren. Für den 264 Sazen [563;//] lang-en Brückentheil zwischen 
den Inseln Bug-irescu und Adda verwendete man 58 Flösse und 
einig-e grosse Barken. Der Brückentheil zwischen der Insel Adda 
und dem bulgarischen Ufer schliesslich^ die ^^bulgarische" Brücke, 
270 Sazen [5767//] lang^ wurde abwechselnd auf grossen Barken 
und auf Prähmen aus kleinen Booten erbaut. Die ganze ^^obere" 
Brücke war am 28. Juli [9. August] fertig'. 

Nach der Fertigstellung der ,,unteren" Bi'ücke (19. Juni 
abends) wurde am 20. Juni [2. Juli] der Verkehr auf derselben 
eröffnet und es überschritten die Brücke am selben Tage die 
Artillerie und die Trains der bereits überschifften Truppen. 

Zur Sicherung* der Brücken war befohlen worden, auf den 
S visto ver Höhen eine Stellung für einen Brückenkopf auszumitteln 
und zu befestigen^ dessen Besatzung mit 5 Infanterie-Regimentern 
sammt der entsprechenden Feld-Artillerie veranschlagt war. Die 
Befestigungs-Arbeiten wurden durch die Truppen der 14. Infanterie- 
Division am 22. Juni [4. Juli] begonnen. Diese Truppen rückten 
jedoch — wie im folgenden Capitel erörtert wird — nach einigen 
Tagen mit der Armee vor^ ohne die Arbeiten beendet zu haben. 
Nach den ersten Misserfolgen bei Plevna wandte man wohl die 
Aufmerksamkeit der Befestigung der Svistover Höhen wieder zu^ 
jedoch wurden die Arbeiten bis zum Schlüsse des Krieges nicht 
vollendet. 



VIL CAPITEL. 

Operationen der russischen Hauptkraft auf 
dem rechten Donau-Ufer nach dem Ueber- 
gange bei Zimnicea - Svistov bis 27. Juni 

[9. Juli] 1877. 

Situation nach dem Donau-Ueb ergange der russischen Hauptkraft bei Zimnicea-Svistov. 
— • Bildung des „Avantgarde-Corps", der ,,Ruscuker Armee-Gruppe" und das „West- 
Corps". — Aufgaben derselben. — Recognoscierungen des Avantgarde- Corps gegen 
Süden und Einnahme von Trnovo. — Vorrückung der Ruscuker Armee-Gruppe gegen 
Ruscuk. — Concentrierung des IX. Armee-Corps bei Ores. — Die seitens des Armee- 
Obercommandanten geplante sofortige Offensive gegen Süden. — '■ Schreiben Kaiser 
Alexanders II. vom 28. Juni [10. Juli]. 

(Hiezu Karten-Beilage 9.) 

Nach dem Ueberg-ange der Vortruppen der russischen Armee 
über die Donau und nach der Herstellung der Brücken über 
die letztere begannen die entscheidenden Kriegs-Operationen. 

Am Abende des 20. Juni [2. Juli] befanden sich bei Svistov 
am rechten Ufer des Stromes : die gesammte Infanterie des 
VIII. Armee-CorpS; die 35. Infanterie-Division (des XIII. Armee- 
Corps), die 4. Schützen-Brigade und das Don-Kasaken-Regiment 
Nr. 23. Am linken Donau-Ufer in der Nähe von Zimnicea und Con- 
currenz (auf höchstens 2 Tagemärsche) waren concentriert: Theile 
der bisherigen kaukasischen Kasaken-Division ^), die selbständige 
Dragoner- Brigade, die 8. Cavallerie -Division, der bulgarische 
Landsturm, das XII. und IX. Armee-Corps, ferner die i . Infanterie- 
und 13. Cavallerie- Division (des XIII. Armee -Corps). Das 
XI. Armee-Corps, welches das Donau-Ufer zwischen dem Vede- 



^j Diese Division war aufgelöst worden, wie aus dem im folgenden angeführten 
Armee-Prikas vom 18. [30.] Juni hervorgeht. 

Der russisch-türkische Krieg. II. Bd. 10 



146 

Flusse und Cailärasi beobachtete, erhielt den Befehl, nach Zimnicea 
zu marschieren, jedoch — behufs Deckung der nach Bukarest 
führenden Communicationen g'egen Ruscuk und Tutrakan — die 
selbständige Giurgevo - Oltenitaer Gruppe (2. Brigade der 
32. Infanterie-Division, 2. Brig'ade der 1 1 . Cavallerie-Division, und 
Don-Kasaken-Regiment Nr. 31) nördlich der Donau zu belassen. 
Das Eintreffen des IV. Armee-Corps in der Umgebung von 
Bukarest stand erst anfangs Juli zu erwarten. 

Die Verbindung-en der Hauptkraft der Operations-Armee 
mit dem Reiche wurden gesichert : durch das XIV. Armee-Corps, 
welches — wie bereits besprochen — in die Dobrudza ein- 
gedrung'en war, und durch das Detachement des GM. Alexandrow 
(Infanterie-Regiment Wladimir Nr. 61 und Don-Kasaken-Regiment 
Nr. 4, beide zum Verbände des IV. Armee-Corps gehörend), 
welches den Unterlauf der Donau zwischen dem Prut und dem 
Schwarzen Meere besetzt hielt. 

Ausserdem sicherten 2 Armee -Corps, die dem comman- 
dierenden General des Odessaer Militär-Bezirkes unterstanden, 
das Küstengebiet des Schwarzen Meeres, nämlich das VII. Armee- 
Corps — von der rumänischen Grenze bis zum Dniepr-Liman und 
das X. Armee- Corps — vom Dniepr-Liman bis Perekop inclusive 
der Krim. 

Nach dem Donau-Uebergange bei Zimnicea-Svistov führte 
die Richtung für die weitere Offensive der russischen Haupt- 
kraft über Trnovo zu den Balkan-Pässen. 

Wie jetzt aus den Tabellen des Obersten Artamanow 
bekannt ist ^), befand sich damals auf jener Linie nur ein 4000 Mann 
starkes türkisches Detachement, welches Trnovo besetzt hielt. 
Ausserdem standen in den Flanken der Operationslinie : im 
Westen 9800 Mann in Nikopol ; im Osten 4000 Mann in Bela 
(Bjala), 21.200 Mann in Ruscuk, 4600 Mann in Osman Pazar und 
30.400 Mann in Sumla [Sumen]. 

Es ist klar, dass vor allem der Raum vor der Front der 
Armee aufgeklärt und die weitere Offensive derselben nach 
Süden in den Flanken gesichert werden musste. Zu diesem^ 
Zwecke wurden von der Hauptkraft 3 Gruppen ausgeschieden : das 
„Avantgarde-Corps" (Avangarde-Detachement, 10.000 Mann), 
die „Ruscuker Armee-Gruppe" (Ruscuker Detachement, 



1) Siehe VI. Capitel. — D. Ueb. 



147 

75-000 Mann) und das ;;West-Corps" (West-D etachement_, 
35.000 Mann). 

Die Zusammensetzung des Avantgarde-Corps wurde 
mit folgendem Armee-Prikas vom 18. [30.] Juni verfügt: 

;^In Anbetracht der eigenthümlichen Terrainbeschaffenheit 
des Kriegsschauplatzes^ habe ich es für nöthig befunden, ein 
specielles Cavallerie-Corps (Cavallerie-Detachement) aus folgenden 
Truppen zu formieren: 

^j I . der Dragoner-Brigade unter Commando Seiner kaiserlichen 
Hoheit; des Flügel- Adjutanten Obersten Eugen Maximilianowic 
Herzogs von Leuchtenberg: 

8. Dragoner-Regiment Astrachan meines Namens 4 Escadronen 

9. ,, ,, Kazanj desErzherzogsLeopold vonOesterreich 4 ,, 

16. reitende Batterie 6 Geschütze 

8 Escadronen und 6 Geschütze i). 

,,2. der combinierten Brigade unter Commando Seiner 
kaiserlichen Hoheit, des General-Majors der kaiserlichen Suite 
Nikolaus Maximilianowic Herzogs von Leuchtenberg: 

9. Husaren-Regiment Seiner kaiserlichen Hoheit des Herzogs Nikolaus 

Maximilianowic von Leuchtenberg 4 Escadronen 

DoQ-Kasaken-Regiment Nr. 30 . . 6 Sotnien 

Don-Kasaken-Batterie Nr. 10 6 Geschütze 

4 Escadronen, 6 Sotnien und 6 Geschütze 

^,3. der Don-Kasaken-Brigade unter Commando des Obersten. 
Cernozubow: 

Don-Kasaken-Regimenter Nr. 21 und 26 12 Sotnien 

Don-Kasaken-Batterie Nr. 15 6 Geschütze 

12 Sotnien und 6 Geschütze. 

,^4. der kaukasischen Kasaken-Brigade unter Commando des 
Obersten Tutolmin: 

2. Kuban-Kasaken-Regiraent 6 Sotnien 

Wladikawkaz-Osetiner Regiment 6 ,, 

Reitende Gebirgs- (Don-Kasaken-) Batterie . . . 8 Geschütze 

12 Sotnien und 8 Geschütze -j. 

^) In den Verband dieser Brigade trat ausserdem eine Halbescadrou des den 
kaiserlichen Ehren-Convoi bildenden „Garde-Detachements". 

^) Am 21. Juni [3. Juli] wurde die kaukasische Brigade zeitweilig vom Avant- 
.garde-Corps abgetrennt und dem Commandanten der 35. Infanterie-Division unterstellt; 
vom 24. Juni [6. Juli] an unterstand sie dem Commandanten des ,, West-Corps" 
GL. Baron Krüdener. 

10* 



148 

,;Das Cavallerie-Corps wird im ganzen aus 42 Escadroneii 
und Sotnien und 26 Geschützen bestehen^)." 

„Zum Commandanten dieses Cavallerie-Corps bestimme ich 
den zu meiner Disposition stehenden GL. Gurko." 

„Demselben werden weiters die 4. Schützen -Brigade 
(4 Bataillone und 14 Geschütze)^); sowie der bulgarische Land- 
sturm (6 Druzinen) unterstellt." 

„Alle diese Truppen zusammen bilden das ^Avantgarde-Corps' 
(x\ vantgar d e-D etachement) ." 

„Bis zum Eintreffen des GL. Gurko hat der mir zur 
Disposition stehende GM. Rauch provisorisch das Commando 
über das Avantgarde- Corps zu führen." 

„Der Stab der bisherigen combinierten kaukasischen Kasaken- 
Division formiert den Stab des Avantgarde- Corps." 

Die operative Aufgabe des Avantgarde- Corps war durch 
folgende Instruction bestimmt : 

„Dasselbe hat in der Richtung auf Trnovo und Sevlijevo 
(Seljvi) vorzurücken^ das gesammte umliegende Terrain aufzuklären 
und sich zur weiteren Offensive vorzubereiten. Sobald dann der 
entsprechende Befehl Seiner kaiserlichen Hoheit erfolgt, hat es 
die weitere Vorrückung aufzunehmen und zu trachten^ die Balkan- 
Uebergänge zu gewinnen; die Cavallerie ist über den Balkan in 
das jenseitige Gebiet zu entsenden^ um die dortig-e Bevölkerung 
zu insurgieren und die türkischen Kräfte- Gruppen zu zerstreuen. 
Unter dem Schutze des Avantgarde- Corps wird mit der Her- 
richtung der Balkan-Uebergänge für Trains und sonstige Material- 
Transporte begonnen werden^ damit die Armee ohne Aufenthalt 
in das Thal der Marica vorrücken könne ..." 

„Was die Operationsrichtung der Haupt- Armee über den 
Balkan betrifft^ so ist beabsichtigt, hiezu den Weg über Gabrovo 
nach Kazanlik und über Trevna (Trjevna, Travna) nach Möglis 
(Magliz) zu wählen." 

„Bei der Vorrückung hat das Corps zur Verbindung mit dem 
Hauptquartier eine fliegende Post [Brief-Ordonnanz-Course] ein- 
zurichten und demselben täglich zweimal Meldungen einzusenden." 



') Ausserdem war beim Avantgarde-Corps die Ural-Kasaken-Sotnie und ein 
reitendes Pionnier-Commando, beide unter dem Obersten Grafen Roniker, eingetheilt. 
Das 150 Manu starke reitende Pionnier-Commando wurde aus Leuten gebildet, die 
allen Regimentern der aufgelösten kaukasischen Kasaken-Division entnommen waren. 

-) Bei der 4. Schützen-Brigade waren ausserdem 2 Sotnien des 7. Piastun- 



149 

Der Prikas zur Formierung der ^^Ruscuker Armee- 
Gruppe" wurde am 23. Juni [5. Juli] ausgegeben. Er lautete: 

,,Für die weitere Vorrückung der Armee erachte ich es als 
nothwendig^ das XII. und XIII. Armee-Corps als selbständige 
Armee-Gruppe zu vereinigen^ und derselben eine besondere 
operative Aufgabe zu übertragen^ welche die Umgebung der 
P^'estung Ruscuk betrifft." 

;^Das Commando dieser Gruppe^ welche die Bezeichnung 
^Ruscuker Armee -Gruppe' (Ruscuker Detachement) zu führen 
hat_, übernimmt Seine kaiserliche Hoheit der Grossfürst-Thron- 
folger." 

„Ausser den bezeichneten Corps unterstelle ich Seiner 
kaiserlichen Hoheit alle Abtheilungen^ Detachements und Trupp en- 
körper^ welche sich im Operationsbereiche der genannten 2 Armee- 
Corps befinden werden^ nämlich am linken Donau-Ufer unterhalb 
des Vede-Flusses bis inclusive der Argesu - Mündung^ und am 
rechten Ufer unterhalb des Jantra-Flusses." 

,^Seine kaiserliche Hoheit übernimmt das Commando über 
die bezeichneten Corps und Truppenkörper nach der Ver- 
einigung des XII. und XIII. Armee-Corps^ das ist am 25. Juni 
[7. Juli]." 

^,Zur Versehung der Functionen des Stabschefs bei der 
Ruscuker Armee-Gruppe bestimme ich den Commandanten des 
XII. Armee-CorpS; GL. Wannowski." 

,;Das Commando über das XII. Armee-Corps übertrage ich 
Seiner kaiserlichen Hoheit dem Grossfürsten Wladimir 
Alexandro wie." 

Ueber die nächsten Operationen der Ruscuker Armee-Gruppe 
hiess es in einer vom 22, Juni [4. Juli] datierten^ dem pro- 
visorischen Commandanten derselben^ GL. Wannowski^ er- 
theilten Instruction wie folgt : 

„Das XII. Armee-Corps hat nach dem Donau-Uebergange 
an die Jantra zu marschieren^ und zwar mit dem rechten Flügel 
nach Bela ; an diesem Flusse hat es die Vereinigung der beiden 
Infanterie-Divisionen des XIII. Armee-Corps, sowie das Eintreffen 
desselben und der 8. Cavallerie-Division ^) an der Jantra zu 
erwarten. Nach der Vereinigung* beider Corps hat die Armee- 

^) Die Division bestand aus: dem 8. Uhlanen-Regiraeute Woznjesensk, dem 
8. Husaren - Regimente Lubny, dem Don-Kasaken - Regimente Nr. 8, ferner der 
15. reitenden und der 9. Don-Batterie. Sie sollte damals beim XIII, Armee-Corps nur bis 
zum Eintreffen der 13. Cavallerie-Division eingetheilt bleiben. Die letztere erhielt jedoch 



I50 



Gruppe gegen Ruscuk vorzurücken^ dasselbe zu belagern und 
womööiich einzunehmen." 



ö' 



Das West-Corps^), unter dem Commando des GL. Baron 
Krüdener, bestand aus dem IX. Armee-Corps (ohne das Dragoner- 
Regiment Kazanj Nr. 9 und das Husaren-Regiment Kijew Nr. 9 
sammt der 16. reitenden Batterie)^ i Compagnie des 5. Sappeur- 
Bataillons und dem Don-Kasaken-Regimente Nr. 34 ; ausserdem 
wurde^ wie oben bemerkt, seit 24. Juni [6. Juli] die kaukasische 
Kasaken- Brigade mit der reitenden Gebirg s- Batterie dem 
GL. Baron Krüdener unterstellt; im ganzen verfügte er dem- 
nach über 24^4= Bataillone, 28 Escadronen und Sotnien und 
108 Geschütze. Für die nächsten Operationen des Corps erhielt 
Baron Krüdener vom Armee -Obercommandanten mündliche 
Weisung'en. Wie diese lauteten, ist nicht mehr genau bekannt ; 
aber aus einer unter den Acten aufbewahrten Vormerkung des 
GM. Lewitzki, Gehilfen des Stabschefs der Armee, welche der- 
selbe während des Ueberganges der Hauptkraft der russischen 
Armee über die Donau verfasste, ist ersichtlich, dass nach der 
Ansicht des Hauptquartiers : das IX. Corps „gegen Causka 
Mahla (Caus-Magala) und Nikopol vorzurücken, letzteres ein- 
zunehmen und sodann nach Plevna vorzugehen hatte, wo — 
unter Zurücklassung eines Detachements zum Schutze der rechten 
Flanke der Armee — Vorbereitungen zur Ueberschreitung des 
Gebirges zu treffen waren ; letztere sollte erst nach Erhalt eines 
speciellen Befehles erfolgen." 

Die zum Verbände des Avantgarde-Corps gehörenden 
^Dragoner-, combinierte und Don-Kasaken-) Brigaden, sowie der 
bulgarische Landsturm überschritten am 21. Juni [3. Juli] die 
Donau und concentrierten sich zu Mittag des folgenden Tages 
bei den Dörfern Sarijar und Kozlovec (Turska Sliva), wo sich 
bereits die 4. Schützen-Brigade befand. 

An diesem Tage, dem 22. Juni [4. Juli], marschierte die 
Infanterie der Avantgarde nach dem Dorfe Akca Jer, wogegen 
die Cavallerie bis an die Linie Ovca Mogila, Kara Isen, Hibili 
(Chibili) in südlicher Richtung vorrückte. Bei der Besitz- 



später eine andere Bestimmung, und die Regimenter der 8. Cavallerie-Division verblieben 
während des ganzen Verlaufes des Krieges im Verbände der Ruscuker Armee-Gruppe. 
1) Die officielle Bezeichnung „West-Corps" (West-Detachement) erhielt dasselbe 
erst in der Folge. 



151 

ergreifung dieses Rayons stiess die Cavallerie des Avantgarde- 
Corps auf keinerlei Widerstand, und ihre gesammte Thätigkeit 
beschränkte sich darauf, einerseits die mohammedanische 
Bevölkerung zu entwaffnen, anderseits mit den Tscherkessen 
Schüsse zu wechseln, worauf sich diese in der Richtung auf 
Trnovo zurückzogen ; hier sollten sich, nach Aussagen von Ge- 
fangenen, damals ungefähr 5 türkische Infanterie - Bataillone mit 
einigen Cavallerie-Sotnien und Feld - Geschützen befinden. Den- 
selben Nachrichten zufolge wurden bei Trnovo Befestigungen 
ausgehoben, und man erwartete dortselbst das Eintreffen türkischer 
Truppen von Osten her, das ist von Osman Pazar. 

Am 23. Juni [5. Juli] erhielten die Truppen des Avantgarde- 
Corps einen Rasttag, um den Trains das Nachkommen zu er- 
möglichen. Am folgenden Tage sollten die Schützen-Bataillone 
nach Pavlikeni marschieren und die Cavallerie die Strasse Trnovo- 
Sevlijevo erreichen. Da aber der Uebergang über die Donau- 
Brücke nur sehr langsam vor sich gieng und die Nachrichten 
über die Situation beim Feinde noch nicht hinreichend geklärt 
waren, so erhielt GM. Rauch vom Operierenden Hauptquartier 
den Befehl zugesandt, die Vorrückung des Avantgarde-Corps 
nicht zu beschleunigen. Es gelang'ten daher am 24. Juni [6. Juli] 
die Infanterie bloss nach Batak und die Cavallerie nur bis an den 
Rosica- (Rusica-)Fluss, längs welchem sie in folgender Weise 
Unterkünfte bezog: die combinierte Brig-ade beim Dorfe Suhindol, 
die Dragoner-Brigade bei Bela Cerkova (Muratbej gorni) und 
die Don-Brigade bei Nikjup (Novi Nikjub). 

An diesem Tage, dem 24. Juni [6. Juli], traf in Batak beim 
Avantgarde-Corps der aus Petersburg berufene Commandant des- 
selben, General Gurko, ein. Der Stabschef, Generalstabs-Oberst 
NaglovvTski, meldete ihm die über den Feind eingelaufenen Nach- 
richten, welche sich im Wesen auf Folgendes beschränkten: 
westlich Trnovo war überhaupt kein Feind vorhanden; was Trnovo 
selbst betrifft, so war wohl bekannt, dass es von türkischen 
Truppen besetzt und befestigt sei; detailliertere Daten aber 
fehlten, da die Türken den russischen Patrouillen die Annäherung 
an die Stadt verwehrten. Unter diesen Verhältnissen beschloss 
General Gurko, zunächst eine forcierte Recognoscierung allein 
mit der Cavallerie vorzunehmen und erst dann mit der Haupt- 
kraft seines Corps Trnovo anzugreifen. 

Zu diesem Zwecke wurde für den 25. Juni [7. Juli] folgende 
Disposition ausgegeben: die Dragoner-Brigade mit 6 Geschützen 



15^ 

hatte von ihrem Lager bei Bela Cerkova über Mehalci^ Golemo 
Jalari (Jallari gorni), Kajabunar (Karabunar) und Beljakovec gegen 
Trnovü vorzugehen ; die Don-Kasaken-Brigade sollte, um die Auf- 
merksamkeit der Türken abzulenken, von Nikjup starke Patrouillen 
absenden, welche g-egen Trnovo von Norden und Osten vorzu- 
rücken hatten; ausserdem sollte sie nach Möglichkeit mit einem 
Theile ihrer Streitkräfte die Drag-oner-Brigade unterstützen; das 
Husaren-Regiment Kijew Nr. 9 hatte mit 4 Geschützen vom Dorfe 
Suhindol nach Mehalci zu rücken und als Reserve für die Dragoner- 
Brig'ade zu dienen; das Don-Kasaken-Reg-iment Nr. 30 endlich war 
angewiesen, mit 2 Geschützen bei Suhindol zu verbleiben und mit 
der kaukasischen Kasaken-Brig-ade, die damals in Blgarene 
(Bolg-areni) an der Strasse Svistov-Plevna stand, die Verbindung 
herzustellen und zu erhalten. 

Am 25. Juni [7. Juli], 7 Uhr früh, brach General Gurko 
mit der Dragoner-Brigade von Bela Cerkova auf. Nach Durch- 
schreitung der Furt durch den Rosica-Fluss wurden 2 Escadronen 
vorausgesendet: die eine nach rechts an die Chaussee Trnovo- 
Sevlijevo; die andere nach links auf dem längs des Flusses 
führenden Wege. Die Entsendung dieser Escadronen war zur 
Sicherung der Vorrückung der Brigade nothwendig-, schwächte 
sie aber stark, da im ganzen nur 6V2 Escadronen bei der Brigade 
verblieben, nämlich : die Halbescadron des Ehren-Convoi, je 
3 Escadronen der Dragoner-Regimenter Kazanj Nr. 9 und Astrachan 
Nr. 8, sowie die 16. reitende Batterie. 

Nach Passierung des Dorfes Kajabunar erstieg die Brigade 
einen ziemlich hohen, steinigen Berg, dessen Hang auf der 
Seite gegen Trnovo sehr steil und schwer gangbar war. Auf der 
Spitze des Berges traf die Meldung ein, dass die Türken an- 
geblich in der Nähe einen Hinterhalt gelegt hätten. Obgleich 
diese Nachricht sehr unwahrscheinlich klang, da bei der schnellen 
Vorrückung und dem plötzlichen Erscheinen der Brigade die 
Türken kaum Zeit gehabt haben konnten, einen Hinterhalt zu legen, 
so wurden trotzdem vorsichtshalber, ausser den bereits nach vorne 
und in den Flanken ausgeschiedenen Sicherungs-Abtheilungen, neue 
Patrouillen entsendet. Bald darauf meldeten dieselben, dass in der 
Nähe ein türkischer Cavalleriekörper von beträchtlicher Stärke 
constatiert worden sei. Und thatsächlich bemerkte General Gurko, 
welcher zu der an der Tete der Colonne marschierenden Halb- 
escadron des Ehren-Convoi vorgeritten war, von der Spitze des 
erwähnten Berges eine 400 bis 500 Reiter starke Cavalleriemasse. 



153 

Wie bereits oben gesagt^ fällt der Kajabunarer Berg 
nach Osten und Südosten mit einem überaus steilen steinigen 
Hange ab, welcher sehr schwierig zu ersteigen ist. Am Fusse 
des Berg-es liegt ein ziemlich ausgedehntes Plateau, welches sich 
mit einer sanften, kaum bemerkbaren Steigung in östlicher und 
südöstlicher Richtung hebt. Auf 2V2 bis 3 Werst vom Berge 
schliesst dieses Plateau gleichfalls nach Ost und Südost mit einem 
steilen Abfalle ab, so dass man — auf der Spitze des Berges 
stehend — nur den oberen Rand dieses Abfalls sehen kann, 
dagegen den Fuss des letzteren und das daranschliessende Thal 
nicht zu überblicken vermag. 

An dem bezeichneten Plateaurande nun, das ist in südöstlicher 
Richtung vom Berge aus, wurde der feindliche Cavalleriekörper 
beobachtet; was sich aber hinter dem Abfalle befand, konnte 
nicht beurtheilt werden. Angesichts der soeben eingetroffenen, 
zwar wenig wahrscheinlichen Nachricht von dem Hinterhalte, 
hauptsächlich aber wegen des äusserst schwierigen Aufstieges auf 
den Kajabunarer Berg (falls man zum Rückzuge genöthigt würde) 
musste bis zur genaueren Aufklärung der Situation mit aller 
Vorsicht gehandelt werden. Gleichzeitig war es ang'ezeigt, 
den Türken bis zum geeigneten Momente die eigene Stärke zu 
verbergen. Auf Grund dieser Erwägungen entsandte General 
Gurko auf das Plateau im ganzen nur i Zug der Halbescadron 
des Ehren-Convoi und Hess zur Unterstützung desselben 2 Ge- 
schütze am Bergrande auffahren; letzteren hatten überdies ab- 
gesessene Dragoner in Schwarmlinie zu besetzen. 

Der Commandant des vorgesandten Zuges, Stabscapitän 
Sawwin von der reitenden Garde-Artillerie-Brigade, ritt den 
Berg herab, Hess den Zug* aufmarschieren und gieng dann im 
scharfen Trab in der Richtung" gegen die Türken vor. Ein kleiner 
Sumpf hielt seine Bewegung* etwas auf, aber die Russen um- 
giengen ihn und ritten schnell weiter. Sobald die Türken den 
Zug bemerkten, w^urde es in ihren Reihen plötzlich lebendig; 
die Leute sassen schnell auf, und die ganze Cavalleriemasse 
fieng an, sich in nordöstlicher Richtung zu bewegen. Es war klar, 
dass die türkische Cavallerie Trnovo, welches genau im Osten 
lag, im Rücken zu haben wünschte, um sich die Rückzugslinie 
nach dieser Stadt zu sichern. Sobald sie den Weg nach Trnovo 
erreicht hatte, wandte sie sich mit der Front gegen den Kaja- 
bunarer Berg und ritt dem Zuge entgegen, wobei sie mit ihren 
aufgelösten Flügel-Gruppen denselben zu umfassen strebte. 



154 

Inzwischen war Stabscapitän Sawwin mit seinem Zug-e in 
einen kurzen Hohlweg* g'ekommen^ dessen feindwärts gelegene 
Wand ihm nicht erlaubte^ die Bewegungen der Türken zu beob- 
achten; er setzte infolg*edessen seinen Ritt fort^ ohne von der 
ilim drohenden Gefahr eine Ahnung zu haben. Als er dann die 
steile Böschung des Hohlweges erstiegen hatte^, und die Türken 
zum Angriffe heranreiten sah, liess er sich hiedurch keineswegs 
abschrecken, sondern ritt noch 200 Schritt in Galopp weiter^ sass 
dann mit seinem Zuge ab und eröffnete das Feuer. Dieses Vor- 
g'ehen verblüffte förmlich die Türken: sie sassen ebenfalls ab und 
begannen, mit ihren Magazins-Gewehren ein heftiges Feuer ab- 
zugeben. Inzwischen hatte General GurkO; um den Stabscapitän 
Sawwin aus der g'efährlichen Situation zu befreien, den anderen 
Zug des Convoi und 2 Dragoner-Escadronen vorgesendet. Bei 
der Annäherung dieser Unterstützungen traten die Türken eiligst 
den Rückzug an. Dies berechtigte zu dem Schlüsse, dass hier 
keine weiteren türkischen Kräfte vorhanden seien, und es erhielten 
daher die auf der Spitze des Kajabunarer Berges stehenden 
2 Geschütze den Befehl, sofort das Feuer zu eröffnen; auch die 
übrigen 4 Geschütze der Batterie hatten aufzufahren und gleich- 
falls zu schiessen; ausserdem liess General Gurko noch 2 Escadronen 
auf das Plateau herabreiten. Da um diese Zeit bei der Dragoner- 
Brigade der von Oberst Cernozubow entsandte Oberst Krasnow 
mit 3 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments Nr. 26 und 2 Ge- 
schützen der Don-Batterie Nr. 15 eintraf, so wurde nunmehr an- 
geordnet, dass auch die übrigen 2 Dragoner-Escadronen sammt 
der ganzen 16. reitenden Batterie vom Berge herabzusteigen hätten. 
Dagegen wurde Oberst Krasnow mit seinen 3 Sotnien und 2 Ge- 
schützen auf dem Berge belassen, um als Unterstützung für den 
Fall zu dienen, dass die in das Thal vorgezogene Dragoner- 
Brigade zum Rückzuge genöthigt sein sollte. 

General Gurko ritt mit seinem Stabe gleichfalls auf das 
Plateau herab und erreichte bald die vorne befindlichen Escadronen, 
welche um diese Zeit an der Chaussee Sevlijevo-Trnovo angelangt 
waren. 

Die Chaussee zieht sich hier in einem ziemlich tiefen und 
schmalen Thale hin, das im Norden und Süden von hohen Terrain- 
partien eingesäumt ist und nahe Trnovo den Charakter eines 
Defiles annimmt; die nördlich des Weges gelegenen Höhen domi- 
nieren stark die Stadt. Letztere war auf der Westseite nicht be- 
festigt. 



155 

Die ganze Brigade erhielt nunmehr den Auftrag^ die Höhen 
links [nördlich] der Strasse zu ersteigen und längs derselben 
gegen Trnovo vorzurücken. Gleichzeitig wurde auf. den Kaja- 
bunarer Berg der Befehl gesandt;, dass zwei der dortselbst be- 
lassenen Kasaken-Sotnien anzuschliessen^, dagegen eine Sotnie^ 
sowie die beiden Geschütze auf dem Berge zu verbleiben hätten, 
um im Falle des Rückzuges der Brigade deren Aufstieg auf den 
Berg von der Spitze desselben aus durch Artilleriefeuer zu 
decken. Da um diese Zeit von allen Patrouillen die Meldung* 
eintraf; dass nirgends in den Flanken Türken zu constatieren 
seien^ so konnte die weitere Bewegung ohne jede Gefahr erfolgen. 

Die Vorrückung der Dragoner-Brigade gegen die Stadt er- 
folgte in zwei Treffen mit aufmarschierten Escadronen: das erste 
Treffen bildeten die 3 Escadronen des Dragoner - Regiments 
Kazanj; das zweite die 3 Escadronen Astrachaner Dragoner^ die 
Ha,lbescadron des Ehren-Convoi und die 16. reitende Batterie. Das 
zweite Treffen folgte dem ersten auf ungefähr 2 Werst. Als die 
erste Escadronslinie sich der Stadt auf circa 3 Werst genähert 
hatte, eröffneten die Türken, die am rechten Jantra-Ufer eine 
Stellung besetzt hielten, das Artilleriefeuer, und zwar auf eine so 
grosse Distanz, dass alle Schüsse anfangs um etwa i V2 Werst zu 
kurz giengen. Trotz der so bedeutenden Kurzschüsse feuerte die 
türkische Batterie ziemlich schnell weiter. Angesichts dieses 
heftigen und dabei zwecklosen Schiessens, „welches für die Panik 
zeugte, die die Türken ergriffen haben musste", beschloss General 
Gurko, die Einnahme von Trnovo mit der Cavallerie allein 
zu versuchen. 

Auf 2 Werst von der türkischen Stellung wurde die vordere 
Escadronslinie zum Halten befehligt, um dem zweiten Treffen Zeit 
zum Näherkommen zu geben. 

Auf diese Entfernung konnte man die feindliche Aufstellung 
sehr gut übersehen; sie befand sich auf der am rechten Jantra- 
Ufer, südlich Trnovo gelegenen Höhe. Auf dem Kamme der 
letzteren war eine Verschanzung erbaut, und am Abhänge hatten 
die Türken eine Batterie, sowie Schützengräben ausgehoben. Die 
Stellung war in der Front durch die Jantra gedeckt, welche 
allerdings durchfurtbar ist, deren steile Ufer aber ein ziemlich 
bedeutendes Hindernis für die Bewegung- darstellen. Der schwächste 
Theil der Stellung war deren rechter Flügel, wo die Stadt eine 
Umgehung desselben begünstigte. Hinter der Stellung führte, 
genau in östlicher Richtung-, die Chaussee nach Osman Pazar. 



150 

Die türkische Gruppe bei Trnovo war 6 Bataillone und 
I Batterie^ im g-anzen circa 4000 Mann stark; die Cavallerie be- 
stand aus einigen irregulären Sotnien. 

Zum Angriffe auf die türkische Stellung- erliess Greneral 
Gurko folgende Disposition: die 3 Escadronen des Dragoner- 
Regiments Kazanj Nr. 9, welche sich im ersten Treffen be- 
fanden^ hatten abzusitzen und die Weingärten links [nördlich] 
des Weges zu besetzen; die 16, reitende Batterie sollte im Trab 
vorrücken und sofort auffahren; 2 Escadronen des Drag'oner- 
Regiments Astrachan Nr. 8^ das im zweiten Treffen stand^ hatten 
gleichfalls abzusitzen und die Weingärten rechts der Chaussee zu 
besetzen; die noch erübrigende Escadron Astrachan er sollte einst- 
weilen zu Pferde verbleiben_, nach dem Eintreffen der beiden 
Kasaken-Sotnien aber auch absitzen und den rechten Flügel ver- 
stärken; die beiden Kasaken-Sotnien^ welche ziemlich weit zurück- 
g-eblieben waren, hatten im Trab auf das Gefechtsfeld vorzureiten, 
sich mit der Halbescadron des Ehren- Convoi zu vereinigen und 
mit ihr die Reserve zu bilden. Schliesslich wurde auch der dritten 
Sotnie, die mit zwei Geschützen auf dem Kajabunarer Berge 
verblieben war, der Befehl zugesendet, so schnell als möglich 
gegen Trnovo nachzurücken. 

Der Commandant der 16. reitenden Batterie, Oberstlieutenant 
Oreus, fuhr mit seinen 4 Geschützen in einer circa 800 Sazen 
[17007/2] von der türkischen Batterie entfernten Stellung auf; 
nachdem er sich mit gewöhnlichen Granaten eingeschossen hatte 
gieng er zum Shrapnelfeuer über, brachte nach der sechsten oder 
siebenten Lage die türkische Batterie zum Schweigen und zwang 
sie zum Verlassen der Position. 

Während die 16. reitende Batterie den Kampf mit der 
feindlichen Artillerie führte, besetzten die 6 Dragoner-Escadronen 
die Weingärten und giengen bis zu der den Türken gegenüber- 
liegenden Lisiere derselben vor, von wo aus sie sich mit 
ihnen in ein lebhaftes Feuergefecht einliessen. Die Türken er- 
widerten ihre Schüsse mit einem überaus schnellen Feuer, das 
aber den Dragonern, welche gut gedeckt waren, keinen Schaden 
zufügte. Um diese Zeit trafen die beiden Kasaken-Sotnien am 
Kampfplatze ein. 

Sobald General Gurko bemerkte, dass die türkische Batterie 
zum Schweigen gebracht war, befahl er den reitenden Geschützen, 
sofort näher an die feindliche Stellung heranzufahren und die 
hinter Befestigungen gedeckte Infanterie mit Shrapnels zu be- 



157 

schiessen ; ferner hatten die 3 abgesessenen Dragoner-Escadronen^ 
welche die Weingärten links der Chaussee besetzt hielten^ durch 
die Stadt vorzurücken. 

In der rechten Flanke umgangen^ und auf eine Distanz von 
400 Sazen [850 m^ mit Kartätsch-Granaten überschüttet; räumten 
die Türken endgiltig ihre Stellung und zogen sich auf dem Wege 
nach Osman Pazar zurück. 

General Gurko beliess in Trnovo die Halbescadron des 
Ehren- Convoi und verfolgte mit der gesammten übrigen Cavallerie 
die Türken. Hiebei erbeuteten die Dragoner und Kasaken das 
türkische Lager^ in welchem sie zahlreiche Gewehre^ Munitions- 
und Verpflegs-Vorräthe vorfanden. Die Verfolgung erstreckte sich 
auf eine Entfernung von circa 8 Werst und endete erst mit 
dem Einbrüche der Dunkelheit. 

Aus den Verhören der Getangenen und den Aussagen von 
Einwohnern gieng hervor^ dass sich ausser der ungefähr 4000 Mann 
starken Gruppe^ welche Trnovo vertheidigte, auf der Osman 
Pazarer Chaussee^ circa 5 Werst von der Stadt;, noch 
3 türkische Infanterie-Bataillone befunden hatten^ welche — am 
Marsche von Sumla nach Trnovo begriffen — auf die Nachricht 
von der Annäherung der Russen stehen geblieben waren, um den 
Ausgang des Gefechtes abzuwarten, anstatt ohne Aufenthalt nach 
Trnovo weiterzumarschieren ; als sie dann den Rückzug der Ver- 
th eidiger von Trnovo bemerkten, traten auch sie sofort den 
Rückmarsch an. 

Die Verluste der Russen in den Gefechten bei Kajabunar 
und Trnovo betrugen im g-anzen 4 verwundete Soldaten. 

Während sich der hier beschriebene Kampf abspielte, war 
unter Commando des Corneten Pljeskow eine Streif-Patrouille 
des Kijewer Husaren-Regiments in der Stärke eines Zuges in 
Sevlijevo eingedrungen, hatte hier aber nur Gendarmen an- 
getroffen. Nach Entwaffnung derselben kehrte die Patrouille zum. 
Regimente zurück, wobei sie vom Telegraphen- Amte zwei Appa- 
rate sammt Papierrollen und das Depeschen-Buch mitnahm. 

An demselben Tage, dem 25. Juni [7. Juli], war seitens des 
30. Don-Kasaken-Regiments vom Dorfe Suhindol unter Commando 
des Jesaul [Kasaken-Rittmeister| Afanasjew eine Halbsotnie zur 
Herstellung der Verbindung mit der kaukasischen Kasaken-Brigade 
abgeschickt worden. Sie traf am 26. Juni [8. Juli] in Plevna ein, das 
sie nur von einer türkischen Infanterie-Compagnie besetzt fand, und 
kehrte sodann über Blgarene (Bolgareni) zum Regimente zurück. 



158 

Nach der Einnahme von Trnovo verleg'te General Gurko 
das Gros des Avantgarde-Corps hieher und schob die Cavallerie 
auf den nach Osman Pazar, Elena, Gabrovo und Sevlijevo 
führenden Strassen vor. 

Auf der Ost-Eront hatte sich unterdessen Eolgendes ereignet 

Der Donau - Uebergang der Truppen der Ruscuker 
Armee -Gruppe begann in der Nacht vom 20. zum 21. Juni 
[2. zum 3. Juli]. Am Abende des 22. [4.] sammelten sich auf 
dem rechten Ufer : die 1 2 . Cavallerie-Division und die i . Brigade 
der 33. Infanterie-Division sammt der i. und 2. Batterie der 
33. Artillerie-Brig-ade. Diese unter den Befehlen des Comman- 
d^\nten der 12. Cavallerie-Division, GL. Baron Driesen, stehenden 
Truppen bildeten die Avantgarde der Ruscuker Armee-Gruppe. 

Nach Entsendung von Patrouillen an den Jantra-Fluss 
ordnete General Driesen zeitlich früh am 23. Juni [5. Juli] an, 
dass unter den Befehlen des Obersten Baron Bilderling, Com- 
mandanten des Dragoner-Regiments Starodubow Nr. 12, dieses 
Regiment mit der 19. reitenden Batterie sofort nach Bela vor- 
zurücken, dasselbe zu besetzen und sich dort so lange zu halten 
habe, bis Infanterie eingetroffen sei. Nach einem vierstündigen 
Ritte trafen die Starodubower zu Mittag in Bela ein, überschritten 
die Jantra auf der Brücke und bezogen am rechten Ufer des 
Flusses eine Stellung. Am folg'enden Tage, dem 24. Juni [6. Juli], 
traf in Bela die Infanterie der Avantgarde ein, worauf die 
12. Cavallerie-Division auf dem linken Jantra-Ufer gegenüber 
dem Dorfe Strömen [Styrmen] ein Bivouac bezog. Ferner wurde 
am 24. Juni [6. Juli] abends unter dem GM. Citljadzew, Com- 
mandanten der i. Brigade der 12. Infanterie-Division, ein Deta- 
chement, bestehend aus dem Infanterie-Regimente Azow Nr. 45, 
der I. Batterie der 12. Artillerie-Brigade, der 3. Compagnie des 
7. Sappeur-Bataillons und der 6. Sotnie des Don-Kasaken-Regiments 
Nr. 12, nach Nov Grad gesandt, um dortselbst über die Jantra 
eine Brücke, sowie Befestigungen vor derselben herzustellen. Als 
Material zum Brückenbaue dienten Handelsschiffe, welche von 
den Türken auf der Donau belassen worden waren und nunmehr 
die Jantra hinaufgeschleppt wurden. 

Am nächsten Tage, dem 25. Juni [7. Juli], gieng die weitere 
Concentriernng der Ruscuker Armee-Gruppe an der unteren 
Jantra, zwischen der Stadt Bela und der Donau, vor sich. Da- 
gegen erhielt an diesem Tage die 12. Cavallerie-Division den 



159 

Befehl^ in drei Colonnen weiter gegen Ruscuk vorzurücken^ das 
Terrain aufzuklären und die Gegend von Türken zu säubern. Die 
Cavallerie-Division stiess bei ihrer Vorrückung nur auf den Wider- 
stand bewaffneter türkischer Einwohner^ nahm einige Trains der- 
selben weg und besetzte am Abende des 25. Juni [7. Juli] mit 
dem Uhlanen-Regimente Bjelgorod Nr. 12 — Beljanovo (Biljanovo); 
mit dem Don-Kasaken-Regimente Nr. 12 sammt der Don-Kasaken- 
Batterie Nr. 5 — Obreten (Obrjetenik)^ mit dem Drag'oner-Regi- 
mente Starodubow Nr. 12 — Dolnja Manastirca und mit dem 
Husaren-Regimente Achtyrka Nr. 12 — Besbunar. 

Am folgenden Tage^ dem 26. Juni [8. Juli]^ verblieb die 
CavalleriO; das Herankommen der Infanterie erwartend^ an den 
am Vortage erreichten Punkten stehen. Früh am Morgen wurden 
seitens desDon-Kasaken-RegimentsNr. 12 von Obreten Patrouillen 
in das Dorf Dve Mogili vorgesendet^ welche gleich darauf 
meldeten^ dass türkische Cavallerie aus nördlicher Richtung" 
— von Tröstenik (Trastenik) und Kara Kodzali her — vorrücke. 
Nachdem sich der Regiments-Commandant Oberst Chrescatitzki 
persönlich von der Richtigkeit dieser Meldung überzeugt hatte^ 
liess er durch sein Regiment und die Don-Batterie Nr. 5 seitwärts 
des Dorfes Obreten eine »Stellung beziehen. Dieselbe wurde als- 
bald von Tscherkessen angegriffen^ welche jedoch^ obgleich von 
g'eschlossener Infanterie unterstützt, durch das Gewehr- und 
Geschützfeuer der Kasaken abgewiesen und zum Rückzuge ge- 
zwungen wurden. Bald darauf traf von den Patrouillen die Meldung 
ein^ dass türkische Truppen vom Dorfe Dve Mogili her im Vor- 
rücken begriffen seien^ und thatsächlich erschien um circa 5 Uhr 
nachmittags von dort türkische Infanterie mit Artillerie. Oberst 
Chrescatitzki besetzte nunmehr mit einer abgesessenen Sotnie 
die vorspringende Ortslisiere des Dorfes Obreten^ liess rechts 
hievon 4 Geschütze auffahren und vereinigte die übrigen Sotnien 
sammt 2 Geschützen als Reserve hinter dem rechten Flügel 
seiner Aufstellung. Etwas später eröffneten 4 türkische Geschütze, 
welche südlich des Dorfes Dve Mogili aufgefahren waren, von 
dort ein heftiges Feuer, und gleich darauf begann der An- 
griff der Infanterie, der jedoch infolge des Gewehrfeuers 
der abgesessenen Kasaken und des Shrapnelfeuers der reitenden 
Geschütze bald zum Stehen kam. So stand die Situation, als bei 
Obreten um 7 Uhr abends das Dragoner-Regiment Starodubow 
mit der 19. reitenden Batterie eintraf, welche von ihrem Lager 
bei Dolnja Manastirca den Kasaken zu Hilfe geschickt worden 



i6o 

waren. Beim Erscheinen der Dragoner stellten die Türken das 
Feuer ein und zogen sich zurück. 

Bei Tagesanbruch des 27. Juni [9. Juli] meldeten die Dra- 
goner-Patrouillen^ dass der Feind am Vortage über das Dorf 
Dve Mogili weiter zurückmarschiert sei und nur einige berittene 
Tscherkessen- Trupps zurückgelassen habe. Die Ortsbewohner 
sagten aus^ dass die Türken, welche am Vortage angegriffen hatten, 
aus Infanterie, Cavallerie und 4 Geschützen bestanden ; sie waren 
ang-eblich zu einer Recognoscierung aus Ruscuk entsendet worden. 

Nach türkischen Quellen gehörten die bei Obreten im 
Gefechte gestandenen Truppen zum Corps Achmed Ejub Paschas, 
das behufs Vereinigung mit der Armee Osman Paschas über 
Bela hätte vorrücken sollen. Zu demselben Zwecke waren überdies 
vorg"eschoben worden : aus Sumla 34 Escadronen und 3 Batterien 
und aus Ruscuk 34 Bataillone, 6 Escadronen und 8 Batterien; 
im ganzen gegen 28.000 Mann Feld-Truppen. Nach dem Schar- 
mützel bei Obreten aber gab Achmed Ejub Pascha den Marsch 
nach Bela auf und zog sich nach Gür Cesme zurück. 

Am Abende des 27. Juni [g. Juli] traf in Obreten das In- 
fanterie-Regiment Cherson Nr. 130 ein, worauf die Cavallerie 
noch weiter gegen Osten vorgetrieben wurde und mit ihren vor- 
deren Abtheilungen die Linie Batisnica, Dve Mogili, Gornjo (Jali) 
Ablanovo, Batin erreichte. 

Die übrigen Truppen der Ruscuker Armee- Gruppe nächtigten 
an diesem Tage wie folgt : das Infanterie-Regiment Azow Nr. 45 
mit der i. Batterie der 12. Artillerie-Brigade wieder im Dorfe 
Nov Grad, wo bis zum Abende die Jantra-Brücke und die vor 
derselben aufgeführten Befestigungen beendet wurden; das In- 
fanterie-Regiment Dnjepr Nr. 46 mit der 4. Batterie der 12. Ar- 
tillerie - Brigade in Belcov und Causovo ; die 2. Brigade der 
12. Infanterie-Division mit der 2., 3., 5. und 6. Batterie der 
12. Artillerie -Brigade um Piperkovo (Biberlik) ; 3 Regimenter 
der 33. Infanterie-Division mit der 33. Artillerie-Brigade bei Bela ; 
und der Stab des XII. Armee-Corps in Causovo. Die Infanterie 
des XIIL Armee-Corps war noch weiter rückwärts ; die dem- 
selben zugetheilten 3 Regimenter der 8. Cavallerie-Division 
gelangten bis zum Dorfe Koprivec und die Jantra aufwärts 
bis Radanovo; sie traten links mit den Patrouillen der 12. Ca- 
vallerie-Division und rechts mit der von Trnovo in der Richtung 
gegen Osman Pazar vorgeschobenen Cavallerie des Avantgarde- 
Corps in Verbindung. 



i6i 

Unterdessen hatten auch die Truppen des West-Corps den 
Uebergang über die Donau bewirkt; und zwar waren speciell am 
25. Juni [7. Juli] die 5. Infanterie-Division^ das Uhlanen-Regiment 
Bug Nr. 9; sowie das Don-Kasaken- Regiment Nr. 9 hinüber- 
marschiert und über Befehl des Armee-Obercommandanten von 
GL. Baron Krüdener bis zur Concentrierung des ganzen Corps 
in den Raum zwischen Blgarene und Ores verlegt worden; die 
31. Infanterie-Division und das Don-Regiment Nr. 34 befanden 
sich am 25. Juni [7. Juli] noch an verschiedenen Punkten des linken 
Donau-Ufers; dageg'en war die kaukasische Kasaken- Brigade 
bereits in Blgarene eingetroffen. 

An diesem Tage hatte Baron Krüdener aas dem Haupt- 
quartier einen feldmässig ausgefertigten Befehl (,^Feldzetter') er- 
halten, laut welchem von der q. Cavallerie-Division Patrouillen 
in der Richtung auf Nikopol und von der kaukasischen Brigade 
solche auf Plevna und Lovea zu entsenden waren. Zum Schlüsse 
hiess es: ^^Das weitere Vorgehen wird ganz dem Ermessen Eurer 
Excellenz anheimgestellt; dasselbe ist aber mit den vom Armee- 
Obercommandanten erhaltenen Weisungen und mit der Situation 
in Einklang zu bringen." 

Am Abende des 26. Juni [8. Juli] sammelten sich die Teten 
des IX. Armee-Corps bei Ores. Der Commandant der kaukasischen 
Brigade^ Oberst Tutolmin^ erschien bei General Krüdener und 
meldete, dass im Räume zwischen Osma und Vit (Vid) beiderseits 
der Ple^naer Chaussee seine Patrouillen nirgends die Anwesen- 
heit regulärer türkischer Truppen constatiert hätten; am 25. Juni 
[7. Juli] früh aber seien im Lager der Brigade einige Bulgaren, 
Plevnaer Einwohner, erschienen, welche mittheilten, dass in Plevna 
eine Nizam-Compagnie zur Sicherung- des dortigen Spitals stehe. 
Diese Meldung hatte auch eine Aufklärungs-Abtheilung [eine 
halbe Sotnie] des Don - Kasaken - Regiments Nr. 30 bestätigt, 
welche seitens der Cavallerie des Avantgarde - Corps zur Ver- 
bindung mit der kaukasischen Kasaken-Brigade entsendet worden 
und — wie bereits oben besprochen — am 26. Juni [8. Juli] 
in Plevna gewesen war. Nach Aussage des Commandanten 
dieser Abtheilung, Jesaul Afanasjew, hatte die türkische Com- 
pagnie, als seine Halbsotnie in Plevna einrückte, ohne jeden 
Widerstand die Waffen niedergelegt, und erst das Erscheinen 
eines starken Tscherkessen-Trupps hatte die Kasaken genöthigt, 
die Gefangenen aufzugeben und sich auf Blgarene zurück- 
zuziehen. Was die Patrouillen der kaukasishen Kasaken-Brigade 

Der rus jisch-türkische Krieg. II. Bd. II 



betrifft; so waren dieselben einstweilen noch nicht bis Plevna 
vorgedrung"en. 

Nach der Darstellung der Thätigkeit seiner Brigade bat 
Oberst Tutolmin den Corps-Commandanten^ ihm Wenigstens 
ein Infanterie -Bataillon zur Unterstützung zuzuweisen^ um mög- 
lichst bald Plevna besetzen zu können. Obgleich General Krü- 
dener dieser Idee nicht abhold war^ hielt er es vor der Ein- 
nahme von Nikopol dennoch nicht für möglich^ dieselbe auszu- 
führen. 

Er blieb infolgedessen den ganzen 27. Juni [9. Juli] in der 
Umg'ebung von Ores stehen^ um die Concentrierung der übrigen 
Truppen abzuwarten, und schob nur zwei Avantgarden vor: 
die eine unter den Befehlen des GM: Laskarjew (Commandanten 
der 9. Cavallerie-Division) nach dem Dorfe Peti Kladenci . (Pjati 
kladenci);, und zwar das Infanterie-Regiment Galic Nr. 20 mit 
der 2. und 5. Batterie der 5. Artillerie-Brigade, das Uhlanen- 
Regiment Bug Nr. g, sowie das Don-Kasaken-Regiment Nr. 9 
mit der Don-Batterie Nr. 2 ; die andere unter Oberst Klein- 
haus (Commandanten des Infanterie-Regiments Kostroma Nr. 19) 
nach dem Dorfe Stizarov; diese bestand aus dem bezeichneten 
Regimente sammt der i. Batterie der 5. Artillerie-Brigade und der 
5. Batterie der 31. Artillerie-Brigade. Vor der letzteren Avant- 
garde stand ■ — wie bisher — in Blgarene die kaukasische 
Brigade und beobachtete die Wege nach Plevna und Lovca. 

Inzwischen Hessen die überaus schnellen Erfolge des Avant- 
o-arde-Corps und der Umstand, dass sich vor dessen Front keine 
türkischen Truppen befanden, beim Armee-Obercommandanten 
den Gedanken reifen : ohne die völlige Concentrierung- der Armee 
abzuwarten, unter Belassung starker Flankensicherung-en („Pufter- 
Gruppen"), die Vorrückung in südlicher Richtung sogleich fort- 
zusetzen. In einem Berichte an Kaiser Alexander II. vom 
27. Juni [9. Juli] legte der Grossfürst seine Absichten in folgender 
Weise dar: 

„Die unerwartet schneidige Fortnahme von Trnovo ermög- 
licht es mir, nunmehr einen kühneren Operations-Plan anzu- 
nehmen, als ich ursprünglich beabsichtigte. Ich will jetzt die 
Belagerung von Ruscuk überhaupt aufgeben und mich darauf 
beschränken, die Festung- beobachten zu lassen. Hiezu bestimme 
ich das XII. und XIII. Armee-Corps, welche sich in einer starken 
»Stellung am Jantra- Flusse festzusetzen und so meine linke 



i63 

Flanke zu sichern haben. Zur Deckung der rechten Flanke 
schiebe ich das IX. Armee-Corps in der Richtung auf Plevna 
und Lovca vor ; ich selbst mit dem VIII. Armee-Corps rücke 
dem Avantgarde-Corps General Gurko auf Trnovo und weiter 
über den Balkan nach. In Trnovo eingetroffen, will ich stehen 
bleiben und dortselbst — nach vorläufiger Besetzung der Gebirgs- 
Uebergänge mit blossen Avantgarden — das Herankommen des 
XL Armee-Corps abwarten. Derart vorgehend, hoffe ich nicht 
nur Zeit und Geld zu ersparen und die Truppen zu schonen, 
sondern auch die Türken dazu zu zwingen, dass sie die Linie 
Ruscuk-Sumla-Varna aufgeben und sich zur Deckung von Con- 
stantinopel über den Balkan zurückziehen. Sollten aber die 
Türken g-egen die Jantra offensiv vorgehen, so stossen sie dort 
erstens auf 2 Armee- Corps (das XII. und XIIL), und zweitens 
werde ich immer noch Zeit genug haben, diese Kräfte zu ver- 
stärken." 

Seine Majestät war jedoch mit diesem Plane nicht einver- 
standen. In seinem Schreiben vom 28. Juni [10. Juli] sagt er: 

,,Ich kann nicht umhin. Dir meine Befürchtungen diesbezüg- 
lich auszusprechen ; eine weitere Offensive über den Balkan 
scheint mir zu gewagt, solange die bedeutenden feindlichen 
Kräfte bei Ruscuk und Sumla die von ihnen besetzten starken 
Positionen nicht verlassen haben und von dort unsere linke 
Flanke bedrohen. Dasselbe gilt auch bezüglich unserer rechten 
Flanke : wir haben dort nur das eine IX. Armee-Corps, während 
Nikopol und auch Plevna noch dem Feinde gehören. Sobald 
die 3 Brigaden des XL Armee-Corps, mit dem auch ich — unserer 
Verabredung entsprechend — gehen werde, die Donau über- 
schritten haben, bleibt uns am linken Ufer derselben bis zum 
Eintreffen des IV. Armee-Corps nichts mehr übrig." Am Schlüsse 
des Schreibens hiess es : „Wenn sich die Türken dazu entschliessen 
würden, von Vidin aus zur Offensive nach Rumänien überzu- 
gehen, so könnten sie unseren Verbindungen gefährlich werden." 

Auf diese Antwort hin verschob der Grossfürst vorläufig 
seinen Plan, mit der Hauptkraft den Balkan zu überschreiten, 
und beschloss, mit dem VIII. Armee-Corps nicht nur bis zum 
Eintreffen des XL, sondern auch des IV. Armee-Corps in Trnovo 
stehen zu bleiben. 



VIII. CAPITEL 

Operationen des Avantgarde-Corps vom 27. Juni 
bis 6. Juli [9. bis 18. Juli]. 

Gruppierung des Avantgarde-Corps am 27. Juni [9. Juli]. — Stärke und Vertheilung 
der Türken am Mittleren Balkan von Slivno bis Sipka. — Wege von Trnovo nach 
dem Transbalkan-Gebiete. — Plan des Generals Gurko. — Vorbereitungen zum Vor- 
märsche. — Marsch über den Hainkiöj-Pass. — Gefecht bei Hainkiöj am 2. [14.] Juli. 
— Erwägungen des Generals Gurko betreffs der weiteren Operationen. — Gefecht bei 
Orizari am 3. [15.] Juli. — Gefecht bei Uflani am 4. [16.] Juli. — Gefecht bei 
Kazanlik am 5. [17.] Juli. — Besetzung des Dorfes Sipka und Concentrierung des 
Avantgarde- Corps am Südfusse des vSipka-Passes. 

(Hiezu Karten-Beilagen 10, li, 12, 13.) 

Am 27. Juni (9. Juli) stand die Hauptkraft des Avantgarde- 
Corps in Trnovo. Hier befanden sich: die 4. Schützen-Brigade 
mit den zugeth eilten 2 Sotnien des 7. Plastun-Bataillons^ die i. und 
2. Brigade des bulgarischen Landsturmes, das Husaren-Regiment 
Kijew Nr. g, eine Halbescadron des kaiserlichen Ehren-Convoi, 
die Ural-Kasaken-Sotnie^ das reitende Pionnier-Commando^ die 
Gebirgs-Batterie Nr. i, 2 Züge der Gebirgs-Batterie Nr. 2 und 
2 Züge der Don-Kasaken-Batterie Nr. 10, im ganzen 8V2 Bataillone, 
5V2 Escadronen und 16 Geschütze. 

Vorgeschobene Cavalleriekörper zur Sicherung der Haupt- 
truppe standen: östlich bei Merdanja (Mirdanja) die selbständige 
Dragoner-Brigade, bestehend aus dem 8. und 9. Dragoner-Regi- 
mente mit der 16. reitenden Batterie, im ganzen 8 Escadronen, 
6 Geschütze; westlich bei Pusevo (Pusovo) das Don-Kasaken- 
Regiment Nr. 30 mit i Zuge der 10. Don-Kasaken-Batterie, das 
ist 6 Sotnien, 2 Geschütze; südlich bei Prisovo, an der Gabelung 
der Strassen nach Gabrovo und Elena, die Don-Kasaken-Brigade 



i65 

mit den Regimentern Nr. 21 und 26 und der Don-Batterie Nr. 15^ 
im ganzen 12 Sotnien und 6 Geschütze. 

Bei Resen^ das ist ungefähr 15 Werst nördlich von Trnovo, 
stand der ganze Train des Avantgarde-Corps unter Bedeckung 
der 3. Brigade des bulgarischen Landsturmes, welcher i Zug der 
Gebirgs-Batterie Nr. 2 beigegeben war; die Bedeckung betrug 
2 Bataillone und 2 Geschütze. 

Die türkischen Truppen, welchen die Sicherung des von 
Slivno (östlich) bis zum Dorfe Sipka (westlich) reichenden, circa 
80 Werst langen Abschnittes des Mittleren Balkan übertragen 
war, standen unter den Befehlen Reuf Paschas und waren folgender- 
massen vertheilt: in Slivno selbst 3 Bataillone und 6 Escadronen, 
2550 Mann; im Dorfe Tvrdica (Tvardica) i Bataillon, 650 Mann; 
im Dorfe Hainkiöj (Kolupci) i Bataillon, 650 Mann; in der 
Stadt Nova Zagora (Jeni Zagra) 2 Bataillone und i Escadron, 
1400 Mann; in der Stadt Kazanlik 2 Bataillone mit 3 Geschützen, 
1350 Mann; nächst dem Dorfe Sipka 4 Bataillone, 2600 Mann; 
auf dem Sipka-Passe, an der Strasse Gabrovo-Kazanlik, 6 Batail- 
lone mit 9 Geschützen, 4050 Mann. Die Gesammtstärke betrug 
13.250 Mann. 

Nach der im vorhergehenden Capitel angeführten, vom 
Armee-Obercommando dem General Gurko ertheilten Instruction 
bestand die nächstfolgende Aufgabe des Avantgarde-Corps nach 
Einnahme Trnovos darin, „sich der Balkan-Uebergänge zu 
bemächtigen.',' 

Von Trnovo, welches 40 bis 50 Werst vom Balkan-Pvücken 
entfernt liegt, führen in das Transbalkan-Gebiet vier Haupt- 
Communicationen über folgende (der Reihe nach von Ost nach 
West angeführte) Pässe : Tvrdica, Hainkiöj (Kolupci), Trevna 
und Sipka. 

Alle vier Pässe hatten die gleiche strategische Bedeutung, 
denn sie lagen sämmtlich in der Nähe der vom Armee-Obercomman- 
danten gewählten Haupt-Operationsrichtung Trnovo-Adrianopel. 

Als den bequemsten Pass für den Marsch der Truppen be- 
zeichneten die Bulgaren einstimmig* jenen von Sipka; sodann 
folgten, nach ihren Angaben, die Pässe von Tvrdica, Trevna und 
endlich jener von Hainkiöj. Den Aussagen der Bewohner zufolge 
konnte Artillerie über alle diese Pässe fortkommen. Ausserdem 
wiesen die Einheimischen noch auf einige Eusssteige hin, welche 
der Infanterie das Hinüberkommen ermöglichten, für Artillerie aber 



iü6 

impraktikabel waren. Zur Wahl der Marschlinie war es jedoch 
nicht genüg'end^ bloss auf die bessere Gangbarkeit Rücksicht zu 
nehmen ; man musste auch das Mass des voraussichtlichen Wider- 
standes in Erwägung ziehen. 

Aus den Angaben der Einwohner gieng hervor^ dass der 
Sipka-Pass befestigt und von circa 6 Bataillonen Infanterie mit 
einer ziemlich grossen Menge von Geschützen besetzt war; ferner 
dass sich ausser der Besatzung der Befestigungen, jenseits des 
Passes, schon im Tundza-Thale, ein ziemlich grosses Lager mit 
einigen Bataillonen befand. Daraus folgte nun, dass dieser Pass, 
obwohl für die Bewegung der g'ünstigste, doch für den Marsch 
des Avantgarde-Corps nicht benützt werden durfte. Alle anderen 
Pässe waren von den Türken nicht besetzt. Der Trevna-Ueber- 
gang endigte sehr nahe bei Kazanlik, und zwar nächst dem 
Orte Möglis (Magliz) ; in Kazanlik aber sollten sich, den Gerüchten 
zufolg'e, türkische Truppen sammeln ; es war demnach möglich, 
dass das Avantg'ar de- Corps, noch bevor es sich im Thale con- 
centriert hatte, während des Debouchierens aus dem Gebirgs-Deiile 
angegriffen und partiell geschlagen wurde. Somit blieben zwei 
Uebergänge zur Auswahl, nämlich die von Tvrdica und HainkiÖj ; 
ersterer wurde durch kleinere türkische Abtheilungen, letzterer 
aber gar nicht bewacht. Nach den Aussagen der Bewohner standen 
jenseits der beiden Uebergänge wohl türkische Truppen, jedoch 
von unbedeutender Stäi'ke. Man konnte demnach erwarten, dass 
das Avantgarde-Corps bei Ueberschreitung dieser beiden Pässe 
auf keinen ernstlichen Widerstand stossen werde. Der Tvrdica- 
Uebergang war den Türken wohl bekannt; jenen von Hainkiöj 
hielten sie, nach den Aussagen der Bewohner, für völlig un- 
passierbar, und beobachteten ihn deshalb gar nicht. Der letztere 
Umstand sprach für die Wahl dieses Ueberganges als Marsch- 
linie des Avantgarde-Corps. 

Nach Abwägung aller Chancen fasste General Gurko fol- 
genden Entschluss : mit dem Avantgarde-Corps auf dem Hainkiöj- 
Passe das Gebirge zu überschreiten, sodann nach Westen ab- 
zuschwenken, die türkischen Kräfte im Tundza-Thale vereinzelt zu 
schlagen, sich Kazanliks zu bemächtigen und durch Einwirkung 
gegen die Rückzugslinie der am vSipka-Passe stehenden feindlichen 
Truppen dieselben zum Aufgeben des Passes zu nöthigen ; wenn 
es aber den Türken gelingen sollte, stärkere Kräfte zu versammeln, 
so wollte General Gurko am Südhange des Hainkiöj-Passes halt 



I 



machen und in einer zu befestigenden Position das Eintreffen von 
Verstärkungen abwarten. 

Nachdem sich der Commandant des Avantgarde-Corps in 
diesem Sinne entschieden hatte^ sandte er am 28. Juni [10. Juli] 
die Ural-Kasaken-Sotnie sammt dem reitenden Pionnier-Commando 
unter dem Befehle seines Gehilfen (adlatas) GM. Rauch vor^ 
mit dem Auftrage, den ganzen Hainkiöj-Ueb ergang zu recogno- 
scieren und zugleich die schwierigsten Wegstellen in der Eile 
nothdürftig herzurichten. Gleichzeitig wurden, um die Aufmerk- 
samkeit der Türken vom Hainkiöj-Passe abzulenken, Dem.onstra- 
tionen ausgeführt : durch 3 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments 
Nr. 21 nebst 2 (jeschützen der Don-Batterie Nr. 15 in der Richtung 
des Tvrdica-Passes ; durch i Sotnie des ])on-Kasaken-Regiments 
Nr. 26 in der Richtung des Trevna-Passes, und durch i Sotnie 
des Don-Kasaken-Regiments Nr. 30 in der Richtung des Sipka- 
Passes. 

GM. Rauch führte die ihm übertragene Aufgabe erfolgreich 
aus. Er recognoscierte den ganzen Gebirgs-Uebergang von 
Hainkiöj, wobei ein detailiertes Croquis von dem Generalstabs- 
Hauptmann Sacharow aufgenommen wurde. Ausser dem Haupt- 
Defile wurden noch zahlreiche Seitenwege und Fusssteige reco- 
gnosciert. An vielen Stellen wurde der Weg ausgebessert. Un- 
gefähr 10 Werst vor dem Defile- Ausgange blieb GM. Rauch 
mit seiner Abtheilung stehen. Diese letzte Wegstrecke wurde 
auch besichtigt; man durfte jedoch keine Herstellungen an der- 
selben vornehmen, um nicht die Aufmerksamkeit der Türken zu 
erregen. 

Der Weg von Trnovo nach Hainkiöj führt über Prisovo, 
Plakovo, bei Srednja Koliba vorbei, dann über Vojneza, Rajkovci 
und Prvovci (Porovci). Bis Srednja Koliba war der Weg- für 
alle drei Waffen sehr gut passierbar. Hier machte er eine Wendung 
nach Südwesten und führte über einen nicht sehr langen, aber 
ziemlich beschwerlichen Aufstieg. Sodann folgte er der Rücken- 
linie des Gebirges bis nahe zum Dorfe Vojneza, wo er sich wieder 
herabliess. Auf 2 bis 3 Werst weiter kam wieder ein sehr schwie- 
riger Aufstieg, worauf sich der Weg direct in das Thal des 
Vojnesti-Baches senkte. Im Thale dieses Baches führte der AVeg 
über Rajkovci, sodann nach Prvovci. Diese Strecke war für alle 
drei Waffengattungen gut gangbar. Bei Prvovci begann der sehr 
beschwerliche, w^enn auch nicht lange Aufstieg auf den Haupt- 
rücken, der hier einen sehr schmalen, von Ost nachAVest streichenden 



i68 

Kamm [in der Generalkarte mit Hainbogaz bezeichnet] bildet. 
Die Breite des Kammes betrug* nicht mehr als 150 Sazen [3207;/]^ 
so dass nach Ersteigung des Höhenpunktes sofort der ziemlich 
bequeme Abstieg begann. Derselbe führte im Thale des Selver- 
Baches [Hainbogaska (Radova) r.], welches ein sehr enges, un- 
g'efähr 20 Werst lang-es schluchtartiges Defile bildet^ das beim 
Dorfe Hainkiöj [Kolupci] endet. 

In der ganzen Länge dieser Schlucht gab es weder schwere 
Aufstiege^ noch steile Abstiege ; die Schwierigkeit des Fort- 
kommens bestand bloss darin^ dass der Weg sehr häufig von 
einem Ufer auf das andere übergieng;, mitunter sogar auf grössere 
Strecken im steinigen Bette des Baches führte. Auf 3 bis 4 Werst 
vor dem Defile- Ausgange erhob sich der Weg etwas (nicht über 
60 Fuss [18 7n]) über die Thalsohle und lief hier über eine ganz 
schmale Berme. Dieser Theil des Weges war für leichtes Fuhr- 
werk ganz gut passierbar ; den Feld-Geschützen aber bot er grosse 
Schwierigkeiten^ denn an manchen Stellen war die Wegbreite 
geringer^ als die Geleiseweite der Lafetten^ so dass man oft die 
Geschütze geradezu auf den Schultern tragen musste. Der Defile- 
Ausgang in das Tundza-Thal war sehr schmal^ höchstens 50 bis 
70 Schritt breit, und gerade gegenüber auf wirksame Kanonenschuss- 
Distanz zog sich ein ziemlich hoher Rücken, der sich von dem 
Hauptrücken des Balkan abgezweigt und in der Art eines ;,Contre- 
forts" demselben vorgelagert hatte. Wenn also die Türken den 
Defile- Ausgang vertheidigen wollten, würde sich das Debouchieren 
der russischen Truppen äusserst schwierig gestalten. 

General Gurko gieng- nun daran, sein Corps für den bevor- 
stehenden Balkan-Ueb ergang auszurüsten. Er traf hiezu folgende 
Verfügungen : der ganze, beim Avantgarde-Corps befindliche 
Fuhrwerk-Train einschliesslich der Parks, hat in Trnovo zurück- 
zubleiben ; die Truppen nehmen das Unentbehrliche auf Trag- 
thieren mit; vom Manne ist ein fünftägiger Zwieback- Vorrath 
mitzunehmen, der als „unantastbar" zu gelten hat und daher nur 
über specielle Weisung angegriffen werden darf; die Cavallerie 
nimmt Hartfutter für 3 Tage mit ; Infanterie und Cavallerie 
nehmen an Patronen, ausser der normierten Kriegstaschen-Muni- 
tion soviel mit, als man in den Gepäck- und Kleidertaschen unter- 
bringen kann ; um der Artillerie unterwegs zu helfen, sind zu 
jedem Geschütze und zu jedem Munitionswagen 10 Mann In- 
fanterie und Cavallerie zu bestimmen, die ganz zur Disposition 



169 

der Batterie-Commandanten stehen ; auf dem ganzen Marsche ist 
vollste Ordnung und Stille einzuhalten und vom Hauptpasse an 
dürfen keine Lagerfeuer mehr angezündet werden. CJeberdies war 
dem GM. Rauch befohlen worden^ während seines Marsches 
durch das Defile die Umwohner anzuweisen^ dass sie die für 
das Corps nöthige Menge Schlachtvieh und thunlichst viel ge- 
backenes Brot bereitstellten. 

Ueber seinen Entschluss^ den Hainkiöj-Pass zu überschreiten 
und über die getroffenen Vorbereitungen meldete General Gurko 
am 29. Juni [11. Juli] an das Hauptquartier^ welches damals 
im Dorfe Polikrajäte^, einige Werst nördlich von TrnovO; stand. 

Am selben Tage gegen Abend erhielt General Gurko 
folgende Antwort: 

„Der Grossfürst befiehlt, Eurer Excellenz mitzuth eilen, dass 
Sie sich unbedingt auf die Besetzung der Pässe zu beschränken 
haben, aus denselben aber bis auf weiteren Befehl nicht 
heraustreten, noch etwa weiter vorrücken dürfen. Zur 
Unterstützung Ihres Vorgehens gegen den Sipka-Pass wird der 
Grossfürst am 2. [14.] Juli von Trnovo nach Drenovo und Gabrovo 
ein Infanterie-Reg'iment sammt einer Batterie entsenden; das 
Regiment wird der 2. Brigade der 9. Division entnommen werden, 
welche morgen, den 30. Juni [12. Juli], gegen 10 oder 11 Uhr 
vormittags in Trnovo eintrifft." 

Am 30. Juni [12. Juli], um 10 Uhr vormittags, waren alle 
Truppen des Avantgarde-Corps bei Prisovo versammelt und be- 
gannen eine halbe Stunde später den Vormarsch in folgender 
Ordnung: an der Tete die 4. Schützen-Brigade mit 2 Plastun-Sotnien 
und I Gebirgs-Batterie, sodann die Dragoner -Brigade {8^/2 Es- 
cadronen) m.it der 16. reitenden Batterie, weiter 5 bulg'arische 
Landsturm-Druzinen ^) mit 4 Geschützen der Don-Batterie Nr. 10, 
schliesslich die Don-Kasaken-Brigade mit der Don-Batterie Nr. 15. 
Die ganze Colonne bestand somit aus 9V2 Bataillonen, 22V2 Esca- 
dronen und Sotnien, 14 Fuss- und 16 reitenden Geschützen. 

Das Husaren - Regiment Kijew Nr. 9 wurde einstweilen in 
Trnovo zurückgelassen ; denn das Hauptquartier war mit dem 
I. Staffel des VIII. Corps eingetroffen, welcher nahezu keine 
Cavallerie hatte. Auch das Don-Kasaken-Regiment Nr. 30 mit der 



^) Die 6. Druzine war beim Train des Avantgarde-Corps in Trnovo zurück- 
gelassen worden. 



lo. Don-Batterie blieb auf der Nord-Seite des Balkan^ um sich dem 
zur Vertreibung der türkischen Truppen vom Sipka- Passe be- 
stimmten Detachement anzuschliessen. 

In Plakovo erhielt das Avantgarde- Corps das über Auftrag 
des Generals Rauch von den Einwohnern bereitg'estellte Brot. 
Die Nacht vom 30. Juni zum i. Juli [12, bis 13. Juli] verbrachte 
das Corps im Freilager bei Srednja Koliba^ wo die letzten Truppen 
erst um 11 Uhr nachts eintrafen. Am i. [13.] Juli um 6 Uhr früh 
wurde der Marsch fortgesetzt und zwischen Vojneza und Rajkovci 
grosse Rast mit Abkochen g-ehalten. Hier wurde^ da Brot nicht 
erhältlich war^ gestattet^ ein Pfund Zwieback per Mann zu ver- 
zehren und mit Rücksicht auf dieses geringe Quantum — die 
Fleischportion auf 2 Pfund zu erhöhen; ausserdem sollte jeder Mann 
I Pfund gekochtes Fleisch mitnehmen^ weil man vor dem Aus- 
tritte aus dem Defile nicht mehr abzukochen beabsichtigte. 

Während der Rast sandte General Gurko folgende Meldung 
an das Armee-Obercommando ab : 

^^Ich halte Rast und koche ab; um 5 Uhr marschiere ich 
weiter g'egen die Passhöhe, die von hier in einer Stunde zu er- 
reichen ist. Morgen, den 2. [14.] Juli hoffe ich, mit Gottes Hilfe 
den Ausgang in das Tundza-Thal zu gewinnen. In Hainkiöj steht 
ein aus Tvrdica eing"etroffenes Bataillon ohne Geschütze; was in 
Kazanlik steht, konnte ich nicht erfahren. Damit ich ohne Ge- 
fährdung meiner Rückzugslinie nach Kazanlik vorrücken könne, 
ist es erwünscht, dass der Aufstieg bei Hainkiöj durch Truppen 
des VIII. Corps, etwa eine Brig'ade, besetzt werde. Es würde sich 
empfehlen, das Detachement vom VIII. Corps am 3. [15-] abends 
in Hainkiöj eintreffen zu lassen. Dann kann ich mit Aussicht auf 
Erfolg am 4. [16.] Juli bis Möglis vorstossen und am Morgen des 
5. [17.] Kazanlik angreifen. Der Sipka-Pass wäre am 4. und 5. Juli 
in der Front zu bedrohen. Die Besitznahme zweier Gebirgs- 
Uebergänge und Kazanliks wird zweifellos eine sehr starke 
moralische Wirkung auf die türkische Bevölkerung ausüben und 
sich auch bei den Truppen fühlbar machen. Diesen Eindruck 
nicht auszunützen und nicht gegen Philippopel oder Harmanli 
^ Eisenbahnknoten) weiter vorzurücken ^ wäre eine Sünde. 
Ohne Sicherung der Uebergänge im Rücken ist dies aber un- 
möglich ..." 

Auf diese Meldung folgte am 2. [14.] Juli früh aus dem 
nunmehr in Trnovo befindlichen Hauptquartier nachstehende 
Antwort: 



lyi 

^^Der Grossfürst-Obercommandant lässt nach Beurtheilung 
Ihrer Erwägungen Folgendes mittheilen: 

^;Mög-en die Folgen eines raschen Vormarsches des unter 
Ihrem Befehle stehenden Corps gegen Philippopel und Harmanli 
noch so glänzend sein — da aber diese Vorrückung^ auf Grund 
Ihrer Erwägungen^ erst nach Besetzung der Balkan-Uebergänge 
durch das VIII. Armee-Corps erfolg'en kann^ wozu beiläufig eine 
Infanterie-Division (ein Regiment g-egen Sipka^ eine Brigade bei 
Hainkiöj) nöthig ist — so erscheint es doch unerlässlich^ von Ihrem 
Vorhaben bis zum Eintreffen des XL Armee-Corps in Trnovo 
abzusehen^ denn eine derartige Schwächung des VIII. Corps kann 
unsere Lage in Trnovo in die äusserste Gefahr bringen^ falls die 
türkische Armee aus Sumla eine energische Vorrückung über 
Osman Pazar unternimmt." 

^^Der Grossfürst erachtet es für unmöglich;, gegenwärtig dem 
VIII. Corps mehr als jenes Infanterie-Regiment (sammt einer 
Batterie) zu entnehmen^, welches gegen Gabrovo und Sipka vor- 
gesendet wird. Wenn demnach Euer Excellenz nach Eintreffen in 
Hainkiöj glaub en^, dass es bei der wSituation^ die Sie vorfinden^ 
zu gewagt wäre^ gegen Kazanlik vorzurücken^ so stellt es der 
Grossfürst Ihnen anheim^ in Hainkiöj zu bleiben^ sich beim Aus- 
gange aus dem Gebirgs-Defile festzusetzen und sich auf Vorstösse 
durch Cavallerie zu beschränken^, deren Object sowohl Kazanlik^ 
als Nova Zagora (dortselbst Zerstörung der Eisenbahn)^ endlich 
der Weg nach Slivno (Sliven) sein können." 

,^Im Besitze eines Ueberganges werden wir^ vor dem Be- 
ginne entscheidender Operationen zum Vordringen in das Trans- 
balkan-Gebiet; stets die Möglichkeit haben^ die türkischen Truppen^ 
welche die anderen Uebergänge besetzt halten^ in Rücken und 
Flanke zu bedrohen und diese Uebergäng-e selbst in der Front 
zu nehmen." 

;;Wenn die Entscheidung des Grossfürsten und die Verhält- 
nisse^ die Sie beim Eintreffen in Hainkiöj vorfinden^ Sie veran- 
lasseU;, gegen Kazanlik vorzugehen, um die den vSipka-Pass besetzt 
haltenden Truppen im Rücken zu bedrohen, so bitte ich dies bis 
spätestens 3. [15.] Juli abends hieher mitzutheilen, damit dem- 
entsprechend das Detachement dirigiert werden könne, welches 
nach Gabrovo entsendet werden soll, um von dort den vSipka-Pass 
anzugreifen. Dieses Detachement wird bestehen aus: dem Infanterie- 
Regimente Orel Nr. 36 mit einer vierpfündigen Batterie und dem 
Don-Kasaken-Regimente Nr. 30. Das Detachement marschiert am 



2. [14.] Juli von Trnovo ab^ trifft am 3. [15.] in Gabrovo (wo 
bereits jetzt 4 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments Nr. 30 stehen) 
ein und rückt am 4. [16.] zum Ang-riife auf den Sipka-Pass vor. 
Eine Sotnie des g'enannten Don-Kasaken-Regiments wurde über 
Balvan (Bolvan) nach Sevljevo entsendet^ wo die Baschibosuk zu 
wüthen beginnen." 

^^Von vSumla (Sumen) her sind keine Nachrichten eingelaufen, 
doch will dies nicht besagen^ dass dort völlige Ruhe herrsche. 
Der freilich nur temporäre Mangel an Cavallerie gestattet nicht 
die Entsendung g-enügend starker Detachements^, um sichere 
Nachrichten über den Feind zu erlangen. Bei Ruscuk ist alles 
ruhig. Vom IX. Armee-Corps sind noch keine Nachrichten ein- 
gelaufen." 

^^Zum Schlüsse füge ich bei, dass der Grossfürst es für 
nöthig erachtet und es Eurer Excellenz wiederholen lässt, dass 

— wie sich auch die voraussichtlichen Folgen Ihrer 
Vorrückung- über den Balkan hinaus gestalten mögen 

— Sie sich vorderhand auf die Besetzung der Ueber- 
gänge und die Aussendung von Cavallerie-Streif- 
Commanden zu Ueberfällen beschränken müssen. Erst 
wenn die Armee concentriert ist und vorrückt^ dann wird der 
Grossfürst sich entscheiden und Ihnen den speciellen Auftrag* zu- 
senden^ mit der Hauptkraft Ihres Corps vorzudringen." 

Am I. [13.1 Juli langte General Gurko an der Tete der 
4. Schützen-Brigade auf der Höhe des Balkan-Hauptrückens an. 
Die Schützen-Brigade wurde sofort vorgeschoben^ um auf circa 
10 Werst vom Defile- Ausgange ein Nachtlager zu beziehen. Die 
übrigen Truppen erhielten den Befehl, auf der Passhöhe zu 
nächtigen, da sie infolge des schwierigen Fortkommens der 
Artillerie erst sehr spät oben eintreffen konnten. Mit der Schützen- 
Brigade sollten nur 4 Kasaken-Sotnien bivouakieren, die schon 
von der letzten Nächtigungs- Station bei Srednja Koliba zu der 
vorgeschobenen Abtheilung* des Generals Rauch vorgesendet 
worden waren^ da dieser um eine Verstärkung an Arbeits-Mannschaft 
zur Herrichtung des Weges gebeten hatte. General Gurko ritt 
nach 8 Uhr abends von der Passhöhe hinunter und traf mit den 
letzten Abtheilungen der wSchützen-Brigade erst um 1 2 Uhr nachts 
im Bivouac ein. 

Am nächsten Tage, dem 2. [14.] Juli^ beabsichtigte General 
Gurko^ aus dem Defile in das Tundza-Thal zu debouchieren. Noch 



173 

am vorhergegangenen Abende und in der Nacht waren Patrouillen 
bis zum Delile- Ausgange gekommen^ ohne auf den Feind ge- 
stossen zu sein. Die einheimischen Bulgaren berichteten^ dass in 
Hainkiöj eine schwache türkische Abtheilung, weniger als ein 
Bataillon, lagere. Es war sonach auf einen ernstlichen Widerstand 
seitens der Türken nicht zu rechnen. 

Für den 2. [14.] Juli war folgende Marschordnung anbefohlen: 
a) Avantgarde des Corps: 2 Plastun-Sotnien mit 2 Geschützen 
der Gebirgs-Batterie Nr. 2, das 14. Schützen-Bataillon mit 4 Ge- 
schützen derselben Batterie, die übrigen 3 Schützen-Bataillone 
mit der Gebirgs-Batterie Nr. i, 4 Sotnien Kasaken, das reitende 
Pionnier-Commando und die Ural-Kasaken-Sotnie; b) Haupttruppe 
in einiger Entfernung: und zwar an der Tete der bulgarische 
Landsturm mit 4 Geschützen der Don-Batterie Nr. 10, sodann die 
gesammte Cavallerie (16 Escadronen und Sotnien) mit 12 reitenden 
Geschützen. 

General Gurko, welcher die Absicht hatte — falls es die 
Umstände erlaubten — geg-en Kazanlik vorzurücken, beschloss, 
die nächst Hainkiöj lag*ernden türkischen Truppen von der g*e- 
nannten Stadt abzuschneiden. Zu diesem Zwecke befahl er, General 
Rauch habe, sobald das Corps in das Tundza-Thal heraustrete, 
mit der Cavallerie der Avantgarde nach Esekci vorzurücken, den 
Ort zu besetzen und den Türken den Weg nach Kazanlik zu 
verlegen. Der Antritt des Marsches war für die Avantgarde auf 
6 Uhr, für die Haupttruppe aber auf 4 Uhr früh angesetzt worden, 
da General Gur ko diese beiden Theile einander zu nähern wünschte. 

Geg-en 9V2 Uhr vormittags erreichte die Tete der Avant- 
garde den Deiile- Ausgang. Eine kleine vorgeschobene Kasaken- 
Patrouille meldete, dass der Delile- Ausgang frei, jedoch in einer 
Entfernung von circa 2V2 Werst jenseits desselben, auf einem 
kleinen, sich beim Orte Hainkiöj erhebenden Plateau ein 
türkisches Lager sichtbar sei. Wie es sich später herausstellte, 
befand sich dort ein türkisches Bataillon. Sofort wurden die beiden 
Plastun-Sotnien in Schwarmlinie entwickelt; das 14. Schützen- 
Bataillon nahm die „compagnieweise" Formation [eine Art Colonnen- 
linie] an und folgte dem rechten Flügel der Schwarmlinie; die 
Gebirgs-Batterie Nr. 2 fuhr auf und feuerte auf 700 Sazen [rund 
15007;/] mit Kartätsch-Granaten in das türkische Lager. Die 
Türken, vollständig überrascht, stürzten sich in Unordnung in 
einen hinter dem Lager liegenden Hohlweg und sammelten sich 
in den AVeingärten jenseits desselben. Die Plastun-Kasaken rückten 



174 

nach, und es entspann sich em Feuergefecht; das 14. Schützen- 
Bataillon besetzte den Ort Hainkiöj^ der westlich der Weingärten 
lag-. Als das türkische Bataillon wahrnahm^ dass sein Flügel um- 
gangen sei, zog es sich über Konari (Kunari) gegen Kozos Mode 
zurück. Die Plastun-Sotnien, das Schützen-Bataillon und die 
Gebirgs-Batterie verfolgten die Türken bis Konari, hielten sodann 
dort Rast und kochten ab. Inzwischen war ein türkisches Bataillon 
aus Tvrdica dem nach Kozos Mode zurückgegang-enen Bataillon 
zu Hilfe geeilt, und beide Bataillone rückten ungefähr um 7 Uhr 
abends g-egen Konari vor. Auf die Nachricht hievon gieng Oberst 
Bezanow, Commandant des 14. Schützen-Bataillons, mit seinem 
Bataillon, den Piastun- Sotnien und der Gebirgs-Batterie, den 
Türken entgegen. Da die Stärke der letzteren zu dieser Zeit noch 
nicht ermittelt war, sandte General Gurko das 15. Schützen- 
Bataillon zur Unterstützung der Vortruppen. Bei der Annäherung 
an Kozos Mode entwickelte Oberst Bezanow seine Abtheilungen 
zum Gefechte und liess die Artillerie auffahren. Das Feuer der 
Gebirgs- Geschütze und das Erscheinen des 15. Schützen-Bataillons 
veranlassten die Türken, den Rückzug anzutreten. Die bald darauf 
eingetretene Dunkelheit machte der Verfolgung- ein Ende. Die 
am Kampfe betheiligt gewesenen russischen Truppen giengen 
nun nach Hainkiöj zurück, und die feindlichen Bataillone setzten 
den Rückzug gegen Slivno fort. 

Während sich diese Ereignisse bei Hainkiöj und östlich 
davon abspielten, schwenkte General Rauch mit dem Don- 
Kasaken-Regimente Nr. 26 rechts ab, überschritt den westlich 
von Hainkiöj liegenden Rücken und wandte sich gegen Esekci 
und Nova Mahla (Jeni Mahala). Beides sind türkische (von Türken 
bev/ohnte) Orte, und die Einwohner empiiengen die Kasaken mit 
Gewehrschüssen. Die Kasaken erwiderten das Feuer. Nun wandten 
sich die Einwohner eil-igst zur Flucht über die Tundza ins Ge- 
birge. Die Kasaken verfolgten sie, wurden aber bald beim Orte 
Balabanli durch ein türkisches Bataillon aufgehalten, das aus 
Nova Zagora (Jeni Zagra) entsandt worden war. Dieses Bataillon 
besetzte eine sehr starke Stellung, liess die flüchtigen Bewohner 
passieren und marschierte dann gegen Nova Zag-ora ab. General 
Rauch entsandte hierauf Cavallerie - Patrouillen gegen Jelhovo, 
Kisla und Uflani (Eahanli) und blieb selbst mit den Kasaken in 
Esekci, wodurch er an dieser Stelle das Tundza-Thal sperrte. Am 
Abende versammelte sich bei Esekci die ganze Kasaken-Brigade 
sammt der 15. Don-I3atterie. 



175 

Um diese Zeit wurde auch die übrige Cavallerie des 
Avantgarde-Corps zusammengezogen. Zur Nächtigung- waren die 
Truppen in Lagern folgend verth eilt: Schützen-Brigade mit 2 Ge- 
birgs-Batterien bei Hainkiöj; bulg'arischer Landsturm, Drag-oner- 
Brigade und 2 reitende Batterien 2 Werst weiter rückwärts beim 
Defile- Ausgange am Selver-Bache; Kasaken-Brigade mit i Batterie 
bei Esekci. Von der Kasaken-Brigade wurden nach allen Seiten 
Patrouillen ausgesendet. 

Im Gefechte bei Hainkiöj und in dessen Umgebung am 
2. [14.] Juli verlor das Avantgarde- Corps 7 Mann an Todten 
und Verwundeten. Erbeutet wurde das türkische Lager mit 
Patronen und Galetten [Zwiebackart] ^). 

Nachdem die gegnerischen Abtheilungen abgedrängt worden 
waren, sorgte General Gurko für die Verpflegung seines Corps. 
Die türkischen Galetten ersetzten den Zwieback und gestatteten, 
mit dem letzteren zu sparen; sie reichten jedoch nur für 
2 Tage aus. Nun Hess General Gurko den Bewohnern von Hainkiöj 
und der Ortschaften der Umgebung auftragen, soviel Brot als 
möglich g'egen eine bestimmte Entschädigung zu backen. Diese 
Weisung wurde vollzogen, und am 3. [15.] Juli erhielt nahezu das 
g-anze Corps gebackenes Brot; auch am nächsten Tage wurde 
noch sehr viel Brot seitens der Einheimischen abgeliefert. Es 
wurde auf diese Art in der Zeit vom 30. Juni [12. Juli] bis 
5. [17.] Juli im ganzen nur eine halbe Tages-Ration Zwieback 
verbraucht. Wegen der Beschaffung von Fleisch waren keine 
besonderen Vorsorgen erforderlich, da man überall soviel Schlacht- 
vieh als nöthig war, auftreiben konnte. Am 2. [14.] Juli brachten 
die Kasaken über 150 Stück Hornvieh und 250 Schafe herbei, 
die sie von den Türken erbeutet hatten. Dies bot den Truppen 
eine wesentliche Aushilfe. 

Am 2. [14.] Juli konnte man sich noch kein klares Bild über 
die Stärke und Vertheilung der türkischen Truppen im Tundza- 
Thale machen, da die erst spät ausgesendeten Cavallerie-Patrouillen 
noch nicht rückgekehrt waren. Am nächsten Tage aber war die 
Feststellung der Situation schon möglich. Aus allen Meldungen 
ergab sich Folgendes: in Nova Zagora (Jeni Zagra) standen circa 
5 Bataillone; Stara Zagora (Eski Zagra) war von Türken nicht 



M Für den Balkan-Uebergang und das Gefecht bei Hainkiöj wurde GM. Rauch 
(zur Disposition des Armee- Obercorcmandanten, zugetheilt als „Gehilfe" dem Cora- 
mandanten des Avantgarde-Corps) mit dem Georgs-Orden IV. Classe ausgezeichnet. 



besetzt; im Tundza - Thale selbst standen bis Kazanlik keine 
Truppen; bezüglich der Stärke der Türken in letzterer Stadt 
stimmten die Nachrichten nicht überein^ aber man konnte mit 
voller Berechtigung annehmen^ dass dort nicht weniger als 5 und 
nicht mehr als 10 Bataillone standen. Die B^esatzung des Sipka- 
Passes endlich konnte auf 8 bis 10 Bataillone veranschlagt werden. 
Im ganzen sollten sich hienach in der Umgebung Kazanliks 13 bis 
20 Bataillone befinden. 

Nach Erwägung dieser Verhältnisse beschloss General Gurko 
am 4. [16.] Juli geg-en Kazanlik zu rücken. Hiebei rechnete er^ 
nach dem Tag'ebuche des Stabschefs Oberst Naglowski, mit zwei 
möglichen Fällen: „Entweder treten ihm die Türken^ ohne den 
Sipka-Pass zu verlassen^ bloss mit den bei Kazanlik stehenden 
Truppen entgeg'en ; oder sie concentrieren alle Kräfte und erwarten 
ihn irgendwo vorwärts Kazanliks. Im ersteren Pralle zweifelte der 
General nicht an dem Erfolge des Kampfes^ als dessen Con- 
sequenz sich die Besetzung des Ortes Sipka ergab; diese musste 
sodann auch zur Einnahme des Passes selbst führen. Im zweiten 
Falle war ein Misserfolg möglich; dann konnte aber das Corps^ 
unter Ausnützung seiner Ueberleg'enheit an Cavallerie und Artillerie^ 
sich in eine sehr starke Position vv^estlich von Hainkiöj zurück- 
ziehen und das Eintreffen von Verstärkungen abwarten. Was den 
vSipka-Pass anbelangt^ so musste er auch in diesem Falle^ nämlich 
nach der Räumung seitens der Türken;, in unsere Händen fallen. 
So waren in beiden Fällen viele Chancen dafür vorhanden^ dass 
das Hauptziel der Vorrückung gegen Kazanlik^ das ist die Ein- 
nahme des Sipka-PasseS; erreicht werden würde." 

Das Avantgarde-Corps musste jedoch seinen Rücken sichern. 
Zu diesem Zwecke beabsichtigte General Gurko^ einen Theil seiner 
Truppen am Südfusse des Hainkiöj-Passes zurückzubehalten und 
überdies am 3. [15.] Juli durch Cavallerie eine Demonstration 
gegen Nova Zagora ausführen zu lassen^ mit der Hauptkraft des 
Corps aber am 4. [16.] Juli morgens gegen Kazanlik zu marschieren. 
Die Türken selbst trugen zur Ausführung" dieses Planes bei. 
Beim Morgengrauen des 3. [15.] Juli entsandten sie 3 Infanterie- 
Bataillone mit 6 Geschützen von Nova Zagora gegen Orizari : 
als von der gegen den letzteren. Ort vorgesendeten Ural- 
Sotnie hierüber eine Meldung eintraf^ ordnete General Gurko 
sofort Folgendes an : das Dragoner - Regiment Kazanj Nr. 9 
mit der reitenden Batterie Nr. 16 marschiert im Thale gegen 
(Jrizari zur Vereinigung mit der Ural-Kasaken-Sotnie ; 4 Sotnien 



177 

des Don-Kasaken-Regiments Nr. 26 mit 2 Geschützen der 15. Don- 
Batterie rücken gegen Orizari über den Berg bei Zapalija 
(Zapanli) und wirken gegen die Flanke der Türken ; 2 Druzinen 
des bulgarischen Landsturmes mit 4 Geschützen der 10. Don- 
Batterie rücken ebenfalls gegen Orizari^ und zwar auch im Thale 
vor; und haben je nach Umständen bei dem Angriffe der Cavallerie 
mitzuwirken oder bei ungünstigem Ausgange des Gefechtes den 
Rückzug zu decken. Die gesammte übrige Cavallerie hat sich 
für den Bedarfsfall zum sofortigen Abmärsche bereitzuhalten. 
Die Fuss-Truppen bleiben in ihren Bivouacs. 

Die Kazanj - Dragoner unter Commando des Obersten 
Korjewo marschierten im Schritt und Trab gegen Orizari vor; bei 
der Annäherung an den Ort wurden 2 Escadronen zum Absitzen 
befohlen und eröffneten im Vereine mit der Batterie das Feuer auf 
die Türken. Das Eintreffen der Kazanj er befreite die Ural-Sotnie^ 
welche sich bereits ungefähr zwei Stunden der an Zahl überlegenen 
Tscherkessen zu erwehren hatte_, aus einer schwierigen Lage; sobald 
die Kazanj er erschienen^ machten sich alle Tscherkessen-Trupps 
aus dem Staube und verschwanden in den Bergen. Eine halbe 
Stunde später langten auch die Kasaken unter Befehl des 
Regiments-Commandanten Obersten Krasnow am Kampfplatze 
an und beschossen mit ihrer Artillerie den linken Flügel der 
türkischen Batterie. In diesem Kreuzfeuer hielt die letztere nicht 
stand und gab ihre Stellung auf. Der Rückzug der Batterie 
wurde zum Signal für den Angriff der russischen Cavallerie. Die 
Kazanjer rückten in der Front vor^ die Kasaken gegen den 
linken Flügel mit der iVb sieht, die Türken zu umgehen ; die Ural- 
Sotnie endlich bedrohte ihren rechten Flügel. Zugleich zeigten 
sich schon auf eine Entfernung von 3 bis 4 Werst die bulgarischen 
Druzinen. Als die türkischen Bataillone die Annäherung der 
Infanterie wahrnahmen, traten sie in der Befürchtung, gänzlich ab- 
geschnitten zu werden, den Rückzug an. Die Kazanjer und Kasaken 
verfolgten sie, und es kam mehrfach zu erbittertem Handgemenge. 
Je weiter die türkische Infanterie den Rückzug fortsetzte, umso- 
mehr riss die Unordnung in ihren Reihen ein. Im Handgemenge 
eroberten die Kazanjer eine türkische P' ahne. Die Batterie der Türken 
war einigemal in Gefahr, genommen zu werden, und nur das 
coupierte Terrain rettete sie. Die Verfolgung- wurde bis zum 
Einbrüche der Dunkelheit fortgesetzt und fand beim Dorfe Banja 
(Lidza) ihr Ende. Die Russen Hessen dort einen starken Posten 
zurück und kehrten erst bei später Nacht um. 

Der russisch-türkische Krieg. li. Bd. 12 



178 



Im Gefechte bei Orizari wurde Oberst Krasnow, Commandant 
des 26. Don-Kasaken-RegimentS; verwundet; ausserdem betrug 
der Verlust 5 Mann an Todten und Verwundeten. 

Dieses an sich unbedeutende Gefecht war wichtig in seinen 
Folg-en, da es für einige Zeit den Rücken des Avantgarde-Corps 
sicherte. 

Am selben Tage, dem 3. [15.] Juli, sandte General Gurko 
die 5. und 6, Sotnie des Don-Kasaken-Regiments Nr. 26 unter 
Befehl des Rittmeisters Martynow (Adjutant des Armee-Ober- 
commandanten) ,;gegen Nova Zagora zur Zerstörung des 
Telegraphen und der Eisenbahn". Es g"elang den Kasaken, den 
Telegraphendraht auf einer Strecke von 75 Sazen [rund 160 m] 
an der von Nova Zagora nach Stara Zagora führenden Chaussee 
herabzunehmen ; überdies erbeuteten sie auf dem Wege zum 
Dorfe Avlijene einen türkischen Transport mit 80 Patronen- 
Verschlagen. 

Am Abende des 3. [15.] Juli trafen beim Avantgarde-Corps 
das Husaren-Regiment Kijew Nr. 9 und die 6. bulgarische Land- 
sturm-Druzine ein. 

x\m selben Tage sandte General Gurko um 2 Uhr 10 Minuten 
nachmittags eine Meldung- an das Armee-Hauptquartier, welche 
unter anderm besagte : „Icli beabsichtige, morgen, den 4. [16.] Juli, 
früh in der Richtung auf Kazanlik vorzurücken ; morgen werde 
ich in Möglis nächtigen und übermorgen, den 5. [17.] Juli, will 
ich Kazanlik angreifen." 

Zugleich erliess General Gurko folgende Disposition: 

„Morgen, den 4. [16.] Juli, haben die Truppen meines Corps 
in der Richtung auf Kazanlik in 2 Colonnen vorzumarschieren." 

,,Die rechte Colonne bilden: 2 Plastun-Sotnien, die 4. Schützen- 
Brigade, I bulg'arische Landsturm-Brigade, die 10. und 15. Don- 
Kasaken-Batterie, i Division vom Don-Kasaken-Regimente Nr. 21, 
die Ural-Kasaken-Sotnie und das reitende Pionnier-Commando; im 
ganzen: 6V2 Bataillone, 10 reitende Geschütze, 3 Kasaken-Sotnien." 

,,Die linke Colonne bilden : die Garde-Halbescadron, die 
Dragoner- Brigade, das Husaren-Regiment Kijew Nr. 9, i Division 
vom Don-Kasaken-Regimente Nr. 21 und die reitende Batterie 
Nr. 16; im ganzen: 14 Escadronen und Sotnien, 6 reitende 
Geschütze." 

„Zur Verbindung zwischen beiden Colonnen wird die 
3. Division des Don-Kasaken-Regiments Nr. 21 bestimmt." 



179 

,;Die rechte Colonne, unter Commando des GM. Tzwjecinski^ 
marschiert auf dem Wege längs des Gebirgsflusses über das 
Dorf Uflani [Lahanli] ; die linke Colonne^ unter Commando Seiner 
kaiserlichen Hoheit des Prinzen Nikolaus Maximiljanowic; im 
Tundza-Thale." 

^,Die zur Verbindung bestimmte Division Kasaken rückt in 
der Mitte zwischen den vorgenannten Wegen vor. . . " 

^;Die übrigen Truppen^ und zwar 2 bulgarische Landsturm- 
Brigaden^ 2 Gebirgs-Batterien und das Don-Kasaken-Regiment 
Nr. 26, unter Commando des GM. Stoljetow/ bleiben in der 
Stellung bei Hainkiöj^ zur Sicherung des Defile-i\usganges." 

i Am 4. [16.] Juli marschierten beide Colonnen um 6 Uhr 

früh in der befohlenen Richtung ab. Unterwegs^ um 8V2 Uhr vor- 
mittags, erhielt General Gurko^ welcher sich bei der rechten Colonne 
befand; die Meldung^ dass vorwärts des Dorfes Uflani ein 
kleiner Trupp Baschibosuk constatiert wurde. Diese unwichtige 
Nachricht nicht weiter beachtend^ setzte die Colonne ihren 
Marsch fort. 

Das kleine Dorf Uflani liegt am Fusse des Balkan-Gebirges, 
und ist auf allen Seiten^ Ost ausgenommen^ von Gärten und 
Weingärten umgeben. Circa 2 Werst östlich des Ortes auf 
einer vom Gebirge abzweigenden Erhebung liegt eine ziemlich 
günstige Position für ein kleineres Detachement^ mit der Front 
gegen Ost. Der linke Flügel lehnt sich an das Gebirge^ der rechte 
ist frei ; in der Front hat man vorzüglichen Ausschuss. 

Diese Stellung- war von 3 türkischen Bataillonen besetzt, 
welche vom Dorfe Sipka in der Nacht vom 3. [15.] zum 
4. [i6.| Juli eing-etroffen waren und sich sofort verschanzt hatten. 

Sobald sich das als Vorhut der rechten Colonne aus- 
g'eschiedene 13. Schützen-Bataillon gegen 10 Uhr vormittags der 
türkischen Stellung auf 800 bis 1000 Schritt näherte, eröffneten 
die Türken das Feuer. Die Ausdehnung der Feuerlinie und die 
Stärke des Feuers zeugten deutlich dafür, dass die Colonne es 
nicht mit einem kleinen Baschibosuk-Trupp, sondern mit einem 
stärkeren Detachement zu thun habe. Infolgedessen disponierte 
GM. Tzwjecinski: das 13. Schützen-Bataillon geht in Gefechts- 
Formation über, die 15. Don-Batterie fährt links von diesem 
Bataillon auf, das 15. Schützen-Bataillon entwickelt sich links 
der Batterie ; die übrigen 2 Bataillone der Schützen-Brigade, die 
2 bulgarischen Druzinen und 4 Geschütze der 10. Don-Batterie 

12* 



i8o 

halten und gehen in Reserve-Formation über ; die beiden Plastun- 
Sotnien nehmen hinter dem rechten Flügel des 13. Schützen- 
Bataillons am Fusse des Gebirges Aufstellung-. 

Nach der Entwicklung- der Colonne in die Gefechts-Ordnung 
begann beiderseits ein lebhaftes Feuer. General Gurko hatte 
indessen wahrgenommen^ dass die an den linken Plügel der 
türkischen Stellung anliegenden Hänge des Hauptrückens vom 
Feinde nicht besetzt waren ; überdies richtete er sein Augenmerk 
darauf, dass der rechte Flügel der gegnerischen Position ganz 
offen lag. Er befahl demnach den beiden Piastun - Sotnien, 
unverzüglich die Höhe zu ersteigen und den linken Flügel der 
Türken zu umgehen. P^erner sandte er der linken Colonne den 
Auftrag*, nach Norden abzuschwenken, gegen den rechten 
Flügel der Stellung vorzustossen und diese womöglich rückwärts 
zu umgehen, um den Türken den Rückzugsweg zu verlegen. 

Herzog Nikolaus Maximiljanowic von Leuchtenberg, 
welcher vor dem Abmärsche aus Trnovo zum Commandanten 
der gesammten Cavallerie des Avantgarde-Corps bestimmt worden 
war und an diesem Tage die linke Colonne befehligte, hörte auf 
seinem Marsche die Kanonade in der rechten Flanke, liess — 
ohne einen Befehl abzuwarten — aus eigener Initiative ab- 
schwenken und marschierte auf den Kanonendonner los. Am 
Kampfplatze angelangt, sandte er sofort die Dragoner gegen den 
rechten Flügel und die Kasaken gegen den Rücken der 
türkischen Stellung ; die Kijewer Husaren blieben in Reserve. 
Der Commandant der Dragoner -Brigade, Herzog Eugen 
Maximiljanowic von L euchtenberg, liess bei der Annäherung 
an die türkische Stellung einen Theil der Dragoner absitzen, zog 
die 16. reitende Batterie vor und eröffnete das Geschütz- und 
Gewehrfeuer. Um diese Zeit hatten die Piastun -Sotnien den 
Berg erstiegen und den linken Flügel der Türken umgangen. 
Diese gaben jedoch trotz des Kreuzfeuers die Position nicht auf. 
Nun giengen — gegen 1 2 Uhr mittags — die Schützen-Bataillone 
Nr. 13 und 15 zum Sturme vor. Die Türken warteten aber den 
Bajonnettangriff nicht ab und traten den Rückzug an. Die Schützen 
verfolgten sie, wobei das Bataillon Nr, 15 eine Fahne eroberte. 
Als die Türken sahen, dass die Rückzug-slinie nach Kazanlik 
durch Cavallerie verlegt sei, wandten sie sich gegen zwei nördlich 
von Uflani gelegene Schluchten, in dem Glauben, dort Schutz 
zu finden. Aber die Schützen erstiegen rasch die Schluchtränder, 
vertrieben die Türken durch Feuer und zwangen sie, in gänzlicher 



Auflösung, in den Bergen Rettung zu suchen. Die Flüchtlinge 
gelangten zum Theile einzeln auf Gebirgspfaden nach Sipka, 
zum Theile überschritten sie bei Nacht das Tundza-Thal und 
entkamen nach Nova Zagora. 

Der Widerstand, welchen die Türken am Eingange der 
Schluchten geleistet hatten, war der letzte Act des Gefechtes, 
welches gegen 2 Uhr nachmittags endete. 

Die russischen Truppen verloren 2 Officiere und 60 Mann 
an Todten und Verwundeten ^). 

General Gurko sammelte seine Truppen, Hess sie zwei 
Stunden rasten und brach gegen 5 Uhr abends nach Möglis auf, 
wo er erst nach Einbruch der Dunkelheit eintraf. 

Im Bivouac angelangt, traf General Gurko die Verfügungen 
für den am nächsten Tage bevorstehenden Angriffsmarsch gegen 
Kazanlik. 

Die Stadt Kazanlik ist im Tundza-Thal e, am Fusse des 
Balkan, g-elegen. Von der Nordost-Seite reichen bis nahe an die 
Stadt Zweige des Hauptrückens, die zwar nicht besonders hoch 
sind, aber die Stadt beherrschen. Infanterie und Cavallerie 
kommen in kleineren Abtheilungen auf diesen Vorbergen fort, 
für Artillerie sind sie wegen der grossen klaffenden Risse nicht 
passierbar. Am Fusse der Vorberge, östlich der Stadt, ziehen 
sich Gärten und Weingärten in einer Ausdehnung von 6 bis 7 Werst 
hin. Auf der Süd- und West-Seite ist die Stadt ebenfalls von 
Gärten und Weingärten, jedoch nur auf circa 1V2 Werst umgeben. 
Im Nordosten dehnt sich bis zu dem schroff aufsteigenden 
Balkan eine vollkommen freie Ebene aus, welche nur hie und da 
mit Buschwerk bedeckt ist. In der Ebene führt der Weg- zum 
Orte Sipka und von da über einen sehr steilen Aufstieg- zum 
gleichnamigen Passe. Die Entfernung von Kazanlik bis zum Orte 
Sipka beträgt ungefähr 10 Werst. 

Mit Rücksicht auf diese Terrainbeschaffenheit gab General 
Gurko folgende Disposition aus: 

„Morgen, den 5. [17.] Juli, rücken die Truppen des Avant- 
garde-Corps in drei Colonnen gegen Kazanlik vor, und zwar: 
I . die rechte Colonne, 2 Plastun-Sotnien und i Schützen-Bataillon, 



') Für das Gefecht bei Uflani erhielten den Georgs-Orden IV. Classe : der 
Comraandant der 4. Schützen-Brigade GM. Tzwjecinski und der Adjutant des 
Armee-Obercommandanten Stabscapitün Bibikow. 



lS2 

marschiert Über das Gebirge, ohne Wege, und greift Kazanlik 
von der Nordost-Seite an ; 2. die Mittel-Colönne, unter Commando 
des GM, Tzwjecinski, i bulgarische Landsturm-Brigade mit 
4 reitenden Geschützen der 10. Don-Batterie und 3 Bataillone 
der 4. Schützen-Brigade mit der 15. Don-Batterie, rückt auf dem 
Weg-e längs des Gebirgsfusses gegen Kazanlik vor; 3. die 
linke Colonne, Dragoner-Brigade, Husaren-Regiment Kijew und 
reitende Batterie Nr. 16, unter Commando Seiner kaiserlichen 
Hoheit des Prinzen Nikolaus Maximiljanowic von Leuchten- 
berg, marschiert auf dem südlichen Wege." 

„Das Don-Kasaken-Regiment Nr. 21 ist aufzutheilen : je 
I Sotnie zur rechten und linken, der Rest zur Mittel-Colonne. 
Bei dieser Colonne marschiert auch das reitende Pionnier - Com- 
mando." 

Am 5. [17.] Juli früh marschierten die Truppen dispositions- 
gemäss ab. Ein türkisches Detachement, bestehend aus 2 Batail- 
lonen mit 3 Geschützen und einer schwachen Abtheilung irregulärer 
Reiterei, hatte eine Stellung circa 7 Werst östlich von Kazanlik 
ä cheval des von Uflani führenden Hauptweges besetzt. 

Gegen 7 Uhr morgens wurde die Mittel-Colonne durch das 
Feuer der türkischen Artillerie aufgehalten. Sofort entwickelten 
sich 2 Schützen-Bataillone (Nr. 14 und 16) in die Gefechtsordnung. 
Die Artillerie fuhr auf und eröffnete das Feuer. Die bulg-arische 
Landsturm-Brigade und das Schützen-Bataillon Nr. 15 blieben in 
Reserve. . 

Kurz darauf eröffnete die linke Colonne, welche den rechten 
Plügel der feindlichen Stellung umgangen hatte, das Feuer gegen 
die Flanke der Türken. Trotz des dichten Kreuzfeuers der Ar- 
tillerie, der Schützen und abgesessenen Dragoner hielten die 
Türken ihre Position sehr hartnäckig fest. 

Mittlerweile war auch die rechte Colonne in den Kampf g*e- 
treten. Sie war in den Vorbergen auf schwächere Infanterie- und 
Cavallerie-Abtheilungen gestossen, welche den linken Flügel der 
Stellung gegen eine Umgehung sichern sollten. Diese Abtheilungen 
hielten unter Ausnützung der Terrainvortheile einige Zeit die 
Vorrückung der rechten Colonne auf, giengen aber sodann in nord- 
westlicher Richtung gegen das Dorf Hasit zurück. Infolgedessen 
änderte auch die rechte Colonne ihre Direction und entfernte 
sich von der Mittel-Colonne, so dass sie beim Angriffe auf die 
Stadt nicht direct mitwirken konnte. 



i 



.183 

Als GM. Tzwjecinski dies wahrnahm^ sandte er 2 Com- 
pagnien des in Reserve befindlichen 15. Schützen-Bataillons auf 
die Höhen vor ; dieses Halbbataillon umgieng den linken Plügel 
der Türken und eröffnete alsbald das Feuer. Einige Zeit darauf 
verliess die türkische Artillerie die Stellung und zog sich gegen 
die Stadt zurück ; dahinter folgte auch die Infanterie. Die ganze 
russische Gefechtsordnung drängte nach. Auf etwa 2 Werst 
weiter bezogen die Türken eine zweite Stellung^ welche auch 
bald in der Front und auf beiden Flügeln von der russischen 
Infanterie und Cavallerie umfasst wurde. General Gurko war 
inzwischen mit seinem Stabe und einer als Convoi mitgenommenen 
halben Sotnie der Ural-Kasaken auf eine Höhe zwischen der 
rechten und der Mittel- Colonne geritten ; von dort sah er eine 
Truppen-Colonne auf dem Wege vom Dorfe Sipka gegen Kazanlik 
marschieren. Es war anzunehmen, dass es türkische Verstärkungen 
seien. Um sie aufzuhalten, sandte General Gurko der rechten 
Colonne den Befehl, ihren Marsch gegen Hasit fortzusetzen und 
die herannahenden türkischen Truppen zum Stehen zu bring'en. 
Als nun der Commandant der Mittel-Colonne GM. Tzwjecinski 
glaubte, dass der Angriff durch das , Kreuzfeuer der Artillerie 
und Infanterie genügend vorbereitet sei, beschloss er, den Anlauf 
zu unternehmen. Er schob infolgedessen den Rest des 15. Schützen- 
Bataillons zur Umfassung des linken türkischen Flügels vor und 
zog 2 bulgarische Druzinen näher an die Feuerlinie heran, worauf 
er zum Sturme vorgehen liess. Die Türken traten, ohne den 
Bajonnettstoss abzuwarten, den Rückzug an. 

Während sich diese Vorgänge im Centrum abspielten, be- 
setzte Herzog- Nikolaus Maximiljanowic mit seiner Cavallerie 
die Stadt Kazanlik. 

Die Einnahme der Stadt durch die Russen brachte die aus 
der zweiten Stellung zurückgehende türkische Infanterie in eine 
■äusserst schwierige Lage. Es blieb ihr nur der Ausweg, durch 
die AVeingärten zwischen der Stadt und den Höhen durchzu- 
kommen. Hier wurde sie aber, durch russische Abtheilungen von 
allen Seiten bedrängt, vollständig versprengt. Das Gefecht endete 
um I Uhr nachmittags. Die Türken verloren alle 3 Geschütze 
und 400 Mann allein an Gefangenen. Der russische Verlust be- 
schränkte sich auf 3 todte und 11 verwundete Soldaten. 

Nach Beendigung des Kampfes gab General Gurko der 
erschöpften Infanterie eine Rast, die Cavallerie sandte er an den 



iS4 

Südfuss des Sipka-Passes vor. Die Dragoner-Brigade mit der 
Batterie rückte in Gefechtsordnung querfeldein in der Richtung auf 
das Dorf Sipka vor ; das Husaren-Regiment Kijew trabte auf dem 
Fahrwege Kazanlik-Sipka gegen letzteren Ort ; eine Division des 
Don-Kasaken-Regiments Nr. 21 wurde zur Umgehung auf den 
Weg Sipka-Kalofer dirigiert. 

Das im Dorfe Sipka (nach Entsendung' von 3 Bataillonen 
zur Besetzung von Uflani) verbliebene eine türkische Bataillon 
war gegen Kazanlik zu Hilfe geeilt ; als es aber unterwegs von 
dem Ausgange des Gefechtes Kenntnis erhielt^ kehrte es um und 
stieg zum Sipka-Passe hinauf^ wo sich auf diese Art 7 Bataillone 
mit 9 Geschützen versammelten. 

Gegen 2 Uhr nachmittags näherte sich das Husaren-Regi- 
ment Kijew dem Orte Sipka^ in dessen Nähe es ein grosses 
türkisches Lager sah. Das Regiment wurde zum Absitzen befohlen, 
und die Schützen rückten unter Commando des Majors Tulatow 
gegen das Lager vor. Letzteres erwies sich aber als verlassen 
und wurde ohne einen Schuss erbeutet. Es fanden sich darin über 
150 Zelte mit allem Zugehör, sowie grosse Vorräthe an Patronen 
und Verpflegsartikeln vor. 

Den Husaren folgte bald die übrige Cavallerie. Das Dragoner- 
Regiment Astrachan Nr. 8 wurde auf V2 Werst vor dem Orte 
zum Absitzen befohlen, durchschritt das Dorf und besetzte dann 
den Eingang zum Defile, durch welches der Weg zum Sipka- 
Passe führt. Die Dragoner erbeuteten hiebei eine Train-Colonne, 
welche aus 80 mit Zwieback beladenen Fuhrwerken bestand. Der 
Verlust dieses Trains war von grosser Bedeutung, da er die 
Besatzungs-Truppen am Sipka-Passe eines grossen Theiles ihrer 
Verpflegs-Vorräthe beraubte. 

Die Infanterie des Avantgarde- Corps, welche bei Kazanlik 
gerastet hatte, kam um 6 Uhr abends in Sipka an. Schliesslich 
rückte um 10 Uhr abends auch General Stoljetow mit seiner 
Colonne (2 bulgarische Landsturm-Brigaden mit 2 Gebirgs-Batterien 
und das Don-Kasaken-Regiment Nr. 26), welcher bis dahin den 
Zugang zum Hainkiöj-Passe gedeckt hatte, in Sipka ein. An seine 
wStelle war vom Armee-Obercommando, wie im folgenden Capitel 
dargelegt wird, eine Brigade der 9. Infanterie-Division bestimmt 
worden. 

Es waren somit alle Truppen des Avantgarde-Corps am 
Abende des 5. [17.] Juli am Südfusse des Sipka-Passes versammelt. 



IX. CAPITEL. 

Angriff und Besetzung des Sipka-Passes durch 
das Avantgarde - Corps und das Gabrovoer 

Detachement. 

Beschreibung des Sipka-Passes. — Kräfte und Gruppierung der Türken. — An- 
näherungslinien an die türkische Stellung. — Allgemeine Erwägungen über einen 
Angriff auf den Sipka-Pass. — Correspondenz zwischen General Gurko und dem 
Hauptquartier. — Formierung des Gabrovoer Detachements. — Correspondenz zwischen 
dem Hauptquäl-tier und General Derozinski. — Das Kasaken-Scharmützel bei 
Sevlijevo (Seljvi). — Die Wegnahme der türkischen Stellung auf dem' Berge Vk. Bedek. 
— Angriff auf den Sipka-Pass von Norden am 5. [ty.] Juli und Rückzug des De- 
achements Fürst Swj atopolk-Mir ski nach Gabrovo. — Angriff auf den Sipka Pass 
von Süden am 6. [18.] Juli. — Besetzung des Passes am 7. [19.] Juli. 

(Hiezu Karten-Beilagen ii und 14.) 

Der Sipka-Pass liegt an der von Gabrovo nach Kazanlik 
führenden Chaussee. Letztere läuft von Gabrovo zunächst 7 Werst 
in nordsüdlicher Richtung* längs des Kozestica-Baches. Der Anstieg 
vom Thale desselben beginnt an der Stelle, wo der Weg nach 
den Dörfern Stomaneci und Zeleno drvo abzweigt. 

Von dieser Weggabelung wendet sich die Chaussee nach 
Südost und erhebt sich auf einer 1V2 Werst langen Strecke mit 
einem steilen Aufstiege auf den Gebirgsausläufer, welcher beim 
Sipka-Berge von dem Hauptrücken abzweigt und, sich allmählich 
senkend, bis nach Gabrovo reicht. Sich wieder nach Süden wendend, 
führt die Chaussee in einer Ausdehnung von 7 Werst bis zum 
Sipka-Berge auf dem schmalen Rücken des erwähnten Ausläufers 
hinauf, welcher nach Ost und West mit jähen Abstürzen in tiefe 
Schluchten abfällt. Auf dieser überhaupt stark ansteigenden Strecke 
befinden sich folgende Steilen: beim ersten Wachhause, beim 



i8ö 

zweiten Wachhause (Sred. Bekleme), beim Berge Kadiska stena 
und beim Berge Uzun-Kus. 

Vom Sipka-Berg-e führt der Weg durch 1V2 Werst auf dem 
Hauptrücken des Balkan zum Berge Sv. Nikola. Der Abhang 
des letzteren nach Nord bildet eine sanft geneigte Fläche, wo- 
gegen er nach Ost, Süd und West mit steilen, stellenweise felsigen 
Abstürzen (Orlovo gnezdo) abfällt. Der Weg steigt auch zu diesem 
Berge hinauf, geht aber um dessen Gipfel in östlicher Richtung 
herum. Hier befindet sich der höchste Punkt des Passes; er liegt 
4200 Fuss [1280///] über dem Meeresspiegel. 

Beim Sv. Nikola-Berge beginnt der Abstieg zum Südfusse 
des Balkan; er führt auf einem kurzen, gegen das Dorf Sipka sich 
senkenden Abhangsrücken, Die Entfernung zwischen Gipfel und 
Südfuss beträgt nur 6 Werst; der Weg schlängelt sich hier in 
Serpentinen an felsigen Abstürzen und jähen Schluchten vorbei. 
Die Steile des Abfalles ist so gross, dass von der Spitze des 
Sv. Nikola nur das obere Drittel der Chaussee sichtbar ist, wo- 
g-eg-en sich die übrigen zwei Drittel im todten Räume befinden. 

Vom Dorfe Sipka nach Kazanlik — etwa 10 Werst — führt 
der Weg über eine unbewaldete Ebene. 

Es beträgt demnach die Länge der ganzen Strecke 
■Gabrovo-Kazanlik 33 Werst, die Länge des eigentlichen Passes 
— zwischen der Abzweigung des Weges nach Zeleno drvo an 
der Gabrovoer Chaussee und dem Dorfe Sipka — 16 Werst. 

Oestlich des Sipka-Passes liegen 3 Llölien, der Berg Tyrsova 
(Ml. Bedek), welcher iioo Sazen [2350 //^j vom Sv. Nikola-Berge 
entfernt ist und denselben um 12 Sazen [25*67;^] überhöht; der 
Berg Demir tepe (Zacharna glava), 825 Sazen [i']6o7n] vom 
Sv. Nikola entfernt und um 18 Sazen [38*4 7^^] niedriger als der- 
selbe; und der Demievic (Sosok), welcher 750 Sazen [1600 z/^] vom 
Sv. Nikola und 800 Sazen [1700;/;^] vom Sipka-Berge entfernt und 
bedeutend niedriger ist als beide. Diese 3 Berge bilden eine Art 
kleinen Gebirgsrückens, der mit der Höhe des Sipka-Passes 
durch einen schmalen, zwischen dem Sv. Nikola und der Zacharna 
glava eingelagerten Sattel verbunden ist; der Abfall von beiden 
Bergen zum Sattel ist ziemlich sanft; dagegen zweigen von dem 
letzteren in nördlicher und südlicher Richtung tiefe Schluchten mit 
sehr steilen, felsigen Hängen ab. 

Westlich des vSipka-Passes liegen: die Volinska planina, 
400 Sazen [8507/2] vom Sipka-Berge und 575 Sazen [12^0 7n] vom 
Sv. Nikola entfernt; sie ist so, hoch wie der erstere, dagegen 



i87 

bedeutend niedriger als der zweite; der Gorski Kurgan^ 75oSazen 
[1600 m\ vom Sv. Nikola entfernt^ dabei etwas niedriger als derselbe^ 
und 650 Sazen [1390 in\ vom Sipka-Berge entfernt und denselben 
um 1 5 Sazen [3 2 ^;2] üb erhöhend; endlich der Berg Malys (Lysaplanina), 
vom Sv. Nikola und Sipka-Berge fast gleich weit entfernt^ nämlich 
1300 Sazen [2 7 70 7/2] ; er ist höher als das ganze Pass-Gebiet^ 
wenn auch nur um 4 Sazen [8 7ii\ höher als der Sv. Nikola. Die 
3 Berge sind untereinander und mit der Höhe des Sipka-Passes 
durch Sättel verbunden und bilden einen schmalen Rücken^ von 
welchem nach Norden und Süden tiefe und waldige Schluchten 
abzweigen. 

Zur Vertheidigung des Sipka-Passes verfügten die Türken 
über 7 Bataillone und 9 Geschütze (im ganzen 4700 Mann) unter 
Hulussi (Haljussi; auch Kulussi) Pascha. Den Angriff der Russen 
von Gabrovo her erwartend^ hatten die Türken an der von dort 
kommenden Strasse 5 befestigte Stellungen vorbereitet: beim 
zweiten Wachhause (Sred. Bekleme) Schützengräben in 2 Etagen; 
beim Berge Kadiska stena und auf der Höhe Uzun Kus Schützen- 
gräben; auf dem Sipka-Berge einen Geschützstand für ein Ge- 
schütz^ eine Batterie für 2 Geschütze und Schützengraben; endlich 
an den Hängen des Sv. Nikola^ beiderseits der Chaussee, 2 Batterien 
für je 3 Geschütze und Schützengräben. 

Aus dem Dargelegten geht hervor, dass für einen Angriff 
auf den vSipka-Pass hauptsächlich 4 Annäherung-slinien, respective 
AngriffvSrichtungen möglich waren : 

1. von Norden, längs der Gabrovoer Chaussee. Hier stiess 
man auf keine Terrain-Hindernisse; dafür aber musste der An- 
greifer eine Reihe befestigter Stellungen erobern und über einen 
schmalen, offenen Rücken vorgehen, auf dem die Mitwirkung der 
Artillerie sehr erschwert war. 

2. von Westen, über den Malys (Lysaplanina) in die Flanke 
der türkischen Stellung auf dem Sipka-Berge. Der Malys - Berg 
war gedeckt auf Gebirgspfaden zu ersteigen; der Angreifer 
konnte dann, auf dem Rücken über den Gorski Kurgan vorgehend, 
durch dichtes Strauchwerk verdeckt, ungesehen bis fast zur 
Volinska planina gelangen, und erst von dort musste er auf circa 
400 Sazen [850 ;;2] bis zum linken Flügel der türkischen Position 
auf dem Sipka-Berge über offenes Terrain angreifen. Eine 
Artillerie-Position gab es auf diesem Wege nicht. Die Höhe Malys 



i88 

war zu weit von den Bergen Sipka und Sv. Nikola (1300 Sazen 
[2770;//]) entfernt^ und auf dem Gorski Kurg-an^ der mit dichtem 
Strauchwerk bedeckt war^ konnten keine Geschütze aufgestellt 
werden. 

3. von Süden^, längs der Chaussee vom Dorfe Sipka. In 
dieser Richtung konnte man ungefähr 4 Werst gedeckt vorwärts 
kommen^ dann aber musste man die übrigen 2 Werst über einen 
völlig- offenen schmalen Rücken angreifen und schliesslich die 
felsigen Abstürze (Orlovo gnezdo) erklimmen^ mit welchen der 
Sv. Nikola nach Süden abfällt. Eine auch nur einigermassen 
g'ünstige Artillerie-Position gab es bei dieser Angriffsrichtung- nicht. 

4. von Osten^ über die Zacharna glava gegen den Sv. Nikola. 
Die Zacharna glava konnte auf einem Gebirgspfade gedeckt erreicht 
werden ; die weitere Vorrückung erfolgte gleichfalls verdeckt infolge 
des dichten, die Hänge der Zacharna glava bedeckenden Strauch- 
werkes. Von der Lisiere des letzteren bis zum rechten Flügel der 
feindlichen Stellung (300 Sazen [640 ;;?]) musste man über offenes 
Terrain angreifen. Die Zacharna glava bot eine günstige Artillerie- 
Position^ auf welche Gebirgs-Artillerie geschafft werden konnte. 

Alle 4 Annäherungslinien waren voneinander durch schwer 
passierbare Schluchten getrennt. Ein gemeinsamer Nachtheil der- 
selben, der übrigens jedem Gebirgsterrain eigenthümlich ist, 
bestand darin, dass der AngTeifer in allen bezeichneten Richtungen 
sich auf einer schmalen Front vorbewegen musste und keine 
Möglichkeit besass, seine Kräfte zu entwickeln. 

Relativ am günstigsten waren die Angriffsrichtungen von 
Ost und West. 

Ausser diesen Haupt-Annäherungslinien gab es für einen 
Angriff auf die türkische Sipka-Stellung- auch noch andere 
Richtungen, da die Schluchten, welche die Stellung ring's um- 
gaben, wegen der Tiefe und Steilheit der Hänge eine Vorrückung 
wohl sehr erschwerten, aber trotzdem das Vorwärtskommen der 
Infanterie nicht ausschlössen. 

Zur Eroberung des Sipka-Passes wurden entsendet: von 
der Süd-Seite des Balkan her das Avantgarde - Corps des 
Generals Gurko, und von der Nord-Seite her das Gabrovoer 
Detachement unter den Befehlen des GM. Derozinski, Com- 
mandanten der 2. Brigade der 9. Infanterie-Division. 

Das Avantgarde-Corps bestand, wie bereits im vorigen 
Capitel besprochen, aus der 4. Schützen-Brigade mit 2 Sotnien 



i89 

des 7. P]astun -Bataillons^ dem bulgarischen Landstürme^ der i. und 
2. Fuss-Gebirgs-Batterie (letztere zu 6 Geschützen)^ 4 Geschützen 
der Don-Batterie Nr. lo^ der Dragoner-Brigade mit der 16. reitenden 
Batterie^ der Don-Kasaken-Brigade mit der Don-Batterie Nr. 15, 
dem Husaren-Regimente Kijew Nr. g, der Ural-Kasaken-Sotnie, 
dem reitenden Pionnier-Commando und der Halbescadron des 
Garde-Detachements vom kaiserlichen Ehren-Convoi; im ganzen 
10V2 Bataillone Infanterie^ 26 V2 Escadronen und Sotnien^ 14 Ge- 
birgs- und 16 reitende Geschütze. 

Das GabrovoerDetachement bestand aus: dem Infanterie- 
Regimen te Orel Nr. 36 mit der 5. Batterie der 9. Artillerie- 
Brigade und 4 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments Nr. 30 sammt 
einem Zuge der Don-Batterie Nr. 10; zusammen 3 Bataillone, 
4 Sotnien, 8 Fuss- und 2 reitende Geschütze. 

Beide Gruppen waren durch den Balkan getrennt; dabei 
aber war es nöthig, ihre Thätigkeit derart in Einklang zu bringen, 
dass der Angriff auf den Pass gleichzeitig von beiden Seiten 
erfolgte. Die Initiative bei diesem Angriffe musste offenbar dem 
Avantgarde-Corps zufallen, da dasselbe nach dem Verlassen von 
Trnovo, bevor es am Sipka eintraf, den Balkan bei Hainkiöj 
[Kolupci] zu überschreiten und die im Tundza-Thale befindlichen 
türkischen Truppen zu verdrängen hatte. 

Am Tage vor dem Abmärsche von Trnovo, d. i. am 29. Juni 
[i I. Juli], meldete General Gurko dem Armee-Obercommandanten, 
er beabsichtige, in Kazanlik — das, wie oben gesagt, vom 
Süd-Fusse des Sipka-Passes circa 10 Werst entfernt liegt — ;;Um 
jeden Preis am 3. [15.] Juli einzutreffen". Fliebei sprach General 
Gurko die Hoffnung- aus, „Kazanlik und in weiterer Folge auch 
den Sipka-Pass einnehmen zu können". Aus den letzten Worten 
kann darauf geschlossen werden, dass der Commandant des 
Avantg'arde-Corps davon überzeugt war, die Türken würden nach 
der Besetzung der Stadt Kazanlik durch die Russen sofort ihre 
Stellungen am vSipka-Passe räumen. Diese Meinung theilte man 
damals auch im Operierenden Flauptquartier (Feldstab). 

Der Armee-Obercommandant billigte obigen Plan und Hess 
dem General Gurko mittheilen, dass er zur Unterstützung seiner 
[Gurkos] Vorrückung gegen den Sipka-Pass „am 2. [14.] Juli 
von Trnovo nach Drenovo und Gabrovo i Infanterie-Regiment 
sammt i Batterie vorschieben" werde. 

Auf diese Verständigung antwortete General Gurko am 
30. Juni [12. Juli]: „Das Gabrovoer Detachement muss nach 



meiner Ansicht am 4. [16.] Juli energisch gegen den Sipka-Pass 
demonstrieren." 

Am folgenden Tage, dem i. [13.] Juli, sandte General Gurko 
an den Armee-Obercommandanten eine Meldung-, in welcher er 
auch bat, dass zur Sicherung der Rückzugslinie für das Avant- 
garde-Corps der Pass von Hainkiöj durch eine Infanterie-Brigade 
des VIIL Armee-Corps besetzt werde. „Dann kann ich," so 
meldete General Gurko „mit Aussicht auf Erfolg am 4. [16.] Juli 
bis Mögiis (Magliz) vorstossen und am Morgen des 5. [17.] Kazanlik 
angreifen. Der Sipka-Pass wäre am 4. und 5. [16. und 17.] Juli in 
der Front zu bedrohen." 

General Nepokojcitzki erwiderte hierauf, dass das Vor- 
ziehen einer Brigade nach Hainkiöj bis zum Eintreffen des 
XL Armee-Corps in Trnovo unmöglich sei, und dass der Gross- 
fürst es daher dem Avantgarde-Corps anheimstelle, vorläufig am 
Fusse des Passes von Hainkiöj zu verbleiben. Weiter hiess es: 
„Wenn die Verhältnisse, die Sie beim Eintreffen in Hainkiöj vor- 
finden, Sie veranlassen, gegen Kazanlik vorzugehen, um die den 
Sipka besetzt haltenden Truppen im Rücken zu bedrohen, so 
bitte ich, dies bis spätestens 3. [15.] Juli abends hieher mitzu- 
theilen, damit dementsprechend das Detachement dirigiert werden 
kann, welches nach Gabrovo entsendet werden soll, um von dort 
den Sipka-Pass anzugreifen. . . . Das Detachement marschiert am 
2. [14.] Juli von Trnovo ab, trifft am 3. [15.] Juli in Gabrovo (wo 
bereits jetzt 4 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments Nr. 30 stehen) 
ein und rückt am 4. [15.] zum Angriffe auf den Sipka vor." 

Auf diesen Befehl antwortete General Gurko am 2. [14.J Juli: 
„Da sich bisher die Situation, in der ich mich befinde, nicht völlig- 
geklärt hat, so bin ich noch nicht in der Lage zu melden, was 
ich unternehmen werde." 

Am nächsten Tage, dem 3. [15.] Juli, meldete General Gurko, 
welcher inzwischen Nachrichten über die Stärke der türkischen 
Streitkräfte im Tundza-Thale erhalten hatte, nach Trnovo : „Ich 
beabsichtige morgen, den 4. [16.] Juli früh, in der Richtung auf 
Kazanlik vorzurücken; morgen werde ich in Möglis nächtigen und 
übermorgen, den 5. [17.] Juli, will ich Kazanlik angreifen." 

Am 4. [16.] Juli endlich theilte der Armee-Stabschef dem 
General Gurko Folgendes mit: „Angesichts des bevorstehenden 
Eintreffens des XL Armee-Corps und der 13. Cavallerie-Division, 
geruhte Seine kaiserliche Hoheit der Armee-Obercommandant, 
es für möglich zu erachten, dass zur Unterstützung Ihres Corps 



die ganze 9. Infanterie-Division in die Balkan-Uebergänge vor- 
geschoben werde-, und zwar soll die i. Brigade dieser Division 
am 6. [18.] Juli auf den Pass von Hainkiöj dirigiei-t und das 
Infanterie-Regiment Brjansk Nr. 35, welches gegenwärtig eine 
Stellung an der Strasse Trnovo-Osman Pazar besetzt hält, durch 
Theile der 14. Infanterie-Division abgelöst und nach Gabrovo 
gesendet werden, wo es sich mit dem Detachement GM. Derozinski 
zu vereinigen hat; bei letzterem kann das Regiment bis zum 
9. [21.] Juli eintreffen." 

Dies war die gesammte Correspondenz zwischen dem Haupt- 
quartier und dem General Gurko, welche dem Angriffe auf den 
Sipka-Pass vorangieng. 

Dem oben Gesagten entsprechend^ erhielt der Commandant 
des Gabrovoer Detachements GM. Derozinski den Befehl^ am 
4. [16.] Juli eine Demonstration gegen den Sipka-Pass durch- 
zuführen, für den entscheidenden Angriff hingegen einen besonderen 
Auftrag abzuwarten. 

Das Gabrovoer Detachement sammelte sich am 3. [15.] Juli 
bei Gabrovo. 

Um diese Zeit stellte sich hier nach den von Ortsbewohnern 
erhaltenen Nachrichten und nach den Daten, welche die Reco- 
gnoscierung durch Kasaken des Don-Regiments Nr. 30 ergeben 
hatte^ die Situation wie folgt dar: 

;^Die von Gabrovo auf den Sipka führende Chaussee bestand 
als solche nur in einer Ausdehnung von 8 Werst; sodann gieng" 
sie in einen gewöhnlichen Gebirgsweg über. Der ganze Anstieg* 
befand sich unter dem Kreuzfeuer von 9 Geschützen (hievon 
3 Krupp'sche und 6 Gebirgs-Geschütze). Alle ausser der Chaussee 
vorhandenen Communicationen waren nur für Infanterie passierbar^ 
mit Ausnahme einer^ welche aber auch nur auf 10 Werst von 
Artillerie benützt werden konnte. Ein Theil dieser Wege führte 
zur Stellung der Türken^, die übrigen giengen in grossem Bogen 
herum. Die Türken befanden sich in 4 Lagern. Das erste war 
auf dem Sv. Nikola-Berge_, circa 3 Bataillone mit i Batterie; 
östlich des Sv. Nikola stand i weiteres Bataillon^ aber ohne Ge- 
schütze; westlich [?]^ gegen den UzunKus, circa 2 Bataillone ; dortselbst 
waren in 2 Etagen hintereinander Befestigungen und Geschütz- 
deckungen aufgeführt; und bei letzteren befand sich i Batterie; 
noch weiter westlich [?] stand wieder circa i Bataillon. Im Dorf e 
Sipka lagen 2 Bataillone. An Cavallerie standen — von den be- 



19- 

zeichneten Truppen abgetrennt — loo bis 150 Reiter zwischen 
dem Uzun Kus und dem vierten Lager." 

Zur Recognoscierung' des Saumpfades, welcher circa 10 Werst 
östlich des Sipka-Passes den Balkan übersetzt und — von Trevna 
ausgehend — • über den Vk. Bedek nach Jenina führt, war unter 
Commando des Sotnik [Kasaken-Lieutenant] Galdin die 2. Sotnie 
des Don-Kasaken-Regiments Nr. 30 entsendet worden. Auf dem 
Vk. Bedek befand sich eine kleine türkische Befestigung, die von 
einem Infanterie -Beobachtungsposten mit einigen Baschibosuk 
besetzt war. Sotnik Galdin recognoscierte nachts die Aufstellung 
und Vertheilung der Türken und warf dieselben durch einen 
Ueberfall zurück. Die Sotnie begann sodann nach Jenina herab- 
zusteigen, wurde aber durch türkische Infanterie in der beiläufigen 
Stärke eines Bataillons zum Rückzuge und zum Ausweichen nach 
dem Dorfe Jovovci gezwungen; letzteres liegt — etwa 5 Werst 
vom Vk. Bedek entfernt — am Nordhange des Balkan. Die Türken 
besetzten den Vk. Bedek neuerdings und errichteten dortselbst 
eine Verschanzung. 

Zur Sicherung seiner rechten Flanke entsandte das Gabrovoer 
Detachement auch die 3. Sotnie des 30. Don-Regiments unter 
Commando des Jesauls Antono w nach Sevlijevo (Seljvi). 

Nachdem sich General Derozinski über die Situation 
orientiert hatte, schickte er am 3. [15.] Juli, 10 Uhr abends, dem 
Stabschef der Armee folgende Meldung: 

„Euere Hohe Excellenz haben mündlich anbefohlen, dass ich 
am 4. [16.] Juli demonstrieren, dagegen für den entscheidenden 
Angriff auf den Sipka-Pass einen speciellen Auftrag abwarten 
soll. Aus den bei mir eingelangten Meldungen geht hervor, dass 
zur Umgehung der hauptsächlichsten Angriffsrichtung auf den 
Sipka (das ist längs der Chaussee) allerdings Seitenwege oder 
Pfade vorhanden sind ; auf denselben kommt aber nur Infanterie, 
und zwar höchstens zu zweien fort; diese Wege sind auch sehr 
weit von der Chaussee entfernt, und von den Höhen, auf welche 
sie führen, reicht das Gewehrfeuer nicht bis zur feindlichen Auf- 
stellung. Eine Demonstration wäre nur an der bereits recogno- 
scierten Chaussee angezeigt ; der dann folgende Rückzug aber 
könnte sowohl auf die Truppen, als auch auf die Einwohner von 
ungünstigem Einflüsse sein ; letztere sind jetzt begeistert und 
bewachen alle Pfade im Balkan, welche wir infolge localer Ver- 
hältnisse nicht selbst besetzen können. Eine Vorrückung der 
Truppen auf den Seitenpfaden, ohne zum entscheidenden Angriffe 



I 



193 

überzugehen^ zeigt den Türken die Wege, längs welchen der Angriff 
erfolgen kann ; gegenwärtig halten sie diese Wege noch nicht 
besetzt. Ich bin der Ansicht^ dass zur erfolgreichen Durchführung 
der Unternehmung eine ganze Infanterie -Brigade nöthig ist, da 
keine Artillerie mitgenommen werden kann ; infolgedessen muss 
I Bataillon zurückgelassen werden^ welches sowohl zum Schutze 
der letzteren zu dienen^ als auch die nach Gabrovo führenden 
Wege^ speciell jene von Sevlijevo her zu beobachten^ sowie auch 
endlich unseren Rücken zu decken hat. Für den Fall^ dass es 
als nöthig erachtet werden sollte^ den Sipka-Pass mit nur i Regi- 
mente einzunehmen^ erwarte ich weitere Befehle für den ent- 
scheidenden Angriff ; eine Demonstration halte ich für schädlich." 

Bevor noch diese Meldung im Hauptquartier anlangte^ war 
von dort an General Derozinski eine Mittheilung- abgesendet 
worden^ durch welche derselbe verständigt wurde^ dass es einst- 
weilen noch nicht bekannt sei^ ob und wann General Gurko 
g'egen Kazanlik vorrücken werde ; sobald jedoch von demselben 
die Meldung über einen endgiltigen diesbezüglichen Entschluss 
eingetroffen sei; werde dies unverzüglich dem Gabrovoer De- 
tachement mitgetheilt W-erden. 

Weiter hiess es in der Mittheilung: ;,Da die Uebersendung 
einer derartigen Verständigung viel Zeit erfordert und Sie infolge- 
dessen nur verspätete Nachrichten erhalten^ so müssen Sie unbedingt 
selbst mit dem Avantgarde-Corps Gurko sowohl durch Kund- 
schafter^ als auch durch Entsendung von Kasaken über die Seiten- 
pässe in Verbindung treten. Betreffend die Operationen in der 
Richtung- gegen den Sipka^ lässt Ihnen der Armee-Stabschef 
bekannt geben^ dass Sie auf jeden Fall am 4. [16.] Juli die nöthigen 
Einleitungen zu treffen haben; ein entscheidendes Vorgehen 
aber darf erst am 5. [17.] Juli, und auch dann nur platz- 
greifen, wenn Sie die Verständigung erhalten haben, 
dass General Gurko geg-en Kazanlik vorgeht; es sei denn, 
dass die Situation und das Verhalten des Gegners Ihnen die Mög- 
lichkeit bieten, den Pass selbständig zu gewinnen." 

Im nächstfolg-enden Befehle des Hauptstabes wurde dem 
General Derozinski mitg-etheilt, dass über Bitte der in Sevlijevo 
stehenden 3. Sotnie des Don-Kasaken-Regiments Nr. 30, dorthin 
noch 2 Sotnien mit 2 Geschützen (i Sotnie des Garde-Kasaken- 
und I Sotnie des Don-Kasaken-Regiments Nr. 2}^, sowie i Zug 
der Don-Batterie Nr. 6) unter Commando des Flügel-Adjutanten 
Obersten Zerebkow verlegt würden, und dass letzterer mit 

Der russisch-türkische Krieg, W. ßd. 13 



104 

diesem Detacliement bei Morgengrauen des 5. [17.] Juli in Sevlijevo 
eintreffen werde. Da aber in Sevlijevo eine Unterstützung un- 
bedingt möglichst schnell eintreffen müsse^ so habe General 
Derozinski unverzüglich eine Sotnie aus Gabrovo dorthin ab- 
zugeben. 

Letzteres hatte General Derozinski übrigens noch vor Erhalt 
dieses Befehles veranlasst; so dass bereits am 4. [lö.jjuli^ zeitlich 
früh; die 6. Sotnie des Don-Kasaken-Regiments Nr. 30 in Sevlijevo 
eingetroffen war. Noch früher hatte auch der Armee-Obercom- 
mandant eine Halbsotnie des Kasaken-Regiments Wladikawkaz 
unter Commando des SotnikWerescagin dorthin entsendet. Diese 
Halbsotnie war am 29. Juni [11. Juli] als Aufklärungs-Abtheilung 
seitens der kaukasischen Kasaken-Brigade von Blgarene ab- 
gesendet worden^ um zwischen dem ^^ West-Corps" und dem Avant- 
g*arde-Corps die Verbindung herzustellen und zu erhalten. Der 
Armee-Obercommandant;, welcher die Halbsotnie auf seiner Fahrt 
nach Trnovo in der Nähe des Dorfes Samovodenje (Samovody) 
antraf; behielt sie zu seiner Verfügung und sandte sie später (am 
I. [13.] Juli) zu dem in Sevlijevo stehenden Detachement^ bei 
welchem sie nach 2 Tagen eintraf Auf diese Weise sammelten 
sich in letzterem Orte: 2 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments 
Nr. 30; I Halbsotnie des Regiments WiadikawkaZ; je i Sotnie 
des Garde-Kasaken- und des Don-Kasaken-Regiments Nr. 23 und 

2 Geschütze der reitenden Batterie Nr. 6. 

Am 4. [16.] Juli kam es bei Sevlijevo zu einem unbedeutenden 
Scharmützel zwischen Kasaken und einem Baschibosuk-Trupp; 
wobei die Türken mit starken Verlusten zurückgewiesen wurden; 
bei den Russen wurde der Jesaul Afanasjew verwundet und 
I Kasak getödtet. 

Zur Durchführung des oben citierten Befehles betreffs der 
Herstellung der Verbindung mit dem Avantgarde-Corps beschloss 
General Derozinski; den Berg Vk. Bedek besetzen zu lassen; 
er gieng dabei von der Ansicht auS; dass die Besitzergreifung 
dieses Punktes auch insofern von Nutzen sein müsse, als hiedurch 
ein Theil der türkischen Truppen vom Sipka-Passe abgezogen 
werde. 

Die Stellung der Türken auf dem Vk. Bedek bestand aus 

3 kleinen Redouten mit angelehnten Schützengräben ; sie war 
von einem der Besatzung des Sipka-Passes entnommenen Bataillon 
besetzt. 



195 

Am 4. [16.] Juli befahl General Derozinski dem Comman- 
danten des i. Bataillons des Infanterie-Regiments Orel Nr. 36^ 
Major Bojno-Rodzewic^ mit der i. und 2. Compagnie von 
Gabrovo nach Jovovci zu marschieren^ sich mit der dort stehenden 
2. Sotnie des Don-Kasaken-Regiments Nr. 30 (Sotnik Galdin) zu 
vereinigen und die türkische Position am Vk. Bedek-Berge zu 
nehmen. Die Aufbruchszeit wurde nicht bestimmt und nur an- 
g'egeben^ das Halbbataillon habe derart abzurücken^, dass es bei 
Tagesanbruch des 5. [17.] Juli die Türken angreifen könne. Zur 
Unterstützung wurde dem Major Bojno-Rodzewic der Generai- 
st ab s-Hauptmann Andrianow beigegeben. 

Um 10 Uhr vormittags verliessen die Compagnien das 
Bivouac bei Gabrovo und trafen nach ermüdendem Marsche um 
7 Uhr abends im Lager der 2. Sotnie des Don-Kasaken-Regiments 
Nr. 30 beim Dorfe Jovovci ein. Nachdem sich Major Bojno- 
Rodzewic beim Sotnik Galdin bezüglich des Terrains erkundigt 
hatte^ theilte er seine kleine Gruppe in 2 Colonnen : die Haupt- 
Colonne, unter seinen persönlichen Befehlen, bestehend aus der 
2. und einer halben i. Compagnie, sowie 50 abgesessenen Kasaken, 
sollte gegen die türkische Stellung auf dem Vk. Bedek-Berg-e 
von Norden her vorrücken und sich hiebei quer durch den Wald 
bewegen; die linke Colonne, unter dem Commando des Lieu- 
tenants Baljasny, gebildet aus der anderen halben i. Compagnie 
mit 20 abgesessenen Kasaken, hatte weiter links vorzugehen, 
dann die Höhen zu ersteigen und die Stellung der Türken von 
Osten her anzugreifen. Nach dem Eintreffen an der Lisiere des 
den Vk. Bedek bedeckenden Waldes sollte die Haupt-Colonne 
halten und das Erscheinen der Umgehungs-Colonne abwarten ; 
dann sollte der Angriff gleichzeitig erfolgen. 

Beide Colonnen erhielten Führer aus benachbarten bulgarischen 
Ortschaften, welche die Gegend ausgezeichnet kannten. 

Die Haupt-Colonne rückte um 10 Uhr abends aus dem Lager 
bei Jovovci ab. Bei tiefster Dunkelheit auf dem dicht be- 
waldeten, steilen und stellenweise sogar absturzartigen Nord- 
hange marschierend, traf sie — völlig erschöpft — vor Morgen- 
grauen an der Waldlisiere ein, welche nur 200 Schritt von der 
türkischen Stellung entfernt war. Schon wollten sich die Ab- 
theilungen längs des Waldrandes entwickeln, um in dieser Situation 
das Erscheinen der Umgehungs-Colonne zu erwarten, als plötzlich 
ein türkischer Wachposten einen Schuss abgab und gleich darauf 
aus den Schanzen ein heftiges Feuer eröffnet wurde. Es war klar, 

13* 



dass die Anwesenheit des Halbbataillons bemerkt worden war. 
Major Bojno-Rodzewic befahl daher der vorne befindlichen 

1. Halb comp agnie (der 2. Compagnie) und den Kasaken des Sotnik 
Galdin^ sofort zum Sturme vorzugehen^ um die Türk*en nicht zu 
sich kommen zu lassen. Die Oreler und Kasaken begannen — die 
Officiere voran — zur nächstgelegenen^ das ist mittleren, Schanze 
heranzukriechen. Das Feuer der Türken fügte ihnen keinen ernst- 
lichen Schaden zu ; denn die Dunkelheit verbarg ihre Bewegung 
und die Projectile flogen zum grössten Theile über ihre Köpfe 
hinweg. Ohne Schuss auf circa 20 Schritte herangekommen, 
warfen sich die Kasaken und Oreler mit „Hurrah !" auf die Redoute 
und eroberten sie, wobei Sotnik Galdin^) als erster auf den 
Wall sprang. Um diese Zeit war auch die 2. Halbcompagnie (der 

2. Compagnie) eingetrofl"en, worauf von Major Bojno-Rodzewic 
der Befehl gegeben wurde, auch die Redoute am linken Flügel weg*- 
zunehmen. Unverzüglich stürmte die g'anze 2. Compagnie mit den 
Kasaken unter Hurrahruf vor; es kam zum Flandgemenge, und 
di® Türken wurden schliesslich geworfen. Die halbe i. Compagnie, 
welche an der Queue der Colonne marschiert war, verliess den 
Wald erst zu einem Zeitpunkte, als die mittlere und linksseitige 
Schanze bereits erobert waren. 

Die Umgehungs-Colonne hatte das Bivouac beim Dorfe 
Jovovci bereits um 8 Uhr abends, also 2 Stunden vor der Haupt- 
Colonne, verlassen. Trotzdem befand sie sich infolge des schwierigen 
Weges noch am Marsche, als Schüsse auf der Höhe des Vk. Bedek 
hörbar wurden. Wie sehr sich auch Lieutenant Baljasny bemühte, 
die Bewegung zu beschleunigen, so konnte die Umgehungs-Colonne 
dennoch, erst eine Stunde nach der Haupt-Colonne die Wald- 
lisiere erreichen, das ist zu einem Zeitpunkte, als das Gewehr- 
feuer bereits völlig verstummt war. Lieutenant Baljasny trat 
aus dem Walde gerade gegenüber der noch von den Türken 
besetzten rechtsseitigen Schanze heraus und griff dieselbe, ohne 
feuern, ja ohne „Hurrah !" rufen zu lassen, sofort an. Nach Ein- 
nahme der Redoute Hess er — in Unkenntnis darüber, dass die 
mittlere und linksseitige Schanze bereits von der Haupt-Colonne 
besetzt seien — gegen dieselben das Feuer eröffnen. Glücklicher- 
weise begann es bereits zu tagen, und das Missverständnis wurde 
sogleich aufgeklärt. Es zeigte sich, dass die Haupt-Colonne in der 



^) Für diese "Waffenthat erhielt Sotnik Galdin des Don-Kasaken-Regiments 
Xr. 30 den Georgs-Orden IV. Classe. 



197 

Dunkelheit die rechtsseitige Redoute g-ar nicht bemerkt hatte ; 
auch die Türken waren über den Ausgang des vorangegangenen 
Kampfes nicht im klaren gewesen^ und daher in der Schanze 
geblieben. Nach dem Gefechte auf dem Vk. Bedek-Berge zog 
sich das türkische Bataillon zum Sipka-Passe zurück. Der Ge- 
sammtverlust der Russen bei dem Kampfe betrug 48 Mann an 
Todten und Verwundeten. 

Dank dem erfolgreich durchgeführten^ die Türken völlig 
überraschenden Ueberfalle war es also dem Halbbataillon des 
Majors Bojno-Ro dz e wie gelungen^ sich der türkischen Stellung 
am Bedek-Berge zu bemächtigen ; hiedurch war die Möglichkeit 
gegeben^ bei der Annäherung des Avantgarde- Corps an den Süd- 
fuss des Sipka-Passes mit demselben in Verbindung zu treten. 

Inzwischen war in der Nacht vom 4. zum 5. [16. zum 17.] 
Juli der Commandant der 9. Infanterie-Division General- Adjutant 
GL. Fürst Swjatopolk-Mirski in Gabrovo eingetroffen^ um das 
Commando über das dortige Detachement zu übernehmen. Ent- 
sprechend den im Hauptquartier erhaltenen Weisung*en erliess er 
sofort die nöthigen Dispositionen für den Angriff auf den 
Sipka-PasS; zu welchem um 7 Uhr früh des 5. [17.] Juli folgende 
3 Colonnen vorzurücken hatten. : 

die linke Colonne — bestehend aus der 5. und 8. Com- 
pagnie des Infanterie-Regiments Orel Nr. 36 — unter dem 
Commando des Hauptmanns Klientow; sie sollte^ um türkische 
Kräfte nach Osten abzuziehen, den Berg Ml. Bedek ersteigen; 

die Mittel-Colonne — g"ebildet aus der 6., 7., i2.Linien- 
Compagnie und 2. Schützen-Compagnie — unter den Befehlen 
des Oberstlieutenants Lindström, provisorischen Commandanten 
des Infanterie-Regiments Orel Nr. 36; sie hatte auf der Gabrovoer 
Chaussee vorzurücken und den Sipka-Pass von Norden anzugreifen- 
Bei dieser Colonne befanden sich : General-Adjutant Fürst 
Swjatopolk-Mirski, GM. Derozinski, Grossfürst Nikolaus 
Nikolajewic der Jüngere und der Adjutant des Armee-Ober- 
commandanten Oberst Strukow; 

die rechte Colonne — zusammengesetzt aus der 9., 10., 
II. Linien- und der 3. Schützen-Compagnie mit 4 Geschützen 
der 5. Batterie der 9. Artillerie-Brigade — unter Oberstlieutenant 
Chomenko; sie sollte zunächst nach dem Dorfe Zeleno drvo 
marschieren ; hierselbst war in einer entsprechenden Stellung und 
unter Bedeckung einer Compagnie die Halbbatterie zurückzulassen, 



damit sie die türkische Aufstellung am Sipka-Passe unter Feuer 
nehme ; mit den übrigen 3 Compagnien hatte die Colonne den 
Pass von Himitli (Imitli) zu ersteigen, um türkische Kräfte nach 
Westen abzuziehen. Bei der Colonne war auch der Stabshaupt- 
mann des Generalstabes Glazow eingetheilt. 

Gleichzeitig mit dem Aufbruche der Colonnen um 7 Uhr früh^ 
entsandte Fürst Swjatopolk-Mirski zur Unterstützung des 
den Vk. Bedek besetzt haltenden Halbbataillons Major Bojno- 
Rodzewic die i. Schützen - Compagnie des Regiments Orel 
Nr. 36, 2 Sotnien des Don-Kasaken- Regiments Nr. 30 und 
2 Geschütze der Don-Batterie Nr. 10; diese Truppen befehligte 
Oberst Orlow^ welcher auch das Commando des Detachements am 
Vk. Bedek zu übernehmen hatte. In Gabrovo wurden zur Bedeckunsf 
der 4 nicht mitgenommenen Geschütze der 5. Batterie der 
9. Artillerie-Brigade und des Trains die 3. und 4. Compagnie des 
Infanterie-Regiments Orel zurückgelassen. 



Die linke Colonne, Hauptmann Klientow (2 Compagnien), 
brach um 7 Uhr früh von Gabrovo auf; als Führer diente ihr, 
da niemand Karten besass, ein Bulgare. Derselbe verirrte sich, 
und anstatt die Colonne zum Ml. Bedek zu bringen, führte er 
sie nach einem ermüdenden Marsche auf Gebirgspfaden zum Berge 
Zacharna glava. 

Kaum hatte um 2 Uhr nachmittags das Halbbataillon den 
Rücken betreten, als es plötzlich Artillerie- und Infanteriefeuer 
erhielt. Die Türken waren augenscheinlich über die Vorrückung 
der Colonne orientiert und bereiteten sich vor, dieselbe abzuweisen. 
Hauptmann Klientow Hess sofort die Schwarmlinie bilden und 
die Lisiere des Buschwerks besetzen, welches den Westhang der 
Zacharna glava bedeckte. Nach kurzem Feuergefechte wurde 
beschlossen, die türkische Stellung anzugreifen, und beide Com- 
pagnien rückten auf dem schmalen Terrainstreifen vor, der zwischen 
zwei Schluchten zur Stellung führte. Die Türken aber schleuderten 
den Angreifern ein derartig heftiges Feuer entgegen, dass die- 
selben ungeheure Verluste erlitten und zur Lisiere des Busch- 
werkes zurück mussten. Von den 6 Officieren der Colonne fielen 
die Fähnriche Dmitriew und Dotzenko; Unterlieutenant 
Fialkowski und Fähnrich Kowalewski wurden verwundet, 
ebenso wurde auch Hauptmann Klientow durch 3 Schüsse schwer 
verletzt. Die Leute wollten ihn aus der Stellung fortschaffen, aber 
er befahl, dass man ihn dort bis zum Schlüsse des Gefechtes belasse. 



199 

Nunmehr jedoch begannen die Türken selbst, zum Angriffe 
überzugehen und versuchten hiebe! die kleine Abtheilung zu 
umfassen. In der Einsicht, dass jede Möglichkeit ausgeschlossen 
sei; wieder anzugreifen oder auch nur die Stellung an der Lisiere 
zu halten, befahl Hauptmann Klientow dem einzigen noch un- 
verletzt gebliebenen Officier, Lieutenant Orlow, den Rückzug 
anzutreten. Lieutenant Orlow gieng von Unterofficier zu Unter- 
officier und Hess durch letztere die Mannschaft verständigen, 
langsam in derselben Richtung zurückzugehen, in welcher die 
Colonne vorgerückt war. Mit einem Zuge der 8. Compagnie blieb 
er selbst zur Deckung des Rückzuges zurück; bei ihm blieb auch 
Unterlieutenant Fialkowski, welcher trotz seiner Wunde die 
Front bis zum Schlüsse des Gefechtes nicht verliess. Der Rückzug 
war sehr schwierig, da die Türken energisch nachdrängten, und 
wiederholt kam es hieb ei zum Handgemenge. Schliesslich stellten 
um 6 Uhr abends die Türken die Verfolgung ein, und die Colonne 
marschierte unbelästigt nach -Gabrovo zurück. 

Ihre Verluste betrugen 5 Officiere und 115 Mann. 

Die Mittel-Colonne, Oberst Lindström (4 Compagnien), 
marschierte um 7 Uhr früh von Gabrovo ab und erreichte gegen 
9 Uhr die Stelle, wo von der Chaussee der Weg nach dem Dorfe 
Zeleno drvo abzweigt; hier wurde gerastet. Ungefähr um 10 Uhr 
vormittags erhielt Fürst Swjatopolk-Mirski die Meldung von 
Major Bojno-Rodzewic, dass er die türkischen Befestigungen auf 
dem Berge Vk. Bedek nach erbittertem Kampfe zwar genommen 
habe, dass aber das Halbbataillon äusserst erschöpft sei, einen 
starken Gegner vor sich habe und der Unterstützung dringend 
bedürfe. Fürst Swjatopolk-Mirski Hess infolgedessen ausser 
den bereits abgesendeten Unterstützungen unter Oberst Orlow 
auch die 4. Compagnie des Infanterie-Regiments Orel von Gabrovo 
auf den Vk. Bedek abrücken. 

Um 12 Uhr mittags setzte die Mittel-Colonne die Vorrückung- 
fort und ungefähr um 2 Uhr nachmittags näherte sie sich — nach 
einem ermüdenden Aufstiege aus dem Thale des Kozestica- 
Baches auf den Kamm des Abhangrückens — dem ersten Wach- 
hause. Um diese Zeit hörte man im Gebirge von Süden her 
schiessen und Fürst Swjatopolk-Mirski war der Meinung, diese 
Schüsse seien durch den Angriff der Truppen des Generals Gurko 
hervorgerufen worden ; dieselben rührten jedoch von dem Angriffe 
der Türken gegen die Colonne Hauptmann Klientow her. 



2 00 

Inzwischen hatten die Türken — orientiert über die Vor- 
rückung der Mittel-Colonne — derselben aus dem Lager auf 
der Passhöhe i Infanterie-Bataillon entgegengeschickt, welches 
die Schützengräben am Hange beim zweiten Wachhause (Sredne 
Bekleme") besetzte. Nunmehr wurden zuerst die 2. Schützen-, 
sodann auch die 6. und 7. Linien-Compagnie auf der Höhe 
zwischen dem ersten und zweiten Wachhause in Schwarmlinie 
aufgelöst; die 12. Linien-Compagnie bildete die Reserve hinter 
der Höhe. Auf beiden Seiten wurde das Feuer eröffnet. Da aber 
bei den Türken in kurzer Zeit noch Unterstützungen eintrafen, 
so Hess Fürst Swjatopolk-Mirski zur Verstärkung der Mittel- 
Colonne die 3. Compagnie des Regiments Orel von Gabrovo 
heranziehen, so dass zur Bedeckung des dortselbst zurück- 
gebliebenen Trains und der Artillerie überhaupt keine Truppen 
mehr verblieben. Aber auch hienach genüg'te die Stärke der nur 
aus 5 Compagnien bestehenden Mittel-Colonne nicht, um an der 
Chaussee irgendwie angriffsweise vorgehen zu können. Um 7 Uhr 
abends hörte das Feuergefecht auf. 

Die Mittel-Colonne verlor: i Officier (den verwundeten 
Fähnrich Zakrzewski) und 36 Mann. 

Nachdem Fürst Swjatopolk-Mirski um 8V2 Uhr abends 
von der linken Colonne, Hauptmann Klient ow, die Meldung er- 
halten hatte, dass sie zum Rückzuge nach Gabrovo gezwungen 
wurde, befahl er auch der Mittel-Colonne, dorthin abzurücken 
und ein gleicher Befehl wurde der rechten Colonne zugesendet. 

Die rechte Colonne, Oberstlieutenant Chomenko (4 Com- 
pag-nien und 4 Geschütze), brach um 7 Uhr früh von Gabrovo 
auf und erreichte mittags das Dorf Zeleno drvo; sie liess hier 
alle 4 Geschütze der 5. Batterie der 9. Artillerie-Brigade unter 
Bedeckung der 1 1. Compagnie in einer Position zurück und setzte 
dann ihren Marsch zum Passe von Himitli (Imitli) fort. 

Die bei Zeleno drvo aufgefahrenen Geschütze eröffneten das 
Feuer, um den Angriff der Mittel-Colonne längs der Gabrovoer 
Chaussee zu unterstützen. Infolge der weiten Entfernung (circa 

3 Werst) blieb aber das Feuer völlig wirkungslos, und wurde daher 
nach Abgabe von circa 20 Schüssen vom Batterie-Commandanten 
Oberstlieutenant Benetzki eingestellt. 

Inzwischen setzte Oberstlieutenant Chomenko mit der 
Q. und 10. Linien-, sowie der 3. Schützen-Compagnie den Marsch 
fort und erstieg, ohne auf die Türken gestossen zu sein, um 7 Uhr 



20 



abends den Karadza-Berg^ welcher circa 5 Werst westlich des 
Sipka-Passes gelegen ist. Oberstlieutenant Chomenko war 
natürlich über das^ was sich bei den übrigen Colonnen ereignet 
hatte^ in völliger UngewiSwSheit. Im Laufe des Tages hatte man 
wohl von links her Gewehr- und Geschützfeuer gehört ; wie 
dasselbe aber geendet^ war unbekannt. Nichtsdestoweniger liess 
Oberstlieutenant Chomenko am Westhange des Karadza-Berges 
zur Nächtigung" ein Bivouac beziehen; jedoch durften keine Lager- 
feuer angezündet und musste die tiefste Stille beobachtet werden^ 
um die Aufmerksamkeit der Türken nicht zu erregen. Bei An- 
bruch der Nacht waren nicht nur auf der Höhe des Sipka-Passes^ 
sondern auch am Fusse desselben im Tundza-Thale zahlreiche 
Lagerfeuer zu sehen. Da aber Oberstlieutenant Chomenko auch 
von den Operationen des Avantgarde - Corps Gurko keine 
Ahnung- hatte^ so vermuthete er, dass alle diese sichtbaren zahl- 
reichen Lag'erfeuer den Türken gehörten. 

Bei Morgengrauen des 6. [18.] Juli erhielt Oberstlieutenant 
Chomenko den bereits am Abende vorher durch einen 
Bulgaren abgesendeten Auftrag^ unverzüglich nach Gabrovo 
zurückzumarschieren. 

Die Colonne trat sogleich den Rückweg- zum Dorfe Zeleno 
drvo an. Noch früher jedoch hatten die Türken von ihrem Lager 
auf der Höhe des Sipka-Passes 3 Bataillone über den Gorski 
Kurgan und den Malys abgeschickt^ um der Colonne den Rückzug 
abzuschneiden. Beim Ersteigen des Malys-Berges sahen die Türken^ 
dass es ihnen nicht gelingen werde^ den Russen den Weg zu 
verlegen^ wenn sie in westlicher Richtung weitermarschierten; 
sie schwenkten daher nach Norden^ direct zum Dorfe Zeleno 
drvo ab. Als Oberstlieutenant Chomenko dieses Manöver er- 
kannte^ liess er^ soweit es g'ieng, den Marsch beschleunigen. Nur 
seinen Aufmunterungen war es za verdanken, dass die Compagnien 
das Dorf Zeleno drvo eine Viertelstunde früher passieren konnten, 
bevor die Türken es erreichten und besetzten. Nach bewirktem 
Abstiege vom Gebirge wurde den Truppen etwas Ruhe gegönnt; 
worauf die Colonne wohlbehalten in Gabrovo eintraf. 

Was das Detachement betrifft^ welches den Berg Vk. Bedek 
besetzt hielt, so sandte Fürst Swjatopolk-Mirski demselben 
gleichfalls den Befehl, nach Gabrovo zurückzumarschieren. Dieser 
Befehl traf auf dem Vk. Bedek am Abende des 6. [18.] Juli ein 
und am 7. [19.] Juli, ungefähr 8 Uhr früh, war das Detachement 
bereits in Gabrovo! 



Auf diese Weise endeten die Kämpfe des 5. Juli mit 
dem Rückzug'e sämmtlicher Colonnen. 

Fürst Swjatopolk-Mirski sendete hierüber am 5. [17.] Juli^ 
II Uhr abendS; an das Hauptquartier folg*ende Meldung: ^^Dem 
erhaltenen Befehle entwSprechend^ versuchte ich heute^ die Pässe zu 
besetzen. Das Corps General Gurko^ das vom Südhange erwartet 
wurde^ zeigte sich nicht. Vor den ungeheuer überlegenen Kräften 
in befestigten Positionen musste ich mich zurückziehen. Das 
Regiment Orel kämpfte heldenmüthig^ verlor aber gegen 200 Mann. 
Ich bitte um sofortige Verstärkung-." 

An diesem Tage^, dem 5. [17.] Juli^ an welchem also das 
Gabrovoer Detachement den Sipka-Pass von Norden angriff^ 
besetzte das auf der Südseite des Balkan operierende Avantgarde- 
Corps — wie im vorigen Capitel ausführlich beschrieben — die 
Stadt Kazanlik. Die Wegnahme dieses Punktes übte jedoch nicht 
jenen Einfiuss auf die den Sipka-Pass besetzt haltenden türkischen 
Truppen aus^ wie es sowohl General Gurko, als auch das Haupt- 
quartier erwartet hatten. Die Türken blieben vielmehr nach wie 
vor in ihren Positionen auf der Passhöhe. Am Abende des 
5. [17.] Juli concentrierten sich sämmtliche Theile des Avantgarde- 
Corps am Südfusse des Passes^ wobei die Cavallerie den Proviant- 
Train der Truppen Hulussi Paschas abfieng. 

Wie aus einer Meldung des Generals Gurko an den Armee- 
Obercommandanten hervorgeht; „hörte er am 5, [17.] Juli abends 
Geschützfeuer^ woraus er schloss, dass das Infanterie-Regiment 
Orel bereits gegen den Pass vorgerückt sei und versuche^ sich 
desselben zu bemächtigen". 

General Gurko vermochte demselben seine Mitwirkung nicht 
zu leihen^ da die Infanterie des Avantgarde-Corps den Südfuss 
des Passes zu einem Zeitpunkte erreichte^ wo es schon völlig 
dunkel war und auch das Schiessen bereits aufgehört hatte. 
General Gurko beschloss daher^ den Pass erst am folg-enden 
Tage^ dem 6. [18.] Juli^ morgens anzugreifen und rechnete 
hiebei darauf^ dass Fürst Swjatopolk-Mirski zur selben Zeit 
den Ang'riff wiederholen werde. An den Stab des Gabrovoer 
Detachements wurde am Abende des 5. [17.] Juli durch einen 
Bulgaren folgende Verständigung abgesendet: ,,Auf Befehl des 
Generals Gurko wird mitgetheilt; dass morgen^ den 6. [18.] Juli, 
möglichst früh, von hier aus der Infanterie-Angriff gegen die 
Höhe am Sipka-Passe unternommen werden soll; es wird ersucht, 



20[ 



durch einen Ang-riff von Gabrovo her mitzuwirken. Vor uns auf 
der Höhe stehen ungefähr 5 türkische Infanterie-Bataillone; bei 
den Türken herrscht Panik." 

Zum Angriffe auf die türkischen Stellungen am Sipka-Passe 
bestimmte General Gurko^ unter dem Obersten Klimantowic^ 
Commandanten des 13. Schützen -Bataillons^, dieses sowie das 
15. Schützen- Bataillon und die 2 Sotnien des 7. Plastun-Bataillons^). 

Der Plan für das Vorgehen bestand in folgendem: die 
2 Plastun-Sotnien unter Commando des Jesaul Bastanik hatten 
vom Dorfe Sipka direct au.f der Chaussee vorzurücken und zu 
trachten^ die Aufmerksamkeit der Türken in diese Richtung ab- 
zulenken; inzwischen sollten die beiden Schützen- Bataillone unter 
dem persönlichen Commando des Obersten Klimantowic auf 
Gebirgspfaden vordringen und die Stellung der Türken am 
Sipka-Passe von Osten her angreifen. 

Am 6. [18.] Juli früh brachen die Truppen auf. Da aber vorher 
nicht recognosciert worden war und man auch keine detaillierten 
Karten besass^ so liess sich die Umgehungs-Colonne von 2 Bul- 
garen führen^ welche sich verpflichteten^ die Colonne auf eine 
dominierende Höhe in der Flanke der türkischen Stellung zu 
bring"en. 

Die Colonne erstieg das Gebirge auf einem Pfade^ auf dem 
man nur einzeln fortkommen konnte. Nach einem fünfstündigen 
beschwerlichen Marsche gelangte sie auf die Spitze des Berges 
Zacharna glava^ wo sich tags zuvor die Colonne des Hauptmanns 
K-lientow befunden hatte. Die Spuren des am 5. [17.] Juli 
stattgehabten Kampfes waren noch zu sehen : Krnka-Patronen^ 
Hülsen und einige Soldaten-Kappen lagen herum. Von der Höhe 
konnte man auch die türkische Aufstellung' am Sipka-Passe über- 
blicken. Die nächste (noch nicht beendete) Verschanzung* befand 
sich auf dem schmalen Terrainstreifen des Sattels, der zum 
Sv. Nikola führte, circa 500 Schritt von der Lisiere des Gebüsches 
entfernt, welches den Westhang der Zacharna glava bedeckte. 



^) Laut Meldung des Generals Gurko an den Arraee-Obercommandanten 
wurden diesen Truppen keine Geschütze beigegeben, ,,da die gesamrate Gebirgs- 
Artillerie beim bulgarischen Landsturme in Hainkiöj verblieben war'. 

Thatsächlich jedoch waren die beiden bulgarischen Landsturm-Brigaden mit 
den 2 Gebirgs-Batterien und dem 26. Don-Kasaken-Regimente noch am 5. [17.] Juli, 
10 Uhr abends, in Kazanlik eingetroffen, welches vom Dorfe Sipka höchstens 10 Werst 
entfernt ist, die Meldung hierüber [an General Gurko] w^urde aber erst am 6. [18.] Juli, 
5 Uhr 30 Minuten früh, abgesendet, so dass sie bei General Gurko zu spät eintrat. 



2 04 

Die Türken hatten mit dem Bau dieser Verschanzung gleich 
begonnen^ nachdem sie die Colonne Hauptmann Klientow zurück- 
geworfen hatten. 

Um Nutzen daraus zu ziehen^ dass es ihm gelungen war^ 
unbemerkt bis in die Flanke der türkischen Stellung* zu gelangen^ 
beschloss Oberst Klimantowic, sofort zum Angriffe überzugehen. 
Hiezu sollte die Verschanzung vom 13. Schützen-Bataillon in der 
Front und vom 15. Bataillon links umfassend^ in der rechten 
Flanke angegriffen werden. Vom 13. Bataillon wurden die 
I. und 2. Compagnie, vom 15. Bataillon die 4. Compagnie in 
Schwarmlinie entwickelt. Als die Schützenketten aus dem 
Gebüsch heraustraten, wurde von der Verschanzung ein heftiges 
Feuer eröffnet und die ganze Stellung schien alarmiert. Trotzdem 
setzten die Schützen schnell ihre Bewegung fort. Da stellten 
plötzlich die Türken das Feuer ein, hissten die weisse Flagge 
und sandten Parlamentäre vor. Russischerseits wurde die Vor- 
rückung eingestellt und den Parlamentären der Major des 
13. Schützen-Bataillons Soljanko mit einem Soldaten tartarischer 
Abkunft als Dolmetsch entgegen g-eschickt. Zu ihnen gesellte 
sich auch der bei den russischen Truppen befindliche deutsche 
Militär- Attache Major von Liegnitz. Die türkischen Parlamentäre 
meldeten, dass die Besatzung der Verschanzung die Waffen 
strecken wolle, und dass nur noch bezüglich der Art der Ueb er- 
gäbe die näheren Bedingungen zu vereinbaren seien ; dann ent- 
fernten sie sich, um weitere Befehle einzuholen. Nunmehr jedoch 
erschienen plötzlich türkische Schwarmlinien, welche aus einem 
weiter rückwärts befindlichen Lager vorgesendet worden waren, 
in den Flanken der Verschanzung, und die Türken eröffneten ein 
überaus heftiges Feuer. Es war ersichtlich, dass sie die Unter- 
handlung-en nur zu dem Zwecke geführt hatten, um Zeit zu 
gewinnen. Die russischen Schützen aber stürzten vorwärts und 
bemächtigten sich der Verschanzung. 

Kurz darauf wurde das zunächst befindliche türkische Lager 
genommen, worauf die Türken alle ihre Truppen westlich der 
Chaussee auf dem Sv. Nikola-Berge concentrierten. 

Beim Angriffe auf die Verschanzung war unterdessen Oberst 
Klimantowic gefallen, und das Commando über die Truppen 
hatte Oberstlieutenant Beklemisew des 15. Schützen-Bataillons 
übernommen. Er liess den Angriff fortsetzen, und die Schützen 
drangen fast bis zur Chaussee, 300 Schritt von der türkischen 
Stellung auf dem Sv. Nikola, vor. 



205 

Die Plastun-Compagnien^ welche unterdessen von Süden vor- 
gerückt waren^ lagen circa 600 Schritt von der Stellung* entfernt. 

Weiter aber vermochten die Truppen ihre Erfolge nicht 
auszudehnen ; denn der Sv. Nikola-Berg, welchen die Türken 
besetzt hielten^ besass auf allen Seiten — nur die nördliche aus- 
genommen — steile Hänge und felsige Abstürze. Ueberdies 
waren die Türken an Kräften weit überlegen und verfügten auch 
über Artillerie. 

Nachdem sich die Schützen circa eine Stunde in der ein- 
genommenen Stellung gehalten und hiebei starke Verluste 
erlitten hatten (von den Officieren fielen: Jesaul Bastanik des 
7. Plastun-Bataillons und Stabscapitän Speljew des 15. Schützen- 
Bataillons; verwundet wurde der Unterlieutenant Cekalow des 
13. Schützen-Bataillons)^ traten sie um 7 Uhr abends den Rückzug 
an ; hiebei giengen die Plastun-Compagnien längs der Chaussee^ 
und die Schützen-Bataillone durch das Thal des Seljska-Baches 
zurück. Die Türken verfolgten nicht, sondern begnügten sich 
damit^ den Russen ein kräftiges Feuer nachzusenden. 

Die Verluste der Russen betrugen : 4 Officiere und 
150 Mann ^). 

Fürst Swjatopolk-Mirski; welcher circa 6 Uhr abends 
im Bivouac bei Gabrovo das Schiessen in der Hauptstellung- des 
Feindes auf dem Sv. Nikola hörte und vermuthete, dass dieses 
Feuer gegen das Avantgarde-Corps gerichtet sei^ konnte — wie 
er in seiner Meldung an den Armee-Obercommandanten hervorhebt 
— den General Gurko nicht unterstützen, und beschränkte sich 
darauf, durch den Stabscapitän des Generalstabes Glazow unter 
Bedeckung einer Kasaken- Abtheilung eine Recognoscierung vor- 
nehmen zu lassen. Stabscapitän Glazow ritt im Jantra-Thale 
bis zu dem Punkte vor, wo der Anstieg des Passes beginnt, und 
kehrte dann, da es dunkel geworden war und das Schiessen 
aufgehört hatte, zurück. 

Am Abende des 6. [18.] Juli traf beim Stabe des Avantg-arde- 
Corps folgende Antwort auf die obenerwähnte durch einen 



^) An diesem Tage, dem 6. [18.] Juli, hatte das Avantgarde- Corps noch einen 
Verlust zu verzeichnen, nämlich in der Person des Obersten Grafen Roniker, 
Commandanten des reitenden Pionnier-Commandos und der Ural-Kasaken-Sotnie. Als 
derselbe mit der eben bezeichneten Sotnie von Kazanlik nach Sipka ritt, feuerte eine 
circa 20 Mann starke türkische Abtheilung, welche versteckt hinter einigen Garben 
auf einem Felde lag, unvermuthet eine vSalve ab, und Graf Roniker fiel. 



2o6 

Bulg-aren expedierte Mittheilung- vom 5. [17.] Juli ein : „Die Höhen 
am Jenina-Passe östlich des Sipka und jene am Himitli-Passe^ 
westlich des Sipka waren am 5. [17.] Juli von Theilen des 
Infanterie-Regiments Orel Nr. 36 besetzt; der Commandant der 
9. Infanterie-Division hatte mit 5 Compag-nien zwischen dem 
ersten und zweiten Wachhause gegenüber dem Sipka-Passe eine 
Stellung bezogen, musste sich aber, da der Angriff des Avantgarde- 
Corps von Süden nicht fühlbar wurde, mit den 5 Compagnien 
heute früh vom Passe gerade zu dem Zeitpunkte zurückziehen, 
als das Avantgarde-Corps den Angriff beginnen sollte. Dem 
Infanterie-Regimente Orel Nr. 36 dürften im ganzen 12 türkische 
Bataillone gegenüber gestanden sein. Am Sipka stehen 
6 bis 7 Bataillone mit 9 Geschützen. Das ganze Regiment 
sammelt sich bei Gabrovo." 

Daraufhin sandte General Gurko am Abende des 6. 
[18.] Juli an das Hauptquartier einen Bericht, in welchem er die 
Befürchtung aussprach, die Türken könnten unter Benützung der 
Constantinopler Eisenbahn Truppen heranziehen und selbst zur 
Offensive übergehen; er bat daher, es möge zur Verstärkung des 
Avantgarde-Corps „noch i Infanterie-Brigade sammt 2 Batterien 
und das Dragoner-Regiment Kriegsorden Nr. 13 abgesendet 
werden". Weiter war in dem Berichte gesagt: ,,Was den Sipka- 
Pass betrifft, so wird der, Angriff in der Front, also von Norden, 
zu grosse Opfer kosten ; es ist unbedingt nöthig, dass ich den 
Frontal- Angriff mit dem Avantgarde-Corps unterstütze ; dies aber 
erfordert wieder: i. dass Tag und Stunde des Angriffes genau 
vereinbart werden und 2. dass ich stark genug sei, um — nach 
Entsendung einiger Bataillone auf den Sipka — einer Offensive 
der Türken von Stara Zagora (Eski ZagTa) her entgegentreten 
zu können." 

Nachdem der Armee-Obercommandant am 6. [18.] Juli die 
Meldung des P'ürsten Swjatopolk-Mirski über das Gefecht 
vom 5. [17.] Juli und den Rückzug nach Gabrovo erhalten hatte, 
sandte er ihm den Befehl, unbedingt am 7. [19.] Juli den Angriff 
auf den vSipka-Pass zu wiederholen. Die Hartnäckigkeit und 
Energie des Generals Gurko kennend, war man im Hauptquartier 
davon ganz überzeugt, dass er vor einem neuerlichen Angriffe 
auf den Pass nicht zurückschrecken werde. Zur Unterstützung 
der Truppen in Gabrovo wurde das Infanterie-Regiment Minsk 
Xr. 54 sammt der 4. Batterie der 9. Artillerie-Brigade dahin 



207 

abgesendet^). Gleichzeitig wurde General Skobelew II dem 
Fürsten Swjatopolk-Mirski zu Verfügung gestellt. 

Sofort nach Erhalt dieses Befehles (spät abends am 6. 
[i8.] Juli) ordnete Fürst Swjatopolk-Mirski an^ dass das 
Regiment Orel Nr. 36 mit 2 Geschützen der 5. Batterie der 
9. Artillerie-Brigade und i Sotnie des Don-Kasaken-Regiments 
Nr. 30 am 7. [19.] Juli bei Morgengrauen neuerdings zum Angriffe 
auf den Sipka-Pass abzurücken habe. 

Inzwischen hatte Hulussi Pascha^ in der Einsicht^ dass es für 
ihn infolge Mangels an Verpfiegsmitteln ausgeschlossen sei^ den 
Pass auf die Dauer zu halten, den Entschluss gefasst^ sich zurück- 
zuzieheU; solange ihm noch nicht alle Wege abgeschnitten 
waren ^). Bei Tagesanbruch des 7. [19.] Juli sandte er^ um seine 
Absicht zu verbergen und um eine Verfolgung seitens der Russen 
zu vermeiden, an General Gurko einen Parlamentär^, quasi als 
wolle er mit demselben in Unterhandlungen bezüglich der Capitula- 
tions-Bedingungen treten. Unterdessen Hess er seine Truppen 
die Stellungen räumen und^ in Partien aufgelöst^ auf Gebirgs- 
pfaden in westlicher Richtung abrücken. Nach bewirktem Ab- 
stiege vom Gebirge bei Karlovo und Umgebung sammelte er die 
ganze Gruppe am 11. [23.] Juli wieder bei Philippopel^ 100 Werst 
südwestlich des Sipka-Passes. 

Frühmorgens am 7. [19.] Juli erschien der türkische Parla- 
mentär bei General Gurko und überbrachte ihm ein Schreiben 
des PaschaS;, worin derselbe seine Bereitwilligkeit aussprach, die 
Waffen zu strecken. Infolgedessen wurden sofort die Capi- 
tulations-Be dingungen niedergeschrieben, laut welchen die Ent- 
waffnung der türkischen Truppen um circa 12 Uhr mittags 
beginnen sollte. Nachdem sich der Parlamentär entfernt hatte, 
Hess General Gurko auf das Gefechtsfeld vom 6. [18.] Juli ein 
Sanitäts-Commando zur Bergung der Todten und Verwundeten 
absenden. 



^) Die Truppen verliessen Trnovo um 5 Uhr nachmittags des 6. [18.] Juli und 
kamen in Gabrovo erst am 7. [19,] Juli, 8 Uhr abends an, als das Gefecht am Sipka 
schon längst vorbei war. Nach 3 Tagen, am lo. [22.] Juli, marschierte das Regiment 
mit der Batterie nach Trnovo zurück, wo es am li. [23.] eintraf. 

-) Der Stabschef des Avantgarde-Corps, Oberst Naglowski, sagt: „Zog man 
den Mangel an Verpflegsraitteln auf der Passhöhe und die Unmöglichkeit, dieselben 
von irgendwoher zu beschaffen, in Betracht, so war es schon am 5. [17.] Juli klar, 
dass der Pass in 2 bis 3 Tagen von selbst fallen musste." (,, Operationen des Avant- 
garde-Corps". Wojenny Sbornik, 1900.) 



208 

Mittlerweile hatte um 4 Uhr früh des 7. [19.] Juli das Gabrovoer 
Detachement von neuem die Vorrückung- gegen den Sipka-Pass 
beg"onnen. 

Als die voraus marschierende Vorhut (2. und 3. Schützen- 
und 9. Linien- Compagnie) zur Stellung beim zweiten Wachhause 
gelangte^ welche die Türken noch am Vortage besetzt gehalten 
hatten^ erwies sich dieselbe als g'eräumt. Um diese Zeit traf 
GM. Skobelew II bei der Vorhut ein und übernahm mit dem 
Commando die weitere Führung derselben. x\lle Schützengräben^ 
an denen man vorbei kam^ waren unbesetzt; in den aufgeführten 
Batterien fand man 9 verlassene Geschütze und in den Lagern 
verwundete Türken^ Zelte^ Kleidungsstücke^ Schuhwerk, volle 
Patronenverschläge etc.; auch lagen überall unbeerdigte Leichen 
herum. 

Die befestigten Stellungen successive besetzend^ erstieg die 
Vorhut um 3 Uhr nachmittags den höchsten Punkt des Passes, 
die Sv. Nikola- Spitze. Von hier aus waren am Südfusse des 
GebirgeS; beim Dorfe Sipka^ 2 Lager zu sehen ; aber man wusste 
nicht; ob es russische oder türkische Truppen seien. Erst das um 
diese Zeit hier eintreffende Sanitäts-Commando des Avantgarde- 
Corps klärte die Frage auf^ und General Skobelew schickte 
sogleich den Stabsrittmeister Tzurikow an General Gurko mit 
der Meldung; dass der Sipka-Pass vom Gabrovoer Detachement 
besetzt worden sei. 

Nach Erhalt dieser Meldung ritt General Gurko sofort mit 
seinem Stabe auf die Passhöhe ^); wo er von General Skobelew 
empfangen wurde. General Gurko besichtigte die türkischen 
Stellungen und ^/fand sie ausserordentlich stark und auf allen Seiten 
fast unzugänglich". 

In seinem Berichte an den Armee-Obercommandanten schrieb 
er : ^^Mit voller Berechtig'ung kann behauptet werden, dass es 
äusserst schwierig gewesen wäre, diese Stellung zu nehmen, und 
dass ihre Eroberung jedenfalls ungeheure Opfer gekostet hätte, 
wenn die Türken nicht demoralisiert gewesen wären, und wenn sie 
über hinreichende Verpflegs-Vorräthe verfügt hätten." 

Um 8 Uhr abends traf die Hauptkraft des Gabrovoer De- 
tachements am Passe ein, worauf dortselbst 9 Compagnien des 
Infanterie-Regiments Orel Nr. 36, (die 3., 6., 7., 9., 10., 11. und 



1) Für die Einnahme von Kazanlik und des Sipka-Passes erhielt General Gurko 
den Georgs-Orden III. Classe. 



209 

12. Linien-; sowie die 2. und 3. Schützen-Compagnie); 2 Geschütze 
der 5. Batterie der 9. Artillerie-Brigade und die i. Sotnie des 
Don-Kasaken-Regiments Nr. 30 versammelt waren. 

General Gurko kehrte nunmehr in das Dorf Sipka zurück 
und erliess die nöthigen Dispositionen zur Concentrierung des 
gesammten Avantgarde- Corps bei Kazanlik, woselbst er seinen 
durch forcierte Märsche u.nd durch eine Reihe von Kämpfen er- 
schöpften Truppen bis zum 12. [24.] Juli volle Ruhe gönnen wollte. 

Somit hatte das Avantgarde-Corps für den Vormarsch der 
Armee in das Transbalkan-Gebiet 2 Pässe, jenen von Hainkiöj 
[Kolupci] und den Sipka-Pass erschlossen und auf diese Weise 
die ihm übertragene Aufgabe vollständig gelöst. 



Der russisch-türkische Krieg. II. Bd. I4 



X. CAPITEL. 

Operationen gegen das Festungs-Viereck vom 
27. Juni bis 8. Juli [9. bis 20. Juli]. 

Aufgabe der Ruscuker Armee-Gruppe. — Beiderseitige Kräftevertheilung am 29. Juni. 
[11. Juli] — Scharmützel bei Cajirkiöj (Cajir). — Gefecht bei Hajdarkiöj (Hajdar). — 
Vorschieben der Ruscuker Armee-Gruppe an den Kara (Cerni) Lom. — Ereignisse an 
der Chaussee nach Osman Pazar. — Situation der Giurgevo-Oltenitaer Gruppe. .— 
Operationen des ,, Untere Donau-Corps". 

(Hiezu Karten-Beilagen 15, 16 und 17.) 

Im VII. Capitel wurde bereits dargelegt^ dass die erste der 
Ruscuker Armee-Gruppe übertragene Aufgabe darin bestand^ 
,, gegen Ruscuk [Russe] vorzurücken^ die Festung zu belagern 
und womöglich zu nehmen". 

Aber schon am 27. Juni [9. Juli] erhielt der Grossfürst- 
Thronfolger als Commandant der genannten Gruppe vom Armee- 
Stabschef ein Schreiben des Inhaltes: _,;die Armee-Gruppe habe 
nicht gegen Ruscuk zu marschieren, sondern die Festung nur 
von weitem zu beobachten^ und am J antra- Flusse eine der- 
artige Stellung zu beziehen^ dass sie im Pralle des Vorbrechens 
feindlicher Truppen aus Ruscuk dieselben im freien Felde an- 
greifen, wenn aber bedeutend überlegene Kräfte vordringen sollten, 
ihnen in einer befestigten Stellung entgegentreten könne." 

Auf Grund dieses Auftrages befahl der Grossfürst-Thron- 
folger den bis zum Jantra-Flusse vorgedrungenen Infanterie-Regi- 
mentern, dortselbst zu halten, den übrigen Regimentern aber, den 
Marsch bis zum Flusse fortzusetzen. Die Cavallerie, welche sich 
schon am rechten Ufer der Jantra befand, erhielt den Auftrag, 
in der Richtung auf Ruscuk und Razgrad weiter vorzurücken. 



21 I 



Im Sinne dieser Verfügungen war die Ruscuker Armee- 
Gruppe am 29. Juni [11. Juli] folgend vertheilt : 

Infanterie des XII. Armee- Corps : i. Brigade der 12. In- 
fanterie-Division an der unteren Jantra von Krivina bis Belcov 
(Bjelcov) ; 2. Brig-ade im Reserve-Verhältnisse bei Piperkovo ; 
33. Infanterie-Division beim Städtchen Bela (Bjala) ; das Infanterie- 
Regiment Cherson Nr. 130 (von der 33. Division) war als Avant- 
garde bis Obreten (Obrjetenik) vorgeschoben. 

Infanterie des XIII. Armee -Corps : i. Brigade der 35. In- 
fanterie-Division bei Polsko Kosovo (Kosovo Polje) am Jantra- 
FlussC; südlich Bela; 2. Brigade bei Bela; i. Infanterie-Division 
im Reserve-Verhältnisse bei Pavel. 

Cavallerie: 12. Cavallerie-Division gegen Ruscuk vor- 
geschoben^ in der Linie Mecka^ Tröstenik (Trastenik), Sirokovo^ 
Gorsko-Albanovo (Ablanovo) ; 3 Regimenter der 8. Cavallerie- 
Division ^) gegen Razgrad vorgeschoben^ in der Linie G. Albanovo^ 
Indzekiöj (Halvadzi-Endzekiöj), Osikovo und Cajirkiöj (Cajir). 

Wie nunmehr (aus den Tabellen des Obersten Artamanow) 
bekannt ist^ waren die türkischen Truppen an der West-Front 
des Festungs-Vierecks am 29. Juni [11. Juli] folgend gruppiert: in 
Ruscuk und Umgebung 33 Bataillone^ 6 Escadronen und 
II Batterien^ im ganzen 23.150 Mann; in Sumla und Umgebung 
30 Bataillone^ 14 Escadronen und 11 Batterien, im ganzen 
22.000 Mann; bei Razgrad 12 Bataillone, 4 Escadronen und 
2 Batterien, im ganzen 8400 Mann; bei Osman Pazar (Osman- 
bazar) 12 Bataillone, 6 Escadronen und 2 Batterien, im g'anzen 
8600 Mann. 

Innerhalb des P'estungs-Vierecks befanden sich, nach den 
Meldung'en des Obercommandanten Abdul Kerim Pascha, effectiv 
g-egen 75.000 Mann, wovon aber für Operationen im freien Felde 
höchstens 30.000 Mann verwendet werden konnten. 

Der türkische Kriegsminister Redif Pascha, welcher nach 
Sumla entsendet wurde, um Mittel ausfindig zu machen, die ge- 
eignet wären, die Russen an der Ueberschreitung des Balkan 
zu verhindern, schrieb unter anderem nach Constantinopel : „Wohin 
man schauen mag, überall fehlt es an Truppen, und alles schreit 
über deren Mangel. Aber woher soll man sie nehmen und womit 
soll man zur Offensive übergehen? Wenn auch in vSumla 22 Batail- 



^) Das Dragoner-Regiment Astrachan Nr. 8 befand sich beim Avantgarde-Corps 



2 I 2 

lone stehen, so zweifeln wir, ob es ihnen g-elingt, die ausgedehnten 
hiesig'en Festung'swerke zu halten, falls der Feind, aus derDobrudza 
kommend, zwischen Varna und Sumla vorrückt." 

Bei der Vorrückung der 12. Cavallerie- Division in der 
RichtuQg gegen Ruscuk bis zur Linie Mecka — Gorsko-Albanovo 
stiessen die Truppen nur auf schwächere türkische Cavallerie-Ab- 
theilung^en, die sich in östlicher Richtung zurückzogen. An der 
Ruscuker Chaussee bei Gür Cesme wurde ein kleineres und näher 
am Kara (Cerni) Lom ein grösseres türkisches Lager wahr- 
g'enommen. 

Die in der Richtung g-egen Razgrad bis zur Linie Gorsko- 
Albanovo — Cajirkiöj (Cajir) vorgeschobene 8. Cavallerie-Division 
stiess bloss auf grössere Trupps bewaffneter mohammedanischer 
Einwohner, die mit ihren Familien und ihrer Habe das Land eiligst 
verlassen wollten. Obwohl die russische Cavallerie das Fortkommen 
dieser Leute nicht hinderte, eröffneten die Türken beim Erscheinen 
russischer Truppen gewöhnlich das Feuer, woraus sich dann 
Zusammenstösse ergaben. 

Unter ähnlichen Umständen wurde am 29. Juni [11. Juli] 
früh bei Cajirkiöj eine von diesen Wagen-Colonnen, welche unter 
Bedeckung von ungefähr i V2 tausend bewaffneter Einwohner dahin- 
zog, von dem Uhlanen-Regimente Woznjesensk Nr. 8 angegriffen. 
Die mit heftigem Gewehrfeuer empfangenen Uhlanen mussten 
wegen des äusserst coupierten Terrains zurückg-ehen. Darauf sandte 
ihnen der Commandant der 8. Cavallerie-Division aus dem Dorfe 
Koprivec zu Hilfe: 2 Escadronen (i. und 4.) des Husaren-Regi- 
ments Lubny Nr. 8, i halbe Sotnie des Don-Kasaken-Regiments 
Nr. 8 und 2 Geschütze der 9 Don-Batterie, unter Befehl des 
GM. Leonow (Commandanten der i. Brigade). Diese Abtheilungen 
legten im Trab 16 Werst in 1V2 Stunden zurück, und trafen um 
5 Uhr nachmittags am Kampfplatze ein. Kaum hatten die Ge- 
schütze das Feuer eröffnet, als die Türken in den nahen Wald 
flüchteten. 

Bei diesem Scharmützel wurde Stabsrittmeister Li twinow des 
8. Uhlanen-Regiments getödtet und Oberst Usakow desselben 
Regiments verwundet ; der Mannschaftsverlust betrug 24 Mann. 

Der Kampf war bereits zu Ende, als gegen Cajirkiöj 
2 Bataillone (i. und 3.) des Infanterie-Regiments Tiraspol Nr. 131 
unter dem Befehle des Regiments -Commandanten Obersten 
Wlasenko heranrückten. Diese Bataillone waren am selben 



213 

Tage aus dem Bivouac bei Bela als mobile Colonne abgesandt 
worden^ um die Gegend südlich des Dorfes Jerdovanli (lo Werst 
südlich Bela) am rechten Jantra-Ufer von den Banden bewaffneter 
Einwohner zu säubern. Bei Jerdovanli erhielt Oberst Wlasenko 
von GM. Leonow den Befehl^ zur Unterstützung der Cavallerie 
gegen Cajirkiöj zu marschieren. Die Tiraspoler kamen jedoch^ wie 
erwähnt^ erst nach Beendigung des Kampfes dort an. Am 
folgenden Tage verfolgte Oberst Wlasenko die Türken^ worauf 
er am i. [13.] Juli mit seiner mobilen Colonne nach Bela zurück- 
kehrte. 

Türkischerseits wurde die Verschiebung der russischen 
Cavallerie als Anzeichen einer allgemeinen Vorrückung der 
Russen in das Innere des Festungs- Vierecks aufgefasst. Um nun 
die Absichten der Russen klarzustellen^ entsandten die Türken 
aus Razgrad 2 Detachements. Das eine^ in der Stärke von 
2 Bataillonen und i Escadron (im ganzen 1400 Mann), drängte 
am I. [13.] Juli die vorgeschobenen Posten des Husaren-Regiments 
Achtyrka Nr. 12 zurück und besetzte den Ort Kacelevo. Das 
zweite, i Bataillon stark, drängte ebenfalls die Posten des 8. Don- 
Kasaken-Regiments zurück und besetzte den Ort Senankiöj (Sinan !. 
Zur Unterstützung der Cavallerie Hess der Armee-Gruppen - 
Commandant von der 33. Infanterie-Division i Regiment mit 
I Batterie vorschieben; und zwar besetzte am 3. [15.] Juli das 
Infanterie-Regiment Bessarabien Nr. 129 sammt der 4. Batterie 
der 33. Artillerie-Brigade den Ort Besbunar (circa 5 Werst östlich 
von Bela). 

Zur selben Zeit, als die Türken aus Razgrad diese scharfe 
Recognoscierung ausführten, zogen sich die bei Ruscuk be- 
findlichen türkischen Truppen hinter den Kara Lom zurück und 
sammelten sich hauptsächlich bei Kadikiöj (Ströklevo). 

Infolge verschiedener Gerüchte und Nachrichten über eine 
stattfindende Verschiebung türkischer Truppen von Ruscuk nach 
Razgrad und weiter gegen Sumla beschloss der Commandant 
der Ruscuker Armee-Gruppe, eine Streifung ausführen zu lassen, 
wobei die Cavallerie bis zur Eisenbahnlinie Ruscuk- Varna vor- 
dringen und selbe zerstören, die Infanterie aber bis zum Kara 
Lom vorgehen sollte. Hiezu war beabsichtigt, i Infanterie-Brigade 
mit Artillerie und 3 Cavallerie-Regimenter zu bestimmen, welche 
sich am 4. [16.] Juli versammeln und am 5. [17.] Juli bei Tages- 
anbruch den Marsch antreten sollten. Inzwischen hatte sich in 



214 

der Xacht vom 3. zum 4. [15. zum 16.] Juli in Svistov das Gerücht 
verbreitet; dass die Türken von Nikopol heranrückten. Dadurch 
entstand in Svistov g"rosse Aufreg-ung^ und die bulgarische 
Bevölkerung- wurde von einer förmlichen Panik ergriffen. Aus dem 
kaiserlichen Hauptquartier, welches sich damals in Carevec 
(3 Werst südlich Svistov) befand^ ergieng an die Ruscuker 
Armee-Gruppe der Befehl^ alle verfügbaren Truppen aus dem 
Orte Pavel gegen Svistov abzusenden. Obgleich dieser Befehl 
bald widerrufen wurde^ da das vorerwähnte Gerücht sich als 
falsch erwiesen hatte^ so beschloss doch der Commandant der 
Ruscuker Armee-Gruppe, auf die Ausführung der beabsichtigten 
Streifung gegen Razgrad zu verzichten. 

Am Morgen des 4. [16.] Juli wurde das kaiserliche Haupt- 
quartier in den Cantonierungs- Bereich der Ruscuker Armee- 
Gruppe, und zwar von Carevec nach Pavel und am 7. [19.] Juli 
von da nach Bela verlegt. 

Am 4. [16.] Juli erhielt GM. Leonow, Commandant der 
I.Brigade der 8. Cavallerie-Division, den Auftrag, die Streifung 
gegen Razgrad auszuführen. 

GM. Leonow marschierte von Cerkovna (Lom Cerkovna) 
mit dem 8. Uhlanen-Regimente Woznjesensk, 3 Escadronen 
(i., 3. und 4.) des 8. Husaren-Regiments Lubn)^' und der 
15. reitenden Batterie in der befohlenen Richtung ab. Bei 
Kovacovec (Kovacica) liess er das Uhlanen-Regiment mit 
4 Geschützen in einer Stellung zurück und marschierte selbst 
mit 3 Husaren-Escadronen und 2 Geschützen weiter gegen 
Pop ovo (Popkiöj). Bei diesem Orte stiess er auf vorgeschobene 
Abtheilungen türkischer Cavallerie, welche alsbald durch das 
Feuer der russischen Geschütze zum Rückzuge genöthigt wurden. 
GM. Leonow marschierte hierauf nach Kovacovec zurück. 

Am nächsten Tage nahm die Streif-Colonne um i Uhr nach- 
mittags die Vorrückung wieder auf. Zur Sicherung im Rücken 
wurden i V2 Escadronen (4. Husaren, V2 2. Uhlanen) bei Kovacovec 
zurückgelassen. Als Seitenhuten wurden entsendet : rechts 
I Husaren-Escadron (3.) über Baldzi Omur (Baldzik-umur) nach 
Ajazlar; links die V2 2. Escadron Uhlanen über Palamarca nach 
Gagovo. GM. Leonow selbst rückte mit dem Gros, bestehend aus 
4 Escadronen und 6 Geschützen (i., 3., 4. Uhlanen-Escadron, 
I. Husaren-Escadron, 15. reitende Batterie), gegen Popovo vor. 
Hier bezog die Haupttruppe eine Stellung nördlich des Ortes 
und der Commandant entsandte 2 Escadronen (i. Husaren und 



215 

4. Uhlanen) unter Betehl des Obersten Baron Kaulbars, Stabschefs 
der 8. Cavallerie-Division, zur Recognoscierung des Kara Lom- 
Thales. 

Als sich diese Abtheilungen dem Orte Hajdarkiöj (Hajdar) 
näherten, brachen aus dem Dorfe einige hundert Tscherkessen- 
Reiter hervor. Ein Theil blieb geschlossen, der Rest schwärmte aus 
und eröffnete zu Pferde das Feuer. Oberst Baron Kaulbars Hess 
die Escadronen aufmarschieren: Husaren vorne, Uhlanen im 
Staffel links rückwärts. Die Tscherkessen warteten die Attaque 
nicht ab, sondern zogen sich schleunigst theils durch den Ort, 
theils um denselben zurück. Bei der Verfolgung kamen die 
Husaren bis zum Dorfe und drangen sogar in dasselbe ein ; sie 
stiessen aber hier unvermuthet auf türkische Infanterie. Zu gleicher 
Zeit eröffneten 2 türkische Gebirgs-Geschütze, die auf einer Höhe 
am rechten Ufer des Kara Lom postiert waren, das Feuer gegen die 
Flanke der Husaren. Unter diesen Umständen mussten die Husaren 
und die ihnen folgenden Uhlanen umkehren und hinter den süd- 
westlich des Ortes gelegenen Friedhof zurückgehen. Die Tscher- 
kessen, welche sich unterdessen wieder gesammelt hatten, giengen 
noch zweimal zum Angriffe vor, wurden aber zurückgeworfen. 

Mittlerweile hatte GM. L e o n o w zur Unterstützung des 
Obersten Baron Kaulbars 2 Escadronen Uhlanen (i. und 3.) mit 
der 15. reitenden Batterie, unter Befehl des Commandanten des 
8. Husaren - Regiments Oberst Borozdin vorgesendet. Die 
reitende Batterie vertrieb mit einigen Schüssen die Tscherkessen 
und die die Ortslisiere besetzt haltende Infanterie ; hierauf richtete 
sie ihr Feuer auf die 2 am rechten Fluss-Ufer postierten Geschütze, 
sowie auf die aus Infanterie und Cavallerie bestehende Bedeckung 
derselben. Bald war eines der beiden Geschütze demontiert, 
worauf die Türken den Rückzug auf dem Wege gegen Razgrad 
antraten. Die anbrechende Dunkelheit machte dem Kampfe ein 
Ende. Die Colonne GM. Leonow marschierte nach Kovacovec und 
am folgenden Tage nach Cerkovna zurück. 

Die Zahl der Türken bei Hajdarkiöj wurde auf 2000 Mann 
geschätzt, wovon jedoch nicht mehr als 500 bis 600 Mann an dem 
Kampfe theilgenommen hatten. 

In diesem Gefechte wurden verwundet: Major Brant, die 
Lieutenante Kornitzki I und II, Rittmeiser Baron Tisenhausen 
und Lieutenant Baron Medem ; von der Mannschaft waren 18 Mann 
todt und verwundet. Der gesammte Verlust betraf allein die 
Husaren. 



2l6 

Am selben Tage^ dem 5. [17.] Juli^ erhielt der Commandant 
der Ruscuker Armee-Gruppe vom Armee-Obercommandanten den 
jVuftrag*: die Hauptkraft der Armee-Gruppe bis zum Kara Lom, 
zwischen der Donau (linker Flügel) und dem Orte Kacelevo 
(rechter Flüg*el) vorzuschieben^ die Avantgarde und die Cavallerie 
aber auf das rechte Ufer des Kara Lom zu senden. ^^In dieser 
Situation" — hiess es in dem bezüglichen Befehlschreiben — 
,^wird die Eurer kaiserlichen Hoheit anvertraute Armee-Gruppe die 
Ruscuker Besatzung" besser überwachen und deren Verschiebungen^ 
sowie das Eintreffen von Verstärkungen leichter verfolgen können ; 
es wird ihr auch möglich sein^ die Vorrückung der türkischen 
Armee aus Sumla rascher wahrzunehmen, im Falle dieselbe sich 
gegen Eure kaiserliche Hoheit oder gegen Trnovo wenden sollte; 
schliesslich wird die Armee-Gruppe bereit sein, die Einschliessung 
oder die Belagerung Ruscuks rasch auszuführen, beziehungsweise 
zu beginnen, wenn es die Umstände erfordern sollten." Weiters 
enthielt das Schreiben die Mittheilung, dass das XL Armee-Corps 
östlich von Trnovo Stellung nehme, um einerseits der türkischen 
Armee im Falle ihrer Vorrückung über Osman Pazar auf Trnovo 
entgegenzutreten, anderseits um die Ruscuker Armee-Gruppe zu 
unterstützen, falls sich die Hauptkraft der Türken gegen dieselbe 
wenden sollte. 

Im Sinne dieses Auftrages traf der Grossfürst-Thronfolger 
sofort die nöthigen Anordnungen zur Vorrückung für den nächsten 
Tag, den 6. [18.] Juli, wobei zum Commandanten der gesammten 
zur Armee-Gruppe gehörigen Cavallerie General-Adjutant Graf 
Worontzow-Daskow bestimmt wurde. 

Die Avantgarde der Armee-Gruppe wurde unter Befehl 
des Commandanten der 12. Cavallerie -Division GL. Baron 
Driesen gebildet aus: der i. Brigade der 33. Infanterie-Division, 
der I. Brigade der 12. Cavallerie-Division, der i. und 2. Batterie 
der 33. Artillerie-Brigade, der 19. reitenden und der 5. Don- 
Batterie ; im ganzen 6 Bataillone, 8 Escadronen, 1 6 Fuss- und 
12 reitende Geschütze. Die Avantgarde marschierte auf der 
Ruscuker Chausssee gegen Gür Cesme und schob Cavallerie- 
Abtheilungen bis zur Linie von Pirgoz an der Donau zum 
Orte Ivanovo (Ivanovo Ciflik) am Kara Lom vor. Die übrige 
Cavallerie der Armee-Gruppe, unter Commando des Grafen 
Worontzow-Daskow, besetzte die Linie von Ivanovo den 
Kara Lom aufwärts bis zum Orte Olana (Opaka) und weiter bis 
Palamarca. 



217 

Am folgenden Tage^ dem 7. [19.] Juli^ blieb die Avantgarde in 
Gür Cesme und die unter dem unmittelbaren Commando des 
Grafen Worontzow-Daskow stehende Cavallerie bezog eine 
Beobachtungslinie^ welche von dem Zusammenflusse des Kara 
Lom und des Ak (Bell) Lom über Nisovo^ Svalenik^ KovStandenec 
und von da mit zurückg'enommenem rechten Flügel über Olana 
bis Palamarca reichte. 

Die Hauptkraft der Armee-Gruppe rückte in die Linie Mecka^ 
Tröstenik^ Dve Mogili^ Pepelina (Popelina), Sirokovo, Kacelevo, 
Kar an Vrbovka vor. 

An diesem Tage wurde auch eine forcierte Recogno- 
scierung des Kara Lom zwischen Krasen und Ivanovo zu dem 
Zwecke unternommen, die Stärke der Türken bei Kadikiöj 
(Ströklevo) festzustellen. Hiezu wurden unter Commando des General- 
stabs-Obersten Lewitzki (zur Disposition des Commandanten 
der Armee-Gruppe) bestimmt: 3 Compagnien des Infanterie- 
Regiments Cherson Nr. 130 und die 2. Escadron des Dragoner- 
Regiments Starodubow Nr. 12. Bei Ivanovo wurde dieses 
Detachement von türkischer Infanterie in der Stärke von beiläufig 
2 Compagnien und von ungefähr 1000 Tscherkessen angegriffen; 
gleichzeitig erschienen auf den Höhen des rechten Kara Lom- 
Ufers 2 türkische Geschütze. Oberst Lewitzki befahl den Rück- 
zug gegen die Avantgarde. Die berittenen Tscherkessen verfolgten 
das Detachement 2 Werst weit und erst das Eintreffen von 
Verstärkuugen aus der Avantgarde zwang sie, hinter den Kara 
Lom zurückzug'ehen. Bei diesem Gefechte verloren die Russen 
28 Mann an Todten und Verwundeten. 

Unter dem Eindrucke dieses Kampfes befürchtete der 
Commandant der Armee-Gruppe, dass die Türken die Linie der 
Cavallerie-Vorposten zurückdrängen könnten, und schob aas diesem 
Grunde am 8. [20.] Juli früh die 2. Brigade der 33. Infanterie- 
Division nach Kosov am Kara Lom vor. Die Türken dachten 
jedoch nicht nur an keine Offensiv-Unternehmung, sondern sie zogen 
sich sogar beim Erscheinen der russischen Infanterie- Vortruppen 
am Kara Lom von Kadikiöj nach Ruscuk zurück. 

Südlich der Ruscuker Armee-Gruppe wurden seitens des 
Armee-Obercommandanten zur Sicherung in der Richtung gegen 
Osman Pazar der grössere Theil des XL Armee -Corps und die 
13. Cavallerie-Division an der Chaussee Trnovo — Osman Pazar 



2 I 8 

vorg'eschoben. Die 13. Cavallerie-Division nahm am Abende des 

5. [17.] Juli folgende Situation an: das Husaren-Regiment Narwa 
Xr. 13 und das Don-Kasaken-Regiment Nr. 13 mit je 4 Geschützen 
der 20. reitenden und der 6. Don-Batterie in Dzjuljunci (20 Werst 
östlich von Trnovo) ; das Uhlanen-Regiment Wladimir Nr. 13 
mit 2 Geschützen bei Cajirkiöj (20 Werst nördlich von Dzjuljunci)^ 
und das Dragoner-Regiment Kriegs-Orden Nr. 13, ebenfalls mit 
2 Geschützen bei Elena und Bebrovo (20 Werst südlich Dzul- 
junci). 

Der Commandant dieser Division GM. Rahden führte am 
7. [19.] Juli mit 4 Kasaken-Sotnien^ i Husaren -Escadron, 4 Ge- 
schützen (der 6. Don-Batterie) und i Infanterie-Compagnie (8. Com- 
pagnie des 56. Regiments Zytomir) eine Recognoscierung gegen 
Osman Pazar aus. Auf etwa 9 Werst vor dieser Stadt sah man 
4 türkische Infanterie-Bataillone nebst irregulärer Reiterei. Die 
Recognoscierungs-Colonne trat den Rückzug an^ wobei ihr die 
Tscherkessen bis zum Orte Kesarevo folgten. Ein Mann wurde 
bei dieser Gelegenheit verwundet. 

Am 8. [20.] Juli abends waren die Truppen des XI. Armee- 
Corps folgend gruppiert : 11. Infanterie-Division in Dzuljunci und 
Kesarevo; i. Brigade der 32. Infanterie-Division in Radanovo und 
Odalar [Odaite] (25 Werst nördlich von Trnovo); i. Brigade der 
ri. Cavallerie-Division in. Gorski Dl. Trembes (Trembes Dolni), 
Lefedzi und Susica (alle drei Orte nördlich von Dzuljunci). 

Während sich diese Vorg-änge im Westen des Festungs- 
Vierecks abspielten, wurde das letztere von Norden her durch 
die am linken Donau-Ufer zurückgelassene Giurgevo-Oltenitaer- 
Gruppe des GL. Aller beobachtet. Zu dieser Gruppe^ welche 
— wie bereits erwähnt — dem Grossfürst-Thronfolger unterstellt 
war, gehörten: die 2, Brigade der 32. Infanterie-Division mit 
2 Batterien^ die 2. Brigade der 11. Cavallerie-Division und das 
Don-Kasaken-Regiment Nr. 31. Am 8. [20.] Juli waren diese 
Truppen folgend vertheilt: bei Giurgevo (Giurg'iu) gegenüber 
Ruscuk das Infanterie-Regiment Starooskolsk Nr. 128, i Bataillon 
des Infanterie-Regiments Putiwl Nr. 127, die 2. Batterie der ^ 
32. Artillerie-Brigade und die 2. Brigade der 11. Cavallerie- 
Division; bei Oltenita gegenüber Tutrakan (Turtukai) 2 Bataillone 
des Infanterie-Regiments Nr. 127, die 5. Batterie der 32. Artillerie- 
Brigade und 5 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments Nr. 31 (die 

6. wSotnie hatte die Telegraphenlinie nach Slatina zu schützen). 



219 

Diesen Truppen gegenüber standen auf türkischer Seite 
— wie schon früher ang'eführt wurde — in Ruscuk 33 Bataillone, 
öEscadronen und 1 1 Batterien, das ist 23.150 Mann und in Tutrakan 
8 Bataillone und 2 Batterien, das ist 5400 Mann. 

Während der ganzen in Rede stehenden Zeitperiode hatten 
die Türken keinen Versuch gemacht, auf das linke Donau-Ufer 
überzugehen; sie beschränkten sich auf zeitweiligen Wechsel 
einiger Schüsse mit den gegenüberliegenden russischen Batterien. 

Dieses passive Verhalten der Truppen im Festungs-Viereck 
erregte den Unwillen des Sultans. Eine vom 4. [16.] Juli datierte 
Depesche aus Constantinopel an den Obercommandanten der 
Donau-Armee enthielt unter anderem Folgendes: 

„Fragt man Sie, warum Sie keine Truppen aus vSumla ent- 
sendet haben, so werden Sie antworten, der Feind würde den 
Balkan aufgeben und Sumla belagern. Er ist aber doch schon bis 
Jeni Zagra (Nova Zag'ora) vorgedrungen und hat Kazanlik nieder- 
gebrannt [?]. Solange die Armee, in Festungen eingeschlossen, 
sich auf die Defensive beschränkt oder zerstreut bleibt und an 
wichtigen Punkten keine mobilen und hinreichend starken Gruppen 
verfügbar sind, wird der Feind alle Festungen umgehen und sich 
direct gegen Adrianopel und Constantinopel wenden." 

Auf der West-Seite wurde das Festungs-Viereck durch das 
„Untere Donau-Corps" des GL. Zimmermann beobachtet, 
welcher — wie aus dem V. Capitel ersichtlich — vom Armee- 
Obercommandanten den Auftrag erhalten hatte, sich der Dobrudza 
bis zur Linie Cernavoda-Küstendze (Constanta) zu bemächtig-en. 

Am 27. Juni [9. Juli] stand die Hauptkraft dieses Corps ver- 
theilt in der Linie Cadi Cäsla (Kadi Kisla), Muslu (Muslui), 
Dulgheru (Delg'er) und Cartal, mit der vorgeschobenen Cavallerie 
in der Linie Jussi-Bei (Muslu-Bei), Serin Chioi (Siriu), Cuciuc- 
Chioi. Hiebei waren die Truppen in zwei Gruppen massiert: die 
rechte Gruppe, bestehend aus 3 Regimentern der 18. Infanterie- 
Division mit 4 Batterien und den Don-Kasaken- Regimentern 
Nr. 15 und 17 mit i reitenden Batterie, unter Commando des 
GL. Narbut, bei Cadi Cäsla und Muslu; die linke, bestehend 
aus 3 Regimxentern der 17. Lifanterie-Division mit 6 P'uss-Batterien 
unddenDon-Kasaken-Regimentern Nr. 16, 18 und 29 mit 3 reitenden 
Batterien, unter Commando des General-Adjutanten Samsew, bei 
Dulgheru und Cartal. Die übrigen Truppen des Corps hielten 
theils einige Punkte im Rücken besetzt, theils befanden sie sich 



220 

noch am Marsche geg'en Cadi Cäsla und Cartal und vereinigten 
sich mit den vorg'enannten Gruppen bei der weiteren Vorrückung 
gegen Süden. 

Auf Grund von Kundschafter-Meldungen und früheren Nach- 
richten schätzte General Zimmermann die Stärke «der gegen 
den Trajans-Wall zurückgehenden türkischen Truppen aut 20.000 
bis 22.000 Mann und erwartete daher ernstlichen Widerstand in 
der Linie Cernavoda-Küstendze (Constanta); umsomehr, als 
ihm bekannt wurde, dass die Türken die bezogenen Stellungen 
befestigten. Spätere Nachrichten, die erst während der Vorrückung 
eintrafen, reducierten namhaft die obigen Ziffern. Allen Meldungen 
und Angaben zufolg*e waren Cernovoda und Küstendze von 
schwachen Abtheilungen (i bis 2 Bataillone) besetzt und nur in 
Medgidia (Medzidje) befand sich ein stärkeres Detachement von 
7000 bis 8000 Mann, welches eine befestigte Stellung zunächst 
der Stadt besetzt hielt. 

Diese Nachrichten kamen der Wirklichkeit sehr nahe. Wie 
jetzt (aus den Tabellen des Obersten Artamanow) bekannt ist, 
standen: in Medgidia 12 Bataillone, 6 Escadronen und 4 Batterien, 
das ist 8800 Mann; in Küstendze i Bataillon und 2 Escadronen, 
das ist 850 Mann; in Cernovoda i Bataillon, das ist 650 Mann. 
Hinter diesen Truppen standen in zweiter Linie innerhalb des 
Festungs- Vierecks : in Silistria 16.800 Mann; in Hadzioglu- 
Pazardzik [Dobric] 650 Mann; in Varna 11.200 Mann, Die 
Türken hatten ziemlich genaue Nachrichten über die Stärke des 
Corps Zimmermann; sie hielten es demnach nicht für möglich, die 
Linie Cernavoda-Küstendze hartnäckig zu vertheidigen und be- 
absichtigten, bei einer Vorrückung überlegener russischer Kräfte 
die Besatzung von Cernavoda nach Medgidia zu ziehen und mit 
allen dort vorhandenen Truppen auf der Strasse über Pazardzik 
nach Varna oder Sumla zurückzugehen, die Besatzung von 
Küstendze aber mittels Dampfer nach Varna zu überführen. 

Auf Grund der erhaltenen Nachrichten beschloss General 
Zimmermann, mit allen seinen Kräften Medgidia anzugreifen. 

Am 30. Juni [12. Juli] abends concentrierte er die Truppen 
an zwei Punkten: 

I. Bei Tortoman die Gruppe des GL. Narbut, und zwar 
18. Infanterie-Division (mit Ausnahme von 2 Bataillonen des 
Regiments Tula Nr. 72); 2. und 3. Batterie der 17. Artillerie- 
Brigade; I., 3. und 4. Batterie der 18. Artillerie-Brigade; Don- 



221 

Kasaken-Regiment Nr. 17; im ganzen 10 Bataillone, 6 Sotnien, 
39 Fuss-Geschütze^); 

2. bei Bilarlar (Bilar^ Dorobantul) die Gruppe des GL. 
Samsew, und zwar 17. Infanterie-Division (12 Bataillone); i.; 4., 
5. und 6. Batterie der 1 7 . Artillerie-Brigade (32 Geschütze); 2., 5. 
und 6. Batterie der 18. Artillerie-Briga.de (24 Geschütze); i., 2., 4., 
5. und 6. Sotnie des Don-Kasaken-Regiments Nr. 15 (5 Sotnien); 
I., 2.; 3. und 4. Sotnie des Don-Kasaken-Regiments Nr. 16 
(4 Sotnien); Don-Kasaken-Regimenter Nr. 18 und 29 (10 Sotnien); 
Don-Batterien Nr. 11, 16 und 17; 4 Geschütze der Don-Batterie 
Nr. 4; im ganzen 12 Bataillone, 19 Sotnien, 56 Fuss- und 22 reitende 
Geschütze. 

Am selben Tag'e, dem 30. Juni [12. Juli], unternahm General 
Zimmermann persönlich in Begleitung einer Kasaken-Sotnie 
eine Recognoscierung der türkischen Stellung bei Medgidia, wobei 
constatiert wurde, dass die in 3 Lagern vertheilten Türken die 
dominierenden Höhen im Westen der Stadt besetzt hielten. Die 
Stärke des Feindes wurde auf 8 bis 10 Infanterie-Bataillone, 
600 Reiter und 8 Geschütze geschätzt. 

General Zimmermann beabsichtigte, die türkische Stellung 
am nächsten Tage anzugreifen und traf hiezu folgende Disposition: 
die Gruppe GL. Samsew marschiert bei Tagesanbruch von 
Bilarlar ab, greift die türkische Position in der Front und den 
rechten Flügel umfassend an; die Gruppe GL. Narbut marschiert 
von Tortoman später ab, um der Gruppe Samsew Zeit zulassen, 
mit ihr auf gleiche Höhe zu gelangen und nimmt die Direction 
gerade auf Medgidia. 

Am I. [13.] Juli brach die Gruppe Samsew um 3Y2 Uhr früli 
auf und rückte gegen Medgidia in 3 Colonnen vor, und zwar: 
rechte Colonne (i. Brigade der 17. Infanterie-Division mit der 
2., 5. und 6. Batterie der 18. Artillerie-Brigade) unter Commando 
des GM. Ufnjarski, auf dem directen Wege von Bilarlar nach 
Medgidia; Mittel-Colonne (2. Brigade der 17. Infanterie-Division 
mit der i., 4., 5. und 6. Batterie der 17. Artillerie-Brigade) unter 
Commando des GM. Brant, auf dem Wege über Docuzol (Docuz 
Oglu); linke Colonne (Don-Kasaken-Regimenter Nr. 15, 16, 18 
und 29 mit den Don-Batterien Nr. 4, 11, 16 und 17) unter Com- 
mando des GM. Andrijanow, links der Mittel-Colonne querfeldein. 



') I Geschütz war zur Armierung des Dampfers ,,'Weliki Knjazj Nikolaj" ab- 
gegeben worden. 



Die rechte Colonne marschierte vorerst auf dem ihr vor- 
gezeichneten AVeg'e; nach Zurücklegung von ungefähr 3 Werst 
musste sie aber den Weg* verlassen^ da derselbe aufgeackert war, 
und rückte weiter ebenfalls querfeldein vor. Sie verlor hiebei die 
Direction und wich nach rechts ab^ so dass sie hinter die Queue 
der Gruppe GL. Narbut gelangte. Die linke und die Mittel- 
Colonne hielten nach Zurücklegung von ungefähr 10 Werst eine 
Rast bei Docuzol, um das Vorkommen der rechten Colonne auf 
gleiche Höhe abzuwarten. Da aber letztere nicht erschien^ 
g'iengen die beiden ersteren Colonnen in Gefechtsordnung über 
und marschierten sodann weiter. Es war ein sehr heisser^ sogar 
schwüler Tag^ und der Marsch in der Gefechtsformation war für 
die Truppen sehr ermüdend und zeitraubend. Nach Zurücklegung 
von circa 5 Werst langten beide Colonnen gegen 10 Uhr vormittags 
bei Medgidia an. 

Um diese Zeit erschien im Nordwesten die Gruppe GL. 
Narbut; welche um 7 Uhr früh aufgebrochen war. 

General Zimmermann gab nun folgenden Befehl: GM. 
Zukow rückt mit der i. Brigade der 18. Infanterie-Division und 
2 Batterien über Aliba Ceair zur Umgehung des linken Flüg-els 
der türkischen Stellung- vor; GL. Samsew hat mit der Kasaken- 
Division den rechten Flügel zu umgehen. 

Die Türken sahen von der Höhe ihrer Stellung genau^ welche 
bedeutenden Kräfte geg-en dieselbe entwickelt wurden ; sie warteten 
daher den Angriff nicht ab und traten den Rückzug gegen 
Hadzioglu-Pazardzik an. General Zimmermann Hess sie nicht 
verfolgen. 

Nachdem die Truppen über seinen Befehl Bivouacs bei 
Medgidia bezogen hatten^ traf er die Anordnungen für die Be- 
setzung von Cernavoda und Küstendze. 

Gegen Cernavoda wurde am 2. [14.] Juli ein Detachement^ 
bestehend aus 2 Bataillonen des Infanterie -Regiments Moskau 
Nr. 65, I Batterie der 17. Artillerie-Brigade und 3 Sotnien des 
Don-Kasaken-Regiments Nr. 18^ unter dem Befehle des Flügel- 
adjutanten Obersten Rajewski dirigiert. Dieses Detachement 
stiess unterwegs bloss auf kleine Tscherkessen-TruppS; langte 
abends in Cernavoda an und besetzte^ ohne irgendwie behindert 
zu werden, die Stadt^ welche in der vorhergegangenen Nacht von 
den türkischen Abtheilungen geräumt worden war ; letztere hatten 
c^ich in der Richtung auf Silistria zurückgezogen. 



223 

Zur Besetzung von Küstendze wurde am 3. [15.] Juli um 
6 Uhr früh das Don-Kasaken-Regiment Nr. 29 mit der 4. Don- 
Batterie unter Commando des Flügeladjutanten Obersten Graf 
Orlow-Denisow entsendet. Das Detachement traf nirgends auf 
feindliche Kräfte und besetzte noch am selben Tage die Stadt, 
nachdem der Detachement-Commandant vorher die Telegraphen- 
leitang nach Sulina^, Varna und Constantinopel hatte zerstören 
lassen. Laut den Aussagen der Einwohner war die türkische 
Besatzung von Küstendze in der Nacht vom i. zum 2. [13. zum 
14. Juli] mittels Dampfer nach Varna expediert worden. 

Nach der Besetzung der Linie Cernavoda-Küstendze nahmen 
die Truppen des ^^Untere Donau-Corps" am 8. [20.] Juli folgende 
Gruppierung an: 17. Infanterie-Division sammt Artillerie südlich 
von Cernavoda; i. Brigade der 18. Infanterie-Division mit 3 Fuss- 
Batterien nächst dem Dorfe Burlak^) (4 Werst westlich von Aliba 
Ceair); 2. Brigade der 18. Infanterie-Division mit 3 Fuss-Batterien 
bei Aliba Ceair; Don-Kasaken-Regiment Nr. 29 mit der 4. Don- 
Batterie bei Küstendze. Dieser Bereich wurde durch die Don- 
Kasaken-Division gedeckt, welche mit der i. Brigade sammt 
2 Batterien bei Mulciova (Malcev) und mit der 2. Brigade sammt 
I Batterie bei Mamut-Cuius (Mamudkiöj) stand. Von der Cavallerie 
wurden beständig Patrouillen und Streif-Commanden bis auf 5oWerst 
in den Richtungen gegen Silistria, Hadzioglu-Pazardzik und 
Mangalia entsendet. Diese Abtheilungen stiessen nur auf kleine 
Baschibosuk-Trupps. 

Mit der Einnahme der Dobrudza bis zur Linie Cernavoda- 
Küstendze hatte General Zimmermann die ihm vom Armee- 
Obercommando übertragene Aufgabe gelöst; er beschloss daher, 
in dem besetzten Räume stehen zu bleiben und weitere Befehle 
abzuwarten. 



^) Der Ort kommt weder in der russischen Karte, noch in der Generalkarte 
des k. und k. militär-geographischen Instituts vor. — D. Ueb. 



XL CAPITEL. 

Offensive des West-Corps gegen Nikopol und 
Einnahme dieser Festung. 

Strategisclie Bedeutung von Nikopol. — Kräfte der Türken. — Gruppierung des 
„West-Corps" am 27. Juni [9. Juli] abends. — Plan für die Vorrückung gegen 
Nikopol. — Anmarsch der russischen Truppen. — Disposition für den Angriff auf 
Nikopol. — Kampf am 3. [15.] Juli. — Situation der russischen Truppen am Abende 
dieses Tages. — Nachtgefecht bei Somovit. — Capitulation von Nikopol. 

(Hiezu Karten-Beilagen 18, 19, 20 und 21). 

Die strategische Bedeutung der Festung Nikopol bestand 
darin, dass sie ungefähr 40 Werst von dem Svistover Donau- 
Uebergange entfernt lag. Es ist demnach klar, dass die russische 
Armee zur Sicherung ihrer Operationslinie in der rechten Flanke 
entweder Nikopol nehmen oder gegen diese Festung eine starke 
Sicherungs-Gruppe aufstellen musste. 

Während des Donau-Ueb erganges der russischen Armee 
war Nikopol, wie an anderer Stelle bereits erwähnt, von einer 
10.000 Mann starken Garnison unter den Befehlen Hassan 
Paschas besetzt. Als die russischen Truppen südlich bis Trnovo 
vordrangen, entsandte Hassan Pascha zur Sicherung seiner 
Verbindungen ein Detachement in der Stärke von 3 Bataillonen, 
I Escadron und 4 Geschützen (im ganzen beiläufig 2000 Mann), 
unter Commando Atuf Paschas mit dem Auftrage, die Stadt 
Plevna [Pleven] zu besetzen, welche 35 Werst südlich von Nikopol 
lag und einen wichtigen Communicationsknoten bildete. Dieses 
Detachement marschierte am 26. Juni [8. Juli] von Nikopol ab 
und traf am nächsten Tage in Plevna ein. Nach Ausscheidung 
des Detachements Atuf Paschas blieben in Nikopol noch 
8000 Mann als Besatzung. 



225 

Am Abende des 27. Juni [g. Juli] waren die Truppen des 
russischen ^^ West - Corps" folgend gruppiert: bei Blgarene 
(Bolgareni) an der Osma (Osöm)^ auf dem Wege von Svistov 
nach Plevna die kaukasische Kasaken-Brigade mit der reitenden 
Gebirgs-Batterie ; bei Stizarov die linke Avantgarde^ bestehend 
aus dem Infanterie-Regimente Kostroma Nr. ig^ der i. Batterie 
der 5. Artillerie -Brigade und der 5. Batterie der 31. Artillerie- 
Brigade^, unter Commando des Obersten Kleinhaus (Comman- 
danten des ig. Regiments); bei Peti Kladenci die rechte Avant- 
garde^, bestehend aus dem Infanterie-Regimente Galic Nr. 20^ der 
2. und 5. Batterie der 5. Artillerie-Brigade^ dem Uhlanen-Regimente 
Bug Nr. g und dem Don-Kasaken-Regimente Nr. g sammt der 
Don-Batterie Nr. 2, unter den Befehlen des GM. Laskarjew 
(Commandanten der g. Cavallerie-Division) ; bei Ores (ungefähr 
10 Werst von der Uebergangs-Stelle bei Svistov) die i. Brigade 
der 5. Infanterie-Division^ die 4. und 6. Batterien der 5. und 31. 
Artillerie - Brigade, das Don - Kasaken - Regiment Nr. 34 und die 
I. Compagnie des 5. Sappeur-Bataillons ; am linken Donau-Ufer bei 
Zimnicea die 31. Infanterie-Division, die i., 2. und 3. Batterie 
der 31. Artillerie-Brigade, sowie die 3. Batterie der 5. Artillerie- 
Brigade. 

Aus dem Operations-Tagebuche des IX. Armee-Corps ist 
zu ersehen, dass der Commandant des „West-Corps" GL. Baron 
Krüdener am 26. Juni [8. Juli] durch den Adjutanten des Armee- 
Obercommandanten Obersten Strukow den Befehl erhielt, 
„gegen Nikopol vorzurücken und diese Festung zu nehmen". 

GL. Baron Krüdener entwart hiezu folgenden Plan: ein 
Theil des Corps sollte gegen Nikopol von Osten und Süden, 
zwischen der Donau und der Osma, vorrücken ; der Rest sollte 
auf das linke Ufer der Osma übergehen und sich des ganzen 
Raumes bis zum Vit (Vid) bemächtigen, um der Besatzung von 
Nikopol die Rückzugswege gegen Westen zu verlegen. 

Zur Sicherung dieser Umgehung gegen Plevna und Vidin 
beabsichtigte General Krüdener, in der Richtung auf Plevna 
eine Sicherungs - Gruppe auszuscheiden und sämmtliche Fluss- 
Uebergänge am Unterlaufe des Vit durch Cavallerie besetzen zu 
lassen. Eine weitere Action gegen Vidin durch Hinübersenden eines 
Theiles der Cavallerie und Aufklärung in der Richtung dieser Stadt 
hielt General Krüdener nicht für möglich. Seiner Meinung nach 
reichten 2 CavallerieTRegimenter (Bug-Uhlanen Nr. g. und Don- 

Der russisch-türkische Krieg. II. ßd. 15 



226 

Kasaken Nr. 9) kaum zur Autklärung des Raumes zwischen der 
Donau und der Osma aus, und die Kasaken-Brigade hatte nicht 
allein sich der Ueberg-änge am unteren Vit zu bemächtigen und 
das Terrain zwischen dem Vit und der Osma zu durchstreifen, sondern 
auch gegen Plevna zu beobachten. Im übrigen hielt sich General 
Krüdener auch nicht für verpflichtet, die rechte Flanke der 
Armee in weiterem Sinne zu decken, sondern erachtete es für 
genüg"end, den Rayon seines eigenen Corps zu sichern. 

Die Vorrückung geg'en Nikopol sollte erst am 28. Juni 
[10. Juli] angetreten werden, da General Krüdener vorher die 
noch am linken Donau-Ufer gebliebenen Truppen seines Corps 
an sich ziehen wollte. 

An diesem Tage erhielt der Stab des West-Corps um 5 Uhr 
früh eine Meldung des Commandanten der Kasaken-Brigade 
Obersten Tut ü Imi n, dass am vorhergehenden Nachmittage gegen 
4 Uhr Plevna durch „Infanterie- und Cavallerie- Abtheilungen nebst 
6 Geschützen besetzt wurde, welche sich aus Nikopol zurück- 
gezogen hatten". Die Meldung führte unwillkürlich auf den 
Gedanken, dass die Türken Nikopol ohne Kampf aufgeben wollten. 
Angesichts dieser Sachlage war der Stabschef des IX. Armee- 
Corps GM. Snitnikow der Meinung, dass es genügen w^erde, 
zur Einnahme Nikopols i Infanterie-Brigade mit 4 Batterien zu 
entsenden, wogegen die gesammte Cavallerie, mit Ausnahme von 
4 Sotnien, gegen Plevna zu dirigieren sei. General Krüdener, 
welcher die Stärke der Nikopoler Besatzung auf 15 000 Mann schätzte, 
beschloss jedoch, bei seinem ursprünglichen Plane zu bleiben. 

In diesem Sinne wurde am selben Abende die Avantgarde 
des Generals Laskarjew von Peti Kladenci nach Mrsovica 
(Marsevica) (ungefähr 10 Werst südlich von Nikopol) und jene 
des Obersten Kleinhaus von Stizarov nach Peti Kladenci 
vorgeschoben ; gleichzeitig marschierte das Infanterie-Regiment 
Wologda Nr. 18 mit der 4. und 6. Batterie der 5. i^rtillerie- 
Brigade von Ores nach Blgarene. Die Hauptkraft des West-Corps 
änderte ihre Aufstellung fast gar nicht, weil General Krüdener 
das Eintreffen der 31. Infanterie-Division abwartete. 

Am 29. Juni [11. Juli] wurden die in Blgarene stehenden 
Truppen durch das Infanterie-Regiment Kostroma Nr, 19 verstärkt. 
Inzwischen näherten sich die Truppen der 3 1 . Infanterie-Division ; 
am Abende dieses Tages stand das Infanterie-Regiment Kozlow 
Nr. 123 in Ores, das Regiment Penza Nr. 121 in Svistov, das 



227 

Regiment Tambow Nr. 122 in Zimnicea ; das Regiment Woronjez 
Nr. 124 hatte die Donau-Brücken zu sichern. 

Noch am selben Tage erhielt General Krüdener folgende 
neue Meldung des Obei'sten Tutolmin^ welche die Stärke der 
Besatzung Plevnas genauer angab : , Jn Plevna stehen bestimmt 
4 Bataillone^ 6 Geschütze und 2 Reiter-Sotnien. Mehr war nicht 
zu ermitteln. Die Türken verschanzen sich bei Plevna. Ihre 
Soldaten sind Araber." Diese Nachricht übte jedoch keinen 
Einfluss auf die Entschliessungen des Generals Krüdener, und 
der Marsch wurde fortgesetzt. 

An dem nämlichen Tage wurde auch zur Verbindung zwischen 
dem West-Corps Krüdener und dem Avantgarde-Corps Gurko 
I Halbsotnie des Wladikawkaz-Regiments unter Commando des 
Sotnik [Kasaken-Lieutenant] Werescagin entsendet. 

Inzwischen wurde gegen Nikopol recognosciert. Die Festung 
lag am rechten Donau-Ufer, ungefähr 2 Werst östlich der Mündung 
des Osma-Flusses. Bis zum Kriege bestand die Befestigung aus 
einer alten, halbverfallenen Citadelle, die mit glatten Kanonen 
armiert war. Mit dem Einmärsche der russischen Armee in 
Rumänien und der Errichtung von Ufer-Batterien mit Belagerungs- 
Geschütz bei Turnu Mägurele undFlämända begannen die Türken, 
neue Erdwerke zu errichten, vorerst zur Vertheidigung nach der 
Donau-Seite hin, später auch zur Sperrung der Annäherungs- 
linien auf der Landseite. Am Donau-Ufer hoben sie 17 Batterien 
(für 30 Geschütze) aus, wovon 7 die Zugänge zur Ermenluj- 
(Jermoli-) Schlucht (etwa 5 Werst östlich von Nikopol) zu sperren, 
(die übrigen 10 die Osma-Mündung zu sichern und den Oltu- (Alt- 
Fluss unter Feuer zu nehmen hatten, auf welchem — wie den Türken 
bekannt war — das Material für die Donau-Brücken herabgeflösst 
werden sollte. 

Auf der Landseite begünstigte das Terrain die Vertheidigung 
Nikopols: im Osten floss der Ermenluj-Bach in einer tiefen Schlucht; 
im Westen war das Flussthal der Osma mit seinen felsigen 
Hängen ; im Süden zog sich das Vöbel- (Vabel-) Plateau hin, 
welches für den Angriff grosser Massen zu schmal war. 

Auf den dominierenden Höhen rings um die Stadt erbauten 
die Türken 6 Redouten und i Lünette (Nr. i bis 7), welche für 
je 2 bis 4 Geschütze und für Gewehrfeuer eingerichtet waren. Sie 
hatten eine ungefährdete Verbindung mit der Stadt durch tiefe 
Terrainspalten und waren untereinander telegraphisch verbunden. 

15* 



22S 

Vorwärts dieser Werke^ welche die Haupt- Verth ei digungs- 
linie bildeten, waren Batterien, Trancheen und Schützengräben 
errichtet. Besonders stark befestigte man die Ost-Front, an welcher 
zwei Stellungen zur Vertheidigung- hergerichtet wurden, und zwar 
die eine am linken Ufer des Ermenluj-Baches, die zweite Circa 

1 Werst weiter östlich. An der West-P>ont befanden sich 

2 Batterien 6^ und / zur Bestreichung der Osma-Brücke s. Vor- 
wärts dieser Brücke, am linken Fluss-Ufer, westlich des Ortes 
Muselijevo, war auch eine kleinere Vertheidigungsstellung 
hergerichtet worden. An der Südseite befanden sich 2 Batterien 
c und d für je 3 Geschütze zur Beschiessung des Vöbel-Plateau ; 
dieselben waren in der Front durch eine nahezu ununterbrochene 
Linie von Schützengräben gesichert. Eine solche Linie war auch 
am rechten Ufer der Nikopoler Schlucht ausgehoben worden, die 
sich von der Stadt gegen Süden hinzog. 

Die Vorrückung des West-Corps wurde in nachstehender Weise 
fortgesetzt. Am 30. Juni [12. Juli] gelangte das Infanterie-Regiment 
Kostroma Nr. 19 von Peti Kladenci nach Turski Tröstenik ; die 
Regimenter Archang'elsk Nr. 17 und Wologda Nr. 18 mit der 
4. und 6. Batterie der 5. Artillerie-Brigade, sowie der 4. Batterie 
der 31. Artillerie-Brigade, bildeten nunmehr unter Commando des 
GL. Schilder- Schuldner eine besondere Gruppe, welche nach 
Mecka kam. 

Am selben Tage wurden von der Avantgarde des GM. 
Laskarjew 2 Compagnien des Regiments Galic Nr. 20 nach 
Vöbel vorgesendet, von wo die Nachricht eingetroffen war, dass 
die Bulgaren von den Türken massacriert würden. Nach 
Besetzung des Ortes ersah man, dass derselbe schon nahe an der 
befestigten Stellung der Türken liege, und es wurden daher 
weitere 3 Compagnien zur Verstärkung hindirigiert. 

Eine vorgeschobene Kasaken-Abtheilung des Kuban- 
Regiments unter Commando des Sotnik Svidin gelangte an diesem 
Tage an den unteren Vit und recognoscierte die Holzbrücke bei 
Guljanci. Andere vorgeschobene Kasaken-Sotnien der Regimenter 
Wladikawkaz und Kuban wechselten bei Kojilovci und 
Brösljanica einige Schüsse mit Tscherkessen-Trupps und verjagten 
diese in der Richtung gegen Plevna. 

Am nächsten Tage, dem i. [13.] Juli, sandte Oberst 
Tutolmin 2 Sotnien (2. des Wladikawkaz- und i. des Kuban- 
Regiments) unter Commando des Oberstlieutenants Engelhardt 



229 

nach Guljanci, um die am Vortage von Sotnik Svidin reco- 
gnoscierte Brücke zu zerstören. Dieser Auftrag wurde trotz des 
Widerstandes einer schwächeren Tscherkessen- Abtheilung durch- 
geführt ; die Tscherkessen zog-en sich nach Samlijevo (Samliu) 
zurück. 

Am Abende des i. [13.] Juh waren die Kräfte des West- 
Corps folgend gruppiert: 

1. bei Debovo (Debo) die Gruppe GL. Schilder- 
Schuldner^ nebst 2 Sotnien der kaukasischen Kasaken-Brigade 
und I Sotnie (3.) des Don-Kasaken-Regiments Nr. 34; im ganzen 
6 Bataillone^, 3 Sotnien^ 24 Geschütze ; 

2. bei Brösljanica; unter Commando des Obersten 
Tutolmin^ 6V2 Sotnien der kaukasischen Kasaken-Brigade 
mit der reitenden Gebirgs - Batterie^ das ist 6^/2 Sotnien^ 
6 Geschütze ; 

3. bei Turski Tröstenik und Blgarene, unter Commando 
des Obersten Kl ein h au s^ das Infanterie-Regiment Kostroma 
Nr. 19^ die 5. Batterie der 31. Artillerie-Brigade und 3 Sotnien 
der kaukasischen Kasaken-Brigade ; im ganzen 3 Bataillone, 
3 Sotnien, 8 Geschütze ; 

4. bei Mrsovica, unter Commando des GM. Laskarjew, 
die Infanterie-Regimenter Kozlow Nr. 123 und Galic Nr. 20, die 
3. und 6. Batterie der 31. Artillerie-Brigade, die i., 2. und 5. 
Batterie der 5. Artillerie-Brigade, das Uhlanen-Regiment Bug 
Nr. 9 und das Don-Kasaken-Regiment Nr. 9 nebst der Don- 
Batterie Nr. 2 ; im ganzen 6 Bataillone, 10 Escadronen und Sotnien, 
46 Geschütze ; 

5. bei Lozica, unter Commando des GL. Weljaminow, 
die I. Brigade der 31. Infanterie-Division, die i. und 2. Batterie 
der 31. Artillerie-Brigade, die 2. und 5. Sotnie des Don- 
Kasaken-Regiments Nr. 34 ; im ganzen 6 Bataillone, 2 Sotnien, 
16 Geschütze; 

6. bei Novae eni (Novaci) die i. Compagnie des 
5. Sappeur-Bataillons und die 6. Sotnie des Don-Kasaken- 
Regiments Nr. 34, zusammen V4 Bataillon und i Sotnie ; 

7. bei Peti Kladenci die i. Sotnie des Don-Kasaken- 
Regiments Nr. 34 und Artillerie-Parks ; 

8. bei Zimnicea das Infanterie-Regiment Woronjez Nr. 124, 
die 3. Batterie der 5. Artillerie-Brigade und die 4. Sotnie des 
Don-Kasaken-Regiments Nr. 34 ; im ganzen 3 Bataillone, i Sotnie, 
8 Geschütze. 



230 

Am nächsten Tage, das ist am 2. [14J Juli, erhielt die 
Gruppe GL. Schilder- Schuldner den Auftrag, sich der 
türkischen Positionen am Unterlaufe der Osma und des Vit zu 
bemächtigen und sich über die Brücke bei Muselijevo mit der 
Gruppe GM. LaskarjeW in Verbindung zu setzen. Dieser Befehl 
wurde jedoch mit Rücksicht auf die starke Ermüdung der Infanterie 
widerrufen, und es führte bloss Oberst Tutolmin mit 6V2 Sotnien 
der kaukasischen Kasaken-Brigade sammt der reitenden Gebirgs- 
Batterie eine Streifung von Brösljanica gegen Gradesti 
(Gaurene) aus. 

Bei der Annäherung an den letztgenannten Ort, wo die 
Wege aus Plevna, Nikopol und Orehovo - Vidin zusammen- 
liefen, sah Oberst Tutolmin, dass dieser Wegknoten von 
ungefähr 300 Mann türkischer Infanterie besetzt war. Bald 
darauf stellte sich heraus, dass sich auch in Samlijevo türkische 
Abtheilungen mit einigen Feld - Geschützen befanden. Oberst 
Tutolmin Hess seine Sotnien absitzen, die Batterie auffahren 
und bemächtigte sich bald des Ortes Gradesti; er verlor bei 
dieser Gelegenheit 13 Mann an Todten und 14 an Ver- 
wundeten. 

Der Umstand, dass Samlijevo von den Türken besetzt war, 
und die Weigerung des GL. Schilder- Schuldner, eine Unter- 
stützung an Infanterie zu, senden, bewogen Oberst Tutolmin, 
sich auf Debovo zurückzuziehen. 

GL. Baron Krüdener ritt an diesem Tage nach Vöbel und 
orientierte sich über die Annäherungslinien zur türkischen Stellung 
bei Mkopol. DieDetail-Recognoscierung führte Generalstabs-Haupt- 
mann Birg er aus, der auch ein Croquis der Oertlichkeit aufnahm. 
Die Auswahl der Plätze für die ersten Artillerie-Positionen trat 
der Commandant der 4. Artillerie-Brigade GM. Pochitonow. 

Am Abende des 2. [14.] Juli, erliess GL. Baron Krüdener 
nachstehende Disposition für das West-Corps : 

„Morgen, den 3. [15.] Juli, haben die mir unterstehenden 
Truppen den Angriff auf Nikopol auszuführen. Hiezu befehle ich: 

„I. Die Gruppe GL. Schilder-Schuldner rückt bei Tages- 
anbruch zwischen Vit und Osma vor, trachtet sich der Osma- 
Brücken zu bemächtigen und wirkt sodann gegen die am rechten 
Fluss-Ufer befindlichen feindlichen Abtheilungen; zu letzterem 
Zwecke ist nach Besitznahme der Brücke bei Muselijevo ein 
Infanterie-Regiment auf das rechte Ufer zu senden." 



231 

,^2. Die 2 neunpfündigen Batterien der 5. Artillerie-Brigade 
und die 3 neunp fündigen Batterien der 31. Artillerie-Brigade 
fahren vor Morgendämmerung in der vorbereiteten Artillerie- 
Stellung auf und eröffnen bei Tagesanbruch das Feuer auf die 
feindlichen Batterien nach Weisung des Artilleriechefs." 

,.3. Das Infanterie-Regiment Penza Nr. 121 hat die rechte 
Flanke der Batterien zu decken; zu diesem Zwecke trifft dasselbe 
bei Tagesanbruch bei der Ermenluj-Schlucht ein^ bezieht dort eine 
Stellung Front gegen Norden und besetzt die am Bache vorhandenen 
Mühlen^ sowie das Buschwerk rechts von unseren Batterien." 

„4.. Der Commandant des Don-Kasaken-Regiments Nr. 8 
sichert mit 2 Sotnien seines und i Sotnie des 34. Don-Kasaken- 
Regiments, nach Weisung des GL. Weljaminow, die rechte 
Flanke des Regiments Penza und hat hiebei sein besonderes Augen- 
merk auf den Weg Nikopol — Belene (Türk. Bjelani) zu richten." 

,,5. Das Infanterie-Regiment Galic Nr. 20 hält den Ort Vöbel 
besetzt." 

,y6. Als allgemeine Reserve bleiben: das Infanterie-Regiment 
Tambow Nr. 122, 2 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments Nr. g, 
die 5. und 6. Batterie der 31. Artillerie-Brigade und die 2. Don- 
Batterie. Die Reserve nimmt Aufstellung hinter der Mitte der 
Gefechtslinie ausserhalb des feindlichen Artilleriefeuer-Bereiches." 

;,7. Das Infanterie-Regiment Kozlow Nr. 123, welches zur 
Unterstützung der Gruppe GL. Schilder bei der Besitznahme 
der Brücke bei Muselijevo und sodann zur weiteren Vorrückung 
längs dem rechten Osma-Ufer bestimmt wird, erhält hiezu die 
näheren Weisungen von GM. Laskarjew." 

,,8. 2 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments Nr. 9 bleiben zur 
Disposition des GM. Laskarjew behufs Sicherung unserer linken 
Flanke." 

,,9. Das Commando über den rechten Flügel, welcher aus 
den unter 3 und 4 genannten Truppen besteht, wird dem 
GL. Weljaminow übertragen; den linken Flügel, bestehend 
aus den unter 5, 7 und 8 angeführten Truppen, commandiert 
GM. Laskarjew. Die Leitung des Infanterie-Regiments Tambow 
Nr. 122 übernimmt GM. Bjelokopytow, jene des Infanterie- 
Regiments Kozlow Nr. 123 GM. Bogacevic. GM. Oldekop 
wird dem GM. Laskarjew zur Disposition gestellt; der Commandant 
des Don-Kasaken-Regiments Nr. 9 bleibt bei mir . . ." 

Im Sinne dieser Disposition waren die Truppen des 
GL. Krüdener in folgende Gruppen getheilt: 



CtINI. Laskarjew: Infanterie-Regimenter Galic Nr. 20 und 
Kozlow Nr. 123, 2 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments Nr. 9, 
zusammen 6 Bataillone, 2 Sotnien; 

GM. Kalacew: i. und 2. Batterie der 5. Artillerie-Brigade, 
I., 2. und 3. Batterie der 3 1 . Artillerie-Brigade, zusammen 40 Ge- 
schütze; 

GL. Weljaminow: Infanterie-Regiment Penza Nr. 121, 
2 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments Nr. g, i Sotnie des Don- 
Kasaken-Regiments Nr. 34, zusammen 3 Bataillone; 3 Sotnien; 

GL. Schilder- Schuldner: i. Brigade der 5. Infanterie- 
Division, 4. und 6. Batterie der 5. Artillerie-Brigade, 4. Batterie 
der 31. Artillerie-Brigade, Uhlanen-Regiment Bug Nr. 9, kauka- 
sische Kasaken-Brigade (8V2 Sotnien), reitende Gebirgs-Batterie, 

1 Sotnie des Don-Kasaken-Regiments Nr. 34; zusammen 6 Ba- 
taillone, 4 Escadronen, 9V2 Sotnien, 30 Geschütze; 

allg'emeine Reserve unter persönlichem Befehle des 
GL. Baron Krüdener: Infanterie-Regiment Tambow Nr. 122, 

2 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments Nr. 9, 3 Sotnien des 
Don-Kasaken-Regiments Nr. 34, 5. Batterie der 5. Artillerie- 
Brigade, 6. Batterie der 31. Artillerie-Brigade, Don-Batterie Nr. 2; 
zusammen 3 Bataillone, 5 Sotnien, 22 Geschütze; 

Trains, unter Bedeckung i Sappeur-Compagnie (V4 Bataillon). 

Im ganzen: 18V4 Bataillone, 24V2 Escadronen und Sotnien, 
92 Geschütze. 

Ueberdies gehörten zum West-Corps noch 2 Detachements. 
Jenes des Obersten Kl ein haus, bestehend aus dem Infanterie- 
Regimente Kostroma Nr. 19, der 5. Batterie der 31. Artillerie- 
Brigade und 3 Sotnien des Kuban-Kasaken-Regiments (zusammen 

3 Bataillone, 3 Sotnien, 8 Geschütze), hielt Turski Tröstenik 
und Blgarene besetzt. Das Detachement des GM. Brant, be- 
stehend aus dem Infanterie-Regimente Woronjez Nr. 124, der 
3. Batterie der 5. Artillerie-Brigade und i Sotnie des Don-Kasaken- 
Regiments Nr. 34 (zusammen 3 Bataillone, i Sotnie, 8 Geschütze), 
sicherte die Donau-Brücke bei Svistov. 

Zum Angriffe auf Nikopol waren, wie oben angeführt, 
18V4 Bataillone, 24 V2 Escadronen und Sotnien und 92 Geschütze 
bestimmt. Ueberdies waren dem General Krüdener die mit Be- 
lagerungs- und Feld-Geschütz armierten Ufer - Batterien jenseits 
der Donau, unter Commando des Obersten An cutin, temporär 
unterstellt worden. Es waren dies folgende Batterien: bei 
Fl am an da Batterie Nr. i mit 4 sechszölligen Geschützen und 



233 

Batterie Nr. 2 mit 3 solchen Geschützen; bei Turnu Mägurele 
Batterie Nr. 3 mit 4 Vierundzwanzigpfündern, Batterie Nr. 4 mit 
4^ Batterie Nr. 7 mit 6 und Batterie Nr. 8 mit 4 sechszölligen 
Mörsern; an der Oltu-Mündung die Batterien Nr. 5 mid 6 mit 
je 4 Vierundzwanzigpfündern^ Nr. 9 mit 8^ Nr. 10, 11 und 12 mit 
je 4 neunzölligen Feld-Geschützen^ Nr. 13 mit 4 Schnellfeuer- 
Geschützen und Nr. 14 mit 6 rumänischen Feld-Geschützen. 

Ein um 4 Uhr früh von der russischen 40pieceigen Batterie r 
[südöstlich Vöbel] abgegebener Schuss war das Signal für den 
Beginn des Kampfes. Die türkischen Schützen eröffneten sofort 
ein heftiges Feuer gegen den vom russischen 20. Infanterie- 
Regimente Galic besetzten Ort Vöbel und gegen die bei den 
Mühlen am Ermenluj-Bache befindlichen Compagnien des 121. In- 
fanterie-Regiments Penza. 

Kurz darauf eröffneten auch die türkischen Batterien c und d 
das Feuer, wurden jedoch bald durch die starke russische 
Artillerie zum Schweigen gebracht. 

Inzwischen hatten türkische Schützen die Ermenluj- Schlucht 
überschritten und rückten östlich in der Richtung gegen Svistov 
vor. Gegen dieselben wurden aus der allgemeinen Reserve 4 Ge- 
schütze der Don-Batterie Nr. 2 nebst i Sotnie des Don-Kasaken- 
Regiments Nr. 9 als Bedeckung^ unter Commando des General- 
stabs-Oberstlieutenants Baron Krüdener, mit dem Auftrage vor- 
dirigiert; das Terrain östlich der Ermenluj-Schlucht von den 
türkischen Schützen zu säubern ; dieser Auftrag wurde ausgeführt. 

Hierauf beschränkte sich im allgemeinen die Thätigkeit der 
russischen Truppen am rechten Ufer der Osma. 

Mittlerweile wurde aus dem Räume zwischen Osma und 
Vit; gegenüber der von 3 Infanterie -Bataillonen mit 3 Geschützen 
besetzten befestigten türkischen Position //^ Kanonendonner hörbar. 
Es war der Angriff der Gruppe GL. Schilder-Schuldner. 

Diese Gruppe war um 4 Uhr früh aus dem Bivouac bei 
Debovo aufgebrochen und längs dem linken Osma-Ufer gedeckt 
vorgerückt; worauf sie sich theilte: 

I. das Infanterie-Regiment V^ologda Nr. 18; die 4. und 
6. Batterie der 5. Artillerie-Brigade und die 3. Sotnie des Don- 
Kasaken-Regiments Nr. 34 wurden unter dem persönlichen Be- 
fehle des GL. Schilder zum Frontal- Angriffe auf die türkische 
Position in bestimmt; 



^34 

2. das Infanterie - Regiment Archangelsk Nr. 17 mit der 
4. Batterie der 3 1 . Artillerie-Brigade^ das Uhlanen-Regiment Bug 
Xr. 9 und 2 kaukeisische Sotnien des Oberstlieutenants Engel- 
hardt, hatten unter Commando des GM. Knorring gegen 
Gradesti (Gaurene) vorzugehen, diesen Ort zu nehmen, und sich 
hierauf mit dem Regimente Wologda Nr. 18 zu vereinigen; an 
dessen rechten Flügel vorgehend, sollten sie trachten, die 
türkische Position zu umgehen. 

3. Oberst Tutolmin hatte von GL. Schilder den Auftrag* 
erhalten, mit den 6Y2 Sotnien der kaukasischen Kasaken-Brigade 
und der reitenden Gebirgs- Batterie nach der Einnahme von 
Gradesti „den Weg nach Guljanci zu beobachten und den Feind 
weder aus Nikopol heraus, noch in die Festung hineinzulassen". 

GL. Schilder-Schuldner bestimmte vom Regimente 
Wologda das 2. und 3. Bataillon in die Feuerlinie und das 
I. Bataillon in Reserve und begann sodann den Angriff. Bald 
zwang das concentrische Feuer von 1 6 russischen Geschützen die 
3 türkischen Kanonen zum Aufgeben ihrer Stellung. Dies erfolgte 
gegen 8 Uhr früh. General Schilder befahl nun, zum Sturme 
vorzugehen. Die in der Feuerlinie befindlichen Compagnien der 
Wologdaer (2. und 3. Bataillon) gaben ein kurzes Schnellfeuer 
ab und stürzten sich mit dem Bajonnette auf die Türken, welche, 
aus der ersten Position vertrieben, auf dem Rückzuge immer 
wieder neue Stellungen bezogen und aus jeder mit dem Bajonnette 
geworfen werden mussten. Bei diesem Angriffe der Wologdaer 
wurde der Regiments-Commandant Baron Solowjew verwundet. 
In der Meldung des Generals Schilder ist nicht genau ange- 
geben, wann der Kampf um die türkische Brückenkopf-Position in 
endete; nach anderen Quellen aber zu schliessen, war es gegen i Uhr 
nachmittags. 

Um diese Zeit wurden die Osma-Brücken t und s durch das 
Infanterie - Regiment Kozlow Nr. 123 besetzt. Das Regiment 
war, in der Slatinaer Schlucht vorrückend, gegen 6 Uhr 
morgens am Ausgange derselben eingetroffen und hatte sich 
folgend formiert: vorne in „compagnieweiser Aufstellung" [einer 
Art Colonnen-Linie] das 2. Bataillon; dahinter in derselben 
Formation das 3. Bataillon; rückwärts desselben 3^/2 Compagnien 
des I. Bataillons (1V2 Compagnien waren auf Befehl des GM. 
vSnitnikow zur Verbindung mit dem Regimente Galic und zur 
Sicherung des Verbandplatzes zurückgelassen worden). Den 
Umstand benützend, dass die Gruppe GL. Schilder die Auf- 



235 

merksamkeit der Türken von der Slatinaer Schlucht abgezogen 
hatte^ besetzte General Bogacevic um 9 Uhr vormittags mit dem 
2. Bataillon des Regiments Kozlow den Ort Muselijevo. Die 

2. Schützen - Compagnie unter Commando des Lieutenants 
Dzerzinski löste sich an der Nord-Lisiere in Schwarmlinie auf 
und eröffnete das Feuer gegen die türkische Schwarmlinie, die 
den Ort Dzorno (Dzernovo) und die Mühle x besetzt hielt. Hinter 
den Schützen nahmen die übrigen Compagnien des 2. Bataillons 
Aufstellung in 2 Treffen. 

Gegen 9 Uhr vormittags dirigierte GM. Bogacewic, im 
Sinne des vom GM. Laskarjew erhaltenen Auftrages, das 

3. Bataillon des Regiments Kozlow über die Brücke t auf das 
linke Osma-Ufer zur Verbindung mit der Gruppe GL. Schilder- 
Schuldner. Zugleich befahl er dem i. Bataillon, den Ort Dzorno 
und dem 2. Bataillon, die Mühle x anzugreifen. 

Nach einem kurzen Kampfe, in welchem GM. Bog'acewic 
verwundet wurde, mussten die Türken beide Punkte räumen. 
Bald darauf wurde auch die Brücke s auf dem Wege Nikopol- 
Gradesti genommen. 

Nachdem nun zwei Brücken t und Sy die Mühle x und der 
Ort Dzorno von den Russen genommen waren, machten das 
I. und 2. Bataillon des Regiments Kozlow — mit der 2. Schützen- 
Compagnie vor der Front — am Fusse der Höhen des rechten 
Ufers halt, um sich unter dem Schutze derselben zu sammeln, zu 
rasten und für die weitere Vorrückung zu formieren. 

Bald kam auch das 3. Bataillon hinzu, welches über die 
Brücke s auf das rechte Ufer zurückgegangen war. Dieses Bataillon 
war über Befehl des Corps-Stabschefs, welcher den Gang des 
Gefechtes am linken Flügel beobachtete, zu seinem Regimente 
zurückgesendet worden. Hierauf wurde dem Regimente die un- 
bedingt nöthige Rast bis V2 2 Uhr nachmittags gewährt. 

Da GM. Bogacevic bis zu dieser Zeit keine Unterstützung 
von der Gruppe GL. Schilder erhielt, ordnete er an: Oberst 
Stepanow (Commandant des Regiments Kozlow) habe mit 
5V2 Compagnien auf die Höhen rechts, Oberstlieutenant Schulz 
mit 4 Compagnien auf die Höhen links des Weges Nikopol- 
Gradesti vorzurücken ; die übrigen 4 Compagnien sollten im Reserve- 
verhältnisse folg-en. 

Als sich die Kozlower den türkischen Batterien e und / 
näherten, sah man die Wologdaer eben von der Batterie e her 
zurückgehen. Deren Erscheinen an diesem Orte erklärt sich folgend: 



236 

während des Angriffes auf die türkische Stellung m durch die 
Gruppe Schilder hatte sich das im Reserve- Verhältnisse vorgehende 
I . Bataillon des AVolog'da-Regiments so weit nach rechts gezogen, 
dass es sich, als das 3. Bataillon des Kozlow-Regiments am linken 
Osma-Ufer erschien, diesem Bataillon anschloss. Als die Kozlower 
dann über die Brücke j- wieder auf das rechte Osma-Ufer zurück- 
gieng-en, folgten ihnen Theile verschiedener Compagnien des 
I. Wologdaer Bataillons. Bei diesen befand sich auch der Batail- 
lons-Adjutant Lieutenant Bacewski; er sammelte gegen 200 Mann 
um sich, gieng längs dem rechten Osma-Ufer vor, erstieg die 
Höhe und warf sich sodann von rückwärts auf die türkische 
Batterie e. Gänzlich unerwartet angegriffen, räumten die Türken 
die Stellung, giengen aber bald wieder vor und drängten die 
Wologdaer zurück. 

Um diesen zu helfen, befahl GM. Bogacewic dem ihm 
zugetheiJten Generalstabs - Oberstlieutenant Macijewski, mit 
3 Compagnien Kozlower vorzurücken. Letztere vereinigten sich mit 
den Wologdaern, erstürmten gemeinsam die Batterien e und f 
und eroberten hiebei 4 Geschütze. Dies geschah ungefähr um 2 Uhr 
nachmittag'S. 

Die Türken zog*en sich in der Richtung auf Nikopol 
zurück und besetzten unterwegs die Wasserrisse und Schluchten» 
Die Kozlower nahmen inzwischen Stellung beiderseits der eroberten 
Batterien und blieben hier bis 4 Uhr nachmittags, wobei sie die 
durch den Kampf gelockerte Ordnung wiederherstellten. 

Nachdem GL. Baron Krüdener durch seinen Stabschef über 
die Situation am linken Flügel orientiert worden war, ordnete 
er um 2 Uhr nachmittags die For Setzung des Angriffes durch 
sämmtliche übrigen Truppen an. 

In Befolgung dieses Befehles rückten die in der ersten 
Linie befindlichen Compagnien des Infanterie-Regiments Galic 
Xr. 20 nach kurzem, aber heftigem Salvenfeuer vor; unter dem 
Geschosshagel des verschanzten Gegners durchliefen sie eine 
vollkommen freie Fläche, warfen die türkische Infanterie aus den 
vorderen Schützengräben und bemächtigten sich der Batterie d, 
wobei ein zurückgelassenes Geschütz erbeutet w^urde ^). 

Gleichzeitig war die Artillerie des Centrums (r) vorgerückt 
und hatte das Feuer gegen die türkische Batterie c und gegen 



^) Den zurückgehenden Türken war es gelungen, die 2 Krupp'schen Geschütze 
aus dieser Batterie fortzubringen. 



237 

die Schützengräben am rechtsseitigen Rande der Nikopoler Schlucht 
eröffnet. 

Infolge der eben geschilderten Vorgänge zogen sich die 
Türken in zwei zunächst der Redouten Nr. 2 und 3 hergerichtete 
Lager zurück. Nun gieng das Regiment Galic neuerdings vor; 
2 Bataillone (Nr. 2 und 3) desselben drängten die Türken bis an 
die südliche Umfassung der Stadt und bemächtigten sich 
gegen 4 Uhr nachmittags der Redoute Nr. 2 nebst den 2 darin 
befindlichen Geschützen. Bald kamen auch 4 Compagnien (i. und 

2. Schützen-^ 3. und 4. Linien-) des Infanterie-Regiments Tambow 
nach. Inzwischen hatten sich die Compagnien des i. Bataillons 
des Galicer Regiments der Nikopol-Schlucht genähert. Die im 
ersten Treffen vorgehende i. Compagnie erstieg den rechten 
Schluchtrand und stand nun ganz unerwartet vor dem Graben 
der Redoute Nr. 3^ welche von türkischer Infanterie und Artillerie 
besetzt war. Die Compag'nie unternahm einen Bajonnett- Anlauf^ 
aber das Feuer des Gegners war so heftige dass sie^ nachdem 
keine Unterstützung- in der Nähe war^ zurückgehen musste. Sie 
wiederholte später den Anlauf^ wurde jedoch abermals zurück- 
geworfen. Bald darauf rückten die Tambower zu Hilfe heran. 
Schon um 4 Uhr nachmittags wurde das 3., später auch die anderen 
2 Bataillone aus der Reserve vordirigiert. Die Compag'nien des 

3. Bataillons^ unter Commando des Majors Artobolewski^ über- 
schritten die Nikopoler Schlucht am oberen Ende derselben^ 
bemächtigten sich unterwegs einiger türkischer Schützengräben 
und näherten sich sodann der Redoute Nr. 3. Vorne bewegten 
sich in Schwarmlinie aufgelöste Theile der 3. Schützen-Compagnie, 
sowie der 11. und 12. Linien-Compagnie^ unter Commando der 
Fähnriche Markow^ Merder und Platonow. Diese zerstreuten 
Häuflein warfen sich auf die P^edoute. Aber auch dieser Angriff 
misslang. 

Kurz darauf konnte man jedoch wahrnehmen^ dass der 
grösste Theil der Besatzung* sich gegen Nikopol zurückzog. Die 
Situation ausnützend^ wiederholte Major Artobolewski den Angriff^ 
und es g-elang- ihm diesmal, die Redoute nebst 2 Geschützen zu 
nehmen. Die Besetzung der Redoute Nr. 3 erfolgte gegen 7 Uhr 
abends. 

Um diese Zeit drängte General Weljaminow mit dem 
Regimente Penza die Türken auch an ihrem linken Flügel zurück 
und näherte sich der wStadt von vSüdosten her in der Direction des 



238 

Fahrweges Svistov-Nikopol. Auf dieser Seite stiess er nur auf 
geringen Widerstand. 

Einem ungleich zälieren Widerstände begegnete das Regi- 
ment Kozlow am rechten Flüg*el der türkischen Position. Wie 
früher bereits angeführt wurde^ hatte dieses Regiment, im Vereine 
mit einem Theile des Wologda-Regiments^ die türkischen Batterien 
e und / an dem Wege nach Orehovo (Rahovo) genommen und 
war bis 4 Uhr nachmittags dort g'eblieben. Die Kozlower nahmen 
nunmehr die Vorrückung wieder auf und langten gegen 6 Uhr 
bei der Redoute Nr. 2 an, welche bekanntlich schon von dem 
Reg-imente Galic besetzt war. Das Regiment Kozlow umgieng- 
die Redoute und besetzte sodann die rechts des Weges und südlich 
der Redoute Nr. i und der Lünette Nr. 7 gelegene Schlucht. Die 
Türken eröffneten aus diesen Befestigungen ein heftiges Gewehr- 
und Geschützfeuer und giengen darauf zum Angriffe vor. 
General Bogacewic; ohne Artillerie und ohne Reserve^ zog die 
Feuerlinie zurück und sandte zum Corps - Commandanten die 
Bitte um Unterstützung. Nach einer halben Stunde traf hier das 
2. Bataillon des Regiments Wologda (aus der Gruppe GL. 
Schilder-Schuldner) ein ; später langten noch an : die 
5. Batterie der 5. Artillerie-Brigade^ 2 Geschütze der 2. Don- 
Batterie und 3 Sotnien des 9. Don-Kasaken-Regiments (aus der 
allgemeinen Reserve). Da,s Eintreffen der Verstärkungen ge- 
stattete dem GM. Bogacewic^ den Angriff wieder aufzu- 
nehmen; die Ausführung des Sturmes auf die Befestigungen wurde 
jedoch durch die eingebrochene Dämmerung verhindert^ so 
dass sich hier der Kampf auf das gegenseitige Artilleriefeuer 
beschränkte. 

Als es völlig dunkel wurde^ zog GM. Bogacewic seine 
Truppen zur Nächtigung gegen die Redoute Nr. 2 zurück^ wo 
das Regiment Galic bereits ein Lager bezogen hatte. Etwas weiter, 
jenseits der Nikopoler Schlucht und zunächst der Redoute Nr. 3, 
lagerte das Regiment Tambow ; noch weiter rechts^ ä cheval 
des Svistover Fahrweges^ gegenüber den Redouten Nr. 4 und 5^ 
bezog das Regiment Penza das Bivouac. 

Hiemit endete der Kampf am rechten Ufer der Osma. 

Mittlerweile hatte sich am linken Ufer dieses Flusses Folgendes 
ereignet : 

GL. Schilder-Schuldner hatte^ wie bereits früher erwähnt^ 
mit dem Regimente Wologda gegen i Uhr nachmittag-s die tür- 



239 

kische Position in^ östlich von Muselijevo, eingenommen. Hierauf 
gieng das i., später auch das 2. Bataillon des Wologda-Regiments 
auf das rechte Osma-Ufer über, und am linken Ufer blieb GL. 
Schilder nur mit dem 3. Bataillon. Er hielt es nicht für möglich, 
im Sinne der Disposition auch dieses Bataillon hinüberzusenden, 
bevor General Knorring mit dem Regimente Archangelsk heran- 
gerückt war. 

General Knorring hatte um 8 Uhr früh Gradesti be- 
setzt, wo er keinen Gegner fand; er wandte sich nun gegen 
Muselijevo, um die linke Flanke der türkischen Position m zu 
gewinnen. 

Während des Marsches erschienen aus der Richtung von 
Samlijevo zunächst Tscherkessen, später 6 Compagnien türkischer 
Infanterie mit 2 Geschützen ; sie besetzten eine Stellung und 
eröffneten das Feuer. Türkischen Quellen zufolge war dieses kleine 
Detachement aus Nikopol abgesendet worden, um den Weg für den 
Train freizumachen, der von Nikopol nach Plevna abg-eschoben 
werden sollte. General Knorring Hess seine Colonne halten und 
dirigierte 6 Compagnien mit 4 Geschützen gegen die Türken; diese 
gaben die Position auf und verbargen sich hinter dem Kamme 
der Höhe. Nun setzte die Colonne Knorring ihren Marsch fort. 
Nach Zurücklegung von etwa 2 Werst wurde sie von den in 
ihrer linken Flanke wieder aufgetauchten Türken mit Artillerie- 
feuer beschossen; die türkischen Geschütze waren vor dem Orte 
Dzorno aufgefahren. General Knorring stellte wieder den 
Marsch ein, entwickelte seine Truppen zum Gefechte und griff 
die Türken an. Diesmal wurden sie endgiltig zurückgeworfen 
und zogen sich, verfolgt mit Artilleriefeuer, in nördlicher Rich- 
tung gegen die Donau zurück. Es war 4 Uhr nachmittags. Die 
Abtheilungen der Colonne Knorring waren nahezu 12 Stunden 
in äusserst schwierigem Terrain, ohne einen Tropfen Wasser 
marschiert, und benöthigten dringend der Erholung. General 
Knorring liess nun beim Orte Cerkovica 2 Stunden rasten und 
marschierte sodann nach Muselijevo, wo sich die Colonne mit der 
dort schon bivouakierenden Gruppe GL. Schilder- Schuldner 
vereinigte. 

Es waren demnach bei Muselijevo, unter dem Commando 
des GL. Schilder versammelt: das Regiment Archangelsk Nr. 17, 
das 3. Bataillon des Regiments Wologda Nr. 18, das Uhlanen- 
Regiment Bug Nr. 9, die 2 Kasaken-Sotnien des Oberstlieutenants 
Engelhardt, i Sotnie des Don-Kasaken-Regiments Nr. 34, die 



240 

4- und 6. Batterie der 5. Artillerie-Brigade und die 4. Batterie 
der 31. Artillerie-Brigade. 

Demnach war in dem Räume zwischen Muselijevo und der 
Donau, westlich der Osma, nur die kaukasische Kasaken-Brigade 
(6V2 Sotnien, 6 Geschütze) geblieben, deren Commandant Oberst 
Tut o 1min, wie bereits bekannt, von GL. Schilder den Befehl 
erhalten hatte, ,,den Weg nach Guljanci zu beobachten und den 
Feind weder aus Nikopol heraus-, noch in die Festung hineinzu- 
lassen". 

Oberst Tutolmin hatte bereits um 2 Uhr nachmittags den 
Ort Somovit besetzt und bezog abends eine halbe Werst südlich 
dieses Ortes das Lager. Am selben Abende (3. [15.] Juli) 
marschierte der türkische Train unter Bedeckung von 5 Infanterie- 
Bataillonen nebst 2 Geschützen von Nikopol ab. Die Train-Colonne 
überschritt den Osma-Fluss auf der Brücke nächst der Mündung- 
und marschierte auf dem längs dem Donau-Ufer sich ziehenden 
Wege in westlicher Richtung, in der Absicht, sich sodann nach 
Plevna durchzuschlagen. Bei völliger Dunkelheit griff die türkische 
Avantgarde in der Stärke von 6 Compagnien mit 2 Geschützen 
das Lager der kaukasischen Kasaken-Brigade an. Es gelang jedoch 
den zu Fuss kämpfenden Kasaken, nicht allein zweimal die tür- 
kischen Angriffe abzuweisen, sondern auch den grösseren Theil 
der angreifenden Truppen zum Rückzuge gegen Nikopol zu 
zwingen und den kleineren Theil gegen den Vit-Fluss abzudrängen, 
wo dieser Rest durch die bei Tagesanbruch von Muselijevo heran- 
gerückten 2 frischen Sotnien des Oberstlieutenants Engelhardt 
gänzlich vernichtet wurde ^). 

Es befanden sich sonach am Abende des 3. [15.] Juli 
sämmtliche vorgeschobenen Stellungen und die die Stadt be- 
herrschenden Redouten Nr. 2 und 3 im Besitze des West- 
Corps. 

Am folgenden Tage sollte die Citadelle, in welche die 
russische Belagerungs-Artillerie bereits eine Bresche geschossen 
hatte, gestürmt werden. Diese Absicht kam iedoch nicht mehr zur 



1) Für das Treffen bei Nikopol erliielt GL. Baron Krüdener den Georgs- Orden 
IIL Classe. Die IV. Classe dieses Ordens erhielten: der Commandant der S.Artillerie- 
Brigade GM. Pocliitonow, der Commandant des Infanterie-Regiments Galic Nr. 20 
Oberst Pvazgildj ej ew, der Commandant der kaukasischen Kasaken-Brigade Oberst 
Tutolmin, der Commandant der Don-Batterie Nr. 2 Oberst Rytikow, der Comman- 
dant des Infanterie-Regiments Tambow Nr. 122 Oberst Golo'win und der Comman- 
dant des Infanterie-Regiments Wologda Nr. 18 Oberst Baron Solowjew. 



241 

Ausführung^ denn am 4. [16.] Juli morgens streckte die Besatzung 
von Nikopol die Waffen. 

Es capitulierten 7000 Mann^ darunter 300 , Verwundete. 
Ausserdem hatten die Türken circa 1000 Mann an Todten verloren. 
In der Festung wurden erbeutet: 6 Fahnen^ 113 Geschütze^ über 
10.000 Gewehre und 2 Monitore. 

Der russische Verlust betrug an Todten und Verwundeten: 
I General^ 7 Stabsofficiere^ 24 Oberofficiere und 1279 Mann. 



Der russisch-türkische Krie^. II. Bd. l6 



XIT. CAPITEL. 
Erstes Treffen (erste Schlacht) bei Plevna. 

Situation der Truppen General Baron Krüdeners nach der Einnahme von Nikopol. — 
Seine Verfügungen und die Correspondenz mit dem Hauptquartier. — Befehle zur 
Besetzung von Plevna. — Bedeutung dieses Punktes. — General Baron Krüdeners 
Dispositionen für die Vorrückung nach Plevna. — Verfügungen des Generals Schilder- 
Schuldner. — Situation seiner Truppen in der Nacht vom 6. zum 7. [18. zum 19.] 
Juli. — Vormarsch des türkischen Corps Osman Paschas von Vidin nach Plevna. — 
Telegramm des Fürsten Carol an den Obercommandanten der russischen Armee. — 
Recognoscierungen der russischen Cavallerie und Nachrichten über Plevna. — Stellung 
der Türken bei Plevna. — Vorrückung der russischen Truppen und Gefecht bei 
Plevna am 7. [19.] Juli. — Treffen (Schlacht) am 8. [20.] Juli. — Rückzug der 

Russen. — Verluste. 

(Hiezu Karten-rBeilagen I^), 18, 22 und 23.) 

Der von den Truppen General Baron Krüdeners am 
3. [15.] Juli errungene Sieg bei Nikopol und die Krönung desselben 
durch die am nächsten Tage erfolgte Capitulation dieser Festung 
mit ihrer gesammten Besatzung hatte der russischen Armee 
einen überaus wichtigen und wertvollen Erfolg beschert. 

Die Türken dagegen verloren von ihrer ohnehin nicht allzu 
zahlreichen Armee eine 8000 Mann starke Gruppe und ausserdem 
die Festung, ferner das gesammte Material und die Vorräthe 
derselben. 

Auch der moralische Eindruck der beiden Donau - Ueber- 
gänge, sowie jener der Erfolge des Avantgarde- Corps musste 
durch den Nikopoler Sieg beträchtlich verstärkt werden. 

vSchliesslich vermochte sich die russische Hauptkraft^ die 
bisher über die Donau nur einen einzigen gesicherten Punkt, 
die Uebergangsstelle bei Zimnicea-Svistov, besass, nunmehr auf 



^) Beigeschlossen dem i. Bande. 



243 

eine 60 Werst breite Strecke zu basieren, welche im Westen bis 
zur Osma [Osöm] und zum Vit (Vid) und im Osten bis zur Jantra 
reichte; denn auch an letzterer standen damals schon die Truppen 
des Grossfürst-Thronfolgers. Es war jetzt leicht möglich, ausser der 
Svistover noch eine andere Brücke, und zwar bei Nikopol selbst, 
zu erbauen. Durch die Einnahme dieser Festung hatte also die 
russische Armee eine verlässliche Sicherung ihrer Verbindungen 
über die Donau und hiemit viel an Operationsfreiheit gewonnen. 

Die Truppen Baron Krüdeners, welche am Gefechte vom 
3. [15.] Juli bei Nikopol theilgenommen hatten, waren am Abende 
dieses Tages rings um die Festung gruppiert ; sie waren theilweise 
stark durcheinander geworfen ; überdies machte sich die Noth- 
wendigkeit fühlbar, sowohl die Verpflegs- als auch die Munitions- 
Vorräthe zu ergänzen. Es ist daher begreiflich, dass Baron 
Krüdener nach der glücklichen Lösung einer höchst wichtigen 
Aufgabe es für ang*ezeigt, ja nöthig hielt, bevor er an eine weitere 
Operation schritt, sein Corps in jeder Beziehung zu retablieren 

Ueberdies mussten bezüglich der errungenen Beute, der 
Festung, der Gefang*enen, des Materials etc. die nöthigen Ver- 
fügungen getroffen und durchgeführt werden. Schliesslich war auch 
das IX. Armee-Corps noch nicht ganz complet; denn das Infanterie- 
Regiment Woronjez Nr. 124 sammt i Batterie war bei den 
Svistover Brücken zurückgeblieben, um denUebergang* zu decken; 
und das Infanterie-Regiment Kostroma Nr. 19, gleichfalls mit 
I Batterie — unter dem Commando des Obersten Kleinhaus 
stehend — befand sich am Wege von Svistov nach Plevna [Pleven], 
bei Turski Tröstenik. Letzteres Detachement konnte allerdino-s 
bei der Vorrückung des Corps nach Süden leicht zu dem- 
selben herangezogen werden. 

Auf Grund dieser Erwägung-en war es Baron Krüdeners 
erste Sorge, einerseits den Truppen bei der Unterbringung 
soweit als möglich die nöthige Bequemlichkeit zu gewähren, so- 
wie die Verpflegs- und Munitions-Vorräthe ergänzen zu lassen, 
anderseits aber sich von Nikopol „loszumachen". Das erstere 
stand in seiner Macht, erforderte aber einige Zeit^); bezüglich 



^) Aus der Meldung des Co mm and ante n der 5. Infanterie-Division vom 5. [17,] 
Juli ist ersichtlich, dass der Vorrath an Zwieback und Graupen am 7. [19.] ausgehen 
musste. Ferner kann aus dem Feld-Tagebuche des Regiments Archangelsk Nr. 17 
(Abschnitt : Beschreibung der Kämpfe vom 7. und 8, [19. und 20.] Juli) geschlossen 
werden, dass die Mannschaft den Zwieback nicht rechtzeitig erhalten hatte. 

16* 



244 

des anderen mussten die Weisungen des Armee-Obercommandanten 
erbeten werden. 

Den von Baron Krüdener am 4. [16.] Juli erlassenen Dis- 
positionen entsprechend^ nahmen die Truppen des IX. Armee- 
Corps am 5- [17-] Juli in grossen Zügen folgende Gruppierung an: 

in Nikopol standen die 3 vorhandenen Regimenter der 31. In- 
fanterie-Division mit 4 Fuss-Batterien^ und südlich von Nikopol 
(auf 8 bis 10 Werst) die 3 vorhandenen Regimenter der 5. In- 
fanterie-Division, jedes Regiment in einem besonderen Orte ; in 
diesem Cantonierungsraume befanden sich auch 6 Fuss-Batterien 
und die kaukasische Kasaken-Brig'ade des Obersten Tutolmin; 
vor dem rechten Flügel dieses Rayons — bei Annahme der 
Front geg-en Plevna — circa 20 Werst von letzterem Orte, lag* 
die Cavallerie-Brigade unter den Befehlen des Commandanten der 
9. Cavallerie-Division GM. Laskarjew (4 Escadronen, 6 Sotnien, 
6 reitende Geschütze); 

im Südosten, circa 20 Werst von der Hauptkraft des Corps 
und ebensoweit von Plevna, nahe dem von dieser Stadt nach 
Svistov führenden Wege, stand das Detachement Oberst Klein- 
haus (2 Bataillone, 2 Sotnien, i Batterie) mit der Front gleich- 
falls gegen Plevna; i Bataillon des Detachements befand sich 
14 Werst weiter rückwärts, in Blgarene, beim Train ^). 



^) Im Detail waren diese Truppen wie folgt gruppiert: die Infanterie-Regimenter 
Penza Nr. 121, Tambow Nr. 122, Kozlow Nr. 123, die l. bis 4. Batterie der 
31. Artillerie-Brigade in Nikopol; das Infanterie-Regiment Galic Nr. 20, die 
I. und 2. Batterie der 5. Artillerie-Brigade, die kaukasische Kasaken-Brigade mit der 
reitenden Gebirgs-Batterie in Muselijevo (Moselijevo) ; die l. Compagnie des 

5. Sappeur-Bataillons in Mrsovica (Marsovica) ; das Infanterie-Regiment Archangelsk 
Nr. 17, die 4. Batterie der 5. Artillerie-Brigade und die 6. Batterie der 31. Artillerie- 
Brigade in Gradesti [Gaurene]* das Infanterie-Regiment Wologda Nr. 18, die 5. und 

6. Batterie der 5. Artillerie-Brigade in vSamlijevo (Samliu) ; 2 Bataillone des Infanterie- 
Regiments Kostroma Nr. iq, 2 Sotnien der kaukasischen Kasaken-Brigade und die 
5. Batterie der 31. Artillerie -Brigade in Turski Tröstenik; l Bataillon des Infanterie- 
Regiments Kostroma Nr. 19 in Blgarene; 5 Sotnien des Don-Kasaken-Regiments 
Nr. 34 befanden sich bei verschiedenen Stäben, Trains und Parks ; das Uhlanen- 
Regiment Bug Nr. 9 und das Don-Kasaken-Regiment Nr. 9 mit der 2. Don-Batterie 
in Sijakovo (Sikovo) ; von der bei letzterem Orte stehenden Cavallerie ,, waren starke 
Auf klärungs- Abtheilungen auf den Wegen nach Orehovo (Rahovo) und Plevna vorzu- 
senden". — Die kaukasische Brigade mit der reitenden Gebirgs-Batterie (7V2 Sotnien 
und 6 Geschütze) hatte den Befehl erhalten, zur Beobachtung der von Plevna nach 
Lovca und Sevlijevo (Seljvi) führenden Wege, sowie zur Herstellung der Verbindung 
mit dem bei Trnovo stehenden VIII. Armee-Corps, nach Kara Agac (Karagac) vor- 
zurücken; die Brigade war aber am 5. [l2.] Juli noch nicht abmarschiert und nächtigte 
wieder in Aluselijevo. 



245 

In dem Wunsche^ sich — wie bereits erwähnt — „von Nikopol 
loszumachen"^ hatte Baron Krüdener schon am 4. [16.] Juli^ als 
er über den Ausgang' des Gefechtes bei Nikopol meldete, hin- 
zugefügt: 

„Ich bitte um Weisungen bezüglich der Besetzung der 
Festung, sowie darüber, was mit ihrer Armierung und den Ge- 
fangenen zu geschehen hat." 

An demselben Tage, dem 4. [16.] Juli, erhielt Baron Krüdener 
von General Nepokojcitzki folgendes Telegramm: 

„Der Grossfürst Armee-Obercommandant legt Ihnen nahe, 
zur Besetzung von Plevna ausser der Kasaken-Brigade des 
Obersten Tutolmin sofort 2 Infanterie-Regimenter mit Artillerie, 
welche von den Kämpfen bei Nikopol weniger ermüdet sind, vor- 
zuschieben. Ueber das Verfügte ist zu melden')." 

Am folgenden Morgen erhielt General Krüdener die Ant- 
wortauf sein Telegramm vom 4. [16.] Juli. In derselben hiess es: 

„Befehlen Sie den rumänischen Truppen, dass sie sofort 
Nikopol besetzen; dagegen lassen Sie den General Stolypin, 
der sich in Turnu befindet, mit den nöthigen Ofiicieren über das 
gesammte Material der Festung ein Inventar aufnehmen. Sie selbst 
rücken mit Ihren Truppen nach Plevna vor, wo Sie weitere Be- 
fehle erwarten. Die Gefangenen senden Sie nach Bukarest zur 
Verfügung des Generals Katalej. Die Waffen sind in Nikopol 
zu deponieren, um die Bulgaren damit ausrüsten zu können^)." 

Die Stadt Plevna, bulgarisch Pleven, auf welche der Armee- 
Obercommandant in seinen Befehlen hinwies, liegt circa 35 Werst 
südöstlich von Nikopol ; sie war ein ziemlich wichtig'er Knoten- 



^) „Operations-Tagebuch des IX. Armee-Corps" und ,, Operations-Tagebuch 
des Feldstabes". In dem letzterem ist unter dem 4. [16,] Juli bei der Anführung der 
allgemeinen bezüglich der Armee getroffenen Dispositionen, vorgemerkt: ,,Das IX. Armee- 
Corps hat sobald als möglich von Nikopol nach Plevna zu marschieren." 

-) Dieser Befehl konnte infolge der Weigerung der rumänischen Behörden nicht 
in allen Einzelheiten durchgeführt werden. General Krüdener meldete diesbezüglich 
mit Telegramm vom 7. [19.] Juli: 

,,Der Commandant der rumänischen Truppen in Turnu, General Manu, theilte 
mir mit, dass Fürst Carol, welcher seine Truppen hinter dem Jiu versammelt, weder 
eine Besatzung für Nikopol, noch Geleitpersoaal für die Gefangenen abgeben kann; 
letztere beabsichtigte ich, von hier über Turnu abzutransportieren. ..." 

Bekanntlich war die eigentliche Ursache dieser Weigerung in dem Umstände zu 
suchen, dass damals die Convention noch nicht abgeschlossen war, durch welche die Be- 
theiligung der Rumänen an den gemeinsam mit den russischen Truppen durchzuführenden 
Operationen, sowie überhaupt die Mitwirkung Rumäniens am Kriege geregelt wurde. 



246 

punkt der das westliche Bulgarien durchziehenden Communica- 
tionen. Die geringe^ kaum 60 Werst betragende Entfernung von 
Svistov, welches einstweilen den einzigen Ueb er g-angspunkt der 
russischen Hauptkraft darstellte^ gab damals diesem. Orte eine 
g-anz besonders hohe strategische Bedeutung. 

Plevna war mit Ruscuk durch einen 140 Werst langen 
„chaussierten Weg" verbunden^ von dem. ein Zweig nach Svistov 
abgieng. Nach Süden führten von Plevna 2 Strassen_, welche 
beide auf Pässen den Balkan übersetzten; die eine war der 
,,chaussierte Weg" über Lovca^ wSevlijevo^ Gabrovo und den 
Sipka-Pass nach Kazanlik^ 100 Werst lang*^ mit einem Zweige 
von Lovca zum Trojan-(Trajan-)Passe; die andere^ 120 Werst 
lang, führte als Chaussee über den Pass von Orhanie nach Sofia. 

In westlicher und nordwestlicher Richtung^ gegen Vidin zu^ 
bestand keine künstlich erhaltene ^^grosse Strasse"^ sondern es 
führten dorthin nur Theilstrecken von verschiedenen Quercommu- 
nicationen^ welche aber durch den damaligen Gang der Ereignisse 
eine höchst wichtige Bedeutung erhielten^ indem auf ihnen schon 
seit I. [13.] Juli von Vidin her das Corps (Detachement) Osman- 
Paschas gegen Plevna in der Vorrückung begriffen war; hierüber 
wird im folgenden ausführlicher die Rede sein. 

Bereits am 26. Juni [8. Juli] war in Plevna eine Halbsotnie 
des 30. Don -Kasaken- Regiments unter Commando des Jesaul 
Afanasjew gewesen, welche vom Avantgarde-Corps (General 
Gurko) hieher zur Verbindung mit der Brig'ade des Obersten 
Tutolmin entsendet worden war; einen Tag darauf, a.m 27. Juni 
[9. JuliJ, wurde Plevna von einem ganzen türkischen Detachement 
aus Nikopol besetzt. 

Zur Sicherung seiner Verbindungen hatte nämlich Hassan 
Pascha, der Commandant dieser Festung, dem General Atuf 
Pascha den Befehl ertheilt, mit 3 Bataillonen, i Escadron und 
4 Geschützen^) (zusammen circa 2000 Mann) Plevna zu besetzen. 
Das Detachement war am 26. Juni [8. Juli] abmarschiert und hatte 
Plevna bereits am folgenden Tage, dem 27. Juni [9. Juli], erreicht. 

Atuf Pascha beliess in der Stadt selbst nur i Compagnie ; 
seine übrigen Truppen verlegte er auf die dominierenden Höhen, 
um neuerlichen Recognoscierungen der Russen entgeg-enwirken 
zu können; i Compagnie gab er sogar nach Mitropolja (Metropolj) 



^) 2 Krupp'sche und 2 Gebirgs-Geschütze. 



247 

am Wege nach Vidin; schliesslich organisierte er auch einen 
eigenen Aufklärungsdienst, wozu er die reitenden Landesbewohner 
(Baschibosuk) und Tscherkessen verwendete. Als Atuf Pascha 
von Osman Pascha erfuhr, dass letzterer von Vidin vorrücke, 
vertheilte er — in der Ueberzeugung, die Russen würden in 
nächster Zeit nichts Ernstliches gegen Plevna unternehmen — 
seine Truppen an verschiedenen Punkten rings um die Stadt, um 
bei den Russen den Glauben zu erwecken, er sei bedeutend 
stärker, als dies thatsächlich der Fall war^). 

Die Nachricht von dem Eintreffen der Türken in Plevna 
gelangte noch an demselben Tage, dem 27. Juni [9. Juli], nach 
Blgarene zur kaukasischen Kasaken-Brigade ; daraufhin wurden 
sofort 2 Sotnien des Regiments Wladikawkaz mit 2 Geschützen 
der reitenden Gebirgs-Batterie unter Commando des Oberst- 
lieutenants Bibikow zur Aufklärung dorthin entsendet. Diese 
Truppen nächtigten infolge des späten Abmarsches unterwegs im 
Dorfe Radinenec und führten am Morgen des folgenden Tages 
(28. Juni [10. Juli]) unter dem Feuer der Türken die Reco- 
gnoscierung durch; am nächsten Tage, dem 29. [11.], meldete 
Oberst Tutolmin unter anderem: „In Plevna stehen bestimmt 
4 Bataillone, 6 Geschütze und 2 Reiter-Sotnien ; mehr war nicht 
zu ermitteln. Die Türken verschanzen sich bei Plevna." 

An den nächsten Tagen betheiligte sich, wie im vorigen 
Capitel dargestellt, die kaukasische Kasaken-Brigade an den 
Operationen gegen Nikopol. Plevna gegenüber, und zwar auf dem 
von Svistov dorthin führenden Wege, blieb nur das Detachement 
des Obersten Kleinhaus stehen, bei welchem 2 Kuban-Sotnien 
der kaukasischen Brigade eingetheilt waren. Meldungen des 
Obersten Kleinhaus aus der Zeit vom 29. Juni bis 4. Juli 
[11. bis 16. Juli] wurden in den Acten nicht vorgefunden. 

Wie aus dem Operations-Tagebache des IX. Armee- Corps 
hervorgeht, war Baron K rüden er nicht nur bis dahin, das ist bis 
zum 5. [17.] Juli, sondern auch noch am 6. [18.] Juli im allgemeinen 
der Ansicht, dass die durch Patrouillen und Deserteure erlangten 
Nachrichten über den Feind die Situation noch nicht hinreichend 
geklärt hätten; es war nur bekannt, dass Plevna besetzt sei, 
und zwar augenscheinlich von unbedeutenden Kräften. 



^) ,, Defense de Plevna", Werk des Generals M uz äff er Pascha und des General- 
stabs-Oberstlieutenants Talaat Bey, Adjutanten des Müschir Ghazi Osman Pascha. 



-4S 

Die weitere Vorrückung- von Nikopol führte zwar die 
russischen Truppen naturgemäss nach Plevna, aber General 
Krüdener, welcher damals — wie bereits gesagt — damit be- 
schäftigt war^ seine Truppen zu ordnen und bezüglich Nikopols 
vorzusorg'en^ hatte keinerlei Anlass^ die Offensive gerade gegen 
jenen Punkt zu beschleunigen. 

Ueber die Vorrückung* Osman Paschas von Vidin, die im 
Feldstabe — wie im folgenden dargelegt werden soll — bereits 
am 2. [14.] Juli bekannt war^ hatte man Baron Krüdener nichts 
mitgetheilt. Aus diesem Grunde depeschierte er, augenscheinlich 
in Beantwortung der oben angeführten Telegramme des Armee- 
Stabschefs und des Armee-Obercommandanten^, noch an demselben 
Tag-e, dem 5. [17.] Juli, an General Nepokojcitzki: 

,,Für die neunpfündigen Batterien haben wir weder in den 
Munitionswagen, noch in den Parks Granaten mit Aufschlag-- 
zündern ; ein Theil der leeren Fuhrwerke und Munitionswag"en 
wurde bereits am 20. Juni [2. Juli] nach Bäniasa (Banias) gesandt, 
ist aber von Alexandria noch nicht zurückgekehrt." 

„Es wäre nöthig, die Munition zu ergänzen, bevor wir nach 
Plevna marschieren, wo sich, laut den mir von Oberst Tutolmin 
mitgetheilten Nachrichten, 4 Nizam-Bataillone mit Geschützen, 
sowie 2 Escadronen und Tscherkessen befanden und verschanzten; 
von Sofia wurden Beweg*ungen türkischer Truppen gegen Plevna 
constatiert; auch Nikopol erwartete von Sofia und Vidin Ver- 
stärkungen." 

Diese Depesche traf infolge einer Störung des telegraphischen 
Betriebes im Hauptquartier zu Trnovo erst am 6. [18.] Juli, 
2 Uhr nachmittags, ein^). Aber schon vorher, am 5. [17.] Juli, 
4 Uhr früh, hatte der Armee-Obercommandant dem General 
Krüdener folgendes Telegramm gesandt: 

„Melden Sie ehestens, ob Sie bald nach Plevna vorrücken; 
Tutolmin soll unverzüglich mit dem Flügel- Adjutanten Zerebkow 
in Verbindung treten; diesen habe ich nach Sevlijevo und weiter 
nach Lovca gesandt; er hat Befehl, seinerseits mit Tutolmin in 
Fühlung zu bleiben; letzterer hat nach Sevlijevo zu rücken und 



1) Die telegraphische Verbindung zwischen General Krüdener und dem Feld- 
stabe gieng damals über Turnu Mägurele (am linken Donau-Ufer, Nikopol gegenüber) 
und Zimnicea. Die Weiterbeförderung durch erstere Station erfolgte am 4., 5. und 6. 
[16. bis 18.] Juli äusserst langsam, da infolge starker Gewitter die Depeschen sich in 
der Nacht zum 5. [17.] Juli angehäuft hatten und während dieser Zeit die Station in- 
folge eines falschen Alarmes ausgeschaltet und daher die Verbindung unterbrochen war. 



249 

dort Zerebkow abzulösen. Bei Ihnen verbleiben Ihre Uhlanen 
und 2 Kasaken-Regimenter. In Plevna haben Sie sich sofort 
gegen eine eventuelle Offensive feindlicher Truppen von Vidin 
her zu sichern." 

In Ergänzung dieses Telegramms depeschierte der Armee- 
Stabschef noch an demselben Tage (5. [17.] Juli), um 2 Uhr 
40 Minuten nachmittags: 

^^Wenn Sie nicht sofort mit allen Truppen nach Plevna 
vorrücken können, so schicken Sie dorthin unverzüglich die Kasaken- 
Brigade Oberst Tutolmin und einen Theil der Infanterie." 

General Krüdener erhielt dieses letzte Telegramm in 
Nikopol am Morgen des 6. [18.] Juli. Angesichts des darin ent- 
haltenen kategorischen Befehles, und umsomehr, da dasselbe — 
dem Zeitcalcul nach — als Antwort auf das oben angeführte 
Telegramm an den Armee-Stabschef vom 5. [17.] aufgefasst werden 
konnte, traf Baron Krüdener folgende Verfügungen: 

Der Commandant der 5. Infanterie-Division GL. Schilder- 
Schuldner hatte mit der i. Brigade seiner Division, der i., 2., 3. 
und 4. Batterie der 5. Artillerie-Brigade und der i. Compagnie 
des 5. Sappeur-Bataillons sammt allen Trains dieser Truppen am 
6. [18.] Juli nach Brösljanica (Bresljanica) abzurücken; gleichzeitig 
wurde GL. Schilder -Schuldner verständigt, dass zur Sicherung* 
seines Vormarsches und zur Recognoscierung des Terrains um 
Plevna die Brigade des Obersten Tutolmin, sowie das 9. Don- 
Kasaken-Regiment unter den Befehlen des Commandanten der 
9. Cavallerie-Division GM. Laskarjew vorgeschoben, und dass 
diese gesammte Cavallerie ihm temporär unterstellt werde. 
Dieser Verständigung war noch hinzugefügt: „Am 7. [19.] Juli 
haben Sie sodann, wenn Sie auf keine besonderen Hindernisse 
stossen, mit allen oben bezeichneten Truppen nach Plevna zu 
rücken und dorthin auch das Regiment Kostroma Nr. 19 sammt 
der 5. Batterie der 31. Artillerie-Brigade von Turski Tröstenik 
heranzuziehen; vorher ist aber anzuordnen, dass in letzteres Dorf 
die in Blgarene befindlichen 4 Compagnien sammt dem Train 
des Regiments und den dort vorhandenen Parks vordirigiert 
werden. Im übrigen werden alle weiteren Verfügungen bezüglich 
des Vormarsches von Brösljanica und Turski Tröstenik ganz dem 
Ermessen Eurer Excellenz anheimgestellt." Zum vSchlusse hiess 
es: „Mit den übrigen Truppen des Corps — ausgenommen das 
vorläufig in Nikopol verbleibende Infanterie-Regiment Penza Nr. 1 2 1 



250 

— beabsichtige ich morgen^ den 7. [ig.JJuli^ spätestens aber am 
9. [21.]; in Brösljanica einzutreffen." 

In dem Auftrage an General Laskarjew war — ausser den 
in obiger Disposition an GL. Schilder-Schuldner enthaltenen 
Verfügungen — befohlen: 

,,Es haben aufzuklären: die kaukasische Brigade das Terrain 
zwischen dem Weg-e Brösljanica-Plevna und den von Lovca und 
Selvijevo nach Plevna führenden Communicationen^ und das Don- 
Regiment den Raum zwischen dem Vit und dem bezeichneten 
Wege (Brösljanica-Plevna). Gleichzeitig bitte ich zu verfügen^ 
dass das 9. Uhlanen-Regiment Bug mit der Don-Kasaken-Batterie 
Nr. 2 beim Dorfe ^Ciekovci' ^) stehen bleibe^ den unteren Lauf 
des Vit-Flusses^ sowie die von Orehovo kommenden Wege beob- 
achte und mit dem Don-Kasaken-Regimente Nr. 9 beständig 
Verbindung erhalte." 

Oberst Tutolmin erhielt ^,in Abänderung des gestrigen 
Befehles" den Auftrag^ ^^noch an demselben Tage^ dem 6. [18.] Juli, 
nach Turski Tröstenik zu marschieren und von hier aus in der 
Richtung auf Plevna das ganze Terrain bis zu den von Brösljanica, 
respective Lovca und Sevlijevo nach Plevna führenden Wegen 
aufzuklären". Weiters waren Andeutungen bezüglich der Ver- 
wendung der übrigen Truppen des Generals Schilder -Schuldner 
gegeben und hinzugefügt:. ,,Am 7. [19.] Juli werden sodann die 
bezeichneten Truppen^ wenn sie auf keine besonderen Hindernisse 
stossen, zusammen mit dem in Turski Tröstenik befindlichen 
Infanterie-Regimente Kostroma Nr. 19 in Plevna einrücken." 

General Krüdener meldete noch an demselben Tage, dem 
6. [18.] Juli, seine im obigen dargestellten Verfügungen bezüglich 
der Vorrückung gegen Plevna und fügte hinzu, dass seine „Truppen, 
wenn es die Verhältnisse zulassen sollten, morgen, den 7. [19.] Juli, 
in Plevna sein" würden. Diese Depesche kreuzte sich mit einem 
Telegramm, welches General Nepokojcitzki gleichfalls am 
6. [18.] Juli abends absandte und in welchem es hiess : 

„Der Grossfürst Armee-Obercommandant legt Ihnen nahe, 
ausser der Brigade des Obersten Tutolmin unbedingt noch 
2 Infanterie-Regimenter sammt Artillerie, welche weniger durch 
die Kämpfe bei Nikopol ermüdet sind, nach Plevna zu schicken." 

Im Laufe des 6. [18.] Juli führten die Truppen die für diesen 
Tag ihnen vorgezeichneten Bewegungen durch: nur die i. Brigade 



^) Unrichtige Bezeichnung für Sijakovo. Siehe weiter im Texte. — D. Ueb. 



der 5. Infanterie-Division^ welche den Befehl erst abends erhielt, 
konnte infolge der schlechten Wege nicht bis Brösljanica, sondern 
nur bis Sijakovo (Sikovo) gelangen und nächtigte dortselbst. Die 
kaukasische Kasaken-Brigade war entsprechend dem ursprünglichen 
Befehle (vom 4. [16.] Juli) am 6. [18.] früh vom Muselijevo im 
Osma- [Osöm-] Thale nach Kara Agac aufgebrochen und in 
Tröncovica (Trancovica) zur Nächtigung stehen geblieben. Hier 
erhielt Oberst Tutolmin spät abends den oben erwähnten 
Auftrag, nach Turski Tröstenik zu rücken. Da aber dieser Punkt 
von seinem Lager im ganzen nur 7 Werst entfernt war und sich 
dort überdies (beim Infanterie - Regimente Kostroma) bereits 
2 Sotnien der kaukasischen Brigade befanden^ so beschloss Oberst 
Tutolmin^ um Leute und Pferde nicht unnöthig' zu ermüden^ in 
Tröncovica zu nächtigen und erst am folgenden Tage nach Turski 
Tröstenik zu rücken. 

Inzwischen hatte General Schilder - Schuldner — gleich 
nach Erhalt der Disposition des Barons Krüdener bezüglich der 
Vorrückung nach Plevna — an Oberst Kleinhaus^ den 
Commandanten des Infanterie - Regiments Kostroma Nr. ig^ 
folgenden Befehl abgesendet : 

^.Rücken Sie sofort; also noch heute, mit Ihrem Detachement 
auf dem nach Pordim (Poradim) führenden Wege ab und nächtigen 
Sie an der Kreuzung desselben mit der grossen Plevna-Ruscuker 
Strasse^ um morgen mittelst eines Tagmarsches Plevna 
erreichen zu können ; dorthin werden auch die übrigen, heute bei 
BrövSljanica nächtigenden Truppen der Division gelangen. Den 
beiliegenden Befehl;, betreffend den Anschluss des 3. Bataillons 
sammt den Parks senden Sie sogleich durch Kasaken nach 
Blgarene." 

In der Nacht vom 6. zum 7. [18. zum 19.] Juli war das West- 
Corps im allgemeinen wie folgt gruppiert : 

Von den nicht zum Vormarsche nach Plevna 
bestimmten Truppen befanden sich 3 Infanterie-Regimenter 
mit 4 Sotnien und 4 Batterien in Nikopol ; ferner i Infanterie- 
Regiment mit 2 Batterien und der Sappeur-Compagnie 8 Werst 
südlich Nikopol bei Muselijevo; endlich nächtigte das Uhlanen- 
Regiment Bug Nr. 9 mit i reitenden Batterie bei Sijakovo, 
10 Werst westlich Muselijevo. 

Hingegen waren die zur Vorrückung nach Plevna aus- 
ersehenen Truppen in dieser Nacht in 2 voneinander getrennten 



252 

Gruppen wie folgt vertheilt: die rechte Gruppe stand auf 
20 bis 22 Werst von Plevna^ und zwar war bei Sijakovo die 
I. Brig-ade der 5. Infanterie-Division, bei der sich auch der 
Divisionär GL. Schilder- Schuldner befand; und auf 2 Werst 
rechts davon, etwas vorgeschoben, beim Dorfe Kreta das 9. Don- 
Kasaken-Regiment. Die linke Gruppe w^ar 25 Werst südöstlich 
der rechten; hier stand vorne das Detachement Oberst Kleinhaus 
auf 18 Werst von Plevna; ferner auf 14 Werst rechts dahinter, 
bei Tröncovica, die kaukasische Kasaken-Brig-ade und weiter links 
bei Blg-arene, 15 Werst hinter dem Detachement, noch ein 
Bataillon des Infanterie-Regiments Kostroma Nr. 19 sammt den 
Artillerie-Parks. 

Zwischen diesen Gruppen, gleichfalls in der vorderen Linie 
(bei Annahme der Front gegen Plevna), befanden sich — 7 Werst 
vor Sijakovo — in Brösljanica : 2 Fuss-Batterien unter der Be- 
deckung einer Compagnie des nicht zu den Truppen GL, Schilder- 
Schuldners zählenden Infanterie-Regiments Galic Nr. 20^), 

In dieser Situation also verbrachten die russischen Trappen 
die Nacht zum 7. [19.] Juli, an welchem Tage sie nach Plevna 
vorrücken sollten ; hier aber war inzwischen von Westen, 
nämlich von Vidin her, das türkische Corps Osman Paschas 
eingetroffen. 

Es ist bereits erwähnt worden, dass die an den Flügeln der 
Donau- Vertheidigungslinie (im P^estungs -Viereck und bei Vidin) 



^) Im Detail waren die Truppen in folgender Weise vertheilt. Es standen : das 
Don-Kasaken-Regiment Nr. 9 (6 Sotnien) in Kreta; die Infanterie-Regimenter 
Archangelsk Nr. 17 und Wologda Nr. 18, die 4. und 5. Batterie der 5. Artillerie- 
Brigade, das Uhlanen-Regiment Bug Nr. 9, r Sotnie des 34. Don-Kasaken-Regiments 
und die 2. Don-Kasaken-Batterie (6 Bataillone, 4 Escadronen, i Sotnie und 
22 Geschütze) in vSijakovo; die l. und 2, Batterie der 5. Artillerie-Brigade unter 
Bedeckung einer Compagnie des Infanterie-Regiments Nr. 20 (16 Geschütze, Vi Batail- 
lon) in Brösljanica; 2 Bataillone des Infanterie-Regiments Kostroma Nr. 19, die 

5. Batterie der 31. Artillerie-Brigade und 2 Sotnien des Kuban-Regiments (2 Batail- 
lone, 2 Sotnien, 8 Geschütze) an der Plevna-Ruscuker Chaussee zwischen Turski 
Tröstenik und Pordim ; I Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 19 in Blgarene; 
die kaukasische Kasaken-Brigade mit l reitenden Gebirgs-Batterie (7V2 Sotnien und 
6 Geschütze) bei Tröncovica; das Infanterie-Regiment Galic Nr. 20, die beiden 

6. Batterien der 5. und 31. Artillerie-Brigade und die i. Compagnie des 5. vSappeur- 
Bataillons (3 Vi Bataillone, 16 Geschütze) in Muselijevo; die Infanterie-Regimenter 
Penza Nr. 121, Tambow Nr. 122, Kozlow Nr. T23, die i., 2., 3. und 4. Batterie der 
31. Artillerie-Brigade und 4 vSotnien des Don-Kasaken-Regiments Nr. 34, (9 Batail- 
lone, 4 Sotnien und 32 Geschütze) in Nikopol. 



253 

gesammelten Streitkräfte der Türken ursprünglich nur für 
Defensiv-Operationen in Aussicht genommen waren. Zur Verhin- 
derung der Offensive der russischen Truppen nach Süden über 
den Balkan^ sowie überhaupt für Operationen im freien Felde be- 
absichtigte man, hinter dem Gebirge eine Reserve-Armee zu bilden. 

Mitte Juni indessen^ gleich nach dem Uebergange der 
russischen Hauptkraft über die Donau^ hatte Osman Pascha 
dem Oberbefehlshaber der türkischen Truppen Abdul Kerim 
Pascha einen anderen Plan vorgeschlagen. Er wollte in Vidin 
nur die zur Vertheidigung nöthigen Truppen belassen, mit dem 
Reste seines Corps aber sich nach Plevna wenden, unterwegs 
aus Orehovo einige Bataillone heranziehen und sich in Plevna 
mit der Besatzung der Festung Nikopol vereinigen ; letzteres 
sollte, ohne den Angriff der Russen abzuwarten, aufgeg'eben 
werden. Von Plevna beabsichtigte Osman Pascha, über Lovca 
nach Trnovo zu marschieren, und sich hier mit dem Corps 
Achmet Ejub Paschas zu vereinigen, welches inzwischen von 
Sumla [Sumen] über Stara Dzumaja (Eski Dzuma) dahin vorzu- 
rücken hatte. Dann wollte Osman Pascha an der Spitze der 
vereinigten Armee in der Richtung auf Svistov zur Offensive 
übergehen. Sollte jedoch die Vereinigung mit Achmet Ejub 
Pascha nicht gelingen, so wollte Osman Pascha Lovca besetzen, 
welches nach seiner Meinung viele Vortheile zur Vertheidigung 
der Balkan-Uebergänge bot. Selbst eine günstige Vertheidigungs- 
Position bildend, besass die Stadt gesicherte Verbindungen über 
Orhanie mit Sofia, und über Trojan mit Philippopel. 

Anfangs wurde Osman Paschas Plan nicht angenommen, 
da sich die türkische Regierung scheute, die Vidin g'egenüber, 
bei Calafatu, stehenden Rumänen und die Serben unbeobachtet 
zu lassen ; als aber Ende Juni die schnellen Erfolge der russischen 
Armee befürchten Hessen, dieselbe könne südlich des Balkan er- 
scheinen, wo damals die zum Schutze der Strasse nach Adrianopel 
und Sofia bestimmten Truppen noch nicht gesammelt waren, sah sich 
die türkische Regierung veranlasst, soviel Streitkräfte als irgend 
möglich von den secundären auf den Haupt-Kriegsschauplatz heran- 
zuziehen ^). 

Der grösste Theil des Corps Sule im an Paschas, welches bis 
dahin gegen Montenegro operiert hatte, sollte daher in Antivari 
eingeschifft, in Dedeagac gelandet und von hier mittels der Eisen- 



^) Muzaffer Pascha und Talaat-Bey, „Defense de Plevna". 



254 

bahn nach Adrianopel befördert werden. Die Corps Achmet Ejub 
Paschas (von Sumla) und Os man Paschas (von Vidin) hatten der 
russischen Armee in die Flanken zu fallen. Zur Räumung* Nikopols 
entschloss man sich jedoch nicht^ da der Kriegs-Minister Redif 
Pascha diesbezüglich erklärte : ^^Nikopol ist eine alte Festung ; 
es hat Ueberfiuss an Geschützen und Vorräthen und umschliesst 
auch eine Stadt." 

Am 28. Juni [10. Juli] erhielt Osman Pascha den 
Befehl zum Vormarsche. Er traf unverzüglich die nöthigen 
Vorbereitungen für denselben und telegraphierte über die 
beabsichtigte Vorrückung an den Festungs-Commandanten von 
Nikopol; Hassan Pascha^ Vielehen er bat^ sich im Falle eines 
Angriffes seitens der Russen um jeden Preis zu halten, da er ihm 
bald zu Hilfe kommen werde. 

Am I, [13.] Juli früh marschierte Osman Pascha mit 
1 9 Bataillonen, 5 Escadronen regulärer Cavallerie und 9 Batterien 
von Vidin ab und traf abends in Akcer (Akcar) ein. 

Bei diesem ersten Marsche wurde das türkische Corps vom 
jenseitigen Donau-Ufer durch die rumänischen Vorposten und 
durch den bei der rumänischen Artillerie eingetheilten russischen 
Hauptmann Iwanow beobachtet. 

Am 2. [14.] Juli telegraphierte P^ürst Carol von Rumänien 
hierüber an den Armee-Obercommandanten : 

„Die Vorposten zu Calafatu melden mir, dass eine grosse 
feindliche Colonne, 25 Bataillone mit Cavallerie, schnell in der 
Richtung auf Lom Palanka vorrückt. Ich eile, dies Eurer kaiser- 
lichen Hoheit zur Kenntnis zu bringen und benütze die Gelegen- 
heit, meine Bitte bezüglich der Torpedos und der kleinen Boote 
zu wiederholen." 

Dieses Telegramm übte nicht sofort einen bestimmenden 
Einiiuss auf die Ansichten und Verfügungen des russischen Haupt- 
quartiers aus. Soweit darüber geurtheilt werden kann, war einer- 
seits die Ursache die, dass wiederholt schon aus rumänischen 
Quellen alarmierende Nachrichten eingetroffen waren, die sich 
dann als unbegründet erwiesen ; anderseits waren augenscheinlich 
die aneinander gereihten Erfolge der russischen Armee daran 
schuld, dass das Gefühl der Sicherheit bei der oberen Führung 
zusehr die Oberhand gewonnen hatte. 

Uebrigens lässt die Reihe der oben angeführten Telegramme, 
mit w^elchen das Hauptquartier, vom 4. [16.] Juli angefangen, 



255 

von General Krüdener, die möglichst baldige Besetzung von 
Plevna forderte und dies immer wiederholte, bereits auf eine 
gewisse Beunruhigung schliessen. Nichtsdestoweniger sind gar 
keine Anzeichen dafür vorhanden, dass dem General Krüdener 
etwas von dem Telegramm des Fürsten Carol bekannt geworden 
wäre ^). Auch hat der Feldstab [Operierendes Hauptquartier], soweit 
die in den Acten erhaltenen Verfügungen einen Schluss gestatten, 
nichts zur Aufklärung jenes Raumes angeordnet, in welchem die 
Türken von Vidin her vorrücken konnten, und gar nicht versucht, 
auf eine andere Weise Gewissheit über ihren Vormarsch zu er- 
halten 2). 



^) Baron Krüdener selbst bestätigt, dass er über die Vorrückung Osman 
Paschas überhaupt nicht benachrichtigt wurde. ,,Russkaja Starina", Jahrgang 1887, 
I. Band, Artikel ,,Die zweite Schlacht von Plevna". 

2) All dies gab einerseits Anlass zu Zweifeln an der Echtheit des Telegramms 
(welches auf privatem Wege zu dem Material der kriegsgeschichtlichen Commission 
kam); anderseits entstand die Vermuthung, dass das Telegramm nicht bis zum Feldstabe 
gelangt oder nicht vorgelegt worden war. Das eine wie das andere erwies sich jedoch 
als unbegründet. 

In der Lebensbeschreibung des Königs von Rumänien (,,Aus dem Leben Königs 
Karl von Rumänien", Stuttgart 1897), heisst es unter dem 2. [14.] Juli: ,,Als dem 
Fürsten gemeldet wurde, dass heute seit frühem Morgen starke feindliche Colonnen 
von Vidin in östlicher Richtung abmarschierten, theilte er dies, nachdem er sich persön- 
lich hievon überzeugt hatte, unverzüglich dem Grossfürsten auf telegraphischemWege mit." 

Weiters wird ein Brief des Fürsten an seine Gemahlin angeführt, welcher an 
demselben Tage geschrieben wurde und in dem es unter anderem lautet : ,, Heute früh 
marschierten starke feindliche Truppen von Vidin ab, wahrscheinlich um den rechten 
Flügel der Russen anzugreifen. Ich habe darüber sofort dem Grossfürsten nach Trnovo 
telegraphiert." 

Der Seiner Hoheit, dem Armee-Obercommandanten, persönlich zur Disposition 
gestellte damalige Generalstabs-Oberst, jetzige [1901] Gouverneur von Astrachan, 
GL. Hasenkampf, theilte der kriegsgeschichtlichen Commission in seiner Zuschrift 
Nr. 252 vom 23. Jänner [4. Februar] 1901 Folgendes mit: 

,,l. Zernyskow, welcher den Empfang des Telegramms registrierte, war der 
persönliche Kammerdiener Seiner kaiserlichen Hoheit, des Armee-Obercpmmandanten." 

,,2. Ich hörte wohl davon reden, dass vom Fürsten Carol ein Telegramm 
bezüglich der Vorrückung der Türken von Vidin eingelaufen war ; ich erinnere mich 
jedoch nicht mehr, von wem; ich glaube, vom Chef des Feldstabes oder seinem Adlatus 
K. W. Lewitzki. Aber ich entsinne mich genau, dass hiebei gesagt wurde: , Wahr- 
scheinlich geradeso ein Telegramm, wie die vielen früheren, mit alarmierenden Nach- 
richten aus derselben Quelle' (nämlich , rumänischen'. — Die Redaction). Ich zog schon 
damals den Schluss und bleibe auch jetzt dabei, dass man dem Telegramm keine 
Bedeutung zumass. Der Armee-Obercommandant und der Armee-Stabschef waren zu jener 
Zeit völlig mit dem soeben begonnenen , ersten Transbalkan-Uebergange' und den darauf 
folgenden Ereignissen (der Einnahme von Nikopol, einer Reihe von Gefechten jenseits 
des Balkan, der Einnahme von Kazanlik und Besetzung des .Sipka-Passes) beschäftigt." 



256 

Inzwischen setzte Osman Pascha seine Vorrückung fort. 
Am Morgen des 2. [i^.] Juli marschierte er von Akcer ab 
und traf um 4 Uhr nachmittags in Krivodol ein. 

Hier erhielt er aus Constantinopel folgende 2 Telegramme : 

1. ;^Seine Majestät befiehlt Ihnen, so schnell als möglich 
Ihr Operations-Object zu erreichen. Der Feind^ in 2 Colonnen 
g'etheilt, hat Jeni Zagra [Nova Zagora] und Kazanlik angegriffen. 
Wo befinden Sie sich ? Wieviel beträgt die Effectivstärke Ihrer 
Truppen? Antworten Sie unverzüglich." 

2. „Wie Ihnen in der soeben vorangegangenen Depesche 
mitgetheilt wurde^ schwebt das Land gegenwärtig zwischen Tod 
und Leben. Gerade jetzt heisst es^ den glühendsten Eifer und den 
erhabensten Patriotismus zu beweisen. Seine Majestät befiehlt Ihnen^ 
Ihre Vorrückung soweit als irgend möglich zu beschleunigen." 

Nach Erhalt dieser Telegramme rückte Osman Pascha noch 
in der Nacht vom 2. zum 3. [14. zum 15.] Juli von Krivodol ab 
und traf nachmittags des letzteren Tages in Vlcidrama (Vilcerda) ein. 

Hier erreichte ihn ein Telegramm Abdul Kerim Paschas, 
welches besagte, dass sich Nikopol in einer kritischen Situation 
befinde, und Osman auftrug, möglichst schnell Plevna zu be- 
setzen. 

„Von dieser Minute an", heisst es in ,Defense de Plevna', 
„änderte sich Osman P^-schas Operationsziel: er musste den 
Plan aufgeben, sich unmittelbar im Teteven -Balkan, das ist bei 
Lovca, festzusetzen." 



Mit dem oben Angeführten stimmen auch, die Vormerkungen in dem Tagebuche 
überein, welches von Oberst Skalon über Befehl Seiner, Hoheit des Grossfürsten, 
geführt wurde ; in demselben heisst es, der Grossfürst habe nach der Einnahme von 
Nikopol gesagt: „Auf der "West-Front sind wir mit den Türken ein- für allemale 
fertig." 

Schliesslich theilte der damalige ,,Stabsofficier für das Kundschaftswesen" beim 
Feldstabe, Generalstabs-Oberst Artamanow, jetzt Geaerallieutenant und Commandant 
der Militär-Topographen-Schule, durch dessen Hände alle Nachrichten über die 
türkische Armee gehen mussten, der kriegsgeschichtlichen Commission in seiner Zuschrift 
Nr. 38 vom 21. Jänner [2. Februar] 1901 mit, dass ihm ,, dieses Telegramm nicht 
übergeben wurde", dass er aber im Juli 1877, also während des Krieges, von der 
Existenz desselben erfuhr. 

Zu dem oben Gesagten muss noch hinzugefügt werden, dass früher von Seite 
der Rumänen thatsächlich wiederholt Nachrichten alarmierenden Charakters eingetroffen 
waren, und zwar sowohl während des Krieges als auch schon vor dessen Beginn ; zu- 
meist waren sie durch die Befürchtung verursacht, die Türken könnten in rumänisches 
Gebiet eindringen. Im gegebenen Falle aber kam die Nachricht von Fürst Carol 
selbst; auch sprach sie vod einem thatsächlichen Factum. 



257 

Auf das erhaltene Telegramm hin sandte Osman Pascha 
sofort 3 Bataillone zur Unterstützung Atuf Paschas nach Plevna. 
Mit den übrigen Truppen marschierte er am folgenden Tage^, 
dem 4. [16.] Juli, früh von Vlcidrama ab und erreichte gegen 
Abend Altemir. Hier rastete Osman Pascha bis 3V2 Uhr nach- 
mittags des 5. [17.] Juli; worauf er den Marsch fortsetzte und 
gegen 9 Uhr abends in Kneza (Knjaza, Ismail Bussar) eintraf, 
um sich dortselbst mit 3 Bataillonen aus Orehovo zu vereinigen; 
dort erhielt er auch die Nachricht von der Einnahme Lovcas durch 
die Russen. Diese Stadt war thatsächlich am 5. [17.] Juli durch eine 
über Befehl des Armee -Obercommandanten abgesendete Kasaken- 
Abtheilung des Obersten Zerebkow, bestehend aus 2 Sotnien 
und 2 Geschützen, besetzt worden. 

Noch in der Nacht vom 5. zum 6. [17. zum 18.] Juli brach 
Osman Pascha von Kneza wieder auf und traf, nachdem er unter- 
wegs erfahren hatte, dass Nikopol gefallen sei, bei Morgengrauen 
am Isker ein; durch den Uebergang über den Fluss stark aufge- 
halten, erreichte er erst am Abende des 6. [18.] Juli Dl. Mitropolija 
und rückte am 7. [19.] früh bei Tagesanbruch in Plevna ein ^). 

Der ganze, 180 Werst betragende Marsch der Türken von 
Vidin nach Plevna blieb für die russischen Truppen völlig un- 
bemerkt; denn die Cavallerie des IX. Armee-Corps und Oberst 
Tutolmins kaukasische Kasaken-Brigade hatten bisher an der 
Durchführung der nächsten Aufgabe General Krüdeners mit- 
wirken müssen, nämlich an der mit der Einnahme Nikopols ab- 
geschlossenen Operation ; beide Cavalleriekörper hatten sodann 
den Unterkunfts-Rayon der übrigen Truppen zu sichern und die 
nöthigen Vorbereitungen für die Vorrückung gegen Plevna zu 
treffen. Auf diese Weise fiel also die Marschlinie Osman Paschas 
nicht mehr in den Aufklärungs-Bereich der russischen Cavallerie. 

Allerdings constatierten die Patrouillen einer am 5. [17.] Juli 
über den Vit gegen Orehovo vorgeschobenen Escadron des 
Uhlanen-Regiments Bug Nr. 9 am Isker, in der Nähe der Mündung 
desselben in die Donau, 2 türkische Gruppen ; die eine, 2 Batail- 
lone und 3 Geschütze stark, lagerte bei Besli (Bjesli, Beclikiöj) ; 
die andere, nur aus Infanterie bestehend, lagerte bei Gigen (Glina). 
Beide Gruppen bestanden aber, wie die Patrouillen in Erfahrung 
brachten, aus türkischen Abtheilungen, welche in der Nacht vom 



^) Muzaffer Pascha und Talaat Bey, ,, Defense de Plevna". 

Der russisch-türkische Krieg. II. Bd. 17 



258 

3- zum 4. [15. zum 16.] Juli rechtzeitig von Nikopol abgezogen 
waren. 

Am 6. [18.] Juli standen von General Laskarjews 10 Esca- 
dronen und Sotnien^ wie aus seiner Meldung an General Krüdener 
hervorgeht^ 7 im Vorpostendienste. Für den Aufklärungsdienst 
auf weitere Entfernung-en waren^ laut derselben Meldung^ je i Es- 
cadron oder Sotnie gegen Orehovo, Plevna undKara Agac (23 Werst 
südöstlich Nikopol) entsendet. Da nun das erste dieser Nach- 
richten -Detachements im allgemeinen direct nach Westen vor- 
zug-ehen hatte, der Aufklärungs-Rayon des zweiten aber, durch 
die ihm zugewiesene Richtung auf Plevna, seine natürliche Be- 
grenzung- nach Westen hin im Vit-Flusse fand, so geschah es, dass 
am 6. [18.] Juli weder der sechsstündige Isker - Ueb ergang der 
Türken, noch ihre weitere Vorrückung nach Mitropolija und 
ihr Bivouac bei letzterem Orte am linken Vit-Ufer constatiert 
wurden, obgleich dieses Bivouac nur 18 Werst von Kreta, der 
Nächtigungs - Station des Don - Kasaken - Regiments Nr. 9, ent- 
fernt lag. 

Was die aus der Richtung von Plevna am 6. [18.] Juli ein- 
gelaufenen Nachrichten betrifft, so besagte diesbezüglich die 
Meldung des Generals Laskarjew: ,, Um 10V2 Uhr vormittags zeigte 
sich von Feindesseite, nämlich von Plevna her, in der Richtung 
auf Vrbica ^), eine circa 1 00 Reiter starke feindliche Cavallerie- Ab- 
theilung; sie wurde von 3 Kasaken-Zügen zurückgeworfen. Kurze 
Zeit darauf wurden noch 4 Escadronen beobachtet, welche gleich- 
falls von Plevna gegen Vrbica vorrückten. Wir hatten keine 
Verluste ; bei den Türken fiel i Mann, 5 wurden gefangen ge- 
nommen." Eine andere Kasaken-Abtheilung nahm 2 bewaffnete 
Türken beim Dorfe Kreta gefangen ; diese Abtheilung constatierte 
eine dichte Vorpostenkette bei den Dörfern Konari [wahrscheinlich 
Komarevo] undRiben (Rybino) am rechten Vit-Ufer." Ein weiteres 
(drittes) Nachrichten-Detachement hatte einen Theil des Vit-Laufes 
gegen Plevna zu recognoscieren. Das in der Richtung auf Kara 
Agac, also weit östlich Plevna, entsandte Nachrichten-Detachement 
(i Sotnie stark) konnte natürlich nichts in Erfahrung bringen, was 
sich auf letzteren Punkt bezogen hätte. 

Endlich waren die bei Oberst Tutolmin vorhandenen Theile 
seiner Brigade im Laufe des 6. [18.] Juli von MuseUjevo nach 
Kara Agac abgerückt ; sie gelangten übrigens, wie bereits be- 



') Richtung auf Nikopol. — Die Redaction. 



259 

sprochen^ nicht dorthin^ sondern blieben zur Nächtigung bei 
Tröncovica^ 7 Werst östlich Turski Tröstenik, stehen. 

Es ist demnach überhaupt nirgends zu ersehen, dass es der 
russischen Cavallerie an diesem Tage, dem 6. [18.] Juli, gelungen 
wäre, irgend welche neue Nachrichten über die Stärke der Türken 
bei Plevna zu sammeln; ja, man gab ihr an jenem Tage weder 
Zeit noch Gelegenheit, näher an Plevna heranzukommen ; und 
so kam es, dass man von der Herrichtuug einer türkischen Ver- 
theidigungsstellung vor dieser Stadt nichts erfuhr. 

Die Truppen, mit denen General Schilder-Schuldner am 
7. [19.] Juli gegen Plevna vorzurücken hatte, waren — wie bereits 
besprochen — in 2 von einander getrennte Gruppen vertheilt; es 
war daher seine erste Sorge, im Laufe des 7. [ig.] Juli diese 
Streitkräfte zu sammeln und in eine entsprechende Ausgangs- 
Situation für die weitere Vorrückung gegen Plevna zu bringen. 
Zu diesem Zwecke wurde für den 7. [19.] Juli folgende Disposition 
ausgegeben : 

,,Morgen, den 7. [19.] Juli, rücken die mir unterstellten 
Truppen von ihren Nächtigungsorten wie folgt vor: 

,,i. das Don-Kasaken-Regiment Nr. 9 marschiert, um 7 Uhr 
früh aufbrechend, nach dem Dorfe Copenci [wahrscheinlich Opanec] 
am rechten Vit-Ufer, nächtigt dortselbst unter Anwendung der 
weitestgehenden Sicherungsmassnahmen und entsendet Patrouillen 
zur Verbindung- mit der Infanterie in Vrbica." 

„2. das Infanterie-Regiment Archangelsk Nr. 17 mit der 

4. Batterie der 5. Artillerie-Brigade rückt um 5 Uhr früh ab und 
gelangt über Brösljanica nach Vrbica, wo es nächtigt." 

,,3. das Infanterie -Regiment Wologda Nr. 18 mit der 

5. Batterie der 5. Artillerie-Brigade marschiert um 7V2 Uhr früh 
ab, gelangt gleichfalls nach Vrbica und nächtigt dortselbst." 

„4. das Infanterie-Regiment Kostroma Nr. 19 mit i Division 
der kaukasischen Kasaken -Brigade und der 5. Batterie der 31, Ar- 
tillerie-Brigade zieht von Blgarene das 3. Bataillon, den fliegenden 
Park und den Train heran und marschiert von seinem Bivouac 
(an der grossen Plevna-Ruscuker Strasse) nach ,Sgalunz' [Zgaljuvec, 
Sgalovec. — Siehe weiter im Texte]." 

„5. die kaukasische Kasaken-Brigade mit der Gebirgs-Batterie 
hat um 2 Uhr nachmittags beim Dorfe Tucenica einzutreffen und 
womöglich mit dem Don-Kasaken-Regimente Nr. 9 in Fühlung 
zu treten.'' 



26o 

.,6. das Don-Kasaken-Regiment Nr. 9 hat den Vit-Fluss und 
das Terrain in der Richtung' gegen die Isker-Mündung ^) sorg- 
fältigst beobachten zu lassen . . . ." 

Aus dieser Disposition geht hervor, dass General Schilder- 
Schuldner gegen die Erwartung des Generals Krüdener damit 
rechnete^ Plevna nicht schon am 7. [19.] Juli^ sondern erst am 
nächsten Tage, dem 8. [20.] Juli, zu erreichen ; es muss angenommen 
werden, dass die Ursache hiezu in dem späten Eintreffen des 
Befehles beim 5. Divisions-Commando zu suchen ist. 

Am Morg-en des 7. [19.] Juli marschierten die Regimenter Ar- 
changelsk undWologda mit 2 Fuss-Batterien und i Kasaken-Sotnie 
nach Brösljanica und vereinigten sich mit den dort befindlichen 
Batterien. Aus Muselijevo traf hier auch die i, Compagnie des 
5. Sappeur-Bataillons ein; sie machte jedoch die weitere Vor- 
rückung gegen Plevna nicht mit, sondern wurde in Brösljanica 
zurückgelassen. 

Als Grundlage für die Dispositionen des Generals Schilder- 
Schuldner diente die den Truppen ausgefolgte Karte des Kriegs- 
schauplatzes ^), im Masse 10 Werst auf i Zoll [i : 420.000] ; da nun 
auf dieser Karte Vrbica auf 7 Werst südöstlich von Brösljanica 
angegeben war, so wäre die i. Brigade der 5. Infanterie-Division, 
die in Vrbica zu nächtigen hatte, nur 14 Werst vom Detachement 
des Obersten Kleinhaus (Infanterie-Regiment Kostroma Nr. 19 
etc.) entfernt gewesen. Denn dieses hatte nach „Sgalunz" (richtig: 
Zgaljuvec) zu rücken, und letzterer Ort war in jener Karte nur 
auf I Werst südlich der Strasse Svistov-Plevna eingezeichnet 
Von Vrbica wären — nach jener Karte — bis Plevna 20, und von 
Zgaljuvec nach Plevna 15 Werst gewesen. 

Hiemit übrigens nicht zufrieden, wollte General Schilder- 
Schuldner noch im Laufe des 7. [19.] Juli seine beiden bisher 
getrennten Gruppen einander noch näher bringen ; es ist dies 
aus folgender, an den Corps-Commandanten abgesendeten Meldung 
des Generals aus Brösljanica zu ersehen : 

„Den Befehl zur Vorrückung nach Brösljanica erhielt ich 
gestern 2V2 Uhr nachmittags im Bivouac beim Dorfe ,Dzurno' 
[Dzorno] ; daraufhin Hess ich das 17. Regiment von Gradesti 
[Gaurene] und das 18. Regiment von Samlijevo noch gestern 
abends abrücken; beide konnten aber nur bis ,Ciekovci' [Sijakovo, 



I 



^) Das ist gegen Orehovo. 

^) Dieselbe war nicht ganz genau. 



201 

Sikovo] gelangen. Von dort ist heute die i. Brigade über Bröslja- 
nica nach Vrbica abgerückt ; wenn durchführbar^ gelangt sie nach 
yPalac'. Das 19. Regiment marschiert nach Sgalunz [Zgaljuvec]^ 
das Kasaken-Regiment Nr. 9 bleibt halbwegs zwischen Brösljanica 
und Plevna an der ^grossen Strasse' stehen. Die kaukasische 
Brigade ist angewiesen^ nach Tucenica zu rücken ; doch ist von 
Oberst Tutolmin noch keine Antwort eingetroffen. Den Angriff 
beabsichtige ich morgen^ den 8. [20.] Juli^ auszuführen. Bisher 
stiessen wir auf keine Hindernisse." 

Da das in der Meldung erwähnte ^^Palac" in der Karte circa 
4 Werst nördlich Zgaljuvec eingezeichnet war^ so wären am 
7. [19.] Juli abendS; nach Durchführung der in der Meldung ange- 
deuteten Absicht, die beiden Gruppen einander bis auf 4 Werst 
nahe gekommen ; im Staffel rechts vorwärts wäre das 9. Don-Kasaken- 
Regiment^ und links vorwärts die kaukasische Kasaken-Brigade 
gewesen. Thatsächlich jedoch lag das Dorf Vrbica^ wohin die 
Colonne des Generals Schilder- Schuldner von Brösljanica aus 
vorzurücken hatte, nicht südöstlich von dem letzteren^ wie die 
Karte zeigte^ sondern südlich und sogar etwas südwestlich davon^ 
ferner war Vrbica nicht 2O;, sondern im ganzen nur 8 Werst 
von Plevna entfernt. Anderseits lag das Dorf Zgaljuvec^ wohin 
Oberst Kleinhaus zu. marschieren hatte^ nicht i^ sondern 
4 Werst südlich der Svistov-Plevnaer Chaussee^ so dass Oberst 
Kleinhau S; als er dortselbst angelangt war^ sich der i. Brigade 
nicht genähert, sondern eher von ihr entfernt hatte. 

Um die Ursachen der Ereignisse zu verstehen, welche sich 
an jenem Tage, dem 7. [19.] Juli, zutrugen, muss man sich vor 
Augen halten, dass alle Verfügungen und die Durchführung der- 
selben unter dem Eindrucke erfolgten, die Türken seien bei 
Plevna schwach. Speciell sind die Begebenheiten bei der unter 
dem unmittelbaren Commando des Generals Schilder-Schuldner 
stehenden Brigade nur dadurch zu erklären, dass dieselbe, als sie 
den Marsch von Brösljanica über Vrbica gegen Plevna antrat, 
die Entfernung der beiden letzteren Orte weit überschätzte, in- 
dem sie dieselben auf 20 Werst voneinander entfernt hielt. Sie 
stiess infolgedessen direct und ganz unvermuthet auf Plevna ^). 



^) Die den Truppen ausgefolgte Karte war in der topographischen Abtheilung 
des Hajptstabes auf Grund verschiedenartiger Daten hergestellt worden, welche bei weitem 
nicht vollständig und zum grossen Theile nur durch Nachfrage erlangt worden waren; 
sie konnte daher nicht genau sein. Obgleich nun die Karte im gegebenen Falle 
unstreitig den General Schilder-Schuldner bei seinen Erwägungen für die Dis- 



Die Cavallerie der Gruppe General Schilder-Schuldners 
hatte, wie bereits besprochen^ gcinz bestimmte Aufgaben ausserhalb 
des näheren Bereiches dieser Gruppe erhalten; auch die unmittel- 
bar bei der i. Brigade eingetheilte Sotnie des Don-Kasaken- 
Regiments Nr. 34 hatte ihre bestimmte Verwendung- : sie versah 
den Dienst als Train-Bedeckung^ und es stand demnach bei den 
Truppen selbst keine Cavallerie zur Verfügung ; zum mindesten 
kann man aus dem Gange der folgenden Ereignisse den Schluss 
ziehen^ dass sich vor der Marsch-Colonne keine Aufklärungs- 
Patrouillen befanden. 

Vorne marschierte das Infanterie - Regiment Archangelsk 
Nr. i'jy dessen i, Schützen-Compagnie die Vorhut bildete; einige 
hundert Schritte dahinter folgte das i., dann das 2. und endlich 
das 3. Bataillon. Aut 2 Werst hinter den Archangelskern kam 
das Regiment Wologda Nr. 18. Zwischen den Bataillonen waren 
die Batterien der 5. Artillerie-Brigade eingetheilt. Um i Uhr 
nachmittags erklärte der Führer^ ein Bulgare^ dass er sich verirrt 
habe^ dass das Dorf Vrbica bereits links rückwärts liege und dass 
die Truppen sich in der Nähe der Stadt Plevna befänden. Um 
diese Zeit bewegte sich die ganze Colonne sammt dem Train in 
einem tief eingeschnittenen Hohlwege^ dessen steile mit Gebüsch 
bewachsenen Böschungen den Weg derart einengten^ dass es 
ganz ausgeschlossen war, die Fuhrwerke oder die Artillerie um- 
wenden zu lassen. Da bekannt war^ dass Plevna besetzt sei^ so 
wurde beschlossen^ bis zu einigen in der Ferne sichtbaren Brunnen 
— bei Bukov Log (Bukovlek) — - vorzurücken und dortselbst zu 
bivouakieren. 

Eben wollte die i. Schützen-Compagnie beginnen^ den 
letzten Höhenrücken zu ersteigen^ als sie, noch vor Erreichung 
des Baches, mit türkischen Granaten überschüttet wurde ^). Die 
Schützen giengen sofort in Schwarmlinie über und gedeckt durch 
sie, entwickelten sich, während die Artillerie das Feuer eröffnete, 
zunächst das Regiment Archangelsk Nr. 17 und später, rechts 



Positionen beirren konnte, so ist es im übrigen doch unaufgeklärt, wie es bei deren 
Durchführung, das heisst beim Marsche von Brösljanica, unbemerkt bleiben konnte, 
dass die Truppen nicht — wie die Karte verlangte — nach Südost, sondern nach Süden 
und sogar nach Südwest marschierten. Ebenso unklar ist es, wie es kam, dass — während 
nach der Karte die Entfernung von Brösljanica bis Vrbica im ganzen ungefähr 7 Werst 
betrug — die Tete der l. Brigade der 5. Infanterie-Division direct in das Feuer der Türken 
gerathen konnte, nachdem sie, ohne es zu ahnen, schon 12 Werst marschiert sein musste. 
^j Feld-Tagebuch des Infanterie-Regiments Archangelsk Nr 17. 



203 

von demselben^ auch das Regiment Wologda Nr. i8. Um 4 Uhr 
nachmittags sandte General Schilder-Schuldner an Baron 
Krüdener folgende Meldung: 

^_,Um 2V2 Uhr nachmittags;, als ich mich der feindlichen 
Stellung an der , grossen Strasse' von Brösljanica näherte^ wurde 
ich auf 6 Werst von Plevna von feindlicher Artillerie beschossen. 
Ich gebe der Infanterie nach dem grossen Marsche zwei 
Stunden Zeit zum Herankommen und Ausruhen, und beginne dann 
den Angriff. Das 19. Regiment Kostroma wurde hievon verständigt 
und beauftragt; auch dem Obersten Tutolmin bekannt zu geben, 
dass er mitzuwirken habe. Das ig. Regiment Kostroma lasse ich 
längs der grossen Ruscuk - Plevnaer Strasse vorrücken, die 
kaukasische Brigade schicke ich den Türken in den Rücken. Bitte, 
möglichst schnell das mobile Divisions-Lazareth herzusenden. Der 
Commandant des Uhlanen-Regiments Bug Nr. 9 in ,Ciekovci' 
(Sijakovo) wurde über die hiesigen Ereignisse verständigt." 

Inzwischen hatte Osman Pascha, welcher mit seinen Truppen 
vom 6. auf den 7. Juli bei Dl. Mitropolija nächtigte, dortselbst 
noch am Abende den ihm unterstellten Commandanten mitgetheilt, 
dass sich die Russen in der Nähe befänden, und dass er für den 
nächsten Tag* einen Zusammenstoss erwarte. Er befahl, die Truppen 
versammelt zu halten und für den Kampf die nöthigen Vor 
bereitungen zu treffen. 

Am frühen Morgen des 7. [19.] Juli entsandte Osman Pascha 
Generalstabsofficiere mit seiner eigenen Stabs-Escadron zur Aus- 
mittelung von Lagerplätzen bei Plevna. Gegen 1 2 V2 Uhr beobachtete 
man die russischen Truppen auf den felsigen Höhen südöstlich 
von Vrbica, worauf Osman Pascha sofort einen Theil seiner 
Truppen die Stellung beziehen liess^). 

Als die Türken sahen, dass die russischen Truppen mit der 
Vorrückung zögerten, giengen sie selbst zum Angriffe gegen deren 
rechten Flügel über; aber das P^euer der 3. Schützen-Compagnie 
des Regiments Wologda und einer abgesessenen Halbsotnie des 
Don-Kasaken-Regiments Nr. 9 brachte sie zum Stehen. Letzteres 



^) ,, Defense de Plevna". Aus diesem Werke ist zu ersehen, dass zu den wahr- 
scheinlich im Centrum der Stellung schon vorhandenen türkischen Truppen zwei- 
mal je 3 Bataillone sammt i Batterie vorgezogen wurden ; „die Intervalle zwischen 
denselben besetzten dann wieder andere Truppen" ; auch begann man gleich mit der 
Befestigung der Opanecer Höhen. Schliesslich hebt das bezeichnete Werk hervor, dass 
die Truppen Osman Paschas durch den Marsch von Vidin stark erschöpft waren. 



264 

Regiment war am 7. [19.] Juli vom Dorle Kreta aufgebrochen 
und hatte nach einem Marsche von 10 Werst um 3 Uhr nach- 
mittags beim Dorfe Riben (Ribino) die Rast bezogen; als es jedoch 
bei der Colonne des Generals Schilder-Schuldner Schüsse 
vernahm, warf es die Kochkessel mit der Menage um, rückte 
im Trab vor und vStellte sich rechts von den Wologdaern auf. 

Geg-en 8 Uhr abends Hess General Schilder-Schuldner, 
der noch immer keine Nachricht von der Turski Trösteniker 
Colonne erhalten hatte, das Feuer einstellen und verschob den 
Angriff auf den nächsten Tag. Zur Nächtigung „wurde den Soldaten 
befohlen, die Mäntel anzuziehen und sich in derselben Gefechts- 
ordnung, in der sie sich befanden, schlafen zu legen. Vor der 
Schwarmlinie wurden Horchposten, bei jedem Schützengliede und 
bei den Reserven Schildwachen aufg-estellt". 

Von seinem Entschlüsse, den Angriff auf den folgenden Tag 
zu verschieben, benachrichtigte General Schilder-Schuldner 
(wie es in seinem dem Corps-Commandanten am 12. [24.] Juli 
vorgelegten Berichte über die Vorgänge bei Plevna lautet) das 
ig. Infanterie-Regiment und die ,, Kuban-Brigade". 

Die Thätigkeit letzterer Truppen am 7. [19.] Juli bestand in 
Folgendem: 

Am Morgen dieses Tages Hess Oberst Kleinhaus von 
seinem Bivouac an der Plevna -Ruscuker Chaussee Patrouillen 
nach Zgaljuvec vorsenden, und um 1 1 Uhr vormittags schickte er 
selbst die beiden Kuban-Sotnien unter Commando des Wojskowoj 
Starsina [Kasaken - Oberstlieutenant] Fürsten Kirkanow mit 
dem Befehle ab, das Dorf Grivica zu besetzen und Plevna zu 
recognoscieren. 

Dann rückte Oberst Kleinhaus — im Sinne der oben an- 
geführten allgemeinen Disposition des Generals Schilder- 
Schuldner für den 7. [19.] Juli — um 12 Uhr mittags mit der 
Hauptkraft seines Detachements nach Zgaljuvec ab und traf hier 
um 2 Uhr nachmittags ein. Eine Stunde später kehrten auch die 
zur Recognoscierung vorgesendeten Kuban-Sotnien zum De- 
tachement zurück, und zwar gefolgt von einem Trupp Baschibosuk. 
Einige Kanonenschüsse zwangen die letzteren zur Rückkehr, 
worauf das ganze Detachement das Lager bezog. Ueber das Ergebnis 
der vom Fürsten Kirkanow durchgeführten Recognoscierung 
sandte Oberst Kleinhaus dem General Schilder-Schuldner 
folgende Meldung: 



205 

j,T>er Commandant der Kuban^Divisiori; Major ^) Fürst Kir- 
kanow^ den ich zur Besetzung des Dorfes Grivica vorgesendet 
hatte, konnte diesen Befehl nicht durchführen. Bei der Annäherung 
an das Dorf fand er dasselbe von feindlicher Cavallerie mit 2 Gre- 
schützen besetzt; er trat infolgedessen den Rückzug längs der 
Ruscuker Chaussee an und sandte hierüber eine Meldung mit der 
Anfrage ein^ wohin er zu reiten habe; auch liess er mir mittheilen, 
dass der Feind ihm folge. Ich befahl der Kuban-Division^ nach 
Zgaljuvec zu rücken, wohin ich mit meinem Detachement um diese 
Zeit marschierte. Als das letztere das Bivouac zu beziehen begann, 
trafen die beiden Kuban-Sotnien ein, und gleichzeitig erschienen 
auf den gegenüberliegenden Höhen feindliche Reiter, welche 
bergab, bergauf hin und her ritten und dann verschwanden. Einige 
unserer Leute zählten ihrer 34. Bald darauf kam ein Bulgare 
und erzählte, dass die Türken auf derselben Höhe, wo die 
feindlichen Reiter gewesen waren, alle in den Feldern arbeitenden 
Bulgaren massacriert hätten. Mein Bivouac liegt an der Nordwest- 
Lisiere von Zgaljuvec. Die kaukasische Brigade hat den ihr zu- 
gewiesenen Standpunkt noch nicht erreicht^)." 

Was die kaukasische Brigade betrifft, so hatte diese in der 
Nacht vom 6. zum 7. [18. zum 19.] Juli bei Tröncovica bivouakiert. 
Hier erhielt Oberst Tutolmin, wie bereits besprochen, den Befehl 
Baron Krüdeners, „nach Turski Tröstenik zu marschieren und 



^) Fehler im Original der Meldung. — Die Redaction. 

^) Diese Meldung stimmt nicht völlig mit dem Zeugnisse des damaligen Comman- 
danten der kaukasischen Brigade, I. O. Tutolmin, überein. Aus dem Werke des 
letzteren ,,Die kaukasische Kasaken-Brigade in Bulgarien in den Jahren 1877 ^^^ 
1878 (Feld-Tagebuch)" geht hervor, dass der Commandant der zur Recognoscierung 
ausgesandten Sotnien, Fürst Kirkanow, nach der Rückkehr von Grivica meldete, bei 
Plevna sei ein grosses feindliches Lager zu sehen gewesen, welches nach der Aussage 
von Bulgaren durch die am Vortage eingetroffenen, bedeutenden türkischen Ver- 
stärkungen bezogen worden sei. "Weiter heisst es, Oberst Tutolmin ,,habe auf seine 
an den Commandanten des Regiments Kostroma und an Fürst Kirkanow gerichtete 
Frage, ob denn von ihnen über die vorgenommene Recognoscierung eine Meldung 
nach Brösljanica gesandt worden sei", eine bejahende Antwort erhalten. Schliesslich 
erwähnte derselbe Fürst Kirkanow in seinem Berichte Nr. 63 vom 8, [20.] Juli (der 
in dem bezeichneten Werke vollständig angeführt wird) unter anderem, er habe dem 
Commandanten des Regiments Kostroma gemeldet, dass von ihm 2 türkische Lager 
bei Plevna, in der beiläufigen Grösse zweier Regimenter constatiert worden seien; den 
Gerüchten zufolge, welche bei den Einwohnern cursierten, sollten dort am Abende zu- 
vor 2 Paschas mit starken Truppen eingetroffen sein. Der Regiments-Commandant 
habe hierauf dem Fürsten Kirkanow gesagt, er werde alles dem Commandanten der 
5. Infanterie-Division melden. 



266 

von hier aus in der Richtung auf Plevna das ganze Terrain bis 
zu den von Bröäljanica^ respective Lovca und Sevhjevo nach Plevna 
führenden Weg-en aufzuklären". 

Am Morgen des 7. [19.] Juli marschierte die kaukasische 
Brigade in der Voraussetzung nach Truski Tröstenik^ dort das 
Detachement des Obersten Kl ein haus vorzufinden/Dasselbe war 
aber nicht mehr da^ und Bulgaren meldeten^ es sei zur Verfolgung 
von Türken, die sich auf Plevna zurückzogen, noch am Abende 
des Vortages von Turski Tröstenik aufgebrochen. Wie bereits 
beschrieben, war Oberst Kleinhaus thatsächlich nach Zgaljuvec 
abmarschiert. 

In Unkenntnis darüber, wo sich eigentlich das Detachement 
Kleinhaus befinde, entsandte Oberst Tutolmin Patrouillen mit 
dem Auftrage, dasselbe aufzusuchen. 

Bald nach deren Abfertigung hörte man von zwei Seiten 
dumpfe Kanonenschüsse: von Nordwesten, etwa von Brösljanica 
und von Südwesten, ungefähr von Grivica her. Nachdem sich 
Oberst Tutolmin genau über die Richtungen, aus welchen diese 
Schüsse kamen, orientiert hatte, rückte er unverzüglich in 
das Intervall zwischen dieselben vor. Da sich aber rechts, bei 
Brösljanica, i Infanterie- und i Cavallerie-Brigade, links dagegen 
nur I Infanterie-Regiment mit 2 Sotnien befanden, so hielt er sich 
mehr nach der Seite des letzteren Detachements, das heisst zur 
schwächeren Gruppe. 

Indessen hatte eine der Patrouillen bald das Detachement 
Oberst Kleinhaus, welches bereits das Bivouac bezogen hatte, auf- 
gefunden. Nach Zgaljuvec abbiegend, traf die kaukasische Kasaken- 
Brigade ungefähr um 4 Uhr nachmittags bei diesem Dorfe ein. 

Der Commandant des Regiments Kostroma zeigte hierauf 
dem Obersten Tutolmin die (zu demselben nicht gelangte) 
Disposition des Commandanten der 5. Infanterie-Division für den 
7. [19.] Juli (das heisst die oben angeführten Verfügungen des 
Generals Schilder-Schuldner für diesen Tag), mittels welcher 
die kaukasische Kasaken-Brigade angewiesen worden war, Tucenica 
zu besetzen. Oberst Tutolmin hingegen theilte dem Commandanten 
des Infanterie-Regiments Nr. 19 den vom Stabe des IX. Armee- 
Coips erhaltenen Befehl mit, laut welchem die kaukasische Kasaken- 
Brigade nicht in Tucenica, sondern in Turski Tröstenik stehen zu 
bleiben hatte. 

In Anbetracht dessen entschloss sich Oberst Tutolmin, 
nicht nach Tucenica zu marschieren, sondern in Zgaljuvec, beim 



I 



267 

Detachement Oberst KleinhauS; zu verbleiben und hier zu 
bivouakieren^). 

Der allg-eraeine Eindruck^ welchen das Ergebnis der Reco- 
gnoscierung des Fürsten Kirkanow hervorrief, War der^ dass am 
nächsten Tage ein Angriff" auf Plevna nicht angeordnet werden 
dürfte^ da jene ^, Hindernisse angetroffen" worden waren^ welche 
der Befehl des Corps -Commandanten vom 6. [18.] Juli vor- 
gesehen hatte ''^). 

In der Nacht trat indessen von General Schilder-Schuldner 
die Verständigung ein^ er werde am 8. [20.J Juli früh Plevna an- 
greifen. Mittels derselben wurde Oberst Kleinhaus angewiesen^ 
von Grivica aus gleichfalls zum Angriffe vorzugehen^). 

Die seitens der Türken für den Kampf ausgewählte Stellung 
befand sich nördlich von Plevna. Sie zog sich längs des Kammes 
eines hügelartigen Bergrückens hin^ der in ostwestlicher 
Richtung verläuft und mit welchem sich das zwischen der Osma 
und dem Vit liegende höhere Terrain unmittelbar nördlich Plevna 
zu dem Thale des letztgenannten Flusses herabsenkt. Dieser Rücken 
war im Norden durch die breite und tiefe^ theilweise mit dichtem 
Gebüsch bewachsene Thaleinsenkung des Bukov Lög-Baches und 



^) ,,Die kaukasische Kasaken-Brigade in Bulgarien in den Jahren 1877 und 
T878" von I. O. Tutolmin, 1878. 

2) In demselben Werke. Der Vorbehalt, von dem die Rede ist, war in den oben 
angeführten Verfügungen des Generals Krüdener, und zwar sowohl in jenen an General 
Schilder-Schuldner, wie auch in jenen an Oberst Tutolmin gemacht worden. 

^) Der Befehl ist unter den Acten nicht mehr vorhanden. In dem mehrfach er- 
wähnten Werke I. O. Tutolmin s, der den Befehl las, lautet er — allerdings nur nach 
dem Gedächtnisse niedergeschrieben — etwa wie folgt: ,,Ich dachte, Sie würden mich 
gestern unterstützen. Jetzt ist es allerdings schon zu spät", und weiter ungefähr. 
,, Greifen Sie Plevna von Grivica aus an; die l. Brigade geht von Brösljanica vor. Beginn 
der Vorrückung um 4 Uhr früh, ,Kanonade' um 5 Uhr . . ." 

Dies stimmt im wesentlichen mit dem Berichte des Majors Barasew vom 
10. [22.] Juli überein, welcher nach dem Tode des Obersten Kleinhaus interimistisch 
das Commando des Regiments Kostroma führte; in diesem Berichte heisst es: ,,Am 
8. [20.], 3 Uhr nachts, traf von der Division der Befehl ein, das Detachement habe 
um 5 Uhr früh aufzubrechen und den Angriff gegen den rechten Flügel des bei Plevna 
in Stellung befindlichen Feindes zu beginnen. . . ." 

Uebrigens konnte in dem erwähnten Befehle des Generals Schilder- Schuldner 
kaum gesagt sein: ,,Die I. Brigade geht von Brösljanica vor", da dieselbe zur Zeit der 
Ausfertigung des Befehles angesichts der Türken, nämlich vor der türkischen Plevna- 
Stellung, nächtigte. Dieser Widerspruch ist vielleicht verständlich, wenn man annimmt, 
Oberst Tutolmin sei davon überzeugt gewesen, dass die i. Brigade entsprechend der 
Disposition in Brösljanica nächtigte. 



268 

im Süden durch den ziemlich steilen Einschnitt des Grivica-Baches 
begrenzt. 

Die nach Norden gerichtete Hauptstellung der Türken stützte 
sich mit dem rechten Flügel auf die Grivica-Höhe und zog- sich 
auf dem Kamme des Bergrückens^ welcher bei den Türken die 
Bezeichnung Janik Bair-Hügel führte^ in einer Ausdehnung von 
fast 4 Werst hin; dann senkte sich die Stellung, indem sie einer 
gegen den Vit-Fluss hin g-eneigten Abstufung des Rückens folgte, 
und endigte schliesslich südlich vom Dorfe Bukov Log. Sie er- 
reichte auf diese Weise im ganzen eine Länge von 5 Werst. 

Das Dorf Bukov Log, welches in dem Thale des Baches 
vor dem linken Flüg-el der Hauptstellung- lag, war gleichfalls 
besetzt; eine weitere selbständige Gruppe, vor dem unmittelbar 
am Vit-Fluss liegenden Dorfe Opanec, wurde erst später über 
den Bukov Lög-Bach hinübergeworfen; sie verlängerte die Ver- 
theidigungslinie der türkischen Truppen bis zu jenem Flusse. 

Von der Stellung der Türken hatte man eine vorzügliche 
und weitreichende Uebersicht, sowie einen Ausschuss auf 2 bis 
3 AVerst und stellenweise auch aut grössere Distanzen. 

Die Streitkräfte, über welche O sman Pascha zurVertheidigung 
dieser Stellung verfügte, bestanden aus 25 Bataillonen, 6 Escadronen 
und 58 Geschützen, sowie aus circa 150 berittenen Tscherkessen^). 
Die Stärke dieser Truppen konnte — nach türkischen Quellen 
— mit circa 15.000 Mann angenommen werden^). 

Die dem General Schilder -Schuldner zur Verfügung 
stehenden und zur Einnahme von Plevna bestimmten Truppen 
bestanden aus 9 Infanterie-Bataillonen, 16 Reiter-Sotnien und 
6 Batterien; sie mochten etwas über 7000 Bajonnette und 1600 Säbel, 
sowie 46 Geschütze zählen. 

Der Angreifer war also nicht unbedeutend schwächer als 
der Vertheidiger. Hiezu gesellte sich, und zwar gewiss nicht zum 
Vortheile für die Russen, der Umstand, dass General S c bilde r- 



^) Diese Truppenstärke ist in der Legende zum Gefechts-Plane für den 
8. [20.] Juli ausgewiesen, welcher dem bereits genannten Werke ,, Defense de Plevna" 
beigegeben ist; auf dem Plane selbst ist hingegen die Situation von nur 24 Bataillonen 
dargestellt. 

2) Muzaffer Pascha berechnet in der „Defense de Plevna" die Stärke dei 
Truppen Osraan Paschas allein (bei deren Abmärsche von Vidin) mit „etwas über 
11.000 Mann"; hiezu kommen dann noch: die 3 Bataillone aus Orehovo, welche sich 
unterwegs anschlössen, ferner die von Osman Pascha mitgebrachten 150 Tscherkessen, 
endlich das in Plevna bereits früher eingetroffene Detachement Atuf Pascha. 



269 

Schuldners Truppen auf einen 15 Werst breiten Raum (Luft- 
linie) vertheilt und eigentlich durch die Aufstellung der Türken 
getrennt waren. Sie standen also untereinander nicht einmal in 
gehöriger Verbindung^ wogegen alle Streitkräfte der Türken bei 
Plevna vereinigt waren. 

Auch am nächsten Tage näherten sich die getrennten russischen 
Truppen einander nicht hinreichend und konnten bei dem An- 
griffe^ wie er geplant war^ nicht im Einklänge handeln ; denn 
die I. Brigade war gegen den linken Abschnitt der türkischen 
Front dirigiert; wogegen das Detachement Oberst Kleinhaus^ 
wie oben besprochen^ die Türken in der Richtung auf Grivica 
;;in der Flanke" anzugreifen hatte^ mithin gegen den äussersten 
rechten Flügelpunkt ihrer Stellung eingesetzt war. 

Unmittelbar nach Beendigung des Gefechtes vom 7. [19.] Juli 
Hess Osman Pascha Schützengräben und Trancheen ausheben und 
an geeigneten Punkten Geschützdeckungen herstellen^). Zum 
Commandanten aller in der Gefechtslinie befindlichen Truppen 
wurde Adil Pascha ernannt. 

Am 8. [20.] Juli waren die türkischen Truppen in dieser 
Position wie folgt vertheilt: in der Hauptstellung auf dem 
höchsten Rande der Janik Bair-Höhen standen 3 Batterien 
— jede in Feuerlinie — und 9 Bataillone mit der Front nach 
Norden ; rechts davon, unter einem rechten Winkel, mit der 
Front nach Osten, also in der Richtung gegen das Detachement 
Oberst Kleinhaus, befanden sich i Batterie und 3 Bataillone; links 
auf der niederen Abstufung, direct dem Dorfe Bukov Log gegenüber 
stand I Batterie mit i Bataillon. Das Dorf selbst war auch besetzt. 
Zwischen den letztbezeichneten Truppen und der Hauptstellung 
wurde die Verbindung durch 2 Bataillone hergestellt. Weiter- 



^) Uebrigens war es nach der im Werke „Defense de Plevna" ausgesprochenen 
Versicherung ,, unmöglich, in einer Nacht die Stellung zu befestigen; die Truppen 
fanden nicht einmal die Zeit, sich mit ihr bekannt zu machen; auch war der Trag- 
thier- und Wagen-Train noch gar nicht eingetroffen. Die Soldaten konnten daher mit 
den Bajonnetten und den wenigen mitgebrachten .Schaufeln und Erdhauen kaum einige 
nothdürftige Schützendeckungen herstellen." 

Atuf Pascha indessen hielt schon durch 10 Tage die „dominierenden Punkte 
besetzt". Auch waren die von Osman Pascha unterwegs abgesandten 3 Bataillone 
beträchtlich früher als die Hauptkraft eingetroffen. Infolgedessen mussten — ganz ab- 
gesehen von den speciell in der Nacht vom 7. zum 8. [19. zum 20.] Juli hergestellten 
Befestigungen — auf den wichtigsten Punkten der türkischen Stellung die Arbeiten 
längst beendet sein. 



270 

hin, auf 3 AVerst von Bukov Log, auf der nordöstlich des Dorfes 
Opanec gelegenen Höhe, befand sich i Batterie mit 2 Bataillonen ^). 
Ferner sicherte i Bataillon mit 3 Geschützen den Süd-Ausgang 
von Plevna in der Richtung gegen Lovca. Oestlich von Plevna 
endlich stand die Reserve 5 [6 ?] Bataillone, 3 Batterien und 
2 Escadronen; die übrige Cavallerie war auf die einzelnen 
Vertheidigungs- Ab schnitte aufgetheilt ^). 

Im vorstehenden wurden bereits die Verhältnisse besprochen, 
unter welchen General Schilder- Schuldner mit der bei ihm 
befindlichen i. Brigade seiner Division am Abende des 7. [ig.] Juli 
bei Plevna direct im Feuerbereiche der Türken verblieben war. 
Seine Truppen hatten nach dem unbedeutenden Gefechte oder 
richtiger gesagt, nach der gegenseitigen Beschiessung und Kano- 
nade vom 7. [19.] Juli nicht den geringsten Anlass zu einem 
Rückzuge gehabt und verbrachten daher die Nacht in ihrer 
Stellung- vor der Position der Türken. Am nächsten Tage, dem 
8. [20.] Juli, zurückzugehen, dafür waren noch weniger Gründe 
vorhanden ; auch entsprach dies in gar keiner Weise der damaligen 
Stimmung der russischen Führer und ihrer Truppen. 

Gewiss konnte General Schilder - Schuldner, nachdem er 
sich davon überzeugt hatte, dass die Türken stärker seien, als 
man vorausgesetzt, hierin jenes „besondere Hindernis" erblicken, 
welches in Baron Krüdeners Disposition vorgesehen war; nach 
dem Siege bei Nikopol aber konnte er natürlich auch bei Plevna 
auf einen Erfolg rechnen ; und seine ,, Truppen brannten vor 
Verlangen zu kämpfen" ^). 

Aus dem Berichte des Generals Schilder-Schuldner^) 
geht hervor, dass er am 8. [20.] Juli selbst „die linke Flanke" der 



^) Auf dem der „Defense de Plevna" beigegebenen Plane sind die 2 Bataillone 
sammt der Batterie an dieser Stelle eingezeichnet ; aus dem Gange des Gefechtes 
vom 8. [20.] Juli aber, wie es sich hier abspielte, kann geschlossen werden, dass die 
Türken den bezeichneten Punkt erst im Verlaufe des Tages während des Kampfes 
gegen das 9. Don-Regiment besetzten. 

-) „Defense de Plevna", Gefechtsplan. 

^) Das Feld-Tagebuch des Infanterie-Regiments Archangelsk enthält diesbezüglich 
unter dem 7. [19.] Juli folgende Stelle : ,,Die Truppen erwarteten ungeduldig das 
Morgengrauen, um über die Türken herzufallen und sie zu vernichten. Alle Soldaten 
brannten vor Verlangen zu kämpfen; die Rechnungs-Unterofficiere und die Leute der 
Compagnie-Wirtschaften, welche beim Train eingetheilt waren, hielten es dort nicht 
aus; alles eilte in die Eintheiluug und ergriff die Waff'en." 

4) Vom 12. [24.] Juli 1877. 



271 

Türken angreifen wollte; darunter ist natürlich der linke 
Abschnitt (Flügel) der türkischen Stellung zu verstehen; 
gegen die „rechte Flanke" derselben sollte gleichzeitig das 
Detachement Oberst Kleinhaus vorgehen; auch rechnete der 
General darauf, letzteres werde von der Brigade des Obersten 
Tutolmin unterstützt werden. 

Am frühen Morgen des 8. [20.] Juli nahmen die russischen 
Truppen, nachdem sie gegenüber der Front der türkischen Stellung 
bei Plevna genächtigt hatten, für das Gefecht folgende Grup- 
pierung an : 

rechts, mit der Front gegen Bukov Log stellte sich das 
Infanterie-Regiment Wologda Nr. 18 bereit, und zwar am rechten 
Flügel das i. Bataillon, links das 3. Bataillon; hinter dem 
I. Bataillon als Gruppen-Reserve befand sich das 2. Bataillon mit 
3 Compagnien ; 

links von den Wologdaern stand das Infanterie - Regiment 
Archangelsk Nr. 1 7 mit allen 3 Bataillonen in einem Treffen nach 
der Reihenfolge ihrer Nummern. Zwischen dem 2. und 3. Bataillon 
fuhren die i,, 2. und 5. Batterie der 5. Artillerie-Brigade in 
Feuerlinie auf. Alle 5 Bataillone des vorderen Treffens hatten 
ihre Schützen - Compagnien in Schwarmlinien aufgelöst und vor- 
geschoben ; 

die allgemeine Reserve bildeten 2 Compagnien (die 
6. Linien- und die 2. Schützen-Compagnie) des Regiments 
Wologda und die 4. Batterie der 5. Artillerie-Brigade ; 

in der rechten Flanke war die Brigade durch das 9. Don- 
Kasaken-Regiment gesichert, und links erwartete man die Ein- 
wirkung des flankierenden Angriffes des Infanterie-Regiments 
Kostroma Nr. 19. 

Wie es in General Schilder - Schuldners Berichte lautet, 
wurde die „Kanonade" um 4 VjUhr früh gegen die mittlere Batterie 
der türkischen Hauptstellung, und später auch gegen eine andere 
Batterie eröffnet, welche am feindlichen rechten Flügel constatiert 
wurde und die Batterien General Schilder-Schuldners fast 
enfilierte. Sodann gab letzterer laut demselben Berichte, ,jOhne 
viel Zeit mit der Kanonade zu verlieren, da die Türken mit gross - 
calibrigen Krupp - Geschützen schössen, dem rechten Flügel den 
Befehl anzugreifen". 

Das zum Angriffe vorgehende Infanterie-Regiment Wologda, 
dem sich links die nächsten Compagnien des Regiments Archan- 



272 

gelsk anschlössen, nahm im allgemeinen Direction auf Bukov 
Log; das i. Bataillon und rechts von demselben das — ursprüng- 
lich im 2. Treffen gestandene — 2. Bataillon begannen, den feind- 
lichen linken Flüg-el zu umfassen, wodurch es der Schwarmlinie 
der Wologdaer gelang, die türkischen Schützen zum Rückzuge 
zu zwingen ; das 2. Bataillon vertrieb hierauf die Türken auch 
aus Bukov Log und besetzte den nach Plevna führenden Weg. 

Inzwischen waren links von den Wologdaern auch die 
Archangelsker zum Angriffe vorgerückt; sie nahmen im 
allg"emeinen Direction näher gegen das Centrum der türkischen 
Stellung; das i. Bataillon und nach demselben das 2. warfen sich 
mit allen 3 Schützen-Compagnien des Regiments nach vorwärts; 
das 3. Bataillon, welches anfangs am linken Flügel der Artillerie 
gestanden war, folgte den übrigen im Staffel. Zur Bedeckung 
der Batterie wurde von jedem Bataillon i Compagnie (die 4., 
7. und II.) zurückgelassen. 

Die beiden vorderen Bataillone (i.und 2.) des Regiments Arch- 
angelsk stürzten sich im vollen Laufe zum Bache auf den Boden 
der Thalsenkung herab, welche sie von den türkischen Schützen 
trennte ; sie warfen sich dann — vorwärts stürmend — gegen 
die Lisiere des Buschwerkes, das von einer dichten und heftig 
schiessenden türkischen Schwarmlinie besetzt war; letztere zog 
sich daraufhin zurück. Die weitere Vorrückung der Archangelsker 
durch das Gebüsch erfolgte unter dem unausgesetzten und 
heftigen Feuer der Türken. Endlich erreichten die Bataillone 
den Kamm des Hanges, worauf derselbe unter der Wucht ihres 
Stosses von den Türken geräumt wurde. 

In diesem Momente überschritt auch das 3. Bataillon des 
Regiments Archangelsk den Bach und stürzte sich unter Hurrah- 
Rufen auf den P^eind. Trotz des heftigen frontalen Gewehrfeuers 
und des von links kommenden enfilierenden Artilleriefeuers 
wurden die Türken aus den nächsten Befestigungen geworfen 
und die „Compagnien der Archangelsker näherten sich bereits 
auf circa 200 Schritt der türkischen Batterie" ^). 

Aber all diese anfänglichen Erfolge der angreifenden Truppen, 
welche bereits grosse Verluste erlitten hatten, konnten 
infolge der relativ geringen Stärke der Russen nicht von 
Da.uer und bleibendem Werte sein, trotzdem um diese Zeit 
bereits auch der Kampf bei dem gegen die rechte Flanke der 



^) ,, Feld-Tagebuch des Infanterie-Regiments Archangelsk Nr. 17." 



273 

türkischen Stellung eingesetzten Detachement Oberst Kleinhaus 
entbrannt war. 

Die frontal angreifenden Regimenter hatten keine Reserven^ 
wogegen die Türken sehr bald Verstärkungen erhielten und 
selbst zum Gegenangriffe vorgiengen. Aber sie stiessen auf starken 
Widerstand. Nach dem persönlichen Zeugnisse eines Mitkämpfers 
auf türkischer Seite ^, rückten die Türken schnell vor und giengen 
zum Bajonnett- Angriffe über; aber die Russen wichen nicht". Südlich 
von Bukov Log entwickelte sich ein äusserst erbitterter, lange 
andauernder Kampf, und ,,es spielte sich dort ein entsetzliches, 
zugleich aber majestätisches Schauspiel ab. Unter dem Geknatter 
der Gewehrschüsse, dem Donnern der Kanonen und dem Zischen 
der (die herankommenden türkischen Verstärkungen über- 
schüttenden) russischen Shrapnels hörte man die Rufe der 
Türken „Allah, Allah", welche die Russen mit ihrem „Hurrah, 
Hurrah" beantworteten ^)." 

Früh schon war beim Regimente Wologda der Commandant 
der I. Brigade der 5. Infanterie -Division General Knorring 
verwundet worden, worauf General Pochitonow, Commandant 
der 5. Artillerie-Brigade, an seine Stelle trat. 

Der Kampf der Wolog'daer dauerte noch immer fort, als 
gegen 7 Uhr früh vom 9. Don-Regimente, welches die ganze 
Zeit hindurch zu Fuss und abgesessen in der Umgebung des 
Dorfes Opanec sich der angreifenden Türken erwehrt hatte, die 
Nachricht eintraf, dass gegen den rechten Flügel der Brigade 
2 türkische Escadronen vorrückten, denen Infanterie und Artillerie 
folgte. Dieser Angriff wurde durch das Feuer der 4. Batterie zum 
Stehen gebracht, welche bisher die Reserve gebildet hatte und 
nunmehr sammt den letzten bei ihr noch befindlichen 2 Compagnien 
des Regiments Wologda eingesetzt wurde. Die Batterie bekämpfte 
dann eine Zeitlang auch die Hauptstellung der Türken mit Erfolg. 

Nichtsdestoweniger mussten die Wolog'daer, nachdem sie 
ungeheure Verluste erlitten hatten, um 9^/2 Uhr vormittags endlich 
zurückweichen, als sie, durch den erbitterten Kampf erschöpft und 
förmHch aufgelöst, sich auch noch durch frische türkische Truppen 
umfasst sahen. 

Das Regiment Archangelsk hatte den gleichen Ansturm 
seitens der Türken auszuhalten, besonders an seinem rechten 
Flügel, wo das i. und 2. Bataillon kämpften; überdies war sein 



^) ,, Defense de Plevna." 

Der russisch türkische Krieg. II. Bd. 



274 

linker Flügel in Gefahr^ umfasst zu werden. ^,Man musste Front 
nach links machen und im Handgemenge den Angriff abwehren. 
Der Frontwechsel erfolgte in der mit dichtem Dorngebüsche 
bewachsenen Thalmulde unter dem Hagel der Geschosse und bei 
einem so dichten Rauche^ dass man schwer unterscheiden konnte, 
was ringsherum geschah; zu jener Zeit fiel Oberst Rosenboom, 
der Commandant des Regiments ^)." 

Um 9 Uhr vormittags gieng das Regiment Archangelsk 
über den Einschnitt des Bukov Lög-Baches zurück ; der Rückzug 
betraf natürlich auch das 3. Bataillon, welches hiebei von einer 
,, Handvoll Helden" unter Lieutenant Pogorjelski gedeckt wurde. 
Der Commandant dieses Bataillons Major Mitarno wski sammelte 
die Ueberreste des i. und 2. Bataillons und führte das Regiment zu 
den 3 Compagnien zurück, welche die Artillerie-Bedeckung bildeten. 

Dort begannen nach dem Wortlaute des Feld-Tagebuches 
des Infanterie-Regiments Archangelsk Nr. 17, „über Befehl des 
Generals Pochitonow die bei der Artillerie als Bedeckung 
verbliebenen 3 Compagien und die Ueberbleibsel der von Major 
Mitarnowski zurückgebrachten 3 Bataillone sich neuerdings zu 
rangieren, um nochmals zum Angriffe gegen die Türken vorzu- 
gehen. Da aber traf vom Divisionär der Befehl ein, zurückzu- 
gehen und sich hinter dem Regimente Galic Nr. 20 zu sammeln, 
welches rückwärts eine Position besetzt hatte". 

Lange vorher war inzwischen der Commandant der kämpfen- 
den Truppen, General Schilder- Schuldner, zur Ueberzeugung 
gelangt, dass ihm wider alles Erwarten sehr bedeutende Kräfte 
gegenüberstanden ; er hatte auch bald den ganzen Ernst seiner 
Lage erkannt und schon um 7 Uhr früh dem Baron Krüdener 
folgende Meldung geschickt: 

„Ich habe noch gar keine Nachrichten vom 19. Regimente ; 
hier stiess ich inzwischen auf starken Widerstand beim Gegner 
und bitte unverzüglich um Unterstützung ^)." 



^) , .Feld-Tagebuch des Infanterie-Regiments Archangelsk Nr. 17." 
2) General Krüdener befahl darauf, dass das Infanterie-Regiment Galic Nr. 20 
mit 6 Batterien der 5. und 31, Artillerie-Brigade und mit einem aus Leuten aller 
Regimenter zusammengestellten Sappeur-Commando ,,zur Unterstützung des Generals 
Seh ilder-Scbuldner nach Brösljanica und weiter nach Plevna zu marschiren habe"; 
aus Ciekovci [Sijakovo] hatten 3 Uhlanen - Escadronen mit der Don-Batterie in for- 
ciertem Marsche vorzurücken ; endlich wurde auch das Infanterie-Regiment Kozlow 
Nr. 123 in Nikopol angewiesen, sofort abzumarschieren, Ueber den Zeitpunkt des 
Eintreffens dieser Truppen wird weiter unten die Rede sein. 



275 

Die von General Schilder- Schuldner erbetenen Verstär- 
kungen konnten natürlich nicht früh genug eintreffen, um das 
Gefecht wiederherzustellen. 

Unmittelbar nach dem Rückzuge des Regiments Wologda er- 
hielt der General fast gleichzeitig 2 Meldungen über die Vorgänge 
beim Detachement Oberst Kleinhaus, aus denen geschlossen 
werden konnte, dass auch dort das Gefecht zu keinem günstigen 
Resultate geführt habe. Die Originale dieser Meldungen sind nicht 
erhalten geblieben. 

Um 9 Uhr 35 Minuten vormittags sandte General Schilder- 
Schuldner an Baron Krüdener folgende Meldung: 

,,Ich erhielt Nachricht, dass das 19. Regiment gegen den 
rechten Flügel des Feindes vorgeht ; die Türken eröffneten auch 
g-egen dasselbe ein heftiges Artilleriefeuer. Alle meine Reserven 
wurden bereits in die Gefechtslinie eing-esetzt; trotzdem mussteich 
die schon eroberte türkische Stellung räumen und in meine frühere 
Position zurückgehen. Von hier aus lasse ich bis zum Eintreffen 
des 19. Regiments durch meine 4 Batterien Artilleriefeuer unter- 
halten. Auf keinen Fall aber werde ich wieder zum Angriffe 
übergehen, da meine Verluste an Officieren und Mannschaft überaus 
bedeutend sind. Ich bitte um Verstärkungen und um Zuweisung 
ärztlicher Hilfe, welche momentan bei weitem unzureichend ist. 
Auch die Artillerie-Munition geht aus." 

Gleich nach Absendung dieser Meldung, um 9 Uhr 36 Minuten 
vormittags, schrieb General Schilder-Schuldner folgende zweite 
Meldung an Baron Krüdener: 

„Ich erhalte soeben die Nachricht, dass der Commandant 
des 19. Regiments gefallen ist; auch dort sind die Verluste be- 
deutend. Das 19. Regiment stellte seine Vorrückung ein. Ich bitte 
um Zusendung von Verstärkungen. Der Commxandant des Regi- 
ments Nr. 17 ist gleichfalls gefallen." 

Um II Uhr vormittag's beschloss General Schilder- 
Schuldner, den Rückzug anzutreten, nachdem er schon um 10 Uhr 
25 Minuten diesbezüglich an Baron Krüdener folgende Meldung- 
abgesendet hatte : 

„Ich habe dem 19. Regimente und der kaukasischen 
Brigade befohlen, an meinen linken Flügel anzuschliessen ; 
ich werde dann den Rückzug auf Ciekovci [Sijakovo] antreten, 
wenn ich inzwischen keine Unterstützung erhalten habe. Es ist 
klar, dass die feindlichen Kräfte bedeutend stärker sind als die 
unsrigen." 

18* 






276 

Zu dem Zeitpunkte^ als die Regimenter Archangelsk und 
Wologda den Angriff bereits einstellen mussten und in ihre erste 
Stellung- zurückgieng-en^ wüthete der Kampf beim Detachement 
Oberst Kleinhaus noch mit voller Heftigkeit. 

Dieses Detachement war entsprechend dem Befehle General 
Schild er- Schuldners von Zgaljuvec um 4 Uhr früh in der 
Richtung auf das Dorf Grivica aufgebrochen. Die Avantgarde 
wurde durch die Kuban-Kasaken-Division des Wojskowoj Starsina 
[Kasaken-Oberstlieutenants] Fürsten Kirkanow g'ebildet ; der- 
selben folgte in Marsch-Colonne das Infanterie-Regiment Kostroma 
Nr. 19 und die 5. Batterie der 3 1 . Artillerie-Brigade unter Oberst 
Sjedletzki; links von dieser Colonne rückte die kaukasische 
Kasaken-Brigade des Obersten Tut o Im in — 7V2 Sotnien mit 
der reitenden Gebirgs- (Don-) Batterie (6 Geschütze) — vor. 

Am halben Wege hörte man die Kanonenschüsse des Kampfes^ 
der sich bei der i. Brigade entsponnen hatte; das Detachement 
Oberst Kleinhaus beschleunigte daher ^^in der Befürchtung, zum 
Gefechte zu spät zu kommen" den Marsch. 

Ungefähr um 6 Uhr früh eröffnete eine türkische Batterie 
hinter dem Dorfe Grivica das Feuer. Daraufhin wurde die eigene 
Batterie vorgezogen und etwas nördlich von Grivica in Stellung 
gebracht. Das Regiment Kostroma formierte sich auf gleicher 
Höhe mit ihr in Gefechtsordnung, und. zwar mit dem 2. Bataillon 
im I. Treffen: das Bataillon stellte sich beiderseits der Batterie 
in 2 Compagnie-Colonnenlinien auf und entwickelte vorne die 
Schützen-Compagnie in Schwarmlinie. Im 2. Treffen stand rechts 
das I. und links das 3. Bataillon, letzteres mit nur 3 Compagnien, 
da 2 (die 10. und 12. Linien- Compagnie) in Zgaljuvec zur Bedeckung 
des Artillerie-Parks und der Trains zurückgelassen worden waren. 
Die Kuban-Division des Fürsten Kirkanow nahm rechts des 
Infanterie-Regiments Aufstellung. 

Die Batterie des Obersten Sjedletzki beschoss während 
dieses Aufmarsches mit g-utem Erfolge die hinter einer Erdan- 
schüttung stehende feindliche Batterie; bei der letzteren wurden 
2 Geschütze demontiert, worauf sie das P'^euer ganz einstellte. Die 
Batterie des Obersten Sjedletzki wurde jedoch in ihrer Position 
von einer anderen, „mehr als 3 Werst entfernten türkischen gross- 
calibrigen Batterie von Radisevo her" unter Enfilierfeuer ge- 
nommen. 

Inzwischen war Oberst Kleinhaus mit dem i. Bataillon 
des Regiments Kostroma rechts über die Gefechtslinie hinaus 



277 

vorgerückt und begann nun^ das flache Plateau zu ersteigen; sich 
dann etwas nach rechts wendend^ gieng er sofort zum Angriffe 
auf die von den Türken stark besetzten Schützengräben vor. Auf 
der anderen Seite durchschritt das 3. Bataillon das Dorf Grivica 
und entwickelte sich; die allgemeine Front links verlängern d^ in 
der vorderen Gefechtslinie ; diese bewegte sich sodann mit dem 
linken Flügel längs der nach Plevna führenden Chaussee schnell 
vorwärts. Die Batterie unterstützte mit vielem Erfolge die Vor- 
rückung und den Angriff und wechselte während des letzteren^ 
um besser mitwirken zu können^ ihre Stellung nach rechts vorwärts. 
Unter dem furchtbaren Feuer der Türken wurden am rechten 
Flügel mit sehr starken eigenen Verlusten 3 Reihen türkischer 
Schützengräben nacheinander genommen ; aus der letzten Reihe 
wurden die Türken „von den Ueberbleibseln der Compagnie, 
mit dem Unterlieutenant Satolow an der Spitze^ vertrieben". 

Während dieses Angriffes fiel Oberst Kleinhaus, und die 
P^ührung des Detachements gieng auf den Commandanten der 
5. Batterie der 31. Artillerie- Brigade Oberst Sjedletzki über. 

In kurzer Zeit waren beim Regimente überhaupt nur mehr 
2 Stabsofiiciere vorhanden : die Majore Baresew und Xirichi ^) ; 
diese brachten die Compagnienin Ordnung^ worauf Major Baresew 
das Commando über die rechte Hälfte und Major Xirichi über 
die linke Hälfte des Regiments übernahm. 

Um 8 Uhr ungefähr setzte dasselbe den Angriff fort. Dieses- 
mal giengen das i. und 2. Bataillon frontal gegen die türkische 
Hauptstellung vor, wogegen die 3 Compagnien des 3, Bataillons^ 
welche das Dorf Grivica durchschritten^ dieselbe in der rechten 
Flanke umfassten. Die Türken vermochten diesem gemeinsam 
durchgeführten Vorstosse nicht standzuhalten und begannen, in 
voller Unordnung nach Plevna zurückzufluten. Die Batterie fuhr 
sofort in der genommenen Stellung auf und beschoss trotz des 
heftigen Gewehr- und Geschützfeuers der Türken sowohl die 
zurückweichenden Truppen, als auch Theile der türkischen Haupt- 
reserve, die in den Gärten und Weinpflanzungen dicht bei 
Plevna zu sehen waren ^). Im Rücken der feindlichen Stellung 



^) Oberstlieutenant Djakonow fiel gleichfalls, und die Majore Grincewic und 
Bjelski wurden verwundet. 

2) Die Batterie des Obersten Sjedletzki, welche das Regia. ent Kostroma 
während des ganzen Angriffes begleitete, trug im Verhältnisse zu den übrigen Batterien 
bedeutend grössere Verluste davon ; verwundet wurden 2 Officiere : die Unterlieutenante 
Jakimenko und Kolorowic; der letztere verliess trotz einer Kugel im Fusse seinen 



2/8 

begann bereits die Panik einzureissen. Als wie gefährlich zu 
diesem Zeitpunkte die Lage erkannt wurde^ ist daraus zu 
ersehen^ dass Osman Pascha den zurückweichenden Truppen 
seinen Adjutanten Tal aat mit folgendem mündlichen Befehle ent- 
geg-ensandte : 

;, Sagen Sie den Bataillons-Commandanten des vorderen 
Treffens^ dass sie ihre Soldaten zu sammeln und neuerdings gegen 
den Feind zu führen haben ; sie sollen ihre früheren Stellungen 
besetzen und gegen die Flüchtlinge ohne jedes Erbarmen vor- 
gehen. Sagen Sie ihnen^ dass ich, wenn sie meine Befehle nicht 
ausführen, vom Hauptquartier aus auf sie schiessen lasse, so 
dass sie sich zwischen zwei Feuern befinden werden." 

Trotzdem konnte Oberst Sjedletzki, welcher bereits un- 
geheure Verluste erlitten und keine Reserve mehr zur Verfügung 
hatte, seine günstige Situation nicht ausnützen, und zwar umso- 
weniger, als bei seinem Detachement die Munition zu Ende gieng. 
Nachdem er bis 1 1 Uhr vormittags in der eroberten Stellung 
verblieben war und keinerlei Kunde von Brösljanica her erhalten 
hatte, wo — nach dem Verstummen des Schiessens zu urtheilen 
— der Kampf gleichfalls aufgehört haben musste, begann er im 
Einverständnis mit den beiden Bataillons-Commandanten den Rück- 
zug in östlicher Richtung nach dem nicht ganz 3 Werst von der 



Zug bis zur Beendigung des Gefechtes nicht; ausserdem verlor die Batterie 15 Mann 
und 22 Pferde, darunter 2 unter dem Obersten Sjedletzki selbst. 

Ueber das Verhalten der 5. Batterie der 31. Artillerie-Brigade heisst es bei der 
Beschreibung der Thätigkeit des Infanterie-Regiments Kostroma Nr. 19 vom 30. Juni 
bis 8. Juli [12. bis 20. Juli] 1877 im „Feld-Tagebuche" desselben: „Der Einklang 
im Handeln zwischen der 5. Batterie und der Infanterie war bemerkenswert : diese 
heldenhafte Batterie folgte aufmerksam dem Angriffe der Unsrigen ; sie unterstützte 
die Infanterie, als wollte sie ihr den Rang ablaufen, und gestattete nirgends den Türken 
sich zu halten. Beim Rückzuge stand sie unserem Regimente, welches infolge des 
unerträglichen Kampfes völlig erschöpft war, durch ihre drohende Nähe bei und er- 
möglichte es den Kostromaern, nachdem sie sich bis an den Feind durchgehauen hatten, 
nunmehr ohne Uebereilung sich dem Feuer der Türken zu entziehen, im Palac- 
Gebüsche die Verbände wiederherzustellen und in Ordnung nach Zgaljuvec zurück- 
zumarschieren. Trotz des Mangels an Munition verliess die Batterie das Regiment auf 
keinen Augenblick, und nachdem sie die letzten Granaten verschossen hatte, war sie 
noch immer bereit, jeden Verfolgungs-Versuch der Türken mit Kartätschen abzu- 
wehren." 

„Dieses hervorragende Beispiel gegenseitiger Unterstützung der beiden Waffen 
blieb zwar leider für die allgemeine Kriegsgeschichte ohne Folgen, aber in den Ueber- 
lieferungen des Regiments Kostroma und in seinen Ruhmesblättern wird für diese brave 
Batterie und ihren kühnen Commandanten, den Obersten Sjedletzki, noch lange 
ein dankbares Gedächtnis fortleben." 



279 

türkischen Grivica-Batterie entfernten Palac - Gebüsche, ohne von 
den Türken verfolgt zu werden. 

Im Gebüsche rangierten sich die Truppen und ruhten sich 
durch I V2 bis 2 Stunden aus. Während dieser Zeit traf hier auch 
die kaukasische Kasaken-Brigade von Radisevo her beim Deta- 
chement ein. 

Oberst Tutolmins Brigade hatte sich zu Beginn des Gefechtes 
in der linken Flanke des Regiments Kostroma^ nahe dem Dorfe 
Grivica^ aufgestellt; dort erhielt sie ungefähr um 7 Uhr früh, als 
der Kampf schon begonnen hatte, von Oberst Kleinhaus eine 
Mittheilung, in welcher es unter anderem hiess : die kaukasische 
Brigade hat Befehl, „ihnen" [das ist den Türken] in den Rücken 
zu gelangen. 

In Befolg dieser, augenscheinlich von General Schilder- 
Schuldner herrührenden Verfügung ritt die Brigade um Radisevo 
herum und stellte sich zwischen diesem Dorfe und der Tucenica- 
Schlucht bereit. Obgleich von hier aus die türkischen Reserven 
bei Plevna zu sehen waren, so konnten sie von der bei der 
Brig-ade befindlichen 3 pfundigen reitenden Gebirgs-Batterie infolge 
der geringen Portee derselben dennoch nicht beschossen werden ; 
die Brigade blieb daher in einer zuwartenden Stellung marsch- 
bereit stehen. Als dann der Rückzug des Regiments Kostroma 
beobachtet wurde, führte Oberst Tutolmin seine Brigade im 
Trab nach Grivica und liess nach dem Eintreffen beim Dorfe 
durch eine starke (von 4 Sotnien gebildete) Kasaken-Schwarmlinie 
sowohl den Sammelpunkt des Regiments im Palac-Gebüsche, als 
auch das Auflesen der Verwundeten decken. Speciell zur Hilfe- 
leistung für die letzteren (sie wurden an der Grivicaer Chaussee 
gesammelt) und zu ihrer Escortierung nach Zgaljuvec wurden 
2 Sotnien bestimmt; die übrigen blieben in geschlossener Ordnung 
— bereit, die Schwarmlinie zu unterstützen, falls die Türken 
angreifen sollten. Als Aeltester übernahm Oberst Tutolmin das 
Commando über das Detachement. 

Im Palac-Gebüsche wurde „trotz der schwirrenden Granaten 
das Regiment Kostroma von den Officieren gesammelt und 
rangiert". 

Gerade zu dieser Zeit verliessen die unter den unmittelbaren 
Befehlen des Generals Schilder-Schuldner stehenden Truppen 
des Gefechtsfeld. Nachdem nämlich die Regimenter Wologda und 



2 So 

Archang-elsk in ihre ursprüngliche Stellung bei der Artillerie^ 
die sie vor dem Angriffe inneg-ehabt hatten^ zurückgegangen 
waren, wurden sie hier von General Schilder-Schuldner durch 
einige Zeit belassen. Bald jedoch überzeugte sich der General, und 
zwar theils persönlich, theils durch den Bericht des Divisions- 
Generalstabschefs Obersten Popow (welcher zum rechten Flügel 
gesendet worden war, um dort die Truppen zu sammeln und in 
Verbände zu bringen), dass infolge der grossen Verluste an Mann- 
schaft und besonders an Officieren eine Erneuerung des Angriffes 
unm.öglich sei ; er liess daher um 1 1 V2 Uhr vormittags zuerst die 
Artillerie und sodann auch die Infanterie allmählich die Stellung- 
räumen und den Rückzug antreten. 

Als General Schilder -Schuldner um diese Zeit erfuhr, 
dass das Regiment Galic Nr. 20 bereits im Anmärsche sei, trug 
er dem Generalstab s-Hauptmann Schwemberger auf, rückwärts 
eine Stellung auszumitteln und dieselbe durch das anzuhaltende 
Regiment besetzen zu lassen^). 

Der Rückzug auf das Regiment Galic erfolgte ganz allmählich. 
Die Türken verfolgten nicht ; schwache Versuche hiezu wurden 
durch das Feuer der Schützen vereitelt. Eine türkische Cavallerie- 
Abtheilung, etwa i V2 Escadronen, welche das Centrum der zurück- 
gehenden Infanterie angriff, wurde von der Sotnie des Jesaul 
Golubincew in der Planke attaquiert, geworfen und zer- 
streut. Die Türken blieben darauf stehen, und um 6 Uhr abends 
hörte hier der Kampf vollständig auf. Die im Gefechte gestandenen 
Truppen setzten den Rückzug fort und sammelten sich bei Brös- 
lja,nica hinter dem Regimente Galic Nr. 20, welches im Vereine 
mit 2 bei ihm eingetroffenen Batterien eine Stellung beim Tscher- 
kessendorfe (Kolesovat) bezogen hatte. 

Was die Truppen betrifft, welche von Grivica aus ang-egriffen 
hatten, so marschierte das Regiment Kostroma mit der Batterie, 



1) Das Regiment Galic, bei dem sich der Commandant der 2. Brigade der 
5. Infanterie-Division GM. Bogacewic befand, marschierte um 7 Uhr früh von 
Muselijevo nach Brösljanica ab ; als es sich dem Dorfe näherte, kam ein Kasak an- 
sprengt „mit dem Befehle vom Divisionär, zur Unterstützung vorzurücken" . . . Nach 
einer halben Stunde marschierte das Regiment unter Zurücklassung der Tornister und 
Mitnahme von Wasser weiter. Beim Abstiege zum Tscherkessen-Dorfe [Siehe weiter 
im Texte. — D. Ueb.] wurde es von Generalstabs-Hauptmann Schwemberger auf- 
gehalten; dieser überbrachte den Befehl, das Regiment habe eine Stellung zu be- 
ziehen und den Rückzug der l. Brigade zu decken". („Feld-Tagebuch des Infanterie- 
Regiments Galic Xr. 20. "j 



nachdem — wie besprochen — die Verbände im Palac- Gebüsche 
wiederhergestellt worden waren^ unter Bedeckung der Kasaken 
nach Zgaljuvec, wo die Trains und der Artillerie - Park zurück- 
geblieben waren und wo auch die Verwundeten gesammelt wurden. 

Kurz vor dem Eintreffen in diesem Dorfe erhielt Oberst 
Tutolmin den Befehl General Schilder-Schuldners, nach 
Brösljanica zurückzugehen. Er hielt es aber nicht für möglich^ 
denselben durchzuführen und sandte diesbezüglich von Zgaljuvec 
folgende Meldung ein : 

^^Vom Regimente Kostroma existiert höchstens noch ein 
Drittel; überall wurden Verwundete aufgelesen. In Zgaljuvec 
eingetroffen^ fanden wir den Train nicht vor und die Parks auch 
nicht; wir wissen nicht^ wo vsie sind. Um 3 Uhr beabsichtigeich; 
behufs Vereinig'ung mit Eurer Excellenz abzurücken^ und zwar 
vorläufig nach Vrbica. Das Regiment Kostroma hat keine Tornister. 
Den Befehl Eurer Excellenz^ nach Brösljanica zu marschieren, 
erhielt ich dicht vor Zgaljuvec in einem Momente, da das Regiment 
völlig durcheinander war, so dass demselben Zeit zum Sammeln 
und Rangieren gegeben werden musste. Die Infanterie ist hungrig ; 
wir haben ihr Zwieba,ck gegeben. Wenn wir gewusst hätten, 
dass die Parks und der Train nicht in Zgaljuvec sein würden, so 
wären wir gleich nach Vrbica marschiert. Das Regiment Kostroma 
musste zurück, weil es erstens keine Patronen, und zweitens, weil 
es keine Reserven mehr besass." 

Bald erfuhr Oberst Tutolmin, dass der Train und der 
fliegende Artillerie -Park Nr. 13, bei denen sich auch viele Ver- 
wundete befanden, in Turski Tröstenik standen; sie waren dorthin 
abmarschiert, als sie gleich zu Beginn des Rückzuges bei Grivica 
von den bestürzten Bulgaren die Nachricht erhalten hatten, 
die Türken seien längs der Plevna-Ruscuker Chaussee zum Angriffe 
übergegangen. 

Daraufhin rückte Oberst Tutolmin mit dem g-anzen De- 
tachement von Zgaljuvec nach Turski Tröstenik ab, wo er um 
10 Uhr abends eintraf. 

Auf diese Weise waren die russischen Gefechts-Gruppen, 
welche sich einerseits nach Brösljanica, anderseits nach Turski 
Tröstenik zurückgezogen hatten, auf 15, respective 20 Werst von 
Plevna und auf 15 Werst voneinander entfernt. 

UmBrösljanica sammelten sich die 3 Regimenter der 5. Inf an t er ie- 
Division mit 6 Batterien und dem Don-Kasaken-Regimente; letzteres 



282 

versah den Vorpostendienst. Zu diesen Truppen gesellten sich — 
hing-eführt vom Generalstabs-Hauptmann Birg- er — noch am 

8. [20.] Juli 3 Escadronen des Uhlanen-Regiments Bug Nr. 9 und 
I Don-Kasaken-Batterie; hievon wurde eine der Escadronen zur 
Verstärkung der Kasaken- Vorposten bestimmt. Am 9. [21.] Juli 
trafen in Brösljanica ein: früh — das Infanterie-Regiment Kozlow 
Nr. 123 mit der i. und 2. Batterie der 3 1 , Artillerie-Brigade ; und 
im Laufe des Tages — die Schützen-Compagnien der i. Brig*ade der 
3 1 . Infanterie-Division, i Bataillon des Infanterie-Regiments Penza 
Nr. 121 und der Corpsstab; letzterer etablierte sich in der Nähe 
von Brösljanica bei den ;;Vier Brunnen". 

General Schilder-Schuldner hatte zwar unter dem ersten 
Eindrucke des misslungenen Kampfes, wie bereits besprochen, 
dem Detachement Oberst Tutolmin befohlen, nach Brösljanica zu 
rücken, aber schon um 6 Uhr abends desselben Tages (8. [20.] Juli) 
sandteer dem Obersten einen neuen Auftrag, welcher dem Detache- 
ment seine ursprüngliche Bestimmung — die Deckung der Strasse 
von Plevna zur Uebergangsstelle bei Svistov — zurückgab. Laut 
diesem Befehle, der in Turski Tröstenik bei Tagesanbruch des 

9. [21.] Juli eintraf, hatte das Detachement hinter die Osma-Brücke 
von Blgarene zurückzugehen und dieselbe zu sichern. 

In den Kämpfen des 8., [20.] Juli verloren die russischen 
Truppen laut einer Nachweisung des Feldstabes circa 2V2 tausend 
Mann; diese Verluste vertheilten sich auf die einzelnen Truppen 
wie folgt: 

Officiere Mann 

Infanterie-Regiment Archangelsk Nr. 17 33 988 

„ „ Wologda Nr. 18 17 429 

,, „ Kostroma Nr. 19 23 852 

Don-Kasaken-Regiment Nr. 9 — 33 

I., 2., 4., 5. Batterie der 5. Artillerie- Brigade — 9 

5. Batterie der 31. Artillerie-Brigade 2 15 

Kaukasische Kasaken-Brigade — — 

Zusammen . . 75 2326 

Verwundet wurde der Commandant der i. Brigade der 
5. Infanterie-Division GM. Knorring. 

Auf dem Gefechtsfelde mussten 17 Patronenwagen der 
I. Brigade der 5. Division stehen gelassen werden; ein Theil 
hievon war durch türkische Granaten zerschossen worden; die 
übrigen konnten nicht fortgeschafft werden, da alle Pferde getödtet 
waren. 



283 

Das Regiment Kostroma Hess alle seine Tornister, die es 
in der Thalmulde vor der Stellung der Türken abgelegt hatte, 
auf dem Gefechtsfelde zurück; auch die Mäntel der 6. Compagnie 
dieses Regiments blieben dortselbst liegen. Die Ursache war die, 
dass sich das Regiment nördlich der ursprünglich beim Angriffe 
eingeschlagenen Richtung nach dem Palac-Gebüsche zurückzog'. 

Die Verluste der Türken betrugen nach den Angaben des 
Werkes „Defense de Plevna" gegen 2000 Mann. 

Der partielle Echec der russischen Armee vom 8. [20^] Juli 
beiPlevna betraf eine Gruppe in der Stärke von kaum 10.000 Mann; 
er war daher an sich von sehr geringer Bedeutung. In materieller 
Beziehung wurde er reichlich aufgewogen durch den wichtigen, 
soeben bei Nikopol errungenen Erfolg; auch schien er damals 
leicht wieder gutgemacht werden zu können. 

Trotzdem erwies sich — durch ein eigenthümliches Zusammen- 
treffen von Umständen und durch die weitere Entwickelung der 
Ereignisse — der Misserfolg vom 8. [20.] Juli in seinen 
Consequenzen als ein äusserst schwerer Schlag für die russische 
Armee. Dort, bei Plevna, schürzte sich ganz unerwarteter- 
weise jener strategische Knoten, den zu durchhauen erst nach 
ungeheurem Opfern und Verlusten an Zeit gelang: diese für die 
Russen verlorene Zeit aber bedeutete in jeder Beziehung einen 
ausschliesslich den Türken zugute kommenden Gewinn. 



Beilage I. 



Ordre de bataille 



der 



russischen Operations- Armee') 



Armee-Obercommando. 

Obercommandant : General- Adjutant, Ingenieur- General Grossfürst 

Nikolaus J\ikolojeivio der Aeltere. 

Stabschef: General- Adjutant, General der Infanterie Nepokoj'citzki, 

Erster Gehilfe des Stabschefs: GM. der kaiserlichen Suite Lewitzki, 

Zweiter Gehilfe des Stabschefs : GM. Kiicewski. 

Chef der topographischen Abtheilung : Oberst Oblomijewski. 

Intendant : "Wirklicher Staatsrath Arens, 

Gehilfe des Intendanten : Oberst Plechnjewic. 

Artilleriechef : General-Adjutant, GL. Fürst Masalski. 

Gehilfe des Artillerie- Chefs : GM. Adamowic. 

Ingenieur-Chef: GM. Depp. 

Gehilfe des Ingenieur-Chefs : Oberst Engel. 

Chef der militärischen Verbindungen : GL. Katalej (CaCal'.i). 

Feld-Ataman: GL. Fomin. 

Chef der Commandantur : GM. von Stein. 

Tnspector der Spitäler : GM. Kossinski. 

Medicinal-Inspector : Wirklicher Staatsrath Priselkow. 

Chef des Feldpostwesens : Hofrath Romanus. 

Feld-Hauptcassier : Wirklicher Staatsrath Kidosenkow. 

Civil- Commissär beim Obercomraandanten: Wirklicher Staatsrath Fürst Cerkasski.. 

Oberster Feldgeistlicher : Erzpriester Smolic. 

Garde-Truppen. 

Von dem kaiserlichen Convoi: V2 l. Kuban-, 2. Kuban- und Terek- 

Kasaken-Escadron 2V2 Escadronen 

Combiniertes Leibgarde Don-Kasaken-Regiment 4 „ 

Garde-Equipage unter Commando des Contre-Admirals der kaiserlichen 

Suite Grossfürst Alexei-Ahxandrowic I Bataillon 

Von dem Leibgarde Sappeur- Bataillon : 50 Mann I Commando 

Zusammen: 6V2 Escadronen, i Batailllon, i Commando. 

^) Zusammengestellt im Ilauptstabe auf Grund der Daten vom 25. Juni [7. Juli] 1877. 



86 



IV. Armee-Corps, 

Commandant : GL. Zotoiv. 
Stabschef: Oberst Nowitzki. 
Artilleriechef : GL. Basilow. 



16. Infanterie-Division. 

Commandant : GL. Pomerancew . 
Stabschef: Oberst TicJnnenjew. 

I. Brigade: GM. Alexandrow. 
6i. Infanterie-Regiment Wladimir: Flügel- Adjutant Oberst Ilinski . 3 Bataillone 

62. „ ,, Suzdal : Oberst Dlotowski ........ 3 ,, 

2. Brigade: GM. Grenquist. 

63. Infanterie-Regiment Uglic : Oberst Tomilowski 3 Bataillone 

64. ,, ., KLazanj : Oberst Tehjakin 3 ,, 

30. Infanterie-Division. 

Commandant : GL. Puzanow. 
Stabschef: Oberst Kiikel. 

1. Brigade: GM. Poltor atzki. 

117. Infanterie-Regiment Jaroslawlj : Oberst Chitrowo -. 3 Bataillone 

118. ,, ,, Suja: Oberst Baron Kaulbars 3 ,, 

2. Brigade: GM. Bozerjanow. 

119. Infanterie-Regiment Kolomna: Oberst Baron von Heiking. . . 3 Bataillone 

120. ,, c, Serpuchow: Oberst Grave 3 ,, 



4. Cavallerie-Division. 

Commandant : GL. Krylow. 
Stabschef: Oberst von der Launitz. 

1. Brigade: GM. Leontjew. 

4. Dragoner-Regiment Jekaterinoslaw: Oberst ReJibinder 4 Escadronen 

4. Uhlanen-Regiment Charkow: Oberst Ertel 4 ,, 

2. Brigade: GM. Makarow. 

4. Husaren-Regiment Mariupoi: Oberst von Ekse 4 Escadronen 

4. Don-Kasaken-Regiment: Oberst Wlasow 6 Sotnien 

16. Artillerie-Brigade: GM. Boretti 48 Geschütze 

30. ,, ,, Ooerst Swinjin 48 ,, 

7. reitende Batterie: Oberstlieutenant Muromcew 6 ,, 

8. ,, ,, ,, Kohyletzki 6 ,, 

Fliegende Divisions-Parks Nr. 3 und 4 2 Parks 

2. und 3. Abtheilung des mobilen Parks Nr. 2 2 ParkAbth. 

I. Fliegende Cavallerie-Parkabtheilung i ,, ,. 

Zusammen: 24 Bataillone, 12 Escadronen, 6 Sotnien, 108 Geschütze, 2Parks, 3Park-Abth. 



287 



VIII. Armee-Corps. 

Commandant: GL. Radetzki. 

Stabschef: Oberst Dmitrowski. 

Artillerieclief : GM. der kaiserlidien Suite ye'wreinow. 

9. Infanterie-Division. 

Commandant : General- Adjutant, GL. Fürst Swjatopolk-Mlrski II. 
Stabschef: Oberst Elleis. 

1. Brigade: GM. Borejsa. 

33. Infanterie-Regiment Jeletz: Oberst Grohmantt 3 Bataillone 

34. ,, ,, Sjewsk: Oberst Zirzinski 3 ,, 

2. Brigade: GM. Derozinski. 

35. Infanterie-Regiment Brjansk: Oberst Lipinski 3 Bataillone 

36. „ ,, Orel: Oberst Bjelajew 3 ,, 

14. Infanterie-Division. 

Commandant: GM. der kaiserlichen Suite Dragomirow (betr.) ^). 
Stabschef: Oberst jfakuhowski. 

I. Brigade: GM. yolsin. 

53. Infanterie-Regiment "Wolhynien: Oberst Rodionow 3 Bataillone 

54. ,, „ Minsk: Oberst Molski 3 „ 

2. Brigade: GM. Petrusewski. 

55. Infanterie-Regiment Podolien: Oberst Duchonin 3 Bataillone 

56. ,, ., Zytomir: Oöerst Tjazelnikow 3 ^, 

8. Cavallerie-Division. 

Commandant: GL. Fürst Ma7zweiow. 
Stabschef: Oberst Baron Kaztlbars. 

I. Brigade: GM, Leonow II. 

8. Dragoner-Regiment Astrachan: Oberst Mancylewic 4 Escadronen 

8. Uhlanen-Regiment Woznjesensk: Oberst Korowicenko 4 

2. Brigade: GM. Schucht. 

8. Husaren-Regiment Lubny: Oberst Borozdin 4 Escadronen 

8. Don-Kasaken-Regiment: Oberst Zeltonozkin 6 Sotnien 

9. Artillerie-Brigade: GM. Anosow 48 Geschütze 

14. >, ,, Oberst Chudjakow 48 ,, 

15. reitende Batterie: Oberst Were-wkin 6 

9. Don-Kasaken-Batterie: Oberst Zoiotü 6 

Fliegende Artillerie-Parks Nr. 14 und 15 2 Parks 

Mobile Artillerie-Parks Nr. 14 und 15 2 ,, 

2. Halbpark des 5. reitenden Artillerie-Parks 1/2 ,, 

I. Zug der 3. Gendarmerie-Escadroa I Zug 

Zusammen: 24 Bataillone, 12 Escadronen, 6 Sotnien, 108 Geschütze, 4V9 Parks, i Zug. 
^) Die Abkürzung ,,betr." bedeutet: ,,Mit dem Commando betraut". — D. Ueb. 



SS 



IX. Armee- Corps. 

Commandant: GL. Baron Krüdener, 

Stabschef: GM. Snitnikow. 

Artilleriechef: GM. Kalacew. 



5. Infanterie-Division. 

Commandant: GL. Schüder-Schtildner. 
Stabschef: Oberft Popow. 

1. Brigade: GM. K7iorring. 

17. Infanterie-Regiment Archangelsk: Oberst Rosenbooiii 3 Bataillone 

18. ., ,, Wologda: Oberst Baron Solowjew .... 3 ,, 

2. Brigade:- GM. Bogacewic. 

19. Infanterie-Regiment Kostroma: Oberst Kleinhaus 3 Bataillone 

20. ,, ,, Galic : Oberst Razgildjejew 3 ,, 

31. Infanterie-Division. 

Commandant: GL. Weljai?nnow 1. 
Stabschef: Oberst Mtiromccw. 

I. Brigade: GM. Bjelokopytow. 

121. Infanterie-Regiment Penza : Oberst Konarzewski 3 Bataillone 

122. „ ,, Tambow: Oberst Golowin 3 ,, 

2. Brigade: GM. Brant. 

123. Infanterie-Regiment Kozlow: Oberst Siepanow 3 Bataillone 

124. ,, ,, Woronjez: Oberst Chi-usctw 3 ,, 

9. CavaSlerie-Division. 

Commandant: GM. Laskar jew III. (betr.) 
Stabschef: Oberst Maksejew-Masonow. 

I. Brigade: GM. Ratjejew. 

9. Dragoner-Regiment Kazanj : Oberst Korjewo 4 Escadronen 

9. Uhlanen-Regiment Bug: Oberst Gorj'ace-w 4 ,, 

2. Brigade: GM. Oldekop. 
9. Husaren-Regiment Kijew: Flügel- Adjutant, Oberst Baron Korff 4 Escadronen 
9. Don-Klasaken-Regiment: Oberst Nagubin 6 Sotnien 

5. Artillerie-Brigade: GM. Pochitonow 48 Geschütze 

31. „ „ GM. Hilchen . 48 „ 

16. reitende Batterie: Oberstlieutenant Oreus 6 ,, 

2. Don-Klasaken-Batterie: Oberstlieutenant Rytikoiv . 6 ,, 

Fliegende Artillerie-Parks Xr. 13 und 16 2 Parks 

Mobile „ „ „ 13 „ 16 2 „ 

1. Halbpark des 5. reitenden Artillerie-Parks V2 ,, 

2. Zug der 3. Gendarmerie-Escadron i Zug 

Zusammen: 24 Bataillone, 12 Escadronen, 6 .Sotnien, 108 Geschütze, 4V2 Parks, i Zug. 



2Ö9 

XL Armee-Corps. 

Commandant : GL. Fürst Sachowskoj. 

Stabschef: Oberst Biskupski, 

Artilleriechet: GM, Kalmykow. 

11. Infanterie-Division. 

Commandant: GM. Einroth. (betr.) 
Stabschef: Oberst Tugenhold. 

1. Brigade: GM. Salow. 

41. Infanterie-Regiment Selenga: Oberst Rick 3 Bataillone 

42. ,, ,. Jakutsk: Oberst Krasowski 3 ,, 

2. Brigade: GM. Ustrugow. 

43. Infanterie-Regiment Ochotsk: Oberst Boldt 3 Bataillone 

44. „ „ Kamcatka: Oberst Schaumaniz 3 ,, 

32. Infanterie- Division. 

Commandant: GL. Aller 
Stabschef: Oberst Printz, 

I. Brigade: GM. Gorskow. 

125. Infanterie-Regiment Kursk: Oberst Rakuza 3 Bataillone 

126. ,, „ Rylsk: ,, Sarancow 3 „ 

2. Brigade: GM. Schniit. 

127. Infanterie-Regiment Putiwl : Oberst Plaksiii 3 Bataillone 

128. ,, ,, Starooskolsk: Oberst Markozow 3 ,, 

11. Cavaüerie-Division. 

Commandant: GL. Tatiscew. 
Stabschef: Oberst Bajow. 

1. Brigade: GM. Hildehrant. 

II. Dragoner-Regiment Riga: Oberst von Wick 4 Escadronen 

II. Uhlanen- ,, Czugujew: Oberst Reissig 4 ,, 

2. Brigade: GM. Peiroxvski. 

II. Husaren-Regiment Izjum: Oberst Sannikotv 4 Escadronen 

II. Don-Kasaken-Regiment: Oberst Popow 6 Sotnien 

II. Artillerie-Brigade: Oberst Preis 48 Geschütze 

32. ,, ,, ,, Skivortzow 48 ,, 

18. Reitende Batterie: Oberstlieutenant Grossniann 6 „ 

4. Don-Kasaken-Batterie: Jesaul [Kas.-Rittm.] Persijanow (betr.) . 6 ,, 

Fliegende Artillerie-Parks Nr. 10 und ll 2 Parks 

Mobile „ „ „ 10 ,, II 2 „ 

I. Halbpark des 4. Reitenden Artillerie-Parks ^/s ,, 

3. Zug der 3. Feld-Gendarmerie-Escadron I Zug 

Zusammen: 24 Bataillone, 12 Escadronen, 6 Sotnien, 108 Geschütze, 4*/2 Parks, i Zug. 
Der russisch-türlcische Krieg. II. Bd. 19 



290 

XII. Armee-Corps. 

Comraandant: GL. Wannowski. 

Stabschef: GM. Kosyc. 

Artilleriechef; GM. Nejelow. 

12. Infanterie-Division. 

Commandant: GL. Baron von Firks. 
Stabschef: Oberst Brant. 

I . Brigade: GM. Citljadzew. 

45. Infanterie-Regiment Azow : Oberst Netvjadotvsln 3 Bataillone 

46. >r ,, Dnjepr : Oberst Budde ......... 3 ,, 

2. Brigade: GM. Fcfanow. 

47. Infanterie-Regiment Ukraine : Oberst Nemira 3 Bataillone 

48. „ ,, Odessa : Oberst Donihroiuski 3 ,, 

33. Infanterie-Division. 

Commandant : GM. der kaiserlichen Suite Timofjejetv (betr.). 
Stabschef: Oberst Troitzki. 

I. Brigade: GM. Korjewo. 

129. Infanterie-Regiment Bessarabien : Oberst Kuzininski 3 Bataillone 

130. „ ,, Cherson : Oberst Feldmamz 3 ,, 

2. Brigade: GM. Selejchowski. 

131. Infanterie-Regiment Tiraspol : Oberst Wlasjenko 3 Bataillone 

132. ., „ Bender: Oberst Nazimow 3 ., 

12. Cavallerie-Division. 

Commandant : GL. Baron Drlesen. 
Stabschef : Oberst Strick. 

I. Brigade: GM. Arnoldi. 

12. Dragoner-Regiment Starodubow : Oberst Bilderling 4 Escadronen 

12. Uhlanen-Regiment Bjelgorod : Oberst Snltykow 4 ,, 

2. Brigade: GM. Baron Stahl voiz Holstein. 

12. Husaren-Regiment Achtyrka : Oberst Tewjasew 4 Escadronen 

12. Don-Kasaken-Regiment : Oberst Chrescatitzki 6 Sotnien 

12. Artillerie-Brigade: Oberst Grigorjew 48 Geschütze 

35. ,, ,, Oberst Wiskowatow 48 „ 

19. Reitende Batterie : Oberstlieutenant Baron von Maidel .... 6 ,, 

5. Don -Kasaken- Batterie : Wojskowoj Starsina [Kas.-Obstlt.] 

ICalinin {h&ix.) 6 ,, 

Fliegende Artillerie-Parks Nr. 12 und 17..., 2 Parks 

Mobile Arlillerie-Parks Nr. 12 und 17 2 ,, 

2. Halbpark des 4. Reitenden Artillerie-Parks V^ " 

4. Zug der 3. Feld-Gendarmerie-Escadron , . . I Zug 

Zusammen: 24 Bataillone, 12 Escadronen, 6 Sotnieu, 108 Geschütze, 4V2 Parks, 1 Zug. 



XIII. Armee-Corps. 

Commandant : GL. Hahn. 

Stabschef: Oberst Iljasewic. 

Artilleriechef: GM. von Winkler. 



1. Infanterie-Division. 

Commandant : GL. Prochorow. 
Stabschef: Oberst Leslie. 

I. Brigade: GM. Wuj'ackewic. 

I. Infanterie-Regiment Newa : Oberst Boldt 3 Bataillone 

4. ,, ,, Sofia : Oberst Wladhnirski 3 ,, 

2. Brigade: GM. Dudinski. 

3. Infanterie-Regiment Narwa : Oberst Rtith 3 ,, 

4. ,, ,, Koporsk : Oberst Gostowt 3 ,, 

35. Infanterie-Division. 

Commandant : GM. der kaiserlichen Suite Baranow (betr.). 
Stabschef: Oberst Ogonj-Doganowski. 

I. Brigade: GM. Tichnienjew. 

137. Infanterie-Regiment Njezin : Oberst Tinjkow 3 Bataillone 

138. ,, ,, Wolchow : Oberst Busse 3 ,, 

2. Brigade : GM. Woronow. 

139. Infanterie-Regiment Morsansk : Oberst Wenzel 3 Bataillone 

140. ,, ,, Zarajsk : Oberst Nazarow 3 ,, 



13. Cavallerie-Division, 

Commandant : GM. von RaJiden (betr.). 
Stabschef: Oberst vo7t Iloj'er. 

I. Brigade: GM. Dame. 

13. Dragoner-Regiment ,, Kriegsorden" : Oberst Lennantow .... 4 Escadronea 

13. Uhlanen- ,, Wladimir: Oberst Bechtjejetu 4 ,, 

2. Brigade: GM. Bodisco. 

13. Husaren-Regiment Narwa Oberst: Puskin 4 ,, 

13. Don-Kasaken-Regiment : Oberst Popow 6 Sotnien 

I. Artillerie-Brigade: GM. Siinanow 48 Geschütze 

35. ,, ,, Oberst Michel 48 ,, 

20. Reitende Batterie: Oberstlieutenant Kartaxvcew 6 ,, 

6. Don-Kasaken-Batterie : Obersllieutenant Sazonoiu 6 ,, 

Fliegende Artillerie-Parks Nr. 22 und 23 2 Parks 

Mobile „ ,, ,. 22 „ 23 2 „ 

17. Fliegende Cavallerie-Park-Abtheilung I Park-Abth. 

Zusammen: 24 Bataillone, 12 Escadronen, 6 Sotnien, 108 Geschütze, 4 Parks, i Pk.-Abth. 

19-^= 



292 

XIV. Armee-Corps. 

Commandant: GL. Ziin/ner/jiann. 

Stabschef: Oberst Akiuiow. 
Artillerieclief: GjNI. Kleivetzki. 

17. Infanterie-Division. 

Commandant: GM. Forochoivnikoiv (betr.). 
Stabschef: Oberst Dennet. 

I Brigade: GM. Ufnja rski. 

65. Infanterie-Regiment Moskau: Oberst Prhno , . 3 Bataillone 

66. „ ,, But5^rsk: ,, von Müwes ....... 3 ,, 

2. Brigade: GM. Bra7U [IL 

67. Infanterie-Regiment Tarutino : Oberst Jeletz 3 Bataillone 

68. Leib - Infanterie - Regiment Borodinot Flügel -Adjutant Oberst 

Maklakozv 3 „ 

18, Infanterie-Division. 

Commandant: GL. Narbut. 
Stabschef: Oberst Michejew. 

I. Brigade: GM. Zukow. 

69. Infanterie-Regiment Rjazanj: Oberst Sulg'in 3 Bataillone 

70. ,, ,, Rjazsk: Oberst Selkownikow 3 ,, 

2. Brigade: GM. Donauron), 

71. Infanterie-Regiment Bjelew: Oberst Borgströin 3 Bataillone 

72. ,, ,, Tula: Oberst Scnka . 3 ,, 

1. Don-Kasaken-Division. 

Commandant: General-Adjutant, GL. Samsew. 
Stabschef: Oberst l-iüaitow. 

I. Brigade: GM. Jatiow IIL 

15. Don-Kasaken-Regiment: Oberst Golubincew 6 Sotnien 

16. ,, „ 5, ,, Slusarjetv 6 ,, 

2, Brigade: GM. Andrijanow. 

17. Don-Kasaken-Regiment: Oberst Warlaniow 6 Sotnien 

18. ,, ,, ,, ,, Izmajlow 6 ,, 

17. Artillerie-Brigade: GM. Friede . 48 Geschütze 

18. ,, ,, ,, Bogdanotv 48 ,, 

II. Don-Kasaken-Batterie: Wojskowoj Starsina [Kas.-Obstlt.] Z(fc//(^öw 

(betr.) 6 „ 

16. Don-Kasaken-Batterie: Wojskowoj Starsina [Kas. - Obstlt.] 

Riidakow fbetr.) 6 ,, 

17. Don-Kasaken-Batterie: Wojskowoj Starsina [Kas-. Obstlt.] i^/«r/v't^w 

(betr.) 6 



293 

Fliegende Artillerie-Parks Nr. l8 und 24 2 Parks 

Mobile ,, „ „ 18 „ 24 2 

18. Fliegende Cavallerie-Park- Abtheilung i Park-Abth. 

Zusammen: 24 Bataillone, 24 Sotnien, 114 Geschütze, 4 Parks, i Park - Abtheilung. 

Truppen ausser Corpsverband. 

4. Schützen-Brigade. 

Commandant: GM. Tzwjecinski. 

13. Schützen-Bataillon: Oberst KLwiantowic I Bataillon 

14. ,, „ „ Bjezanow I ,, 

15. ,, ,, Oberstlieutenant Beklemisew I ,, 

16. „ ,, Oberst Leo I ,, 

1. Gebirgs-Batterie: Oberstlieutenant Gladkow 8 Geschütze 

2. ,, ,, ,, Slrjelbitzkl 8 j, 

Artillerie-Park- Abtheilung i Park-Abthg. 

3. Sappeur-Brigade. 

Commandant: GM. Richter. 

5. Sappeur-Bataillon: Oberst Szvisceivski i Bataillon 

6. ,, ,, ,, Izwj'ekow I ,, 

7. ,, ,, Oberstlieutenant Werescagin I ,, 

3. Eisenbahn- ,, Oberst Kisinski i ,, 

5. Pontonier- ,, Oberstlieutenant Akkennan I Pont.-Bat. 

6. ,, ,, Oberst Wartminski I ,, ,, 

Belagerungs-Ingenieur-Park Nr. 2 (mit der Park-Compagnie Nr. 2) : 

Oberst Kokuskiit . I Park, l Cp. 

Feld - Ingenieur - Park Nr. 2 (mit l Park-Halbcompagnie) ; Oberst- 
lieutenant Korjewo I , V/2 »> 

Feld-Telegraphen-Park Nr. 5: Oberstlieutenant Kozintzow I Park 

)j ,j ,, ,5 6' Oberst Salzmann i ,, 

2. Sappeur-Brigade. 

Commandant: GM. Reitlinger. 

3. Sappeur-Bataillon: Oberst Rudowski i Bataillon 

4« j' )5 ,, Koheljew i ,, 

4. Eisenbahn- ,, „ Denjkowski I 

2. Pontonier- ,, ,, Domoratzki i Pont.-Bat. 

3- 11 11 11 Kopanski I ^^ ^^ 

Belagerungs-Ingenieur-Park Nr. I (mit der Park-Compagnie Nr. i) : 

Oberst Jellijiski I p^rk, i Cp, 

Feld-Telegraphen-Park Nr. 3: Oberstlieutenant Bjelencenko .... i Park 

)' >? -1 >j 4* „ Zigalow I ,, 

I. Reserve-Sappeur-Compagnie i Comp. 

I Commando der galvano-technischen Compagnie (50 Mann) .... i Commando 

Marine-Schützen-Compagnie des Infanterie-Lehr-Bataillons I Comp. 

Schwarzmeer-Marine-Datachement 2 

Baltisches Marine-Detachement 3 



94 



I. Don-Kasaken-Reeiment: Oberst Kl 



urnanow 



koi 



-^. „ „ 

31- ., 

34. M „ 

35- 5> 5- 

37. ,, 

40- >. 
I Sotnie des Ural-Kasaken-Heeres 



Oberstlieutenant Baklanow (betr.). 
Oberst Krasnoiv 

,, Ponomarj'ew 

,, Kubas kill 

Oberstlieutenant Korocencetü (betr.) 
„ Cereivkow (betr.) 

Oberst Iloiuajski 

Oberstlieutenant Dmitrow (betr.) . 



6 Sotnien 

6 

6 

6 

6 
6 
6 
6 
6 
I 



Kaukasische Kasaken-Division. 

Commandant: GL. Skohelew I. 
Stabschef: Oberst Farensow. 

I. Brigade: Oberst Ttttolmin. 
30. Don Kasaken-Regiment: Oberst Orlow 6 Sotnien 



2. Kubi 



Oberstlieutenant Kucharenko 



2. Brigade: Oberst Wtilfert. 

Wladikawkaz-Regiment (Terek-Kas.): Oberst von Lewis of Menar . 4 Sotnien 

Irreguläres Terek-Bergreiter- Regiment: Oberst Pankra^ow 4 ,, 

Vom 7. Piastun-Bataillon des Kuban-Kasaken-Heeres: 2 Sotnien . . 2 Fuss-Sot. 
I. Don-Kasaken-Batterie: Wojskowoj Starsina [Kas.-Obstlt.] Kostin 

(betr.) 6 Geschütze 

8. Don-Kasaken-Batterie: Oberst Wlasow 6 „ 

10. ,, ,, ,, ,, Solunski 6 ,, 

15. ,5 5, ,, Wojskowoj Starsina [Kas.-Obstlt.] Dz/Z/'z';« 

(betr.) 6 

Reitender Artillerie-Park Nr. 8 I Park 

Halbescadron der 4. Feld-Gendarmerie-Escadron 1/2 Escadron 



Belagerungs- Artillerie. 

Commandant: Oberst Mollei- (betr.). 

9 Compagnien der Kijewer Festungs- Artillerie 

I Bataillon der Nikolajewer ,, ,, ..... 
Belagerungs-Artillerie Park 



Reserve- Infanterie-Bataillon: Oberst Klüki von KLiigenau 
„ ,, Oberstlieutenant Biidel . . 

,, ,, „ Kudaroivski 

,, ,, ,, Suscinski . 

,, ,, ,, Sadowski . 

,, ,, ., Suchodolski 

., ,, ,, Tocitzki . . 

• ,, Wolski . . 

,, ,, ,, Gerasimow 

,, ,. ,, Swjencitzkl 



2 Vi Bataillone 

I Park 

I Bataillon 

I 

I 

I »» 

I •>■, 

I 

I 

I 

I 

I 



Zusammen: 24 Vi Bataillone, 4 Pontonier-Bataillone, i Commando, 75 Sotnien, 2 Fuss- 
Sotnien, V2 Escadron, 40 Geschütze, 9 Parks, 9V2 Compagnien, l Park-Abth. 



295 

Totale der Operations-Armee^). 

Reguläre Truppen: 

193 Y4 Bataillone, 73 V2 Escadronen, 730 bespannte Geschütze, 37 Parks, 
6 Park-Abtlieilungen, 9-/2 Corapagnien, 4 Pontonier-Bataillone, 2 Coniraanden. 

Irreguläre Truppen: 

2 Fuss-Sotnien, 6V2 Escadronen, 135 Reiter-Sotnien, 72 bespannte Geschütze. 



1) Ueberdies befanden sich bei der Operalions-Armee : 
Garde-Detacliement des kaiserlichen Ehrenconvoi: Flügel-Adjutant Oberst 

Ozeroiu l'/a Comp., % Escadron. 

Bulgarischer Landsturm; GM. Stoljetoiv 6 Druzinen. 



Beilage II. 



Verzeichnis 



der 

gefallenen, verwundeten und verletzten Generale, Stabs- und 

Oberofficiere. 



Truppenkörper, Charge, Name 


G 

'S 


c 
> 


> 


Anmerkung 




1. Beim Donau-Uebergange bei Galaz am 10. [22.] Juni 1877. 




Infanterie-Regiment Rjazanj 

Nr. 69. 

Fähnrich Eugen Wasiljew 

Lieutenant Eisner 


I 

I 
I 


I 
I 


I 
I 






Fähnrich Pogozew-Otraskiewic .... 

Lieutenant Zawabjewskij 

Fähnrich Wissanow 




Infanterie-Regiment Rjazsk 

Nr. 70. 

Unterlieutenant Nikolski II 

Lieutenant Wasiljew 




Zusammen . . 


3 


2 


2 




II. Beim Donau-Uebergange bei Zimnicea-Svistov am 
15. [27.] Juni 1877. 




Garde-Detachement. 
Flügel- Adjutant Oberst Ozerow . . . 
,, ,, Hauptmann Kosac . . 

Leibgarde-Grenadier-Regiment. 
Lieutenant Poli'wa>:ow 


— 


I 
I 


I 






Fürtrag . . 


— 


2 


I 





298 



i Truppenkörper, Charge, Name 

i 


<u 


T3 




Anmerkung 




! 


Sd 


> 


tu 

> 






Uebertrag . . 


— 


2 


I 






Infanterie-Regiment Wolhynien 












Nr. 53. 












Stabscapitän yascijiski 


I 










■ Unterlieutenant Grigora-SivLli .... 


I 












Fähnrich Luki anow . . .... 


I 


— 









Hauptmann Alejnikow 


Stabscapitän Brjanow 


— 




— 


tödlich 




Unterlieutenant Rjesetnikow 


— 




— 






Fähnrich Maximowic 







- 






,, Iwaiiow ...... ... 







— 






,, Solo guh- Sah das 


j, Prochnitzki 


— 




— 






Infanterie-Regiment Minsk 












Nr 54. 












Stabscapitän Feirowic 


I 


— 


. — 






Unterlieutenant Kanenberg 


I 


_ 









Fähnrich Fjodorow 


I 










Hauptmann Semenow 




I 









„ Adoric-Strjehntzow . . . 


— 


I 









Fähnrich Ryzkin ' . 





r 




tödlich 




Infanterie-Regiment Podolien 












Nr. 55. 












Oberst Duchonin 





I 


— 






Fähnrich Zdani 





I 

I 





tödlich 




„ Dynga 


Infanterie-Regiment Zytomir 












Nr. 56. 












: Major Godlewski 


— 


I 


— 






Fähnrich Gizitzki 


— 


I 


— 






2. Fuss - Gebirgs-Batterie. 












Oberstlieutenant Strjelhitzki 


I 


— 





\ Batterie-Commandant 

/ ertrunken 

^ comm.jV. d.i. Garde-Art. 




Stabscapitän Kohijew 


I 


— 


— 




Lieutenant Türbei't 


I 


I 


— 


-Bgd. 


Unterlieutenant Was. Jakowlew . . . 


4. Pontonier-Bataillon. 












Lieutenant Fjodorow 


— 


I 


— 


drei Wunden, starb 




Fürtrag . . 


9 


19 


I 



299 



Truppenkörper, Charge, Name 



Anmerkung 



Uebertrag . . 

5. Pontonier-Bataillon. 
Unterlieutenant Danilewski .... 
Lieutenant Dobrowolski (von der Marine^ 
Zusammen . , 



19 



10 20 



coram., V. Infanterie-Regiment 
Nizni Nowgorod Nr. 22 



in. Beim Treffen von Nikopol am 3. [15.] Juli 1877. 



Infanterie-Regiment Wologda 

Nr. i8. 



Oberst Baron Solowjew . 
Hauptmann Plj'uskiewic . 
Unterlieutenant Grekow . 
Fähnrich Andrejewski . . 
,, Nizowski . . . 

Oberstlieutenant Tichanow 



Commando der 2. Brigade der 
5. Inf anterie - Division. 
GM. Bogacewic 



Infanterie-Regiment Galic Nr. 20. 

Major Wolcanetzki 

Hauptmann Andzejkowic 

Stabscapitän Terletzki . 

Unterlieutenant Gurski 

,, Pyrew 

Fähnrich Padcin 

,, Foss 

Unterlieutenant Zuhkowski 



Infanterie - Regiment Tambow 

Nr. 122. 
Unterlieutenant Kremenetzk, 

,, Sirjajew . 

Hauptmann Messaros . . 

„ Przetzlawski 

Lieutenant Krakowjetzki , 

Unterlieutenant Malachowski 



ürtrag 



3 15 



Regiments-Commandant 



Commandant des 1. Bataillons 



Brigadier, blieb in der Front 



Commandant des 1. Bataillons 



leicht 



300 



Truppenkörper, Charge, Name 


'S 


c 
;> 


"S 


Anmerkung 


Ueb ertrag . . 

Fähnrich Platonow 

Major Zlatolinski 

Unterlieutenant Andriewski 

Infanterie-Regiment Kozlow 
Nr. 123. 

Major Gotlund 

Stabscapitän Ozerow 

„ Kuznjetzow 

V 

Hauptmann Sestakow 

Lieutenant Mencugow 

5. Artillerie-Brigade. 

Unterlieutenant Ganicew 

Oberst Presser 


3 


IS 

I 

I 
I 
I 

I 


3 

I 

I 

I 
I 

I 
I 


l 
blieb in der Front 

der 4. Batterie 
Commandant der 1. Batterie 
,. 2. 


Oberstlieutenant Jasikowski 


Zusammen . . 


3 


20 


9 


IV. Beim Angriffe auf den Sipka-Pass am 5. und 6. 
[17. und 18.] Juli 1877. 


Am 5. [17.] Juli bei dem Gabrovoer 
Detachement. 

Infanterie-Regiment Orel Nr. 36. 
Fähnrich Dtnitriew , . - 


I 
1 

I 

I 
I 


I 
I 

I 

I 

I 


I 

I 


schwer 

blieb bis zum Schlüsse des 
Gefechts in der Front 

Bataillons-Commandant 


„ Docenko 


Hauptmann Klientow 

Unterlieutenant Fialkowski 

Fähnrich Kowalewski 

„ Zakrzewski 

Am 6. [18.] Juli beim Avantgarde-Corps. 

13. Schützen-Bataillon. 
Oberst Klimantowic 


Lieutenant Cekalow 

Hauptmann Neneström 

Lieutenant Zagorowski 

15. Schützen-Bataillon. 

Stabscapitän Speljew 

7. Plastun-Fuss-Bataillon. 
Jesaul Bastanik 




Zusammen . . 


5 


5 


2 



30I 



Truppenkörper, Charge, Name 



Anmerkung 



V. Bei den Kämpfen um Plevna am 7. und 8. 
[19. und 20.] Juli 1877. 



Commando der l. Brigade der 
5. Infanterie-Division. 
GM. Knorring 



Infanterie-Regiment Archangelsk 
Nr. 17. 

Oberst Rosenboom 

Oberstlieutenant Markiewic 

Stabscapitän Kulcitzki 

,, ,, Genibitzki 

„ ,, Hess 

Lieutenant Machnitzki 

„ Nikitin 

Unterlieutenant Konstanünowic .... 
,, Afanas. Worobej . . . 

,j Balutin 

,, Markowski 

Fähnrich yadrilo 

„ Wojcechowic 

Major üwarow 

Hauptmann Zagurski 

,, Eismont 

,, Griskow 

Stabscapitän Dibski 

,, Markowski 

,, Jezewski ........ 

„ Fadjejew 

Lieutenant Alexandrowic 

Unterlieutenant Keller 

Metelski 

Mironenko 

yelisjejew 

jfaworski 

Birjukowic 

Worohej 

Fähnrich Romanow 

,, Lositzki 



Fürtrag 



13 19 



Brigadier 



Regiments- Commandant 



starb an der Wunde 



starb an der Wunde 



102 



Truppenkörper, Charge, Name 



Anmerkung 



Uebertrag . 

Infanterie-Regiment Wologda 
Nr. l8. 



Major jfurkowski 

Lieutenant Kowedjajew 

jNIajor Stesui . . ' 

Hauptmann Rogalski 

,, Dawidow 

Stabscapitän Daskiewic 

,, Sliwinski 

,, Samsonow- Dwoj'nikow 

„ Domanto-wic . . . . 

Lieutenant Chorosenko 

,, Swjetjucha . . . . . . 

,, Bacewski 

,, Scelkowski 

Unterlieutenant Fedotow 

,, Jandowski . . . . 

,j Werskowski . . . 

„ Pelenkin 

,j Potapow 

Fähnricli Tkacuk 

,, ■ Njegowski 

„ Gorski 



Infanterie-Regiment Kostroma 
Nr. 19. 

Oberst Kleinhaus 

Oberstlieutenant Djakonow 

Major Cechanowic 

Stabscapitän Stog . , 

Lieutenant Tarasjewic 

Fähnrich Kotlowski 

,, Bjelorowski 

Major Grincewic 

,, Bjelski 

Hauptmann Cerniwetzki ...... 

Stabscapitän Salkow 

,, Podleski . 

Lieutenant Ko-walewski ...... 

,, Wyganowski 



13 



19 



Fürtrag 



I 
I 
I 
I 
I 
I 
I 

35 



10 



Regiments-Commandant 



303 



Truppenkörper, Charge, Name 


1 

t 


T3 

C 

> 


> 


Anme rkung 


Uebsrtrag . . 

Unterlieutenant Kosenko 

„ Puzan 

„ Demcenko 

Fähnrich Diidarevj 

Wolkow 

,, Dontzow 


22 


35 

I 


10 


starb an der Wunde 


„ Nosalewski 


5. Batterie der 31. Artillerie- 
Brigade. 

Unterlieutenant Jakimenko 

„ Kolorowic 


Zusammen . . 

1 


22 


45 


10 




University of 
Connecticut 

Libraries 



39153029269463